» »

Wahnsinnige Narkoseangst

Z6eenxa hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich erhoffe mir hier ein wenig Hilfe bei einem Riesen-Problem, was ich mir erfolgreich über ein Jahrzehnt herangezüchtet habe.

Ich habe panische Angst vor einer Vollnarkose und muss dringend operiert werden.

Zur Vorgeschichte: Ich habe vor ca. 14 Jahren einen Blinddarmdruchbruch erlitten, der mich fast das Leben gekostet hätte. Der Durchbruch wurde erst nach 3 Wochen diagnostiziert und ich bin in katastrophalem Allgemeinzustand mit einsetzendem Multiorganversagen operiert worden. Mir fehlen rund um die Op ca. 2 Wochen Erinnerung (bis auf Bruchstücke auf der Intensivstation, bei denen ich aber sehr verwirrt war). Da der gesamte Bauchraum entzündet war, musste die Wunde nach wenigen Tagen wieder eröffnet werden und ist erst nach 6 Wochen mit Einlage einer Septopal-Kette verschlossen worden. Die Kette guckte quasi aus einem Loch rechts über dem Schambein hinaus und wurde dann stückweise entfernt, indem sie einfach nach und nach gezogen wurde.

Ich war damals 10 Jahre alt und habe die Sache psychisch nicht gut vepackt, mir aber nie was anmerken lassen.

Ca. 3 Jahre später wurde ich wegen Beschwerden an der WS geröntgt, dabei wurde festgestellt, dass die Kette nicht vollständig entfernt wurde und bedrohlich gewandert war, also erneute OP und letztlich Klage gegen den damals behandelnden Arzt, die in einem lächerlichen Vergleich endete.

Viel schlimmer war jedoch die OP, oder besser gesagt, die Zeit davor. Meine Eltern haben

nachvollziehbarerweise aufgrund der dringenden Indikation einem Eingriff zugestimmt, ich habe Wochen davor jede Nacht bitterlich geweint und am Tag der OP noch versucht aus der OP-Schleuse abzuhauen, trotz einer großzügigen Vorab-Dosis Tavor. An sich ist der Eingriff komplikationslos verlaufen, ich musste nicht erbrechen, war nach einem Tag wieder einigermaßen fit.

Nun ist vor 1,5 Jahren ein Narbenbruch an der gut 20 cm langen Narbe festgestellt worden. Erst war der Bruch relativ klein und bildete sich zurück. Jetzt schaut´s aber ganz anders aus – ein Ei-großer Bruchsack, in dem vermutlich eine Darmschlinge steckt und der schon ordentlich Beschwerden macht, reicht wohl aus, mich nicht mehr nach hause zu schicken, wenn ich ins KH gehen würde.Es wird mittlerweile täglich schlimmer.

Soviel zum medizinischen Teil. Ich weiß ganz rational, dass das Ding gefährlich ist und ich dringend was tun muss. Aber diese unfassbare Angst die mich umtreibt, wenn ich an die Narkose denke. Todesangst. Panisch, unkontrollierbar. Quasi die Mutter aller Panikattacken. Einen OP-Termin vereinbaren, den Tag X definieren?Undenkbar.

Über die üblichen Sedierungen im Vorfeld kann ich nur müde lächeln, ich müsste Tavor bis zur Atemdepression schlucken, um auch nur den Hauch einer Wirkung zu verspüren. Atemtechniken?Keine Chance. Ich würde vermutlich auch heute noch kurz vor der OP versuchen, stiften zu gehen. Die Ursache ist mir auch klar, der Kontrollverlust; Was, wenn mir jetzt nicht nur 2 Wochen, sondern mein ganzes restliches Leben fehlt?

Ich wäre dankbar, wenn jemand irgendeine Idee hätte, irgendeinen Ansatz, um das auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen, irgendwas...

Vielen Dank für´s Lesen!

Antworten
p=hi%l0xmena


Ach Mensch, das ist ja wirklich Mist, was dir alles passiert ist! :°_

Ich hatte insgesamt vier Vollnarkosen in meinem Leben und fand sie alle toll. Hab jedes mal tief und fest geschlafen (nehme ich an), keine Erinnerungen und ein schönes Aufwachen.

Ich weiß nicht, wie man dir helfen könnte. Wie wäre es, wenn du den Kontrollverlust rational angingst?

Du schreibst:

Was, wenn mir jetzt nicht nur 2 Wochen, sondern mein ganzes restliches Leben fehlt?

Die Angst finde ich völlig verständlich, aber wenn dir dein restliches Leben fehlt, merkst du das ja gar nicht unbedingt. ;-)

Kontrollverlust ist immer beängstigend, aber was wäre die Alternative? Schmerzen, Abklemmung des Darms oder eine Sepsis und dann Tod? Es gibt also keine wirklich sinnvolle Alternative zur Vollnarkose/OP.

Ich hoffe, dass du deine Angst in den Griff bekommst! @:)

_}Nixxe_


Ich könnte mir vorstellen, dass Du vorbereitend in eine Traumaambulanz gehen könntest.

Ein paar Stunden – zum Plan erarbeiten und Stabilisieren.

Größere Städte haben solche Ambulanzen.

Wenn in der gleichen Einrichtung dann der Eingriff gemacht würde hättest Du ein maximal mögliches Sicherheitssystem. Der Therapeut könnte Dich praktisch dann begleiten und wäre erreichbar. Besonders wichtig fände ich, dass ein Fachmensch der versorgenden chirurg. Station erklärt wie ein Traumapatient tickt und für Deine Bedürfnisse sorgt wenn Du sie gerade nicht äussern kannst.

Natürlich muss auch da die Chemie stimmen..........sonst nutzt es nix.

*:)

ZYexena


Das ist ja das perverse – ich bin sonst wirklich eher rational und weiß auch genau, wohin dass im schlimmsten Fall führen kann. Und trotzdem ist das emotional kein Grund, die Angst nur ein kleines bisschen zu mäßigen. Ich habe tatsächlich schonmal daran gedacht, ob es nicht das ´´leichteste´´ wäre bis zum dem Moment zu warte, wo der Schmerz so übermächtig wird, dass ich kein andere Wahl mehr habe. Obwohl das objektiv Riesen-Bullshit ist, eine Not-Op einem geplanten Eingriff vorzuziehen, bei dem ein ordentlicher Check-up gemacht werden kann und auch Vorbefunde berücksichtigt werden können.

Um das Ausmaß nochmal zu verdeutlichen: Ich hatte vor zwei Jahren eine üble Bursitis, bei der es auch nur noch die Option ´´Das Teil muss raus´´ gab. Mir wurde dann auch eine Vollnarkose schmackhaft gemacht und auch da habe ich gesagt ´´Lokale Änesthesie oder es gibt keine OP´´, obwohl ich da auch kurz vor ner Sepsis stand, weil der Schleimbeutel geplatzt war. Lokale Anästhesie und das Schnippeln an sich ist im übrigen kein Problem.

EihemaligIe!r NutHzeIr (M#3257]31x)


Hast du mal gefragt ob es die Möglichkeit einer Spinal- oder Peridualanästhesie gibt? Vielleicht wäre das einfacher?

_0Ni}xxe_


Die Rationale Persönlichkeit glaub ich Dir aufs Wort.

Nur schaltet die Ratio sich ja leider bei der Sache nicht zu. :|N

Ich bin in fast derselben Situation – nur noch nicht so weit wie Du. :°(

Z@eenQa


Die Spinale war auch immer mein großer Hoffnungsschimmer am Horizont, aber nach den Informationen, die ich mir bis jetzt von hier ansässigen Chirurgen eingeholt habe, ist das wohl bei einer so großen OP nicht möglich. Ich hatte eine erreichbare Klinik gefunden, wo das zumindest grundsätzlich möglich sein soll, da krieg ich aber Schwierigkeiten mit der Kostenübernahme (obwohl mir das auch durchaus wert wäre, da aus eigener Tasche zu zahlen, allerdings sind finanzielle Möglichkeiten natürlich auch begrenzt).

Hätte ich mich nur mal etwas aher aufgerafft...

Nixe, vielen Dank für den Tip mit der Trauma-Ambulanz, werde das mal angoogeln. Darf man fragen, was bei dir los ist?

Eshemali\germ Nutze/r (#32x5731)


Hast du eine Uniklinik in der Nähe? Vielleicht da mal fragen ...

Zyebexna


Mehrere erreichbar, von einer habe ich die Auskunft....Ich weiß, man müsste da hartnäckiger sein, aber wenn man sich einmal die ´´Vogel-Strauss-Taktik´´ angewöhnt hat, isses schwer. Find auch keinen rechten Ansatzpunkt, mir ist mittlerweile klar, dass die Angst ein bisschen mehr als ne ´´Macke´´ ist, aber ich hab aufgrund der körperlichen Probleme auch nicht mehr ewig Zeit...

_eNixex_


Angst und Vermeidung – das ist eine wirkliche %:| Spirale.......

Z*eena


%:| :(v

Slar/axh87


Es würde mich wundern, wenn du die Angst rational angehen könntest.

Wenn das wirklich sowas wie traumatische Panik ist, dann hängt das alles in der Amygdala fest.

Vielleicht wäre EMDR eine Alternative, damit lassen sich normalerweise in wenigen Stunden krasse Erfolge erzielen!

SPaara[hx87


achja: google mal nach posttraumatischer belastungsstörung, das dürfte so in etwa das sein, was du hast.

Z_ee;na


Joa, das hat die Angst ja eben leider so an sich...

Aber selbst wenn ich das jetzt nochmal kurzfristig versuche das anzupacken...nachdem ich das ganze jahrelang totgeschwiegen hab und ansonsten auch eher hartgesotten daher komme, kann ich ja wohl schlecht zum Doc meines Vertrauens gehen und sagen ´´Ich hab da nen´ Problemchen´´....Da ich auf dem Gebiet bis auf einen Ausreißer ein unbeschriebenes Blatt bin befürchte ich da nen´ ernsthaftes Glaubwürdigkeits-Problem.

Sharcahx87


Zu welchem Doc?

Ich finde das gar nicht so ungewöhnlich und ich denke auch dein Arzt wird das nicht so finden.

Es ist sehr üblich das Menschen darüber sehr lange schweigen und dann erst irgendwann auspacken.

Aber eigentlich hatte ich gedacht, du suchst dir "einfach" einen EMDR-Therapeuten in deiner Nähe, schilderst dem das Problem und versuchst das anzugehen. Naja, .. es kommt drauf an, bei einer PTBS dürfte das auch einen Anlauf brauchen, wenn es das wirklich ist. Aber das kann der dir ja dann alles sagen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH