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Alles läuft schief

S|chiefiläufexr


Mollienchen

Danke für deine Antwort. @:)

Ja, was kann ich Dir raten? Lernen, egoistischer zu sein? Lernen, eben auch mal nein zu sagen? Den anderen sozusagen beibringen, dass Du eben nicht jederzeit hilfreich zur Verfügung stehen kannst, weil Du Dich zur Abwechslung auch mal um Dich selbst kümmern musst.

Ist es schön, als egoistisch zu gelten, wenn man es nicht sein will? Natürlich habe ich angefangen, auch mal an mich zu denken. Auf der anderen Seite helfe ich sooooooooo gerne. Das baut mich auf, aber vermutlich auch deshalb, weil ich dann wahrgenommen werde. Ich habe mir - in der Rückschau - immer die Menschen ausgesucht, die hilfsbedürftig waren. Im Grunde bin ich also selber Schuld! >:(

Ich war mein Leben lang extrem schüchtern. Und irgendwann schaut man sich nur noch um, wo ist eine Frau, die deine Hilfe braucht? An die, die mich viel mehr interessiert hätten, habe ich mich nicht rangetraut. Das ist ungerecht mir und den Frauen gegenüber. Was können die einen für meine Schüchternheit und warum sollten die anderen Lückenbüßer sein? Und was mache ich zwischen diesen Stühlen? Das ist eine echte lose-lose-lose-Situation: Nur Verlierer!

Meine Selbstachtung bleibt auf der Strecke, wird nur aufrechterhalten durch das gute Gefühl, jemandem geholfen zu haben. Das ist kein schlechtes Gefühl, doch wie du schreibst, sollte ich mich mal um mich selbst kümmern. Aber das ist verdammt schwer. Inzwischen ist bei mir alles so schief, dass das kaum noch geht und in der Idealform sowieso nicht mehr.

Ich will dich gar nicht zumüllen mit meinen Fehlern, die alle hausgemacht sind. Ich will auch gar nicht jammern, dafür bin ich nicht der Typ. Ich bin ja eher lustig, aber leider auch nachdenklich. In diesen Phasen überkommt mich dann so eine tiefe Traurigkeit, da alles mit ein bisschen Ehrgeiz und Überwindung des inneren Schweinehunds anders hätte laufen können. Dann will ich es anpacken, doch breche in inzwischen alle Versuche allein deshalb ab, weil ich eben eine Figur des Jammers geworden bin - keine Jammerfigur, da ist ein feiner Unterschied.

MDollGiencPhexn


Ist es schön, als egoistisch zu gelten, wenn man es nicht sein will?

Das kommt auf das Bild an, das man von "egoistisch" hat. Findest Du andere Menschen, die helfen, wenn sie können, aber eben auch nicht helfen, wenn sie selbst jetzt grad mal wichtiger sind, egoistisch? Abstoßend? Hebt es Deine Achtung vor anderen, die Dir immer nur helfen und sich selbst aufgeben? (Falls es solche Menschen in Deiner Umgebung gibt.) Wen hältst Du für stabiler? Den ewigen Ja-Sager oder den Auch-mal-Nein-Sager?

Du hast denselben Anspruch darauf wie alle anderen Menschen, Dich selbst mal am wichtigsten sein zu lassen. Wer Dir das übel nimmt, den kannst Du eh in die Tonne kloppen.

Ich finde es nicht verwerflich, sich von Menschen angezogen zu fühlen, die den Eindruck machen, Hilfe zu benötigen. Ein Charakterfehler ist das ganz sicher nicht. Allerdings sollte es ein bestimmtes Maß halt nicht überschreiten.

Ich kenne auch jemanden, der so ein "Helfersyndrom" hat. Ich würde mich jetzt auch nicht als un-hilfsbereit bezeichnen, aber diese Person, die ich kenne, übertreibt es manchmal so dermaßen, dass ich danebenstehe und die Augen verdrehe und mich frage: Was soll das jetzt noch? (Das ist ein bisschen so ähnlich wie der Oma über die Straße helfen – sie rüberzerren – die gar nicht über die Straße wollte…)

Für eine "Jammerfigur" halte ich Dich gar nicht, so klingst Du nicht.

