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Wie komm ich aus der Messie-Falle?

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Hier hab ich auch wieder das Schamproblem. Er hat mir angeboten, mit einem unserer Gemeindediener zu reden, der Harz 4-Empfänger ist, ob er nebenher gegen Bezahlung bei der Beseitung des, nun, nennen wir es Biotops, auf dem Grundstück hilft.

Der Bürgermeister war doch IN der Wohnung und kennt somit das Problem in seiner ganzen Größe? Oder kennt er nur einen kleinen Teil? Ich sehe ihn tatsächlich noch als beste Möglichkeit.

Aber das Grundproblem bleibt trotzdem, dass du Kosten haben wirst, die du nicht allein tragen kannst. Und dass, du schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen wirst.

Ich schau erst mal, was ich da selbst reißen kann und komm eventuell drauf zurück.

Glaubst du wirklich daran? Viel Kraft!

R_e=nee~ssanxce


Der Bürgermeister war wohl nur auf dem Grundstück ...

Was mir auch noch einfiel: Was machst Du ggf. HINTERHER? Es genügt ja keineswegs, dass Dir fleißige Helfer Dein Haus entrümpeln – es muss weitergehen, und zwar anders.

Ehrlich gesagt, wenn diese "Störung" so tief sitzt, dass bisher kein Kraut dagegen gewachsen war, wird sie nicht mit einem Handstreich zu beseitigen sein, deshalb auch meine Idee mit der Messie-Selbsthilfegruppe; Du wirst Dich danach anders ausrichten müssen, wohl oder übel. Eine Gruppe mit Betroffener hat ihre Erfahrungen, wie das anzugehen wäre. Auch wenn Du in einem Dorf wohnst, in der nächsten größeren Stadt wird es hoffentlich so etwas geben.

Aber die Geheimniskrämerei zwischen Dir und Freund – da hab ich so meine Zweifel, ob Ihr nicht lieber die Karten ein wenig offener halten solltet. Es muss ja nicht gleich alles auf den Tisch, aber in groben Zügen müsste man eigentlich über den anderen Bescheid wissen. Sonst liebt man eventuell jemand, der er / sie gar nicht ist ...

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Ja, das passiert mir auch oft. Ich putze und putze... und mein Freund räumt 2 Stunden auf und es sieht überall Klasse aus.

Wenn ich erkennen muss, dass ich niemals "fertig" (= perfekt) werde, bringt mich das zur Verzweiflung. Ich habe in diesen Situationen regelmäßig Heulkrämpfe. Ich putze und putze (wenn ich denn mal putze...), aber alles scheint unordentlich und dreckig zu bleiben, egal was ich unternehme. Wenn eine andere Person genau das macht was ich auch mache (z. B. den Spiegel abwischt, genau wie ich es ein paar Sekunden zuvor getan habe) sieht es ganz anders aus. Ich frage mich dann immer, weshalb das so ist (entweder ist meine Putztechnik einfach nicht effektiv, oder ich habe eine verzerrte Wahrnehmung).

Na, wer von euch kann zwischen den Zeilen lesen? Mein erster Satz sagt viel über mein eigentliches Problem aus, welches sich auch in dieser Form äußert. In meinem Fall ist meine Unfähigkeit Ordnung zu schaffen und zu halten ein Auswuchs bzw. Sinnbild meiner Grundüberzeugung "ich bin niemals gut genug (=perfekt)" – die ihren Ursprung in dem Verhältnis zwischen meinem Vater und mir hat.

Letztendlich geht es immer um ein bestimmtes Kernproblem (oder zumindest um einen Komplex aus zusammenhängenden Kernproblemen), welches gelöst werden will. Oder auch nicht. Aber wenn es gelöst wird, bessern sich natürlich mit der Zeit auch die Symptome.

Im Falle von (extremer) Unordentlichkeit muss aber auf beide Aspekte eingegangen werden. Nur psychologische Ursachenforschung zu betreiben bringt nicht das gewünschte Ergebnis, aber nur aufzuräumen auch nicht.

