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Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

Kplqexio


Funkelstein

Die Frage ist wohl auch, ob ihm das überhaupt möglich ist. Immerhin fordert er ja "alles" oder "nichts" und scheint nicht für einen Mittelweg offen zu sein...

Natürlich, aber das wirst Du ja als Spezialistin schnell merken. ;-)

Dass das für viele nicht nachvollziehbar ist, leuchtet mir ein. Das muss es auch gar nicht. Vielleicht wäre es verständlicher, würde ich mein "Päckchen" hervorholen und die Hintergründe erzählen. Das möchte ich aber nicht und deswegen ist es okay, wenn auch falsche Vermutungen oder Unterstellungen an mich getragen werden.

Das hieße, dass es "bessere" oder "schlechtere" Gründe/Begebenheiten/Erlebnisse gibt, 20, 30 oder 40 Jahre in Therapie zu sein? Wer außer dem Betroffenen will das beurteilen?

Erstens – gibt es mehr Menschen, die 20 Jahre oder auch ein Leben lang in Therapie sind und sie diese auch brauchen, dann gibt es solche, die sie machen, um sicher zu gehen, ohne dass sie es brauchen. Sie wollen sie aber. Du brauchst sie nicht unbedingt und gestattest es Dir hin und wieder Dich begleiten zu lassen. Du tust Dir etwas Gutes. Was ist dagegen zu sagen?

Der einzige Grund, der auch rechtfertigt, dass Du so vorgehst ist, dass Du Dich damit besser fühlst und weil Du es für richtig erachtest. So, wie ich Dich verstehe, so hast Du ja immer wieder ohne "Begleitung" gelebt und jetzt geht es Dir mit Sicherheitsnetz besser. Es ging Dir ohne Therapeut gut und jetzt ging es Dir mit gut.

Das, was Dir nun den Strich durch die Rechnung macht ist, dass nach längere Zeit eine gewisse emotionale Basis einstellt, die Du ganz einfach nicht willst.

Wie hast Du Dir Deinen Umgang mit dem Coaching für Deine weitere Zukunft vorgestellt?

eNstax1


also ich entschuldige mich erst mal, ich konnte mir jetzt nicht alle beiträge durchlesen und daher kann es sein, das diese frage schon besprochen wurde....

Einmal entwickelte die Therapeutin "zu starke Muttergefühle" für mich, einmal verliebte sich der Therapeut in mich, einmal erinnerte ich den Therapeuten "zu sehr an eine ihm bedeutsame Person aus der Vergangenheit" und dieses Mal scheint der Therapeut erneut Verliebtheit für mich zu empfinden.

ist es den in deinem sonstigen leben auch so, das sich schnell menschen in dich verlieben oder dich umsorgen wollen?

also ich finde das alles schon sehr merkwürdig. eine therapeutin die zu starke muttergefühle entwickelt ???. mehrere therapeuten, die dich so umwerfend finden, das sie nicht weiter arbeiten können ???.

okay das therapeuten auch nur menschen sind, ist klar, aber jeder therapeut hat supervision und hat selbst mal ne therapie durchlaufen und man kann gefühle schon etwas beeinflussen, so das man nicht von eine welle von muttergefühlen und liebesgefühlen überrannt wird.

sorry, aber irgendetwas an dieser geschichte ist faul!

KYlexio


esta1

Vielleicht nimmst Du Dir doch die Zeit, den ganzen Faden zu lesen.

I/ndiviudualxist


sorry, aber irgendetwas an dieser geschichte ist faul!

So ein Gefühl wollte sich bei mir auch einstellen, und sowas nehme ich durchaus als "seismografischen Ausschlag" ernst. Aber das muss ja nicht an der "Geschichte" liegen (zumal, wenn einer sie noch nicht mal komplett gelesen hat :-/ ). Ich habe das besagte Gefühl für mich eher als Hinweis genommen, dass ICH den roten Faden noch nicht gefunden habe und die Dinge in Ihrer Ganzheit noch nicht verstehe und zusammen bringen kann. Ist ja auch nicht einfach, denn die TE möchte wesentliche Teile ihres Puzzles für sich behalten, was natürlich respektiert gehört. Ich sehe indes keine Anhaltpunkte dafür, dass sie uns etwa Märchen auftischt, und finde es eigentlich auch müßig, in die Richtung zu spekulieren. Wenn etwas "faul" aussieht, dann sind es womöglich Widersprüche, die sie in sich selbst trägt, und die Teil ihres "Problems" (wenn man es denn so nennen will) sind. Zum Beispiel das hier:

Ich nehme es nach außen hin wirklich total gelassen, bin ein harter Hund und so, aber innerlich breche ich zusammen.

In der Tat, ich sehe eine sympathische, eloquente Person, deren Auftreten souverän und selbstbewusst wirkt, und zwar nicht kantig-selbstbewusst, sondern geschmeidig-selbstbewusst. Eine "Zerbrechlichkeit" kommt indes nur verbal rüber, ist aber nicht wirklich spürbar. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. Es mag sein, dass sie sich gut tarnt und einen passablen und "gesellschaftskompatiblen" Weg des Selbstschutzes gefunden hat.

Da ich von der Einheit und Ganzheit jeder Persönlichkeit ausgehe, nehme ich scheinbare Widersprüche immer als Hinweis, dass mein Blick noch zu eng sein muss oder ich etwas noch nicht verstanden habe. Je besser man sowas wie das "innere Lebenskonzept" einer Person als Ganzes erkennt, umso eher lösen sich Widersprüche auf und werden zu stimmigen Teilen eines Gesamtbildes. Wenn also etwas "faul" oder "merkwürdig" (merk-würdig!) scheint, schaue ich genauer hin und versuche es in diesem Sinne als Wegweiser zu deuten.

Womit ich nun mit vielen Worten meine relative Ratlosigkeit umschrieben habe... ;-) %:|


Etwas anderes:

Man kann sich, wie Kleio, auf den Standpunkt stellen: warum nicht Langzeit- oder Dauertherapie, wenn man es sich leisten kann und es einem gut tut? "Wellness-Therapie" sozusagen (im Gegensatz zur "Akut-Therapie"). Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Selbstverständlich ist das eine legitime Möglichkeit. Aber eben nicht die einzige. Und vielleicht auch nicht die beste?

Denn die Aufrechterhaltung eines souveränen Außenbildes und jener Diskrepanz zur inneren Zerbrechlichkeit kostet ja ständig seelische Energie. Es ist, um ein Bild zu bemühen, wie wenn in einem U-Boot ein Leck abgedichtet werden muss: man muss ständig gegenhalten, um nicht abzusaufen. Und das kostet Kraft und Energie, die dann anderswo für produktivere Dinge fehlt. Haben sich die bisherigen "Wellness"-Therapien womöglich vorrangig dafür vereinnahmen lassen, quasi permanenten Energienachschub zu liefern, anstatt zur Aufarbeitung besagter Diskrepanz vorzudringen?

(Wobei eine Verhaltenstherapie allerdings Letzteres ohnehin kaum leisten könnte. Die ist ja, wenn ich mal grob vereinfachen darf, eher auf Anpassung bzw. Herstellung von gesellschaftlicher Funktionsfähigkeit ausgerichtet. Für eine Aufarbeitung wäre eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder Psychoanalyse sicher geeigneter.)

Ich weiß, das alles ist hochspekulativ und ohne jeden Anspruch auf Relevanz. Es soll auch nur ein Denkanstoß sein.

Dennoch hat mich das gleich auf noch einen eventuellen Widerspruch aufmerksam gemacht, der mich stutzen und genauer nachfragen lässt: Gerade eine Verhaltenstherapie hat ja meines Wissens – Sunflower_73 kann da sicher Genaueres sagen – normalerweise einen sehr überschaubaren Zeithorizont und ist selten oder gar nicht als Langzeit- oder gar Dauertherapie angelegt. Wie kriegt man einen Verhaltenstherapeuten dennoch zu einer "open end"-Therapie?

e5stxa1


Individualist

...(zumal, wenn einer sie noch nicht mal komplett gelesen hat...

also den beitrag der teilnehmerin habe ich schon komplett gelesen und über alles andere bin ich sozusagen mal drüber geflogen.

Wenn etwas "faul" aussieht, dann sind es womöglich Widersprüche, die sie in sich selbst trägt, und die Teil ihres "Problems" (wenn man es denn so nennen will) sind.

ich habe mich nicht konkret formuliert, aber das meinte ich mit "faul".

Kleio

Vielleicht nimmst Du Dir doch die Zeit, den ganzen Faden zu lesen.

das habe ich jetzt noch mal gemacht, aber ich bin nicht schlauer. weißt du mehr als ich? ;-)

K=leixo


esta1

das habe ich jetzt noch mal gemacht, aber ich bin nicht schlauer. weißt du mehr als ich?

Nein, aber frag doch einfach die TE, wenn Du etwas nicht verstehst.

Was willst Du mit damit sagen, wenn Du schreibst "faul" oder "widersprüchlich"?

a%ug&233


An einer Stelle schrieb die TE: "ich bezahle alles selbst."

Der folgende Vergleich mag zwar hinken, das Prinzip sollte man aber erkennen: Wenn ich mir zur Pflege meines Gartens einen wöchentlich kommenden Helfer leiste, dann ist es meine Entscheidung wie oft er kommt. Es ist aber auch seine Entscheidung, wenn er keine Lust mehr hat, wenn ihm meine Ansprüche gegen sein Gartenverständnis gehen, wenn wir uns nicht darüber verständigen können. Dann kommt eben der nächste Helfer, der sich etwas verdienen will. Irgendwann mache ich alles allein - irgendwann wird es mir zuviel und ich suche wieder einen. Mein grundsätzliches Problem, ein zu großer und zu persönlicher Garten wird weder gelöst noch ist das Problem so drängend, dass eine Veränderung erforderlich ist.

e6s+tSai1


Was willst Du mit damit sagen, wenn Du schreibst "faul" oder "widersprüchlich"?

ich denke, dass es wohl schon eher selten vorkommt, dass ein therapeut sich in seine patienten verliebt. es kommt bestimmt vor, aber es ist nicht die regel. therapeuten sollten ja sehr selbstreflektiert sein und aufkeimende gefühle schon irgendwie im griff haben, das heißt wenn mütterliche gefühle oder liebesgefühle aufkommen z.b., vielleicht mal wieder einen schritt zurückgehen, sich mehr distanzieren......aber ok es sind auch nur menschen, aber das es einer patientin gleich vier mal passiert... ???

mein erster gedanke war: "hier ist wohl mehr der wunsch die mutter des gedanken". aber ich weiß es nicht, ich kann keine erklärung hier in den beiträgen finden. und es interessiert mich wirklich brennend (ohne mist) wie man es schafft mehrere therapeuten schwach werden zu lassen.

Kyleixo


esta1

ich denke, dass es wohl schon eher selten vorkommt, dass ein therapeut sich in seine patienten verliebt. es kommt bestimmt vor, aber es ist nicht die regel. therapeuten sollten ja sehr selbstreflektiert sein und aufkeimende gefühle schon irgendwie im griff haben, das heißt wenn mütterliche gefühle oder liebesgefühle aufkommen z.b., vielleicht mal wieder einen schritt zurückgehen, sich mehr distanzieren......aber ok es sind auch nur menschen, aber das es einer patientin gleich vier mal passiert...

Was willst Du denn damit sagen? Nur weil Du etwas nicht glauben kannst, kann es das auch nicht geben?

mein erster gedanke war: "hier ist wohl mehr der wunsch die mutter des gedanken". aber ich weiß es nicht, ich kann keine erklärung hier in den beiträgen finden. und es interessiert mich wirklich brennend (ohne mist) wie man es schafft mehrere therapeuten schwach werden zu lassen.

Soweit ich erkennen kann, ist es doch auch die Frage der TE, der sie auf den Grund gehen möchte.

bYluegxal


@Kleio

Nur weil Du etwas nicht glauben kannst, kann es das auch nicht geben?

Es liegt in der Natur der Sache, dass die anonymen user eines inter-forums wie med 1 tatsächlich nur vermuten und sich Meinungen aufgrund einseitiger Schilderungen bilden können.

Isofern ist das, was "esta1" glaubt oder nicht glaubt, mindestens genau so wahrscheinlich und realistisch wie deine oder meine Meinung zur Sache.

Kein Grund also für irgendwelche despektierlichen Bemerkungen.

Kdleixo


bluegal

Es liegt in der Natur der Sache, dass die anonymen user eines inter-forums wie med 1 tatsächlich nur vermuten und sich Meinungen aufgrund einseitiger Schilderungen bilden können.

Sicher, nur ist nach der Meinung zum Thema gefragt und nicht, ob der Leser es nun für für glaubhaft hält oder nicht. Es steht dem ja auch nichts im Weg, dies zu diskutieren - da gab es schon auch sehr schöne Diskussionen - nur nicht in einem Faden, in dem es nicht darum geht.

Isofern ist das, was "esta1" glaubt oder nicht glaubt, mindestens genau so wahrscheinlich und realistisch wie deine oder meine Meinung zur Sache.

Nur ist das in diesem Faden nicht das Thema. Es ist das eine, dass jemand Widersprüche für sich entdeckt und einfach nach deren Erklärung fragt. Wobei es ja trotzdem sein kann, dass jemand der Logik eines anderen nicht folgen kann. Dann kann es jemand annehmen oder nicht, nur wenn nicht, dann kann er halt zum Thema nichts sagen.

Kein Grund also für irgendwelche despektierlichen Bemerkungen.

Ganz genau – nicht umsonst gibt es die Forumsregeln und genau darum geht es mir auch. :-)

etsta1


bluegal

vielen dank @:) .

FHunnkelsttexin


Kleio

Das hieße, dass es "bessere" oder "schlechtere" Gründe/Begebenheiten/Erlebnisse gibt, 20, 30 oder 40 Jahre in Therapie zu sein? Wer außer dem Betroffenen will das beurteilen?

Nein, in meinen Augen gibt es keine "besseren" oder "schlechteren" Gründe, die für eine langjährige Therapie sprechen. Ich stimme dir auch vollkommen zu, dass es nur dem Betroffenem selbst zusteht, das für sich zu entscheiden und diese Entscheidung zu bewerten.

In den Augen der Gesellschaft oder eher in den Augen einiger Mitglieder der Gesellschaft, scheint es allerdings von der Norm abzuweichen, sich ohne akute und schwerwiegende Gründe für längere Zeit in Therapie zu begeben.

Daher kann ich nachvollziehen, dass diese Diskussion inzwischen in eine ganz andere Richtung, fernab von meiner bei der Fadeneröffnung ursprünglichen angedachten Intention, geschlittert ist. Das macht nichts, denn auch auf diese Weise bekomme ich Impulse oder höre Meinungen, die mir so vielleicht gar nicht begegnet wären.

Dennoch frage ich mich auch, ob sich der bisherige Verlauf des Fadens anders entwickelte, hätte ich im Eingangsbeitrag nicht von "20 Jahren in Therapie" sondern ganz unpräzise "viele Jahre in Therapie" geschrieben.

Erstens – gibt es mehr Menschen, die 20 Jahre oder auch ein Leben lang in Therapie sind und sie diese auch brauchen, dann gibt es solche, die sie machen, um sicher zu gehen, ohne dass sie es brauchen. Sie wollen sie aber. Du brauchst sie nicht unbedingt und gestattest es Dir hin und wieder Dich begleiten zu lassen. Du tust Dir etwas Gutes. Was ist dagegen zu sagen?

Grundsätzlich nichts. Ich stellte das ursprünglich auch gar nicht in Frage. In der Zwischenzeit und nach den vielen, für mich zum Teil sehr interessanten Annahmen und Zugangsweisen, die mir hier mitgeteilt wurden, mache ich mir natürlich meine Gedanken dazu und stelle mir darauf bezogen, einige Fragen – sowohl ganz allgemein, als auch meine Zukunft (mit oder ohne Therapie, Coaching,...) betreffend. Da beziehe ich etwa auch deine Frage

Wie hast Du Dir Deinen Umgang mit dem Coaching für Deine weitere Zukunft vorgestellt?

mit ein.

esta1

ist es den in deinem sonstigen leben auch so, das sich schnell menschen in dich verlieben oder dich umsorgen wollen?

Das ist davon abhängig, wie du "sich schnell in jemanden verlieben" definierst. Ich habe schon einige Jahre (Jahrzehnte |-o ) auf dem Buckel und ich denke an einer gesellschaftlichen Durchschnittsnorm gemessen, wurde sich (nach meiner persönlichen Einschätzung) bisher wohl eher etwas seltener oder "weniger schnell" in mich verliebt, als in "OttonormalverbraucherIn". Vielleicht auch "normal oft" und "normal schnell". Oder sagt man "normal langsam"? Keine Ahnung. Was ich aber eigentlich sagen will ist: Klar, es kam schon einige Male vor, dass sich jemand in mich verliebte. Allerdings bin ich keiner von diesen Typen, die einen Raum betreten und alle Welt zu Füßen liegen haben. Bestimmt nicht. Ich bin ziemlich nett und umgänglich, manchmal auch witzig. Das war aber auch schon alles.

Abgesehen davon verliebten sich weder Therapeut A, noch Therapeut B "schnell" in mich.

mehrere therapeuten, die dich so umwerfend finden, das sie nicht weiter arbeiten können

Dass sie mich so unfassbar umwerfend finden, hatte ich nie geschrieben. Auch nicht, dass sie nicht weiter arbeiten können. Das ist nämlich gar nicht der Punkt. Der Punkt ist vor allem, dass sie unsere Art der Beziehung (normales Patienten-Therapeuten-Verhältnis mit bis dato solider Vertrauensbasis) auf eine andere Ebene (privates, persönliches Whatever-Verhältnis) heben möchten oder aber nicht mehr weiterarbeiten wollen. Mir ging es darum, was ich in dieser Situation will und was ich nicht will.

und es interessiert mich wirklich brennend (ohne mist) wie man es schafft mehrere therapeuten schwach werden zu lassen.

Das habe ich doch gar nicht getan. Nicht absichtlich, nicht bewusst und (nachdem ich mein Verhalten rückblickend wieder und wieder versucht habe, zu analysieren und zu bewerten – soweit das möglich ist) auch nicht unbewusst.

Ich habe niemanden absichtlich um den Finger gewickelt, ich bin weder kokett, noch flirty-flirty. Das ist auch mit das Ausgangsproblem. Ich weiß selbst nicht, wie und wieso. Obwohl ich mich selbst für ganz sympathisch und manchmal auch recht attraktiv halte, heißt das nicht, dass ich von jedem so wahrgenommen werde. Dass es mein Therapeut so sieht und – aus welchen gottverdammten Gründen auch immer – Gefühle für mich entwickelt, ist Mist. Dass es ein zweites Mal passiert, ganz große Sch****. Eines ist mir im Bezug auf deine Beitrag noch wichtig in aller Deutlichkeit klar zu stellen: schwach, wie du sagtest, wurde übrigens bisher niemand. Keine Sorge, soweit ließe ich es auch niemals kommen.

Individualist

Eine "Zerbrechlichkeit" kommt indes nur verbal rüber, ist aber nicht wirklich spürbar. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. Es mag sein, dass sie sich gut tarnt und einen passablen und "gesellschaftskompatiblen" Weg des Selbstschutzes gefunden hat.

Selbstschutz, Tarnung,... Ja, ich denke, beides trifft auf mich zu. Hinzu kommt, dass ich diese von mir beschriebene Zerbrechlichkeit und alle damit verbundenen Gedanken und Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse als etwas sehr, sehr persönliches oder viel mehr intimes ansehe. Es ist meine Zerbrechlichkeit, verstehst du? Die will ich, soweit ich es selbst entscheiden kann und in der Hand habe, niemanden zeigen. Zugleich brauche ich aber einen "Zeugen" dafür, denn nur wer um diesen Teil von mir weiß und dessen aktuellen Zustand kennt, kann mich damit unterstützen.

Man kann sich, wie Kleio, auf den Standpunkt stellen: warum nicht Langzeit- oder Dauertherapie, wenn man es sich leisten kann und es einem gut tut? "Wellness-Therapie" sozusagen (im Gegensatz zur "Akut-Therapie"). Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Selbstverständlich ist das eine legitime Möglichkeit. Aber eben nicht die einzige. Und vielleicht auch nicht die beste?

Darüber mache ich mir im Moment tatsächlich sehr ernsthafte Gedanken. Ich glaube, ich muss mir viel deutlicher vor Augen halten, dass es nie nur einen einzigen Weg, eine einzige Möglichkeit gibt und es vielleicht sogar wagen, einen Blick auf alternative Optionen zu werfen, selbst wenn ich diese derzeit (noch) nicht für mich in Anspruch nehmen möchte oder kann. Im Bezug darauf muss ich in nächster Zeit noch viel intensiver in mich gehen und nachdenken.

Denn die Aufrechterhaltung eines souveränen Außenbildes und jener Diskrepanz zur inneren Zerbrechlichkeit kostet ja ständig seelische Energie.

Mit dieser Einschätzung liegst du sehr nahe an dem, worum ich mich auf der einen Seite seit Jahren bemühe, was mich anderseits aber auch sehr anstrengt. Mir bedeutet die "Aufrechterhaltung eines souveränen Außenbildes", wie du es so treffend umschrieben hattest, aus verschiedenen Gründen sehr viel. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich im Alltag grundlegend verstelle oder gar schauspielere. Mit gewissen Dingen bin ich einfach sehr, sehr, sehr zurückhaltend, manches tarne ich und verstecke ich vor meinem Umfeld. Oft kostet das viel Kraft und belastet auch sehr. Dennoch möchte ich es nicht anders haben. Ein großer Konflikt zwischen zwei Positionen in mir, den ich bisher noch nicht ausfechten konnte.

Haben sich die bisherigen "Wellness"-Therapien womöglich vorrangig dafür vereinnahmen lassen, quasi permanenten Energienachschub zu liefern, anstatt zur Aufarbeitung besagter Diskrepanz vorzudringen?

Eigentlich ist mir diese Diskrepanz schon bewusst. Auch mein Therapeut nimmt sie wahr und es ist in unserer Arbeit auch kein unwesentliches Thema. Diesen Ansatzpunkt, "permanenter Energieschub" anstatt "Beseitigung des Energielochs", habe ich allerdings noch nicht intensiver überdacht. Ich finde deine Überlegung sehr interessant, vielleicht weil darin sehr viel Wahres liegen könnte.

Wie kriegt man einen Verhaltenstherapeuten dennoch zu einer "open end"-Therapie?

"open end"-Therapie will ich es wirklich nicht nennen, nein. Gut, ich arbeite mit diesem Therapeuten tatsächlich schon eine gute Weile, aber bisher stand die Aussicht auf ein Therapieende wirklich noch nicht im Raum. Ich kenne es (von anderen Therapeuten) so und habe es so erlebt, dass umgehend thematisiert wurde, wenn er der Ansicht ist, die Therapie neige sich durch die zu beobachteten Therapieerfolge dem Ende zu oder aber die Mittel und Strategien seien ausgeschöpft. In aktuellem Fall kam das (noch) nicht zur Sprache.

Ist ja auch nicht einfach, denn die TE möchte wesentliche Teile ihres Puzzles für sich behalten, was natürlich respektiert gehört.

Ja, ich möchte und bedanke mich für den Respekt. Wie gesagt, ich kann nachvollziehen, wenn auf diese Weise kein eindeutiges Gesamtbild entstehen kann oder es in diesem Missverständnisse, Verzerrungen, Widersprüche gibt. Darum bin ich dankbar, dass ich dennoch sehr interessante Antworten erhalte, die mich auf jeden Fall in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregen.

aug233

Ich mochte deine Metapher sehr und ich habe das Gefühl, dieser Vergleich hilft mir wirklich weiter. Ich weiß zwar noch nicht in welcher Hinsicht, aber ich versuche es herauszufinden. Danke!

a2ugI233


Funkelstein, vielleicht hilft noch folgende Anmerkung aus meiner Realität weiter:

ich habe vor 8 Jahren einen Garten gepachtet und nach meinen Vorstellungen bewirtschaftet, in ihm fühlen sich Vögel und Insekten sicher wesentlich wohler als Menschen, weil er recht wild geworden ist. Jetzt muss ich diesen Garten wegen Umzug aufgeben und an den Verpächter so zurückgeben, wie ich ihn übernahm. Ergebnis: die drei Bäume, einige Büsche, Beerensträucher und zwei Dutzend Rosenstöcke bleiben stehen - der Rest wird nach und nach umgegraben. Für den Garten wird es ein totaler Neubeginn auf ca. 70% seiner Fläche.

FLunkelysteixn


Heute Vormittag sah ich meinen Therapeuten erstmals nach seinem "Geständnis" und seiner Aufforderung an mich, eine Entscheidung über den weiteren Verlauf unseres Umgangs miteinander zu treffen.

Er verhielt sich, wie er sich immer vor seiner Eröffnung letzte Woche verhalten hatte. Er machte keinerlei Anstalten darauf Bezug zu nehmen.Ich tat das schon, denn ich wollte das geklärt wissen und sagte ihm, wie ich mich diesbezüglich gefühlt hatte und fühle, erklärte meine Gedanken und Sichtweise dazu. Er besprach das mit mir, als ginge es um eine dritte Person X und nicht um ihn selbst.

Grundsätzlich eine gute Sache, denn so hatten wir wieder eine "neutrale Basis" zurückgewonnen, aber ich bin dennoch irritiert. Letzte Woche erklärt er mir seine Gefühle und besteht drängend auf eine Entscheidung meinerseits, heute kam in diese Richtung gar nichts. Wir sprachen einfach über mein Empfinden und Verhalten, er fügte – ganz professionell – seine Anmerkungen hinzu, aber etwas persönliches sagte er nicht mehr.

Hoffentlich wird das nicht falsch verstanden, es ist okay so und im Grunde bin ich froh darum, aber ich hänge doch ein wenig in der Luft und frage mich, was das alles sollte und ob sein "Outing" unbedingt nötig war, wenn er das nun einfach so im Raum stehen lässt, nichts mehr dazu sagen will und zurück in seine Rolle als Profi schlüpft. Mir macht das Kopfschmerzen und gleichzeitig ärgere ich mich über mich selbst, weil mich das die ganze Woche so sehr beschäftigte und irgendwie nach wie vor weiter beschäftigt.

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