» »

Hypochondrie

SZist3erAxct hat die Diskussion gestartet


Hallo an alle!

Ich bin 32 Jahre alt, verheiratet, Mutter 2er wundervoller Kinder. Wir wohnen in einem kleinen Ort in einem Neubaugebiet, haben eine DHH gemietet. Mein Mann ist in einem festen Angestelltenverhältnis, ich bin als Kinderkrankenschwester noch in Elternzeit.

Es könnte alles sooo schön und perfekt sein, wäre da nicht meine Hypochondrie. Wirklich, ein Grauen. Alle sind fit, gut zufrieden und vor allem gesund, aber ich muss mir immer wieder neue Dinge einbilden. Und ich fühle mich so allein damit... Weiss niemanden, mit dem ich darüber sprechen kann. Den einen will man nicht schon wieder nerven, der andere weiss gar nichts von meinen Ängsten und Sorgen. Allein mit der Sorge, an Lungenkrebs zu leiden, aber auch mit dem relativ sicheren Wissen, dass es mit einer enorm hohen Wahrscheinlichkeit NICHTS ist... Angst die Kinder zu Halbwaisen zu machen, ohne eine Mutter (IHRE Mutter) aufwachsen zu müssen, den Mann zu einem Witwer zu machen. Nicht einschlafen können, weil die Gedanken kreisen, Nachts wachwerden und Panikattacken durchleben, zu stolz, den Mann zu wecken, denn in der Therapie habe ich gelernt, dass ich in der Lage bin, es allein zu schaffen. Der anstrengende Versuch, Herr über meine Ängste zu werden. Aber dennoch scheinbar nicht sooo besorgt, den ein Arztbesuch steht noch nicht an. Auch hier nicht, weil ich nicht das Bedürfnis habe, hinzugehen, sondern mich schäme, ihm abermals eine Symptomatik zu präsentieren, die unglaublich teuere Untersuchungen mit sich bringt und am Ende wieder dazustehen und gesund zu sein. In meiner Panik sagt mir das Engelchen auf meiner einen Schulter, dass alles gut ist, es ist ja schliesslich nicht das erste Mal, aber der olle Teufel auf der anderen Seite.... Der schreit nämlich kontinuierlich: "Aber was, wenn es dieses Mal anders ist?? Was machst Du, wenn es dieses Mal wirklich begründet ist, Angst zu haben? Du hast dem Mann und den Kindern gegenüber eine VERANTWORTUNG. Also sieh zu..."

Die mittlerweile 3. Gesprächstherapie neigt sich dem Ende. Ich meine immer es geht mir besser, die syptomfreie Zeit scheint auch immer länger anzuhalten. Aber dann kommt wieder ein Rückfall und die Angst schlägt wieder mit voller Wucht auf mich ein...

Woher kommt das? Der klassischen Definition eines Hypochonders nach müsste ich in meiner jüngsten Kindheit in extremer Form mit KRankheit konfrontiert worden sein. Ist bei mir nicht der Fall... Lassen sich psychische Erkrankungen wirklich erklären? Lassen sie sich wirklich heilen? Ich zweifle daran... Nur wie komme ich heraus aus diesem Elend?? Ich bin müde und erschöpft. Sooo müde. Die permanente Suche nach Symptomen strengt massiv an. Der Versuch, die Suche einzustellen noch mehr. Und in einem schwachen Moment siegt dann auch wieder der Teufel, der mir befielt mich mit Hilfe des Internets zu beruhigen, obwohl er mehr als genau weiss, dass es mir leider noch nie Ruhe geschenkt hat – im Gegenteil. Verfluchtes Internet... Verfluchte Angst... Die riesige Angst vor dem Sterben und dem Tod vermittelt mir ab und an, dass genau jener eine bessere Alternative zum jetzigen Zustand sein könnte. Dann wieder die Angst vor meinen Gedanken, wie kann ich nur SOETWAS denken?? Ich habe Kinder, die ich mehr liebe, als alles andere auf der Welt. Ich sterben? Jetzt? Auf GAR KEINEN FALL.

Kennt einer diese Gedanken?

Mareike

Antworten
K[etz)e`rixn


Nicht einschlafen können, weil die Gedanken kreisen, Nachts wachwerden

Ich denke, das ist einer der wichtigen Punkte.

Von den Gedanken an Krankheiten wegzukommen.

Hast du (in der Therapie) mal mit Tagesplänen gearbeitet?

Und was ist mit Hobbies und anderen Beschäftigungen, die nicht mit dem Thema "Krankheit" zu tun haben?

S}i2steZrAncxt


@ Ketzerin

Tagespläne?! Gute Idee, nein, habe ich bislang noch nicht wirklich gemacht, wobei meine Kinder dem Tag doch schon eine gute Struktur geben! Mit frühem Aufstehen, dann Mittagsschlaf, geregelten Mahlzeiten und so.

Meine Hobbies... Tja, ich nähe für mein Leben gern, aber da habe ich mit 2 Zwergen gerade nicht wirklich die Zeit für. Lesen zählt auch zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, aber mit den Kindern nicht möglich und Abends bin ich einfach zu erschöpft. Habe es in den letzten Wochen mehrfach versucht, aber ich kann mich auch nicht genug auf die Bücher konzentrieren, scheinbar nicht fesselnd genug. In Kombination mit meiner Erschöpfung wirken sie dann eher einschläfernd! Aber ansonsten stimme ich Dir zu, ich werde mich mal um ein Hobby bemühen! Man verfällt schnell in diesen passiven Modus, wo jede Bemühung etwas auf die Beine zu stellen dermaßen anstrengend ist. Ein Grauen.

Es geht mir heute ein wenig besser. Ein Großteil der Symptomatik, die für ein Bronchialkarzinom sprechen würde, ist heute weg. Wird mit ziemlicher Sicherheit an meinem langen, ausgiebigen Bad gestern Abend liegen, da konnte sich meine Brustmuskulatur scheinbar mal ein wenig entspannen. Heute plagen mich eher die Gedanken, warum ich so gut abgenommen habe, die letzten Tage und Wochen... Mache zwar auf dem Papier Weight Watchers, habe mich aber in den letzten Wochen kaum daran gehalten. Es kann für mich also nur eine Erklärung geben.... Tadaaa! Ein Tumor. Wo auch immer.

Wobei ich ehrlich sagen kann, dass mich die Angst und die Panik heute nicht so packt. Noch schweigt der Teufel, der mich zwingt die Dinge zu googlen...

Vielen Dank für Deine liebe Antwort!

KyORALLLEK_25


mein tipp ist: behalt es nicht so lange für dich! sonst haut es dich um. geh offener damit um, schluck es nicht runter und such dir viel ablenkung und wenn du merkst, dass es schlimmer wird, dann geh so wenig wie möglich, aber unter großer anspannung lieber zum arzt bis deine therapie anschlägt!

T[abexa82


Hallo Mareike,

wenn ich Deinen Beitrag lese, kann ich so einige Verbindungen zu meiner derzeitigen Lebenssituation herstellen. Ich entdecke auch ständig Sachen an mir oder meinem kleinen Sohn, die NICHT NORMAL sein können. Bei mir ist es die Angst vor HIV, obwohl ich die treueste Seele bin und bei meinen Tests bisher auch nie etwas Positives herausgekommen ist. Nach Aussage meiner Ärzte handelt es sich angeblich um eine Wochenbettdepression, die aber behandelbar wäre ??? . Ich beginne gerade mit einer Gesprächstherapie und soll Tabletten nehmen. Dagegen hab ich mich allerdings bisher gewehrt, weil ich meinen Sohn so gern weiter stillen möchte. Meine Frauenärztin ist der Meinung, dass es auch gut sein kann, dass ich "mein familiäres Umfeld kurzzeitig verlassen müsse". Auf gut deutsch: in eine Klinik gehen. Ich stehe noch ganz am Anfang meines Rückweges in das normale Leben. Ich hoffe allerdings, dass es mir gelingt. Ich muss Koralle_25 Recht geben: geh offener mit dem Thema um. Seit ich das mache geht es mir etwas besser. Ich habe festgestellt, dass man nicht immer DIE STARKE FRAU sein kann. Mein Mann und meine Mutter stehen hinter mir und unterstützen mich, wo sie können. Ich weiß zwar nicht, ob Dir das hilft, aber mir hat geholfen zu wissen, dass ich nicht allein bin mit meinen Ängsten.

SPistie(rAct


@ KORALLE_25

Du hast recht, man sollte nicht immer alles für sich behalten, dann ginge es einem oft bestimmt auch besser. Aber das ist kein leichtes Thema. Man spricht nicht mit jedem darüber, hängt es nicht an die große Glocke. Man schämt sich ja auch. Ich bin eigentlich eine ganz bodenständige, solide Person gewesen, die sich selber und ihr Leben im Griff hatte... Und nun scheint es mir entglitten zu sein. Das ist schwer zu schlucken. Und dann will man ja auch nicht vor jedem wie das kleine labile Wrack darstehen... Aber die paar Leutchen, die eingeweiht sind, will man da auch nicht immer mit nerven und belasten. Dennoch werde ich mich mal bemühen, ein bisschen offener damit umzugehen! Danke für Deinen Tipp!!!

@ Tabea82

Ach Mensch, Tabea... So schön es auch ist, eine Leidensgenossin zum haben, so sehr tut es mir natürlich auch für Dich leid. Denn Angst zu haben (und dabei ist es erstmal vollkommen egal wovor) ist ein BESCHISSENES Gefühl... Wie alt ist denn Dein Baby?! Es fing bei mir ja auch so richtig mit der Geburt meines ersten Kindes an. Er war 3 Monate alt, da bemerkte ich plötzlich, was so ein wundervolles Wesen namens Kind doch auch für eine RIESIGE Verantwortung mit sich bringt. Er war zu 100% auf mich angewiesen. KRass, oder?! Und dann nahm meine Gedankenspirale ihren Lauf. Was nun, wenn mir was passieren würde?! Wer würde meinem zauberhaften Baby all die Liebe und Zuneigung zukommen lassen, wie es nur eine Mama kann?! Und ich fing an, mich zu beobachten und jedes kleine Zipperlein zu analysieren. Man kann sich da auch echt in was reinsteigern und darin bin ich leider eine Meisterin.... Machte die Geburt unserer Tochter dann nicht besser. Ich schien mich so grade im Griff zu haben, da starteten meine Sorgen wieder von Neuem. Und da bin ich jetzt. Ein grausames Gefühl. Und zu oft erscheint mir meine Situation in den letzten Wochen hoffnungslos, was wiederum neu für mich ist. Bist Du denn schon in Therapie?? Ich mache ja gerade zum 2. Mal eine Therapie und möchte Dich nur beruhigen, dass es auch ohne Medis und vor allem auch ohne den stationären Aufenthalt geht! Beim ersten Mal habe ich es so geschafft und das ist auch dieses Mal mein Ziel! Das Leben ist schön und es lohnt sich... Und wir werden es schaffen! Du auch! Dennoch ein gutes Gefühl, nicht allein mit diesem Problem darzustehen, oder? Zu oft meint man doch, dass sich diese Gedanken sonst niemand macht...

Ich wünsche DIr einen guten Tag! Viele liebe Grüße!

Mareike

T[abe9a82


Bei mir fing es ca. 4 – 5 Monate nach der Geburt an. Jetzt ist der Kleine fast 8 Monate. Ich hab eigentlich einen Job der mich ziemlich fordert und plötzlich war ich zuhause. Und genau das ist es – dieses kleine Wesen hat ja tagsüber nur mich. Abends ist mein Mann zwar da. Aber ich habe ihn ja auch gestillt, bin nie weggekommen – er brauchte mich doch. Ich stehe jetzt vor der Entscheidung abzustillen und Medis zu nehmen (aber diese Nebenwirkungen) oder weiterstillen. Ich habe immer Angst ihm etwas zu übertragen, wenn ich ihn stille. Ich bin jetzt erstmal in einer Gesprächstherapie. Mal sehen was das bringt. Ich wollte immer 2 Kinder, aber ich glaube kaum, dass ich oder mein Mann das noch wirklich wollen.

Viele liebe Grüße auch an Dich und einen schönen Abend.

Tabea

K+etzLerin


@ Ketzerin

Tagespläne?! Gute Idee, nein, habe ich bislang noch nicht wirklich gemacht, wobei meine Kinder dem Tag doch schon eine gute Struktur geben! Mit frühem Aufstehen, dann Mittagsschlaf, geregelten Mahlzeiten und so.

Das ist schon mal nicht schlecht.

Aber es geht dabei darum, daß du selbst (für dich) die Tage oder Wochen vorplanst, mit allen Aktivitäten von dir. Natürlich kommen die Kinder da auch vor.

Meine Hobbies...

Aber ansonsten stimme ich Dir zu, ich werde mich mal um ein Hobby bemühen!

Ja, ich würde sagen unbedingt.

Vielleicht ist ja auch ein Volkshochschulkurs etwas für dich, die Palette ist breit, man kommt unter Leute, beschäftigt sich mal mit anderen Themen etc..

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH