» »

Übles Temperament

aI.fGisxh


Es nutzt mir hundertmal gar nichts wenn die anderen mir verzeihen wenn ich selber mir nicht mehr in die Augen sehen kann weil ich mir nicht verzeihen kann.

Inwiefern "nutzt" - wenn das Ziel feel good ist, dann ist sich selber verzeihen natürlich oberste Devise.

Letzten Endes kann man das ja nicht anhand eines Katalogs aufs Gramm genau bestimmen, und was in der Wahrnehmung und auch der Wahrnehmung des weiteren Umfelds des einen Fehlverhalten ist, ist für den anderen eine gerechtfertigte Reaktion.

Auch eine gerechtfertigte Reaktion kann mE aus falschem Verhalten bestehen. Einen anderen Menschen verletzen - körperlich oder emotional - das kann in meinen Augen nie richtig sein. Es passiert und es mag mal notwendig sein, aber das macht es mMn nicht automatisch richtig. Und ich finde, dann sollte man auch innerlich zu diesem Zwiespalt stehen und nicht die eigenen Wertvorstellungen aufweichen, nur damit das eigene Verhalten da irgendwie unter Töfte fällt.

Man kann nur in seinen eigenen Kopf schauen und ja, am Ende vereint man alle Gewalten in sich und ich finde genau darum sollte man die strengsten und kritischsten Maßstäbe anlegen. Große Macht bringt große Verantwortung, Peter. :°(

dbanLaxe87


Nun "nutzen" in der Hinsicht das ich nicht automatisch ein besserer Mensch werde nur weil ich mich selber zerfleische. Im Gegenteil, so eine Selbstkasteiung kann ganz schön selbstgerecht sein und einem bei der Veränderung im Weg stehen.

Verzeihen bedeutet ja nicht das man es in Ordnung findet was man oder jemand anderes getan hat. Ich zum Beispiel habe meiner Mutter verziehen. Deshalb finde ich ihre Erziehungsmethoden (jedenfalls ganz bestimmte) nun nicht gerade nachahmenswert oder super oder doch irgendwie ganz in Ordnung sondern immernoch falsch, aber ich kanns auch mal gut sein lassen und wünsche ihr sehr das sie es auch kann.

Ebenso kann ich auch sagen "Ok, war scheiße von mir. Ich werde folgendes [...] unternehmen damit es nicht mehr passiert" aber ich muss da nun auch nicht ewig abbitte leisten, mich schuldig und schlecht fühlen oder so.

MHollqi<enchxen


@ danae87

Verzeihen bedeutet ja nicht das man es in Ordnung findet was man oder jemand anderes getan hat.

So ist es. Du nimmst mir das Wort aus dem Mund. Klar soll man kritisch mit sich sein, aber innere Selbstbeschimpfungen machen die Sache manchmal nur noch schlimmer und erhöhen den Druck, den man auf sich selbst ausübt. Und Druck wiederum erzeugt gerne mal Extremreaktionen – und zwar genau die, die man eigentlich nicht will.

Ich hab mich selbst schon mal so sehr beschimpft, dass ich hinterher geheult habe, so als hätte mich jemand anders beschimpft. Kein Gutes Gefühl. :-(

aH.fxish


Verzeihen bedeutet ja nicht das man es in Ordnung findet was man oder jemand anderes getan hat.

Sich selbst verzeihen bedeutet für mich, eine Sache emotional abhaken, zu "ist schon ok so" zu stellen und sich deshalb nicht mehr schlecht zu fühlen. Das sollte man mMn erst, wenn das wie auch immer geartete Opfer sich deshalb auch nicht mehr schlecht fühlt. Und vielleicht aus erzieherischen und kosmischen Ausgleichsgründen noch ein bisschen später.

Anderen verzeihen ist eine andere Sache. Das ist heilsam und sollte so flott wie möglich angestrebt werden.

SPhojxo


Sich selbst verzeihen bedeutet für mich, eine Sache emotional abhaken, zu "ist schon ok so" zu stellen und sich deshalb nicht mehr schlecht zu fühlen. Das sollte man mMn erst, wenn das wie auch immer geartete Opfer sich deshalb auch nicht mehr schlecht fühlt. Und vielleicht aus erzieherischen und kosmischen Ausgleichsgründen noch ein bisschen später.

