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Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

FSunkelistexin


Sunflower_73

Wenn es Dir aber SO OFT passiert, würde ich auch meine eigene Seite mal reflektieren.

Ich versuche meine Seite zu reflektieren, darum unter anderem auch dieser Faden. Wie bereits geschrieben, in aktuellem Fall war ich gerade wegen meiner Vorerfahrungen bewusst zurückhaltend. Wenn mir jemand sagen würde: "Ist doch klar, dass sich das früher oder später so entwickelt, weil du dich SO verhältst und dadurch SOLCHE Gefühle bei jemandem auslöst." wäre die Situation für mich irgendwie "in Ordnung". Ich könnte nachvollziehen, warum das so gekommen ist, und wüsste, dass ich "meinen Teil" dazu beigetragen habe. Allerdings bin ich weder ein Flirty-Flirty-Ding, noch bemerke ich irgendwelche andere untypische Verhaltensweisen an mir, die zu einem Köpfeverdrehen von Therapeuten führen. Wurde mir auch noch nie rückgemeldet, auch nicht von meinem sozialen Umfeld im Alltag.

Was hält Dich davon ab, mal ohne auszukommen?

Aus bereits genannten Gründen. Allerdings stelle ich mir angesichts dieser neuerlichen Misselage schon die Frage, was für mich schlimmer ist: ohne Therapeuten sein oder wieder von vorne anfangen, alles erneut von A bis Z erzählen, eine erneute Annäherungsphase durchmachen, bis man eine angenehme Gesprächsbasis gefunden hat,...

Und wie gesagt: Ich finde die Häufung schon auffällig...

Ich doch auch. :°( Wenn ich wüsste, dass es definitv an meinem Auftreten, meinem Verhalten oder was auch immer liegt, wäre mir sehr, sehr geholfen. Ich halte mich für einen sehr reflektierten Menschen und meine mich gut einschätzen zu können. Darum macht es mich auch wahnsinnig, mir meiner Wirkung auf diesen und den früheren Therapeuten scheinbar nicht bewusst gewesen zu sein. Mich macht es allerdings müde, von meinen Therapeuten gesagt zu bekommen: "Ich empfinde dir gegenüber SO, du hast nun damit umzugehen, mach was du willst." Das ist doch – selbst, wenn es tatsächlich mein Fehler ist – auch nicht unbedingt cool.

awug23x3


Ich gebe zu, ich habe nicht alle Texte gelesen!

Aber - 20 Jahre Psychotherapie sind entschieden zuviel! Wer hat sich da von wem nicht trennen können?

Die Äußerung von Funkelstein: "mittlerweile frage ich mich ernsthaft: was zur Hölle mache ich falsch? Ist es zu viel verlangt, einmal in der Woche für 60 Minuten mit einer neutralen, ausgebildeten Person über mein Leben sprechen zu können, einen persönlichen Bezug zueinander aufzubauen ohne, dass dieses ausartet und zu "mehr" wird? " deutet nach meinem Verständnis auf einen Anspruch hin, der für mich schwer zu verstehen ist.

Wo bleibt der Ehrgeiz, sich diesem Leben mal allein zu stellen? Was wäre gewesen, wenn es in dem Lebensraum (diese Seite wird in Deutschland, Schweiz und Österreich gelesen!!!) die Psychotherapie keine Kassenleistung darstellte? Auch ohne Kasse jede Woche 50,- bis 100,- Euro zu einem Therapeuten getragen? Um mal über das eigene Leben zu sprechen?

Dieses Leben ist nicht einfach - und für manche Menschen schwerer als für alle anderen. Dies ist nicht neu, war schon immer so und wird immer so bleiben. Die Solidargemeinschaft kann nicht jeden Nachteil ausgleichen. Kurzfassung dazu: "Schiksal"

aVug2x33


Mache aus dem "Schiksal" ein "Schicksal"

S`u/nfleowerx_73


Ich wollte Dir jetzt nicht bösartig eine Schuld in die Schuhe schieben.

Aber 20 Jahre Psychotherapie... das ist mehr als ungewöhnlich. Und ich frage mich, ob DA der Knackpunkt liegt... in einer grundsätzlichen Bedürftigkeit, in einem Nicht-Loslassen-Können, in falschen Erwartungen an die Therapie und den Therapeuten.

Therapie ist zur Krankheitsbehandlung gedacht, nicht dauerhaften Lebensreflektion. Freundes- & Familienersatz. Ich frage mich auch, ob nicht ggf. durch diese "Alltagsthemen" und daraus resultierend weniger Ansatzpunkte für den Therapeuten (weil keine Erkrankung, die er entsprechend seines Therapieverfahrens behandeln kann) nicht eher so eine freundschaftliche Atmosphäre auftritt. Die Komplikationen mit sich bringt.

Was mich auch brennend interessiert:

Welcher Fachrichtung waren die Therapeuten? Wenn es immer nur Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie war (anders kann ich mir 20 Jahre Kostenübernahme durch Krankenkassen schon gar nicht mehr erklären): Tja, dann liegt das Problem auch ganz grundsätzlich in dem gewählten Therapieverfahren.

S|unflolwerx_73


Die Äußerung von Funkelstein: "mittlerweile frage ich mich ernsthaft: was zur Hölle mache ich falsch? Ist es zu viel verlangt, einmal in der Woche für 60 Minuten mit einer neutralen, ausgebildeten Person über mein Leben sprechen zu können, einen persönlichen Bezug zueinander aufzubauen ohne, dass dieses ausartet und zu "mehr" wird? " deutet nach meinem Verständnis auf einen Anspruch hin, der für mich schwer zu verstehen ist.

:)^ :-)

Therapie ist wie gesagt zur Krankheitsbehandlung. Und einen persönlichen Bezug zum Thera sollst Du NICHT herstellen. Vertrauenverhältnis: Ja. Das war's aber auch.

Du hast da wirklich ein Anspruchsdenken, welches für jeden Therapeuten schwierig zu erfüllen ist. Er soll ja nicht Dein Freund sein, sondern ein Behandler. Therapeuten sind auch nur Menschen, und es wundert mich irgendwie nicht, dass der eine oder andere ins Schleudern kommt, wenn offensichtlich eine Freundschaftserwartung an ihn herangetragen wird. Bis er dann merkt, dass es in eine falsche Richtung gegangen ist, die Balance verloren gegangen ist.

FGunkeVls$teqixn


Hallo und erstmal ein Dankeschön für eure Rückmeldungen.

Leider glaube ich, in einigen Punkten missverstanden zu werden.

Eines ist mir wichtig, klarzustellen:

Ich bin Privatpatientin und übernehme alle Kosten zur Gänze selbst.

Weiters schrieb ich bereits in meinem allerersten Beitrag von

"20 Jahren mit einigen Unterbrechungen".

Vielleicht drücke ich mich zu vage und undeutlich aus. ":/

Vor 20 Jahren war ich erstmals in therapeutischer Behandlung, damals tatsächlich als "Akut-Patientin". Diese Therapie dauerte 4 Jahre an, dann gab es eine Pause von drei Jahren, dann erneut 3 Jahre Therapie, 1 Jahr Pause,...

Ich bin übrigens 31 Jahre alt, falls das etwas zur Sache tut, und nicht seit 20 Jahren durchgehend in Therapie, sah und sehe den Therapeuten auch nicht als Familien-, Freundes- oder Beziehungsersatz an. Das sind überhaupt nicht die Erwartungen, die ich an eine Therapie stelle.

aug233

Wo bleibt der Ehrgeiz, sich diesem Leben mal allein zu stellen?

Darüber werde ich nachdenken. Allerdings möchte ich auch an dieser Stelle anmerken, dass ich das in den letzten Jahren bereits mehrmals versuchte und durchaus einige Jahre ohne Therapeuten gut leben konnte. Damals fehlte mir das auch überhaupt nicht, ich hatte gar nicht das Bedürfnis nach regelmäßigen Sitzungen. Heute hingegen, habe ich das Gefühl, mir würde etwas wesentliches fehlen und es könnte mein derzeit relativ stabiles Leben ins Wanken bringen.

Sunflower_73

Aber 20 Jahre Psychotherapie... das ist mehr als ungewöhnlich. Und ich frage mich, ob DA der Knackpunkt liegt... in einer grundsätzlichen Bedürftigkeit, in einem Nicht-Loslassen-Können, in falschen Erwartungen an die Therapie und den Therapeuten.

Als grundsätzlich bedürftig sehe ich mich nicht. Die Frage ist aber wohl eher, ob ich so wahrgenommen werde? Das weiß ich leider nicht, kann es mir aber kaum vorstellen. Nicht-Loslassen-Können, daran ist vielleicht etwas dran. An und für sich bin ich niemand, der klammert oder sich auf eine Person fixiert, da ich selbst sehr freiheitsliebend und unabhängig bin. Was ich auf jeden Fall bin, ist ein Gewohnheitstier. Mir gibt die Therapie Balance und Beständigkeit.

Mit deiner Überlegung, ich könnte falsche Erwartungen haben, liegst du womöglich richtig. Allerdings habe ich meine Erwartungen doch mit meinem Therapeuten selbst besprochen und er fand nichts ungewöhnliches oder bedenkliches daran? ":/

Therapie ist zur Krankheitsbehandlung gedacht, nicht dauerhaften Lebensreflektion. Freundes- & Familienersatz..

Wie gesagt, ich sehe sie nicht als Familien- oder Freundesersatz an. Keineswegs. Mit "persönlichem Bezug" und "einander kennenlernen" meinte ich auch das von dir genannte "Vertrauensverhältnis". Ich konnte es nicht besser und treffender formulieren, darum scheint es hier auch zu solchen Missverständnissen zu kommen.

Ich erwarte mir von dem Therapeuten keine "engere Bindung" als zwischen Patient und Therapeuten üblich. Ein Vertrauensverhältnis, das sich mit der Zeit und stetig entwickelt, schon.

Interessant finde ich, dass in diesem Faden bereits mehrmals geschrieben wurde, Therapie ist eine Krankheitsbehandlung. Das ist mir durchaus bewusst, aber ich finde nicht, dass Therapie nur akuten Fällen zusteht und eine Therapie nur dann zu rechtfertigen ist, wenn man ein schwaches, krankes, hilfsbedürftiges Wrack ist.

Wie gesagt, ein solches bin ich vor 20 Jahren und auch zu späteren Zeitpunkten meines Lebens bereits gewesen, aktuell nicht. Vielleicht ist meine Erwartung an eine Therapie, dass ich nie wieder dahin zurück will, wo ich schon einmal bzw. mehrmals war? Wenn eine psychische Erkrankung ausbricht, ist es beinahe zu spät "das Ruder schnell herumzureissen". Es dauert Ewigkeiten, bis man sich erholt und wieder Fuß fassen kann. Das hatte ich bereits. Das will ich nicht wieder. Kann ich absolut nicht brauchen. Warum also nicht – auch bei sanften Wellengang (= meine derzeitige Lebenssituation) – eine Schwimmweste (= Therapie) tragen, um bei Sturm und wilder See (= erneute Rückfälle, Tiefphasen, etc.) nicht völlig überrascht und hilflos unterzugehen? Ist das sehr schwer nachzuvollziehen?

Ich sehe mich zwar derzeit als gesund an, aber wie ich schon schrieb: ich bin ein zerbrechlicher Mensch. Ein zerbrechlicher Mensch mit Vorgeschichte. Wenn etwas passiert, will ich nicht erst dann reagieren, wenn der Zug bereits abgefahren ist.

Er soll ja nicht Dein Freund sein, sondern ein Behandler. Therapeuten sind auch nur Menschen, und es wundert mich irgendwie nicht, dass der eine oder andere ins Schleudern kommt, wenn offensichtlich eine Freundschaftserwartung an ihn herangetragen wird.

Nein, nein, nein. Erwarte ich doch gar nicht. Will ich auch überhaupt nicht. Mist, ich glaube, ich kann es wirklich nicht verständlich erklären. :°(

Ich frage mich auch, ob nicht ggf. durch diese "Alltagsthemen" und daraus resultierend weniger Ansatzpunkte für den Therapeuten (weil keine Erkrankung, die er entsprechend seines Therapieverfahrens behandeln kann) nicht eher so eine freundschaftliche Atmosphäre auftritt. Die Komplikationen mit sich bringt

Himmel, vermutlich ist das (wieder einmal %:| ) eine Sache der Definition von "Alltagsthemen". Selbstverständlich gehe ich nicht zu meinem Therapeuten, erzähle vergnügt, was ich 24/7 so treibe, ratsche meine Einkaufsliste runter und berichte von dem neuen Kleid der Nachbarin. Das ist Unsinn. Mit "Alltagsthemen" meine ich durchaus Dinge, die mich beschäftigen und mitunter auch "belasten". Ich meine zwar keine riesengroßen Katastrophen, keinen Supergau oder ähnliches, aber auch nicht lustig-heiteres belangloses Getratsche. Viel eher spreche ich über problematische Beziehungen jeglicher Art, berufliche Probleme und Stress, persönliche Probleme, etc.

Welcher Fachrichtung waren die Therapeuten?

Derzeit Verhaltenstherapie.

F0unkeWlstxein


Leute, um das auch noch einmal zu betonen: danke, für eure interessanten Denkansätze und Sichtweisen. Das hilft mir weiter, wenn ich mich auch zum Teil nicht richtig verstanden fühlte. Das lag wohl zur Hauptsache an meiner Formulierung...

Kil.eio


Funkelstein

Danke für deinen Denkanstoß. Ich glaube, das ist davon abhängig, wie man "brauchen" für sich selbst definiert. Du hast recht, ich bin in keiner akuten Krisensituation, bin kein Häufchen Elend und brauche in diesem Sinne keine Hilfestellung.

Natürlich. Ich denke, ich kann es sehr gut verstehen, warum Du einen Therapeuten als "Sicherheitsnetz" mitführst. Ich finde das super. Ist auch auf meiner Wunschliste. Ein Therapeut ist ja nicht nur dann gut, wenn man ein akutes Problem hat. Es ist wichtig, dass es der richtige Therapeut ist, dem man vertraut und auf den man sich verlassen kann, dass der einem reflektiert, wenn man wieder in irgend ein Musterverhalten zurückfällt. Ich dachte mir nur, dass gerade dadurch, dass Du viel Erfahrung hast, Du zumindest in der Theorie auch weißt, was zu tun ist und Du Deinen Therapeutin, zumindest was Deine eigene Geschichte anbelangt, von der Kompetenz her gleichwertig bist.

Dennoch und obwohl es mir seit einigen Jahren zumeist stabil gut geht, habe ich mein Päckchen nach wie vor zu tragen. Keine Frage, ich stehe grundsätzlich mit beiden Beinen gut im Leben, aber es gibt vergangenheitsbedingt und trotz erfolgreicher Aufarbeitung Momente der Schwäche und Rückfälle. In solchen Phasen bin ich dankbar und froh, mit jemanden sprechen zu kennen, der die Vorgeschichte und meinen Hintergrund schon kennt. Gerade wenn man sich klein und schwach fühlt, ist es viel wert, nicht alles von Anfang an erzählen zu müssen, sondern jemanden zu haben, der Bescheid weiß und nicht alles hinterfragen muss. Keine Ahnung, ob das Grund genug ist, in Therapie zu bleiben. Ich habe schon oft gehört, dass Therapeuten ihren Patienten irgendwann sagen, dass es ihrer Meinung nach Zeit sei, die Therapie zu beenden und versuchen das Leben wieder alleine zu bewältigen. Mir wurde das bisher noch nie nahegelegt, im Gegenteil. Bisher fand man es immer unvorsichtig, wenn ich eine Therapiepause einlegen wolle und riet mir in regelmäßigen Abständen dabei zu bleiben. Allerdings weiß ich nicht, wie üblich oder unüblich es tatsächlich ist, dass der Therapeut einen Zeitpunkt für das Ende der Therapie nennt.

Das kann ich gut verstehen. Manche Menschen haben ja Glück und finden in Freunden die richtigen Reflektionspartner – wie schaut es bei Dir aus? Hast Du Freunde, von denen Du Dich in Deiner Selbstsicht verstanden fühlst, meinst, die oder der hat Dich begriffen?

Davon gehe ich aus. Grundsätzlich bin ich ein sehr selbstbewusster Mensch – zumindest im Alltag. Es liegt mir nicht, meine Schwäche, Verletzlichkeit, Zerbrechlichkeit, die auch ein Teil von mir ist, meinem Umfeld zu zeigen. So möchte ich nicht wahrgenommen werden und soweit es möglich ist, lasse ich diese Seite von mir auch "zu Hause". Mein Therapeut hingegen kennt meine begründeten und unbegründeten Ängste, meine alberne und verstörende Gedanken, meine kleinen und großen Geschichten. Da schäme ich mich nicht, auch wegen lächerlichen Kleinigkeiten zu maulen oder zu heulen und ich traue mich auch, große Dinge zu besprechen, die ich im "richtigen" Leben ausblende. Wie gesagt, obwohl ich keine Akutpatientin bin, weiß er bestimmt, um mein nicht immer starkes Inneres.

Mir kommt das alles eher sehr selbstbewusst vor. "Schwäche" bedeutet ja nicht unbedingt gleichzeitig mangelndes Selbstbewusstsein.

Ich war anfangs sehr achtsam und zurückhaltend, beinahe schon gehemmt, aus Sorge, ich könnte möglicherweise falsche Signale senden oder ausstrahlen. Aber seitdem wir uns besser kennen, klappte es sehr gut und ich hätte nie für möglich gehalten, dass das (wieder) passiert.

Ich hatte auch mal so eine Phase, zwar nicht mit Therapeuten, aber auch ich meinte, ich könnte mich soweit Konditionieren, dass ich die "richtigen" Signale aussende. Meine Erkenntnis war, dass das so nicht möglich ist. Ich fand mir einen anderen Weg.

Auch finde ich es sehr schade, dass Du Dir das angetan hast bzw. vielleicht noch antust. Warum solltest Du Dich verstellen müssen.

Vor allem, da er ein herrliches Pokerface hat und mir vor seinem "Outing" nicht den klitzekleinsten Anlass gab, schon im Vorfeld etwas zu ahnen. Ich sehe ihn tatsächlich ausschließlich als Profi. Natürlich denke ich manchmal, er wäre ein interessanter Gesprächspartner für Themen wie Philosophie oder Politik, aber auch das auf rein sachlicher Ebene.

Fiele es Dir denn schwer ihm zu sagen, dass Du es zur Kenntnis nimmst, dass er Gefühle für Dich hat, Du leider nicht und die sachliche Ebene beibehalten willst? So, wie es sich anhört, hälst Du ja an sich sehr viel von ihm (außer von dieser Beichte).

Ich finde es völlig falsch, Dein Verhalten als Auslöser für solche Situationen zu nehmen. Ist es nicht "normal", dass solche Dinge vorkommen. Klar, bei Therapeuten setzen wir einen höheren Maßstab an, aber warum auf der emotionalen Ebene. Er ist Kompetent, was das fachliche betrifft. Gefühle sind bei Therapeuten manchmal genauso unberechenbar, wie bei anderen Menschen, oder?

Ksle~io


Sunflower73

Therapie ist zur Krankheitsbehandlung gedacht, nicht dauerhaften Lebensreflektion.

Das sehe ich ganz anders. Nicht umsonst werden diese Lebensreflektionen auch als coaching bezeichnet.

Auch im Berufsleben fasst Coaching zunehmend Fuß, damit gewisse Verhaltensweisen verbessert und wenn ein gutes Niveau erreicht ist, aufrecht erhalten wird.

Seunflozwer_{7x3


Ob Therapie oder Coaching:

Irgendwann sollte man genug mitgenommen/gelernt haben, v.a. wenn es nur Coaching ist und keine behandlungsbedürftige Krankheit vorliegt. Und sein Leben "allein" bewältigen. Gerade Coaching ist grundsätzlich etwas SEHR kurz gehaltenes, das wird Dir JEDER seriöse Coach sagen. Es geht um kurzen Input, kurze Orientierung – aber keine dauerhafte Betreuung.

Ich frage mich daher, welche Bedürfnisse letztlich hier erfüllt werden – und warum sie der Person so viel Geld wert sind. Wenn die Therapie kein Ersatz für Freundschaften ist: Was ist sie dann? Und warum kann/möchte die Person ihr Leben nicht selber gestalten?

IDndivsidualjist


Ich bin übrigens 31 Jahre alt, falls das etwas zur Sache tut

O ja, ich finde schon, dass es das tut. Das würde ja bedeuten, dass du, wenn auch mit Unterbrechungen, seit dem Alter von 11 von Therapeuten begleitet wirst, also beinahe "damit aufgewachsen" bist und zu keinem Zeitpunkt deines Lebens länger "auf eigenen Füßen" gestanden hast!

Ich weiß nicht, ob die Fragen zu intim sind, aber du musst sie ja nicht beantworten: was war der primäre Anlass, um eine Therapie zu beginnen, wer hat das entschieden, und worin besteht deine "Zerbrechlichkeit"? Hast du einen Partner?

(Oder hast du dazu schon was gesagt, und ich habe es überlesen?)

Ich glaube, dass das auch wichtige Punkte sind, um Dich und deinen "gefühlten Dauerbedarf" besser verstehen zu können. Mir scheint, dass dabei mehr für dich herauskommen kann, als wenn wir nur bei der Professionalitätsfrage blieben.

F!unk2elswteixn


Hallo und erneut danke für euren Input!

Kleio

Ich denke, ich kann es sehr gut verstehen, warum Du einen Therapeuten als "Sicherheitsnetz" mitführst. [...] Ein Therapeut ist ja nicht nur dann gut, wenn man ein akutes Problem hat.

Schön, dass du meine Sichtweise hier teilst.

Manche Menschen haben ja Glück und finden in Freunden die richtigen Reflektionspartner – wie schaut es bei Dir aus? Hast Du Freunde, von denen Du Dich in Deiner Selbstsicht verstanden fühlst, meinst, die oder der hat Dich begriffen?

Ich habe einen kleinen, aber langjährigen und engen Freundeskreis. All diese Freunde wissen um meinen "Hintergrund" und waren in den letzten Jahren bei Krisen, Problemen, Rückschritten natürlich Ansprechpartner für mich.

Heute ist das grundsätzlich nicht anders, ich kann mit meinen engen Freunden über alles sprechen. Oft möchte ich einfach nicht. Grund dafür ist, dass meine Freunde für "diese Art von Problemen" eine zu wenig neutrale Sichtweise haben. Durch die zum Teil sehr lange Dauer unserer Freundschaften viele (negative) Ereignisse miterlebt haben und auf Grund dessen ein wenig "vorbelastet" sind. Ihre Einschätzung von aktuellen Problemen oder auch nur meinen eigenen Gedanken und Sorgen ist daher oft ein wenig "überzogen", es braucht nicht viel und schon sind sie unnötig besorgt, sehen Handlungsbedarf, um mich zu unterstützen. Das ist für mich unangenehm und belastend. Ich will nicht immer die sein, die Hilfe braucht, der es schlecht geht, die möglicherweise erneut "abrutschen" könnte,...

Das heißt allerdings nicht, dass ich meine Freunde belüge, ihnen etwas vormache und mich verstelle. Wenn tatsächlich etwas gröberes passiert, kann ich es ohnehin nicht verbergen und nehme ihre Fürsorge und Unterstützung auch gerne an. Über Kleinkram mit ihnen zu sprechen, vermeide ich aus oben genannten Gründen lieber. Ich weiß nicht, ob das mehr aus Selbstschutz oder zum Schutz meiner Freunde so handhabe.

Im Gegensatz dazu ist mein Therapeut zwar nicht unbedingt objektiv, aber zumindest objektiver als meine Freunde und kann gewisse Situationen realistischer beurteilen. Das brauche ich. Kein überzogenes Drama.

Ich hatte auch mal so eine Phase, zwar nicht mit Therapeuten, aber auch ich meinte, ich könnte mich soweit Konditionieren, dass ich die "richtigen" Signale aussende. Meine Erkenntnis war, dass das so nicht möglich ist. Ich fand mir einen anderen Weg.

Auch finde ich es sehr schade, dass Du Dir das angetan hast bzw. vielleicht noch antust. Warum solltest Du Dich verstellen müssen.

Du hast recht, es ist sehr schade. In meinem Fall wohl auch ein Weg, da ich doch durch die doofen vorhergehenden Therapeuten-Erfahrungen vorbelastet war/bin, mich selbst zu schützen. Aber wie du schon schriebst, lange kann man ohnehin keine Fassade aufrecht erhalten und gerade im therapeutischen Kontext, ist es ein beinahe absurdes Vorhaben. Man möchte über persönliche, intime Inhalte sprechen, versucht sich aber in seinem eigenen Verhalten nicht zu zeigen, wie man nun einmal ist.

Seitdem ich zu diesem Therapeuten ausreichend Vertrauen fassen konnte, fiel es mir zunehmend leichter, mich "normal" zu verhalten bzw. so, wie ich es sonst auch tue. Allerdings bin ich nun wieder hier, siehe Grund für Fadenstart, gelandet. Wah.

Fiele es Dir denn schwer ihm zu sagen, dass Du es zur Kenntnis nimmst, dass er Gefühle für Dich hat, Du leider nicht und die sachliche Ebene beibehalten willst? So, wie es sich anhört, hälst Du ja an sich sehr viel von ihm (außer von dieser Beichte).

Ja, ich halte (auf fachlicher Ebene) wirklich sehr, sehr viel von ihm. Mit dem anderen Therapeuten, der sich in mich verliebt hatte, wollte ich auf Grund seines richtig, richtig doofen Verhaltens und verschiedener Umstände, auf gar keinen Fall weiterarbeiten. Diesmal bin ich da eher zwiegespalten. Ich möchte ihm auf jeden Fall sagen, dass ich die Therapeuten-Patienten-Zusammenarbeit gerne beibehalten will – allerdings nur unter bestimmten Umständen. Es muss – wie du sagtest – sachlich bleiben. Die Frage ist wohl auch, ob ihm das überhaupt möglich ist. Immerhin fordert er ja "alles" oder "nichts" und scheint nicht für einen Mittelweg offen zu sein...

Ich finde es völlig falsch, Dein Verhalten als Auslöser für solche Situationen zu nehmen. Ist es nicht "normal", dass solche Dinge vorkommen. Klar, bei Therapeuten setzen wir einen höheren Maßstab an, aber warum auf der emotionalen Ebene. Er ist Kompetent, was das fachliche betrifft. Gefühle sind bei Therapeuten manchmal genauso unberechenbar, wie bei anderen Menschen, oder?

Auch hier hast du bestimmt recht. Seine Gefühle sind menschlich und in deren Entwicklung lag auch nie mein Vorwurf. Ich fand eher seine Umgangsweise damit und mir gegenüber einfach nicht gut. Vielleicht kein Grund seine Professionalität in Frage zu stellen, aber diese Situation (sowie auch die genannten vorhergehenden mit anderen Therapeuten) löste und löst in mir richtig, richtig unangenehme Gefühle aus. Ich hätte mir einfach gewünscht, er hätte das anders gemacht und würde mich nicht an die Wand drängen.

Mein Verhalten hinterfrage ich, weil es nicht das erste Mal ist, dass ich mich in so einer Lage wieder finde. Ich bekam hier schon einige sehr interessante Denkansätze. Das, vor allem die kritischen Stimmen, hilft mir sehr, so einiges in meinem Leben zu hinterfragen und ganz grundsätzlich zu überdenken.

Sunflower_73

Ich frage mich daher, welche Bedürfnisse letztlich hier erfüllt werden – und warum sie der Person so viel Geld wert sind. Wenn die Therapie kein Ersatz für Freundschaften ist: Was ist sie dann? Und warum kann/möchte die Person ihr Leben nicht selber gestalten?

Meine Bedürfnisse und Erwartungen an die Therapie zu erklären, habe ich bereits sehr ausführlich versucht. Ein Freundschaftsersatz ist es nicht, zumindest nicht nach meinen persönlichen Normen und Vorstellungen von Freundschaft.

Mein Leben möchte ich sehr gerne selbst gestalten, das mache ich weitestgehend auch. Lebensgestaltung und Selbstverwirklichung ist etwas völlig anderes, von der bzw. meiner Therapie unabhängiges. Vielleicht meinst du mit deiner Frage auch eher das, was – ich glaube – aug233 fragte: "Wo bleibt der Ehrgeiz, sich diesem Leben mal allein zu stellen?", kann das sein?

Den Ehrgeiz habe ich grundsätzlich schon. Was diesen Ehrgeiz hemmt und viel größer als er ist, ist die Angst vor Misserfolgen und persönlichem Versagen und deren, möglicherweise, weitreichenden Folgen. Ich mag mein Leben wie es derzeit ist. Das war in der Vergangenheit nicht so, im Gegenteil. Dahin will ich niemals wieder zurück. Es war unfassbar schwierig und kräfteraubend sich einmal von dieser Zeit zu erholen, Geschehnisse zu verarbeiten, neu anzufangen. Ein weiteres Mal schaffe ich das nicht. Vermutlich hat meine Therapie (oder wenn man will "Sicherheitsnetz") für mich aus diesem Grund so einen großen Wert, dessen Preis ich bereit bin zu zahlen.

Dass das für viele nicht nachvollziehbar ist, leuchtet mir ein. Das muss es auch gar nicht. Vielleicht wäre es verständlicher, würde ich mein "Päckchen" hervorholen und die Hintergründe erzählen. Das möchte ich aber nicht und deswegen ist es okay, wenn auch falsche Vermutungen oder Unterstellungen an mich getragen werden.

FuunkOelsitein


Individualist

Das würde ja bedeuten, dass du, wenn auch mit Unterbrechungen, seit dem Alter von 11 von Therapeuten begleitet wirst, also beinahe "damit aufgewachsen" bist und zu keinem Zeitpunkt deines Lebens länger "auf eigenen Füßen" gestanden hast!

Jein. Du hast nicht unrecht mit dem, was du sagst. Einige Male hatte ich mich selbst bewusst, von der Therapie "befreit" – so empfand ich es zu dem jeweiligen Zeitpunkten – und wollte Abstand dazu und mein Leben selbst in den Griff bekommen. Obwohl das zeitweise gut klappte, kam ich allerdings durch neuerliche Geschehnisse oder weiterhin andauernde Folgen des ausschlaggebenden "Ursprungsereignisses" regelmäßig ins "trudeln" und erlebte neuerliche, sehr unangenehme Tiefphasen. Die Entscheidung, wieder eine Therapie zu beginnen, war in meinen Augen oftmals gleichzusetzen mit dem Ziehen der Notbremse.

was war der primäre Anlass, um eine Therapie zu beginnen, wer hat das entschieden, und worin besteht deine "Zerbrechlichkeit"? Hast du einen Partner?

Der primäre Anlass, war ein sehr prägender, unschöner Zeitabschnitt meines Lebens, meiner Kindheit, in dem auch einige sehr einschneidende, lebensverändernde Ereignisse stattfanden, die bis heute andauernde, unabänderliche Folgen, die alltägliche Konsequenzen für mich haben, nach sich ziehen. Das bedeutet, obwohl ich diese Ereignisse so gut es mir möglich war, aufgearbeitet und mich damit arrangiert habe, sind die Folgen dieser noch immer und für immer da, zudem jeden Tag für mich präsent.

Die Entscheidung für die Therapie wurde von den damals für mich verantwortlichen Personen getroffen.

Meine Zerbrechlichkeit besteht darin, dass ich nicht sehr belastbar bin. Nur äußerlich bin ich das. Ich kann alles alleine und jeder weiß das. Ich bin ein cooler Typ, nehme alles eher locker. Äußerlich. Innerlich spielt sich bei mir sehr viel ab. Wenn ich mit mir alleine bin, kann ich keinerlei oder kaum Belastung ertragen. Ich habe das Gefühl, sehr schnell den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ihr kennt die Metapher von dem Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt? Ich glaube, durch meine Lebensgeschichte, wurde mein Fass bereits in sehr jungen Jahren beinahe zur Gänze gefüllt und viel mehr geht einfach nicht. Selbst ganz, ganz winzige Tropfen bringen es sofort zum Überlaufen. Verstehst du, was ich meine? Das schlimme ist: jedes Überlaufen des Fasses auch durch noch so unwesentliche und klitzekleine Steine ist eine Katastrophe für mich. Ein Supergau. Ich nehme es nach außen hin wirklich total gelassen, bin ein harter Hund und so, aber innerlich breche ich zusammen. Meine eigenen Einzelteile aufzusammeln und wieder zusammenzusetzen sollte ich nach all den Jahren vielleicht schon alleine hinbekommen. Kriege ich aber nicht hin. Das zeichnet auch meine Zerbrechlichkeit aus. Meine Zerbrechlichkeit impliziert eine Art "Paralysiert sein", eine Handlungsunfähigkeit. Es ist sehr schwer es zu erklären und ich bin auch recht unzufrieden mit meinem Versuch. Es ist also möglich, dass ich mich (erneut) nicht gut genug ausdrücken konnte, um zu beschreiben, wie es tatsächlich ist.

Und zuletzt: nein, einen Partner habe ich derzeit nicht.

Ich glaube, dass das auch wichtige Punkte sind, um Dich und deinen "gefühlten Dauerbedarf" besser verstehen zu können. Mir scheint, dass dabei mehr für dich herauskommen kann, als wenn wir nur bei der Professionalitätsfrage blieben.

Für diesen Ansatz bin ich dir sehr dankbar. Ich weiß noch nicht, in welche Richtung mich das führt, aber ich merke, dass dieser Austausch hier, etwas in mir regt und mich dazu führt, mir gewisse Fragen aus einem mir bisher unbekannten Blickwinkel zu stellen. Das eröffnet mir möglicherweise ganz neue Perspektiven und Zugangsweisen zu meiner aktuellen Situation.

KUlveio


Sunflower73

Ob Therapie oder Coaching:

Irgendwann sollte man genug mitgenommen/gelernt haben, v.a. wenn es nur Coaching ist und keine behandlungsbedürftige Krankheit vorliegt. Und sein Leben "allein" bewältigen. Gerade Coaching ist grundsätzlich etwas SEHR kurz gehaltenes, das wird Dir JEDER seriöse Coach sagen. Es geht um kurzen Input, kurze Orientierung – aber keine dauerhafte Betreuung.

Das sehe gar nicht so – man lernt nie aus, gerade, wenn es um menschliches Verhalten, Reflexionen geht.

Auch Coaching ist das, wozu man es bedient. Ich kenne jemanden, der sich permanent coachen lässt – sie hat es in dem Sinne auch nicht "nötig", fühlt sich aber besser damit. Wie schon erwähnt – ich würde es auch so machen. Gerade, wer sich anfäng zu reflektierten, weiß, dass es eine endlose Welt ist, in sich zu tauchen. Es gibt immer etwas Neues an sich kennen zu lernen. Das ist so spannend, dass es nicht schadet, wenn man begleitet wird.

Ich frage mich daher, welche Bedürfnisse letztlich hier erfüllt werden – und warum sie der Person so viel Geld wert sind. Wenn die Therapie kein Ersatz für Freundschaften ist: Was ist sie dann? Und warum kann/möchte die Person ihr Leben nicht selber gestalten?

Für mich z. B. wäre es das Bedürfnis jemanden zu haben, der sofort merkt, dass ich von meinem vorgenommenen Weg abweiche, weil er meine Kriterien kenne und meine Ziele. Ein Freund ist nun einmal kein Fachmann und vor allem sind Freunde oft nicht in der Lage in den eigenen Kriterien mitzudenken. Sie bewerten und hören sich die Dinge aus ihrer Sicht an. Ein Coach ist auf der eigenen Linie. Aber sogar wenn Freunde in der Lage sind, mitzugehen, so würde ich sie z. B. nicht dafür einsetzen. Ein Freund ist für mich kein Therapeut/Coach.

bslfuexgal


ich weiß nicht, wie ich vorgehen soll. Derzeit bin ich eher genervt, als verunsichert

Wenn du das tatsächlich so empfindest, musst du die Sache an dieser Stelle beenden.

Einfach schon deshalb, weil das notwendige Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben sein kann: dein Therapeut hat entweder nicht bemerkt oder nicht zur Kenntnis genommen, wie du empfindest - beides stellt für dich seine fachliche Kompetenz in Frage.

Und auch du selbst beschäftigst dich offenbar mehr mit den gennanten Begleiterscheinungen oder Déjà-vus, als mit deinen eigentlichen Problemen.

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