LiM, es wäre also wirklich ratsam eine Therapie zu machen (oder zumindest dich selbst damit auseinanderzusetzen, weshalb dein Problem immernoch besteht – auch wenn es dir wieder besser geht).

s^chn>eckxe1985


Meiner Meinung nach, sind Dinge, die man vor anderen versteckt, sehr oft Teil einer psychischen Krankheit / eines psychischen Problems. Und das Verstecken macht die Bekämpfung der krankhaften Mechanismen nicht leichter, im Gegenteil: Man manövriert sich immer tiefer in eine Welt, in der der Schein um jeden Preis gewahrt werden muss.

Der Bulimiker kotzt alleine, der Borderliner versteckt seine Narben, der Messie lässt niemanden ins Haus. Das sind Verdrängungsmechanismen, man lebt in zwei Welten gleichzeitig, der Welt des Schönen Scheins und im Müll. Leider neigt der Mensch sehr zur Selbstverarsche.

Bessern kann man die Situation – meiner Meinung nach – nur, wenn man sich dem Problem aktiv stellt und mit der Verdrängung aufhört.

R5en"eesYsancxe


Das sind Verdrängungsmechanismen, man lebt in zwei Welten gleichzeitig, der Welt des Schönen Scheins und im Müll. Leider neigt der Mensch sehr zur Selbstverarsche.

Absolut richtig. Nur – wenn sich jemand schwer tut mit der Offenheit, weil sie schambesetzt ist (wie z. B. auch bei Sucht), dann nützt ihm erst einmal diese Einsicht nichts, dann braucht er zunächst ein sicheres Terrain, entweder Therapie oder die anonymen Gruppen, um es zu lernen, zu sich und seinen Macken zu stehen.

_(Tsuinami_


Vielleicht hat ja jemand Interesse an der [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/546183/ Geschichte]] von Someby.

Rgen!eessFankce


Wow, ja, aber dazu brauchts starke Nerven, schon die ersten Abschnitte finde ich erschütternd ...

I,ndivEidnualirs2t


Dürfen wir einen richtigen Namen haben? Du möchtest den Zustand ja ändern und dich so anzusprechen finde ich etwas .... hm....komisch

Das war auch einer meiner allerersten Gedanken,. Und da du, LiM, bisher nicht drauf eingegangen bist, möchte ich dich auch nochmal in dieser Richtung anstubsen. Obwohl ich großen Respekt vor deiner schonungslosen Offenheit habe, das scheint mir zuviel der "Selbstironie". Wähle doch einen Nick, mit dem man dich ohne Bauchschmerzen als Person anreden kann. Du hast in der Art, wie du schreibst, eine kluge und sympathische Ausstrahlung, und es fällt (mir zumindest) schwer, dich mit einem "Namen" anzureden, der dich auf ein unappetitliches Problem reduziert. @:)

(Du könntest deinen Nick von der Moderation ändern lassen, das ist kein Problem.)


Übrigens finde ich es bestechend, wie geordnet und klar Deine Satzstellung ist und wie orthographisch einwandfrei Deine Beitrag sind; es fällt mir aus dem Grund fast schwer zu glauben, dass Du auf der anderen Seite solche Probleme mit der Ordnung hast.

Oh, das geht durchaus zusammen. ;-D Mein Kopf ist auch aufgeräumter als mein Wohnzimmer... :=o ;-)

P4auli8ne1x1


Ich werde mich mit dem sozialpsychiatrischen Dienst in Verbindung setzen. Beim Gesundheitsamt ist der angegliedert? Weiß jemand, ob man dort die erste Anfrage anonym stellen kann?

Den wollte ich auch vorschlagen. Anonym, glaube ich nicht, je nachdem ist die Zuständigkeit der einzelnen Sozialarbeiter nach Namen oder Adressen aufgeteilt. Und wie si virgehen würden, können sie ohnehin erst sagen, wenn sie die ganze Situation kennen.

Du kannst ja parallel bei der nächsten kontakt- und informationsstelle für Selbsthilfegruppen eine Adressliste holen und sehen, ob es passende Selbsthilfegruppen gibt.

Rxe<nBeessZancxe


Oh, das geht durchaus zusammen. Mein Kopf ist auch aufgeräumter als mein Wohnzimmer...

Individualist

":/ Irgendwie blöd von mir, das miteinander in Verbindung zu bringen |-o Aber zunächst mal erschien mir das schwierig zu trennen, jetzt hab ichs ja begriffen. :)z :=o

snchnJeckez19x85


Das sind Verdrängungsmechanismen, man lebt in zwei Welten gleichzeitig, der Welt des Schönen Scheins und im Müll. Leider neigt der Mensch sehr zur Selbstverarsche.

Absolut richtig. Nur – wenn sich jemand schwer tut mit der Offenheit, weil sie schambesetzt ist (wie z. B. auch bei Sucht), dann nützt ihm erst einmal diese Einsicht nichts, dann braucht er zunächst ein sicheres Terrain, entweder Therapie oder die anonymen Gruppen, um es zu lernen, zu sich und seinen Macken zu stehen.

Genau das habe ich auch mit Offenheit gemeint – dass man sich in irgendeiner Weise Dritten gegenüber erst öffnen muss, das Problem einsehen und thematisieren. Nur so kann ein therapeutischer Prozess – in welcher Form auch immer – einsetzen.

L~eben iSm Müll


Sorry Leute, das mit dem Namen hab ich wohl überlesen. Ihr habt sicher Verständnis dafür, dass ich meinen echten Namen nicht preisgeben möchte. Wenn ihr mich mit einem anderem Namen ansprechen möchtet, so nennt mich doch einfach Kitty. Meinen Nick möchte ich nicht ändern lassen, denn momentan lebe ich eben noch im Müll und versuche, hiergegen anzukämpfen. Meiner Meinung nach passt er und soll auch so bleiben.

Ich habe mir mittlerweile einen konkreten Plan aufgestellt.

Nahziele:

Schritt 1: das gröbste auf dem Grundstück in die Reihe bringen, sprich, mich um den Wildwuchs kümmern, der auf den Bürgersteig und Richtung Nachbargrundstücke wächst. Dazu habe ich mir heute (trotz einem fiesen Zahnarzttermin, den ich normalerweise – zugegeben – gern als Ausrede für Nichtstun verwende) die nötigen Utensilien besorgt. Was ich noch brauche, ist eine Motorsense. Habe dazu bereits im Baumarkt nach einer Leihmöglichkeit gefragt. Leider gab es dort keine, aber da hab ich noch weitere Quellen, bei denen ich fragen kann. Wollte auch gleich anfangen, aber es regnet grade in Strömen...

Schritt 2 (parallel zu Schritt 1): nach einer Selbsthilfegruppe suchen, dort Erfahrungen austauschen und Hilfsadressen rausfinden. Beim sozialpsychiatrischen Dienst anrufen und nach dem allgemeinen Vorgehen in einem solchen Fall fragen.

Mittelfristige Ziele:

- Mittels der herausgefundenen Hilfsmöglichkeiten den Müll beseitigen. Ist dies erfolgt, eine neue Wohnung suchen und das Haus verkaufen. Wohl zu einem sehr niedrigen Preis, im Angebot muss dann wohl stehen: mit Gebäude zum Selbstabriss.

- in der neuen Wohnung klare Strukturen und Ordnungspläne schaffen, diese auch umsetzen und einhalten

- mit dem Umzug meinen Freund und meinen Freundeskreis in die grobe Lage einweihen und darum bitten, die Umsetzung dieser Pläne zu "überwachen", also mir auf die Füße zu treten, falls ich anfange, wieder solche Tendenzen zu entwickeln.

Endziel:

Ein normales Leben in einem normal geordneten Umfeld führen und so wieder ein vollständig in die Gesellschaft integrierter Mensch sein!


Was bereits in der Vergangenheit passiert ist:

Ich habe mich von großem psychischen Ballast befreit. Kontakte zu Menschen abgebrochen, die mich und meine Gutmütigkeit nur ausgenutzt haben, ohne je etwas zurückzugeben. Nun ist mein Freundeskreis klein, aber verlässlich, wir sind uns gegenseitig eine wichtige Stütze.

Ich habe nach einer sehr schmerzhaft gescheiterten Beziehung mit passiver Gewalt und unterschwelliger Abhängigkeit und ebenso sinnlosen wie verzweifelten Flirtversuchen den besten Mann der Welt gefunden, mit dem ich viel durchgestanden habe. Ohne Zwänge, ohne Abhängigkeiten, voller Vertrauen und mit ganz viel Liebe. Er kennt mich sehr gut, und bis auf mein "Geheimnis" bin ich bei ihm nicht anders als zu Hause auch.

Nach dem letzten großen Tiefschlag, dem Tod meines Vaters, bin ich fast zerbrochen und konnte kaum noch weiter. Hier habe ich mit Unterstützung meines Arztes viel aufgearbeitet. Die depressiven Phasen kommen zwar noch ab und zu, aber ich lasse nicht mehr zu, dass sie mich lähmen, unfähig machen zu handeln. Was ganz wichtig ist, ich versuche nun nicht mehr, meinen Schmerz und meine Probleme ganz allein mit mir auszumachen, ich kann mittlerweile Hilfe zulassen und annehmen.

Ich habe nach einer sehr schlechten Arbeitsstelle, auf der ich menschlich wie finanziell ausgebeutet wurde, nun einen wirklich guten Job, in dem ich mich wohlfühle und in dem ich gut bin. Dies wird auch regelmäßig anerkannt, auch die Kollegen geben mir ein echtes Zugehörigkeitsgefühl. Der Verdienst ist zwar nicht so üppig, aber man kann davon leben.


Zu euren Fragen/Anmerkungen:

Der Bürgermeister war übrigens nicht im Haus, sondern nur vor der Tür. Ich denke, er hat ein wenig mitbekommen, aber nicht das ganze Ausmaß.

Was mein Freund weiß, ist, dass das Haus in einem sehr schlechten Zustand ist, der sich nicht nur auf Baumängel beschränkt. Da ich ihn sehr gut kenne, wusste ich schon zu Lebzeiten meines Vaters, dass er sich dort nicht wohlfühlen würde. Das habe ich ihm so kommuniziert, und er akzeptiert das auch so. An dieser Situation will und werde ich zunächst nichts ändern.

Ich danke euch auf jeden Fall für die rege Anteilnahme. Und vor allem einer Userin, die mir wunderbare, hilfreiche PNs schreibt. Es geht voran! Und daran seid ihr nicht unschuldig.

5supu3rne0v4


Wollte auch gleich anfangen, aber es regnet grade in Strömen...

Du könntest alternativ ja im Haus ein wenig aufräumen, wenn Outdoor-Arbeit gerade nicht möglich ist.

RuenAees'sancxe


Kitty

also.

den besten Mann der Welt gefunden, mit dem ich viel durchgestanden habe. Ohne Zwänge, ohne Abhängigkeiten, voller Vertrauen und mit ganz viel Liebe. Er kennt mich sehr gut, und bis auf mein "Geheimnis" bin ich bei ihm nicht anders als zu Hause auch.

Das ist wunderbar und ein großes Geschenk. Ich kann es Dir nachfühlen, denn auch ich stieß spät auf meinen Schatz – einen eben solchen wie Deinen, wie es sich liest – und kann dem Schicksal nicht genug für ihn danken. Auch ich konnte einfach dadurch, dass er heute in meinem Leben ist, einiges hinter mir lassen.

Alles Gute, und es wäre toll, wenn Du uns noch weiter an Deinem Schicksal teilnehmen ließest.

LG Renee

LJebcen Kim Müxll


Habe heute, da so mieses Wetter, dass ich draußen nix machen konnte, mein Bett gemacht und neu bezogen und einen Teil der Arbeitsfläche in der Küche freigeräumt. Klingt banal – ist aber schon ein Erfolg und ich freu mich drüber. Ich werd jetzt noch was essen und dann bald schlafen gehen, um 4 Uhr klingelt der Wecker, hab morgen Frühschicht.

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