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Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

E@nergyxa


@ Funkelstein

Meine Therapeuten beruhigten mich, was meine Ausstrahlung betrifft, ich habe "ein liebes Pokerface", ich bin eher eine friedliche Buddha-Statue, also schon warmherzig in meiner Art, aber eher milde, gleichbleibend, wie ein stiller See, keine großen Gefühlsausbrüche, außer bei Kindern, wo ich nicht das Gefühl habe, mich schützen zu müssen. Außerdem habe ich von Kind an gelernt, meinen jähzornigen Vater zu umschmeicheln und meine weiblichen Waffen in diesem Sinne allgemein einzusetzen, damit ich von meiner Umgebung nicht abgewiesen werde, wovor ich ja Angst habe, weil meine Brüder mich von Kind an ablehnten. Aber es ist schon sehr vom Verstand "geplant".

Ich hab ja schon erwähnt, dass es mir persönlich eher recht ist, wenn der Thera "ein bisschen" in mich verliebt wäre oder zumindest etwas "angetan", das wäre strategisch gesehen günstig, um meine Therapie bei ihm zu sichern. Also achte ich gut darauf, mich nett anzuziehen, ihn um den Finger zu wickeln, so weit, damit er mir erhalten bleibt. Dazu muss ich sagen, dass mein Thera sich seine Patienten aussuchen kann, er hat genug Arbeitsstress. Es besteht immer das Risiko, dass er mich weiterdelegieren könnte. Und ich hänge eben schon an ihm, er bringt mich weiter, es läuftig günstig bei ihm, ich möchte nicht wechseln und wieder das Risiko eingehen, von einem anderen Thera verletzt zu werden. Dieser Thera ist ein kalulierbares Risiko für mich. Er ist nicht der Typ, der mich bewusst verletzen will. Er ist nett und diese Nettigkeit tut mir gut. Das soll so bleiben. Ich mag ihn.

Durchdachte Gefühle also. Oder dann gebe ich meinen Gefühlen eine logische Ausrichtung und steuere sie dadurch, soweit sie sich steuern lassen, entwickle logische Strategien der Gefühlsbewältigung. Als ich mich von meinem Ex trennte, plante ich das Entlieben Schritt für Schritt. Und es funktionierte. Allerdings rüstete ich danach auf und ließ es nie mehr so weit kommen bei einem anderen Mann, aus Sicherheitsgründen.

Seither wäge ich genau ab, ob es das Risiko wert ist, inwiefern ich davon profitiere in meiner Entwicklung, auch wenn es schiefgehen sollte, wie ich mich vor einer Vereinnahmung retten kann und mich selbst bleibe. Ich baue mir ein soziales Netz auf, um mich auf mehrere abzustützen und nicht nur auf eine Person. Und ich versuche, mit Freunden in einem Geben und Nehmen zu leben, sodass beide Seiten den Kontakt als gewinnbringend erleben für ihr Leben, wobei ich es offen lasse, ob das für immer so ist. Ich verlasse mich nicht darauf und vereinnahme niemanden, brauche aber doch Bezugspersonen, die teilweise wechseln, wenn ein Kontakt sich verliert.

Das Leben ist eine Schule mit vielen Weggefährten. Manche bleiben, andere gehen wieder. Und jedes Mal lerne ich etwas dazu. Es kann sogar sein, dass ein Kontakt irgendwann zum Kerker wird und beide dazugewinnen, wenn sie sich trennen, hab ich auch schon erlebt bei einer langen Freundschaft. Aber irgendwie ist auch das therapeutisch wertvoll, bis man herauswächst und neue Impulse braucht. Ich kann da erschreckend gut "umschalten", wenn ich es erstmal logisch durchdacht habe.

Nur bei meiner Familie ist es anders, da gibt es eine wirklich starke Bindung, die ich nicht cutten kann. Dort bin ich Drehscheibe und Stützpfeiler, Beschützer und Verteidiger, Mädchen für alles, Administration und Problemlöser. Gerade deshalb brauche ich selbst Bezugspersonen, die mich dahingehend etwas entlasten, damit ich nicht zusammenbreche.

Ja, ich erkenne meine Muster, aber das befreit mich noch nicht aus der Rüstung. Ich muss es im Leben selbst "trainieren", um wendiger zu werden. Das teste ich gerade bei einem Mann aus, der eine Art Ersatztherapeut geworden ist. Er bedeutet mir sehr viel, trotzdem denke ich auch bei ihm strategisch, weil ich strategisch fühle oder meine Gefühle meinen Gedanken folgen, ich nicht zu viel erwarten will, trotzdem sehr viel von ihm lerne. Na ja, ein offenes System, wo Gefühle vom Verstand reguliert werden, wo ein Verstandespolizist einem Gefühlsauto sagt: Hey, hier lang, dort bleibt es sicher und auf diese Weise gibt es keine Verletzten oder nur geringfügige Prellungen.

Ich versuche, meine Erwartungen runterzuschrauben und eher den Spaßfaktor der Situation zu sehen, den Moment zu schätzen, egal was morgen sein wird. Solche Dinge lassen sich – leider – nicht steuern. Deshalb lasse ich es offen und versuche, den Sinn auf einer höheren Ebene zu finden, auch wenn es rein äußerlich scheitern sollte. Wenn ich ihn treffe, plane ich immer noch etwas Berufliches dazu, damit ich am Ende sagen kann: Dieser Tag war so oder so wertvoll, weil ich dies und das beruflich erledigen konnte. Das andere ist nur Beiwerk. Niemals soll es mich voll vereinnahmen und ich möchte mich auch nicht davon abhängig machen. Denn für mich wäre schlimm, wenn ich einer Sache hinterherrenne und meine Zeit vergeude und am Ende leer dastehe. Und da es bei ihm sowieso therapeutisch wertvoll ist, lohnt es sich auf alle Fälle, egal wie ich da rauskomme, ob nun mit oder ohne Prellungen.

Er ist unglaublich hilfsbereit und findet irgendwie immer die richtigen Worte für mich. Wenn nichts wird, würde ich versuchen, auf der Freundschaftsschiene zu bleiben, weil er mir auch rein menschlich viel bedeutet. Aber leider lässt sich gerade das nicht steuern. Es gelingt nicht immer, deshalb bin ich sehr vorsichtig, um diese Möglichkeit zu behalten. Er begleitet mich nun schon über 4 Jahre. Ein guter Freund, für den ich aber mehr empfinde, wo irgendwie etwas läuft, auch von ihm aus. Aber wir ließen es bisher bei einer Freundschaft, eben weil diese so wertvoll ist. Ich möchte ihn als Menschen nicht verlieren. Er ist mir eine große therapeutische Hilfe, ohne es zu wissen. Und dann habe ich noch meinen Thera und meinen Hausarzt, die mich stützen. Ich bin sehr dankbar dafür. In der Zwischenzeit bemühe ich mich, auf die eigenen Beine zu kommen.

Syalxdo


Energya

Also achte ich gut darauf, mich nett anzuziehen, ihn um den Finger zu wickeln, so weit, damit er mir erhalten bleibt.

Bist Du damit nicht bereits voreingenommen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es normal ist, dass ein Therapeut irgendwann mal zu seinem Klienten sagt, dass er jetzt keine Lust mehr auf ihn habe (oder was auch immer) und ihn dann "weiterdelegiert". DAS waere doch wirklich nicht professionell. (Und wir reden hier nicht ueber die schwarzen Schafe, Ausnahmen gibt es immer.)

Das klingt eher, als haettest Du die Befuerchtung, ihn zu verlieren. Das schraenkte dich ein und waere schade fuer ein freies Herangehen an Deine Probleme und den offenen Umgang damit. Der ist aber notwendig zur Aufarbeitung.

Der ganze zweite Absatz erinnert mich an meine Freundin, von der ich schon erzaehlt habe. Und dieses (Achtung, ich stichel, also bitte nicht zu ernst nehmen) "Och, mein Thera ist nett, ich gehe da gerne hin" - diesen Eindruck von Halbherzigkeit hatte auch Funkelstein bei mir hinterlassen.

Ich sehe das so:

Wir alle sitzen in einem Haus, das seine Fehler hat (unsere Vergangenheit, bei unserer Geburt war das Haus neu). Wir schauen auf verschiedene Haeuser, die teilweise schlechter, teilweise besser aussehen (das sind Alternativen, zu denen wir umziehen koennten). Ja, ich weiss, auch wenn das hier gerne immer wieder uebersehen wird, dass ich nicht viele Stockwerke nach unten zu gehen hatte, um mein altes Haus zu verlassen. Ich hatte keine Todesaengste, die mich gezwungen haben zu gehen (oder zu bleiben??), ich hatte auch keine grossen Aengste und grosse Barrikaden zu ueberwinden. Aber ich hatte massive, beziehungsbedrohende und mich selbst stoerende Schwierigkeiten und auch meine Tueren nach draussen waren verschlossen.

Aber ich habe den Schritt gemacht, diese Tueren einzureissen, DAS ist das entscheidende.

Jetzt stehe ich in meinem neuen Haus, das natuerlich immer noch weit ab von perfekt ist und einige alte Macken sind auch noch da. Aber es regnet nicht mehr rein, was ein unglaublicher Fortschritt ist und ich WEISS einfach jetzt, dass JEDER sein Haus verlassen kann.

Aber die Tuer nach draussen, die muss man erstmal suchen wollen.

S8alddo


Funkelstein und Energya

ich finde toll, dass ihr beide hier so bei der Stange bleibt.

@:) :)* *:)

LpoRuisaianxa


Wie soll eine Therapie gelingen, wenn versucht wird, den Therapeuten zu manipulieren?

Ewnergxya


Das gehört eben zu meinem Problem dazu, dass ich kein Vertrauen aufbauen kann, was ich meinem Thera auch klar vermittle. Meistens liege ich damit sogar richtig, aber ich werde gerne positiv überrascht. Dann gewinne ich in kleinen Schritten Vertrauen. Aber das Risiko, meinen Thera zu verlieren, möchte ich gar nicht erst eingehen bzw. ich versuche, es zumindest hinauszuzögern, bis ich spüre, dass der Thera innerlich nicht mehr bei der Sache ist, dann würde ich selbst gehen wollen. Aber vielleicht brauche ich ihn dann nicht mehr so sehr wie jetzt. Ich habe meinem Thera auch allgemein gesagt, dass ich mich bemühe, mein Gegenüber bei der Stange zu halten, weil meine Mutter mir früher immer davonrannte und mich nie ausreden ließ.

@ Saldo:

Ich finde Dein Gleichnis mit der Tür und dem Kasten gut, aber jeder muss seine eigene Therapieform finden. Und ja, es gibt solche, die bedroht und traumatisiert wurden und Gründe haben, kein Vertrauen zu entwickeln, die durch vielererlei Situationen getriggert werden. Mein Hausarzt, zu dem ich auch Vertrauen aufbauen konnte, trug einmal eine braune Jacke, als er in die Praxis kam. Das hat mich irgendwie an meinen Vater erinnert und für einen Moment spürte ich einfach nur panische Angst, die Angst meiner Kindheit vor meinem Vater. Erst als mein Hausarzt die Jacke auszog und nicht mehr so ernst blickte, konnte ich wieder durchatmen. Und so ist das bei vielen Dingen. Die Erinnerungen an dramatische Kindheitserlebnisse, wie mein drogensüchtiger Bruder nach mir griff, als ich acht war, all die Aggressionen, die ich als Kind miterlebte. Ich fürchtete mich vor meinem Vater mit seinen braunen Schuhen, ich sah immer nur diese braunlackierten Schuhe. Das wird man einfach nicht mehr los, auch wenn ich meinen Vater im Laufe der Jahre zähmen konnte, indem ich ihn mit meinem Töchterchen-Charme um den Finger wickelte.

