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Das Gefühl: ich gehöre hier nicht mehr her

GNaurajo@naxy hat die Diskussion gestartet


Ich war mit meinem Leben im Großen und Ganzen immer zufrieden. Bin zum Studium in eine Stadt gezogen, die 800km vom Wohnort weg ist, danach dort einen Job gefunden und geblieben. Später dann in dieser Stadt meinen Traummann kennengelernt und ihn geheiratet. Ich habe gute Freunde, mit denen ich immer viel unternommen habe, wohne in einem schicken Stadtteil, habe einen guten Job. Alles perfekt, rundum glücklich. Doch plötzlich wurde alles anders.

Dann habe ich ein Kind bekommen (absolutes Wunschkind), habe Elternzeit vom Job genommen, bin in dieser Zeit trotz Säugling sehr viel gereist und habe viel gesehen und erlebt. Anschließend kam ich zurück hierher, in das Leben, mit dem ich immer glücklich war, und plötzlich fühle ich mich hier so fremd, als ob ich nicht mehr hierher gehöre.

Der Stadtteil, den ich immer liebte, ist zwar immer noch schön, wirkt jetzt aber aufgesetzt, künstlich und schnöselig. Mir gehen die Leute auf die Nerven, die mit ihrem fünf-Euro-Kaffee im Designer-Anzug durch die Straßen tingeln um sehen und gesehen zu werden.

Meine Freunde, mit denen ich bisher (scheinbar?) auf einer Wellenlänge war, gehen mir mittlerweile fast ausnahmslos auf die Nerven. Ich bin nach jedem Treffen froh, wieder meine Ruhe zu haben und frage mich, wie ich all die Jahre mit "solchen Leuten" überhaupt befreundet sein konnte.

Mein Job macht mir immer noch sehr viel Spass, aber auch hier bemerke ich, dass ich mich immer mehr versuche, von den Kollegen zu distanzieren. Früher fand ich sie immer sehr nett, habe gerne mit ihnen geredet. Mittlerweile empfinde ich sie als unhöflich und ungehobelt und suche immer schnellstmöglich das Weite.

Das Problem ist: im Grunde genommen hat sich ja nichts verändert, außer ich selbst. ABer wie kann ich das wieder zurückdrehen? Geht das überhaupt? Wieso fühle ich mich hier so fremd und leer?

Irgendeine Idee? Danke, dass ich mich mal ausjammern durfte.

Antworten
ALz?ucefna1


Hallo Garajonay,

wie kommst du zu so einen schönen Namen? :-) Warst du schon einmal dort?

Möchtest du überhaupt wieder "zurückdrehen"? Wahrscheinlich hast du dich wirklich verändert. Du sagst ja, dass dir die Leute auf die Nerven gehen, dass deine Kollegen unhöflich und ungehobelt sind. Mit den Kollegen braucht man ja privat auch keinen Kontakt zu haben. Das möchte ich mit meinen auch nicht. Privat habe ich auch von einigen Freundschaften Abstand gehalten. Wir alle verändern uns und oftmals hat man nicht mehr die gleichen Interessen, wie vor ein paar Jahren. Deine Interessen und Wertvorstellungen haben sich wahrscheinlich geändert und da ist nichts Schlimmes daran. Vielleicht ist es sogar gut so?! Du könntest dir auch einen neuen Bekanntenkreis, aufbauen, dir ihn dort suchen, wo deine Interessen momentan sind.

LG, Azu

AxprFikosenmaxrmelade


Du bist durch dein Kind in einen anderen Lebensabschnitt gestoßen. Zumindest sagt man das gemeinhin so. Du übernimmst für einen anderen Menschen Verantwortung, was eine große Lebensaufgabe sein kann. Dass dies dich verändert, ist nur verständlich.

Viele Leute hinterfragen, wenn sie Kinder haben, eher ihr Tun und Handeln. "bin ich vorbildlich genug", "vermittele ich die richtigen Werte" usw. (das reflektieren nicht zwingend alle, aber eben doch sehr viele, da sie für ihr Kind nur das Beste wollen und möchten, dass ein toller erwachsener Mensch aus ihm/ihr wird).

