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Übles Temperament

E{mmi!9x2


Ich sag ja ich wünschte ich könnte Stress mal rauslassen oder Wut, aber alles was ich kann ist heulen, egal in welcher Situation, das war ja nur ein Beispiel, oder wenn ich mich streite und mir gehen die Argumente aus.. zack tränen da :-/

Oder in so einer Situation wie von Shojo am Anfang beschrieben (naja okay die Kartoffeln ;-D hätte ich mir gespart) ich hätte vielleicht was hinterher gebrüllt (ganz großes Vielleicht) aber eher wäre ich am nächsten Eck stehen geblieben um erstmal ne Runde zu heulen %-|

_!Tsun^amix_


Ich selbst finde Emotionen und Eskalationen als sehr natürlich und gesund, wenn man es später nicht bereut. Ein schmaler Grat, allgemeingültige Lösungen rar.

Man muss schon ein bisschen austeilen und einstecken können. :-)

S)hoOjo


Schlucken scheint mir nun so gar nicht Shojos Problem zu sein.

Nein, ich glaube auch nicht, dass es wirklich etwas mit aufgestauter Wut zu tun hat, die sich Bahn bricht. Ich weiß sowieso nicht, ob ich an aufgestaute Wut glaube, die sich irgendwann verheerend Bahn bricht. Also, manchmal in Extremsituationen vielleicht, aber grundlegend reagieren manche Leute aggressiver und andere gemäßigter, manche werden leicht wütend, andere nicht, und manche richten die Wut eher nach außen, andere nach innen.

Ansonsten habe ich auch den Eindruck, den Monika schildert; ich frage mich, ob du dir in deiner Aggression nicht ein bisschen zu gut gefaellst, um wirklich effektiv was daran zu tun.

Ja, absolut. Das ist eine etwas beschämende, aber durchaus zutreffende Beobachtung - ich mag eine gewisse Aggression oft auch bei anderen und finde das anregend und lebendig. Nur ist die Frage, wie es sich auswirkt. Beispielsweise habe ich früher immer, wenn ich mich bedrängt fühle, sehr hart auch (verbal) nach denen geschlagen, die ich liebe, um mir Raum zu schaffen. Das mache ich schon lange nicht mehr und fand es auch wirklich schrecklich, da habe ich es nicht genüsslich hochstilisiert, sondern eher verzweifelt zu beschönigen versucht, weil es nach dem Abflauen des Zorns sehr schrecklich war. Raum schaffen kann ich mir längst effektiver und ganz ohne solche Ausfälle.

Ich lese hier immer nur, dass du dein Verhalten im Grunde gut und richtig findest.

Ich finde es dumm. Ich habe meinen Hund da stehen lassen und quasi vergessen. Ich bin auf jemanden losgegangen, der zu meinem Glück abgehauen ist - wäre er stehen geblieben, hätte ich entweder selbst ordentlich was auf die Nase kassiert oder eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals. Ich finde es auch ... hm. Sexy. Irgendwie. Mich spricht das an. Aber das tut auch große Contenance oder großer, aber gebändigter Zorn. Mein Selbstbild ist ziemlich geschönt und hochstilisiert, und ich habe mich über den Beitrag gefreut, in dem der Link zum Berserkertum war, das gefällt mir verflixt gut. Aber zugleich weiß ich, dass das nur eine Seite der Sache ist, und zwar eigentlich eher die "literarisch überhöhte". Ich bin nicht unverletzlich, und ich will nicht für einen kleinen, eigentlich billigen Triumph riskieren, dass jemandem etwas passiert, den ich gernhabe. Meinem Hund beispielsweise. Oder mir selbst.

Ich denke, di hast einfach einen sehr ausgeprägten, archaischen überlebens- und verteidigungstrieb

Auch das gefällt mir natürlich als Begründung sehr gut. Aber während es zutrifft bei diesem Überfall, wo ich gemerkt habe, dass ich sicher kein Schäfchen bin, eher im Gegenteil, ist diese Wut oft gar nicht hilfreich und wäre es auch in der Steinzeit nicht gewesen. Da wäre meine Linie (in der Familie meines Vaters haben viele mit Jähzorn zu tun) möglicherweise schon ausgestorben. Oder ich hätte genug zu tun gehabt mit Tätigkeiten, die mich auf körperliche Weise auslasten, und wäre zugleich der Notwendigkeit unterworfen, vernünftig mit meinen Reserven zu handhaben, dass ich meine Energie für tatsächlich notwendige Antworten auf Angriffe aufsparen würde, statt sie da zu verpulvern, wo sie mich eher in Gefahr bringt, als mir zu nützen.

Das "blutrünstige" Temperament scheint durch das sprachliche gebrochen und sozusagen sublimiert. Wärs das nicht überhaupt? "Kampfsport" mit spitzer Feder?

Du ahnst nicht, wie umfassend ich das bereits tu. ;-D Nein, das hilft nicht wirklich, denn da stilisiere ich es ja eher hoch und sexualisiere es (positiv). Nein, ich beschließe an dieser Stelle einfach, dass ich keine Blackouts mehr haben werde. Punkt. (Kann ja sowieso dauern, ich meine, bisher wars alle paar Jahre - ist ja nun wirklich nicht so, als würde es mir bisher ständig passieren, und das erste Mal war in einer Extremsituation, in der ich meine Reaktion vollkommen gerechtfertigt finde). Und falls ich trotz dieses Beschlusses doch noch mal einen Filmriss haben sollte , ohne dass eine akute Notwehrsituation gegeben war, werde ich mir einen Therapeuten suchen.

An dieser Stelle wusste ich auch ohne Runterscrollen, wessen Name unter dem Startposting steht.

Oh. ;-D

L~iana-Jill


Ich übrigens auch, exakt nach dem zweiten Satz ;-D

SZhoxjo


Find ich gut. :-D

-hCGra&zylexni-


Hm, kenne ich. Bei mir muß dann leider oft ein unbeteiligter und gänzlich unschuldiger Einrichtungsgegenstand dran glauben oder wenn das gerade nicht möglich ist, trete oder schlage ich gegen irgendeine Wand. Braucht eine verdammt lange Zeit um sich abzukühlen. Selbstbeherrschung geht nur bis zu einem gewissen Grad. Alles in sich hineinzufressen ist erst recht kontraproduktiv, denn irgendwann entlädt es sich sowieso. Und wenn sich dann einiges angestaut hat, ist die Explosion umso gewaltiger und man hat sich dabei kaum bis gar nicht mehr im Griff. Und was dann passiert möchte ich mir persönlich jetzt gar nicht vorstellen.

sMchn_eck{e198M5


ich finde es befremdend, wie viele hier diese Ausraster herunterspielen oder sich gar wünschen, selbst so agieren zu können. ":/

Als erwachsener Mensch sollte man sich kontrollieren können und nicht wie ein Asteroid ungebremst durchs Weltall rauschen und abschießen, was man grade erwischt. Wie Shojo selbst sagt, sie gefällt sich in gewisser Weise auch in dieser Rolle und das finde ich viel problematischer, als die Ausraster an sich.

Jeder Mensch hat eine dunkle Seite in sich und man sollte sie wirklich sehr, sehr gut erforschen, weil man sonst "im Affekt" (wie man so schön sagt), unglaublich viel kaputt machen kann.

Ich finde an einem brüllenden Berserker nichts Tolles... ehrlich. Ich hatte selbst mal einen cholerischen Ausraster (Jähzorn liegt in der Familie), wo ich mit der Faust zugeschlagen habe. Am nächsten Tag hab ich mich um eine Therapie bemüht und habe mir eine ziemlich dicke Haut erarbeitet - weil ich Gewalt nicht in mein Selbstbild integriert haben will!

LKovHxus


Und weil mein Verstand eigentlich nicht völlig doof ist

Das ist vielleicht der Kern der "Selbstbeherrschung": Der Verstand ist nicht doof, sondern meistens nur faul. Also winkt er meist durch, was so an automatischen Impulsen, Einschätzungen, Gefühlen und Intuitionen aus den Tiefen unserer Assoziations- und Motivationsmaschine namens Gehirn generiert wird. "Urteilskraft" ist die Fähigkeit, entscheiden zu können, welche anstehenden Vorgänge zur weiteren Bearbeitung und ggf. Neubewertung an den Verstand geleitet werden sollen. Und "Selbstbeherrschung" die Fähigkeit, das dann auch zu tun.

SachiFldkvröte00x7


Schnecke, du hast soweit schon Recht. Man muss diese Ausraster halt selbst kontrollieren können, und das ist es wohl, was die meisten hier meinen, wenn sie sich so etwas wünschen.

Für einen Menschen, der bei einem Angriff in Schockstarre verfällt, hört sich so etwas eben "toll" an. Kann man es aber nicht kontrollieren, dann ist es ein Problem.

LUovHxus


Es fühlt sich unfassbar intensiv an. Ich finde, dass solche Leute es verdient haben, was auf die Fresse zu kriegen, ich finde es nicht in Ordnung, wenn sie davonkommen.

Shojo, ich glaube, das ist sehr, sehr weit verbreitet. Sonst würde Hollywood nicht so viele Filme drehen, die genau diese Dynamik im Publikum nachzeichnen und damit dieses Gefühl "auscashen".

Gerade, weil Wut so maßlos ist – ihr schient es völlig normal, dass auf einen fast angefahrenen Hund die Todesstrafe steht – ist "Maß" eine der vier Kardinaltugenden.

Wenn du das erste Mal erlebst (hoffentlich nie, aber wer weiß), dass dein Sohn als einer der "solchen Leute" diese Gefühle in dir weckt, wird das "starke, intensive, eigentlich gute Gefühl" einem echten Erschrecken, nicht nur vom Verstand her, weichen.

Ich bin da durch, wie du weißt, und bin froh, dass wir alle heil geblieben sind.

mYariksa skterxn


ich find´s scheiße. punkt.

es gibt kaum etwas, was ich unwürdiger finde und mehr verachte als impulskontrollprobleme, die in körperlichen angriffen enden. ich weiß einfach, dass man das in den griff bekommen kann. ich kann es bei mir und ich trainiere das bei meiner tochter und ich weiß auch, was es für probleme für sich selber und für seine umwelt geben kann, wenn man es nicht tut.

S*hojxo


Gerade, weil Wut so maßlos ist – ihr schient es völlig normal, dass auf einen fast angefahrenen Hund die Todesstrafe steht – ist "Maß" eine der vier Kardinaltugenden.

Nein, darauf steht in meinem Universum eigentlich Erschrecken und große Scham. Und wenn er die nicht empfindet, bin ich sehr hilflos. Ich hoffe, dass er sich selbst erschreckt hat, wenigstens im Nachhinein, dass er denkt: "Mann, ich Vollidiot, was habe ich mir dabei gedacht? Ich hätte jemanden erwischen können!" Das wäre mir am liebsten. Falls das nicht der Fall ist, finde ich den entzogenen Führerschein auch super. Oder eine gebrochene Nase. Die Todesstrafe sicher nicht.

Aber - "solche Leute"? Du hast vollkommen recht. Ich habe ja keine Ahnung, was für einer das war. Ich weiß nicht mal, wie er aussah, ob er alt war oder jung, nur dass er dunkle Haare hatte und relativ groß war, alles andere ist weg. Vielleicht IST er erschrocken gewesen, mehr wegen dem, was hätte passieren können, als wegen meines Ausrasters. Ich finde trotzdem, eine gebrochene Nase wäre okay für ihn gewesen - wäre ich an seiner Stelle gewesen, ebenfalls, so hat man nicht zu fahren, er nicht und ich auch nicht.

Wenn du das erste Mal erlebst (hoffentlich nie, aber wer weiß), dass dein Sohn als einer der "solchen Leute" diese Gefühle in dir weckt, wird das "starke, intensive, eigentlich gute Gefühl" einem echten Erschrecken, nicht nur vom Verstand her, weichen.

Darauf bin ich allerdings auch ehrlich gespannt.

sZa~mplxe


ich finde es befremdend, wie viele hier diese Ausraster herunterspielen oder sich gar wünschen, selbst so agieren zu können.

na ja, du findest das kontrollverlust / scheiße– ich nenne es selbst schützendes verhalten. es ist ein paar tage her, das ein typ aus der nachbarschaft anfing mich abends/ nachts massiv zu bedrängen. klingelnte das ganze haus zusammen (ca 9 parteien), er würde eine person suchen, die so und so aussehen würde: er meinte nämlich mich ( es gab schon am abend vorher entsprechende tendenzen). spukte später bei mir unterm fenster rum, genauergeagt in unserem eigentlich geschützen, nicht zugänglichem garten. – ach wie toll er mich denn finden würde.

So, und ich bin ganz extrem verbal ganz agressiv geworden – ich hatte schon mal einen stalker hinter mir. ich weiß wie das ist. und aus eigener erfahrung: milde, verständlichkeit oder ähnliches hilft da gar nicht. du kannst solchen typen nur klare ansagen geben – ansonsten kannst du dein leben an den nagel hängen.

und in dem augenblick ist es mir genau wie shojo völlig scheißegal, wie sehr ich jemanden treffe, was immer der hinter sich hat – er hat es gefälligst nicht an mir auszulassen!!!!

XJubuGntu


Einerseits kann ich dich etwas verstehen Shojo -> ich habe auch (allerdings sehr selten) Mordgelüste in meiner Fantasie und finde das soweit nicht schlimm. Dass man wütend reagiert, wenn die eigenen Grenzen überschritten werden, ist denke ich auch gut und sinnvoll. Schließlich spornt einen das ja an sich zu wehren.

Ich bin aber in solchen Momenten von meiner nach außen hin gezeigten Reaktion das komplette Gegenteil von dir, also ruhig und "kalt"; nicht wie bei dir impulsiv und "feurig" ;-). Und meine Reizschwelle bis ich wütend werde ist deutlich höher als bei dir. Ich brauche auch länger, um wütend zu werden, wenn ich aber erstmal wütend bin schaffen nicht viele mich soweit zu bringen wehre ich mich aber auch entschlossen hat den ein oder anderen schon stark überrascht. Die waren dann plötzlich auch sehr kleinlaut.. Deshalb kann ich dich andererseits auch eben nur teilweise verstehen @:)

Du bist offensichtlich sehr impulsiv (kann man ja nicht übersehen, wenn einem Kartoffeln entgegenfliegen; gefolgt von einer zähnefletschenden Shojo ]:D ;-D ) Vielleicht hilft es dir etwas, wenn du dir die Vor- und Nachteile deiner Art klar machst? Danach könntest du überlegen, ob du positive Effekte (z.B., dass dein Kontrahent abgehauen ist) anders erreichen könntest. Also du kannst dir auch anders als durch physische Ausraster Respekt verschaffen und dich durchsetzen. Dann hast du dein Überlegenheitsgefühl am Ende ja auch.

Naja waren jetzt so ein paar spontane Gedanken. Vielleicht stelle ich mir das mit der Impulskontrolle auch einfacher vor, als es ist. Ich kenne leider auch eine sehr cholerische, impulsive Person Besagte Person hat mir bei ihrem heftigsten Ausraster die Nase gebrochen.. Bei ihm ist es besser geworden, als er aus der Pubertät raus war...aber ich denke, du bist da schon lange raus ;-) :)_

Ergänzung: Wenn du mir im Alltag als fremde Person begegnen würdest, würde ich um dich einen großen Bogen machen aufgrund schlechter Erfahrungen mit impulsiven Menschen. Etwas böse fomuliert: Bei denen weiß man ja nie, wann sie wieder ausrasten und wie heftig es wird.

(außerdem sind mir spontane Gefühlsausbrüche ohnehin suspekt -und dann auch noch in der Öffentlichkeit :-o :-/ :-o ... ;-D ;-)..)

L/ewxian


Shojo

Nein, ich beschließe an dieser Stelle einfach, dass ich keine Blackouts mehr haben werde.

Kann klappen. Wenn du es wirklich willst und es dir so wichtig ist, dass du es nicht im entscheidenden Moment vergisst.

:)*

Ich finde trotzdem, eine gebrochene Nase wäre okay für ihn gewesen

Von da bis zur Todesstrafe ist es nicht weit.

Crazyleni

Selbstbeherrschung geht nur bis zu einem gewissen Grad. Alles in sich hineinzufressen ist erst recht kontraproduktiv, denn irgendwann entlädt es sich sowieso.

Der Gestalt-Therapie-Ansatz waere, Aggression kontrolliert und bewusst herauszulassen (siehe Buchtipp weiter vorne); Selbstbeherrschung heisst nicht notwendig "in sich hineinfressen".

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