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Übles Temperament

dZanaZe87


Shojo

Bei mir trifft es eher eine total ausgehauene Kerbe. Bei mir zu Hause wurde aggressives Verhalten nicht nur nicht tolleriert sondern schwer geächtet. Da gabs schon ärger wenn ich mal unwillig geknurrt habe, Wutgeschrei konnte schonmal zu ner Ohrfeige führen. Daher weiß ich das ich selbst unter großer Anstrengung nicht immer in der Lage bin mich zusammen zunehmen. Ich reagiere daher auf Verachtung wenn ich an einer für mich extrem schweren Übung gescheitert bin als ziemlich verletztend. Der bin ich diesbezüglich einfach schon zu oft begegnet.

Bei Verhaltensweisen die mir nicht schon solange Probleme machen, die nicht so aufgeladen sind, kann ich mit harscher Kritik auch besser umgehen.

S4hoxjo


Bei mir zu Hause wurde aggressives Verhalten nicht nur nicht tolleriert sondern schwer geächtet. Da gabs schon ärger wenn ich mal unwillig geknurrt habe, Wutgeschrei konnte schonmal zu ner Ohrfeige führen.

Äh. WTF? Was ist denn das für ein geheuchelter Scheißdreck? Missmutige Kinder ihrer "Aggressivität" wegen ohrfeigen? Du, da wurde bei Dir zu Hause nicht Aggressivität geächtet, sondern im Gegenteil vorgelebt. Kein Wunder, dass das Wurzeln geschlagen hat. Alter Schwede! Deine Eltern dürften mir aber gerade auch nicht im Dunkeln begegnen. Hal-lo?? Sind die auch ansonsten eher merkbefreit?

Hammer. Ist Dir das bewusst, dass nur Deine Wut geächtet wurde und "schlechtes Benehmen", und zwar seitens des Kindes, mitnichten aber Aggression und Gewalt an sich?

S0hojNo


Bei Verhaltensweisen die mir nicht schon solange Probleme machen, die nicht so aufgeladen sind, kann ich mit harscher Kritik auch besser umgehen.

Das ist es wahrscheinlich - ich habe das Gefühl, dass ich es überwiegend im Griff habe und jetzt gerade mit den Resten aufräume.

d#anxae87


Hammer. Ist Dir das bewusst, dass nur Deine Wut geächtet wurde und "schlechtes Benehmen", und zwar seitens des Kindes, mitnichten aber Aggression und Gewalt an sich?

Ja ist mir, ich habe mich nur unglücklich ausgedrückt. Meine Aggressionen wurden geächtet, mein Verhalten sanktioniert. In der Folge wurde ich auto-aggressiv hielt ich doch meine Gefühle/Wut für strafenswert und irgendwohin muss der Zorn ja auch. Daher reagiere ich auf solche Ansagen ziemlich empfindlich, das war nämlich häufig die Einleitung meiner Eltern wenn sie mir gesagt haben was sie davon halten das ich gegen die Wnad getreten habe.

Lwewxian


Shojo

Von da bis zur Todesstrafe ist es nicht weit. (Lewian)

Na, ein Stück schon, möchte ich meinen. Vor allem von einer im Affekt im persönlichen Zwist gebrochenen Nase bis zur institutionalisierten Tötung ... ich weiß zwar, was Du meinst (glaube ich), aber trotzdem ist es ein recht großer Unterschied.

Meine Bemerkung bezog sich nicht auf den Affekt, sondern auf deine allgemeiner klingende und unaffektierte (sagt man so?) Aussage, wofuer eine gebrochene Nase "OK" gewesen waere. Das koennte man schon so institutionalisieren in deinem Wunschstaat, wenn du einen haettest und das wolltest.

Na gut, "ein Stueck schon" noch.

Ausserdem ziehe ich einen demokratisch legitimierten strafenden Staat der Selbstjustiz immer noch vor, bei aller emotionalen Anteilnahme und unabhaengig davon, was die Strafe nun im Einzelnen ist.

