» »

Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

FLunjkelstxein hat die Diskussion gestartet


Ich bin (mit einigen Unterbrechungen sowie Therapie- bzw. Therapeutenwechsel) seit mehr als 20 Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Seit etwa 10 Jahren ist die Therapie für mich nicht mehr notwendige Hilfe bei diversen akuten Problemen, sondern mehr eine Begleitung, die mich bei meiner Selbstreflexion in allen Lebensphasen unterstützt.

Ich blicke also auf viele, viele Jahre Therapieerfahrung zurück und habe demnach auch viele verschiedene Therapieformen und unterschiedliche Therapeutenpersönlichkeiten kennengelernt.

Grund für diesen Faden ist, dass ich nun bereits zum wiederholten Mal ein Déjà-vu erlebe: die Therapie droht zu scheitern bzw. muss auf Grund des (in meinen Augen) unprofessionellen Verhaltens des Therapeuten auf der Beziehungsebene von mir beendet werden.

Konkret meine ich: je nach Dauer einer Therapie entwickelt sich zwischen Patient und Therapeut eine Art persönliche Beziehung, ein Therapeut-Patient-Verhätlnis. Ich halte es für naturgemäß und normal, dass sich zwei Personen, die regelmäßig, vielleicht sogar wöchentlich Zeit miteinander verbringen, aneinander gewöhnen, einander besser kennenlernen und sich so automatisch eine Beziehung entwickelt. Sicher, der Therapeut mag den Patienten – zumindest was inhaltliche Hintergrundinformationen betrifft – besser kennen, als andersherum, doch auch der Patient "kennt" seinen Therapeuten – sei es auch nur dessen Auftreten, Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensformen. Dem Patienten gibt es schlussendlich auch Sicherheit, den Therapeuten als bekannte "Konstante" in seinem Leben zu wissen.

Was aber, wenn die Grenzen einer "normalen" Therapeuten-Patienten-Beziehung durch den Therapeuten – bewusst oder unbewusst – überschritten werden? Wenn das Empfinden und Verhalten des Therapeuten nicht mehr einer professionellen Beziehungsebene entspricht, sondern (vom Patienten ungewollter) persönlicher?

Mir droht das innerhalb von wenigen Jahren bereits zum vierten (!) Mal zu passieren, immer auf andere Art und Weise.

Einmal entwickelte die Therapeutin "zu starke Muttergefühle" für mich, einmal verliebte sich der Therapeut in mich, einmal erinnerte ich den Therapeuten "zu sehr an eine ihm bedeutsame Person aus der Vergangenheit" und dieses Mal scheint der Therapeut erneut Verliebtheit für mich zu empfinden.

Zwei schlimme Dinge an dieser (diesen) Geschichte(n):

Erstens: Nie habe ich diese Verschiebung der Grenzen zwischen "professioneller Beziehung" und "persönlicher Beziehung" selbst bemerkt, wahrgenommen oder erahnt und auch im Nachhinein betrachtet, gab es nie Indizien, die mich zu solchen Vermutungen bringen hätten können. Mir wurden die Tatsachen in allen vier Fällen erst mitgeteilt, als die Therapeuten offenbar an ihren jeweiligen Grenzpunkt angelangt waren. D.h., mir wurden ihre Gefühle offenbart, der sprichwörtliche Revolver an die Brust gesetzt und zu einer Entscheidung über den weiteren Verlauf der jeweiligen "Beziehung" gedrängt.

Zweitens: Obwohl ich davon überzeugt bin, nicht "schuld" an der Entwicklung der Ereignisse bin und auch nichts für die Entstehung dieser unterschiedlichen Gefühle bei meinen früheren TherapeutInnen kann, hinterlassen diese Erlebnisse Spuren und mittlerweile frage ich mich ernsthaft: was zur Hölle mache ich falsch? Ist es zu viel verlangt, einmal in der Woche für 60 Minuten mit einer neutralen, ausgebildeten Person über mein Leben sprechen zu können, einen persönlichen Bezug zueinander aufzubauen ohne, dass dieses ausartet und zu "mehr" wird? Ich zweifle derzeit an meinem persönlichem Verhalten in einer Therapiesitzung, aber ganz ehrlich: mich würde es nicht weiterbringen, wenn ich mich in den Gesprächen nicht (auch) über tiefpersönliches unterhalten und dementsprechend "öffnen" kann. Doch tue ich das, rüttle ich scheinbar an der Professionalität meiner Therapeuten, die ich grundsätzlich schon für kompetent halte.


Tja, was also tun? Die vorhergehenden drei "Therapeutenbeziehungen" habe ich nach dem "Outing" beendet, da ich verunsichert war und mich damit überfordert fühlte. In aktueller Therapie stecke ich noch, das "Outing" kam letzte Woche, am Freitag ist mein nächster Termin und ich weiß nicht, wie ich vorgehen soll. Derzeit bin ich eher genervt, als verunsichert und überlege, ob ich auf die Kompetenz und Professionalität des Therapeuten "bestehen" soll und erwarten kann, dass er sich wieder einkriegt. Therapien-Neuanfänge sind hart und ich möchte das nicht schon wieder durchmachen müssen. Eher würde ich ganz aufgeben und einfach nirgendwo mehr hingehen. Auf der anderen Seite "brauche" ich diese Konstante in meinem Alltag.


Was sind eure Gedanken zu dem ganzen Drama?

Antworten
DPumaxl


Funkelstein

Was sind eure Gedanken zu dem ganzen Drama?

Das so was leider nicht ausbleibt. Ich finde lediglich den Zeitpunkt und die kurz skizzierte Ansage der Therapeuten etwas komisch -unprofessionell.

was zur Hölle mache ich falsch?

Nix.

Auf der anderen Seite "brauche" ich diese Konstante in meinem Alltag.

Vielleicht könntest du es aber auch als neuen Teilabschnitt sehen und dir eine neue Konstante schaffen, die dir im Alltag eine Stütze ist?

Ahp'rikorsenm>armel@ade


Ist es nach 20 Jahren wirklich noch von Nöten, zum Therapeuten zu gehen?

Deine Kritikpunkte und Bedenken bzgl. der einzelnen Therapeuten kann ich nachvollziehen; dennoch sind auch sie bloß Menschen.

FvunCkels6tein


Dumal

Das so was leider nicht ausbleibt. Ich finde lediglich den Zeitpunkt und die kurz skizzierte Ansage der Therapeuten etwas komisch -unprofessionell.

Dass so etwas vorkommt ist mir bewusst. Dass es mir selbst passiert – doof, aber was soll man machen? Richtig schlimm finde ich aber, dass es mehrmals so kam und, wie von dir angesprochen, die Art und Weise, wie von den Therapeuten mit der Situation umgegangen wurde. In der Kürze, konnte ich die jeweiligen Situationen nur sehr abstrakt und vage beschreiben, wodurch schnell ein eindeutiges Schwarzweißbild entsteht. Natürlich sind solche Gegebenheiten in der Realität nie eindeutig schwarz oder eindeutig weiß. Grundsätzlich waren auch alle vier immer angestrengt und bemüht, das Beste aus den Umständen zu machen. Gleich war jedoch immer, dass sie sich mir offenbarten und mir die Fäden in die Hände legten. Sie hatten "gebeichtet", nun sei es in ihren Augen an mir, alleine zu entscheiden, ob und wie es weitergeht. Ich fragte mich in diesen Situationen immer, ob es nicht zur Kompetenz eines Therapeuten gehört, solche Gefühle gegenüber des Patienten einfach für sich zu behalten. In dem aktuellen Fall geht es sogar soweit, dass der Therapeut (für mein Empfinden) die Grenzen der Kontaktversuche deutlich überschreitet und mich dadurch zu einer möglichst baldigen Entscheidung drängen will. Alle Eigenschaften, die ich in den letzten Monaten der Zusammenarbeit, sehr an ihm geschätzt habe und ihm auf Grund dieser eine hohe Kompetenz zu schrieb, scheint er nun über Board zu werfen. Er verlangt (unbewusst?), dass ich ihn plötzlich als Privatperson sehe und da ist er, anders als im Beruf, nicht geduldig, empathisch, reflektiert, verständnisvoll,... Wäre das alles nicht auch belasten, fände ich die Situation einfach nur absurd und dämlich.

Vielleicht könntest du es aber auch als neuen Teilabschnitt sehen und dir eine neue Konstante schaffen, die dir im Alltag eine Stütze ist?

Daran habe ich natürlich auch schon gedacht. Eine neue Konstante könnte mir sicherlich Ausgleich und Ablenkung sein, aber ich glaube oder eher befürchte, dass mir ohne Therapie bzw. Gesprächsmöglichkeit im therapeutischen Rahmen etwas wesentliches "fehlen" würde.

Aprikosenmarmelade

Ist es nach 20 Jahren wirklich noch von Nöten, zum Therapeuten zu gehen?

Das ist sicher davon abhängig, worin für mich der Sinn meiner Therapie liegt. Der Sinn lag für mich früher, vor 20, 15, 10 Jahren im Therapieziel (Lösung von Problemen, Verarbeitung diverser Ereignisse, etc.). Heute ist für mich nicht das Ziel im Mittelpunkt, sondern mehr die "Handlung" im Rahmen der Therapie selbst. Selbstreflexion unter professioneller Beobachtung. Es gibt (derzeit) kein akutes Problem, sprich keinen akuten Grund für die Therapie, aber ich bin ein sehr zerbrechlicher Mensch und die Therapiemöglichkeit ist für vergleichbar mit dem Sicherheitsgurt im Auto. Den lege ich nicht nach einem Unfall und nachdem ich mir die Knochen gebrochen habe an, nein. Den lege ich vorbeugend an, um im Falle eines Unfalles vor Verletzungen geschützt zu sein.

K7le*io


Funkelstein

Heute ist für mich nicht das Ziel im Mittelpunkt, sondern mehr die "Handlung" im Rahmen der Therapie selbst. Selbstreflexion unter professioneller Beobachtung. Es gibt (derzeit) kein akutes Problem, sprich keinen akuten Grund für die Therapie, aber ich bin ein sehr zerbrechlicher Mensch und die Therapiemöglichkeit ist für vergleichbar mit dem Sicherheitsgurt im Auto.

Vielleicht liegt es aber genau daran? Du brauchst eigentlich keine Therapie. Du mietest Dir quasi regelmäßig einen Gesprächspartner, vor dem Du nich wirklich Hilfe erfährst, sondern während er Dich beobachten, Du Dich reflektierst oder wenn denn mal ein Problem auftaucht, Du es vor seinen Augen löst, denn ich könnte mir denken, dass Du den Therapeuten auch da nicht brauchst. Eigentlich keine Therapie. Insofern vielleicht dann doch nicht so verwunderlich, dass sich diese Menschen anders mit Dir auseinandersetzen, wie mit Patienten, die ihrer Hilfe bedürfen.

Du schreibst, Du bist sehr verletztlich - meinst Du, dass Dich Dein Therapeut auch so sieht?

Jetzt muss ich aber trotzdem fragen, auch wenn es Dich ärgert, dass er sich in Dich verliebt hat. Du bist ja wohl nicht in ihn verliebt?

P[eeKslee


Hallo Funkelstein!

sehr spannend was du da mitmachst. Ich sitze beruflich selber sowohl auf dem Stuhl des Therapeuten alsauch privat auf dem des Klienten. Ich kenne beide Seiten.

Das was du als unprofessionell erfährst, würde der Therapeut wohl als professionell erachten. Es gibt Situationen wo der Klient nicht zum Therapeuten passt und umgekehrt.

unprofessionellen Verhaltens des Therapeuten auf der Beziehungsebene von mir beendet werden.

Einmal entwickelte die Therapeutin "zu starke Muttergefühle" für mich, einmal verliebte sich der Therapeut in mich, einmal erinnerte ich den Therapeuten "zu sehr an eine ihm bedeutsame Person aus der Vergangenheit" und dieses Mal scheint der Therapeut erneut Verliebtheit für mich zu empfinden.

Ich finde die Fälle auch nicht unbedingt vergleichbar. Wenn du den Th an jemanden bestimmtes erinnerst, dann ist das in der Tat einfach Pech für dich. Und der Therapeut tut gut daran die Therapie zu beenden wenn es für ihn zu risicoreich wird.

Die starken Muttergefühle hingegen finde ich schon etwas das sowohl der Th als auch du thematisieren können oder sogar müssen in der Therapie. Muttergefühle entwickeln sich normalerweise doch nur wenn man ein verletzliches Küken vor sich hat, nicht bei einem Narcisten, nicht bei jemandem der agressiv ist , z.B. Was macht dass du so bedürftig nach Sorge rüberkommst? Ist das Thema gewesen?

Erotische Gefühle sind schwierig zu hantieren, gehören aber durchaus zur Therapie. Von beiden Seiten. Auch das sehe ich nicht als Grund um die Therapie abzubrechen. Wenn der Th transparent genug ist, wird er über seinen Anteil sprechen können so dass ihr gemeinsam einen Weg daraus findet.

Eine Theorie von "sich verlieben" ist übrigens dass man sich nur in denjenigen verliebt, der sich sozusagen zur Verfügung stellt als Objekt der Verliebtheit. Kennst du die Serie "in treatment"? Da wird das thematisiert. Vielleicht interessant für dich als therapieerfahrene.

Derzeit bin ich eher genervt, als verunsichert und überlege, ob ich auf die Kompetenz und Professionalität des Therapeuten "bestehen" soll und erwarten kann, dass er sich wieder einkriegt.

Nie habe ich diese Verschiebung der Grenzen zwischen "professioneller Beziehung" und "persönlicher Beziehung" selbst bemerkt, wahrgenommen oder erahnt und auch im Nachhinein betrachtet, gab es nie Indizien, die mich zu solchen Vermutungen bringen hätten können.

auch das hier bietet einen Anknüpfungspunkt um die Therapie sinnvoll fortzusetzen.

Ansonsten schliesse ich mich Dumal an und wünsche dir dass du hier und da noch einen Anschnallgurt findest.

F{unkeWlst)eixn


Kleio

Vielleicht liegt es aber genau daran? Du brauchst eigentlich keine Therapie.

Danke für deinen Denkanstoß. Ich glaube, das ist davon abhängig, wie man "brauchen" für sich selbst definiert. Du hast recht, ich bin in keiner akuten Krisensituation, bin kein Häufchen Elend und brauche in diesem Sinne keine Hilfestellung.

Dennoch und obwohl es mir seit einigen Jahren zumeist stabil gut geht, habe ich mein Päckchen nach wie vor zu tragen. Keine Frage, ich stehe grundsätzlich mit beiden Beinen gut im Leben, aber es gibt vergangenheitsbedingt und trotz erfolgreicher Aufarbeitung Momente der Schwäche und Rückfälle. In solchen Phasen bin ich dankbar und froh, mit jemanden sprechen zu kennen, der die Vorgeschichte und meinen Hintergrund schon kennt. Gerade wenn man sich klein und schwach fühlt, ist es viel wert, nicht alles von Anfang an erzählen zu müssen, sondern jemanden zu haben, der Bescheid weiß und nicht alles hinterfragen muss. Keine Ahnung, ob das Grund genug ist, in Therapie zu bleiben. Ich habe schon oft gehört, dass Therapeuten ihren Patienten irgendwann sagen, dass es ihrer Meinung nach Zeit sei, die Therapie zu beenden und versuchen das Leben wieder alleine zu bewältigen. Mir wurde das bisher noch nie nahegelegt, im Gegenteil. Bisher fand man es immer unvorsichtig, wenn ich eine Therapiepause einlegen wolle und riet mir in regelmäßigen Abständen dabei zu bleiben. Allerdings weiß ich nicht, wie üblich oder unüblich es tatsächlich ist, dass der Therapeut einen Zeitpunkt für das Ende der Therapie nennt.

Du schreibst, Du bist sehr verletztlich – meinst Du, dass Dich Dein Therapeut auch so sieht?

Davon gehe ich aus. Grundsätzlich bin ich ein sehr selbstbewusster Mensch – zumindest im Alltag. Es liegt mir nicht, meine Schwäche, Verletzlichkeit, Zerbrechlichkeit, die auch ein Teil von mir ist, meinem Umfeld zu zeigen. So möchte ich nicht wahrgenommen werden und soweit es möglich ist, lasse ich diese Seite von mir auch "zu Hause". Mein Therapeut hingegen kennt meine begründeten und unbegründeten Ängste, meine alberne und verstörende Gedanken, meine kleinen und großen Geschichten. Da schäme ich mich nicht, auch wegen lächerlichen Kleinigkeiten zu maulen oder zu heulen und ich traue mich auch, große Dinge zu besprechen, die ich im "richtigen" Leben ausblende. Wie gesagt, obwohl ich keine Akutpatientin bin, weiß er bestimmt, um mein nicht immer starkes Inneres.

Jetzt muss ich aber trotzdem fragen, auch wenn es Dich ärgert, dass er sich in Dich verliebt hat. Du bist ja wohl nicht in ihn verliebt?

Nein, bin ich nicht. Da ich diese Situation schon einmal hatte, war ich auch in diese Richtung gehend besonders aufmerksam und wachsam. Das hat auch dazu geführt, dass es Ewigkeiten dauerte, bis das Eis zwischen uns gebrochen hatte und wir über die "Anlaufphase" hinaus endlich richtig reden konnten. Ich war anfangs sehr achtsam und zurückhaltend, beinahe schon gehemmt, aus Sorge, ich könnte möglicherweise falsche Signale senden oder ausstrahlen. Aber seitdem wir uns besser kennen, klappte es sehr gut und ich hätte nie für möglich gehalten, dass das (wieder) passiert. Vor allem, da er ein herrliches Pokerface hat und mir vor seinem "Outing" nicht den klitzekleinsten Anlass gab, schon im Vorfeld etwas zu ahnen. Ich sehe ihn tatsächlich ausschließlich als Profi. Natürlich denke ich manchmal, er wäre ein interessanter Gesprächspartner für Themen wie Philosophie oder Politik, aber auch das auf rein sachlicher Ebene.

F@unkelstxein


PeeKlee

Ich sitze beruflich selber sowohl auf dem Stuhl des Therapeuten alsauch privat auf dem des Klienten. Ich kenne beide Seiten.

Oh, das ist interessant. Ich versuche mich oft in den Blickwinkel des Therapeuten hineinzuversetzen, aber das klappt natürlich nur sehr, sehr bedingt und darum kannst du mir bestimmt wichtige Denkanstöße aufzeigen, auf die ich von selbst so nicht gekommen wäre.

Es gibt Situationen wo der Klient nicht zum Therapeuten passt und umgekehrt.

Klar, das weiß ich und ist mir auch schon passiert. Ich hatte bei der Therapeutensuche mehrmals, dass ich im Erstgespräch nach wenigen Minuten spürte und wusste: "Nein, mit uns wird das nicht klappen." Total okay, auch andersherum. Dass man nicht mit jedem kann, aus welchen Gründen auch immer, ist mir bewusst. Darum hast du sicher auch recht, dass jenes Erlebnis mit dem ehemaligen Therapeuten, den ich an jemanden erinnerte, nicht so ganz in die Reihe passt.

Die starken Muttergefühle hingegen finde ich schon etwas das sowohl der Th als auch du thematisieren können oder sogar müssen in der Therapie. Muttergefühle entwickeln sich normalerweise doch nur wenn man ein verletzliches Küken vor sich hat, nicht bei einem Narcisten, nicht bei jemandem der agressiv ist , z.B. Was macht dass du so bedürftig nach Sorge rüberkommst? Ist das Thema gewesen?

In der Anfangsphase unserer Zusammenarbeit habe ich vermutlich eine Art "verletzliches Küken"-Flair ausgestrahlt, was sich im Laufe der Zeit und vor allem durch ihre Unterstützung zum positiven verändert hat. In dem Fall hatte ich eher das Gefühl, sie wollte mich (durch diese aufkommenden Muttergefühle) in meiner Aufarbeitung und Entwicklung "bremsen". Es war nur mein subjektives (!) Empfinden, doch ich denke, sie hatte Angst, ich könnte "flügge" werden und würde sie irgendwann nicht mehr brauchen. Mir war, als wolle sie mich in der Kükenrolle behalten oder dorthin zurückdrängen. Mein Empfinden wurde von mir thematisiert, dadurch fühlte sie sich an die Wand gedrängt und drehte den Spieß um: Ich sage dir, was ich fühle, dann entscheidest du: ganz oder gar nicht.

Erotische Gefühle sind schwierig zu hantieren, gehören aber durchaus zur Therapie. Von beiden Seiten. Auch das sehe ich nicht als Grund um die Therapie abzubrechen.

In erstem Fall führte (aus meiner Sicht) kein Weg an einem Abbruch vorbei. Ich hatte nicht das Gefühl, dass man die Situation aufarbeiten und wieder eine "funktionierende" Beziehungsebene zwischen Therapeut und Patientin herstellen kann. Der damalige Therapeut hatte sich – leider – sehr weit, zu weit aus dem Fenster gelegt. Bei meinem aktuellen Therapeuten sehe ich aber durchaus die Chance, es hinzubekommen. Die Frage ist nur, wie vorgehen? Er erwartet von mir eine Antwort, auch wieder in Richtung: ja oder nein, alles oder nichts. Das nervt total. %:|

Eine Theorie von "sich verlieben" ist übrigens dass man sich nur in denjenigen verliebt, der sich sozusagen zur Verfügung stellt als Objekt der Verliebtheit.

Wie schon einmal erwähnt, ich war dieses Mal in meinem Kommunikationsverhalten vor allem anfangs sehr vorsichtig. Später, wenn man sozusagen "aufgetaut" ist, passiert es sicher, dass man in solch intimen Gesprächen auch mal persönlich zueinander wird. Von meiner Seite aus, gab es aber keine Grenzüberschreitungen, Andeutungen oder ähnliches. Wie ich auf andere durch meine Art wirke und wie meine grundsätzliche Ausstrahlung von anderen angenommen wird, weiß ich durch Rückmeldungen aus meinem Umfeld, aber das kann ich doch in der Therapie nicht einfach abstellen. Ich bin ein freundlicher Mensch, viele mögen mich. Das mache ich nicht absichtlich oder aus Kalkül, das scheint angeboren zu sein. Zu einem Objekt der Verliebtheit habe ich mich bestimmt nicht gemacht, im Gegenteil. Allerdings ist das wieder nur meine Wahrnehmung. Mittlerweile zweifle ich schon arg daran und frage mich, ob ich nicht doch (unbewusst) Signale sende, die mit Schuld an diesem Schlamassel sind.

L.'Evxita


Ich fragte mich in diesen Situationen immer, ob es nicht zur Kompetenz eines Therapeuten gehört, solche Gefühle gegenüber des Patienten einfach für sich zu behalten.

Ein klares Jein. Normalerweise ist der Therapeut in irgendeiner Form in Super- oder Intervision eingebunden, in der thematisiert werden muss, wenn sich Gefühle seitens der Therapeutens (oder des Patienten) entwickeln. Gemeinsam mit dem Supervisor oder Intervisionsgruppe wird überlegt, wie in der gegebenen Situation zu verfahren ist, sprich, ob die Gefühle auf's Tablet gelegt werden oder ob es einen anderen Umgang damit (z.B. Verschweigen oder einen anderen Grund für den Therapieabbruch nennen) geben kann. Es lässt sich also nicht sagen, dass es unprofessionell vom Therapeuten ist, seine Gefühle zu offenbaren. Unprofessionell ist es aber definitiv, wenn der Therapeut die Therapeut-Patient-Beziehung für romantische "Übergriffe" missbraucht!

PveeKlxee


Bei meinem aktuellen Therapeuten sehe ich aber durchaus die Chance, es hinzubekommen. Die Frage ist nur, wie vorgehen? Er erwartet von mir eine Antwort, auch wieder in Richtung: ja oder nein, alles oder nichts. Das nervt total.

Wenn du dieses dem Th sagen kannst, dann ist das doch schon mal nicht schlecht. Drücke einfach aus wie es dir damit geht und dass du durchaus zu "ja" tendieren könntest aber auch einige Bedenken dabei hast. Und dann sagst du was dir Sorgen macht.

Erzähle ruhig auch von deinen vorherigen Erfahrungen mit den anderen Therapeuten.

Ich zweifle derzeit an meinem persönlichem Verhalten in einer Therapiesitzung, aber ganz ehrlich: mich würde es nicht weiterbringen, wenn ich mich in den Gesprächen nicht (auch) über tiefpersönliches unterhalten und dementsprechend "öffnen" kann. Doch tue ich das, rüttle ich scheinbar an der Professionalität meiner Therapeuten, die ich grundsätzlich schon für kompetent halte.

Erfrage auch ruhig ob der Zusammenhang den du siehst, für den Th auch so stimmt: du verbindest tiefenpersönliches mit den Grenzverschiebungen. Aber das muss gar nicht der einzige oder hauptsächliche Faktor sein.

F{unke,l1stxein


L'Evita

Okay, danke, diese Vorstellung hilft mir schon ein wenig. Bei ersterem Therapeut, der sich in mich verliebt hatte, war mein Eindruck nicht unbedingt, dass er sich mit jemandem besprochen und über die Situation nachgedacht und reflektiert hatte. Es lief leider sehr aus dem Ruder, gab viel Drama und so weiter. Bei aktuellem habe ich aber Hoffnung, dass man die Kurve kratzen könnte. Wenn ihm denn auch etwas an dieser Möglichkeit liegt. Zuletzt sagte er mir ja, dass er einen Kompromiss oder Mittelweg nicht für sinnvoll hält... Zumindest ist sein bis jetzt Verhalten einigermaßen okay und er scheint sich Gedanken zu machen, wie wir beide möglichst "unbeschadet" da raus kommen... Mal sehen, was der Freitag bringt, da ist unsere nächste Sitzung und er erwartet meine Antwort. :-/

F+unkeYlsteixn


PeeKlee

Wenn du dieses dem Th sagen kannst, dann ist das doch schon mal nicht schlecht. Drücke einfach aus wie es dir damit geht und dass du durchaus zu "ja" tendieren könntest aber auch einige Bedenken dabei hast. Und dann sagst du was dir Sorgen macht.

Erzähle ruhig auch von deinen vorherigen Erfahrungen mit den anderen Therapeuten

.

PeeKlee, ich tendiere zu "Ja" im Sinne von "Wenn wir neutralen Boden zwischen uns schaffen können, kann ich mir vorstellen, weiter mit ihm zu arbeiten", aber er will von mir ein "Ja, ich akzeptiere seine Gefühle und möchte unsere Beziehung von der therapeutischen, auf die private Ebene verschieben" oder ein "Nein, gefühlstechnisch ist da nichts und somit werden alle Verbindungen, auch die therapeutische, zwischen uns gekappt." So meinte ich "alles oder nichts". Wahrscheinlich empfindet er es ohnehin als Affront, wenn ich ihm noch einmal sage, dass ich ihn nur als Therapeuten ansehe und unter gewissen Bedingungen/Umständen gerne weitermachen möchte, und beendet es von sich aus... Vermutlich sollte ich mich an den Gedanken gewöhnen, damit ich freitags nicht ganz unvorbereitet dastehe und dann nicht weiß wohin mit mir. Sollte es so kommen...

Erfrage auch ruhig ob der Zusammenhang den du siehst, für den Th auch so stimmt: du verbindest tiefenpersönliches mit den Grenzverschiebungen. Aber das muss gar nicht der einzige oder hauptsächliche Faktor sein.

Ich denke, dass werde ich auf jeden Fall tun. Ich möchte es wirklich wissen. Das ist ja auch mit das doofe an der ganzen Misere. Ich weiß nicht, warum und wie ich erneut in so eine Situation schlittern konnte und wenn ich zumindest Feedback bekomme, wodurch er solche Gefühle entwickelt hat, würde mir das zumindest ein wenig helfen.

P-ee!Klexe


"Ja, ich akzeptiere seine Gefühle und möchte unsere Beziehung von der therapeutischen, auf die private Ebene verschieben"

uui, dann habe ich dich falsch verstanden. Ich dachte dass es nur um seine Verliebtheit ginge die die professionelle Basis nicht automatisch in Bedrängnis bringt.

Wenn er aber die "ja oder nein" Frage in der Kategorie von "aussertherapeutischer Kontakt oder gar nicht" stellt, dann ist dies in der Tat unprofessionell.

Frage ihn mal nach seiner Supervision/Intervision: was sagen seine Kollegen?

Ich weiß nicht, warum und wie ich erneut in so eine Situation schlittern konnte und wenn ich zumindest Feedback bekomme, wodurch er solche Gefühle entwickelt hat, würde mir das zumindest ein wenig helfen.

Das halte ich für eine gute Idee. Wenn er transparent arbeitet, wird er dir eine Antwort geben.

Ssu%nf]lIower_x73


Ganz ehrlich?

Es gibt schwarze Schafe, und je nach Therapieform halt auch unterschiedliche Vorgehens- & Verhaltensweisen.

Wenn es Dir aber SO OFT passiert, würde ich auch meine eigene Seite mal reflektieren. V.a. nach so viel Therapieerfahrung und der Äußerung, dass Du die THerapie nicht mehr so wirklich brauchst.

Was hält Dich davon ab, mal ohne auszukommen?

Und wie gesagt: Ich finde die Häufung schon auffällig...

F=unk"elstGein


PeeKlee

Frage ihn mal nach seiner Supervision/Intervision: was sagen seine Kollegen?

Das werde ich auf jeden Fall. Danke für den Hinweis und den Tipp!

Wenn er aber die "ja oder nein" Frage in der Kategorie von "aussertherapeutischer Kontakt oder gar nicht" stellt, dann ist dies in der Tat unprofessionell.

Er meinte zwar, dass man es sicher weiterhin versuchen kann, aber er es mir unteranderem auch deswegen sagte, weil er nicht mehr für ausnahmslos professionelles Handeln garantieren kann. Selbstverständlich würde er sich weiterhin darum bemühen, aber er gäbe keine Garantie mehr dafür. Später forderte er dann eine "Alles oder Nichts"-Entscheidung von mir, mit der Begründung, dass es sich doch auch für mich unangenehm anfühlen muss, zu wissen, was er für mich empfindet und ich so bestimmt nicht mit ihm weiterarbeiten könne. Da fühlte ich mich von ihm absichtlich an der Nase herumgeführt und sagte, ich wolle erstmal nachdenken und beim nächsten Mal (Freitag) weiterreden.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH