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Übles Temperament

M2art]ie[nchexn


Du meinst jetzt, im Gegensatz zu früher? Weil, "Aussetzer" kommen mir gerade so überhaupt nicht freiwiilig vor.

Ich stell mir das so wie bei Hulk vor. Weil, der wird ja auch erst wütend, bevor er grün wird. Man sieht es immer schon an seinem Gesichtsausdruck und dann, zack, isser grün und dann ist alles verloren. Und ich glaub halt, dass man noch ein paar Sekunden Zeit hat, das Grünwerden zu verdrängen und runterzukommen, bevor es zu spät ist. Es ist ja glaub ich auch bei Shojo nicht so, dass ihr sie den Typen losfahren sieht und dann einfach nichts mehr weiß. Ich habs so verstanden, dass das Hochsteigen der Wut durchaus noch empfunden wurde. Und dann kommt bei mir so ein "scheiß jetzt drauf" Moment und dann ists komplett vorbei. Ich kann natürlich nur von mir ausgehen. Wies bei ihr ist...weiß nur sie. Bei mir isses so. Der Auslöser wird noch registriert, dann kommt das Wutgefühl und dann die spontane Entscheidung für "scheißjetztaufalles" oder für "komm, isses nicht wert."

aEvanxti


So, jetzt nochmal ohne Brüllaffe auf dem Arm:

Afish und martienchen, kann durchaus sein, das ich da meinen eigenen Film fahre bei dem Thema und hier krass danebenliege.

Martienchen, deinen Post hätte ich aber auch noch gerne erläutert. Inwiefern Kick? Irgendwie klingt das ein bißchen Tyler-Durden-mäßig.

M4arti0enchexn


Ich weiß nich, des is ja Shojos Faden... :-/

Ich muss jetzt eh erstmal weiterarbeiten, ich meld mich später! *:)

dbanaex87


Bei mir ist das auch so und man kann Strategien erlernen die Biegung zunehmen bevor man so ausrastet das man nichts mehr sieht.

LOewixan


Shojo

Was mir dazu einfaellt, ist die Frage, ob du Gelegenheit hast, auf niedrigerem Level Experimente mit dir selber zu machen. Also Situationen, in denen du jaehzornig bist, aber nicht so, dass jemand Angst um sein Leben haben muesste. Kommt das oefter mal vor? Du koenntest dir fuer solche Situationen ja mal die ein oder andere "Hausaufgabe" stellen, z.B. dich in bestimmten Situationen absichtlich herunterfahren, obwohl du das sonst nicht tun wuerdest. Und dann hinterher auswerten: Hat es funktioniert? Oder wenn nicht, warum nicht, und was koenntest du aendern? Etc. Da findest du sicher was ueber dich heraus, evtl. etwas, was du in so kritischen Situationen auch gebrauchen koenntest.

Ansonsten fuer dich auch die Empfehlung meines Lieblings-Psychologiebuchs "Gestalttherapie Praxis" von Perls, Goodman und Hefferline, zum Thema "ueber sich selber was herausfinden durch Versuche und Selbstbeobachtung".

:)*

L'ew#iaxn


Du koenntest dir fuer solche Situationen ja mal die ein oder andere "Hausaufgabe" stellen, z.B. dich in bestimmten Situationen absichtlich herunterfahren, obwohl du das sonst nicht tun wuerdest. Und dann hinterher auswerten: Hat es funktioniert? Oder wenn nicht, warum nicht, und was koenntest du aendern?

...und vielleicht vor allem: Was fuer Widerstaende spuerst du? Was haelt dich davon ab, dich zu bremsen?

C_aoixmhe


Und dann kommt bei mir so ein "scheiß jetzt drauf" Moment und dann ists komplett vorbei.

Martienchen, bist du ich?

KYxhe


:)D

Dfer kle<in,e P#rinz


Hm, scheint ja echt gefährlich mit Euch Frauen zu sein ]:D .

Also ich bin selbst zuweilen ziemlich heftig drauf (gewesen), aber bei mir hat sich immer alles auf Verbalradikalismus beschränkt. Ich habe noch nie jemandem eine gezimmert. Ich glaube, wenn ich so körperlich gewalttätig drauf wäre, hätte ich Angst vor mir selbst. Ich wüßte dann nicht, ob ich noch rechtzeigit die Kurve kriege, oder ob ich nicht so lange draufhaue, bis der nicht mehr piep sagen kann. *piep*

LHianj-JiYll


Ich habe noch nie jemandem eine gezimmert

Ich glaube, ich hätte meine Kindheit mit drei (leider nicht älteren) Brüdern nur überlebt, weil ich genauso wenig zimperlich war wie die.