Uff. Das kommt aber schwer drauf an. Meine klischeemäßig unangenehme Schwiegermutter wird mir nie verzeihen, niemals, dass ich sie einmal angeblafft habe. Das war, nachdem wir ihr einen riesigen und regelrecht absurden Gefallen nicht getan haben, was sie uns schwer verübelt hat, natürlich ohne es zuzugeben, aber es kamen immer wieder Spitzen. Ewig lange alles sehr schwierig mit ihr, alles so unterschwellig irgendwie unangenehm, dann hatte mein Kerl die Schnauze voll, wollte, dass sie endlich auf den Tisch packt, was sie stört, sie wird giftig - auf die scheinbar höfliche Tour. Da habe ich sie angeraunzt, dass es reiche mit diesem ganzen Hin und Her und dem unterschwelligen Gegifte, und dass ich auf diese dysfunktionale Scheißfamilie keine Lust mehr habe und mich nicht mehr wundere, weshalb bei ihnen alles zum Teufel geht. Alles andere als okay. Aber wenn ich mich deshalb "schlecht fühle", bis sie mir verzeiht, dann fühle ich mich deshalb schlecht, bis ich meinen letzten Atemzug tu. Einen Teufel werde ich tun. Kosmischer Ausgleich? Mann. Ich liebe meinen Mann und habe jahrelang täglich gesehen, was das Aufwachsen bei diesen miesen Strandmalerkarikaturen von Eltern ihm an emotionalem Gepäck eingebrockt hat, ich sehe es bei seiner Schwester, die seit Jahren den Kontakt zu ihrer Mutter vollständig und erklärungslos eingestellt hat - die Mutter schimpft auf ihre angebliche Feigheit, aber was zum Henker soll man jemandem erklären, der nichts annimmt und immer irgendeinen Weg findet, stattdessen mit dem Finger auf den anderen zu zeigen? Nein, ich hätte im Gegenteil viel früher Klartext reden sollen. Höflicher, aber inhaltlich nicht wesentlich anders.

Ich schätze Deinen Standpunkt zu den allermeisten Angelegenheiten sehr, aber hier finde ich Deinen Ansatz sehr destruktiv. Offenheit dafür, wenn sich ein anderer verletzt fühlt, die Bereitschaft, Fehlverhalten zuzugeben, vor sich selbst und dem anderen, auch nach langer Zeit, ja. Aber - schlecht fühlen? Wozu ist denn das gut? Ich halte das nicht mal für selbstlos oder moralisch wertvoll oder sonst irgendwas. Nur für - hm. Irgendwie ungewohnt ... christlich? Ich habs ja gar nicht mit dem ewigen Schuldkomplex der Christen und rieche das meist auf zehn Meilen, und das hier kommt mir ein ganz klein wenig christlich angehaucht vor. Schuld und sich schlecht fühlen als nahezu eigenständiger Wert, erstrebenswert, moralisch reinigend, und in letzter Konsequenz auch irgendwie eine Bürde für den anderen. Damit nötigt man ja fast den anderen, einem zu verzeihen, weil man sich sonst immerzu und für immer schlecht fühlt, es sei denn, er, der es in der Hand hat, verzeiht. Und - reicht das dann wirklich? Ist das dann nicht auch nur eine besonders berufene Meinung unter vielen und wirklich mehr wert als die eigene Auffassung, eigentlich sei das, was man getan hat, unverzeihlich?

Ich verstehe, dass man sich wegen etwas, das man getan hat, lange oder gar für immer schlecht fühlt, dass es einem nachhängt, dass es einem die Frage nachträgt, wer man eigentlich ist, und die Ahnung, dass die Antwort nicht für den Eintritt in den Club Ghandi reicht. Aber das als moralischen Anspruch zu stellen - puh. Nee. Das geht zu weit, finde ich, und da gehe ich tatsächlich nicht mehr mit. Also, ich schätze Dich deshalb kein bisschen weniger, fast im Gegenteil, aber ich bekenne hiermit freimütig, dass ich wenn, dann nur unwillentlich diesem Anspruch genüge. Beziehungsweise: höchst unwillig. Und oft auch nicht. Weil keiner sich was davon kaufen kann, wenn ich höhere Ansprüche an mich stelle als an alle anderen (die gleichen reichen für mein Empfinden völlig aus, sind ja hoch genug).

