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Übles Temperament

d-ana{e87


Marika Stern

Ich finde es gut das es dir leicht fällt, mir fällt es sehr schwer und es ist eine ständige Übung. Dabei habe ich schon Hilfe in Form einer Therapie und trotzdem.

Dann gibt es biologisch/genetische Vorraussetzungen die es einem erschweren können die Kontrolle zu behalten. Verachtung finde ich also ziemlich fehlangebracht. :-/ :-/

d,anaex87


fehl am PLatz oder unangebracht, sucht es euch aus.

S(h{ojo


Kann klappen. Wenn du es wirklich willst und es dir so wichtig ist, dass du es nicht im entscheidenden Moment vergisst.

Ist es. Leute anbrüllen, wenn sie mich oder andere fast umfahren: weiterhin. Auf sie losgehen: nein (ich möchte an dieser Stelle auch noch mal daran erinnern, dass es sich einmal um Notwehr gehandelt hat, einmal um den Schutz meines Hundes, den jemand ohne Anlass getreten hat, und nur dieses eine Mal war es danach, also in dem Sinne grundlos, dass es niemandem geholfen hat, dass niemand dadurch geschützt wurde - mitunter klingt es hier, als nähmen einige an, dass ich einmal die Woche jemanden umhauen will. Ist nicht so. Und die weitaus meiste Zeit bin ich friedlich und weit davon entfernt, jemandem eine reinzuhauen, und ich habe in meinem ganzen Leben noch nie mit einem ernsthaften Streit angefangen).

So. Genug Rechtfertigungen für diesen Morgen. :-D

S}hlojWo


Von da bis zur Todesstrafe ist es nicht weit. (Lewian)

Na, ein Stück schon, möchte ich meinen. Vor allem von einer im Affekt im persönlichen Zwist gebrochenen Nase bis zur institutionalisierten Tötung ... ich weiß zwar, was Du meinst (glaube ich), aber trotzdem ist es ein recht großer Unterschied.

Nachdem ich jetzt endlich abgekühlt bin, und zwar nachhaltig, muss ich jedoch feststellen, dass der Unterschied zwischen ihm und mir möglicherweise deutlich kleiner ist, als ich mir gestern eingebildet habe. Wer weiß, welchem Impuls er gefolgt ist, als er noch schnell rüber ist, welche Fehleinschätzung dem zugrunde gelegen haben mag, und wie er das selbst bewertet - kann ich nicht wissen. Aber wenn er sich sehr erschreckt hätte wegen der hinten draufkrachenden Kartoffeln, oder auch beim Gasgeben, als er schnell weg wollte, da hätte durchaus ein Unfall passieren können, für den dann ich verantwortlich gezeichnet hätte. Da gab es gestern also zwei Leute, die andere Personen im Straßenverkehr in Gefahr gebracht haben. Allmählich ist mir auch klar, dass vor allem das mich erschreckt hat - drei Blackouts gab es, bei einem ging es um mein Leben, beim anderen darum, meinem Hund zu helfen, und der dritte hatte keine akute Notlage zur Grundlage, sondern nur Schreck und Wut. Das ist nicht zu rechtfertigen und wird mir nicht noch mal passieren.

Dann gibt es biologisch/genetische Vorraussetzungen die es einem erschweren können die Kontrolle zu behalten. Verachtung finde ich also ziemlich fehl am Platz. (danae, Auswahl der Änderung am Schluss: Shojo ;-D)

Ich habe den Eindruck, dass Marika nicht schnell zu einem Begriff wie Verachtung greift, und würde mir an Deiner Stelle "den Schuh" nicht so eilig anziehen. Klar, manchen Leuten fällt es leicht, anderen schwer, und ich finde es auch blöd, aus "für mich ist es vergleichsweise leicht machbar" quasi "man muss sich nur zusammenreißen" abzuleiten. Trotzdem - grundsätzlich hat sie nicht unrecht, finde ich. Aus mangelnder Selbstkontrolle andere Menschen (körperlich) in unangemessener Heftigkeit anzugreifen ist krass daneben. Und ich frage mich eigentlich nicht, ob es mir leichter fiele, mich zusammenzureißen, wenn meine Eltern so ein Verhalten ein bisschen mehr geächtet hätten. Mein Vater hat mir viel darüber erzählt, dass es in der Familie läge, und weil wir beide ausgeprägte Familienmenschen sind, hat sich dadurch fast so etwas wie Verbundenheitsgefühl und eine Art Märtyrerstolz eingestellt, dazu das Gefühl, es eben nicht wirklich in der Hand zu haben. Der grundsatz, den er mir eingehämmert hat und mit dem er selbst an alles herangegangen ist, war: "Nie gegen Schwächere!" Aber was ist schwächer? In dem Moment, in dem ich einen Zweimetermann ungünstig erwische, ist er es; Schwäche ist situativ. Ich höre sofort auf, sobald jemand signalisiert, dass es ihn verletzt, sobald jemand einlenkt, weint, für mich sichtbar Angst hat, quasi "Bauch zeigt", beschwichtigt - das gilt auch für verbale Angriffe. Immerhin. Aber es wäre wertvoller gewesen, wenn wir zusammen reflektiert hätten, wo Wut wirklich angebracht ist und wo nicht, statt so eine Art Ehrencodex des Berserkers daraus zu stricken und unsere Identität eng damit zu verknüpfen, dass wir schnell in (als gerecht empfundenen) Zorn verfallen.

Ich nehme Marikas Äußerung (die übrigens in ihrer Heftigkeit vermutlich auch irgendwelche in ihrer eigenen Biographie verankerten Wurzeln haben mag, auf jeden Fall ist es ganz offensichtlich ein wichtiges Thema für sie) eher als Ächtung solchen Verhaltens wahr denn als Ächtung beispielsweise meiner Person, und das finde ich sogar insofern hilfreich, als ich nicht möchte, dass Marika mein Verhalten richtig scheiße findet. Bei einigen anderen ist es mir herzlichst egal, da denke ich schnell recht selbstverliebt: "Ach, ihr Lappen, die ihr keinen menschlichen Abgrund kennt, die ihr nicht vertraut seid mit euren dunkleren Seiten, die ihr einfach keine Ahnung habt und das angeborene Temperament eines Siebenschläfers ... geht und redet mit Nonnen und Schäfchen, da wisst ihr wenigstens, worum es geht". Bei Marika funktioniert das nicht, weil ich weiß, dass sie kein Lappen ist. Deshalb bin ich froh, dass sie so hart ihren Senf dazugegeben hat, weil das bei mir auf der Waage, die meine Selbstreflexion austariert, schön viel Gewicht dort addiert, wo es wehtut und mich zum Nachdenken bringt, statt dazu, mich heimlich selbst ein bisschen zu feiern, weil das so viel angenehmer ist.

Sph@oj~o


Falls es übrigens jemanden interessiert: Kartoffeln, die Flugstunden hatten und im Straßenverkehr ein paar Abenteuer erlebt haben, schmecken, zumindest am selben Abend zubereitet, trotzdem noch prima. :-D

L6ovHYus


Ich hoffe, dass er sich selbst erschreckt hat, wenigstens im Nachhinein, dass er denkt: "Mann, ich Vollidiot, was habe ich mir dabei gedacht? Ich hätte jemanden erwischen können!"

Ich vermute eher, dass dieser Teil der Geschichte völlig von der Begegnung mit einer leibhaftigen Furie verdeckt wurde.

Ich habe ja keine Ahnung, was für einer das war.

So jemand wie du und ich, vielleicht. Jemand, der, wenn eine Situation den Tunnelblick provoziert, nicht mehr über die Risiken nachdenkt, die er für sich und auch für andere in Kauf nimmt. Der in ähnlicher Stimmung sein Gaspedal betätigte, wie du die Kartoffeln geschmissen hast.

finde ich den entzogenen Führerschein auch super. Oder eine gebrochene Nase. Die Todesstrafe sicher nicht.

Ich bezog mich hierauf aus deinem Ausgangsbeitrag:

ich wollte das trockene Knacken eines Genicks unter meinen Händen hören

Wenn sich mit dem abkühlenden Gemüt das Genick zu einem Nasenbein verniedlicht, ändert das nichts an der ursprünglichen Maßlosigkeit der Wut.

Sdhojxo


Huch? Ich merke gerade, dass ich ja so tu, als wäre der erste Aussetzer beim Überfall gewesen, dabei war das ja, als ich den Typen wiedergetroffen habe. Allerdings betrachte ich DAS trotzdem nicht als kritikwürdig, weil absolute Extremsituation und Trauma und Amygdala statt Großhirn und so weiter. Aber interessant, dass ich das so zusammenwerfe und dann den ersten Vorfall unter Notwehr einsortiert habe. Das war es ja nicht mehr, das war Mordlust.

Wenn sich mit dem abkühlenden Gemüt das Genick zu einem Nasenbein verniedlicht, ändert das nichts an der ursprünglichen Maßlosigkeit der Wut.

Das stimmt allerdings.

Der in ähnlicher Stimmung sein Gaspedal betätigte, wie du die Kartoffeln geschmissen hast.

Alter Schwede, bin ich froh, dass ich meinen Beitrag vor Deinem geschrieben habe und diese Parallele somit sichtbar und hochoffiziell selbst gezogen habe! Also - er wird nicht in ähnlicher Stimmung gewesen sein wie ich, das würde mich sehr verwundern, aber wir haben ungefähr gleich viel Rücksicht auf andere Beteiligte genommen, nämlich gar keine. Und auch er wird seine Gründe dafür gehabt haben, die ebenso wenig gut gewesen sind wie meine.

Ich vermute eher, dass dieser Teil der Geschichte völlig von der Begegnung mit einer leibhaftigen Furie verdeckt wurde.

Pscht!

M}oll-ie:nchxen


@ schnecke1985

ich finde es befremdend, wie viele hier diese Ausraster herunterspielen oder sich gar wünschen, selbst so agieren zu können.

Auch wenn das in der Tat befremdlich ist, aber ich kann diesen geheimen Wunsch verstehen. Der entspringt wohl dem Bedürfnis, sich endlich auch mal Respekt zu verschaffen. Da das bei einigen Leuten durch ruhiges Reden, Bitten und an Vernunft appellieren nicht möglich ist, kann ich schonmal ins Träumen darüber geraten, wie ich demjenigen kraft eines Ausrasters so viel Angst einjage, dass er fortan brav alles tut, was ich möchte bzw. unterlässt, was mich stört.

Manchmal denke ich, es gibt Menschen, die nur dieses "Steinzeitgehabe" verstehen, deshalb hätte ich's schon gern manchmal drauf… Allerdings bitte kontrolliert. Aber das ist vermutlich ziemlich schwierig, da Wut ja nunmal ein spontanes Gefühl ist.

Leider hat meine Erfahrung gezeigt, dass "Steinzeitgehabe" manchmal eben doch das einzig wirksame Mittel ist, jemanden in seine Schranken zu weisen. Gut gefühlt habe ich mich hinterher allerdings nie. Sondern mich für meinen Ausraster geschämt. Über den Erfolg der Handlung habe ich mich selten gefreut.

S4hohjo


Zieht man eigentlich Parallelen? Mich deucht gerade, eher stellt man sie ganz bescheiden fest.

L>ovHxus


bin ich froh, dass ich meinen Beitrag vor Deinem geschrieben habe

;-D Ist mir auch sofort aufgefallen, als ich dann deinen Beitrag gelesen habe.

Parallelen kann man schon ziehen. "Sauber" wäre, einen Analogschluss gezogen zu haben, aber wie gestelzt klingt das denn. In dem Zusammenhang oben wäre "gesehen" oder "erkannt" statt "gezogen" wohl am eingängigsten gewesen.

a%.f5ish


Sach ma, wie bitte soll man sich als weiser Ratschläger fühlen, wenn Dir alle Erkenntnisse schon von ganz alleine kommen? Mach doch Deinen eigenen Thread au.. oh, ähm.

Mh, mir bleibt nur eine vorsichtig vorgebrachte Frage: wusstest Du das nicht vielleicht alles schon? Ist der Beschluss + Gedanke " beim nächsten Mal" in Aktion zu treten wirklich neu oder ein Bekanter, vielleicht in neuen Schuhen. Ich mein das jetzt wirklich ergebnisoffen, nicht unterstellend, wenn Du für Dich sagst: "Nö", dann ist es so.

S(hoxjo


wusstest Du das nicht vielleicht alles schon?

Nee, ich bin echt so doof. Also: Ich bin natürlich nicht doof, aber ich kann wahnsinnig elegant jahrelang sehr eloquent Positionen vertreten und Weisheiten verkünden, ohne sie jemals in irgendeiner Weise mit meinem eigenen Verhalten in Verbindung zu bringen. Insofern, ja, wusste ich bestimmt schon alles, aber das alles so zusammenzubringen und daraus eine Handlungsbedarf nach sich ziehende Konsequenz zu ziehen, das ist gerade sehr frisch. Irgendwie reifen bei mir Erkenntnisse unglaublich lange, und ich schnalle gar nix, und dann auf einmal schlagen sie zu. Meine Selbsterkenntnis ist also auch irgendwie jähzornig, auf jeden Fall eruptiv. ":/ Ich hab halt meistens irgendwie total überhaupt gar keinen Bock auf so was. Und keine Zeit. Und ich finde mich ja auch meistens irgendwie gut und fühl mich auch wohl mit mir. Da muss echt richtig was passieren, damit ich den Erkenntnis-Schmelzofen mal anheize, das längst bereitliegende Material reinschiebe und dann Bauklötze über das staune, was da so rausploppt und schon ewig lange hätte fertig sein können. Da mich die Ergebnisse aber meist in meiner Vergnügtheit stören, meinen Alltag durcheinanderbringen und überhaupt irgendwie aufwühlend und unbequem und oft auch ein bisschen schmerzlich sind, zögere ich es so lange raus, bis ich mit dem Rücken zur Wand stehe. Dann mach ich aber gern kurzen Prozess damit. Damit vom Tisch, der Scheiß.

Nich so wahnsinnich ökonomisch irgendwie, oder? :-/

aber wie gestelzt klingt das denn

Sir, ist Gestelztheit denn ein Grund, eine angemessene und den Inhalt auf wohlklingende Weise erfassende Formulierung zu ächten? Mitnichten!

d a?na|e87


Shojo

Ich denke das dies Zusammenwerfen der beiden SItautionen "Überfall" und "erster Ausraster" sehr aussagekräftig ist. Das könnte bedeuten das ein Gefühl der HIlfslosigkeit ganz allgemein nahe an "Notwehr" dran ist. ":/ ":/

Was Marika Stern angeht trifft mich das sicherlich an einer empfindlichen Stelle. In meinem Leben wurde ich schon des öfteren mit dem Vorwurf konfrontiert mich nicht zusammen reißen zu können. Dabei war ich tatsächlich schon so verzweifelt das ich Menschen verletzt hatte die mir wichtig waren das ich danach auf mich los gegangen bin. Da trifft so krasse Ablehnung dann einfach ins Mark. ;-)

SUhojmo


Ich grüble gerade, weshalb es mich nicht bis ins Mark trifft beziehungsweise warum ich es begrüße, dass es trifft. Masochismus? Oder es liegt daran, dass nur selten Menschen, deren Meinung ich schätze, mein diesbezügliches Verhalten ernstlich kritisieren. Die meisten sind eher besorgt, aber dass mir mal jemand so richtig eins vor den Bug knallt: selten. Bis auf eine sehr gute Freundin macht das eigentlich nur selten jemand. Na, und meine verflixte Schwester, die macht das auch gern. ;-D

Lro\vHus


Mitnichten!

Nun denn, dann ist es dir also gelungen, von dir ausgehend einen Analogschluss auf das Verhalten des Fahrers zu ziehen.

Wohlklingende Gestelztheit ":/ . Und ich dachte, gestelzt heißt gerade, dass ein Inhalt in einer bestimmten Richtung übertrieben, also nicht mehr angemessen, formuliert wurde. Deshalb wirken doch die entsprechenden Figuren bei Jane Austen so komisch :-) .

Aber vielleicht bringt das genau deinen von dir beschriebenen Erkenntnisprozess auf den Punkt: Wie sehr du dir in deinem Selbstbild gefällst und wie gestelzt es eigentlich ist. Wie blöd, dass es einem an anderen so viel leichter auffällt ;-D .

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