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Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

F_unkRels{teixn


Braunauge

Aus deinen Beschreibungen empfinde ich dich als Mensch, der nur selten seine inneren Gefühle nach außen zeigt. Ich empfinde dich als intelligenten, überlegten, rationalen Mensch mit "geplanten" Gefühlen. Prinzip Schachspielerin: die Reaktionen des anderen ins eigene Verhalten einberechnend.

Du empfindest richtig. Ich gehe mit meinen Gefühlen tatsächlich zum Teil sehr überlegt und vorsichtig um. Das bedeutet allerdings nicht, ich wäre ein gefühlskalter und stoischer Mensch. Bei gewissen, eher banalen Anlässen neige ich sogar zu übertrieben emotionalen Reaktionen. Gute Bücher bringen mich zum Heulen, genau so wie Musik oder die Natur oder eine ganz bestimmte Art von Mensch, die mich auf eine unerklärliche Weise innerlich bewegt. Ich lache auch oft und gerne. Aber im Ernstfall – da hast du mit deiner Einschätzung vollkommen recht, Braunauge – im Ernstfall, wenn mich etwas wirklich tief berührt oder trifft, wenn es um keine sekundären Alltagsnebensächlichkeiten, sondern wirklich substanzielles, wirklich wichtiges geht – habe ich mir mit den Jahren angewöhnt, erstmal nicht zu fühlen, sondern zu denken. Am besten möglichst objektiv und sachlich. Das klingt idiotisch, nicht wahr? Es hat mit Selbstschutz zu tun. Irgendwo in mir, habe ich eine Menge Gefühle und ich musste einen Weg finden, die in den Griff zu bekommen und im Zaum halten zu können. Es mag sich anhören, als wäre ich ein Kontrollfreak, aber ich will vermeiden, von meinen eigenen Gefühlen überrannt zu werden.

Du schreibst selbst, dass du in manchen Momenten dir gar nicht bewusst bist, was du gerade fühlst.

Ja. Ja! Das liest sich sehr schlimm für mich, aber es stimmt. In manchen Situation bin ich sehr konzentriert, nicht zu fühlen, um nicht (innerlich) auszurasten. Ich versuche dann erst später, in räumlicher und zeitlicher Distanz rückblickend "nachzufühlen", was in dem Moment selbst in mir los war.

Ich kann mir vorstellen, dass dein Therapeut dann was braucht, um diese "ich habe das vorher schonmal analysiert und mir überlegt"-Mauer von dir durchbricht. Er will wirklich mal sehen, wie du spontan deine Emotionen ausdrückst (z.B. Freude, Ärger, Traurigkeit, Angst).

Sehr interessant. Als ich einer Freundin heute die ganze Geschichte schilderte, vermutete sie sofort in eine ähnliche Richtung und meinte, der Therapeut würde wohl versuchen, mich "aus der Reserve" zu locken, um mich so zu "spontanen Emotionen" und einer Reaktion darauf zu zwingen.

Ich meine, ein PT kann fragen: "Frau Funkelstein, mal angenommen ein Mann käme auf sie zu und würde sagen, dass er sie liebte. Wie würden Sie denn reagieren?" Und schon ist ihr Hirn am Rattern: Wenn, wohl, hätte, könnte, käme drauf an. Alles Konjunktiv und Fiktion, was Reaktionen verzögert. Und rationales Drübernachdenken, wo ihr Therapieziel doch mehr Emotionalität bedeutet.

Okay, Prinzip verstanden. Dem könnte, denke ich, möglicherweise wirklich so gewesen sein. Ich sehe die Idee dahinter und kann mir durchaus vorstellen, dass es sich hierbei um eine "Methode" handelte, die mir zu einer Weiterentwickung verhelfen sollte.

Dennoch empfinde ich sie als grenzwertig, wenn nicht sogar grenzüberschreitend. Zwischen von dir genannten und als Beispiel angeführten Stimuli wie eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes des Therapeuten und einem Liebesgeständnisses liegen doch Welten. Welten! Oder? Oder nicht? Vielleicht kann ich es nicht realistisch beurteilen, weil ich in der Situation stecke und emotional zu sehr involviert bin, aber selbst wenn des Therapeutens "Outing" bewusst so geplant war und methodisch begründbar ist, finde ich es weit unter der (meiner) Gürtellinie angesetzt.

Ich empfinde es so, dass du diesen Therapeuten auch ein bisschen liebgewonnen hast. Denn es beschäftigt dich sehr, und ich habe das Gefühl, du willst ihn nicht loslassen.

Ja, ich schätzte ihn (als Therapeuten!) bisher wirklich sehr und unsere geschaffene Vertrauensbasis und Zusammenarbeit ist mir aus bereits genannten Gründen sehr wichtig.

Dass ich ihn nicht loslassen möchte, stimmt in dem Sinn, dass die Beendigung dieses Therapieverhältnisses einen Wendepunkt für mein Leben bedeuten würde. Ich habe aus verschiedenen Gründen nicht mehr die Kraft, mit einen Therapeuten neu anzufangen, alles von Anfang an neu aufzurollen, auf der Vertrauensebene wieder bei Null starten zu müssen. Das schaffe ich nicht mehr und darum gebe ich diese hier bereits bestehende Vertrauensbasis nicht leichtfertig auf.

Man kann sich auch Therapeuten suchen, wo das "Verliebensrisiko" einfach viel kleiner ist. Du bist 31, such dir doch eine verheiratete Frau in deinem Alter.

Klar, das ist natürlich möglich. Abgesehen davon, dass ich keinen Therapeutenneuanfang mehr möchte, habe ich allerdings leider ein persönliches Problem mit weiblichen Therapeuten. Ich hatte es schon mit Frauen versucht, aber es ist Teil meines "Päckchens", dass es mit männlichen Therapeuten scheinbar besser klappt. Allerdings soll man niemals nie sagen, nicht wahr?

Was du auch tun kannst: Such dir draußen eine Beziehung. Und erzähle davon in der PT. Das wirkt in der PT immer wieder als Signal: Frau Funkelstein hat bereits einen Partner. Aber vielleicht fällt dir Partnersuche im realen Leben nicht einfach.

Das weiß ich nicht. Ich habe zwar bereits schon oft nach einem passenden Paar Schuhe gesucht oder nach einem ganz bestimmten Kleid, aber nach einem Partner noch nicht. Das erschiene mir ein wenig absurd. In dieser Hinsicht lebe ich einfach, sehe mir Menschen an und spreche bei Gelegenheit mit welchen und warte, ob und was passiert.

Irgendwie finde ich den von dir hergestellten Zusammenhang zwischen privater Liebesbeziehung und Patienten-Therapeuten-Beziehung zwar gewissermaßen nachvollziehbar, aber auch ein klein wenig befremdlich.

Und weil du PT als Sicherheitsnetz angesprochen hast: du kannst du dir auch was anderes suchen: Selbsthilfegruppe oder Gruppentherapie zum Beispiel.

Diesen Impuls hingegen nehme ich dankbar an. Ich hatte mir das schon einmal überlegt, diesen Gedanken aber nie weiter verfolgt und mich auch nie konkret über SHG oder Gruppentherapie informiert. Ich denke, solche Gruppen definieren sich immer über eine Gemeinsamkeit, eine gemeinsame "Seelenbaustelle" oder zumeist wohl einen gemeinsamen "Problemursprung"? Was mache ich, wenn mein Ursprung sehr speziell oder zu speziell ist, um Gleichgesinnte zu finden? Ich muss da wohl mal die gelben Seiten bedienen und recherchieren. Ob es wohl auch Gruppen für eher allgemein gehaltene Probleme, also etwa emotionale Verkrüppelung oder so, gibt? Ich schätze mal, da würde ich sehr gut zu passen und mich bestimmt auch super schlagen.


Abschließend, Braunauge, schließe ich mich Individualist an. Vieles von dem, was du sagtest, hat mich erreicht (- innerlich) und mir eröffnen sich erneut einige neue, sehr interessante Zugänge. Dafür möchte ich mich gerne bedanken!

F@unkelustxein


Ich weiß nicht, was ich tun soll und ich wüsste gerne, warum mich das alles so sehr aufwühlt.

Ich will das nicht.

Am Freitag ist mein nächster, regulärer Termin bei ihm. So wie immer. Danach bin ich für zwei Wochen auf Geschäftsreise und im Anschluss daran ist er für ebenso viele im Urlaub.

Ich hatte mir also überlegt, bis Freitag (für mich) eine Entscheidung zu treffen, wie und ob es weitergeht. Wenn ich mich dazu entscheide, die Therapie zu beenden, brauche ich (für mich) eine Art Abschied, um damit abschließen zu können.

Ich will nicht vier weitere Wochen in dieser unerträglichen Gefühlsschwebe feststecken müssen und dann erst entscheiden, ob es vorbei ist oder weitergeht.

Auf der anderen Seite kann ich mich nicht für das Ende entscheiden, ohne für mich ein "alternatives Sicherheitsnetz" gefunden zu haben.

Macht das Sinn?

Klingt das merkwürdig? Oder verrückt?

Vielleicht bin ich auch einfach ein wenig übermüdet.

Scheiße ist auf jeden Fall, wie viele Gedanken und Gefühle mich das alles hier "kostet".

ajug2x33


Wenn die vermerkte Uhrzeit stimmt, dann trifft übermüdet wahrscheinlich zu.

Die Suche nach einem anderen "Sicherungsnetz" wird andere Möglichkeiten aufzeigen, eine ganze Reihe ist hier bereits genannt worden. Zudem kann es eine Herausforderung sein, mal wieder für einige Zeit ohne "Netz" zu leben.

Warum Überlegungen zu einem Abschied? Aktuelle Fragen besprechen und 15 Minuten vor dem Ende entschieden sagen: "es wird keine neuen Termine geben. Punkt!"

Keine Diskussion über wieso und warum - es ist entschieden und damit muss er leben. Kann die Zeit einem anderen notleidenden Menschen zur Verfügung stellen, daran wird es doch nicht fehlen!

In diesem Sinne alles Gute!

Iun[divi[duaglisxt


Keine Diskussion über wieso und warum – es ist entschieden und damit muss er leben.

Es ist eben nicht entschieden. Wenn es so einfach wäre, gäbe es wohl weder schlaflose Nächte noch diese Diskussion. Rational spricht in der Tat auch aus meiner [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/625467/18627201/ Sicht]] einiges bis alles dafür, dass man diesen Therapeuten fallen lassen sollte. Aber die rationale ist eben nicht die einzig relevante Ebene. Nicht umsonst sind wir hier im Psychologie-Bereich. Also müssen wir genauer hinschauen.

Auch wenn ich nie und nimmer glaube, dass das Verliebtheitsgeständnis eine kalkulierte therapeutische Maßnahme war, um Funkelstein aus der Reserve zu locken, so wie Braunauge es für möglich hielt, so kann es dennoch durchaus diese Wirkung gehabt haben. Bzw. spricht nichts gegen den Versuch, es in diesem Sinne produktiv zu wenden. Offensichtlich hat es ja den Boden umgepflügt, und viele Dinge, die verborgen waren, liegen momentan unversehens ungeschützt an der Oberfläche. Das ist für Funkelstein beunruhigend und macht ihr (offensichtlich) schlaflose Nächte. Aber es ist auch eine einmalige Chance. Denn schon bald könnte wieder Gras darüber gewachsen sein.

In diesem Sinne möchte ich zwei Gedanken beitragen.

Einer davon wurde ganz akut dadurch ausgelöst, dass Funkelstein mir heute morgen ein schönes Kompliment per PN gemacht hatte (ich hoffe, ich darf das hier so allgemein sagen; PN-Inhalte sollte man ja nicht ungefragt veröffentlichen). Natürlich hat mich das gefreut. Dabei wurde mir bewusst, dass sie eigentlich überhaupt nur positives Feedback verteilt, auch hier im Faden. Es ist noch kein einziges hartes Wort von ihr gefallen, keine Zurückweisung von Gedanken, oder wenn, dann sehr diplomatisch oder selbst das noch irgendwie positiv gewendet. Ich nannte es mal "geschmeidig". Das macht es angenehm und wohlig in diesem Faden x:) – selbst wenn man inhaltlich nicht recht weiter weiß... ;-)

Zugleich aber habe ich mich auch gefragt: Kann Funkelstein überhaupt NEIN sagen, etwas zurückweisen, wenn es sein muss? Manchmal muss auch der freundlichste Mensch im Leben sich abgrenzen, jemanden zurückweisen, oder gar knallhart "Schluss, aus und Punkt" sagen. Ob das bei dem Therapeuten nötig ist, sei für den Moment offen gelassen, aber jedenfalls sollte man diese Möglichkeit in seiner Toolbox von Verhaltensmustern unbedingt mit drin haben. Funkelstein, geht das? Oder ist deine sympathische, freundliche, "unverbindliche Verbindlichkeit" eine Art Zwang? Gibt es den Zwang, gefallen zu "müssen"? Gibt es eine "Beißhemmung"? (Ich denke dabei z.B. auch an deine Antwort auf meine Frage, ob du ihm gesagt hast, dass du dich ausgetrickst und verspottet fühlst.)

Um Himmels willen, ich will dir deine gediegene, stilvolle Freundlichkeit, die ich sehr mag, nicht ausreden oder sie abwerten. Sie ist zweifellos ein Teil deines Kapitals. Aber auch Freundlichkeit kann – zum Beispiel – zum Abwehrmechanismus werden, oder anderweitig psychologisch relevant sein. Deshalb gehört sie durchaus in die Betrachtungen einbezogen.

Soviel erstmal dazu. Während ich an meinem "zweiten Gedanken" schrieb, merkte ich, dass es zuviel auf einmal wird. Deshalb habe ich gerade beschlossen, diesen für einen späteren Beitrag aufzuheben.

eis&ta1


Funkelstein

Ich hatte mir also überlegt, bis Freitag (für mich) eine Entscheidung zu treffen, wie und ob es weitergeht. Wenn ich mich dazu entscheide, die Therapie zu beenden, brauche ich (für mich) eine Art Abschied, um damit abschließen zu können.

also das kann ich sehr gut verstehen, aber ich würde die therapie nicht abbrechen bevor das mit dem therapeuten geklärt ist! ich würde das in der nächsten stunde nochmal konkret ansprechen, an eine "therapeutische Liebeserklärung (Maßnahme)" von ihm glaube ich nicht, das wäre wie du selbst schreibst "unter der gürtellinie".

fühle dich jetzt bitte nicht auf den schlips getreten, aber war es wirklich eine liebeserklärung oder hast du das interpretiert?

F|u|nkeXlstexin


aug233

Warum Überlegungen zu einem Abschied? Aktuelle Fragen besprechen und 15 Minuten vor dem Ende entschieden sagen: "es wird keine neuen Termine geben. Punkt!"

Ach, aug233, grundsätzlich siehst du das alles schon richtig, nur – wie Individualist schrieb – schreibt und liest sich das viel einfacher, als es ist – oder sich viel eher schlussendlich anfühlt.

Pragmatisch gesehen, sollte ich wohl so vorgehen, wie von dir beschrieben. Ich weiß aber, dass ich nicht dazu in der Lage sein werde, dass so cool abzuklären. Zu viele Gedanken, zu viele nicht ange- und besprochene Gefühle diese ganze Geschichte betreffend, zu viele offene Fragen meinerseits.

Und ja, wenn ich mich für das Therapieende entscheide, brauche ich einen Abschied und kann das nicht am Ende der Sitzung in fünf Minuten ganz lässig ansprechen. Ich habe mich dem Therapeuten in den letzten Monaten offenbart, er kennt und weiß viel von mir, er hat mich eine Weile durch mein Leben begleitet. Um das und auch das zuletzt Erlebte abschließen zu können, muss ich das Ende mit ihm besprechen. Dazu braucht es mehr, als ein paar knappe Sätze à la "That's it. Das war's. Schicht im Schacht. Mach's gut."

Die Suche nach einem anderen "Sicherungsnetz" wird andere Möglichkeiten aufzeigen, eine ganze Reihe ist hier bereits genannt worden. Zudem kann es eine Herausforderung sein, mal wieder für einige Zeit ohne "Netz" zu leben.

Eine Herausforderung, ja. Andere Möglichkeiten, ja. Ist es sehr schlimm, dass mir die Gedanken daran, Angst machen?

Individualist

Offensichtlich hat es ja den Boden umgepflügt, und viele Dinge, die verborgen waren, liegen momentan unversehens ungeschützt an der Oberfläche. Das ist für Funkelstein beunruhigend und macht ihr (offensichtlich) schlaflose Nächte. Aber es ist auch eine einmalige Chance. Denn schon bald könnte wieder Gras darüber gewachsen sein.

Fällt euch auch auf, dass hier verschiedene Ansichten und Gedanken immer wieder mit den schönsten Metaphern beschrieben werden? Danke für das Bild, Individualist. Meinst du wirklich, dass das alles eine Chance für mich sein kann?

Kann Funkelstein überhaupt NEIN sagen, etwas zurückweisen, wenn es sein muss? Manchmal muss auch der freundlichste Mensch im Leben sich abgrenzen, jemanden zurückweisen, oder gar knallhart "Schluss, aus und Punkt" sagen. Ob das bei dem Therapeuten nötig ist, sei für den Moment offen gelassen, aber jedenfalls sollte man diese Möglichkeit in seiner Toolbox von Verhaltensmustern unbedingt mit drin haben. Funkelstein, geht das? Oder ist deine sympathische, freundliche, "unverbindliche Verbindlichkeit" eine Art Zwang? Gibt es den Zwang, gefallen zu "müssen"? Gibt es eine "Beißhemmung"? (Ich denke dabei z.B. auch an deine Antwort auf meine Frage, ob du ihm gesagt hast, dass du dich ausgetrickst und verspottet fühlst.)

Individualist, das ist wieder so eine Sache an mir. Ja, ich kann das alles. Zum Teil sogar sehr gut. In manchen Lebensbereichen. Beispielsweise muss ich beruflich ein gutes Maß an Durchsetzungsvermögen und Konsequenz an den Tag legen, wichtige Entscheidungen treffen, diese begründen und im Härtefall auch verteidigen. Ich finde es zwar nicht unbedingt klasse, aber es fällt mir nicht schwer zu sagen: "Dieses und jenes. Punkt." oder "Nein." oder "Ja." oder...

Das ist allerdings nur eine Seite. In gewissen Lebensbereichen kann ich es nämlich nicht. Dein Eintrag hat mich dazu veranlasst, mich zu fragen, ob ich das nur in Situationen, die mich nicht emotional involvieren, kann, sondern ausschließlich sachlich und rational zu sehen sind.

Die Antwort ist: Nein. Ich kann auch in definierten Situationen mit emotionalem Bezug "Nein" sagen und mich abgrenzen. Etwa gegenüber Freunden oder ganz allgemein gehalten in Ausgangslagen, die mich auf irgendeine Art und Weise berühren.

Ich fragte mich also: warum und weswegen schaffst du es manchmal nicht, dich abgrenzen, und eine von mir so gewollte Zurückweisung ausdrücken? Welche Situationen sind es, die dich derartig hemmen, dass es plötzlich nicht klappt?

Die einzige Antwort, die ich (bis jetzt) finden konnte, ist, dass es sich offenbar immer um "spezielle" Situationen handelt, die mich aus verschiedenen Gründen überfordern oder blockieren. Ich ordne das mit in den Bereich meiner manchmal auftretenden Unfähigkeit zu fühlen und nach meinem akuten Gefühl zu handeln.

Ich muss da wohl noch viel intensiver nachdenken. Irgendwie machen mich diese Überlegungen aber ein wenig traurig, auch wenn ich nicht weiß, aus welchem Grund.

Soviel erstmal dazu. Während ich an meinem "zweiten Gedanken" schrieb, merkte ich, dass es zuviel auf einmal wird. Deshalb habe ich gerade beschlossen, diesen für einen späteren Beitrag aufzuheben.

Ich fände es schön und würde mich sehr freuen, wenn du mich an deinem Gedanken teilhaben lässt.

esta1

also das kann ich sehr gut verstehen, aber ich würde die therapie nicht abbrechen bevor das mit dem therapeuten geklärt ist!

Ja. Das würde ich so auch nicht wollen. Mir würde etwas fehlen, um mit alledem abschließen zu können. (Siehe mein Beitrag an aug233)

Ich hoffe, die nächste Sitzung ist aufschlussreich und bringt mich an dieser Stelle weiter. Das blöde ist nämlich, dass ich – sollte es nicht möglich sein, alles am nächsten Freitag besprechen und klären zu können-, auf Grund meiner berufsbedingten Reise und seines Urlaubs, erst wieder im August die Möglichkeit auf einen weiteren Termin bei ihm habe und es eine zwangsläufige Pause von etwa einem Monat gibt.

fühle dich jetzt bitte nicht auf den schlips getreten, aber war es wirklich eine liebeserklärung oder hast du das interpretiert?

Er hat sich unmissverständlich ausgedrückt und ließ erst gar keinen Spielraum für Fehlinterpretationen.

eWstax1


Funkelstein

Ich hoffe, die nächste Sitzung ist aufschlussreich und bringt mich an dieser Stelle weiter. Das blöde ist nämlich, dass ich – sollte es nicht möglich sein, alles am nächsten Freitag besprechen und klären zu können-, auf Grund meiner berufsbedingten Reise und seines Urlaubs, erst wieder im August die Möglichkeit auf einen weiteren Termin bei ihm habe und es eine zwangsläufige Pause von etwa einem Monat gibt.

vielleicht könnte es helfen, wenn du dir vorher alles aufschreibst. falls du es dann doch nicht schaffst alles mit den richtigen worten zu formulieren, kannst du ihm am ende der stunde einen brief geben.

also wenn der dir wirklich ne liebeserklärung gemacht hat und dann zur tagesordnung übergeht ist das schon ne heftige nummer. du musst das für dich auf alle fälle klären!

F*un$kelste1i8n


etsa1

vielleicht könnte es helfen, wenn du dir vorher alles aufschreibst. falls du es dann doch nicht schaffst alles mit den richtigen worten zu formulieren, kannst du ihm am ende der stunde einen brief geben.

So ähnlich werde ich es wohl handhaben. Zumindest möchte ich mich schon darauf vorbereiten und mir zuvor überlegen, was mir ein wichtiges Anliegen ist, zu sagen.

also wenn der dir wirklich ne liebeserklärung gemacht hat und dann zur tagesordnung übergeht ist das schon ne heftige nummer. du musst das für dich auf alle fälle klären!

Ja. Für mich ist es sehr heftig und ich empfinde es zunehmend erschreckend, wie sehr ich mich davon mitnehmen lasse. Ich wollte das hier nicht schreiben, aber da ich bisher ausschließlich sehr fundierte Rückmeldungen von euch bekam, kann ich auch mal einen Schritt vor wagen und sagen, dass mich an dieser Geschichte vor allem belastet in dieser (Patienten-Therapeuten-)Beziehung in ein Machtverhältnis hineingedrängt worden zu sein. Das kann ich auf Grund verschiedener Vorerfahrungen (mein "Päckchen") gar nicht oder kaum aushalten und es werden diverse Empfindungen und Reaktionen in mir ausgelöst. Wahrscheinlich wären meine starken Gefühle und mein Aufgewühltsein eher nachvollziehbar, würde sich dieser Faden mit einer Privatbeziehung beschäftigen. Hier geht es aber nur um einen Therapeuten und eine Patienten. Dennoch gibt es eine (Art von) Beziehung, zwei Positionen und eine Beziehungs- bzw. Kommunikationsebene. Durch sein Liebesgeständnis wurde diese Ebene nicht nur zerrüttet, ich fühle mich von ihm bevormundet, dominiert, gedrängt, bedrängt, beengt (Sitzung des "Outings") – dann aber urplötzlich kaltgestellt und liegen gelassen (Sitzung nach dem "Outing", sein plötzlich wieder "professionelles" Verhalten). Er bestimmt den Verlauf und die Wendepunkte dieses Verhältnisses, er hat die Fäden in der Hand. Er agiert, ich kann nur bzw. muss reagieren. So etwas kann ich gar nicht aushalten. Ist das doof? Ist das verständlich? Nehme ich es zu persönlich? Ich kann gar nicht erklären WIE böse ich auf mich selbst bin, weil ich es viel zu nahe an mich heranlasse.

enst?a1


Durch sein Liebesgeständnis wurde diese Ebene nicht nur zerrüttet, ich fühle mich von ihm bevormundet, dominiert, gedrängt, bedrängt, beengt (Sitzung des "Outings") – dann aber urplötzlich kaltgestellt und liegen gelassen (Sitzung nach dem "Outing", sein plötzlich wieder "professionelles" Verhalten). Er bestimmt den Verlauf und die Wendepunkte dieses Verhältnisses, er hat die Fäden in der Hand. Er agiert, ich kann nur bzw. muss reagieren. So etwas kann ich gar nicht aushalten. Ist das doof? Ist das verständlich? Nehme ich es zu persönlich? Ich kann gar nicht erklären WIE böse ich auf mich selbst bin, weil ich es viel zu nahe an mich heranlasse.

also ich muss gestehen, ich war ja erst sehr skeptisch, aber langsam kann ich das sehr gut nachvollziehen. also ja es ist verständlich und du nimmst es auch nicht zu persönlich!die situation triggert dich, weil du das ebend schon kennst (Päckchen). kann man das verhältniss zu einem therapeuten unpersönlich nehmen, weiß nicht...?

wieso bist du böse auf dich, du solltest auf den therapeuten sauer sein. also entweder das ist ein richtiger arsch oder es gab ein mißverständnis zwischen euch und das musst du rausfinden. ich würde mir in so einer situation auch total verarscht vorkommen, wie ein spielball. aber du musst dich nicht so behandeln lassen. schaffst du!!!

E?nervgyxa


Hallo Funkelstein

Vielleicht liegt es an Deiner analytisch-distanzierten Art, was die Therapeuten zur Emotionalität reizt. Mir ergeht es in der Therapie ähnlich. Ich habe eine zwanghafte Persönlichkeit. Weswegen gingst Du in Behandlung? Vielleicht hat es ja mit Deinem Behandlungsbild zu tun, dass die Therapeuten eine so starke Gegenübertragung bei Dir erleben.

Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass die Theras Dich "knacken" wollen. Bei mir wird das auch versucht, allerdings ohne Verliebtheitsgeständnis.

Ganz lieben Gruss

Energya

F%unke{lsteixn


esta1

wieso bist du böse auf dich, du solltest auf den therapeuten sauer sein.

Ich wünschte einfach, ich könnte die notwendige Distanz zu dem Geschehenen wahren, um mich nicht so elend zu fühlen, wie ich mich im Moment fühle. Das cooler und gelassener zu nehmen. Sagen zu können: "Der Idiot kann mich mal." und es gut sein lassen, damit mein Kopf, meine tobenden Gedanken endlich zur Ruhe kommen können.

Natürlich bin ich gewissermaßen auch wütend auf ihn. Ich fand und finde sein Verhalten sch****. Dennoch denke ich, dass es mit an mir liegt, dass ich mir das alles überhaupt so sehr zu Herzen nehme. Dazu zwingt mich niemand, es müsste nicht so sein.

aber du musst dich nicht so behandeln lassen. schaffst du!!!

Das wird sich zeigen. Mal sehen...

Energya

Bei mir wird das auch versucht, allerdings ohne Verliebtheitsgeständnis.

Ich hoffe, ich darf das fragen: wie gehst du damit um?

Eanergxya


@ Funkelstein:

Ich befinde mich in einer ähnlich ungünstigen Lage wie Du, was meine derzeitige therapeutische Beziehung betrifft: Mein behandelnder therapeutischer Arzt findet, ich sei zu wenig spontan in der Äußerung meiner Gefühle. Ich erklärte ihm, dass ich meine (schon vorhandenen) Gefühle kontrolliere (typisch anankastisch). Obwohl ich ihm vor kurzem eigens erklärte, dass ich seine bisherige distanziert-analytische Art sehr zu schätzen wisse, wirkt er nicht mehr so kontrolliert und hölzern wie am Anfang, sondern für meine Begriffe schon zu emotional-sprunghaft, diese Sponaneität, die mir oftmals fehlt. Wenn ich z. B. unsicher wirke, also nicht mal weine (tue ich nicht bei ihm, aber für mich zuhause schon), wird er bereits durch diesen Anlass aufgescheucht und unruhig, also viel zu wenig ruhig und stabilisierend. Das muss ich dann wohl auch noch leisten.

Der ideale Therapeut für mich wäre Mr. Spock.

Vielleicht fühlt sich mein Therapeut überfordert durch mich. Wahrscheinlich werde ich mir einen neuen suchen müssen. Ich werd aber diesmal besonders darauf achten, dass dieser auf zwanghafte Personen spezialisiert ist und meine Symptomatik von anderen Patienten her richtig einschätzen und behandeln kann.

Das Schlimme ist, dass ich wirklich große Fortschritte gemacht hatte und an diesem Thera hänge als Patientin. Aber ich kann nun mal nicht so spontan und flexibel auf alles anspringen und reagieren. Am liebsten würde ich ihm ständig sagen, er solle sich nicht aufregen und ruhig bleiben, es sei alles okay. Ich möchte jetzt einfach weiter dazulernen und es kognitiv mit ihm bearbeiten. Im August werde ich den nächsten Termin bei ihm haben, mal sehen. In der Zwischenzeit hole ich mir aber meinen Hausarzt als Rettungsnetz zu Hilfe, denn mir gehts – im Gegensatz zu Dir – nicht gut. Ich stehe noch ziemlich am Anfang meiner Therapie. Es gab aber auch schon Vorgänger, da lief es ähnlich ab. Am Ende hat der Therapeut geseufzt, als würde er für mich leiden, während ich selbst das alles doch ziemlich nüchtern erzählen konnte aus meinem Leben. Aber ich habe keine Lust, wieder von vorne anzufangen. Ich will nicht ständig in die erste Klasse und mein Leben jedes Mal neu aufrollen.

Lieben Gruss

Energya

F6unke.lsxtein


Energya

Mir wurde diese Frage von anderen Usern gestellt und nun möchte ich sie gerne an dich "weitergeben": hast du alles, was du hier an (in deinen Augen und für dich) negativ empfundenen Aspekte deiner Therapie und am Verhalten deines Therapeuten ihm gegenüber jemals verbalisiert oder nachgefragt, welchen Grund sein Verhalten X in Situation X hat?

Vor allem wenn du an deinem Therapeuten hängst und mit ihm (oder möglicherweise auch durch ihn) Fortschritte gemacht hast, wäre es schade, du müsstest das aufgeben.

Ich möchte jetzt einfach weiter dazulernen und es kognitiv mit ihm bearbeiten. Im August werde ich den nächsten Termin bei ihm haben, mal sehen. In der Zwischenzeit hole ich mir aber meinen Hausarzt als Rettungsnetz zu Hilfe

Das hört sich gut und vernünftig an.

Aber ich habe keine Lust, wieder von vorne anzufangen. Ich will nicht ständig in die erste Klasse und mein Leben jedes Mal neu aufrollen.

Das kann ich so gut verstehen, denn das macht mir die Entscheidung in meiner aktuellen Situation so schwer. Es kostet sehr viel Mut, sehr viel Kraft und Energie, manchmal auch Nerven und Tränen wieder von vorne, quasi bei Null, anzufangen. Für mich weiß ich, dass ein Neuanfang für mich mehr Schaden anrichten, als Nutzen haben und Hilfe sein könnte.

EwnXergyxa


@ Funkelstein:

Ich verstehe schon, dass mein therapeutischer Facharzt so reagiert. Er ist normal und ich bin es, die derart kontrolliert-unspontan rüberkommt. Ich ging auch darauf ein und erklärte am Ende, WESHALB ich mich schütze, weil ich nicht durch eine Übertragung leiden will, wo ich ja sowieso weitergehen muss und er nicht mein Therapeut bleiben wird. Das war von vornherein absehbar. Er verstand das und tröstete mich, er sei nicht von der Welt, in Sachen medizinische Psychosomatik bliebe er Ansprechpartner, aber die eigentliche Psychotherapie muss ich bei einem anderen machen. Bei diesem anderen Therapeuten gefiel es mir aber überhaupt nicht, dieser war noch weniger analytisch, also liegt das nächste Treffen mit meinem bisherigen therapeutischen Facharzt an im August. Per E-Mail zeigte er Verständnis, musste aber kurzfristig einen früheren Termin absagen, nur liegt noch die Urlaubszeit dazwischen. Also erst wieder Mitte August.

Also mir wär es ganz recht, wenn er "ein bisschen" unbewusst in mich verliebt wäre, natürlich ohne Thematisierung, nur damit ich nicht wechseln müsste. Ich will auch nicht wöchentlich hin, 1-mal im Monat wär okay ...

Lieben Gruß

Energya

E.ne rgya


@ Funkelstein:

Ich würde jetzt noch nicht abbrechen mit Deinem Therapeuten. Du kannst dieses Machtverhältnis ja auch umkehren bzw. aufheben. Vielleicht thematsiert er es auch nicht mehr, weil er DICH nicht verlieren will. Es ist ja an sich nichts Verwerfliches, sich zu verlieben, solange er Dich nicht belästigt. Er steckt eben in der Gegenübertragung. Vielleicht kann er es noch für sich selbst auflösen und eure therapeutische Beziehung gewinnt an Tiefe. Ich erlebte einmal etwas Ähnliches und nahm es eher gelassen so im Sinne von: Hey, umso besser, am besten sei die ganze Welt verliebt in mich und nett zu mir! – Irgendwie wurde es danach gut, das Verständnis für die Gefühle des anderen reichten.

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