Ausgerissene Haarbüschel, blaue Augen (die hatte mir allerdings meine Schwester verpasst) und Einstichstellen von einer Mistgabel in meiner Zimmertüre zeugten früher davon.

L9i!an-YJilxl


Ich glaube, ich hätte

...ich habe...

wahlweise: ich hätte nicht..., wenn...

Lwian-xJill


...und weil ich das in jungen Jahren so gut ausleben konnte, bin ich heute meinen Mitmenschen (und meinen Kindern!) gegenüber die Sanftmut und Geduld in Person.

S.hRoxjo


Ich kenne das und schrieb dir später in ruhe mehr dazu. Die Wut ganz aberziehen kann man nicht, wäre auch nicht gesund, aber dafür sorgen das die Blackouts weg bleiben geht.

Das klingt sehr spannend, freue mich auf später!Nein, dass die Wut wegbleibt, das will ich auch nicht, ich finde sie ja durchaus berechtigt.

Ich weiß nich, des is ja Shojos Faden...

Ich teile sehr gern, der Teil der Sozialisation hat bei mir hervorragend geklappt. ;-D Nee, im Ernst, interessiert mich auch sehr, wie das bei Dir und anderen so ist.

Bei mir isses so. Der Auslöser wird noch registriert, dann kommt das Wutgefühl und dann die spontane Entscheidung für "scheißjetztaufalles" oder für "komm, isses nicht wert."

Ja, bei mir auch. Wenn ich wütend werde, dann nehme ich wirklich deutlich wahr, dass da jetzt ein paar Sicherungen gleich durchbrennen, ich glaube, dass da Handlungsspielraum wäre, wenn auch nur sehr kurz. Und ich halte dieses Ausrasten für etwas, das mir nicht einfach passiert, sondern für etwas, das ich irgendwo tief drinnen sogar gutheiße. Bisher ist es ja auch immer gutgegangen. Es fühlt sich unfassbar intensiv an. Ich finde, dass solche Leute es verdient haben, was auf die Fresse zu kriegen, ich finde es nicht in Ordnung, wenn sie davonkommen. Und dass sie vor mir abhauen, vor einem Weibchen, keine einssiebzig groß, dass sie bleich werden und zusehen, dass sie so schnell wie möglich Land gewinnen - das befriedigt mich zutiefst. Das ist viel besser, als wenn sie einfach so weitergurken. Sie sind abgehauen, in die Flucht geschlagen, sie haben ihr Fett weggekriegt, und wenn nur in Form einer Demütigung. Das mag ich. Ich würde es auch mögen, ihnen was zu brechen, glaube ich, bin aber nicht ganz sicher, ob das nicht nur in der Theorie so ist und ich in der Praxis dann doch sehr erschrocken wäre. Aber wer einen Hund (oder ein Kind oder sonstwen, der ihm da unter die Reifen hätte geraten können) aus Eigenverschulden und Rücksichtslosigkeit fast überfährt und dann einfach abhaut, kommt in meinem Universum mit ein bisschen Schreck und Demütigung noch ausgezeichnet weg. Das ist das Minimum. Ich will so jemanden nicht ungeschoren lassen.

Nur entwickelt das ja eine Eigendynamik, wenn ich dann so auf den losgehe. Wenn ich mir die Zügel schießen lasse, dann ist das so ein point of no return, dann weiß ich nicht, welche Prinzipien in mir gerade aktiv sind und welche Instinkte, ich weiß nicht, wie weit ich gehen würde. Außerdem hat man das bei Handgreiflichkeiten grundsätzlich nicht wirklich unter Kontrolle, da kann man jemanden schwer verletzen, indem man ihn blöd schubst, oder er erwischt einen blöd, und aus dem Gewurschtel wird auf einmal etwas viel Schlimmeres als eine gebrochene Nase. Und deshalb - hm. Da ist erstmal die (vergleichsweise neue) Frage, wie weit ich eigentlich wirklich gehen würde, ob ich zu mir käme, bevor ich jemanden ernstlich verletze, oder ob ich dann wirklich ungebremst viel zu weit gehen würde und derjenige sehr viel Zorn abbekommen würde, der sich aufgestaut hat und der deshalb viel zu gewaltig für die eigentliche Situation ist. Und außerdem wird mir gerade so langsam klar, dass es darauf vielleicht gar nicht ankommt, dass ich mich auf einmal in einer Situation wiederfinden kann, in der es gar nicht mehr meiner Entscheidung obliegt, wie weit ich gehe, weil er mir ähnlich wütend entgegentritt und ich mich möglicherweise auf einmal quasi in einer Notwehrsituation befinde, in der ich zuschauen muss, halbwegs lebendig wieder rauszukommen.

Und außerdem - wer hat darauf aufgepasst, dass meinem Hund nichts passiert, als ich da hinterher bin? Keiner. Das wärs ja auch - überlebt er den Idioten und wird dann überfahren, während ich mit Kartoffeln werfe und herumbrülle.

Spürst du dann eigentlich auch keine Schmerzen mehr, wenn es zu solchen Situation kommt?

Keine Ahnung. Ich glaube nicht, nein. Dann ist aber eh alles Körperliche sehr - hm. Einfach intensiv. Nur intensiv, ohne irgendeine Bewertung.

Abgesehen davon sind KAmpfsportvereine ne ganz gute Sache. Nicht zu "abreagieren" oder sowas, sondern um eben die Trigger ein bisschen zu normalisieren.

Ich hab damals nach dem Überfall mit Kampfsport angefangen, weil ich lernen wollte, wie man jemanden ausschaltet, ohne dass man sein Leben gefährdet. Habe sehr lange sehr intensiv Kampfsport gemacht. Tut mir leid, aber das hat bei mir nicht geholfen. Andererseits hatte ich während dieser Zeit, fällt mir gerade auf, keine "Blackouts", was aber auch Zufall sein kann. Jedenfalls - meine körperliche Auseinandersetzungsbereitschaft war definitiv nicht niedriger, sondern höher.

Denn wenn es hilft, war es sinnvoll. Wenn nicht, dann wäre evtl ein anderes Gefühl angebrachter und es stellt sich die frage, wieso nicht ein anderes Gefühl als Reaktion gewählt wird.

Puh. Ich finde, Wut ist mehr als angemessen, wenn sich jemand wie die letzte Drecksau verhält, jemanden aus Rücksichtslosigkeit fast umbringt und dann abhauen will. Was soll ich denn sonst empfinden - Mitleid? Hunger? Du schreibst ja selbst, die Situationen "rechtfertigten" Wut. Nein, das Gefühl ist schon das richtige. Nur mein Umgang damit, da grüble ich gerade.

...und vielleicht vor allem: Was fuer Widerstaende spuerst du? Was haelt dich davon ab, dich zu bremsen?

Mitgefühl und Liebe. Ich bin eigentlich - HA! Jetzt weiß ich, weshalb es mich diesmal so erschreckt hat. Seit unser Lütter da ist, eigentlich schon ein bisschen davor, hat sich meine Bereitschaft, wütend zu werden, sehr verändert. Ich will ihn nicht verletzen. Ich hatte Angst davor, eine jähzornige und manchmal furchterregende Mutter zu sein. Ich bin auch manchmal genervt, aber ... hm. Diese Zerstörungslust im Zorn, die ganz früher vor niemandem haltgemacht hat, die kenne ich kaum noch. Und dann, nach Jahren, in denen ich niemanden wirklich ernstlich umbringen wollte, auf einmal wie aus heiterem Himmel so ein Blackout. Deshalb hat es mich so kalt erwischt.

Vielleicht sollte ich aber doch wieder mit Kampfsport anfangen. Ich glaube, das fehlt mir mehr, als ich gedacht habe. Und ich grüble erst mal ganz grundsätzlich, was da eigentlich in mir abgeht, unter der Prämisse, dass ich so wütend werden will, dass es mir nicht einfach "passiert". Das glaube ich nämlich. Früher war das anders, da war ich diesem Zorn wirklich hilflos ausgeliefert - als Kind, in der Pubertät. Das ist nicht mehr so. Inzwischen ist es längst unter anderem auch irgendwie eine Entscheidungsfrage.

Puh. Danke schon mal, das hilft gerade sehr beim Sortieren.

Ceao@imhe


was da eigentlich in mir abgeht, unter der Prämisse, dass ich so wütend werden will, dass es mir nicht einfach "passiert

Weil das eine Droge ist. Wutrausch ist verheerend, ist aufregend, gibt ein Gefühl von Unbesiegbarkeit, Macht, man verlässt irgendwie den Körper. Gibt's was geileres?

Und das ist doch das, was am Schluss ein riesiges Problem wird - irgendwie macht es Spaß, es ist ein Spiel mit dem Feuer.

S%hojo


Ja klar, es ist eine Droge. Ich glaube nur, dass es noch ein bisschen mehr ist als der reine Kick. Dass es vor allem ein psychologisches Phäniomen ist, kein rein körperliches.

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