Gut, das ist eigentlich nicht das Thema hier, aber da gehoeren anscheinend (aus meiner Sicht) schon gewisse Dinge zu deiner Selbstrechtfertigung, die es verdienen, mal hinterfragt zu werden. (Was du wie ich sehe ja auch schon tust.)

mUarika ]stexrn


puh, danae, das tut mir leid. wäre dies dein thread gewesen, hätte ich das irendwie netter ausgedrückt. aber wäre das dein thread gewesen, wäre auch der eingangsbeitrag ein anderer gewesen und ich würde von dir nicht x andere threads mit ähnlicher thematik kennen und somit das gefühl haben, dass ich dich als gesamtpaket ganz gut einordnen könnte und wissen, dass man dir die meinung nicht nur or den bug knallen kann, sondern in diesem fall sogar muß.

so, shojo, jetzt zu dir. ich schließe mich der hier öfter auftauchenden meinung an, dass du mit deiner impulsivität ziemlich kokettierst, sie in dem moment als eine art charmante charaktereigenschaft runterspielst und das so auf eine stufe stellst mit "manche menschen sind unordentlich, unpünktlich oder ungepflegt, ich bin nunmal unkontrolliert, aber das macht ja nichts, ist zumindest ehrlich und ich seh gut aus dabei". und auf die schiene hab ich nunmal einfach keinen bock, einfach deswegen, weil mein erster impuls war, tatsächlich auch in die richtung zu schreiben. so nach dem motto "ach unsere shojo mal wieder". und genau das hat mich erschreckt. als ich nämlich den eröffnungsbeitrag las, bevor ich deinen namen drunter gesehen habe, hab ich nur gedacht "was für ein arsch, es ist zum kotzen, dass es solche menschen auf dieser welt gibt." dann stand dadrunter aber nicht in blau terminator2012 oder rambo1980, sondern das mir im grunde sehr sympathische "shojo". also war es mir einfach wichtig, klar zu legen, was ich von solchem verhalten halte.

sowas geht einfach nicht. das hat rein gar nichts damit zu tun, dass man sich nicht alles gefallen lassen soll oder sich wehren können muß. ich halte es durchaus auch für eine gute charaktereigenschaft, sich verteidigen zu können, sei es jetzt körperlich, verbal oder emotional. jeder mensch sollte wissen, wo seine eigenen grenzen verlaufen und die aufrecht erhalten können. aber halt angemessen und vor allen dingen kontrolliert.

I^ndi*vidwualisxt


na ja, du findest das kontrollverlust / scheiße– ich nenne es selbst schützendes verhalten.

Das rauschhafte Anwachsen auf 11 Meter 30, die lustvolle Vorstellung, Blut spritzen zu sehen und Knochen knacken zu hören, ist also selbstschützendes Verhalten?

Also bitte. :|N Ich glaube, das hier geht nicht nur weit über den Aspekt des Selbstschutzes hinaus, sondern ist sogar eine ganz andere Qualität.

ich finde es befremdend, wie viele hier diese Ausraster herunterspielen oder sich gar wünschen, selbst so agieren zu können.

Es ist nur so lange befremdend, wie man es durch den Filter gesellschaftlicher Wertvorstellungen betrachtet. Aber ein solcher Wunsch hat seinen Ursprung sicher nicht in der relativ jungen Großhirnrinde. Ich glaube, es geht archaischere Impulse, die auch zum Menschsein gehören, aber im Laufe der Zivilisationsentwicklung immer mehr zensiert, zurückgedrängt, verschüttet, überformt wurden. Es geht vermutlich noch nicht mal um Gewalt an sich, sondern um Dinge wie Rausch, Trance, Ekstase; darum, aus dem eigenen "Zivilisationsgefängnis" herauszutreten, sich auf eine viel urtümlichere und intensivere Weise selbst(vergessen) zu spüren und "lebendig" zu fühlen. Nach dem Motto: Ich explodiere, also bin ich. Es geht, metaphorisch gesprochen, um die Begegnung mit dem "inneren Dämon".

Menschen, die immer vernünftig, kontrolliert und beherrscht sind, empfinden wir oft als langweilig und unerotisch – und auch irgendwie suspekt. Und je mehr einer Tugend, Anstand und Selbstbeherrschung predigt, um so mehr ahnen wir dahinter zugleich auch die heimliche, lüsterne Teilhabe an den Exzessen und Grenzüberschreitungen anderer, die sie sozusagen stellvertretend ausleben lassen, um der inneren Zensur zu genügen und sich nicht selbst dazu bekennen zu müssen.

XQubsuntxu


Shojo

Wie würdest du die Situation eigentlich bewerten, wenn du sie umgekehrt erlebt hättest? Also, wenn du die rasante Autofahrerin gewesen wärst und der Mann der Fußgänger? Und der Mann wäre dann so ausgetickt, obwohl du ihm ja noch ausgewichen bist mit deinem Auto?

Würdest du sowas in der Art denken, wie:

"Was regt der sich jetzt so auf -ist doch nichts passiert?! Hatte es eben etwas eilliger und habe den eben nicht gesehen. Ist halt Pech, kommt aber vor. Kannst ich ja jetzt auch nichts mehr dran ändern. Soll sich mal nicht so anstellen....etc."

Und was würdest du dann davon halten, wenn der Typ (als Fußgänger) dir dann Kartoffeln ans Auto schmeißt. Und es außerdem völlig gerechtfertigt findet, dir für dein Fehlverhalten auch noch die Nase zu brechen (vom Prinzip her)?

Ich persönlich finde das hat so eine gewisse Blockwart-Mentalität, wenn man es so herum betrachtet. Mir ist auch klar, dass du das anders sehen wirst. Ist ja nicht so cool als Blockwart dazustehen. Dann doch lieber als unverkrampfter ehrlicher und direkter Mensch, der seine dunklen Seiten nicht verleugnet – im Gegensatz zu den anderen Langweilern. Insgesamt sehe ich es so, dass du den Autofahrer für sein Fehlverhalten in Form von Selbstjustiz bestrafen wolltest. Und ich schließe mich marika stern an: Du vermittelst absolut nicht den Eindruck, dass du dein Verhalten wirklich bedenklich findest, sondern kokettierst damit.

mIaripka ostexrn


@ individualist

ich finde aber durchaus, dass man kontrollieren kann und sollte, wann man die kontrolle verliert. klingt paradox, ist aber durchaus praktikabel. sexuell gesehen bedeutet es zum beispiel, dass ich nicht auf offener straße masturbiere, aber durchaus in der lage bin, mit der richtigen person zur richtigen zeit alle hemmungen fallen zu lassen. bezogen auf die gewalt heißt das für mich, dass es durchaus auch da einen punkt gibt, wo ich den schalter umlege, wenn mein leben zum beispiel in gefahr ist. das halte ich auch für durchaus positiv. aber wann sich der schalter umlegt, das entscheide bitte schön ich. ein kontrollierter kontrollverlust ist was anderes alsein unkontrollierter.

MgoniAka65


Individualist

Menschen, die immer vernünftig, kontrolliert und beherrscht sind, empfinden wir oft als langweilig und unerotisch – und auch irgendwie suspekt.

Das ist das eine Ende der Latte und selbst- und fremdgefährdentes Verhalten am anderen, es gibt etwas dazwischen. Und unkontrollierter Kontrollverlust, wie in marika so wunderbar definiert hat, empfinde ich in jeder sich darbietenden Form als große seelische Schwäche, die weder für mich nur abstoßend ist. Nichts gegen einen gepflegten Wutanfall, wenn – wie gesagt – die Kontrolle noch spürbar ist.

S`hoxjo


Heiliges bisschen, Marika, Du bist ein harter Knochen. Weißt Du, was ich gerade merke? Dass ich erwartet habe, dass Du ein bisschen versöhnlicher wirst, wenn ich charmant und beschämt zurückrudere. Und mir wird bewusst, dass ich bisher so immer durchgekommen bin. Immer. Mit einer einzigen Ausnahme: meine Schwester. Die mir einmal gesagt hat: "Wenn du noch einmal so verletzend mir gegenüber wirst, dann werde ich, um mich zu schützen, den Kontakt abbrechen. Auch wenn du einer der wichtigsten Menschen auf der Welt für mich bist. Auch wenn wir meistens viel Spaß miteinander haben. Auch wenn es mir selbst furchtbar wehtut. Aber es macht mich kaputt." Das ist viele Jahre her und war ein Bombeneinschlag. Du bist mir nicht ansatzweise so nah wie meine Schwester, aber da ist dieselbe Kompromisslosigkeit und dieselbe Weigerung, sich auf irgendein Geplauder einzulassen, sich mit ein bisschen halbgaren Zugeständnissen, irgendeinem launigen Theoretisieren zufriedenzugeben. Und da ist ein schwächeres, aber nichtsdestoweniger ziemlich deutliches Echo des Bombeneinschlags damals.

Ich denke wirklich drüber nach. Das ist ein Prozess, der schon eine Weile bei mir rummurkelt, eben so halbgar, irgendwie nicht als zentrales Thema, sondern immer mal wieder ein bisschen, aber doch konstant. Spiegelt sich ja auch im Forum. Dem Doc bin ich für seine Nachdrücklichkeit auch dankbar.

Habe gerade meine Beiträge hier im Faden gelesen und beginne zu verstehen, was Du meinst. Ich will nicht wirklich verstehen, weil ich, seit ich denken kann, mein Selbstbild um einige Grundpfeiler herum aufgebaut habe, von denen einer ist: Ich habe eine große Klappe. Und damit ist irgendwas Ungutes passiert bei dem Überfall. Da ist irgendwas zu Bruch gegangen. Und ich hab es auf eine Art geflickt, die mich nicht sicherer vor wirklichen Angriffen oder Bösartigkeit macht, sondern ich greife Leute zu hart an, die es nicht in dem Ausmaß "verdient" haben, ich messe mit verzerrten Proportionen, und ich bin oft selbst bösartig - was ich dann vor mir selbst tarne, indem ich mir einrede, bei offensichtlicher Schwäche würde ich ja zurückrudern, was aber Bullshit ist, weil ich ja nicht blöd bin und bereits beim Loslegen ganz genau weiß, dass mein Gegenüber mir rhetorisch nicht gewachsen ist. Und vor anderen tarne ich es durch eine ziemlich routinierte Choreographie aus Koketterie und Bruchstücken wirklicher Einsicht und Selbstkritik.

Ich schwanke hier gerade beim Schreiben zwischen Befriedigung über die Geschicklichkeit und Leichtigkeit, mit der ich das tu, und Ekel.

Meistens bin ich (im "echten" Leben) lieb und verträglich und mag es haben, dass andere Menschen sich gut fühlen. Aber wenn mir jemand irgendwie ernsthaft querkommt, so dass ich es vor mir selbst rechtfertigen kann (und ich rechtfertige es unter anderem genau mit jener Rücksicht und Zuvorkommenheit, derer ich mich im Normalfall befleißige - "Wenn alle so wären wie ich, wäre es ja gar nicht nötig, dass mal jemand auf den Tisch haut") - dann reagiere ich hier im Forum meist und von Angesicht zu Angesicht häufig absolut unverhältnismäßig. Und zwar ausschließlich zu dem Zweck, mich abzureagieren und mich darüber zu freuen, wie leicht es mir fällt, jemand anderen unangespitzt in den Boden zu rammen.

Das hat tatsächlich keine Größe.

Mir ist ein bisschen übel. Danke dafür, dass Du trotz und wegen grundlegender Sympathie so unbestechlich bist. Ich nehme das jetzt so mit und mache erst mal ganz für mich im stillen Kämmerlein einiges mit mir selbst aus. Ohne Publikum, das mir, falls es gerade eng wird, versichert, ich sei eben ein bisschen lebhaft, sei doch völlig okay. Nee, klar, ich werde sicher kein stilles Mäuschen, will ich auch nicht, aber ich muss dringend Temperament und Gift ganz klar auseinandersortieren und schauen, wo ich dann eigentlich stehe.

Iin3divBiduaxlist


@ Marika (und Monika)

ich finde aber durchaus, dass man kontrollieren kann und sollte, wann man die kontrolle verliert.

Wieso "aber"? Dazu habe ich doch gar keine Aussage gemacht, der man widersprechen müsste. Und hätte ich eine gemacht, wäre sie vermutlich ohne Weiteres bei euch zustimmungsfähig. Ich bin ja niemand, der dem unkontrollierten Ausleben archaischer Impulse das Wort reden würde – um das sicherheitshalber klarzustellen.

Nein, es ging mir nur darum, die "Qualität" dessen, worum es hier geht (oder zu gehen scheint), herauszustellen, und das von bloßem Selbstschutz abzugrenzen.

Ich selbst sehe mich übrigens eher in der Nähe des anderen Skalenendes (rational, kontrolliert). Und so sehr ich dabei meist eins mit mir bin, empfinde ich das doch manchmal auch quasi als Behinderung, Defizit oder "Gefängnis". Deshalb kann ich in gewissem Sinn durchaus Leute "beneiden", die spontaner, temperamentvoller, unbeherrschter sein können – selbst wenn ich das Verhalten, welches dann dabei rauskommt, überhaupt nicht gutheißen kann.

LJov?Hxus


Kennt hier jemand "Die Säulen der Erde" von Ken Follett?

Viele Szenen dort tragen zu diesem Faden bei.

P8auli}ne1x1


Und dass sie vor mir abhauen, vor einem Weibchen, keine einssiebzig groß, dass sie bleich werden und zusehen, dass sie so schnell wie möglich Land gewinnen - das befriedigt mich zutiefst.

Kann ich mir gut vorstellen. Ich gebe zu, ich fand die Szene in deiner Schilderung erst einmal köstlich!

Die Frage ist, ob du in einer wirklichen Auseinandersetzung tatsächlich stoppen kannst. Das kannst nur du wissen; im Zweifelsfall doch mal mit einem Therapeuten reden, wenn dasRisiko besteht, dass nicht. Könnte sonst mal ein ernstes Problem werden. Aber solange es verbal bleibt...

Schön fand ich die Vorstellung, weil mir selbst immer klar war, dass ich z.B. bei einem Überfall sehr gefährdet wäre: Ich bin unsportlich, weder schnell noch sehr kräftig, aber meine Wut wäre sicher um ein Vielfaches größer als meine Angst!

In Szenen wie mit dem Autofahrer würde ich trotzdem nichts machen, das ärgert mich sehr, wäre mir aber den Stress nicht wert.

Zweimal bescherte mir die Wut in jüngeren Jahren aber Verletzungen, beide Male wegen hartnäckiger Anmache: Einmal eine dick geschwollene Hand vom Zuschlagen und einmal eine gebrochene Nase, als ich einen Typ, der mir sogar mitten im belebten Bahnhof nach 10 Minuten Labern von ihm und deutlicher Ansage von mir den Weg versperrte, recht rabiat zur Seite schubste...

N8uroarihyQon


Interessantes Thema. Ich wollte mich schon immer mal in so eine Richtung äußern. Ich glaube nur, dass Männer dann schneller den Stempel Psychopath abbekommen als Frauen. Egal.

Ich leider (u.A. jede Menge scheiß, der nur indirekt damit zusammen hängt) an einer dissuziativen Störung. Nennt es einfach Blackouts. Es gibt da jede Menge unterschiedlicher Arten. Totaler Gedächtnisverlust von insgesamt Minuten bishin zu Stunden. Plötzlich an einem anderen Ort im Haus zu sich kommen. Es gibt auch die Variante, dass ich neben mir stehe. Das Gefüh, den letzten Faden zur Realität zu verlieren ist das Schlimmste daran. Als wäre meine Persönlichkeit zwigespalten. Wobei ich nicht davon ausgehen, an einer schizphrenen Psychose zu leiden.

Ich habe schon sehr lange, sehr sehr sehr sehr lange, Angst davor, plötzlich auszurasten und Amok zu laufen. Das würde sich vermutlich in der zeitung gut gemacht, oder? Ein Klassiker der auf "...dann richtete er die Waffe gegen sich selbst" enden könnte. Ein weiterer tragischer Fall, der nicht vorhersehbar war. Wie konnte er nur? Dabei war er immer so nett und ... blahblubb, ihr kennt den Sülz.

Dass ich (wieder unter Anderem) genau diese Ängste seit über einem Jahrzehnt! auszudrücken versuche, diese aber niemand ernst nimmt, das wird natürlich nicht erwähnt.

Aus Angst, nicht nur vor mir und um mich, sondern auch vor anderen und um andere, habe ich irgendwann alle soziolen Kontakte gekappt. Das ganze Konstrukt ist natürlich nur, nennen wir es Mal Symptom, einer größeren und umfassenderen psychischen Problematik. Ihr versteht schon, man kann das schlecht einzeln betrachten.

Je mehr ich die Kontrolle verlor desto mehr richtete ich die Wut gegen mich selbst. Man kann sagen typisches selbstverletzendes Verhalten, nur das die meisten Situation irgendwann akut lebensgefährlich wurden. Warum sollte ich auch ausgerechnet bei mir selber die Kontrolle behalten können? Ergibt irgendwo Sinn.

Blahsülzblubb...12 Jahre Psychomüll... laberblah...

Ich habe mittlerweile in meiner Freundin einen festen Halt, bin (irgendwie) in Behandlung und gehe so meinen Weg. Hat sich also viel getan, es geht vorran und so. Gesunder bin ich nicht, aber auf einem guten Weg aus dem ganzen Müll.

Dann kam eine Situation: Ein Typ aus der Nachbarschaft hetzt vorsätzlich seinen (durch Prügelstrafen und Quälerei scharf gemachten) Jagdhund auf meine Katze, welche im Endeffekt daran am selben Tag starb. Erst drehte ich durch, ich war auf Berserker. Später war meine Mutter nochmal mit der (noch lebendigen) Katze beim Tierarzt. In dem Moment war es plötzlich bei mir vorbei. Totaler Kontrollverlust. Keinerlei Gefühl mehr. Nichtmal Wut, Blutdurst. Ich war äußerlich völlig ruhig und habe das Haus verlassen, und den Typ gesucht. Ich wollte ihn einfach töten. Einfach so. Simple Logik, der Typ ist Müll, er muss sterben. Wie eins plus eins macht zwei. Ich bin rumgelaufen und habe ihn gesucht.

Verstehst du was ich meine? Es war schrecklich. Ich war wie fremdgesteuert, und doch auch nicht. Ich war völlig von der Realität losgelöst. Hätte ich ihn gefunden, hätte ich ihn vermutlich umgebracht. Einfach so. Oder hätte es versucht und wäre selber gestorben, auch einfach so.

Immer habe ich mich mit den Worten getröstet, mit denen alle um mich herum meine Ängste abgetan haben: "Ausgerechnet du? Im Ernstfall würdest du keiner Fliege was tun." Und ich glaube heute, mehr denn je, dass das nicht stimmt. Dass ich eh Blackouts habe ist schlimm genug.

Ich glaube jeder Mensch hat irgendwo ein Monster in sich, einen Killertrieb. Die Schmerzgrenze der meisten Menschen ist freilich höher als meine, oder sie haben den Trieb besser im Griff. Ich weiß es nicht. Mir persönlich macht es Angst. Ich habe Angst davor, jemanden zu verletzen, der es vielleicht nicht verdient. Oder auch mich selber. Ich verdiene es im Grunde ja auch nicht.

Ich glaube, dass mancher Amoklauf so begann. Oder das es so einen Punkt oder mehrere bei Amokläufern schon gab. Leute, die durch ihr soziales Netz nicht aufgefangen wurden, nicht ernst genommen wurden, die sich nicht, so wie ich, rechtzeitig zurück gezogen haben, und wo das ganze dann in den üblichen Schlagzeilen gipfelte. Gezielt und langfristig geplante Amokläufe nehme ich davon jetzt mal bewusst aus.

Damit umgehen kann ich immernoch nicht, und teils versinkt das ganze in überlagernden Schichten schlimmerer Probleme, aber ich bin heute auf dem Weg, falls ihr versteht, und habe ein kleines, aber starkes, soziales Gefüge, dass mich bis zu einem Gewissen Punkt abfangen kann.

Und dieses soziale Gefüge, bei dir Shojo dein Kind, ist der wichtigste Anker, den du hast.

Ich weiß, ich komme jetzt rüber wie der letzte Psychopath. Trotzdem hoffe ich, ihr konntet einigermaßen Verstehen, worauf ich hinaus wollte.

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