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Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

S$alxdo


Funkel ist wieder da!

*:)

Willkür zu Grunde, von der ich selbst nicht weiß, wovon sie abhängt

Hier hast Du doch einen wunderbaren Aufhänger, den Du deinem Therapeuten geben kannst.

Dein Beitrag enthält einige Fragen, die Du für ein Gespräch noch ein bisschen isolieren kannst (aber ein guter Therapeut hilft Dir auch dabei, sie zu sortieren). Dann gehst Du genau diesen Fragen bei Deinem Therapeuten nach.

Denn Du hast es schon richtig verstanden: Du tust einige Dinge, um dich vom wesentlichen Problem abzulenken. Wenn Du jetzt so konsequent bist, GENAU diesen Punkten nachzuspüren und sie anzugehen, dann bist Du auf dem richtigen Weg.

Fgunkel3stexin


najanagut

Sind es bestimmte Personen, bei denen du Nähe eher zulassen kannst? Situationen, Altersverhältnisse, Kennenlernphasen? Das ist ein Punkt, der dich sehr viel weiterbringen kann, bleib dran.

Spontan fallen mir keine definierten "Voraussetzungen" ein, die eine Person bzw. ein Freund "erfüllen", damit ich eher Nähe zulassen kann, als in anderen Fällen. Vielleicht gibt es diese aber doch, allerdings habe ich sie noch nicht bewusst wahrgenommen und erkannt.

Mir ist einzig bewusst, dass ich es selten schaffe, eine der Person und Situation angemessene "Dosis" an Nähe und Offenheit an den Tag zu legen. In den meisten Fällen bin ich für mein Empfinden eher unnahbar und, wenn ich meine Zuneigung zu meinem Gegenüber verbalisiere, klingt das hohl und künstlich, obwohl ehrlich und wirklich von mir empfunden. Auf der anderen Seite gibt es auch den eher seltenen Fall der Übertreibung, da klammere ich mich an eine Person und schütte alles an Gefühlen, die ich habe, ungefiltert und pur über sie aus und kann gar nicht wahrnehmen, ob es ihr angenehm oder unangenehm ist. Das ist ganz, ganz furchtbar. Wie gesagt, meistens trifft es bei so etwas kaum die Menschen, die mir tatsächlich nahestehen oder gerne nahestehen wollen und das euch deutlich zeigen. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Saldo

Hier hast Du doch einen wunderbaren Aufhänger, den Du deinem Therapeuten geben kannst.

Aber Saldo, ich habe doch keinen Therapeuten und will das hier auch gerne alleine auf die Reihe bekommen. In mir manifestiert sich nämlich das Gefühl, es alleine auf die Reihe bekommen zu müssen, um voran kommen zu können.

Das

Wenn Du jetzt so konsequent bist, GENAU diesen Punkten nachzuspüren und sie anzugehen, dann bist Du auf dem richtigen Weg.

kann ich allerdings annehmen und für mich versuchen, auch wenn ich derzeit ein wenig überfordert bin und einfach nicht weiß, wo ich ansetzen soll oder viel eher wo ich zuerst ansetzen soll. Ansatzpunkte gibt und gäbe es wohl zur Genüge... %:|

SAa[ldo


Also bei mir hat sehr geholfen, dass ich genau das gemacht habe: mir angeschaut, wovor ich Angst hatte, was mich wütend gemacht hat, oder enttäuscht.

Dann bin ich dem auf den Grund gegangen und kam (mit Hilfe meiner Therapeutin) immer bei mir an. Denn das ist ja der Schlüssel. Die Lösung hat jeder in sich.

Ich wollte es aber auch und ich hatte keine Scheu davor, was immer auch kommen sollte.

Ich habe ziemlich viel geheult, aber jetzt gibt es auch nicht mehr viel, was mir Angst macht oder mich wütend. Wobei ich sagen muss, dass ich vorher nicht von Ängsten getrieben war, ich hatte einfach Probleme mit mir selbst, die für andere vielleicht Problemchen gewesen wären.

Aber jetzt weiss ich, dass es geht. Und ich bin fest davon überzeugt, dass jeder es kann - sich selbst zu heilen. Aber ohne die Hilfe meiner Therapeutin hätte ich das nicht geschafft.

Wenn Du moechtest, kann ich gerne versuchen, Dir zu helfen, die Punkte zu finden, wo Du ein Problem hast und Deine Gedanken zu sortieren - gerne auch per PM, wenn Du einen Sparringspartner brauchst.

Bedenke: Voraussetzung für den Erfolg ist immer der Wille, es schonungslos und ehrlich zu wollen. Ich sage das nicht ohne Hintergrund (ich will Dich nicht ärgern @:) ), denn ich erinnere mich, dass Du ein bisschen Deinen Problemen aus dem Weg gegangen bist.

KBleixo


Funkelstein

Sicher, manchmal gibt es auch Momente und Situationen, in denen ich Nähe und Wertschätzung ausdrücken oder zumindest nonverbal zeige, aber dem liegt eine Willkür zu Grunde, von der ich selbst nicht weiß, wovon sie abhängt.

Naja, es ist schwer seine Umwelt wertzuschätzen, wenn sich jemand selbst nicht wertschätzt. Meiner Meinung nach fehlt es Dir an einem gesunden Selbstbewusstsein. Aufgrund deiner Beiträge erscheinen mir bei Dir zwei eklatant wichtige Dinge: Kontrolle und Disziplin. Dadurch gibt es keine ausgewogene Balance für ein gesundes Selbstbewusstsein. Da sind für mich alle dieses "Selbst" enthalten, wie Selbstvertrauen, Selbstachtung, etc. Selbstbe wusstsein ist für mich eine ausgewogene Balance von all diesen "Selbst". Du hattest Dir ja unglaublich diszipliniert und kontrolliert erlaubt, was Du von Dir zeigst und was nicht, aber meiner Erfahrung nach funktioniert das so nicht. Ich hatte aufgrund Deiner Beiträge den Eindruck, dass Du "alles" unter Kontrolle haben wolltest. Irgendwann rebelliert der Teil in einem, der "weggesperrt" wird, entweder in einem selbst oder in irgendwelchen anderen Reaktionen. Umgekehrt merkt die Umwelt, wenn jemand nicht authentisch ist. Wenn es greifbar ist, dann kann das angesprochen werden, aber wenn nicht, bleibt eine Unsicherheit der Person gegenüber, die generell selbstbewusst scheint.

Auf der anderen Seite gibt es auch den eher seltenen Fall der Übertreibung, da klammere ich mich an eine Person und schütte alles an Gefühlen, die ich habe, ungefiltert und pur über sie aus und kann gar nicht wahrnehmen, ob es ihr angenehm oder unangenehm ist. Das ist ganz, ganz furchtbar. Wie gesagt, meistens trifft es bei so etwas kaum die Menschen, die mir tatsächlich nahestehen oder gerne nahestehen wollen und das euch deutlich zeigen. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Erscheint mir völlig logisch, dass sich Deine Gefühlswelt dann, wenn sie mal "ans Tageslicht" darf, entweder absolut verhalten oder völlig geballt zu Tage tritt. Sie ist ja sonst generell völlig unter Kontrolle, wenn ich es richtig verstanden habe.

B)rauTnauge


Funkelstein

Normalerweise arbeite ich zwischen zehn und vierzehn Stunden am Tag und habe nur nebenbei und unterschwellig die Möglichkeit nachzudenken. Im Moment geht das nicht, ich bin krankgeschrieben (- nichts gravierendes) und plötzlich ist die Zeit, die sonst fehlt, da. Vermutlich ist es nur die gerade gewonnene Erkenntnis, dass ich nur existieren kann, wenn ich mich mit sekundären Tätigkeiten ablenke und so vor dem "richtigen" Leben verstecke.

Was mir ähnlich geht: mein Gehirn braucht immer Futter. Es muss sich immer mit irgendwas beschätigen. Daher ist auch bei mir die Arbeit so wichtig. Vielleicht kannst du ja einen kleinen Teil der Arbeit zuhause machen? Oder dir ein Hobby suchen: z.B. Malen, Instrument lernen, eine Fremdsprache lernen, sowas halt.

Ich fühle mich im Moment sehr müde und lebensunfähig, zudem auch nicht fähig, mit Menschen umzugehen und sie mit mir umgehen zu lassen. Das ist verrückt, denn eigentlich ist alles in Ordnung und eigentlich geht es mir gut, nicht wahr?

Klingt nach einer depressiven Verstimmung, z.B. durch Krankheit. Und für depressive Verstimmungen sind soziale Ängste eine häufige Begleiterscheinung. Ich freu mich, dass du hier geschrieben hast.

Eigentlich will ich keine Scheinbeziehungen in denen ich nicht mehr bin als ein Statist oder allerhöchstens ein Komparse, aber jenen Menschen, die mir tatsächlich und auf Gegenseitigkeit beruhend am Herzen liegen, vermittle ich oftmals Distanz und Kühle. Sicher, manchmal gibt es auch Momente und Situationen, in denen ich Nähe und Wertschätzung ausdrücken oder zumindest nonverbal zeige, aber dem liegt eine Willkür zu Grunde, von der ich selbst nicht weiß, wovon sie abhängt.

Das Stichwort dazu ist Nähe-Distanz-Regulation. Ich habe da auch so meine Schwierigkeiten damit. Bei Google findet sich mehr zu dem Begriff.

Mir fehlt etwas, das weiß ich. Hätte ich es, würde ich mich besser fühlen. Was es ist und wo ich ansetzen soll, weiß ich nicht. Es ist sehr albern und eigenartig, aber ich habe tatsächlich nicht die geringste Ahnung oder auch nur den Ansatz eines Plans.

Also typisch wäre erstmal: ein Mangel an Endorphinen, Serotonin, Dopamin, Noradenalin.

Ganz knapp ist das hier zusammengefasst: [[http://www.brain-effect.com/de/botenstoffe-gehirn]] .

Als Abhilfe gibt's z.B. Sport, Bewegung, Spaziergänge, draußen sein (Licht!), ggf. Treffen mit Freunden, Gespräche. Auf medikamentöser Seite: z.B. Antidepressiva.

Andere typisch fehlende Sachen wären: Beziehung und Partner, Berührungen, Intimität, Geborgenheit, Zuspruch und Anerkennung, Lob, Trost.

Liebe Grüße, Braunauge

F;unkelystein


Saldo

Also bei mir hat sehr geholfen, dass ich genau das gemacht habe: mir angeschaut, wovor ich Angst hatte, was mich wütend gemacht hat, oder enttäuscht.

Ich schaue hin und erkenne Auslöser, Gründe und Ursachen, zum Teil auch Symptome, aber ich finde kein Rezept für die, keinen Weg zu der Lösung. Ich kann erahnen, welche Lösungsschritte möglicherweise notwendig sein könnten, aber wie ich dahin komme: keine Ahnung.

Die Lösung hat jeder in sich.

Weißt du was? Ich glaube, in dem Punkt liegst du verdammt richtig. Nur, wie kann man sie finden und wo fängt man an zu suchen?

Ich wollte es aber auch und ich hatte keine Scheu davor, was immer auch kommen sollte.

Ich will es auch. Scheu habe ich allerdings, das ist wahr. Nicht nur das, ich habe viel eher verdammt große Angst, vor dem was kommen könnte. Das ist ein Problem, nicht wahr?

Voraussetzung für den Erfolg ist immer der Wille, es schonungslos und ehrlich zu wollen.

Ja, haste schon recht mit. Was aber würdest du sagen, wenn man will, wirklich will und bereit ist, etwas zu tun, aber trotzdem Angst empfinde? Muss man die Angst ignorieren? Ist man schwach, wenn man es nicht tut? Ist der Wille noch nicht ausreichend groß genug, wenn man der Angst Beachtung schenkt? Will man die Angst möglicherweise unbewusst gar nicht ignorieren, um sie als willkommene Ausrede, nichts verändern zu können, zu nutzen?

Ich frage mich das, weil das Bewusstsein, dass es mir so, wie ich derzeit lebe, nicht (mehr) gut geht und ich mich schlecht fühle, selten so deutlich präsent und so stark, wie jetzt. Es gab solche Phasen, in denen ich mich in meiner Haut und mit meinem Leben nicht wohl fühlte, aber das war nie intensiv genug, um meine Lebensweise in Frage zu stellen oder über Lösungen, Veränderungen nachzudenken. Meistens habe ich bereits leichte Anflüge solcher Ahnungen, dass es mir ohne etwas grundlegendes zu ändern, nicht besser gehen kann, immer beiseite geschoben, bevor ich auch nur intensiver darüber nachdenken konnte. Nun versuche ich mich, intensiv damit zu befassen. Hinzuschauen, anstatt die Augen zu verschließen und mich mit sekundären Ersatztätigkeiten (Arbeit, etc.) zu beschäftigen. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade an dem Punkt bin, an dem einem alles (oder vieles) wie Schuppen von den Augen fällt und man das Problem (oder die Probleme) endlich erkennt.

Ich will nicht mehr weiterleben wie bisher. Ich kann das nicht mehr. Trotzdem habe ich Angst. Ist das sehr schlimm?

Wenn Du moechtest, kann ich gerne versuchen, Dir zu helfen, die Punkte zu finden, wo Du ein Problem hast und Deine Gedanken zu sortieren – gerne auch per PM, wenn Du einen Sparringspartner brauchst.

Ich bin über jeden Denkanstoß von jedem, der hier liest, dankbar und freue mich, wenn er hier im Faden geäußert wird.

Es ist sicherlich nett gemeint, aber per PN möchte ich mich nicht austauschen.

Ich sage das nicht ohne Hintergrund (ich will Dich nicht ärgern ), denn ich erinnere mich, dass Du ein bisschen Deinen Problemen aus dem Weg gegangen bist.

Ich möchte dich auch nicht ärgern, aber nur weil du den Eindruck hast, ich wäre meinen Problemen bisher aus dem Weg gegangen, heißt das nicht, dass dem auch tatsächlich so ist.

Bei mir hapert es eher daran, ein Problem auch als solches wahrzunehmen. Oft schaue ich nicht hin oder übersehe es. Erkenne ich es aber, will ich es auch lösen und gehe ihm nicht aus dem Weg.

Kleio

Weißt du, was ich beim Lesen deines Beitrages von Beginn an bis zum letzten Wort gedacht habe? Ich habe gedacht, dass du recht hast. Du kannst meine Situation viel besser und verständlicher in Worte fassen, als ich selbst.

Meiner Meinung nach fehlt es Dir an einem gesunden Selbstbewusstsein.

Ja, ich denke, das stimmt.

Merkwürdigerweise gelingt es mir in bestimmten Situationen durchaus selbstbewusst aufzutreten und mich als selbstbewusst zu empfinden. Allerdings sind das Situationen, wie oben beschrieben. Ich baue zu meinem Gegenüber keine ehrliche, wahrhaftige Beziehung, sondern eine Scheinbeziehung auf. Ich bin nicht ich selbst, sondern verstecke mich hinter einer Fassade und spiele eine Rolle, die ich anderen als mich selbst verkaufe und diese Person kann auch selbstbewusst und souverän auftreten. Das kommt vor allem in der Arbeit vor, da bin ich sehr cool und tough, aber in dem Fall nicht Funkelstein, sondern die Rolle Berufsbezeichnung Funkelstein. Ist das zu verstehen? %:|

Aufgrund deiner Beiträge erscheinen mir bei Dir zwei eklatant wichtige Dinge: Kontrolle und Disziplin.

Absolut. Ich verhalte mich furchtbar kontrolliert und zwinge mich zur Selbstdisziplin. Ständig. Natürlich bricht die Selbstkontrolle auch mal ein und die Fassade bröckelt, was immer zu sehr unangenehmen Momenten führt, die in mir ein Gefühl der Hilflosigkeit und Nacktheit auslösen, obwohl das eigentlich nicht so sein müsste. Aus diesem für mich negativem Gefühl ziehe ich dann die Konsequenz den Rolladen wieder hinunterzulassen und zurück in die jeweils angemessene Rolle zu schlüpfen, die nur in begrenzten Teilen etwas mit dem Menschen zu tun hat, der ich wirklich bin.

Du hattest Dir ja unglaublich diszipliniert und kontrolliert erlaubt, was Du von Dir zeigst und was nicht, aber meiner Erfahrung nach funktioniert das so nicht.

So lebe ich mein Leben. So verhalte ich mich gegenüber beinahe allen Menschen, die ich kenne. Ich überlege ganz genau, wem ich was von mir erzählen oder zeigen darf/kann/möchte und bin im Zweifelsfall lieber zurückhaltend, als offen. Ich hatte das in vorhergehenden Beiträgen unter anderem eine Maßnahme des Selbstschutzes genannt und dieses Verhalten so begründet, aber inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mich so wirklich schütze oder mich auf diese Art und Weise über kurz oder lang einfach nur selbst betrüge und die Dinge schlussendlich noch schlimmer mache.

Feststeht, dass es mir nicht gut geht. Die längste Zeit ging es mir mit dieser Strategie offenbar gut und ich kam klar. Alles prima, kein Grund, diese Methode in Frage zu stellen. Jetzt ist das anders, etwas brodelt und tobt in mir. Also muss ich etwas ändern, soviel steht fest. Bloß was und wie?

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses zwanghafte, kontrollierende Verhalten ablegen kann ohne in gegenteilige Extreme zu rutschen. Dazu habe ich nämlich ebenfalls eine Neigung. So diszipliniert und selbstkontrolliert ich in manchen Bereichen meines Lebens auch sein mag, so hemmungslos, exzessive und waghalsig verhalte ich mich in anderen.

Irgendwann rebelliert der Teil in einem, der "weggesperrt" wird, entweder in einem selbst oder in irgendwelchen anderen Reaktionen.

Im Moment scheint ersteres der Fall zu sein, glaube ich.

Zweites kenne ich allerdings auch. Jene Teile von mir oder meines Gefühls- und Innenlebens, die ich kontrolliert in mir versperrt halte, belasten mich trotz Nichtbeachtung meinerseits weiterhin und irgendwann entladen sich der so selbst angestaute Druck und die Belastung – zumeist unkontrolliert – im falschen Augenblick und gegenüber der falschen Person, was im Laufe der Zeit bereits zu der ein oder anderen kleinen oder großen Katastrophe geführt hat.

Erscheint mir völlig logisch, dass sich Deine Gefühlswelt dann, wenn sie mal "ans Tageslicht" darf, entweder absolut verhalten oder völlig geballt zu Tage tritt.

Wenn ich darüber nachdenke, finde ich es auch logisch und angesichts meines Kontrollzwangs "normal", aber dennoch weiß ich nicht, was ich tun muss, um wieder einen intuitiven Umgang mit meinen Gefühlen und dem Zeigen dieser erlernen zu können. Vor allem liegt bereits darin ein Widerspruch, denn Intuition kann man nicht erlernen. Vielleicht muss ich viel eher lernen, meine Intuition nicht mehr zu ignorieren und zu verleugnen.

Ich will keine Schaustellerin mehr sein, die sich in situationsangemessene Schemen presst und als Schatten ihrer selbst lebt. Ich will das endlich anpacken und ich selbst sein können. Zugleich habe ich Angst davor und finde keine konkreten Ansatzpunkte.

Zumindest den Menschen gegenüber, die mir tatsächlich am Herzen liegen, würde ich mich gerne mehr öffnen können, als ich es jetzt kann. Eigentlich könnte es so einfach sein, da meine engen Freunde ohnehin über alles wesentliche Bescheid wissen. Allerdings kennen sie nur Fakten, keine Hintergründe. Sie wissen, dass (beliebiges, hypothetisches Beispiel:) mein Hund gestorben ist und es mir deswegen nicht gut geht, aber sie wissen nicht, wie es mir geht, was ich fühle und denke und warum. Sie das wissen zu lassen, würde irgendeine Grenze in mir überschreiten, deren Daseinsgrund ich selbst nicht kenne. Diese Grenze kann ich nur gegenüber Menschen durchbrechen, die mir gleichgültig sind. Dem Fremden, mit dem ich während meiner Mittagspause die Parkbank teile, kann ich erzählen, was ich (um bei dem Beispiel zu bleiben) durch den und wegen des Todes meines Hundes fühle. In solchen Fällen ist das auch gar nicht schlimm, es geht ganz leicht. Gegenüber meinen Freunden schaffe ich das nicht, so sehr ich es auch möchte und ich weiß nicht, woran das liegt. Das macht mich ziemlich traurig.

Sjacledxo


Ich habe mir nochmal Deinen Anfangsbeitrag von vor zwei Tagen durchgelesen. Beim ersten Lesen hatte ich auch das Gefühl, dass Du von vielen Dingen sprichst, die Dir durch den Kopf gehen. Aber heute war das anders: Du beschreibst Deine Gefühle und Deine Situation und im vorletzten, langen Absatz steckt der Kern:

Du schauspielerst, suchst Dir Leute, die Du nicht magst und weist Leute ab, die Dir emotional zu nahe kommen könnten, weil Du nicht verletzt werden möchtest.

Und Du bist gerade auf dem Wege dahin, das zu erkennen und deshalb ist Dein Dasein etwas durcheinander.

Wahrscheinlich bist Du mal als Kind verletzt worden.

Du weisst zwar jetzt, dass Du wieder Vertrauen fassen musst (und Dein Verstand weiss, dass Du jetzt sicher bist und alles in Ordnung ist und dass Du jetzt auch gefahrlos Vertrauen haben kannst), aber diese neue Erkenntnis muss noch in Dein Unterbewusstsein, in Dein Herz einsickern. Du musst lernen, auch danach zu handeln. Das ist etwas völlig Neues für Dich, Dich jemandem, der Dir nahesteht, auch emotional zu öffnen.

Ok, Kleio wird wieder sagen, das sei mein übliches Pseudotherapeutengelaber (ich weiss, das hast Du so nicht gesagt, Kleio *:) ) aber das ging mir jetzt durch den Kopf. Vielleicht kannst Du etwas daraus machen.

Fsunke#lsteixn


Braunauge

Klingt nach einer depressiven Verstimmung

Das mag so klingen, ja. Vielleicht ist es viel eher eine Phase der Selbsterkenntnis und das Wahrnehmen der eigenen Gefühle, die aktuell viel mit Traurigkeit und Unzufriedenheit zu tun haben.

z.B. durch Krankheit.

Ich glaube, das hast du missverstanden. Ich fühle mich derzeit nicht schlecht, weil ich krankgeschrieben bin. Eher ermöglicht es mir die Krankschreibung (und damit verbundene freie Zeit, die ich sonst nicht habe) hinzusehen und zu bemerken, dass es mir schon seit langem aus schlecht geht.

Was mir ähnlich geht: mein Gehirn braucht immer Futter. Es muss sich immer mit irgendwas beschätigen. Daher ist auch bei mir die Arbeit so wichtig. Vielleicht kannst du ja einen kleinen Teil der Arbeit zuhause machen? Oder dir ein Hobby suchen: z.B. Malen, Instrument lernen, eine Fremdsprache lernen, sowas halt.

Würde ich mir nun, wie von dir vorgeschlagen, eine Beschäftigung suchen, wäre das ein erneutes Ablenkungsmanöver für meinen Kopf und meine Seele und kontraproduktiv für mein Vorhaben, endlich etwas für mein allgemeines seelisches Befinden zu tun. Klar, es wäre mir angenehmer, ein Buch zu lesen oder Russisch zu lernen, aber das löst mein Problem nicht, sondern schiebt es bloß wieder zurück in den Schrank, wo es sich von selbst nicht (auf)lösen wird, sondern liegen bleibt und nicht kleiner, sondern möglicherweise größer wird.

Das Stichwort dazu ist Nähe-Distanz-Regulation.

Damit kann ich etwas anfangen. Danke für den Input.

Also typisch wäre erstmal: ein Mangel an Endorphinen, Serotonin, Dopamin, Noradenalin.

Okay. Dass biochemische Prozesse im Körper durchaus eine bedeutsame Rolle bei seelischen Problemen spielen weiß ich und erkenne ich an, aber ich habe das Gefühl, es bringt mich nicht signifikant weiter, mich damit zu befassen. Vielleicht irre ich mich aber auch und du kannst mich eines besseren belehren.

Als Abhilfe gibt's z.B. Sport, Bewegung, Spaziergänge, draußen sein (Licht!), ggf. Treffen mit Freunden, Gespräche.

Klar. Das sind alles Wege, um das Symptom, d.h. in meinem Fall die Schieflage meiner Gefühle zu bekämpfen. Sie würden kurzzeitig Abhilfe bei der Traurigkeit und den anderen negativen Empfindungen schaffen, aber was dann und wie weiter?

Auf Dauer hilft mir das nicht und bringt mich keinen Millimeter weiter.

Andere typisch fehlende Sachen wären: Beziehung und Partner, Berührungen, Intimität, Geborgenheit, Zuspruch und Anerkennung, Lob, Trost.

Ja. Nein. %:| Ich weiß auch nicht. Sicher, gewisse Dinge deiner Aufzählung fehlen mir sowohl faktisch, als auch emotional, aber zum Teil werden sie mir regelmäßig entgegen gebracht (z.B. Anerkennung, Trost, Zuspruch,...), doch es ist mir nicht möglich, das anzunehmen. Ich bin in der Hinsicht total verkorkst.

S)alxdo


aber zum Teil werden sie mir regelmäßig entgegen gebracht (z.B. Anerkennung, Trost, Zuspruch,...), doch es ist mir nicht möglich, das anzunehmen. Ich bin in der Hinsicht total verkorkst.

Du bist ETWAS verkorkst.

Das wird schon.

Merkst Du eigentlich, dass Du auf einem guten Weg bist?

@:) :)*

KLleiLo


Funkelstein

Weißt du was? Ich glaube, in dem Punkt liegst du verdammt richtig. Nur, wie kann man sie finden und wo fängt man an zu suchen?

Ich habe mich in der Zeit meines Lebens abgeholt, als ich meine Gefühle noch so gezeigt habe, wie sie waren und das war meine Kindheit – bevor ich traumatisiert war. Ich habe mir viele Geschichten von mir angehört, wie ich als Kind war.

Ich will es auch. Scheu habe ich allerdings, das ist wahr. Nicht nur das, ich habe viel eher verdammt große Angst, vor dem was kommen könnte. Das ist ein Problem, nicht wahr?

Wie schaut dieser Film aus, der bei Dir abläuft? Was bereitet Dir denn Angst?

Ja, haste schon recht mit. Was aber würdest du sagen, wenn man will, wirklich will und bereit ist, etwas zu tun, aber trotzdem Angst empfinde?

Ist es nicht naheliegen, dass Du Angst hast? Du würdest Deine Kontrolle/Disziplin verlassen müssen. Ein Gebiet, auf dem Du Dich perfektioniert hast, auf dem Du sicher bist. Das wäre ein neuer Weg. Ist es nicht naheliegend, dass Du Angst hast, da Du die Situation nicht mehr einschätzen kannst. Du weißt (noch) nicht wie Du reagierst, Du weißt nicht, wie andere auf diese Deine Seite reagieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Kontrolle/Disziplin ein Zensor-Stimme in Dir hat, mit der Du Dich auch jetzt ständig beurteilst, bewertest, denn sonst könntest Du ja nach Außen nicht erscheinen, wie Du es beschreibst. Das heißt, die müssten auf jeden Fall ins Boot, sonst würdest Du Dich nur fertig machen. Es wäre neues Terrain und wie jedes Kind, jeder Pubertierende wärst Du auf dem Weg, dies überhaupt einmal zu erproben.

Muss man die Angst ignorieren? Ist man schwach, wenn man es nicht tut? Ist der Wille noch nicht ausreichend groß genug, wenn man der Angst Beachtung schenkt? Will man die Angst möglicherweise unbewusst gar nicht ignorieren, um sie als willkommene Ausrede, nichts verändern zu können, zu nutzen?

Ich finde, Angst ist etwas sehr oder wichtiges. Allerdings setzt Du sie möglicherweise mehr ein, als notwendig. Vielleicht wäre in manchen Situationen Neugier mit einer neutralen Einstellung zielführender, um den Weg leichter zu gehen. Das geht natürlich nicht so schnell, so muss sie ausgehalten werden, die Angst Mit Vorurteilen beeinflusst man sich oft selbst falsch. Ohne Erwartungshaltung hätten alle anderen Gefühle eine bessere Chance sich zu zeigen. Wenn Du dann in der Situation Angst hast, dann weißt Du, dass es nicht von Deinem Kopfkino kommt, nicht von Vorurteilen, sondern weil Du es so empfindest und dann kannst Du auch entsprechend reagieren.

Ich frage mich das, weil das Bewusstsein, dass es mir so, wie ich derzeit lebe, nicht (mehr) gut geht und ich mich schlecht fühle, selten so deutlich präsent und so stark, wie jetzt. Es gab solche Phasen, in denen ich mich in meiner Haut und mit meinem Leben nicht wohl fühlte, aber das war nie intensiv genug, um meine Lebensweise in Frage zu stellen oder über Lösungen, Veränderungen nachzudenken.

Vielleicht, weil es für diese Zeit Deines Lebens einfach das richtige war.

Nun versuche ich mich, intensiv damit zu befassen. Hinzuschauen, anstatt die Augen zu verschließen und mich mit sekundären Ersatztätigkeiten (Arbeit, etc.) zu beschäftigen. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade an dem Punkt bin, an dem einem alles (oder vieles) wie Schuppen von den Augen fällt und man das Problem (oder die Probleme) endlich erkennt.

Ich will nicht mehr weiterleben wie bisher. Ich kann das nicht mehr. Trotzdem habe ich Angst. Ist das sehr schlimm?

Ich finde nicht. Die Frage ist, was ist größer: die Angst oder der Wille etwas zu ändern?

KJleixo


Funkelstein

Weißt du, was ich beim Lesen deines Beitrages von Beginn an bis zum letzten Wort gedacht habe? Ich habe gedacht, dass du recht hast. Du kannst meine Situation viel besser und verständlicher in Worte fassen, als ich selbst.

Weißt Du :-) , vieles das Du schon in den Vorbeiträgen konnte ich recht gut nachvollziehen, aber es ging um ein anderes Thema. Ich war gestern sehr gespannt, wie mein Beitrag bei Dir ankommt, da ich ja eine bestimme Einschätzung habe und sehr viele parallelen zu erkennen glaubte, wie ich auch früher war.

Merkwürdigerweise gelingt es mir in bestimmten Situationen durchaus selbstbewusst aufzutreten und mich als selbstbewusst zu empfinden. Allerdings sind das Situationen, wie oben beschrieben. Ich baue zu meinem Gegenüber keine ehrliche, wahrhaftige Beziehung, sondern eine Scheinbeziehung auf. Ich bin nicht ich selbst, sondern verstecke mich hinter einer Fassade und spiele eine Rolle, die ich anderen als mich selbst verkaufe und diese Person kann auch selbstbewusst und souverän auftreten. Das kommt vor allem in der Arbeit vor, da bin ich sehr cool und tough, aber in dem Fall nicht Funkelstein, sondern die Rolle Berufsbezeichnung Funkelstein. Ist das zu verstehen?

Sehr gut. Auch da entdecke ich sehr viele Parallelen. Es ist manchmal leichter Selbstbewusst zu spielen, zumindest erscheint es so. Was ist der Grund, dass Du diese Eigenschaften von Dir zeigst, die Du zeigst? Selbstschutz, Angst vor einer bestimmten Reaktion, Angst vor einer bestimmten Beurteilung oder Bewertung?

Absolut. Ich verhalte mich furchtbar kontrolliert und zwinge mich zur Selbstdisziplin.

Welchen Vorteil hast Du bisher in dieser Kontrolle und Selbstdisziplin für Dich gesehen?

Was konnte Dir durch sie nicht mehr passieren?

Ständig. Natürlich bricht die Selbstkontrolle auch mal ein und die Fassade bröckelt, was immer zu sehr unangenehmen Momenten führt, die in mir ein Gefühl der Hilflosigkeit und Nacktheit auslösen, obwohl das eigentlich nicht so sein müsste.

Das war bei mir ähnlich. Es ist ein ungeheurer Kraftakt ständig einen Teil von sich nicht zu zeigen.

Aus diesem für mich negativem Gefühl ziehe ich dann die Konsequenz den Rolladen wieder hinunterzulassen und zurück in die jeweils angemessene Rolle zu schlüpfen, die nur in begrenzten Teilen etwas mit dem Menschen zu tun hat, der ich wirklich bin.

Weißt Du, was das für ein Mensch, bzw. ein Teil eines Menschen wäre, der zutage treten würde? Was hätte der für Eigenschaften und Gefühle?

So lebe ich mein Leben. So verhalte ich mich gegenüber beinahe allen Menschen, die ich kenne. Ich überlege ganz genau, wem ich was von mir erzählen oder zeigen darf/kann/möchte und bin im Zweifelsfall lieber zurückhaltend, als offen. Ich hatte das in vorhergehenden Beiträgen unter anderem eine Maßnahme des Selbstschutzes genannt und dieses Verhalten so begründet, aber inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mich so wirklich schütze oder mich auf diese Art und Weise über kurz oder lang einfach nur selbst betrüge und die Dinge schlussendlich noch schlimmer mache.

Bei mir war es unter anderem der Grund keine Verletzungen mehr davonzutragen, keine Schmerzen mehr durch andere zu erleiden. Umgekehrt meinte ich natürlich auch die anderen durch mein kontrolliertes Verhalten soweit zu bringen, dass sie mich mochten, schließlich erlaubte ich mir ja nur Dinge, die auch gemocht wurden. Deshalb erbaute ich mir diese Wand von Kontrolle und Selbstdisziplin (übrigens keine schlechten Eigenschaften, ich setze sie heute nur anders ein). Es war ja auch nicht, dass es nicht funktioniert hätte. Es hat funktioniert. Nur habe ich irgendwann gemerkt, dass ja dann dieses Bild, das ich zeigte gemocht wurde und das war nur ein Teil von mir. Mein ich wurde sowohl von mir unterdrückt und weggedrückt, ein großer Teil meiner Gefühlswelt, genauso aber auch Gedankenwelt. Die hat irgendwann dann zum Glück auch randaliert. Ich merkte, wir fürchterlich Respektlos ich zu mir war, wie sehr ich mich abwertete nur, damit es andere nicht taten. Wenn ich es mir jetzt so durchlese, habe ich mich zwar vor Schmerzen bewahrt, die mir andere zufügten, habe mir selbst Schmerzen bereitet und kannte mich natürlich auch nicht besonders, denn schließlich konnte ich ja superselbstdiszipliniert und kontrolliert alles verbieten, was "nicht passte".

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses zwanghafte, kontrollierende Verhalten ablegen kann ohne in gegenteilige Extreme zu rutschen. Dazu habe ich nämlich ebenfalls eine Neigung. So diszipliniert und selbstkontrolliert ich in manchen Bereichen meines Lebens auch sein mag, so hemmungslos, exzessive und waghalsig verhalte ich mich in anderen.

Auch das muss wohl so sein und kann am Anfang so kommen, bis Du dann ein Gleichgewicht zwischen Ratio und Gefühl bildest. Du bist aber doch erprobt etwas zu ändern. Da müsstest Du doch Vertrauen zu Dir haben.

Wenn ich darüber nachdenke, finde ich es auch logisch und angesichts meines Kontrollzwangs "normal", aber dennoch weiß ich nicht, was ich tun muss, um wieder einen intuitiven Umgang mit meinen Gefühlen und dem Zeigen dieser erlernen zu können. Vor allem liegt bereits darin ein Widerspruch, denn Intuition kann man nicht erlernen. Vielleicht muss ich viel eher lernen, meine Intuition nicht mehr zu ignorieren und zu verleugnen.

Meiner Meinung nach reicht es schon nicht mehr zu unterdrücken und Gefühle, Gedanken und auch Intuition zuzulassen, damit Du selbst erkennst, wer Du bist, wie Du bist.

Gibt es denn Empfindungen, Gedanken oder auch intuitive Dinge, mit denen Du immer "kämpfen" musst, um sie zu unterdrücken? Hast Du den Eindruck, dass Du "kämpfst" um dieses Bild von Dir darstellen zu können? Hast Du den Eindruck, dass Du eigentlich unermüdlich kämpfst bzw. es musst?

Ich will keine Schaustellerin mehr sein, die sich in situationsangemessene Schemen presst und als Schatten ihrer selbst lebt. Ich will das endlich anpacken und ich selbst sein können. Zugleich habe ich Angst davor und finde keine konkreten Ansatzpunkte.

Ich hatte den Eindruck, als ich diesen Weg einschlug, dass er viel einfacher war, als der vorige, denn es gab keinen Kampf mehr, weder einen inneren, noch einen äußeren. Selbstbewusstsein ist ein Zustand, sich so anzunehmen, wie man ist. Es gibt kein "schwach" oder "stark". Es gibt ein, so bin ich. Dagegen gibt es kein Argument. Das erfordert keine Rechtfertigung. Darauf kannst Du dann auch vertrauen und auch das ist ja so ein Selbstwort: Selbstvertrauen. Keine kleinen Bilder oder fremd- oder selbstkonditionierten Solls. Ich weiß nicht, ob ich mich da verständlich ausdrücke.

Bhrauntauge


Ich glaube, das hast du missverstanden. Ich fühle mich derzeit nicht schlecht, weil ich krankgeschrieben bin.

Wieso kannst du diese Ursache sicher ausschließen? Auch das Wissen darum, warum ein bestimmter Umstand keine Wirkung haben kann, wäre ja eine Erkenntnis. Außerdem gibt's noch Abstufungen, z.B. einen geringen Einfluss, einen mittleren Einfluss, und einen starken Einfluss.

Würde ich mir nun, wie von dir vorgeschlagen, eine Beschäftigung suchen, wäre das ein erneutes Ablenkungsmanöver für meinen Kopf und meine Seele und kontraproduktiv für mein Vorhaben, endlich etwas für mein allgemeines seelisches Befinden zu tun.

Das lässt sich doch verbinden. Die Beschäftigung mit dem Hobby kann die Beschäftigung mit den Gedanken ergänzen. Mal doch z.B. mal schöne Kindheitserinnerungen auf oder male ein Bild, das deine aktuelle Stimmung oder Sehnsüchte ausdrückt. Oder male die Traum-Umgebung, in der du dich derzeit wohlfühlen würdest. Oder male dich in die Mitte und dann alle Menschen drumrum in den Abstand, den sie derzeit haben. Und dann den, den du zu ihnen möchtest. Im Bild kannst du alles machen. Dicke Mauern reinmalen oder Brücken. Ich weiß nicht, ob es was für dein seelisches Befinden tut, aber manchmal kommt's auf nen Versuch an. Man kann z.B. auch Geschenke basteln. Dann beschäftigt man sich gedanklich mit sich und der Beziehung zum anderen, aber macht auch was mit den Händen.

Ich war heute beim Lachyoga (hatte keine Ahnung, was das sein sollte), einfach als Versuch. Nach 10 min, bin ich wieder gegangen. Ich habe mich dort nicht authentisch gefühlt. Aber es war eine große Befreiung, als ich wieder gefahren bin. Und so hatte es einen heilsamen Effekt für mich. Ich weiß einen Punkt mehr, den ich derzeit nicht will. ;-) Und ganz ehrlich: diesen Effekt hatte ich vorher gar nicht erwartet. Für alle anderen war es aber ok, die haben mitgemacht. Für mich war's nix. Erholsam waren die 1h Fahrt dahin und mit großem Umweg am Fluss entlang die Radfahrt zurück.

Klar, es wäre mir angenehmer, ein Buch zu lesen oder Russisch zu lernen, aber das löst mein Problem nicht, sondern schiebt es bloß wieder zurück in den Schrank, wo es sich von selbst nicht (auf)lösen wird, sondern liegen bleibt und nicht kleiner, sondern möglicherweise größer wird.

Ich glaube, auch da macht's die Mischung. Ruhig mal Ablenkung, Entspannung, was Angenehmes. Und ergänzend dazu die Beschäftigung mit dem eigenen Selbst.

Zu der "Problemlösung" durch eine Änderung: hier gibt's ne nette gedankliche Spielerei, dass Änderung eine, aber nicht die einzige Reaktionsmöglichkeit ist (wobei natürlich auch die 3 beschriebenen Reaktionen nicht vollständig sind):

[[http://www.zeitzuleben.de/1004-leave-it-love-it-or-change-it/]]

BTW: Da wo ein Problem nicht lösbar ist, kann die Lösung darin liegen, die eigene Einstellung zu dem Problem zu verändern. Also z.B.: Wenn ich schon nicht weiß, was mein Problem ist, warum ist die Lösung dieses einen Problems denn so wichtig für mich?

Okay. Dass biochemische Prozesse im Körper durchaus eine bedeutsame Rolle bei seelischen Problemen spielen weiß ich und erkenne ich an, aber ich habe das Gefühl, es bringt mich nicht signifikant weiter, mich damit zu befassen. Vielleicht irre ich mich aber auch und du kannst mich eines besseren belehren.

Ich kenne halt eine Behandlungsmethode aus der psych. Klinik. Dort unterschied man grob zwei Phasen, die natürlich ineinander griffen: a) die Therapierbarkeit des Patienten herstellen und b) die Therapie. Ich fand diesen Ansatz sehr spannend, wie bei vielen zunächst mal Ängste, Traurigkeit, aber auch Wut und Aggressivität mit Medikamenten abgeschwächt werden konnten – in Richtung dessen, was ich mal "normale Grundstimmung" nennen würde. Sie wurden damit umgänglicher und meist selbstsicherer. Und konnten sich dann erst der Therapie richtig widmen. Die Anfangsbehandlung dort war also erstmal überwiegend psychiatrisch (also mit Medikamenten, und dort denken sich die Ärzte erstmal in den Gehirnstoffwechsel ein), erst danach kam der intensivere psychotherapeutische Teil. Was ich draus gelernt habe: zumindest in den Fällen, die dort in einer Aufnahme in eine psych. Klinik gemündet haben, war medikamentöse Unterstützung ein wichtiger Teil. Ich war damals aber auch froh, die Medikamente bald wieder los zu sein.

Wenn man in Ursache-Wirkungs-Prozessen denkt, zählt also auch die biologische Ursache und medikamentöse Wirkung mit rein. Warum machte es zumindest dort in der Klinik Sinn, auch Krankheitslehre zu haben (und damit so ein paar medizinische Grundlagen): die Kenntnis um die eigene psych. Erkrankung/Störung (mal erstmalig, mal wiederkehrend, mal chronisch, je nach Patient) macht die Patienten selbstständiger und etwas unabhängiger. Und sie machte – zumindest für mich – das Vorgehen der Ärzte/Psychotherapeuten dort einsichtiger.

Du hast bisher von einigen Psychotherapien in deinem Leben erzählt. Ich habe mich halt gefragt, ob ggf. der psychiatrischen Komponente (zu) wenig Beachtung geschenkt wurde. Ich will dir aber damit nicht zu nahe treten.

F6unkeNlstexin


Kleio

Ich habe mich in der Zeit meines Lebens abgeholt, als ich meine Gefühle noch so gezeigt habe, wie sie waren und das war meine Kindheit – bevor ich traumatisiert war. Ich habe mir viele Geschichten von mir angehört, wie ich als Kind war.

Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie es zuvor, wie ich zuvor war. Jene Ereignisse, die mich geprägt und bis heute Einfluss auf mein Handeln und meine Art mit meinem Innern und anderen Menschen umzugehen haben, liegen so lange zurück, dass ich keine Erinnerung an die Zeit davor habe.

Deinen Ansatzpunkt finde ich dennoch gut und auch, wenn ich hinsichtlich dessen nicht in mir selbst nachforschen kann, ist es vielleicht möglich, andere nach ihren Erinnerungen an mich zu fragen.

Wie schaut dieser Film aus, der bei Dir abläuft? Was bereitet Dir denn Angst?

Es fällt mir sehr schwer, das zu benennen. Vielleicht auch, weil es keine konkrete Angst oder zumindest keine rationalen Gründe dafür gibt. Es ist ein unterschwelliges, aber ständig präsentes Gefühl, das mich in gewissen Lebensbereichen teilweise oder zur Gänze hemmt und lähmt.

Ist es nicht naheliegen, dass Du Angst hast? Du würdest Deine Kontrolle/Disziplin verlassen müssen. Ein Gebiet, auf dem Du Dich perfektioniert hast, auf dem Du sicher bist.[...]

Ja... Mir macht, glaube ich, Angst, dass ich nicht beeinflussen kann, was in mir und in meinem Umfeld passiert, wenn ich gewisse Verhaltensweisen ändere und die Selbstkontrolle ablege. Sicher, da spielen auch richtig kindische Gedanken in Richtung "Möglicherweise kann mich dann niemand mehr leiden." mit, aber die sind doch eher sekundär. Es gibt auch tiefergreifende Ängste. Angst, auszurasten, Angst mich zu sehr zu offenbaren oder entblößt zu werden, Angst vor Menschen, die meine ihnen nun bekannten Schwächen und wunden Punkte ausnützen oder mich täuschen könnten, Angst vor Enttäuschungen und Verletzungen, Versagensängste,...

Ich finde, Angst ist etwas sehr oder wichtiges. Allerdings setzt Du sie möglicherweise mehr ein, als notwendig. Vielleicht wäre in manchen Situationen Neugier mit einer neutralen Einstellung zielführender, um den Weg leichter zu gehen. Das geht natürlich nicht so schnell, so muss sie ausgehalten werden, die Angst Mit Vorurteilen beeinflusst man sich oft selbst falsch. Ohne Erwartungshaltung hätten alle anderen Gefühle eine bessere Chance sich zu zeigen. Wenn Du dann in der Situation Angst hast, dann weißt Du, dass es nicht von Deinem Kopfkino kommt, nicht von Vorurteilen, sondern weil Du es so empfindest und dann kannst Du auch entsprechend reagieren.

Danke für diese Überlegung. Exakt das nervt mich an mir selbst so sehr, es ist zum Irrewerden. %:| %-|

Von der Ratio her weiß ich natürlich, dass die meisten meiner Befürchtungen, sowohl die realen, als auch die abstrakten, ziemlich albern sind und noch dazu auf Vorurteilen basieren. Es ist, wie du schriebst. Es wäre so wichtig für mich, meine Erwartungshaltung diesbezüglich ein wenig zu neutralisieren. Das ist für mich nun der erste Punkt, an dem ich ansetzen will. Ich kann mich den Menschen gegenüber nicht oder kaum offen zeigen, weil ich Angst habe, sie könnten mir etwas böses tun. Diese Angst impliziert aber zugleich die unfaire und vorverurteilende Unterstellung, dass sie dazu in der Lage sind und das möchten. Ein katastrophaler Gedankengang oder wohl eher Gefühlsgang, bei dem sich mein Verstand vor mir selbst ekelt. Dennoch ist und bleibt es, was ich empfinde.

Welchen Vorteil hast Du bisher in dieser Kontrolle und Selbstdisziplin für Dich gesehen?

Ich glaub(t)e, dass man anderen Menschen weniger Angriffsfläche bietet, wenn man dosiert und kontrolliert zeigt, wer und wie man ist. Man nimmt anderen die Möglichkeit, übergriffig oder verletzend zu sein. Auch diesem Glauben liegt das Vorurteil zu Grunde, dass mir andere etwas böses wollen – ich weiß. Wenn man, wie ich, ein schattenhaftes Dasein führt, kann auch nur die präsentierte Hülle verletzt werden, man selbst bleibt unversehrt. Jemand, der mich nicht kennt, kann mich zwar angreifen, aber nicht treffen. Nicht im inneren, nur den Schutzpanzer. Es hat etwas mit Selbstschutz zu tun, ja.

Was konnte Dir durch sie nicht mehr passieren?

Ich hatte immer das Gefühl, wer mich gar nicht kennt, kennt auch nicht meine Schwächen, meine wunden Punkte, meine Narben und das war mir aus verschiedenen Gründen immer sehr wichtig. Darum bleibe ich lieber anonym, inkognito, unsichtbar ohne es meine Mitmenschen merken zu lassen. Wie geschrieben und hier bereits ausführlich besprochen, habe ich auch schon mehrmals mithilfe von verschiedenen Therapieansätzen versucht, an diesem Punkt zu arbeiten und zu lernen, dass man anderen manchmal auch eine Art Vertrauensvorschuss geben und ausprobieren sollte, was passiert, wenn man sich doch zu erkennen gibt und sich zeigt, wie man ist. Allerdings musste ich da wiederholt die Erfahrung machen, dass ich trotz Ehrlichkeit und Offenheit vollkommen falsch eingeschätzt und zum Teil im meinem Sein, meinen Gefühlen und anderem sogar missverstanden werde. Das fühlt sich für mich im Endeffekt um ein vielfaches schlimmer an, als wäre ich unsichtbar geblieben.

Weißt Du, was das für ein Mensch, bzw. ein Teil eines Menschen wäre, der zutage treten würde? Was hätte der für Eigenschaften und Gefühle?

Ich meine es zu wissen. Zumindest kann ich es ahnen. Was mir fehlt, sind praktische Erfahrungen im Alltag. Ich weiß, welche grundsätzlichen Eigenschaften dieser Mensch hat, aber ich weiß nicht, wie kompatibel er mit anderen Menschen ist, wie er sich in verschiedenen Situationen verhält... Richtig fallen lassen und unbefangen verhalten, kann ich mich nur im Kreise einiger Freunde. Bei anderen Freunden, die mir nicht ganz so nahe stehen, oder bei meiner Familie fühle ich mich auch wohl, aber es ist trotzdem kein , bedingungsloses, ganzheitliches Wohlbefinden. Auch hier muss ich manchmal und in gewissen Situationen eine Maske aufsetzen.

Nur habe ich irgendwann gemerkt, dass ja dann dieses Bild, das ich zeigte gemocht wurde und das war nur ein Teil von mir. Mein ich wurde sowohl von mir unterdrückt und weggedrückt, ein großer Teil meiner Gefühlswelt, genauso aber auch Gedankenwelt. Die hat irgendwann dann zum Glück auch randaliert. Ich merkte, wir fürchterlich Respektlos ich zu mir war, wie sehr ich mich abwertete nur, damit es andere nicht taten. Wenn ich es mir jetzt so durchlese, habe ich mich zwar vor Schmerzen bewahrt, die mir andere zufügten, habe mir selbst Schmerzen bereitet und kannte mich natürlich auch nicht besonders, denn schließlich konnte ich ja superselbstdiszipliniert und kontrolliert alles verbieten, was "nicht passte".

Gab es bei dir einen auslösenden Impuls, der zu dieser Erkenntnis geführt hat? Hast du es alleine und aus eigner Kraft geschafft, dich zu verändern? Möchtest du mehr erzählen oder ist das zu intim? Ausgerechnet ich, die diesbezüglich selbst so hartnäckig und sensibel ist, möchte hier nicht übergriffig sein.

Gibt es denn Empfindungen, Gedanken oder auch intuitive Dinge, mit denen Du immer "kämpfen" musst, um sie zu unterdrücken?

Die gibt es tatsächlich.

Hast Du den Eindruck, dass Du "kämpfst" um dieses Bild von Dir darstellen zu können? Hast Du den Eindruck, dass Du eigentlich unermüdlich kämpfst bzw. es musst?

Nicht in allen Lebensbereichen. Im Beruf bin ich bereits so eingespielt und routiniert, da "kann" ich meine Rolle auch in Situationen, die ein wenig aus dem Rahmen fallen. In anderen oder gegenüber bestimmten Personen ist es allerdings ein ständiger Kampf, ja.

Selbstbewusstsein ist ein Zustand, sich so anzunehmen, wie man ist. Es gibt kein "schwach" oder "stark". Es gibt ein, so bin ich. Dagegen gibt es kein Argument. Das erfordert keine Rechtfertigung

Ich hoffe, dass ich das irgendwann auch so empfinden kann. Nicht nur denken und für gut befinden, sondern auch so fühlen und danach leben. Kleio, ich danke dir für deine Worte.

FUun~kels,tei.n


Braunauge

Ich glaube, das hast du missverstanden. Ich fühle mich derzeit nicht schlecht, weil ich krankgeschrieben bin.

Wieso kannst du diese Ursache sicher ausschließen? Auch das Wissen darum, warum ein bestimmter Umstand keine Wirkung haben kann, wäre ja eine Erkenntnis. Außerdem gibt's noch Abstufungen, z.B. einen geringen Einfluss, einen mittleren Einfluss, und einen starken Einfluss.

Wieso meinst du, dass ich diese Ursache nicht sicher ausschließen kann? Ich gebe dir recht, dass es Abstufungen und verschiedene Einflussgrade gibt, aber selbst wenn ein Umstand einen Zustand ein wenig beeinflusst, verstärkt oder vermindert, muss das nicht zwingend etwas mit der initialen Ursache dieses Zustands zu tun haben.

Davon abgesehen: Ja, ich kann diese Ursache sicher ausschließen und die Gründe dafür sind von absolut keiner Relevanz. Punkt.

Die Beschäftigung mit dem Hobby kann die Beschäftigung mit den Gedanken ergänzen.

Ja, das ist mir schon klar. Ausreichend Möglichkeiten zur Beschäftigung und Freizeitgestaltung habe ich aber bereits, dafür brauche ich keine Anregungen und Ideen. Das ist hier auch nicht mein Anliegen. Vielmehr möchte ich die aktuelle Situation zum Anlass nehmen, aktiv etwas zu tun, um mich wieder mit mir selbst wohl und im Reinen fühlen zu können.

BTW: Da wo ein Problem nicht lösbar ist, kann die Lösung darin liegen, die eigene Einstellung zu dem Problem zu verändern.

Interessant, dass ausgerechnet der Satz, den du beiläufig zwischen deine gut gemeinten Ratschläge streust und sogar explizit mit "BTW" kennzeichnest, derjenige aus deinem gesamten Text ist, woraus ich am meisten für mich mitnehmen kann.

Du hast bisher von einigen Psychotherapien in deinem Leben erzählt. Ich habe mich halt gefragt, ob ggf. der psychiatrischen Komponente (zu) wenig Beachtung geschenkt wurde.

Nein.

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