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Die Professionalität von Therapeuten auf der Beziehungsebene

I5ndi+vidualxist


es ist durchaus möglich dass die Therapie wieder auf echte Therapiefüsse kommt.

Als denkbare Perspektive – ja. Da sind wir uns durchaus einig. @:) Für den Moment aber sehe ich das nicht gegeben. Überhaupt nicht. (Kommt natürlich auch ein wenig darauf an, wie man "Therapie" definiert.)

Für einen Abbruch der Therapie falls es überhaupt je eine war, ich hinterfrage das zunehmend – damit ist auch die Richtung meines noch ausstehenden "zweiten Gedankens" angedeutet... habe ich nicht plädiert. Oder wo lest ihr das heraus?

Nein, der Abbruch ist meines Erachtens längst passiert, indem der Therapeut die therapeutische Ebene verlassen hat. Ob das reversibel ist, sei dahingestellt. Im Moment aber hat Funkelstein leider gar nicht die Freiheit, über Abbruch und Fortsetzung der Therapie zu entscheiden, weil sie insoweit vor vollendeten Tatsachen steht. Sondern allenfalls über Abbruch und Fortsetzung des Kontakts.

Ich halte diese Unterscheidung durchaus für sinnvoll; sie kann evtl. helfen, die Dinge im Kopf zu ordnen.

K,adh)idya


Vielleicht kannst Du deswegen besser mit männlichen Therapeuten, weil ihr euch auf einer anderen (emotionalen) Ebene befindet – eine Ebene, die in letzendlicher Konsequenz zu solchen übergroßen Nähegefühlen/Verliebtheit mündet.

P>eeKlwexe


Weil er sie selbst losgetreten hat, und weil er persönlich höchst involviert ist, ist er als Therapeut definitiv disqualifiziert.

Das war der Satz aus dem ich anscheinend 'Therapie abbrechen' gemacht habe.

Das hier

Im Moment aber hat Funkelstein leider gar nicht die Freiheit, über Abbruch und Fortsetzung der Therapie zu entscheiden, weil sie insoweit vor vollendeten Tatsachen steht. Sondern allenfalls über Abbruch und Fortsetzung des Kontakts.

ist allerdings eine gute Idee um Therapie und Kontakt auseinanderzuhalten. Doch denke ich dass die Grenzen fliessend sind.

Ich bin gespannt wie es Funkelstein mit ihren neuen Erfahrungen geht.

F]unkelxstein


esta1

und was wäre wenn du den therapeuten einfach anrufst und erklärst wie du dich fühlst, dann musst du nicht noch bis freitag warten?

Nein, das möchte ich aus diversen Gründen nicht. Ich glaube vor allem nicht, dass sich das alles so einfach am Telefon besprechen und klären lässt.

Energya

Danke für den Hinweis, aber nein, in meinem Fall ist es nicht nötig, noch jemanden hinzuzuziehen.

Ich wünsche dir alles Gute!

Individualist

das Blöde ist ja, dass der Therapeut als Hilfe bei der Bearbeitung von Funkelsteins momentaner Gefühlslage überhaupt nicht in Betracht kommt. Weil er sie selbst losgetreten hat, und weil er persönlich höchst involviert ist, ist er als Therapeut definitiv disqualifiziert.

Das absurde an der ganzen Sache ist ja vor allem, dass er sich durchaus als in Betracht kommend einschätzt. Letzte Woche wollte er meine (durch ihn und sein Verhalten verursachte) emotionale Misslage ausschließlich auf sachlicher Ebene besprechen, zeigte sich ganz in seiner Funktion als Therapeut. Die Tatsache, dass er selbst nicht nur involviert, sondern Auslöser ist, ließ er außen vor.

Einige hier (und auch ich) hatten das als "Zurückrudern", als "Versuch, doch noch die Kurve zu kratzen" gesehen und vermutet, dass ihm möglicherweise seine Grenzüberschreitung erst durch/mittels Supervision bewusst geworden ist.

Nachdem er montags versuchte, mich zu erreichen – nicht von seiner Praxisnummer aus; private Emailadresse – glaube ich das nun nicht mehr.

Das kann doch gar nicht sein, oder? Erst durchbricht er mit seiner Eröffnung die Grenze zwischen Therapie und Privatleben, zieht aber eine Woche später die Bremse, schwenkt, als wäre nichts gewesen, wieder auf professionelles Verhalten um, um einige Tage später erneut einen (privaten) Kontaktversuch zu unternehmen?

Das ist so irritierend und verunsichernd. Bei den Versuchen, mich in ihn hineinzuversetzen, um sein Verhalten verstehen zu können, ist es egal, welche seiner spekulativen, theoretischen Denkweisen ich versuche nachzuvollziehen: es gelingt mir in keiner Weise, es zu verstehen oder einen Grund, einen Sinn zu erkennen.

PeeKlee

es ist durchaus möglich dass die Therapie wieder auf echte Therapiefüsse kommt. Wenn nämlich sowohl Funkelstein als vor allem auch der Therapeut transparant mit ihren Gefühlen umgehen. So können sie sich gegenseitig verstehen und auch wieder Abstand nehmen.

Was diese Entscheidung betrifft, konnte ich mich nach wie vor tatsächlich noch nicht festlegen. Die Gesamtsituation ist für mich zu "undefiniert". Zu viele Fragen und Unklarheiten (meinerseits) stehen im Raum und erst, wenn diese zum größten Teil ausgeräumt sind, weiß ich, woran ich bin und ob ich diese Therapie weiterführen will.

Mit dem letzten Post von Funkelstein bleibt bei mir die Frage wie schnell sie selbst ein freundschaftliches Verhâltnis installiert oder ein professionelles Verhältnis als Freundschaftsverhältnis erfährt.

Bisher hatte ich an dieser Stelle gesagt, dass ich immer darum bemüht bin, mich in meinem (Kommunikations-)Verhalten aus verschiedenen Gründen sachlich und zurückhaltend zu zeigen. Das ist auch so, bewusst bemühe ich mich ganz grundsätzlich, aber vor allem in der Therapiesituation um neutrales Handeln auf der Beziehungsebene. Ich weiß und habe aber auch schon diesbezüglich Rückmeldungen bekommen, dass ich mich in meiner Art, mit Menschen umzugehen, manchmal (zumeist unbewusst) ambivalent zeige. Ein früherer Partner etwa warf mir unbeständiges Verhalten vor und beschwerte sich darüber, nicht im Vorhinein wissen zu können, woran er an mir an diesem Tag sei. Das bezieht sich darauf, dass ich meistens oder beinahe immer ein (äußerlich) ruhiger, unverbindlicher Mensch bin. Nicht distanziert oder kühl, aber freundlich-zurückhaltend. An manchen – ich glaube, unspezifischen – Tagen, gehe ich mit anderen Menschen aber – anders als für gewöhnlich – erschreckend distanzlos um. Dann kann es durchaus vorkommen, das gebe ich zu, dass ich mich mit mir eher fremden oder zumindest nicht sehr nahestehenden Personen sehr verbindlich, zu verbindlich und vertraulich unterhalte. Das sind keine Flirts, ich meine das nicht unbedingt auf diese Ebene bezogen. Das ist mehr ein dem Gegenüber vorschnelles, verbales Nahekommen. Es kommt nicht sehr oft vor. Meistens bin ich, wie bereits geschrieben, sehr kontrolliert. Wenn es vorkommt, kann mein Gegenüber möglicherweise annehmen oder empfinden, mein Verhalten impliziert definierte Gefühle oder einen bestimmten Zweck. Möglicherweise kann es die Entstehung von intimen Gefühle begünstigen. Ja.

Die Sache ist aber: ich bin mir sehr sicher, dass mir eine solche "Entgleisung" gegenüber meines Therapeuten nicht passiert ist. Rückblickend kann ich es natürlich nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen, denn manchmal ist mir nicht bewusst, wenn ich von meiner grundsätzlichen Distanziertheit in die Distanzlosigkeit "rutsche". Zumeist merke ich das allerspätestens an der Reaktion meines Gegenübers, aber im Falle des Therapeuts gab es hierfür keinerlei Hinweise.

Das hier

Im Moment aber hat Funkelstein leider gar nicht die Freiheit, über Abbruch und Fortsetzung der Therapie zu entscheiden, weil sie insoweit vor vollendeten Tatsachen steht. Sondern allenfalls über Abbruch und Fortsetzung des Kontakts.

ist allerdings eine gute Idee um Therapie und Kontakt auseinanderzuhalten. Doch denke ich dass die Grenzen fliessend sind.

Diesen Denkansatz finde ich wirklich gut. Danke dafür.

Kadhidya

Vielleicht kannst Du deswegen besser mit männlichen Therapeuten, weil ihr euch auf einer anderen (emotionalen) Ebene befindet – eine Ebene, die in letzendlicher Konsequenz zu solchen übergroßen Nähegefühlen/Verliebtheit mündet.

Ich habe zu männlichen Personen, nicht nur zu männlichen Therapeuten, generell einen ganz anderen, vermutlich besseren Zugang als zu weiblichen. Dem liegen persönliche Erfahrungen zu Grunde und darum ziehe ich männliche Therapeuten auch weiblichen vor, ja. Ob das alleine aber Verliebtheit in dem Therapeuten auslöst bzw. auslösen kann?

F|unkielstxein


An dieser Stelle möchte ich erneut danke für alle Ansätze, Hinweise, Ideen und Überlegungen sagen. Ist man selbst Teil einer Situation, fällt es oft schwer, Zusammenhänge in ihrer Ganzheit und aus verschiedenen Perspektiven wahrnehmen und verstehen zu können. In dieser Hinsicht ist mir der Austausch hier eine große Hilfe.

Mir ist bewusst, meine Angaben sind sehr vage und die Situation nur schemenhaft umrissen. Ich kann mir vorstellen, es ist nicht einfach, meinen Ausführungen zu folgen und sich eine Vorstellung der Lage zu machen. Dass trotzdem Versuche unternommen werden, das zu tun, freut mich. Danke! @:)

Ple|eKvlexe


aber vor allem in der Therapiesituation um neutrales Handeln auf der Beziehungsebene.

Da fällt mir spontan zu ein dass das was man auf jeden Fall vermeiden möchte, einen gerne hinterrücks mit doppelter Schlagkraft einholt. Ich glaube auch dass du dir selber keinen Gefallen tust, wenn du auf das neutrale Pferd setzt. Denn in Therapie ist gerade die Beziehung der am höchsten wirksame Faktor. Wenn die Beziehung von deiner Seite vor allem als Übungsterrein gebraucht wird um dich in neutralem Handeln zu üben, dann schärfst du damit die Stimme des inneren Kritikasters der dir anscheinend zu sagen scheint dass du zu allen höflich, neutral und nicht belastend sein sollst. In Richtung von Individualist ist ganz kurz zum Vorschein gekommen was möglicherweise unter der neutralen Haltung schlummert.

Was da im Falle deine Therapeuten alles passiert, weiss ich auch nicht. An deiner Stelle würde ich deine Zweifel und deine Beobachtungen, so wie du sie hier beschrieben hast, auch mit dem Th besprechen.

K'adh idyxa


Ich habe zu männlichen Personen, nicht nur zu männlichen Therapeuten, generell einen ganz anderen, vermutlich besseren Zugang als zu weiblichen. Dem liegen persönliche Erfahrungen zu Grunde und darum ziehe ich männliche Therapeuten auch weiblichen vor, ja. Ob das alleine aber Verliebtheit in dem Therapeuten auslöst bzw. auslösen kann?

Nicht unbedingt Verliebtheit, sondern Nähe.

Und wenn man zwischen lauter Extrem-Problemen so eine nette junge Frau hat, der man nahe ist... Wenn man evt auch wenig (weibliches) Privatleben hat... Da kann sich die gefühlte Nähe des männlichen Therapeuten halt unangenehm vertiefen.

Ich würde das eben als möglichen Grund sehen, im Zusammenspiel mit den nicht "ganz so" schlimmen Therapiehintergründen (Du stehst ja nicht kurz davor, Schlaftablettten zu schlucken oder hast Psychosen oder sowas) sowie einem analytischen hochintelligenten Geist. Wenn dazu dann noch ein Fehlen von privaten Kontakten auf seiten des Therapeuten kommt – ist so eine Situation eigentlich nicht überraschend.

EYnqergxya


Liebe Funkelstein

Ich habe das auch öfter erlebt mit Männern, wie diese Nähe entsteht, weil da einerseits diese vergeistigte Haltung besteht und andererseits durch die vielen Gespräche eine Nähe heranwächst, der sich nun mal auch ein Therapeut nicht entziehen kann. Wenn Du aber erzählst, dass Du Dich beim Therapeuten fallen lassen und heulen kannst, ist es doch schon so, dass er auch Deine distanzlose Seite kennenlernt. Vielleicht erzeugt der Wechsel zwischen Distanz und Distanzlosigkeit dieses Verwirrnis bei Deinem Therapeuten. Ich habe das selbst gemerkt, wie Männer dadurch geradezu manipuliert werden können durch Distanz und dann wieder der Wechsel zu Nähe. Das stürzt sie unweigerlich in ein Gefühlschaos. Deshalb denke ich schon, dass Du hier einen Effekt ausgelöst hast durch Dein ganz spezielles Verhalten von vertraulicher Hinwendung und vergeistiger Distanzierung. Ich weiß aus eigener Erfahrung um diesen Effekt, nur bin ich meistens ganz froh darum, weil ich eher die Tendenz habe, meine Therapeuten und Ärzte an mich binden zu wollen und mir ein Netz an Vertrauensärzten aufzubauen.

Ich denke, mit Deiner analytischen Herangehensweise wirst Du Deinen Therapeuten sicher wieder in den Griff kriegen. Er scheint doch sehr beeinflussbar zu sein. Wahrscheinlich bist Du diejenige, die ihn geistig dominiert. Das passiert mir auch oft. Du bist Dir dieser Wirkung wahrscheinlich nicht bewusst, weil Du den Verstand als Hilfsnetz benutzt (tue ich auch), es entlastet Dich in Deinen Gefühlen. Aber genau dadurch entsteht ein Gefühlsgefälle, welches das Gegenüber kompensierend ausfüllen will. Das könnte die Gefühle Deines Therapeuten erklären.

Wie es bei euch auch ausgehen mag, es liegt in Deiner Hand, ob Du mit dieser Erfahrung etwas über Dich selbst dazulernst oder einfach eine weitere negative Erfahrung bilanzierst. Es geht doch auch darum, sich weiterzuentwickeln und sich der eigenen Wirkung auf andere bewusst zu werden.

FXunkelst1ein


PeeKlee

Da fällt mir spontan zu ein dass das was man auf jeden Fall vermeiden möchte, einen gerne hinterrücks mit doppelter Schlagkraft einholt.

Ich glaube, das scheint tatsächlich ein ganz wesentlicher Punkt zu sein... :-/

Ich glaube auch dass du dir selber keinen Gefallen tust, wenn du auf das neutrale Pferd setzt. Denn in Therapie ist gerade die Beziehung der am höchsten wirksame Faktor.

Meinst du? Ich differenziere da immer zwischen "neutral auf der Beziehungsebene" und "neutral auf der Gefühlsebene". D. h., spreche durchaus über emotionale Themen und verstecke die damit verbundenen Emotionen auch nicht, verhalte mich also an dieser Stelle allgemein gesehen nicht "neutral". Ihm, dem Therapeuten gegenüber bleibt die Neutralität aber trotzdem erhalten. Ich meine also, nur weil ich möglicherweise aus irgendeinem themenspezifischen Grund (z. B.) auch einmal weine (oder sonstige Gefühlsregungen zeige), hat das noch keinen Bezug auf das persönliche Verhältnis zwischen dem Therapeuten und mir, der Patientin.

Anders wäre es, wenn ich mein Weinen (oder jegliche andere Gefühlsregung) auf ihn bezöge. Oder sehe ich das falsch und man kann diese beiden, von mir genannten Ebenen gar nicht trennen? Ist es egal, auf welche Art und in welchem Zusammenhang man emotional handelt? Selbst, wenn es keinen direkten Bezug zu ihm gibt, kann es an meiner ihm gegenüber empfundenen und ausgestrahlten Neutralität "rütteln"?

Kadhidya

Danke für deine ausführliche Erklärung. Jetzt erscheint mir dein Gedanke durchaus sinnig. Was sein Privatleben und die Quantität sowie Qualität seiner weiblichen Privatkontakte betrifft, habe ich keine Ahnung. Ich weiß nichts von seinem Privatleben, abgesehen von einer Hand voll sehr belangloser Dingen. Grundsätzlich kannst du aber auf jeden Fall richtig vermuten.

Energya

Wenn Du aber erzählst, dass Du Dich beim Therapeuten fallen lassen und heulen kannst, ist es doch schon so, dass er auch Deine distanzlose Seite kennenlernt.

Jein. Obwohl ich mich auf Grund der Vertrauensbasis (auf rein therapeutischer Ebene) zwischen ihm und mir zwar "fallenlassen" und inhaltlich, manchmal auch emotional öffnen kann, impliziert das nicht automatisch, dass ich mich ihm gegenüber distanzlos verhalte. Siehe meine Antwort an PeeKlee. Ich unterscheide da zumindest zwei Ebenen. Wie er das für sich empfindet und handhabt weiß ich allerdings nicht.

Vielleicht erzeugt der Wechsel zwischen Distanz und Distanzlosigkeit dieses Verwirrnis bei Deinem Therapeuten. Ich habe das selbst gemerkt, wie Männer dadurch geradezu manipuliert werden können durch Distanz und dann wieder der Wechsel zu Nähe. Das stürzt sie unweigerlich in ein Gefühlschaos. Deshalb denke ich schon, dass Du hier einen Effekt ausgelöst hast durch Dein ganz spezielles Verhalten von vertraulicher Hinwendung und vergeistiger Distanzierung.

Ja. Würde ich in der Therapeuten-Patienten-Beziehung tatsächlich eine ständig wechselnde Distanziertheit-Distanzlosigkeit an den Tag legen, könnte ich nachvollziehen und verstehen, dass es eine "Gefühlsentwicklung" auslösen und/oder fördern kann.

In Verbindung mit ihm, mit diesem Therapeuten, habe ich die Situation (bisher) allerdings so eingeschätzt und in Erinnerung, dass es keine Grenzüberschreitungen hinsichtlich distanzlosem Verhalten meinerseits gab. Bewusst (!) ist mir tatsächlich nichts dergleichen in Erinnerung. Wie gesagt, ich will es nicht mehr gänzlich ausschließen, denn oftmals oder zumeist geschieht so etwas vor allem unbewusst. Dennoch habe ich vor seinem Geständnis keinerlei Vorzeichen oder Reaktionen von ihm bemerkt oder wahrgenommen. Das kam für mich aus heiterem Himmel und vollkommen unvorbereitet.

Du bist Dir dieser Wirkung wahrscheinlich nicht bewusst, weil Du den Verstand als Hilfsnetz benutzt (tue ich auch), es entlastet Dich in Deinen Gefühlen. Aber genau dadurch entsteht ein Gefühlsgefälle, welches das Gegenüber kompensierend ausfüllen will.

Gefühlsgefälle. Oh, das ist interessant. Darüber muss ich gleich intensiver nachdenken. Danke!

Wie es bei euch auch ausgehen mag, es liegt in Deiner Hand, ob Du mit dieser Erfahrung etwas über Dich selbst dazulernst oder einfach eine weitere negative Erfahrung bilanzierst. Es geht doch auch darum, sich weiterzuentwickeln und sich der eigenen Wirkung auf andere bewusst zu werden.

Ja. Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich das als Chance für mich und meine Entwicklung wahrnehmen kann, oder ob mich das eher unter Druck setzt und belastet... Ich muss darüber nachdenken.

Ewnerxgyxa


Liebe Funkelstein

Dein Therapeut ist ein eigener Mensch. Ob er diese Deine Unterscheidung, die eine rein innere darstellt, nämlich eine sozusagen neutral an ihn gewandte Erzählung von Intimitäten für ihn selbst ebenso neutral empfangen wird, sei dahingestellt. Offenbar nicht.

Ich las einmal in einem Buch eines Insiders, selbst Therapeut, dass Therapeuten offenbar vielfach Mühe haben, wenn ihre Patientinnen sie nicht als geschlechtliches Wesen betrachten, sondern als neutrale Projektionsfläche, vielleicht sogar in rein kindlicher Hinwendung. Das sei eine narzistische Kränkung, womit Therapeuten umgehen müssen.

Also irgendwo scheint es offenbar doch nicht so einfach zu sein. Therapeuten bleiben eben Männer und können sich selbst nicht komplett neutralisieren für die therapeutische Situation. Das war schon bei Freud ein Thema und Ergebnis war letztlich die Erkenntnis, dass der Therapeut sich seiner Gegenübertragung stellen soll als therapeutisches Mittel. Seine Gegenübertragung habe mit der Problematik des/der PatientIn zu tun.

So gesehen ist die Verliebtheit des Dich spiegelnden Therapeuten eine Reaktion auf Deine analytische Übertragung. Sie spiegelt etwas zurück, was Du ausgesandt hast. Ich vermute, es ist eben Dein rationaler Umgang mit höchst intimen Gefühlen, ein enormer Widerspruch von Logik und (gefühlter) Authentizität. Dein Therapeut ist authentisch und Du bist es nicht.

So meine Vermutung aufgrund meiner eigenen Erfahrung, denn ich mache das so und erlebe ähnliche "gefühlvolle" Reaktionen auf meine rational beschriebenen Lebensintimitäten. Mein Therapeut hat mir das auch gesagt. Er wirkte am Anfang lehrhaft distanziert, aber am Ende war ihm dies nicht mehr möglich bei mir, weil meine Rationalität ihn gefühlsmäßig reagieren ließ. Das war auch bei den anderen Therapeuten so. Sie waren an meiner Stelle authentisch, während ich stoisch ruhig blieb, auch bei ganz schlimmen Ereignissen, die ich beschrieb. Ich habe meine Authentizität, Spontaneität und Mimik verloren. Ich kann mein selbst Erlebtes nicht mehr authentisch fühlen, weil ich mich dazu rational distanzierte. Nur bei ganz wenigen einschneidenden Erlebnissen brechen Gefühle ungewollt durch, dann kann ich einfach nicht mehr reden.

Dass die Therapeuten so gefühlsvoll reagieren, plätschert an mich heran und ich spüre, dass sie normal und spontan empfinden und ich es bin, die nicht fühlt deshalb das alles komplett übertrieben wahrnimmt bei anderen.

Ich hoffe, das bringt Dich weiter. Heute werde ich meinen Therapeuten sehen. Da ich meine Gefühle mimisch nicht zeigen kann, überlege ich mir genau, wie ich sie in Worte fasse, damit er sich genug als Mensch "geliebt" fühlt trotz meiner rationalen Kälte. Er wirkte oftmals verunsichert, weil ich ein Pokerface habe. Er weiß ja nicht, dass ich sehr wohl fühle, aber das alles irgendwie ganz tief in mir sitzt und nicht einfach so an die Oberfläche kommt. Na ja, ein anderer Therapeut sagte, als ich danach fragte, weil ich innerlich immer wohlwollend empfinde zu allen Menschen, ich habe ein "liebes" Pokerface. Ein kleiner Trost.

Lieben Gruß

IHnCdivid'ualixst


Energya

Ich finde deine Gedanken grundsätzlich höchst interessant und wertvoll, und ich gebe dir in Vielem Recht. Allerdings frage ich mich auch an manchen Stellen, ob du möglicherweise eigene Erfahrungen und Bedürfnissse zu direkt auf Funkelsteins Situation überträgst?

Und hier erhebe ich ganz entschieden Einspruch:

So gesehen ist die Verliebtheit des Dich spiegelnden Therapeuten eine Reaktion auf Deine analytische Übertragung. Sie spiegelt etwas zurück, was Du ausgesandt hast. Ich vermute, es ist eben Dein rationaler Umgang mit höchst intimen Gefühlen, ein enormer Widerspruch von Logik und (gefühlter) Authentizität. Dein Therapeut ist authentisch und Du bist es nicht.

O je. Ganz schön wild spekuliert, und munter psychoanalytische Terminologie auf eine VT übertragen (sic!). Weder ist dieser Therapeut "kühl und unbeteiligt wie ein Spiegel", so wie Freud es bekanntlich forderte, noch glänzt er aktuell durch Authentizität, wie zumindest die letzte "Therapie"stunde zeigte.

Es mag ja was dran sein an dem was du sagst, aber was ich daran höchst problematisch finde, ist der indirekt enthaltene Freispruch des Therapeuten, die stillschweigende Unterstellung, Funkelstein habe diesen Verlauf letztlich selbst zu verantworten; der Therapeut spiegele ja nur wider, was von ihr komme. Das geht so nicht. Mich erinnert das – man verzeihe mir den drastischen Vergleich – fatal daran, dass manche vergewaltigte Frau sich hinterher anhören muss, sie habe es ja selbst herausgefordert.

Funkelstein hat als Schutzbefohlene in diesem Verhältnis grundsätzlich weitgehende "Narrenfreiheit" – in keinem Fall kann sie für Grenzüberschreitungen des Therapeuten verantwortlich gemacht werden, selbst wenn sie "einladende" Signale ausgesendet haben sollte. Ob sie das getan hat, ist durchaus betrachtenswert, aber wenn, dann allein aus Gründen der Selbsterkenntnis, und nicht um den Therapeuten zu entlasten.

Energya, ich sage nicht, dass du es mit der Verantwortlichkeit so gemeint hast. Aber allein die Tatsache, dass man deine Worte so lesen kann, ist mir Grund genug, es nicht so stehen lassen zu wollen.

ESnexrgya


@ Individualist:

Das mit der Verantwortlichkeit habe ich tatsächlich NICHT so gemeint. Meine Schwester wurde Missbrauchsopfer. Sie dachte, sie habe irgendetwas falsch gemacht. Ich hab das natürlich entschieden klargestellt, dass sie keineswegs schuld hatte. – Aber die Situation bei Funkelstein ist nun wirklich eine andere, sie wurde ja nicht sexuell belästigt, zumindest las ich nichts davon. Ich halte gerade aufgrund meiner Familiensituation mit einem Missbrauchsopfer nichts davon, voreilig von Missbrauch zu sprechen, damit tut man den wirklichen Missbrauchsopfern sehr Unrecht. Also bitte lassen wir diese Thematik da raus. Bisher hat ein Therapeut nur seine Gefühle bekannt und eine E-Mail geschrieben, nichts weiter. Lassen wir die Kirche im Dorf.

I,ndipvidYua%list


Irgendwie bestätigst du meinen Eindruck, persönliche Erfahrungen allzu direkt auf diese Diskussion zu übertragen. Wie kommst du nun auf Missbrauch? :-o

Nicht mit dem geringsten Hauch einer Andeutung habe ich dem Therapeuten irgendwas in Richtung Missbrauch unterstellt. Ich habe von Grenzüberschreitung gesprochen, nicht mehr und nicht weniger. Und ja, das ist es ohne Zweifel, wenn man professionelle Maßstäbe anlegt.

E3ner.gyxa


Das war wegen Deinem Vergleich mit der Vergewaltigung. Meine Schwester wurde brutal vergewaltigt mit 14, ich finde solche Vergleiche sehr heikel, vor allem wenn Du gar nicht von Missbrauch geredet hast. Das war sehr unglücklich gewählt als Beispiel, finde ich.

IFndi/v<idQualisxt


Mag sein. Ich hatte allerdings gehofft, durch den entschuldigenden Hinweis auf den drastischen Vergleich genügend Sicherheitsabstand gegen Fehlinterpretationen eingelegt zu haben, aber das war wohl nicht der Fall.
Deshalb nochmal explizit: Selbstverständlich wollte ich die Grenzüberschreitung des Therapeuten nicht auf die Stufe eines Verbrechens stellen! :|N Es ging mir bei dem Vergleich lediglich um die Ähnlichkeit der Denkmuster, um anhand eines prägnanten Beispiels deren Unzulässigkeit deutlich zu machen!

Von dieser meiner Kernaussage möchte ich mich nun auch nicht weiter ablenken lassen.

Für deine Schwester, und was sie erleben musste, tut es mir sehr leid. Ebenso auch für die Gefühle, die ich aufgrund dieser Erlebnisse ungewollt bei dir ausgelöst haben mag. :)*

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