Swhojxo


Gandhi. Immer. IMMER, wenn ichs schreibe. Gnarz.

L#ewixan


a.fish

Sich schlecht fuehlen hilft keinem was.

L,ew!iJan


...wie Shojo auch schon meinte... 8-)

Sw. waBllisixi


Sich selbst verzeihen bedeutet für mich, eine Sache emotional abhaken, zu "ist schon ok so" zu stellen und sich deshalb nicht mehr schlecht zu fühlen. Das sollte man mMn erst, wenn das wie auch immer geartete Opfer sich deshalb auch nicht mehr schlecht fühlt. Und vielleicht aus erzieherischen und kosmischen Ausgleichsgründen noch ein bisschen später.

Anderen verzeihen ist eine andere Sache. Das ist heilsam und sollte so flott wie möglich angestrebt werden.

also mir passiert's auch nicht oft was von dir zu lesen was ich gänzlich anders sehe ;-D *noch einen (ansonsten faulheitsbedingt inhaltslos^^) draufsetz* ;-D

d8anuae8s7


Sich selbst verzeihen bedeutet für mich, eine Sache emotional abhaken, zu "ist schon ok so" zu stellen und sich deshalb nicht mehr schlecht zu fühlen. Das sollte man mMn erst, wenn das wie auch immer geartete Opfer sich deshalb auch nicht mehr schlecht fühlt.

Also zum einen macht man sich damit, wie Shojo ja schon geschrieben hat, in meinen Augen unzulässig abhängig von einem anderen Menschen und bürdet dem dazu eine riesen Verantwortung auf was ich sehr fragwürdig finde.

Zum anderen finde ich das auch charakterlich nicht besonders auszeichnend. Meine Therapeutin in der Klinik hat mal gesagt: "Man kann sich auch durch Selbsthass beziehungsweise Selbstkasteiung über andere Menschen stellen. Es ist besser verkleidet, aber es ist trotzdem Arroganz." Damals empfand ich das als ziemlichen Schlag in die Magengrube und war richtig schön beleidigt. Das lag natürlich daran das es ein Volltreffer war. ;-)

Dieser ich-bin-moralisch-so-besonders-Habitus der dem inne wohnt ist auch so gar nicht hilfreich wenn man versucht wirklich nachhaltig etwas am eigenen Verhalten zu ändern. Denn man fühlt sich schlecht, aber auch irgendwie gut, weil überlegen dabei.

Da ist mir jemand der sagt: "Lief scheiße, ich werde versuchen es beim nächsten Mal besser zu machen, aber Wasser und Brot tu ich mir nun auch nicht an." echt lieber weil ich da die Chance auf einen echten Wandel sehe.

a .Kfixsh


Wie viele Ave Maria muss ich beten, um wieder salonfähig zu werden. ;-D

Das geht zu weit, finde ich, und da gehe ich tatsächlich nicht mehr mit.

Ich weiß. :-) Das Thema hatten wir in irgendeinem anderen Zusammenhang schon mal. Ich weiß nicht, ob das christlich ist, wenn, dann wäre es katholisch – Evangelen sind das mit der bedingungslosen Liebe – und mit Katholiken hatte ich nie was am Hut, man kommt da also offenbar auch von alleine drauf. Ich kann mir vorstellen, dass es damit zu tun hat, wie sehr man meint, sich selber an die Kandarre nehmen zu müssen. Ich hab, als Du so über schlechte Menschen geschimpft hast, schon gedacht, dass es der Friedfertigkeit unheimlich zuträglich ist, wenn man sich selber für einen schlechten Menschen hält, dann ist man seinen Kollegen gegenüber viel nachsichtiger. Ich wollte das nur nicht als Ratschlag anbieten. ;-)

Damit nötigt man ja fast den anderen, einem zu verzeihen, weil man sich sonst immerzu und für immer schlecht fühlt, es sei denn, er, der es in der Hand hat, verzeiht.

Red mir nicht noch mehr Schuldgefühle ein! ;-) Und nein, das finde ich eigentlich nicht. Wenn ich noch Groll gegen jemanden hege, dann ist mir sein schlechtes Gewissen doch Recht und wenn ich nicht mehr verstimmt bin, ist das doch der Zeitpunkt zu sagen: Schwamm drüber, vergiss es.

(Nur damit jetzt keiner Angst bekommt: ich bin anderen Menschen gegenüber nicht nachtragend und mir gibt das schlechten Gewissen anderer nichts. Es geht ja nach wie vor vor allem um den Umgang mit sich selbst)

Sich schlecht fuehlen hilft keinem was.

Lewian

Es gibt einige Dinge, die mir auf dem Gewissen lasten, wegen der ich mich also noch schlecht fühle – nicht permanent, das kriegt ja keiner hin, aber doch, mir hilft das. Sie erinnern mich in schöner Regelmäßigkeit daran, dass ich nicht unvorsichtig werden darf und in konkreten Situationen mit Wiederholungsgefahr springen sie mir mit Anlauf auf die Zehen und ich weiß wieder, wo ich meine Schritte setzen darf und wo nicht.

Vermutlich brauchen andere Menschen das nicht so – gemessen an euren Reaktionen und der Tatsache, dass ich euch für anständige Menschen halte. Darüber weiß ich nichts – siehe:

Man kann nur in seinen eigenen Kopf schauen und ja, am Ende vereint man alle Gewalten in sich und ich finde genau darum sollte man die strengsten und kritischsten Maßstäbe anlegen.

"Man kann sich auch durch Selbsthass beziehungsweise Selbstkasteiung über andere Menschen stellen. Es ist besser verkleidet, aber es ist trotzdem Arroganz."

danaee87

Meine paradoxen Überlegenheitsgefühle speisen sich aus anderen Quellen ;-D Aber daraus nun wirklich nicht, das kriegt ja auch keiner mit, außer jetzt in so Situationen wie hier.

ddanae8x7


afish

Muss ja auch keiner mitbekommen um sich überlegen zu fühlen. ;-D ;-D reicht ja schon wenn man sich in seinem eigenen Kämmerlein Bauchpinseln kann. ]:D

Wie ist es denn bei irre nachtragenden Menschen? Also mal angenommen du wärest meinem Vater auf die Zehen getreten würde er dir nie verzeihen, er beherrscht diese Kunst einfach nicht. Noch nach zehn Jahren würde er dir an den Kopf werfen das du als Kind sein Lieblingsglas zerstört hast. Was würdest du denn da machen?

M onikza65


Es gibt einige Dinge, die mir auf dem Gewissen lasten, wegen der ich mich also noch schlecht fühle – nicht permanent, das kriegt ja keiner hin, aber doch, mir hilft das.

Ich finde, es hilft auch dem "Opfer". Es bereitet den Boden dafür, sich zu versöhnen und dann muss sich niemand mehr schlecht fühlen. Wenn sich jemand allerdings unversöhnlich zeigt, und das für mich dann gar nicht mehr plausibel ist, fühle ich mich auch nicht mehr schlecht.

dSanaeH8x7


Monika

verzeihen ist ja uch kein ad hoc Prozess, also bei mir nicht, sondern ein längerer Weg. Wenn ich jemandem ersthaft weh getan habe fühle ich mich natürlich ersntmal schlecht. Allerdings eben nicht ewig, irgendwann ist auch einfach mal gut.

S]. [wSallixsii


salonfähig

;-D ist doch eh uncool

Es gibt einige Dinge, die mir auf dem Gewissen lasten, wegen der ich mich also noch schlecht fühle – nicht permanent, das kriegt ja keiner hin, aber doch, mir hilft das. Sie erinnern mich in schöner Regelmäßigkeit daran, dass ich nicht unvorsichtig werden darf und in konkreten Situationen mit Wiederholungsgefahr springen sie mir mit Anlauf auf die Zehen und ich weiß wieder, wo ich meine Schritte setzen darf und wo nicht.

schlechtes Gewissen anstatt den jeweiligen Impuls tatsächlich angehen zu müssen^^ die Faulheit daran gefällt mir jedenfalls ;-D

Wenn ich noch Groll gegen jemanden hege, dann ist mir sein schlechtes Gewissen doch Recht

da hab ich vor längerem drüber nachgedacht weil an mir mal festgestellt und bin zu dem Schluss gekommen dass so eine Regung zwar vorkommen mag aber bringen tut sie eigentlich nichts. Schlechtes Gewissen bringt mir nichts, weder in mir noch im gegenüber, im Gegenteil. Und als innerer Zensor/Kontrollator verwendet ist es potentiell destruktiv weil es sich selbst und Ursache festhält.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH