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Es ist besser zu lieben und zu verlieren

Rfebel,utuion


Wenn ich weiss dass sich Angehörige meiner Familie umbringen oder sonstwie erheblichen Schaden nehmen, sobald ich offen der Sekte den Rücken kehre, und ich es dennoch tue, mach ich mich dann mitschuldig?

Erstens: was für eine geisteskranke Gemeinschaft ist das, dass du solche Befürchtungen haben musst? Ist das ernsthaft so und gibt es Anzeichen bzw. Erfahrungen in der Richtung oder übertreibst du damit ein bisschen in Gedanken?

Zweitens: jeder Mensch ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Und wenn es der letzte selbstverantwortliche und selbstbestimmte Schritt war, dass man seine Selbstverantwortung und Selbstbestimmung leichtfertig in die Hände von Kriminellen (Sekte) legt. Mir ist klar, dass man in solchen Gruppen sehr leicht in Sippenhaft genommen wird, aber so leicht dürfen es sich deine Angehörigen damit auch nicht machen. Nein, du bist definitiv nicht mitschuldig. Wär ja noch schöner.

C8orne@li6a5L9


Wenn ich weiss dass sich Angehörige meiner Familie umbringen oder sonstwie erheblichen Schaden nehmen, sobald ich offen der Sekte den Rücken kehre, und ich es dennoch tue, mach ich mich dann mitschuldig?

Klar und eindeutig: Nein. Die sind selber für das verantwortlich, was sie tun, die sind erwachsene Menschen. Eine christliche Sekte kann das aber schon mal nicht sein, denn die Bibel verbietet den Selbstmord ausdrücklich.

Ich kann mir schon denken, wie das läuft, daß sie dir Schuldgefühle einreden. Da raus zu kommen, geht nur auf eine Art und Weise: Weggehen und es niemand vorher wissen lassen. Handynummer und Passwörter in einem Rutsch ändern, E-Mail-Adresse ändern, alle "Schlösser" hinter dir zusperren. Vielleicht sogar Konto auflösen. Brief hinterlassen, und weg. Dann haben sie nämlich keine Chance mehr, dich zuzulabern, und irgendwelche angeblich anstehenden Selbstmorde würden völlig in Leere laufen, denn du bist ja gar nicht mehr da, kannst es nicht mitbekommen und keine Schuldgefühle davon kriegen!

Versuch mal, Kontakt mit der Sektenbeauftragten der nächsten Stadt/Gemeinde aufzunehmen, am besten nicht schriftlich oder per E-Mail, sondern telefonisch. Ich denke, die sind es gewöhnt, daß sich jemand, der aus einer Sekte rauswill, erstmal anonym melden könnte. Aber einfach, damit du eine Anlaufstelle hast, die dich beraten kann, wie du es am besten anstellst.

S6arahE Jonxes


Ich glaube ich steh mir da selbst am Meisten im Weg. Weil ich ja den Kontakt zur Familie am liebsten behalten würde. ich hab meine Familie trotzdem lieb. Das Problem ist dass ich weder die Familie verlassen kann ohne dass sie verletzt werden noch weiterhin Kontakt haben kann ohne dass ich mein eigenes Leben opfer.

Ich glaub nicht wirklich dass sich jemand was tun würde aber ich glaube schon dass ich ernsthaften Schaden anrichten würde. Meine Eltern glauben das ja wirklich. Sie denken ich werde vernichtet und machen sich riesige Sorgen dass sie irgendwas falsch gemacht haben. Sie wurden da selbst reingeboren. Alles irgendwie verfahren :S

Danke für eure Gedanken. Hat mir schon viel geholfen hier. Auch wenn ich letztendlich noch nichts geändert habe. Ich bin nicht aktiv in der Sekte seit einigen Jahren aber grade das bereitet meinen Eltern schon sehr großen Kummer. Und wenn ich ehrlich sagen würde was ich denke. Davor graut mir halt wirklich.

Den Kontakt ganz ohne Hinweise abzubrechen würde natürlich vermeiden dass sie glauben dass sie sich Vorwürfe wegen meiner Vernichtung machen. Aber ich glaube schreckliche Sorgen würden sie sich trotzdem machen. Ich weiss einfach keinen Weg wie ich es lösen kann ohne ihnen erheblichen Schaden zuzufügen :S

RcerbelKutixon


Wenn die eigenen Gedanken über das Leben und die Lebenseinstellung so stark gegeneinander stehen, wirst du in deinem Leben über ewig zwickende Kompromisse zwischen deinen eigenen Träumen und den Erwartungen deiner Familie nicht hinauskommen. Irgendwo musst du dich entscheiden.

Mich freut, dass du, dafür, dass du ebenfalls dort hineingeboren wurdest, sehr freigeistige und selbstbestimmende Züge an dir hast. Die Gehirnwäsche scheint bei deinen Eltern allerdings so tief verankert zu sein, dass für sie ihre eigene sowohl auch deine Abkehr von der Sekte undenkbar scheint. Schrecklich, wie man sich selbst und seinen Kindern sowas antun kann.

C)olinbrix_


Wenn ich weiss dass sich Angehörige meiner Familie umbringen oder sonstwie erheblichen Schaden nehmen, sobald ich offen der Sekte den Rücken kehre, und ich es dennoch tue, mach ich mich dann mitschuldig?

Nein. Du bist nicht für sie verantwortlich.

_~Ts'unamxi_


Dem oberen Beitrag von Rebelution stimme ich vollkommen zu. Sehe das genauso.

Sarah Jones

Kann deine Zwickmühle durchaus nachvollziehen. Schwierig, wirklich schwierig.

Ohne Kompromisse ist kaum ein Prozess im Leben. Ich selbst erachte es als höchste Priorität und erfreulich, (möglichst guten Gewissens) ganz "man selbst" zu sein – volle Menschwerdung sozusagen, oder wie auch immer man das nennen möchte. Dafür wünsche ich dir alles Gute, Glück und Erfolg. :-)

YUang}Yin


volle Menschwerdung

toller begriff :)^ :)z

Cdornetlia5r9


Aber ich glaube schreckliche Sorgen würden sie sich trotzdem machen. Ich weiss einfach keinen Weg wie ich es lösen kann ohne ihnen erheblichen Schaden zuzufügen :S

Am Ende ist es wohl eine Entscheidung zwischen dir und den Leuten, denen du nicht wehtun willst. Willst du lieber dir selber weiter wehtun? Irgendwann schaltet sich da einfach der Selbsterhaltungstrieb ein und sagt:Raus hier, sonst gehst du kaputt daran!

Haben die denn bisher die Rücksicht genommen, die du gerade an ihnen üben willst und DIR nicht wehgetan? Woher kommt denn dein Spruch über "lebensunwertes Leben"? Ich glaube, das kommt genau aus der Ecke deiner Familie. Ja, sie würden sich vermutlich Sorgen machen, auf ihre verquaste Sekten-Art, was jetzt schreckliches mit dir passiert, weil du wegen deines Ausbruchs ihrer Ansicht nach natürlich gleich dem Teufel in den Kessel gehüpft bist! :|N

Du kannst ja später die eine oder andere SMS mit unterdrückter Nummer schicken, damit sie wissen, daß es dir gut geht. Und natürlich kannst du in dem Brief alles schreiben, was dich so fertigmacht, und warum du da rausmußt.

AYuYrora


ber ich glaube schreckliche Sorgen würden sie sich trotzdem machen. Ich weiss einfach keinen Weg wie ich es lösen kann ohne ihnen erheblichen Schaden zuzufügen

Ist das nicht leicht übertrieben? Erheblicher Schaden, nur weil sie sich Sorgen und Gedanken um dich machen werden?! Vielleicht wird es sie letztendlich auch aufwecken, das weißt du ja garnicht. Wenn ich mich von meinem Freund trenne, mit dem ich jahrelang zusammen war, richtet das bei ihm auch großen seelischen Schaden an. Und dasselbe passiert tausenden Menschen tagtäglich. Aber irgendwann kommen sie alle darüber hinweg. Ist das Seelenheil deiner Familie mehr wert als dein Leben? Ganz ehrlich, ich würde mein Leben nicht opfern, nur damit jemand in Frieden weiter vor sich hinexistieren kann... :|N

Ecne(rgyxa


Klingt nach den Zeugen ...

Ich kann Deine Geschichte nachvollziehen, es ging mir ähnlich, aber ich verließ dann die Sekte und meine Familie folgte mir, weil ich in meiner Familie immer die Hauptverantwortung trug.

Mir kommt auch vieles wie Zeitverschwendung vor, auch bei Hobbys und Menschen. Na ja, ich bin nun in Therapie und auch bei mir steht nun die Gefühlsthematik im Vordergrund. Hab auch Mühe, die Gefühle zuzuordnen und fühle mich selbst ähnlich verantwortlich für meine Familie, die ohne mich nicht klarkommt und sich etwas antun würde, wäre ich nicht da. Lange Geschichte. Irgendwo interessant, dass eine vergleichbare Geschichte zu einer ähnlichen Gefühlsblindheit führt ...

Mein Thera gab mir nun auf, mit meinen Gefühlen zu arbeiten. Das ist viel schwieriger als vorher, wo ich noch alles mit meinem Verstand durchleuchten konnte in langen E-Mails an den Thera. Jetzt schweige ich und bin ratlos. Deshalb bin ich hier und las mich hier ein, weil ich dasselbe Problem habe.

Kann aber nur zu einer Psychotherapie raten. Ich bin froh, dass erstmal die nächsten 6 Monate bei meinem Thera gesichert sind. Das entlastet mich. Noch hab ich so viel zu lernen, aber dieser Thread zeigt mir nun, dass es einen Zusammenhang mit meiner Biografie hat.

Ganz lieben Gruß

SZaGrah 9Jeonexs


Kannst du mir einen Tipp geben wie man zu so einer Therapie kommt? Bzw. welche Therapie genau machst du?

Ja dein Verdacht ist natürlich korrekt. Ich befürchte inzwischen dass meine einzige Möglichkeit auf ein eigenes Leben eine Flucht (Umzug) weit weg ist. Leider muss ich dafür auch Freunde bzw. Bekannte verlieren, weil sie eben Kontakt zu meinen Eltern haben. Davor schrecke ich zurück.

Mir fehlt momentan auch leider das Geld für einen kompletten Neuanfang, ganz auf mich allein gestellt. Es ist ein Teufelskreis. Für nen besseren Job bräuchte ich mehr Selbstbewusstsein, und belastbar bin ich momentan auf Arbeit auch nicht. Ich bin halt ein psychischer Totalschaden.

Jedenfalls ist es unglaublich schwer die FAmilie zu verlassen und ich würde mich über Tipps freuen wie du das geschafft hast. Ich hab halt Angst dass ich dann endgültig zusammenbreche. Das ist ja dann wirklich so, als wäre ich ohne Vergangenheit, ohne Wurzeln, einfach aus dem All hierhergebeamt. So fühlt es sich ja jetzt schon meist an, aber es ist schon noch ein Unterschied wenn man -vorausgesetzt man wahrt den Schein- trotzdem noch Zugang zur Familie hat.

Ich ess ja keine kleinen Kinder. Ich will nur normal sein :(

S-araxh Joxnes


Ich glaube das Stichwort ist "Bedingungslose Liebe". Die gibt es in diesem Verein (haha, die Ironie...) nicht.

Meine Mutter macht sich inzwischen sogar Sorgen um mich, weil sie langsam begreift dass ich doch nicht sooo glücklich bin als Single (obwohl das doch der beste Lebensweg ist angeblich weil man da am meisten Zeit für die wichtigen Dinge hat ...) und ihre Reaktion war: andere haben das Problem nicht, es muss wohl an dir liegen. Das ist so typisch. Die Schuld liegt immer an einem selbst. Man ist nie gut genug. Statt einfach nur dazusein und zu trösten kann man eiskalt sagen, denk doch mal nach woran es liegt, bestimmt hast du selbst Schuld.

Mir tun alle Menschen leid die in dieser Sekte gefangen sind. Am meisten meine Familie. Es ist sehr schmerzhaft zu erfahren dass sie nicht zu bedingungsloser Liebe fähig sind.

Skarah; Jonxes


ist die richtige Abfolge – Job suchen, alle Sachen verkaufen, umziehen, Job anfangen, neue Freunde finden?

Woher weiss man wo man hinziehen soll? Ich kann mir momentan keinen Umzug leisten, bin vierstellig im Minus. Wahrscheinlich braucht man erstmal ein Geldpolster? Hat jemand sowas schonmal gemacht?

Und wie kann man Kontakt zur Familie aufgeben ohne dass sie denken man mag sie nicht mehr?

C.olibCri_


Die Reihenfolge passt, ja :-) Und in Deiner Situation würde ich nicht auf das Geldpolster warten. Ausserdem, ein Umzug muss nicht sooo teuer sein, je nachdem wie/mit was Du umziehen willst.

Wohin? Surfe mal ein bisschen auf GoogleMaps herum. Foto-Funktion einschalten. Überlege, was Du in Deiner Umgebung haben möchtest. See? Meer? Berge? Ebene? Hügel? Städtisch? Ländlich? Pferde? Kinos? Kanäle? Eine Rennbahn?

Dann gucken, googeln, fragen. Am besten hinfahren, wenn Du erste Ideen hast, spüren, wie sich die Gegend anfühlt.

Kontakt aufgeben – vielleicht mit einem guten Brief, in dem Du alles erklärst? Schau vor allem, dass es DIR dabei gut geht.

CDollibrxi_


Ach, und – wir hatten mal das Thema Lebenssinn. Das würde ich bei der Ortswahl auch gleich mit einbeziehen. Ich hatte Dich gefragt:

Nach Deiner Meinung, Deiner Ethik, zähl mal auf: Welche Dinge geben dem Leben grundsätzlich Sinn?

Wenn Du z.B. "Brunnen bauen für Kinder in Afrika" antwortest, findet sich damit vielleicht ein Weg, eine Region, eine Arbeit.

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