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Angst vor Zurückweisung, nicht nur in Beziehungen

n-ickscthonweg hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich versuche mal die richtigen Worte zu finden. Vielleicht hättet ihr ja ein paar Tipps für mich.

Also ich habe, für mich offensichtlich, ein Problem mit Zurückweisungen. Das äußert sich in verschiedenen Situationen. Bei so Dingen die anderen Banal erscheinen wie einen Kredit beantragen bis Dinge die meine Ehe/Beziehungen betreffen.

Ich vermute/glaube das dies auch ein Grund war für meine Scheidung vor 10 Jahren und für die zerbrochenen Beziehungen danach. Nun bin ich wieder verheiratet. Aber ich habe Angst oder Bedenken, dass ich in Wirklichkeit der Grund bin warum mir viele Dinge in dieser Ehe fehlen.

Früher, als Kind und bis ich so um die 25 war ich unendlich schüchtern mit zunächst absolut Null Selbstvertrauen. Das wurde mit dem älter werden und diversen Rhetorik Kursen besser bis Perfekt. Ich habe mir über die Jahre auch eine Fassade zugelegt die mich schützen sollte. Hat auch ganz gut geklappt. Mittlerweile bin ich recht selbstbewusst. Motto: "Jeden Tag eine Peinlichkeit erhöht das Selbstbewusstsein..." ;-D

Soweit so gut. Aber, ich habe ein großes Problem mit Zurückweisungen. Und zwar nur in ganz bestimmten Situationen. Zum Beispiel traue ich mich kaum einen Kredit zu beantragen. Ich würde gerne aber muss mich unendlich lange dazu durchringen. Habe ein Riesenschiss davor das der Bankmensch ablehnt. Klingt total schwachsinnig. Ich weiß. Oder ich möchte zum Beispiel um eine Fristverlängerung für etwas bitten. Das gleiche Problem. Ich kann mir nicht erklären woher das kommt.

Viel schlimmer ist aber das ich in Beziehungen ein Riesenproblem habe. Meine erste Frau hatte wohl ein ähnliches Problem. Die Ehe ging wohl kaputt weil wir nie über unsere Gefühle geredet haben. Das ging uns beiden so. Daher bekam keiner von uns beiden was er wollte. Sei es eine gewisse Innigkeit oder beim Sex. Naja, nach 7 Jahren war Schluss. Ich habe damals die Scheidung eingereicht.

Dann hatte ich eine Beziehung in der meine Freundin zwar über alles reden konnte, wofür ich sie immer bewunderte. Aber ich konnte das nicht und fraß bestimmte Dinge in mich hinein bis ich nach drei Jahren auch da Schluss machte.

Nun bin ich wieder verheiratet und ich muss wieder feststellen das einiges krumm läuft. Auch meine Frau kann über alles reden. Nur ich kann das nicht. Und immer wieder habe ich mir Gedanken gemacht warum ich nicht reden kann und einfach sagen was ich möchte und was mich umtreibt. Ich will diesmal aber etwas unternehmen bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, denn ich merke schon wieder wie ich alles in mich hinein fresse ohne etwas zu sagen. Ich bin mittlerweile davon überzeugt das es daran liegt das ich Angst habe, auch von meiner eigenen Frau, abgewiesen zu werden. Ich weiß, wie soll ich das wissen ohne es zu versuchen. Leicht gesagt.

Ich vermute mittlerweile irgend etwas aus der Kindheit. Also meiner Ex-freundin war mal aufgefallen das auf keinem meiner Bilder von früher zu sehen ist wie ich bei meiner Mutter auf dem Arm bin. Immer nur mit meinem Vater. Ist mir nie bewusst geworden.

Meine Mutter konnte auch nie mit meinem Vater über irgend etwas reden was mit Gefühlswelt zu tun hat.

Ich fühle mich oft ohnmächtig über mich zu reden. Kann es einfach nicht. Nochmal, ich bewundere Leute die das können. Ich denke dann immer das ich mich wundere das die keine Angst haben eine Abfuhr zu bekommen.

Sorry, dass war jetzt viel Text. Aber ich denke man muss auch meine Vorgeschichte ein bissl kennen.

Was sagt ihr dazu und wie macht ihr das?

Antworten
MaollBienbchen


Klingt, als wärest Du darauf programmiert, dass Dir Deine eigenen Bedürfnisse nicht zustehen. Solche Programmierungen finden üblicherweise in der Kindheit statt. Wenn es Deiner Mutter – offensichtlich – auch so geht, hat sie das vielleicht an Dich weitergegeben.

Lke@wia9n


nickschonweg

Ein erster Schritt waere mal, dass du fuer dich aufschreibst, was du sagen wolltest, aber meinst, nicht sagen zu koennen.

Was ist das groessere Problem: Es in Worte zu fassen, oder es der anderen Person zu sagen, nachdem es in Worte gefasst wurde?

Koenntest du deiner Frau sagen, was du hier geschrieben hast (was ja noch nichts ist, das sie als Kritik an ihr auffassen koennte)?

nFickzschsonwxeg


@ mollienchen

Du liegst da gar nicht so verkehrt. Wenn ich drüber nachdenke ist es oft so das ich mich auch nicht traue zu sagen was ich gerne mal möchte. Aber die Angst der Ablehnung ist da größer. Ich habe in meinem ganzen Leben noch mich noch nie getraut zu sagen was ich beim Sex gerne mal machen würde. Außer bei einer bestimmten Frau. Das war die Ex-freundin. Sie war im Bett devot was mir daher zugute kam. Ich hatte ja die Kontrolle.

n(icks{cho0nwexg


@ Lewian

Das aussprechen ist das Problem. Ich weiß ziemlich genau was ich gerne möchte/will. Aber das auch auszusprechen.....

Hier kann ich reden. Und wenn mir einer sagen würde das ist alles Mist was ich hier erzähle wäre ich komischerweise auch nicht sauer. Sondern würde drüber nachdenken.

MyollSicenchexn


@ nickschonweg

Frag Dich mal, was an anderen Leuten vermeintlich "besser" ist, weshalb sie Bedürfnisse haben und aussprechen dürfen und Du das nicht dürfen sollst. Und warum andere derselben Meinung wie Du sein sollten, nämlich, dass Dir keine Bedürfnisse zustehen.

n'ick9sch@onwIexg


Ich weiß schon was Du meinst. Rein rational weiß ich, dass ich natürlich das gleiche Recht habe. Aber wenn ich dann in der Situation bin...Hält mich irgend etwas zurück. So wie eine Hemmung wenn man schüchtern ist. Ich bin auch sehr Konflikt scheu. Da kommt wieder die Angst vor Zurückweisung durch. Vielleicht sollte ich mich mal mit einem Therapeuten unterhalten. Ich tat das schon einmal weil ich mich damals von einer Freundin trennen wollte. Hatte aber eine höllen Angst ihr das zu sagen. Hat allerdings nicht viel geholfen.

LMewRiaxn


nickschonweg

Ich wuerde dir in jedem Fall empfehlen, aufzuschreiben, was du deiner Frau wuerdest sagen wollen. Wenn dir das leicht faellt, um so besser, aber das Formulieren ist schon mal ein Schritt. Und dann, wenn du es hast, stelle dir vor, du sagst es ihr wirklich, und versuche, dir vorzustellen, was dann passieren wird. Ein Schritt mehr. Und dann kannst du ja mal gucken, ob das wirklich so schlimm waere, und ob du nach so viel Vorarbeit den naechsten Schritt nicht auch noch gehen willst... ;-)

LPewi]an


Uebrigens, du kannst ihr auch einen Brief schreiben oder eine Email, wenn es dir leichter faellt, ihr dabei nicht direkt gegenueberzustehen.

MeollNienxchen


Das mit dem Aufschreiben finde ich auch eine gute Idee. Mir fällt es leichter, jemandem etwas über mich zu sagen, wenn ich es vorher schon einmal "rausgelassen" habe, und das mache ich oft in Form von Aufschreiben.

wOohlfoXrmulXierxt


Ich habe neulich bei einem bekannten Paartherapeuten etwas Spannendes gelesen. Er beschreibt zwei Typen Mensch, die nicht in Beziehung mit dem anderen sind, selbst wenn sie mit ihm / ihr zusammenleben.

1. Wer von dem anderen völlige Anpassung fordert, ist nicht mit ihm in Beziehung, und

2. Wer sich dem anderen völlig anpasst, ist ebenfalls nicht mit ihm / ihr in Beziehung.

"In Beziehung sein" ist hier nicht als bloßes Zusammenleben gemeint, sondern als echter Austausch zwischen zwei Menschen.

Ich fand das für mich sehr hilfreich und würde mich, vom Muster her, eher dem zweiten Typ der Beziehungs-Verhinderung zuordnen. Und den TE wohl auch, wie ich vermute?

S)eeokqingxOne


Ich habe leider etwas ganz ähnliches und vermute auch immer mehr, dass es aus meiner Kindheit kommt..

Erstensmal hab ich bei allen "großen" Entscheidungen, also Entscheidungen die Maßgeblich meine Zukunft beeinflussen würden immer das Gefühl ich müsste diese Rechtfertigen und außerdem immer das Gefühl sie müssten von meinen Eltern, speziell meinem Vater "abgesegnet" werden. Teilweise weiss ich dass das irrational ist, das hilft aber dann in dem Moment leider nicht, trägt aber dazu bei, dass ich mich im Nachhinein mehr darüber aufrege.

Außerdem habe ich ein großes Problem damit negative Emotionen zu zeigen, also wenn ich mit etwas unzufrieden bin, etc. Freude Glück, etc. damit eher nicht.

Das glaube ich kommt eher von meiner Mutter her, die jegliche Aggression glaube ich als inakzeptabel empfindet und sich dafür schuldig fühlt. Das sehe ich zumindest heute anders und weiß, dass meine "negativen" Gefühle zu mir gehören und auch wichtig sind, dennoch hab ich eben weiterhin extreme Probleme damit mich dahingehend zu äußern, vor allem Menschen die mir nahestehen gegenüber.. Bei Fremden eher weniger.

Meine (fehlgeleitete) Strategie die ich dann irgendwann entwickelt habe ist wohl es durchzuhalten solange es geht und dann mit absoluter Verweigerung und Rückzug zu reagieren und die folgende meist emotional sehr heftige aber zeitlich dafür begrenzte Zeit zu ertragen und dann wieder so weiter zu machen.. Diese Strategie bringt mich aber im Endeffekt oft noch in mehr Probleme oder vertagt sie nur und glücklich bin ich dabei ja auch nicht, aber ich weiß halt nicht wie anders?!?

Ich hab mir vermute ich dieses erzwungen altruistische vor allem von meiner Mutter abgeschaut während es in leichterer Form dafür mit einem Schuss "Sozialphobie" (übertrieben aber trifft den Kern) von meinem Vater gewürzt wurde.

Ich kann mich auch aus meiner Kindheit erinnern oft für mich ungerechterweise oder zu stark gerügt geworden zu sein, weil ich beim spielerischen Toben dazu tendiert habe Grenzen zu vergessen wenn ich voll dabei war, das spielt da sicher auch noch mit rein, genau wie ein allgemein sehr geringes Selbstbewusstsein und eine antrainierte "Opfermentalität" deren Grundstein wohl aber auch schon vor Schule und Kindergarten gelegt wurde.

n$i+ckscQhon5wexg


@ seekingone

Mir ergeht es ähnlich. Ich habe mich von meinem Vater auch oft ungerecht gerügt gefühlt, auch schon mal versohlt worden. Nix dolles. Aber ich empfand es als extrem ungerecht. Vor allem weil meine kleinere Schwester das eingefädelt hatte. (Wir verstehen uns heute gut). Aber seit dem habe ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

"...Meine (fehlgeleitete) Strategie die ich dann irgendwann entwickelt habe ist wohl es durchzuhalten solange es geht und dann mit absoluter Verweigerung und Rückzug zu reagieren ...."

Das geht mir genau so. Habe eine sehr hohe Schmerzgrenze. Sehr hoch. Ich habe nie gelernt gleich was zu sagen wenn mir was stinkt. Keine Ahnung warum. Jedenfalls mach ich dann ab einem gewissen Punkt auch dicht und bin die Definition von Sturheit. Da ist es mir auch Egal ob ich dadurch Nachteile habe. Hauptsache mauern, auch wenn es schadet.

8=Zei'cheQn


nickschonweg *:)

Du sprichst mir wirklich teilweise aus der Seele. Das mit dem Kredit ist für mich zwar kein Problem, weil ich denke, der Bankmensch überprüft einfach ein paar objektive Kriterien und gibt mir dann einen Kredit, oder eben auch nicht. Für mich wird es wirklich schwierig, wenn sich objektive und subjektive Kriterien überlagern. Sagen wir, ich soll ein Arbeitszeugnis bekommen, in dem sozusagen meine "Leistung" beurteilt wird. Ich bekomme hier sofort das Gefühl, dass das Zeugnis eigentlich nur eine Makulatur ist, weil der Chef eben reinschreibt, was er von mir persönlich hält, und das nur indirekt mit einer theoretisch objektiven "Leistung" zusammenhängt. Genauso läuft es auch in der Schule, teilweise in der Uni, bei der Vergabe von Arbeitsplätzen, etc., und es treibt mir innerlich den Schweiß auf die Stirn, außerlich kann ich es irgendwie kompensieren und erscheine dabei ganz cool ":/

Was uns eint, ist die Vergangenheit als schüchterne Menschen und auch ich habe oft Probleme, mich für meine Interessen einzusetzen. Bei mir läuft das üblicherweise so, dass ich mich ein paar Monate oder Jahre so behandeln lasse und mich dann mit einem Knall verabschiede. Typischerweise mache ich mich hiermit auch wieder unbeliebt und bekomme praktischerweise sofort wieder das Gefühl, dass man mir ungerechtfertigterweise ein negatives Feedback reindrücken will, was dank meines Verhaltens dann manchmal sogar stimmt ;-) (Achherrje, wie war das nochmal....Man versucht irgendwie, die Situationen zu rekonstruieren, die man in seiner Kindheit erlebt hat oder so...)

Ich habe mir über die Jahre auch eine Fassade zugelegt die mich schützen sollte. Hat auch ganz gut geklappt. Mittlerweile bin ich recht selbstbewusst. Motto: "Jeden Tag eine Peinlichkeit erhöht das Selbstbewusstsein..." ;-D

Für mich klingt das eher so, als würdest du dir damit selbst schaden, und als wäre dein lachende Smiley auch nur eine Stück Fassade ":/ Nicht, dass ich es nicht auch so versucht hätte und vielleicht hatte das sogar mal zwischenzeitlich einen Sinn. Aber auf Dauer denke ich, dass man auch irgendwie auf seine Gefühle hören und nicht bewusst gegen seinen inneren Antrieb handeln sollte. Setzt natürlich voraus, dass man sowas wie eine innere Stimme auch entwickelt hat, was schwierig ist, wenn man sich bis 25 nirgendwo eingemischt hat ":/

Ich würde gerne aber muss mich unendlich lange dazu durchringen. Habe ein Riesenschiss davor das der Bankmensch ablehnt. Klingt total schwachsinnig. Ich weiß.

Nö, klingt für mich wirklich nicht schwachsinnig :|N

Nun bin ich wieder verheiratet und ich muss wieder feststellen das einiges krumm läuft. Auch meine Frau kann über alles reden. Nur ich kann das nicht.

Ich glaube, du würdest deiner Frau einen Gefallen tun. Sie würde bestimmt gerne wissen, was dich bewegt. Schwierig, ich weiß ":/ Ich denke, du verhälst dich hier wie ich. Erstmal nichts sagen, und dann abhauen ;-) Vielleicht solltest du das mit professioneller Hilfe angehen und dann evtl. auch deine Frau einweihen ":/

Also meiner Ex-freundin war mal aufgefallen das auf keinem meiner Bilder von früher zu sehen ist wie ich bei meiner Mutter auf dem Arm bin. Immer nur mit meinem Vater. Ist mir nie bewusst geworden.

Bei mir ist es eher andersrum. Vater nie da, wurde also praktisch von meiner Mutter großgezogen und hab mit ein paar Schwestern zusammengelebt.

Ich bin auch sehr Konflikt scheu.

Ich auch :)z

Ich tat das schon einmal weil ich mich damals von einer Freundin trennen wollte. Hatte aber eine höllen Angst ihr das zu sagen.

Kenn ich ;-)

Vielleicht sollte ich mich mal mit einem Therapeuten unterhalten.

Halte ich für eine gute Idee und werde ich auch demnächst mal machen :)z

Mir ergeht es ähnlich. Ich habe mich von meinem Vater auch oft ungerecht gerügt gefühlt, auch schon mal versohlt worden

Ist mir auch schon passiert und ich denke, Kinder gehören so oder so nicht versohlt ":/


Und jetzt hab ich schon Angst vor der Zurückweisung meines Beitrags ]:D

nWickschXonweg


Hallo8zeichen.

ich habe deinen Beitrag leider erst jetzt gesehen weil meine Frau mir nach spioniert.

Ich habe keine Privatsphäre mehr. Das hier liest sie auch und wird mir Vorhaltungen machen.

Deswegen schreibe ich unter einem andren Nick. Das was Du geschrieben hat trifft voll und ganz zu auf mich.

Heute war auch wieder ein schlimmer Tag für mich. Nicht wegen Weihnachten. Das geht mir am Arsch vorbei.

Nein, es fehlt mir an Zuneigung. Und liebe und Nähe. Meiner Frau wird es aber wohl auch nicht anders gehen. Ich bin da auch nicht der Held. Ich möchte so viele Dinge verändern. Leider habe ich nicht mehr die Kraft dazu.

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