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Disziplinarische Entlassung aus der Psychiatrie?

srchnecklex1985 hat die Diskussion gestartet


Liebe Mitleser!

Ich wollte mal fragen, ob jemand weiß, ob es rechtens ist, jemanden aus der Psychiatrie wegen mangelnder Initiative zu entlassen? Was denkt sich ein Arzt dabei? Wie sieht es mit dem hippokratischen Eid und dem Recht auf medizinische Versorgung aus? Sollten nicht grade die Wiederspenstigen länger eingesperrt werden?

Antworten
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Sollten nicht grade die Wiederspenstigen länger eingesperrt werden?

Was ist denn das für eine Frage? Die Psychiatrie ist nicht "zur Widerspenstigen Zähmung" da. Es geht darum, den Patienten zu helfen und wenn aufgrund von mangelnder Compliance seitnes des Patienten nichts zu machen ist (beispielsweise wenn er notwendige Medikamente nicht nehmen will), was bleibt den Ärzten da übrig, als zu entlassen?

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Vor welchem Hintergrund stellt Du diese Frage?

Soll hier ein Patient entlassen werden, weil er nicht genug mitarbeitet?

PZeeKtlexe


Nicht entlassen werden darf nur bei gezwungener Aufnahme (bei Gefahr für sichselber oder für die Umgebung).

Bei einer freiwilligen Aufnahme verpflichtet sich der Patiënt den Hausregeln zu folgen und sich in die gebotene Behandlung zu begeben. Das heisst nicht dass er zu allem Ja und Amen sagen muss, aber es wird schon erwartet dass eine gewisse Bereitschaft zur Mitarbeit zu sehen ist.

Die medizinische Versorgung ist gegeben, dem Patiënten steht es frei zu einem ambulanten Psychiater zu gehen um die medikamentöse Versorgung zu gewährleisten oder sich aufs Neue in der Einrichtung anzumelden.

der ethische, hippokratische Eid wird auch nicht gebrochen, denn es gibt wie gesagt, weitere Versorgungsmöglichkeiten.

Denkst du an einen konkreten Fall?

s&chKnecke]19x85


Konkret gehts um mich

Aufnahme auf eigenen Wunsch (längere depressive Phase mit SVV, Bulimie)Die Entlassung erfolgte mit der Begründung, dass die Patientin zu wenig Therapien besucht und sich zu sehr selbst bemitleidet hat. Außerdem stelle sie sich zu sehr in den Mittelpunkt der Station (Heulen, leerer Blick, einmal SVV mit Schere, Jammern über Schlaflosigkeit, innerer Leere)

TQestr5ale


was würdest du denn als Ärztin mit solch einer Patientin machen?

PEee8Klexe


Schnecke, die Erwartungen die an die Patiënten gestellt werden, hängen ab von der Abteilung wo du warst. Kurzzeitige Aufnahmen, Krisenaufnahmen stellen was das betrifft, weniger Regeln und Ansprüche als Behandlungsabteilungen.

Warst du in einer Behandlungsabteilung, dann kann ich mir vorstellen dass sie dich aufgrund dieses Verhaltens entlassen haben.

Aber doch nicht ganz ohne Gespräch? deine Ziele befragen, nach eigenem Einsatzwille und -möglichkeiten ausloten.

Ganz kurz, und das tut der komplexen Situation wahrscheinlich Unrecht: augenscheinlich ging es dir nicht gut und du hast SVV gezeigt. Gleichzeitig konntest oder wolltest du nicht ausreichen an den Therapien teilnehmen? Wie kann dir dann dort noch geholfen werden?

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Ich arbeite selber in einer psychiatrischen Klinik. Disziplinarische Entlassungen sind strenggenommen etwas anderes als eine Entlassung aufgr. mangelnder Motivation.

Disziplinarisch bedeutet: Verstoß gegen klare Regeln. Klare Zuwiderhandlungen, was Therapie & Stationsalltag angeht. Im Klartext: Rauswurf wg. schlechten Verhaltens, was NICHTS mit der Erkrankung zu tun hat.

Eine Entlassung wg. mangelnder Therapiemotivation:

Was soll man denn mit einem Patienten machen, der selber nicht WILL? Der nicht zugänglich ist, alles boykottiert? Man kann niemanden zu einer Behandlung zwingen. Ausnahme sind da lediglich Fälle akuter Eigen- oder Fremdgefährdung, wo dann Maßnahmen gerichtlich angeordnet werden. Aber selber eine Medikation gegen den Willen eines Patienten geht nur mit richterlicher Anhörung und Anordnung.

Wenn jemand aber keine Behandlung will, nicht an Therapien teilnimmt (ist bei mir auf der Staiton häufiger Entlassungsgrund: Unterkunft und warme Mahlzeiten nimmt man gerne, Therapietermine: Wozu denn?) – dann kann man auch gehen. Eine Klinik ist kein Hotel.

Im somatischen Bereich werden Patienten ja auch entlassen, die nicht operiert werden wollen.

In dem konkreten Fall ist der Punkt letztlich: Zu wenig besuchte Therapien. Alles andere (Selbstverletzung auch auf Station, Jammern über diverse Dinge, Tränen) ist banaler Stationsalltag, weswegen niemand entlassen wird.

Man kann aber nicht erwarten, dass einem eine Klinik hilft, wenn man das Angebot nicht annimmt. Wie soll das funktionieren?

Und was Selbstverletzungen angeht, gibt es i.d.R. auch klare Regeln: Meldung & Verhaltensanalyse = Therapie & Bleiben, Verheimlichung = mangelnde Therapiemotivation. Sind zumindest die klassischen Therapievereinbarungen.

Der Punkt ist auch: Eine solche Entlassung ist keine Absage für die Ewigkeit. Wenn man selber bereit ist, mehr mitzuarbeiten, d.h. wenn man sich auf das schon bekannte Programm einlassen kann, kann man jederzeit wiederkommen.

Der Knackpunkt wird sein:

Wie soll eine Klinik helfen, wenn das Hilfsangebot nicht angenommen wird? Psychotherapeutische Behandlung funktioniert nur über Teilnahme an Therapien.

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