SichVieflsäufer


Also: Ein militanter Helfer bin ich auch nicht! ;-D Und auch keine Jammerfigur, wie du dankenswerterweise selbst erkannt hast. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die offen über eigene Schwächen sprechen, schnell abgeschrieben und fallengelassen werden - oder als Jammerlappen beschuldigt werden. Gerade für Männer ist das ein Problem, da die Welt sehr hart ist. Wie heißt es so schön: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz!" Und wer will nicht als starker Indianer gelten?

Das mit dem "Sich-fallenlassen" oder "Man-selbst-sein" ist in der Praxis nicht ganz so einfach - wenn man in einer Schieflage ist. Deshalb lasse ich mir das nicht anmerken und fühle mich wohl, wenn ich helfen darf.

Aber alte Omis zerre ich nicht über die Straße, wenn sie dadurch den Bus verpassen... ;-D

M\o#llienKchen


Dass Du einer bist, der Omas über die Straße zerrt, hab ich auch nicht gesagt oder vermutet. ;-D Mein Bekannter, den ich beschrieben habe, ist allerdings so einer, gegen dessen Hilfe man sich mitunter sogar wehren muss…

Ich finde gar nicht, dass jemand, der zu seiner Schwäche steht, automatisch als Jammerlappen gesehen wird. Auf den Umgang mit der Schwäche kommt es an.

Übrigens, wenn man sein Leben lang immer den "starken Indianer" markiert hat und dann plötzlich sagt: "So, Leute, ich brauch jetzt mal Hilfe", dann kann es schon mal sein, dass einem das keiner glaubt.

S'chLiefmläuxfer


Übrigens, wenn man sein Leben lang immer den "starken Indianer" markiert hat und dann plötzlich sagt: "So, Leute, ich brauch jetzt mal Hilfe", dann kann es schon mal sein, dass einem das keiner glaubt.

Das ist wahrscheinlich der Kernpunkt! Ich bin ja jetzt immer noch der Indianer - aus Angst, als Jammerlappen angesehen zu werden. Ich bin ein Mann und an den werden von der Gesellschaft andere Anforderungen gestellt, als an Frauen. Sie dürfen schon mal schwach sein, das ist eher süß bei Frauen. Da fühlt man sich richtig als Mann, wenn man die Frau wieder aufbauen darf. Aber ein schwacher Mann wird aussortiert. Das ist leider meine Erfahrung.

Mtollixenchen


Nein, das stimmt nicht. Vielleicht wird ein Jammerlappen als Mann schneller aussortiert als eine Frau, das mag sein. Ein Mann, der ganz klar und schon immer zu seinen Schwächen gestanden hat, damit aber souverän umgeht und nicht den Eindruck vermittelt, sich dafür zu schämen, sich mal Hilfe zu holen, wird – zumindest ist das meine Erfahrung – durchaus nicht "aussortiert".

SBchieefläupfer


Ein Mann, der ganz klar und schon immer zu seinen Schwächen gestanden hat, damit aber souverän umgeht und nicht den Eindruck vermittelt, sich dafür zu schämen, sich mal Hilfe zu holen, wird – zumindest ist das meine Erfahrung – durchaus nicht "aussortiert".

Aber ich schäme mich dafür! Da ist viel Angst dabei und viele Weichen wurden aus Angst falsch gestellt.

Muoll&ienchxen


Warum schämst Du Dich?

Findest Du andere Menschen – insbesondere Männer – die in manchen Fällen Hilfe in Anspruch nehmen, beschämend?

S_chiecflädufexr


Warum schämst Du Dich?

Es ist halt so, ich kann es doch nicht ändern.

Findest Du andere Menschen – insbesondere Männer – die in manchen Fällen Hilfe in Anspruch nehmen, beschämend?

Nein, ich habe aber Angst, dass ich nicht mehr für voll genommen werde. Ich fress halt alles in mich rein. Aber keine Angst - ich hab eine gute Verdauung... ;-D

Ich bin fürchterlich hin und her gerissen und weiß ehrlich nicht mehr, was richtig ist. Na ja, es läuft halt schief. Doch mir ist klar, dass ich allein dafür verantwortlich bin. Ich leide also unter meinen Fehlern selbst - und ich achte darauf, dass ich der einzige bleibe.

Klinge ich jetzt wieder wie ein Jammerer? Das täte mir leid. Aber ich hab keine Ahnung, wie ich das vermeiden kann.

M3olJl/ienxchen


Nein, wie ein Jammerer klingst Du immer noch nicht. ;-)

Es ist halt so, ich kann es doch nicht ändern.

Oh doch, das könntest Du schon. Zum Beispiel, indem Du Dich fragst, warum andere etwas tun "dürfen" (um Hilfe bitten) und Du das nicht dürfen solltest. Und ob alle Menschen um Dich herum wirklich perfekt sind und alles selbst hinkriegen, oder ob nicht doch der eine oder andere mal Hilfe in Anspruch nimmt, daraus aber nur kein Thema macht, und Du kriegst nur das vermeintlich perfekte Endergebnis zu sehen.

C@h*iQu itaa


Bei wem läuft denn schon alles glatt im Leben ??? Und wenn man wüsste was man dagegen tun könnte, dann wärs ja schließöich nicht so ]:D

MColXlieInchxen


Na ja, gibt aber schon Leute, denen Sachen irgendwie mehr "zufliegen" und wo es schwer ist, den Grund dafür zu erkennen. Manchmal verguckt man sich da aber vielleicht auch und vermutet hinter etwas mehr Perfektion, als wirklich da ist. Oder mehr Zufall und Zauberei, und in Wirklichkeit steckt harte Arbeit dahinter.

SgchiedfläufeKr


Ja, das ist alles richtig. Niemand ist perfekt, aber was mir alles passiert ist, glaubt einfach niemand. Ich hab Pech für mindestens drei Leben gehabt. Dabei hätte ich mit weniger Schüchternheit einiges ändern können. Das hat nicht nur mit Frauen zu tun.

Ich kann was, sehr viel sogar, da bin ich selbstbewusst. Andere beneiden mich ganz offen darum. Aber was habe ich daraus gemacht? Mir fehlt eine gewisse Skrupellosigkeit, dieses über Leichen gehen können. Ich bin zu lieb, zu brav, zu mitfühlend, zu vorsichtig. Ein bisschen mehr innerer Schweinehund tät mir vermutlich ganz gut. Und das fatale: Da ich inzwischen meine Maske perfekt beherrsche, hält mich jeder für stark und selbstbewusst. Und - schwupps - schon haste wieder eine Ladung auf deinen Schultern, die du nicht gebrauchen kannst. Und wehe, da knickt mal ein Knie ein bisschen ein... Ich würde so gerne mal alles hinschmeißen, aber ich traue mich das nicht, weil ich Angst habe, dass dann alles vorbei ist.

Ach Gott, ich hör jetzt erst mal auf, ich kann mein Gesülze selbst nicht lesen. Too much!

S*cNhireflä+ufexr


Ich glaube, ich habe einfach nur Angst, dass ich nicht lieben kann. Ich muss das einfach mal zum Ausdruck bringen. So hart es ist, so wahr ist es vermutlich.

M-ollciQenchxen


Ja, das ist alles richtig. Niemand ist perfekt, aber was mir alles passiert ist, glaubt einfach niemand. Ich hab Pech für mindestens drei Leben gehabt.

Mich würde ja brennend interessieren, was Du damit meinst. Verstehe aber, wenn Du es nicht öffentlich schreiben willst.

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