Du hast jetzt andere Prioritäten und bist jetzt vielleicht auch einfach sozialer und möchtest deine Lieben vor den blöden Alltagssachen schützen.

Status ist dir ganz einfach nicht mehr so wichtig. Ist es im Grunde genommen auch nicht, nur brauchen eben viele Menschen Ziele oder eben etwas, woran sie sich klammern können. Du hast jetzt etwas, das viel nachhaltiger ist: dein Kind. x:)

Sei stolz darauf, dass du gelernt hast, so umzudenken. :-)

Ich glaube nicht, dass jemand, der nur auf Status und Renommé aus ist, wirklich so gut für Kinder ist. %-|

Möglicherweise wäre es für euch keine schlechte Idee, in eine andere Gegend zu ziehen und euch einen neuen Freundeskreis zu erschließen. Vielleicht indem du mit deinem Kind auf andere Mamas stößt und mit denen in Kontakt trittst? Du wirst sehen, dass die Gemeinsamkeit Kind ungemein verbinden kann. Und du hast dann auch weniger dieses Status-Gelaber, das im Übrigen auch mir selbst sehr zum Halse heraushängt.

Apropos, ich könnte auch nichts mit Leuten anfangen, die 5 Euro für ihren Kaffee ausgeben. Für mich ist das Verschwendung.

GIaraj`onaxy


Hallo Ihr beiden,

danke Euch, das habt Ihr echt klasse und treffend geschrieben!

Ja, ich habe mich wohl durch mein Kind geändert. Aber mir kam jetzt noch nie in den Sinn, das positiv zu sehen. Ich denke irgendwie immer, ich sei falsch, weil mich mein Umfeld jetzt plötzlich nervt. Vielleicht sollte ich mir wirklich einen neuen Bekanntenkreis aufbauen, andere Mamas kennenlernen...

Das Problem ist eben, bevor ich meinen Sohn hatte, wollte ich nie eine dieser Mamas werden, deren Hauptthema nur das Kind ist. Ich dachte, ich bin doch so viel mehr als nur Mama. Ich wollte nicht im "Nur-Mama-Sein" untergehen. Schwer zu beschreiben, wie ich das meine. Aber vor dem Zustand hatte ich tierische Angst.

Jetzt merke ich, dass ich mich, bevor mein Sohn da war, irgendwie immer nur über den Job definiert habe. Der Job und Beruf war immer das Hauptthema, und mein Freundeskreis besteht nur aus Leuten, die den selben Beruf haben wie ich. Und sie alle sind kinderlos. Wahrscheinlich passt das jetzt einfach nicht mehr.

@ Azu:

ja, ich war dort mehrere Wochen während meiner Elternzeit. Ich liebe diese Insel, und den cafe solo bekommt man dort für 0,70 EUR. :)z

@ Aprikosenmarmelade:

Du hast vollkommen recht. Ein Kind ist "nachhaltiger" als jeder Job oder Status. Den Job kann man morgen verlieren, ein Kind hat man für immer.

Früher habe ich auch immer 5 EUR für einen Kaffee ausgegeben, nie darüber groß nachgedacht, schließlich machen das ja alle so. Heute denke ich, ich lass das mit dem Kaffee und kaufe dafür meinem Sohn lieber ein schönes Buch.

Wenn ich heute dieses Staus-Gelaber und Geschnösel der Freunde und Kollegen höre, könnte ich schreien. Sie hingegen könnten schreien, wenn ich erzähle, wie mein Sohn z.B. sein Essen auf seinen kompletten Klamotten verteilt hat (was ich jedenfalls nicht wirklich schlimm finde, wird er halt umgezogen). Nur mal so als Beispiel :-)

Ahpriko6senmarimeladxe


Na ja, es ist eine bestimmte Sorte Mensch, die dich nervt, weil du dich jetzt eben in einer anderen Lebensposition befindest. Wenn dich Menschen generell nerven würden, solltest du dir Gedanken machen; aber so ist doch nichts dabei. Außer dass du andere Kontakte benötigst. :)

Du und dein Freundeskreis lebt vielleicht auch in unterschiedlichen Welten. So wie du es jetzt beschreibst, klingt es so, als ob eure einzige Gemeinsamkeit das Berufliche war. Ist das tatsächlich so?

