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Citalopram – Für immer nehmen?

D_ex04 hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich bin Mitte 30 und habe vor einigen Jahren unter starken Depressionen gelitten. Mir war das nicht bewusst, aber ich war am Ende. Ich wollte nicht mehr, war verzweifelt und hatte auch immer wieder Nervenzusammenbrüche. Dann habe ich doch Hilfe gesucht, habe eine Therapie gemacht und wurde auch medikamentös eingestellt, mit Citalopram. Es hat lange gedauert, aber mein Zustand verbesserte sich über die Jahre. Mein Leben hat sich normalisiert und ich hatte Phasen in denen es mir auch sehr gut ging. Dann habe ich versucht etappenweise die Dosis der Pillen zu reduzieren, eingestellt war ich mit 40 mg. Langsam habe ich reduziert, zunächst über Wochen auf 30, dann auf 20 mg. Aber ich merkte, wie ich wieder abrutschte und es mir wieder schlechter ging. Darauf habe ich in Absprache mit meinem Arzt die Dosis wieder erhöht. Jedesmal in Phasen, in denen es mir gut ging, wollte ich langsam die Pillen wieder absetzen, aber das gleiche Prozedere begann. Mein Arzt teilte mir daraufhin mit, dass ich mich wohl daran gewöhnen muss dieses Medikament dauerhaft zu nehmen, so wie andere z. B. ihr Blutdruckmittel.

Kann das sein? Werde ich es nie wieder schaffen ohne Psychopharmaka auszukommen? Hat jemand Erfahrung damit und kann dazu etwas sagen? Danke im Voraus und LG *:)

Antworten
Ztwagck4L4


Die Daumenregel lautet: Man soll ADs noch 6-12 Monate nach Verschwinden der letzten Krankheitssymptome weiternehmen, um Rückfälle möglichst zu vermeiden. Natürlich sind sie auch bei einer solchen Verfahrensweise nicht völlig ausgeschlossen. Mit jedem erfolglosen Auslaßversuch vermindert sich die Chance auf ein Leben ohne ADs. Aber wo ist das Problem? Solange das AD ein normales Leben ermöglicht, kann man doch dankbar sein, dass es derartige Medikamente überhaupt gibt.

MuaGstexrp


Je nach Schwerefall kann es sehr gut sein dass gewisse Menschen die Medikation für ihr Leben lang nehmen müssen.

Baru3ce32W1


Also ich habe auch mit 40 mg angefangen,bin jetzt bei 10 mg.Und beim nächste Besuch bei meinem Psychiater wird es vorraussichtlich ganz abgesetzt.Bisher liefen die Reduzierungen immer absolut problemlos.Ich nehme Citalopram jetzt seit 3,5 Jahren,bald ist Schluss.

Man kann es also durchaus schaffen,aber es kommt in der Tat auf die Schwere der Erkrankung an,und auf die Gefahr eines Rückfalls.

D/ex0x4


Danke für die Antworten! :)_

Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Jahre ich die Pillen jetzt schon nehme. D. h. die angegebenen Fristen sollte ich eingehalten haben! ;-) Das Absetzen habe ich auch immer über Wochen gemacht und NIE von jetzt auf gleich! Hm, aber vermutlich stimmt es, dass meine Erkrankung doch schlimmer war?? Ich wünsche das zumindest niemand, aber ich habe es geschafft da wieder raus zu kommen. Dafür bin ich dankbar! Hm, vielleicht versuche ich es irgendwann mal wieder damit aufzuhören? -Tja, wo ist das Problem? Vielleicht hat man doch irgendwo im Hinterkopf, "dass da was nicht stimmt" und das möchte man ja irgendwann vielleicht ganz ablegen? ;-)

Trotzdem denke ich es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt damit aufzuhören. Aber ich habe gelernt geduldig zu sein und die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind! Das war ein langer Prozess. :-)

sEwasi


Hallo,

wie geht es euch inzwischen?

ich muss diesen alten Faden mal wieder aufleben lassen.

Ich bin auch so ein fall. :-(

Ich nehme/nahm seit 10 Jahren Citalopram.. ich versuchte mehrmals das AD auszuschleichen, gaaanz langsam über Monate, hab sogar nur 5 mg genommen ein halbes Jahr. Damit gings mir gut.

Trotzdem geht es mir immer sehr schlecht wenn ich es dann ganz weg lasse.

Ich bin total verzweifelt deswegen.

Da ich es nicht mehr vertrage musste ich es nun absetzen :°( Und noch aus einem anderen Grund :-x

Seit dem bin ich krank geschrieben. Eine Woche nach dem Absetzen ging es mir wieder sehr schlecht.

Herzrasen, Zittern, Angst, Unruhe, einfach nur der Horror.

Seit 3 Monaten mache ich das nun mit.

Man gab mir nun Amitriptylin.

Das hilft mir nicht und macht sehr antriebslos. Die Nebenwirkungen sind sehr stark und ich kann daher nur wenig( 25 mg) nehmen.

AD machen angeblich nicht abhängig ich zweifel daran massiv! Das Gehirn gewöhnt sich schon daran.

lg

Z<wac,k4%4


Bleib in engem Kontakt mit Deinem Psychiater. Amitriptylin wirkt stark sedierend; wahrscheinlich bräuchtest Du stattdessen ein antriebssteigerndes AD.

D}ill[e_s


Ich habe Venlafaxin genommen auch ein AD das auch noch zusätzlich auf Noradrenalin wirkt. Es hat mir sehr geholfen, immer wieder Ausschleichversuche unter Anleitung des Psychiaters gingen leider immer schief , es ging mir nach Reduzierung schlechter. Und ein glückliches Leben mit AD ist immer dem schlechten ohne AD vorzuziehen.

Das Absetzen ist auch sehr gefährlich , weil sich die Depression sogar verstärken kann und evtl. die Mittel nicht mehr richtig helfen.

Eine Gefahr die mir nach 4 Jahren AD passiert ist, dass ich mit den ADs in eine Manie reingeraten bin und ich jetzt Bipolar bin. Eine ganz zähe Geschichte. Wenns einem richtig gut geht mit ADs sollte man darauf achten, dass man nicht nach oben wegschiesst. Psychiater sollten das beobachten und notfalls mit einem Mittel (Seroquel) das im Zaum halten.

Ein Rat den ich jedem gebe der ADs nimmt , in meinem Klinikaufenthalt gab es ein paar vergleichbare Fälle.

DIillxes


@ swasi

ADs machen nicht süchtig und das Gehirn gewöhnt sich auch nicht daran.

ADs (Botenstoffwiederaufnahmehemmer) wirken auf die Synapsen des Hirns. Bei einer Depression produzieren diese zu wenig Botenstoffe und die Elektrischen Nervenimpulse kommen nicht mehr genügend über den synaptischen Spalt. Man bekommt eine Depression. Die ADs bewirken, dass die Synapsen den zu wenig ausgeschütteten Botenstoff nicht wieder aufnehmen , dadurch steigt der Botenstoffspiegel in den Synapsen an und man wird wieder gesund(normal). Wenn man sich ca. 6 Monate gut fühlt versucht man die ADs auszuschleichen, wenn es gut bleibt, bis man sie gar nicht mehr nehmen muss. Bei den Ausschleichveruchen kann sein, dass die Synapsen immer noch zu wenig produzieren und man fällt wieder in eine Depression, durch Einnahme der alten Dosis geht diese wieder weg.

Dies wiederholt man dann alle 6 Monate.

sKwasi


Hallo,

Dilles, das was du schreibst ist mir schon bekannt. Das erzählen alle Ärzte und die Pharmaindustrie..Es gibt aber auch Wissenschaftler die das anders sehen!!

Ich hab mal gelesen, dass Antidepressiva das Transmittersystem dauerhaft verändern. Bei Einnahme von AD steigt die Konzentration von Serotonin und der Körper reagiert mit einer Abnahme der Rezeptoren.

Beim Absetzen der AD nehmen die Rezeptoren nicht wieder zu. So kommt man dann nicht mehr ohne AD aus..

Bei den Ausschleichveruchen kann sein, dass die Synapsen immer noch zu wenig produzieren und man fällt wieder in eine Depression, durch Einnahme der alten Dosis geht diese wieder weg.

Dies ist bei mir auch immer so, bei allen Versuchen..

Nur wenn man das Problem hat wie ich, dass ich das AB nicht mehr nehmen kann, dann steht man blöd da. Was macht man da?

Ich krieg langsam die Krise :°( , bin nun schon Monate von der Arbeit zu hause..und habe Angst wegen der Zukunft.

lg ":/

suw<a?sxi


Hallo zwack,

ich habe das dem Psychiater geschildert, dass ich mit dem Amitriptylin diese Probleme habe.( Druck auf der Brust, Benommenheit, niedriger Blutdruck)

Er sagte ich bilde mir das nur ein >:( ...und ich soll es weiter nehmen.

Ich fühl mich damit irgendwie gar nicht wohl.

Ich nehme es nun 2 Monate und Wirkung hab ich leider noch keine.

Gegen die Panikattacken und Angst hat das Citalopram immer gut geholfen. Leider bekam ich nach einigen Jahren starke Verdauungsprobleme und Probleme mit Galle und Lebner.Seit ich es abgesetzt habe kann ich wieder normal essen.

Der Psychiater meinte, wenn ich das Citalopram nicht vertrage dann vertrag ich kein SSRI.

Ich muss daher mit Amitriptylin auskommen.

grüße

lg

Z&wa-ckm44


Selbst wenn es richtig wäre, dass Du kein anderes SSRI verträgst, bist Du damit nicht auf Amitriptylin (trizyklisches AD) festgelegt.

stwasxi


Hallo,

@ zwack,

mir wurde Venlafaxin abgeboten.

Das hab ich aber nicht nehmen wollen, da es ein Medikament ist das mit die meisten Absetzerscheinungen hervorruft...

Das war mir zu gefährlich, wenn ich schon unter Citalopram so reagiere.

lg

Dcil/lexs


@ swasi

ich hatte zuerst Citalopram, leider ohne Wirkung, sondern mit noch schlimmeren Symptomen. Mein Umstieg auf Venlafaxin hat mich wieder zu den Lebenden gebracht.

Mit Venlafaxin hatte ich keinerlei Nebenwirkungen, außer Anfangs etwas Konzentrationsschwierigkeiten.

Ich habe in 4 Jahren mehrere Ausschleichversuche gemacht leider ohne Erfolg.

Letztes Jahr bin ich dann in eine Manie reingerauscht, Die Synapsen werden dabei mit Serotonin überflutet, das Gefühl muss das Gleiche sein, als wenn man Kokain nimmt.

Venlafaxin und auch andere Wiederaufnahmehemmer stehen im Verdacht Manien auslösen zu können. Deshalb sind regelmäßige Besuche beim Psychiater notwendig , der bei einer beginnenden Manie ein Gegenmittel gibt.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es immer wieder nehmen würde, da es einem Lebensqualität gibt die man in einer Depression überhaupt nicht hat.

Ein Alternativmittel wäre evtl. Mirtazapin, frag mal danach.

Brandgefährlich ist das plötzliche Absetzen dieser Mittel, steht aber auch im Beipackzettel.

syw9asxi


Hallo zusammen,

ich weis nicht ob noch jemand hier ist.

Es ist ja eine Weile vergangen.

Das Amitriptylin zeit in geriner Dosis null Wirkung und bin gerade beim ausschleichen.

Da sich meine Ängste sehr verschlechtern die letzte Zeit habe ich nun entschieden doch Medis zu nehmen >:(

( meine Hauptsymptome sind: Agoraphobie, soziale Phobie und Unruhe, Antrieb ist vorhanden)

Mein Neurologe verschreibt mir leider nur entweder Paroxetin oder Venlafaxin. Ich hab mehrfach gesagt dass ich schon beim Citalopram so starke Absetzschwierigkeiten hatte, und diese nicht unbedingt nehmen möchte.

Es gäbe ja noch andere Alternativen, evtl?

Aus lauter Verzweiflung hab ich nun mit dem Venlafaxin angefangen.

Dies nehme ich nun seit 4 Tagen.

Seit 2 std. nach der ersten Tablette habe ich starken schwindel und starke Kopfschmerzen.

Seit heute bin ich zusätzlich total weggetreten, bekomme nichts mit..

Ich hab mit 37 mg angefangen und soll es nach 4 Tagen erhöhen wenn ich es "vertrage".

Nun ja vertragen ist relativ.

Durchhalten oder ist das ein Zeichen für Unverträglichkeit?

Gibt es noch andere Medis die gegen Ängste helfen ausser Venla und Paroxetin?

vlg

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