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Psychotherapeut werden trotz Persönlichkeitsstörung

LvuzifFer8x8 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich hole ab September mein Abitur nach und möchte danach evtl. Psychotherapeut werden. Allerdings wurde bei mir im März eine schizoide Persönlichkeitsstörung festgestellt.

Kann ich den Beruf trotzdem erlernen? Ich habe übrigens vor, eine Therapie anzufangen.

Außerdem habe ich nur Probleme, mit Menschen zu kommunizieren, wenn ich nicht weiß, ob die Leute mit mir reden wollen.

Antworten
Aciyvana8x9


Wenn du deine Probleme in den Griff bekommst, steht dem nichts im Wege. Wenn jedoch nicht, halte ich deinen Berufswunsch schon für bedenklich, vor allem wenn du Probleme bei der Kommunikation hast. Ein Therapeut muss sich in andere einfühlen können, gleichzeitig den emotionalen Abstand wahren und sehr feine Antennen für Kommunikation (verbal und nonverbal) haben.

Ich weiß nicht inwieweit sich deine schizoide Persönlichkeitsstörung nun auswirkt. Es gibt viele Menschen, die eher "Einzelgängerisch" sind und eben wenige, aber gute Freunde haben, gleichzeitig aber auch gerne allein sind. So lange du darunter nicht leidest, sehe ich da auch keine Probleme. Nicht alle Diagnosen sind behandlungsdürftig und welcher Mensch ist 100 % "normal"? Aber es sollte nicht derart ausgeprägt sein, dass du keinen sozialen Umgang generell möchtest. Das wäre für den Beruf hinderlich.

H+erman_'the_`Germxan


Als Psychotherapeut braucht Du eine hohes Maß an Einfühlungsvermögen und sozialer Kompetenz. Mir scheint Dein Wunsch, Psychologie zu studieren, liegt eher in den Bedürfnis begründet, mehr über Dich selbst zu erfahren. Das ist übrigens bei vielen so. Überleg es Dir nochmal gut und sei ehrlich mit Dir. Sicher hast Du auch in der Therapie Gelegenheit, über Deine Zukunftspläne und Berufsziele sprechen.

L_uzinfxer88


Ich möchte Psychologie studieren, um mehr über den Mensch im Allgemeinen zu erfahren, nicht nur über mich.

Übrigens habe ich beruflich sehr gerne Kontakt mit Menschen, bin aber im Umgang mit ihnen eher unsicher.

Im privaten Bereich bin ich in der Beziehung eher unberechenbar. Es kann passieren, dass ich ein paar Stunden oder Minuten sehr kommunikativ bin und im nächsten Moment in Ruhe gelassen werden möchte.

a}ug|233


Schon mal das Anforderungsprofil für Psychotherapeuten durchgelesen - nur das für die Approbation!

Da steht bestimmt auch Selbsterfahrung drin; die wird nicht in Einzeltherapie erlangt.

Bei einem solchen Berufswunsch hätte ich hier nie einen Faden eröffnet - das Internet vergisst bekanntlich nichts!

T~aranxis


Bei einem solchen Berufswunsch hätte ich hier nie einen Faden eröffnet – das Internet vergisst bekanntlich nichts!

Wir wissen also jetzt dass Luzifer88 Therapeut werden will ;-D

m~uskatnxuss


Ich möchte Psychologie studieren, um mehr über den Mensch im Allgemeinen zu erfahren, nicht nur über mich.

Das Psychologiestudium hat nichts mit dem Beruf Psychotherapeut zu tun. Das Psychologiestudium ist einer der vielen Wege um eine Psychotherapeutenausbildung starten zu können. Im Psychologiestudium befasst du dich sehr sehr sehr viel mit Statistiken.

Wenn du das Studium dann nach 4 Jahren erfolgreich abgeschlossen hast, kannst du eine 5-jährige Psychotherapeutenausbildung starten, die rund 45.000€ kostet. 4+5 macht 9 Jahre Ausbildung + 45.000 Miese...

Da steht bestimmt auch Selbsterfahrung drin; die wird nicht in Einzeltherapie erlangt.

Die Selbserfahrung sind die 600 Therapiestunden die man in den 5 Jahren der Therapeutenausbildung gibt. Und das ist natürlich richtig, man therapiert sich in der Ausbildung natürlich auch selbst.

Ich will dir nicht den Beruf des Psychotherapeuten madig reden und deine Hauptfrage kann ich nicht beantworten, ob es generell mit so einer Diagnose überhaupt möglich ist. Aber das anstrengede an diesem Beruf ist, dass man sich selbst und seine eigenen Probleme zu 100% nach hinten stellen muss. Und ob du eine Persönlichkeitsstörung hast und es dir damit grad nicht gut geht, oder du schlecht geschlafen hast oder deine Ehe grad den Bach runter geht, du musst trotzdem wach und einigermaßen gut gelaunt da sitzen und einen anderen Menschen behandeln.

Also überleg dir gut, ob du diesen Beruf wirklich willst, denn es gibt so viele andere Berufe, die andere "Skills" erfordern, aber wo es egal ist ob du grad Probleme hast.

*:) @:)

S-unf`lowxer_73


Zum einen: Führe Dir vor Augen, wie lang der Weg ist (Stichtwort Psychotherapieausbildung!). Ich stecke in dem Mist (sorry) seit 6 Jahren drin. Es ist teuer, es bringt einen absolut an die Grenze. Und gerade, wenn man älter ist und so lange nicht richtig verdient und noch Schulden macht, ist es hart. Allein DAS reicht, einen völlig an die Grenze zu bringen. Nie wirklich Freizeit, Ausbildung (Theorieseminare, Supervision, Patienten, Ambulanztätigkeit,...) plus Job nebenbei oder sogar zwei Jobs.

Und, wie muskatnuss schreibt:

Psychologie ist nicht Menschenkunde. Psychologie ist Statistik. Datenbanken. Physiologie. Experimentalkunde. Empirie. Gesprächsführung. Diagnostik. Und wieder statistische Theorien. In klinischer Psychologie Symptome und Störungsmodelle, die auch wieder alle durch empirische Studien (= Statistik) untermauert werden.

Das Fach hat NULL mit "Menschen kennenlernen" zu tun. Gehört implizit dazu, aber nur implizit. Explizit ist es knallharte Datenanalysiererei.

Bei hat im ersten Semester fast ein Drittel der Studenten abgebrochen, eben weil v.a. im damaligen Grundstudium NICHTS an Psychologie & "Menschenkunde" erinnerte.

Was dann die Psychotherapeutensache angeht:

Man muss sich KOMPLETT zurücknehmen. Es geht um den Patienten, um die Anwendung des Gelernten. Und egal, wie sehr Dich jemand nervt: Nicht zeigenl nicht durchscheinen lassen. Es interessiert niemanden, ob Du gerade müde oder unkommunikativ bist oder mies drauf. Man muss sich konstant komplett unter Kontrolle haben. Auch ohne weitreichende persönliche Schwierigkeiten. Es schlaucht.

Sicherlich kann eigene Krisenerfahrung bewirken, dass man ein besserer Therapeut ist. Weil man nicht nur die Theorie anwendet, sondern nachvollziehen kann, wie sich manches anfühlt.

Aber gerade bei Persönlichkeitsstörungen und dann v.a. der schizoiden musst Du noch lange und verdammt hart an Dir arbeiten, um auch nur ansatzweise den Anforderungen gewachsen zu sein. Da kommt scho so mancher psychisch völlig gesunder Mensch an die Grenzen und darüber hinaus. Ich erlebe v.a. die Weiterbildungszeit als extrem belastend und auch tränenreich; habe etliche Kollegen kurz vor'm Zusammenbruch erlebt. Bin selber z.T. auch hart an der Grenze.

Aber:

Wenn Du erst noch das Abi nachmachen musst PLUS den hohen NC einkalkulieren musst (also entweder Einser-Abi oder einiges an Wartezeit), kannst Du ja noch schauen, wie sich Deine Situation entwickelt.

Bauchmäßig würde ich bei schizoider Persönlichkeit aber doch eher abraten.

@ muskatnuss:

Ähem, man kriegt die VT-Ausbildung auch durchaus für um die 20.000€ und theoretisch in 3 1/2 Jahren...

@ aug323:

Also so viel hat Luzifer jetzt nun nicht preisgegeben...

SNunf>lowKer_x73


Da steht bestimmt auch Selbsterfahrung drin; die wird nicht in Einzeltherapie erlangt.

Die Selbserfahrung sind die 600 Therapiestunden die man in den 5 Jahren der Therapeutenausbildung gibt. Und das ist natürlich richtig, man therapiert sich in der Ausbildung natürlich auch selbst.

FALSCH!!!

Bitte schlau machen, bevor man solche Fehlinformationen schreibt. Oder war das lustig gemeint? ???

S1helil;y


Die Selbserfahrung sind die 600 Therapiestunden die man in den 5 Jahren der Therapeutenausbildung gibt.

Nein, das stimmt so nicht :|N Man hat 600 Therapiestunden zu absolvieren, zusätzlich 120 Stunden Selbsterfahrung, 600 Stunden theoretischen Unterricht, 140 Stunden Supervision, 1800 Stunden praktische Arbeit in einer Psychiatrie und zusätzlich noch 930 Stunden, die man durch Fortbilung und die eben genannten Ausbildungsbausteine ableisten kann.

sAonn~enbrixse


wie verhält es sich eigentlich, wenn jemand schon Diplom Psychologe ist?

Also ich weiß, dass ich jetzt bei einer Thera angefangen habe, die gerade in der VT Ausbildung steckt. Ich bin ihre Pat.

Ich weiß, dass sie jetzt insgesamt 1.5 Jahre Ausbildung macht, aber sie arbeitet auch seit Jahren als Psychologin.

Also meine Frage ist, wie es dann danach läuft? Wieso ist sie dann eigentlich Psychologin oder dann Therapeutin und darf sie dann nicht als Psychologin auch tiefenpsychologisch abrechnen?

m$us<katnBuss


Bitte schlau machen, bevor man solche Fehlinformationen schreibt. Oder war das lustig gemeint? ???

Nein, das stimmt so nicht :|N

Oh, you are the master. Sorry, da habe ich was falsch verstanden...

S{he^ll+y


Sonnenbrise

Nach dem Studium ist man Psychologe (den Titel "Diplom" gibt es seit wenigen Jahren aber nicht mehr). Als Psychologin kannst Du z.B. in einer Psychiatrie tätig sein, auch ohne die Zusatzausbildung zum Therapeuten absolviert zu haben. Zudem muß man zu Beginn der Therapieausbildung ein mind. einjähriges Praktikum in einer Psychiatrie absolvieren.

Kann es sein, dass Deine Therapeutin zunächst eine tiefenpsychologische Ausbildung durchlaufen hat und nun noch die VT-Ausbildung dranhängt? Wenn sie auch die tiefenpsychologische Ausbildung hat, kann sie solche Stunden abrechnen. Wenn nicht, rechnet sie in ihrer Ausbildung nur die VT-Stunden ab.

Saun floweMr_7x3


@ Shelly:

:)z Genau. Hatte keine Lust, es aufzudröseln.

@ Sonnenbrise:

Wenn Deine Thera die Ausbildung in Fachrichtung Tiefenpsychologie absolviert, dann führt sie auch eine entsprechende Therapie durch. Die Abrechnung erfolgt über die Ambulanz des Ausbildungsinstitutes. Das gilt jetzt für Diplom PLUS laufende Weiterbildung.

Als Diplom-Psychologe (oder halt Master) ist man lt. Psychotherapeutengesetz NICHt approbiert, d.h. nicht zur eigenständigen Ausübung einer heilkundlichen Tätigkeit berechtigt. Arbeiten kann man dann nur in Kliniken, aber solche Jobs werden immer weniger, da man die Ausbildung fordert und zunehmend weniger Leistungen von Psychologen, die keine approbierten Therapeuten sind, abgerechnet werden können.

Erst die abgeschlossene Weiterbildung im Anschluss an Diplom/Master berechtigt dazu, therapeutisch ohne aufischt (= durch Supervisoren der Ausbildung oder Ober-/Chefarzt der Klinik) zu arbeiten.

Erst MIT Approbation (= Ausbildung) kann man sich auf Kassensitze für eine Praxis bewerben. Oder mit einer Privatpraxis selbstständig machen. Den dafür erforderlichen Eintrag ins Arztregister bekommen. Berufshaftpflichtversicherung abschließen.

Kurzum:

"Nur" als Psychologe bist Du im Bereich der klinischen Psychologie quasi ein Nichts. Selbst Jobs, die man fürher direkt nach dem Studium machen konnte (bspw. Beratungsstellen), stellen mittlerweile nur noch mit (weit fortgeschrittener) Ausbildung ein.

Und Kliniken... Warum sollen sie einen "unqualifizierten" Psychologen voll bezahlen, wenn man einen Ausbildugnskandidaten mit einem Taschengeld abspeisen kann? Daher kommen auch die vielen Wechsel in Kliniken: 1200 bzw. 1800 Stunden absolviert zum Hungerlohn – Vertragsende. Nächster Ausbildungskandidat. Statt reguläre Gehalt für den aktuellen Psychologen.

Ich bekomme aktuell bspw. für meine 24/30-Stunden-Stelle keine 1.000€ BRUTTO im Monat. Tariflohn wären mind. 1.500€. Eine Kollegin von mir hat 30 Stunden pro Woche für 150€ im Monat gearbeitet.

OHNE Diplom kein Zugang zur Ausbildung, ohne Approbation langfristig keine Perspektive und keine therapeutische Tätigkeit.

SDunfjlowexr_73


@ Sonnenbrise:

Habe das mit der VT-Ausbildung überlesen.

Kann sein, dass sie im Vorfeld eine nicht anerkannte Weiterbildung im Bereich Systemische Therapie o.ä. gemacht hat.

Aber normalerweise hat man nur EINE Fachrichtung. Weil man sich zu Beginn der Ausbildung entscheiden muss, welche Therapieform. Und hinterher machen viele zwar Zusatzqualifikationen, aber VT & TP gibt es als Kombi quasi nie. Ich kenne nur sehr alte Therapeuten, die noch vor Einführung der ganzen Ausbildung beide Verfahren gemacht und dann die Qualifikationen erworben haben. Als es noch billiger & weniger durchorganisiert war und es kein staatl. Abschlussexamen gab.

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