Aber solche frühen Prägungen bleiben in der Psyche haften und laufen automatisch ab wie ein Notfallprogramm. Als mein Neffe seinen Stimmbruch bekam, erschreckte ich jedes Mal, wenn seine Stimme sich irgendwie bärig anhörte wie bei meinem Vater. Das alles, obwohl ich auch schöne Erinnerungen habe von meinem Vater und diese viel stärker in mir präsent sind. Ich vermute mal, bei Funkelstein wird es auch ähnliche psychosoziale Bezüge geben.

F.unkelRstein


Das akute Überschriftsthema dieses Fadens hat sich ja einstweilen erledigt, bzw. ist auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt. Worum soll es im weiteren Verlauf des Fadens gehen? Was möchtest du?

Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist bloß, dass es mir auf merkwürdige, sonderbare Weise hilft, hier zu schreiben. Nein, helfen ist vielleicht nicht richtig. Vielmehr tut es mir gut, hier zu schreiben.

S`alGdo


Energya, ich hatte auch solche Bilder.

Und ich bin ihnen mit Hilfe meiner Therapeutin nachgegangen. Jedem einzelnen. Ich verstehe jetzt meine Beziehung zu meinem Vater, ich weiss, was meine Mutter für eine Rolle gespielt hat, ja ich weiß sogar, warum ich so ein übermäßiges Interesse für den 2. Weltkrieg hatte. Und ich sage bewusst "hatte", denn seit wir diesem Bild nachgegangen sind, ist mein Interesse für Fernsehsendungen über dieses Thema auf ein absolutes Normalmaß zurückgegangen. Das hat mich selbst überrascht.

Aber ich habe diese Bilder nie als gegeben hingenommen. Ich habe immer gewusst, dass sie eine Bedeutung haben, sonst wären sie ja nicht da.

Vor einem Jahr spielten fast alle meine Träume ganz oder teilweise im oder um das Haus, in dem ich aufgewachsen bin - das kommt fast nicht mehr vor. Ich finde das gut und glaube ganz und gar nicht, dass ich der einzige bin, der das kann. *:)

Ewn}ergxya


@ Saldo

Ich finde Therapie auch wichtig, aber Dein Höhenflug könnte auch ein Zeichen sein, dass Du gerade von Deinem Unbewussten überschwemmt wirst, was Dein Selbstbwusstsein aufbläht. Es hat etwas Ungesundes, wie Du Deinen "Erfolg" hier anpreist und uns vorgeben willst, zu Deinem erreichten Standpunkt zu gelangen, als wären wir weit hinter Dir in der trockenen Wüste, Du aber in der Oase der wahren Selbsterkenntnis. Mein Bruder war auch mal auf diesem Trip und fiel dann in eine schwere Depression.

Versuche, realistisch zu sein und Dich nicht einer Fatamorgana hinzugeben. Sonst verbrennst Du Dir nur die Flügel. Funkelstein ist wenigstens stabil durch ihren nüchternen Verstand, ich mach mir mehr Sorgen um Dich ... Pass auf Dich auf und lass Dich von Deiner Therapeutin stabilisieren, denn das ist nun mal auch eine Phase bei Dir in der Therapie, die sie eigentlich bei Dir erkennen müsste. Vorher Krieg und jetzt gleich das Paradies des Geheilten, das sind starke Extreme und weisen darauf hin, dass Du gerade im anderen Extrem steckst. Das ist auch nicht gut. Gehe in die Mitte des Weges. Dort wäre das Gesunde und Normale.

Jetzt bin ich mal gespannt, wie Du das aufnimmst, ob Du auch etwas annehmen kannst. Es ist nämlich nicht böse gemeint von mir, ganz im Gegenteil. Die Frage ist nur, ob Du das erkennen wirst.

SUa$ldo


Huhu!!

Erstmal Danke für die Empathie.

Aber ich gehe nicht mehr zur Therapie. Nur noch ein- / zweimal im Jahr, wenn ich eine Frage an mich habe.

Bevor Du jetzt wie die Mutter von Ödipussi "Das finde ich unverantwortlich!" ;-D sagst:

Ich befinde mich seit dem Ende meiner Atemtherapie (das ist jetzt weit über ein Jahr her) in diesem Zustand, in dem ich ständig weiterlerne und meine Erkenntnisse über mich ausbaue. Ich würde das als stabil bezeichnen. Und es käme mir nicht in den Sinn, davon zu sprechen, dass ich vorher nicht stabil war, ich hatte nur mehr Probleme. In einem Forum kommt das natürlich nicht rüber, aber ich bin keineswegs ein Messias, der andere zu bekehren versucht oder renne mit der Fahne voran. Unsere Gesellschaft hält Therapie noch immer viel zu sehr für das letzte Mittel, um Irre vor der Klappse zu retten, deshalb halte ich mich da gerne zurück. ;-) Ich kann hier auch nur schreiben, dass ich mich anderen nicht überlegen fühle (das ist so!) – ob ihr mir das glaubt, oder nicht, darauf habe ich keinen Einfluss.

Ich will ja auch nicht zanken, aber wenn Kleio und Individualist in meinen Augen so in die falsche Richtung laufen, möchte ich das halt auch ungern so stehen lassen. Dabei entsteht dann vielleicht der Eindruck, ich würde missionieren. Früher hätte ich gegenan geprügelt, heute bleibe ich immerhin bei der Sache.

Ich hatte ja mal einen Faden gestartet, dass meine Frau und ich wieder zusammengefunden haben. Die Quintenssenz sollte eigentlich sein, dass jeder zu sich finden muss, dann findet er auch zu seinem Partner. Das ist nicht herausgekommen, oder?? ":/ Finde ich schade, aber so ein Forum hat halt seine Grenzen. Ich freue mich auf das erste Skype-Forum, wo man die Leute auch sehen kann, um deren Aussagen einzuschätzen. (Das wäre halt nicht mehr anonym, gine dann auch wieder nicht, och menno... :=o )

So funktioniert das bei mir. Ich lerne mit jedem Post hier dazu. Und finde das total spannend.

Also ja, ich erkenne, dass das nicht böse gemeint ist von Dir, aber nein, ich finde mich in Deinem letzten Post überhaupt nicht wieder. Das was Du beschreibst, passt nicht auf mich.

F_unke)lstxein


Ich muss euch befragen.

Mir ist in einer überraschenden Situation aus einem unüberlegten Impuls heraus ein sehr, sehr dummer und unangenehmer Fehler unterlaufen.

Der ehm. Therapeut hat am letzten Wochenende erneut versucht persönlichen Kontakt herzustellen. Bisher hatte ich das zumeist abgeblockt oder mich vor allem zuletzt bemüht, es einfach nicht zu beachten und nicht darauf zu reagieren. An diesem Wochenende habe ich allerdings den Kontakt nicht nur zugelassen, sondern habe auch positiv darauf reagiert. Das geschah zur Gänze unkontrolliert, ohne nachzudenken, einfach aus einem akuten, momentanen Gefühl heraus.

Nun ist mein primäres Problem nicht, dass ich das schrecklich bereue und dem Therapeuten durch mein bescheuertes Verhalten eine positive Rückmeldung auf seine Person gegeben (und somit vermutlich Hoffnung auf "mehr" gemacht) habe, sondern vielmehr, dass ich das Gefühl habe, mich selbst verraten zu haben und mir zudem nicht mehr trauen zu können. Dass ich etwas mache, was ich eigentlich gar nicht tun möchte und mir eine derartige Entgleisung passieren kann, erschreckt und ängstigt mich. Wenn ich mich nicht einmal auf mich selbst verlassen und mir vertrauen kann, wem denn dann?

Habt ihr Gedanken dazu?

Und nein, es geht nicht um den ehm. Therapeuten und sein möglicherweise fragwürdiges Handeln. Es geht (mir), um mich und mein fragwürdiges Handeln und darum, dass irgendetwas mit meinem Denken und Empfinden, meinem Kopf, meinen Taten einfach nicht stimmt. %:|

E6neNrgya


Liebe Funkelstein

Kannst Du das etwas genauer ausführen? Will er die Therapie mit Dir fortsetzen oder war es wirklich eine komplett private Anfrage von ihm? – Wenn es um die Therapie ging, könnte ich Deine Bejahung verstehen. Auch sonst könnte ich mir vorstellen, dass da doch auch irgendwie ein Bindung Deinerseits zu ihm enstanden ist, auch wenn Du das vom Verstand her komplett abweist. Ich spüre diese Patienten-Therapeuten-Bindung auch zu meinem Thera, wie wohl die meisten Patienten. Das lässt sich nicht einwandfrei vom Verstand steuern. Ich verhielt mich deshalb auch schon unvernünftig, entgegen der strengen Weisung meines Verstandes und schrieb meinem Thera z. B. unnötigerweise mehrere E-Mails während seines Urlaubs, wo ich über meinen Fortschritt berichten wollte. Ich konnte mir das nicht verkneifen, obwohl ich mir vornahm, ihn nicht damit zu belasten in seinem Urlaub. Doch war mein Drang, ihm dies mitzuteilen größer. Danach stand ich allerdings Ängste aus, dass er sich daran stoßen könnte. Deshalb werde ich das nicht mehr machen, obwohl er mir freundlich antwortete. Dieser Kontrollverlust meinerseits sitzt mir aber immer noch in den Knochen, kann Dich deshalb verstehen.

Lieben Gruß

Energya

S^alxdo


Es geht (mir), um mich und mein fragwürdiges Handeln und darum, dass irgendetwas mit meinem Denken und Empfinden, meinem Kopf, meinen Taten einfach nicht stimmt.

Erst einmal: mit Deinem Kopf und Deinen Taten ist alles ok. Du bist gut und Deine Entscheidungen sind erst einmal in Ordnung.

Dann: Gehe genau dieser Frage nach, versuche zu verdichten, was Dein Gefuehl Dir sagt, was Dich stoert. Versuche, ein Gefuehl zu lokalisieren, eine Angst, einen Aerger, was auch immer. Und damit gehst Du dann zu Deinem Therapeuten und sagst ihm das und loest das mit ihm auf und gehst dem auf den Grund. Was steckt da bei Dir dahinter, dass Du sowas tust?

Kein Drumherumgerede, gehe dieser Sache nach. :)*

sXchni$eki


huhu, ich habe nicht alles gelesen und ich wollte nur einen vorschlag machen, da ich es, wie andere auf den ersten seiten sehe, dass, wenn man gesundheitlich so eine therapie nicht braucht, sich davon mal lösen sollte und es auch mal schaffen muss, seine alltäglichen probleme selbst zu lösen.

du scheinst das ja überhaupt nicht gelernt zu haben, aber das musst du!

zu meiner idee, vielleicht wäre eine gruppentherapie oder eine selbsthilfegruppe erstmal für den übergang etwas für dich. in so einer konstellation stehst du nicht allein im mittelpunkt und so eine starke bindung von therapeut zu patient wird vermutlich nicht so schnell aufkommen. dir sollte es aber dann auch in erster linie darum gehen, das du lernst, deine probleme nach und nach selbst zu lösen.

hast du denn keine freunde oder familie, mit denen du auch mal reden kannst?

ich lese deinen beitrag vom "25.07.12 15:30" und du scheinst mit den "einfachsten" gefühlsregungen deinerseits nicht zurecht zu kommen, weil du früher immer einen therapeuten zur hand gehabt hast und der bzw. du das unter seinen augen gelöst hast. du schreibst in meinen augen auch nicht "normal" darüber, sondern schon mit einer professionalität, die in meinen augen auch nur dadurch zustande kommt, dass du das von deinen therapien kennst. du analysierst deine verhaltensweisen und gefühlsregungen, anstatt mit ihnen "normal" umzugehen.

ich denke, es ist für dich und deine entwicklung ganzganz wichtig, von diesen therapien wegzukommen! @:)

FEunZke?lstein


Energya

Will er die Therapie mit Dir fortsetzen oder war es wirklich eine komplett private Anfrage von ihm?

Privat. Komplett privat. Privater Boden, private Ebene, privater Inhalt. Mein positives Verhalten ihm gegenüber war eine Kurzschlussreaktion. Das ist auch nicht gut mit deinem Beispiel, also dem Schreiben einer Nachricht, zu vergleichen, denn da hätte ich mich gedanklich zumindest eine Weile mit ihm befassen müssen.

Saldo

Gehe genau dieser Frage nach, versuche zu verdichten, was Dein Gefuehl Dir sagt, was Dich stoert. Versuche, ein Gefuehl zu lokalisieren, eine Angst, einen Aerger, was auch immer.

Das klingt gut und deckt sich auch ziemlich genau mit meinem Plan. Ich kann auch ungefähr rekonstruieren, was in etwa in meinem Kopf und auf meiner Gefühlsebene geschieht, wenn mir so eine Entgleisung, so ein Kontrollverlust wie in dieser Situation mit dem ehm. Therapeuten passiert, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man dem entgegen wirken kann.

Und damit gehst Du dann zu Deinem Therapeuten und sagst ihm das und loest das mit ihm auf und gehst dem auf den Grund. Was steckt da bei Dir dahinter, dass Du sowas tust?

Nein, das klappt nicht. Er selbst ist nicht mehr mein Therapeut, diese Entscheidung will ich auch nicht rückgängig machen. Unter anderem ist das aber auch eine der vielen Fragen, welche die letzten Wochen in mir aufgeworfen haben. Vielleicht sogar eine der Schlüsselfragen:

Bin ich derzeit so aufgewühlt und geht es mir nun so schlecht, weil ich nicht mehr in (dieser) Therapie bin – oder bin ich derzeit so aufgewühlt und geht es mir nun so schlecht, weil ich solange in (dieser) Therapie war (und möglicherweise verlernt habe, intuitiv, natürlich, ungezwungen mit Gedanken und Gefühlen umzugehen)?

Sprich: was hilft mir auf Dauer wirklich und wahrhaftig weiter, was gibt mir die Gelegenheit mich weiterzuentwickeln? Eine erneute Therapie zur Analyse meiner Issues oder aber der Entschluss, mich da alleine durchzuwühlen und freizukämpfen?

schnieki

du analysierst deine verhaltensweisen und gefühlsregungen, anstatt mit ihnen "normal" umzugehen.

Ja. Ja, absolut. So ist es (meistens) wirklich. Mir fehlt jegliches Vertrauen in meine intuitive, spontane Handlungsfähigkeit auf der Gefühlsebene. Entweder ich zwinge mich also, diese Ebene komplett auszublenden oder es kommt zum Kontrollverlust und Gefühlseklat, wodurch dann solche Mistsituationen wie die im Beitrag von 25. Juli beschriebene. Einen Kompromiss zwischen diesen beiden Extremen gibt es nicht oder nur in den seltensten Fällen. Oh Mann...


%:| %:| :-/ ":/ :-(

SKal\dKo


was hilft mir auf Dauer wirklich und wahrhaftig weiter, was gibt mir die Gelegenheit mich weiterzuentwickeln?

Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht, glaube ich.

Dass ich etwas mache, was ich eigentlich gar nicht tun möchte und mir eine derartige Entgleisung passieren kann, erschreckt und ängstigt mich.

Da isses.

Da ist eine Angst.

Geh ihr nach.

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