AQpriXkosen6marmezlaxde


Ich glaube, man sollte nicht jede Veränderung immer so negativ sehen. :)

KMleixo


Garajonay

Ja, ich habe mich wohl durch mein Kind geändert. Aber mir kam jetzt noch nie in den Sinn, das positiv zu sehen. Ich denke irgendwie immer, ich sei falsch, weil mich mein Umfeld jetzt plötzlich nervt. Vielleicht sollte ich mir wirklich einen neuen Bekanntenkreis aufbauen, andere Mamas kennenlernen...

Inwiefern hast Du Dich verändert?

Das Problem ist eben, bevor ich meinen Sohn hatte, wollte ich nie eine dieser Mamas werden, deren Hauptthema nur das Kind ist. Ich dachte, ich bin doch so viel mehr als nur Mama. Ich wollte nicht im "Nur-Mama-Sein" untergehen. Schwer zu beschreiben, wie ich das meine. Aber vor dem Zustand hatte ich tierische Angst.

Bevor Du nicht weißt, was konkret anders ist, würde ich mich jetzt auch nicht sofort auf die Suche nach der Bekanntschaft anderer "Mama" gehen. Ist es denn so, dass Du jetzt nur Mama?

Jetzt merke ich, dass ich mich, bevor mein Sohn da war, irgendwie immer nur über den Job definiert habe. Der Job und Beruf war immer das Hauptthema, und mein Freundeskreis besteht nur aus Leuten, die den selben Beruf haben wie ich. Und sie alle sind kinderlos. Wahrscheinlich passt das jetzt einfach nicht mehr.

Wodurch entsteht denn jetzt diese Nerverei? Weil sie sich über ihren Beruf definieren? Weil es nicht interessiert, dass Du jetzt ein Kind ast? Willst Du nur über das Kind sprechen?

Du hast vollkommen recht. Ein Kind ist "nachhaltiger" als jeder Job oder Status. Den Job kann man morgen verlieren, ein Kind hat man für immer.

Nunja, Vorbildfunktion heißt ja nicht, dass eine Mutter nur noch Mutter ist.

Früher habe ich auch immer 5 EUR für einen Kaffee ausgegeben, nie darüber groß nachgedacht, schließlich machen das ja alle so. Heute denke ich, ich lass das mit dem Kaffee und kaufe dafür meinem Sohn lieber ein schönes Buch.

Musst Du Dich denn entscheiden? Oder gehen Deine Gedanken im Moment einfach nur in Richtung Sohn?

Wenn ich heute dieses Staus-Gelaber und Geschnösel der Freunde und Kollegen höre, könnte ich schreien. Sie hingegen könnten schreien, wenn ich erzähle, wie mein Sohn z.B. sein Essen auf seinen kompletten Klamotten verteilt hat (was ich jedenfalls nicht wirklich schlimm finde, wird er halt umgezogen). Nur mal so als Beispiel

Worin besteht denn Eure Basis der Freundschaft? Sind es die Gemeinsamkeiten oder das Interesse am anderen? Wenn es ersteres ist, dann ist klar, dass Ihr Euch zumindest im Moment nicht viel zu sagen haben. Ist es das zweiter, dann muss man nicht unbedingt schreien, weil man sich einfach interessiert und dann hört man sich gegenseitig zu.

G?araPjonaxy


@ Aprikosenmarmelade:

mich nerven natürlich nicht alle Menschen allgemein, sondern der Großteil meines Freundeskreises, die Kollegen und die Leute, die hier durch mein Viertel schnöseln. Dass ich mit den Freunden hauptsächlich den Beruf gemeinsam habe, liegt wohl an der Art des Berufs. Es ist ein Job, der einen voll ausfüllt und unter Beschlag nimmt, man ist irgendwie wie in einem Hamsterrad mit Scheuklappen und schaut nicht nach rechts oder links, hinterfragt auch nichts, sondern lebt und schuftet eben irgendwie weiter. Durch die monatelange Auszeit bekam ich Zeit, das alles von außen zu betrachten. Momentan arbeite ich auch nur Teilzeit, bin zwar wieder mittendrin, aber doch irgendwie nicht ganz so wie die anderen. Schwer zu beschreiben....

@ Kleio:

Inwiefern hast Du Dich verändert?

Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht so genau. Eigentlich dachte ich immer, ich sei noch die selbe. Aber irgendwie scheint das nicht zu stimmen, sonst würde ich mich nicht so fühlen. Ich weiß ja leider auch nicht, was los ist :-(

Ist es denn so, dass Du jetzt nur Mama?

Nein, ich bin noch Teilzeit (30 Std./Woche, statt vorher 60) in meinem Job. Ich mache die selbe Arbeit wie vorher, nur eben in weniger Zeit (es wurde nichts gekürzt). Und es macht immer noch Spaß, fast sogar noch mehr als zuvor. Gegen Mittag hole ich meinen Sohn ab und bin den NAchmittag über Vollzeit-Mama und genieße das auch.

Wodurch entsteht denn jetzt diese Nerverei? Weil sie sich über ihren Beruf definieren? Weil es nicht interessiert, dass Du jetzt ein Kind ast? Willst Du nur über das Kind sprechen?

Nein, ich will auf keinen Fall nur über das Kind sprechen. Eigentlich spreche ich es nur an, wenn ich direkt danach gefragt werden, denn ich will sie ja nicht nerven... %:|

Ich mach mal ein Beispiel: ich treffe mich mit einer Freundin im Café (hab das Kind dabei, es schläft, verhält sich absolut ruhig). Früher haben wir uns stundenlang unterhalten. Jetzt wird 15 Min über das Kind gesprochen (ich beantworte ihre Fragen, mehr nicht), dann noch 30 Min über den Job (selber Beruf, in verschiedenen Firmen), 10 Minuten über ein gemeinsames Hobby, und dann ist plötzlich schluss... Sendepause... ich versuche das Gespräch weiter voranzutreiben... es kommt aber nichts, man hat sich nichts zu sagen. War früher nicht so und tut weh. Die Chemie ist nicht mehr da, oder was auch immer...

Dann gibt es noch andere Freunde, die seitdem ich ein Kind habe irgendwie aggressiv reagieren. Muss dazu sagen, wir sind alle Mitte/Ende 30 oder Anfang 40. Vielleicht habe ich durch das Kind etwas, das sie auch gerne hätten oder komplett ablehnen, und das löst Agressionen aus. Ich weiß es nicht...

Musst Du Dich denn entscheiden? Oder gehen Deine Gedanken im Moment einfach nur in Richtung Sohn?

Nein, ich muss mich nicht entscheiden. Ich könnte problemlos 5 Bücher kaufen und 5 Kaffees trinken. Meine Gedanken gehen einfach nur in Richtung Sohn. Ich denke dann: brauche ich das alles?! Muss das sein mit dem 5-EUR-Kaffee?!

Worin besteht denn Eure Basis der Freundschaft?

Wir haben uns alle über den Job kennengelernt. Es arbeiten nicht alle in der selben Firma, aber wenn man in der Branche zu tun hat, dann lernt man eben automatisch Leute kennen, die auch den selben Job haben, aber für eine andere Firma arbeiten. Bei den Arbeitszeiten bleibt nicht viel Zeit für anderes, wenn überhaupt geht man mal ins Fitnessstudio, weil die abends sehr lange auf haben, aber da lernt man keine Leute kennen.

Sorry, wurde etwas lang. {:(

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