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Depression, "ich fühle nichts mehr": Erklärung?

LBady\Suxe hat die Diskussion gestartet


Der Sohn einer alten Freundin(ich kenne ihn von klein auf) leidet seit 3 Jahren an Depressionen, mittlerweile ist er 20.

Es sagt, er fühlt nichts, das wäre kein lebenswertes Leben (also auch latente Suizidgefahr).

Zur Zeit macht er eine stationäre Therapie.

Ich verstehe es nicht und hoffe, bitte kann es mir einer erklären.

Denn wenn ich ihn sehe, wie er mit Kumpels lacht, dann wird er doch "Freude" empfinden, vlt auch "Glück".

Wenn ich ihn sehe, wie er mit meinen Söhnen das Fussballspiel (Bayern,Dortmund) vor 2 Tagen angesehen hat und für Bayern gefiebert hat, da muß er doch "Entäuschung/Ärger/Wut" gefühlt haben, wenn der Ball ins Tor der favorisierten Mannschaft flog.

Ich hab ihn doch "reagieren"(er regte sich auf) sehen. Da muß er doch "gefühlt" haben.

Unabhängig von diesen Beispielen, ich fühle im normalen alltäglichen Zustand auch nichts – die GEfühle kommen doch erst mit den entsprechenden Situationen, denke ich.

Allerdings richte ich meinen Fokus im Allgemeinen mehr nach aussen als nach innen, hab ich da was verlernt?

Er sagt, er ist sogar nachts über den Friedhof gelaufen um Angst, zu fühlen.

Angst würde mir das auch keine machen, sehr wohl aber Unbehagen.

Ist es richtig zu sagen, man hat doch nicht dauernd irgendein Gefühl, welches man wahrnimmt?

Wenn ich hier so sitze und schreibe und an meine Kinder (schon groß u teilweise aus dem Haus)denke, da fühle ich auch nichts – es reicht mir zu wissen, dass sie gesund sind u es ihnen gut geht – also die Liebe zu ihnen "fühle " ich auch nicht, aber zu wissen, es ginge einem Kind schlecht, dann ginge es mir auch nicht gut – vor Sorge.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken.

Antworten
m8us~katnGuss


Nein du hast nichts verlernt, es ist alles normal.

Das du nichts fühlst, wenn du an deine Kinder denks, heißt du hast dich abgenabelt und weißt sie in Sicherheit. Die Liebe zu ihnen fühlst du nicht, weil es ein sehr gewohntes Gefühl ist. Sowas sieht man auch vielen Ehen. Du schmilzt ja nicht mehr jeden Tag dahin, wenn du 40 Jahre verheiratet bist. :-D Deswegen trennen sich wieder viele.

Nö, aber ist alles super bei dir. Du bist wahrscheinlich nicht depressiv, da müsstest du noch andere Dinge fühlen und haben.

B/rucxe21


Hallo,

Denn wenn ich ihn sehe, wie er mit Kumpels lacht, dann wird er doch "Freude" empfinden, vlt auch "Glück".

Wenn ich ihn sehe, wie er mit meinen Söhnen das Fussballspiel (Bayern,Dortmund) vor 2 Tagen angesehen hat und für Bayern gefiebert hat, da muß er doch "Entäuschung/Ärger/Wut" gefühlt haben, wenn der Ball ins Tor der favorisierten Mannschaft flog.

Ich hab ihn doch "reagieren"(er regte sich auf) sehen. Da muß er doch "gefühlt" haben

Es kann sein das er in diesen Momenten etwas fühlt.Allerdings werden viele an Depressionen erkrankte Menschen auch zu guten Schauspielern.Ich kenne jemanden der lane unter Depressionen gelitten hat,und trotzdem noch lange Zeit gearbeitet hat.Er hat ständig glaubhaft gute Laune vorgetäuscht,obwohl es ihm eigendlich beschissen ging.Das muss für ihne die Hölle gewesen sein.

Und was diese Gefühlsosigkeit betrifft:Eine gute Therapeutin die ich kenne,hat mal gesagt:Eine Gefühlolsigkeit ist auch ein Gefühl.Natürlich kein angenehmes,aber ein Gefühl.

Und irgendwie hat sie recht.

L1adyQSue


Danke für eure Beiträge, es ging mir darum zu verstehen, wie sich das anfühlt " nichts" zu fühlen und ob das nicht stückweit auch völlig normal ist.

Man bleibt doch im Laufe des Tages nicht alle 100 Meter stehen um in sich hineinzuhorchen: wie geht es mir grade?

Wenn mein Umfeld in dem ich mich bewege normal und gut auszuhalten ist, brauch ich das doch auch gar nicht, sondern erst im umgekehrten Fall.

muskatnus

Lieb von Dir, dass Du mir "bescheinigst" nicht depressiv zu sein – das weiß ich – darum geht es mir nicht. Es geht mir ums Verstehen – wie fühlt ein depressiver Mensch.

Bruce1

Eine gute Therapeutin die ich kenne,hat mal gesagt:Eine Gefühlolsigkeit ist auch ein Gefühl.Natürlich kein angenehmes,aber ein Gefühl.

Danke, damit kann ich was anfangen.

Und ja, Du hast Recht was das Schauspielern anbetrifft, bestes Beispiel Robert Enke, da fielen alle aus allen Wolken, als er sich umgebracht hatte.

Das sagte er auch, dass er so "tut als ob" vor seinen Kumpels, weil man ihm ja nichts ansieht und weil es die anderen nicht verstehen und vlt sogar genervt reagieren.

Nicht so einfach die Sache.

mpollIix2


LadySue

Meist ist es so,wenn du dich in der Depriphase befindest(was nicht immer ist) sind keine Gefühle mehr vorhanden, nur Leere und Sinnlosigkeit.

Die Phasenlänge ist bei bei jeden PAT. verschieden. Meist kommt man nur mit Medikamenten und Therapie wieder heraus.

Und ja, Du hast Recht was das Schauspielern anbetrifft,

Da gibt es einen Schalter den legt man um für kurze Zeit, doch danach wird das Leiden noch schlimmer.


Ich beschreibe es mal mit schwarzen Nebeln die langsam herankriechen und dich dann vollständig einhüllen und dir die Luft zum Atmen nehmen. Es gibt kein Entrinnen, du bist gefangen.

ai.fixsh


Bei mir ist es so, als wäre mein Gehirn gegen schöne Dinge imprägniert. Es bleibt nichts haften. In dem Moment, in dem es passiert, ist es schön oder lustig oder spannend, aber in der Sekunde, in der es vorbei ist, ist es vorbei und ich hocke wieder in meiner Ödnis. Und, ja, 'nichts fühlen' ist natürlich auch ein Gefühlszustand.. total blöd zu erklären. ":/

m,uska~tnuss


Lieb von Dir, dass Du mir "bescheinigst" nicht depressiv zu sein – das weiß ich – darum geht es mir nicht. Es geht mir ums Verstehen – wie fühlt ein depressiver Mensch.

Achssooo, das laß sich so als ob du wissen wolltest ob du jetzt depressiv bist. Okay, sorry. ;-)

Ein depressiver Mensch fühlt sich leer. Ausgebrannt. Gefangen. Man hat Gedankengänge die sich immer und immer wiederholen. Man fühlt Angst. Angst ob das jemals wieder geht oder bleibt, was wird, was nicht wird. Man fühlt sich betrübt. Man fühlt sich benebelt. Man fühlt sich verzweifelt (ist das ein Gefühl?). Man fühlt Trauer. Man fühlt sich gelähmt.

Mwoll$ie{nchexn


Nichts fühlen eines Depressiven ist eigentlich nicht nichts fühlen. Bei mir fühlte es sich immer an, als hätte jemand eine schwere, aus Eisen gewebte Decke über mich geworfen, die nun belastend auf mir liegt und den Blick um mich herum grau macht. Es ist so ein praktisch-kurz-vorm-Heulen sein, aber nicht mal mehr darin Sinn sehen und es deshalb nicht tun. Rauschen im Kopf. In den Ohren. Sich weg wünschen. Geistig auch schon ganz weit weg sein. Mit dem Körper nur noch verbunden sein, weil es keinen so einfachen Weg raus gibt.

m4ollix2


Erstaunlich wie unterschiedlich die Depressionen sich "anfühlen".

Wie schon geschrieben, es ist auch ein Gefühl, und wenn ich darüber nachdenke, ein Gefühl was ich aber nicht möchte,denn es macht etwas mit mir was ich eigentlich nicht will.

Vermutlich fühle ich in den Momenten nur was in mir ist und die anderen Gefühle werden abgeschaltet,denn sonst könnte ich dieser Situation doch entfliehen?

Bin grad etwas ratlos %:|

H3ata#ri


Ein depressiver Mensch fühlt sich leer. ~muskatnuss

Ich empfinde es meist eher als Vakuum als als Leere. Weil da in dann einfach *nichts* ist? Weil kein Platz für Gefühle reserviert ist? Ich weiß es nicht.

In dem Moment, in dem es passiert, ist es schön oder lustig oder spannend, aber in der Sekunde, in der es vorbei ist, ist es vorbei... ~a.fish

Oh ja... :-| Wobei das irgendwie auch nicht immer zutrifft – oft genug ists trotzdem gute Miene zum bösen Spiel. Und der Gegenüber kann nichts dafür, dass man die Situation als "böse" empfindet...

Zgw;ack4H4


Es geht mir ums Verstehen – wie fühlt ein depressiver Mensch.

So, wie es unterschiedliche Grade von und Gründe für Depressionen gibt, unterscheiden sich wohl auch die Symptome. Wenn ich aus meiner leidvollen Erfahrung berichten darf: innere Leere, verminderte Belastungsfähigkeit, Entscheidungsschwäche, abrupte Stimmungswechsel, "das Leben ist so beschwerlich", Unfähigkeit, Glück zu empfinden, Introvertiertheit, Sozialphobie, Schlafstörungen, Libidoverlust, evtl. Suizidgedanken. Je geringer die Belastung, desto besser das Befinden. Man kann also vielleicht ohne zu leiden stundenlang aus dem Fenster sehen, bekommt aber Panik, wenn man einen Telefonanruf zu erledigen hat. Ich habe Monate lang keine klassische Musik hören wollen, die ich sonst sehr liebe. Wenn man depressiven Menschen eine Freude machen will, kann die aus meiner Sicht nur auf einem Gebiet liegen, die einem schon früher Freude gemacht hat. Dagegen verstößt sehr oft der wohlgemeinte ärztliche Rat, doch bitte Sport zu treiben. Natürlich wissen wir, dass dadurch Endorphine entstehen, aber für einen unsportlichen Menschen ist dieser Rat nur ein weiterer ungeliebter Punkt auf seiner to-do-Liste und senkt jedenfalls aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit, wieder aus dem tiefen schwarzen Loch herauszukommen. Erst wenn man darüber nachdenkt, merkt man übrigens, dass der Alltag aus lauter kleinen Entscheidungen besteht. Wenn man 20 Minuten braucht zu entscheiden, welche Krawatte man tragen will, bekommt man natürlich pro Tag nicht viel gebacken. Man weiß auch selbst, dass man nicht objektiv, sondern nur subjektiv überfordert ist und deshalb schlecht sagen kann: "Ich bin überlastet." Weil man nicht weiß, wie man zu diesem depressiven Zustand gekommen ist, hat man auch keine Ahnung, wie man wieder herauskommen soll. Man ahnt nicht, wie man je wieder arbeitsfähig werden soll, fürchtet, durch das soziale Netz zu fallen, und weiß nicht, ob die Familie der Belastung standhalten wird. Pure Existenzangst! Die wechselnden Stimmungen machen das Leben unberechenbar. Man sagt heute einer Einladung von lieben Freunden zu, bekommt aber am nächsten Tag allein bei dem Gedanken grenzenlose Panik. Zum Schluß noch ein ernstes Wort zu angeblich wohlgemeinten Ratschlägen wie "Reiß Dich einfach zusammen, dann geht das schon", "Ich hatte das schon viel schlimmer und habe mich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen" oder "Sich mit Depression zu entschuldigen, ist natürlich auch sehr bequem." Diese "Ratschläge" gehen völlig am Problem vorbei, denn der Kranke will nichts lieber als seinen früheren Gesundheitszustand wieder erreichen, arbeitsfähig werden und ein normales Leben führen. Sie können sogar zum Suizid führen, wenn der Patient erkennt, dass ihn nicht einmal mehr die ihm Nächststehenden verstehen.

L4adyxSue


Danke an alle – ihr habt mir mit euren Ausführungen sehr geholfen @:)

Erstaunlich wie unterschiedlich die Beschreibungen sind, aber letzlich doch sehr ähnlich.

MDolliWenchexn


Man kann also vielleicht ohne zu leiden stundenlang aus dem Fenster sehen, bekommt aber Panik, wenn man einen Telefonanruf zu erledigen hat.

Oh ja, wie sehr das stimmt. :)z

ay.fixsh


Je geringer die Belastung, desto besser das Befinden. Man kann also vielleicht ohne zu leiden stundenlang aus dem Fenster sehen, bekommt aber Panik, wenn man einen Telefonanruf zu erledigen hat.

[...]

Man sagt heute einer Einladung von lieben Freunden zu, bekommt aber am nächsten Tag allein bei dem Gedanken grenzenlose Panik.

Das sind die Punkte, die mir persönlich sehr zu schaffen machen. Weil das so schwierig zu vermitteln ist, an andere, aber auch weil mir das selbst so wenig einleuchtet. Rational natürlich schon, ich erkenne dieses Muster immer wieder, aber ich kann mich da selbst schlecht verstehen und mir das auch schlecht verzeihen. Oft traue ich mich gar nicht mehr, in unbelasteten Momenten zu zeigen, dass es mir eig. ganz gut geht, weil ich befürchte, das beim nächsten Einknicken aufs Brot geschmiert zu bekommen. "Du kannst ja doch, Du willst nur nicht..".. und ist es nicht irgendwie doch wahr, ich weiß es nicht.

Z=wafckx44


Da hilft nur Aufklärungsarbeit: .... dass Depressionen oft phasenweise kommen, manchmal auch von jetzt auf gleich, d.h. die Krankheit ist da, wirkt sich aber auf das tägliche Leben in unvorhersehbarer Weise aus. Manchmal leidet man weniger, manchmal möchte man sich nur ein Kissen über die Ohren ziehen und mit nichts und niemandem konfrontiert werden, manchmal ist man überfordert, wenn die Frau nur fragt, ob man mittags lieber Roulade oder Kalbsleber essen möchte. Man muß nicht verstehen, warum das so ist, man muß nur wissen, DASS das so ist, und wenn man das seinem Umfeld erklärt, kann das bei einem Vorfall, der nach außen hin merkwürdig ersdcheint, zumindest sagen: "Aha, das ist wahrscheinlich wieder so ein Fall, von dem er/sie erzählt hat." Wenn man sich dagegen NICHT outet, wird man mit Sicherheit innerhalb kürzester Zeit für komisch, arrogant, balla-balla gehalten, und der Kontakt wird abgebrochen.

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