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Soziale Phobie: Lasst uns üben

E9lla}ganxt hat die Diskussion gestartet


Bisher hab ich nur pseudoklug in "Hilfe ich hab ne soziale Phobie"-Fäden mitgeschrieben und den Leuten gesagt, was sie tun sollten. Aber eigentlich müsst ich mir das ja selbst mal sagen. Bisher bin ich es noch nicht angegangen. Seit heute habe ich von meinem Therapeuten aber Hausaufgaben bekommen. Ich muss das jetzt aktiv üben und angehen. Hat wer Lust mitzumachen? Situationen vorschlagen und ausprobieren. Erfahrungsberichte.

Ich hab direkt nach der Sitzung angefangen.

Situation: durch die Fußgängerzone gehen

Aufgabe: die Menschen wahr nehmen, sie anschauen, Blickkontakt suchen und halten, nicht auf mich konzentrieren wie ich aussehe, wie ich gehe, wie ich wirke, keinen Tunnelblick bekommen

Erfahrung: zuerst war ich total überfordert weil so viele Leute unterwegs waren, wusste gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll. Normalerweise blende ich die anderen Leute aus und konzentriere mich darauf möglichst selbstbewusst auszusehen. Hab mir dann bestimmte Leute ausgesucht und sie angeschaut, versucht den Blickkontakt kurz zu halten (sonst schau ich immer weg, wenn sich die Blicke treffen). Dann war ich in einem kleinen Laden wo erst nur eine Kundin war und dann nur noch ich und die Verkäuferin. Gefühl: ich fühl mich beobachtet!!! Aber okay, ich hab ganz in Ruhe weiter Sachen angeschaut (hätte wahrscheinlich prüfen müssen ob sie mich wirklich beobachtet, hab ich vergessen), dann die Teile in der Umkleidekabine probiert, wieder zurück gehängt und noch hinter der Verkäuferin ganz in Ruhe ne Weile den Schmuck angeschaut, dann mit "tschüss" den Laden verlassen. Puh. Auf dem Weg zum Fahrrad nochmal Menschen angeschaut und Blickkontakt gesucht und ziemlich erleichtert zuhause angekommen.

Mein Therapeut meinte, ich soll das jetzt jeden Tag ne halbe Stunde üben und dokumentieren :-o Und irgendwann steigern wir die Herausforderung, bis ich irgendwann was machen muss, was die Aufmerksamkeit der Leute auf mich zieht :-( Sowas wie laut "Hallo" rufen mitten in der Stadt :-(

Naja also wer mitmachen will, innerhalb einer Therapie oder auf eigene Faust, der kann hier gern schreiben, ansonsten wirds dann ein Monolog :-D

Antworten
mtuskaLtnu~ss


Hui das ist ja ein guter Psychotherapeut. :-) Ich kann nicht großartig mitschreiben, außer vielleicht "pseudoklug" mal einen Rat geben. Meine Sozialphobie ist behoben, aber ich werde hier eifrig mitlesen. :-)

Viel Spaß (!) und Glück bei deinem Experiment. :-)

*:) @:)

E8l3lagcaxnt


Hallo muskatnuss *:)

Glückwunsch zur Gelassenheit ;-D Bei welchen Situationen hattest du denn Probleme und wie hast du es in den Griff bekommen?

Ydan]gYtin


Hallo Ellagant *:)

Das Thema interessiert mich sehr da ich auch betroffen bin :°( .

Mein Therapeut meinte ich hätte eine spezielle Form der soz. phobie. d.h. ich kann ohne probleme wildfremde menschen anreden und small talk führen.......oder andere um hilfe oder auskunft fragen.

Andererseits habe ich auch diesen "tunnelblick": Wie wirke ich wohl gerade auf andere........hoffentlich blamiere ich mich nicht. Meine hände dürfen jetzt bloss nicht zittern, maN könnte mich ja für nervös halten und das wäre peinlich...........u.s.w.

Dann ziehe ich mich gerne auffällig an und möchte gesehen werden........ :=o

ganz schöner quark. ;-)

Also ich bin dabei. :)^ :)z

Elllagxanxt


YangYin, ich hab die ganz gleiche Form wie du :)_ Kann auch mit fremden Leuten reden und bin eigentlich auch sehr kontaktfreudig. Mein Therapeut bezeichnet das bei mir aber auch als "Flucht nach vorne" – also bevor andere mich einschätzen und sich ein Bild von mir machen können, indem sie mich nur sehen, quatsch ich sie voll und durch das Gequatsche (Inhalt, Redeweise, Witze, Art des Humors) will ich erreichen, dass die Person das Bild von mir hat, was ich vermitteln möchte. Total behämmert %-| Aber mittlerweile merk ich es, wenn ich im Redeschwall bin (was ich auch mache, wenn ich unsicher bin und diese Unsicherheit überspielen will, dann REDE UND REDE UND REDE ich, vorzugsweise Blödsinn, und in schnellem Tempo) und versuche mich zu zügeln.

Bist du von den Übungen her schon drin?

YGangLYixn


Bist du von den Übungen her schon drin?

Ellagant

wenn man so will übe ich jeden tag aufs neue.

sei es im supermarkt oder in der strassenbahn.

das mit dem blickkontakt halten fällt mir sehr schwer wenn ich durch die stadt gehe. im gespräch ist das kein problem für mich :-D

du hast übrigens einen coolen nickname. :)^

E3lNlagaxnt


du hast übrigens einen coolen nickname

Danke, gleichfalls :-)

Im Gespräch hab ich auch kein Problem, da nervt es mich sogar richtig, wenn mich die andere Person nicht ansieht. Und ich übe so gesehen auch jeden Tag, aber jetzt soll ich eben die Taktik ändern ;-) Wie mussm an sich das auffällige Kleiden bei dir vorstellen? Hab irgendwie grad neonfarbene Schlaghosen vor Augen ;-D

Y-an2gYDixn


hihi.......nee keine schlaghosen. ;-D

schwierig zu beschreiben.......ich hab halt meinen eigenen stil. ;-) |-o

ich hab mir selbst eine jeanshose "veredelt" : Löcher rein und dann mit symbolen bemalt......oder extrem hohe schuhe und einen trenchcoat im military-style.

ich kombiniere sehr gerne......

Edllagxant


Ok das würde ich mich zB nicht trauen. Outfitmäßig will ich nicht auffallen. Einerseits will ich sexy aussehen und dann hab ich aber Angst dass es zu sexy aussieht und die Leute denken es sieht nuttig aus oder sie aufgrund meines Outfits falsche Rückschlüsse über meine Persönlichkeit ziehen. Wobei sie das ja auch tun würden, wenn ich gammlig gekleidet wär ;-) Hab im Sommer sogar Probleme wenn ich mir nen Strohhut aufsetze ;-D Grrr

m(u(skaWtn-uss


Wie wirke ich wohl gerade auf andere........hoffentlich blamiere ich mich nicht.

Genau darin definiert sich die soziale Phobie. Es ist die Angst anderen nicht genügen zu können. Rede ich zu wenig? Sehe ich gut genug aus? Wie wirke ich? Zittert meine Stimme gerade? ...? ...?

Bei welchen Situationen hattest du denn Probleme

Ich hatte Angst langweilig zu sein und zu wenig zu erzählen zu haben. Das hat sich natürlich auch insbesondere auf das andere Geschlecht ausgewirkt, weil ein Mann vor Frauen natürlich niemals langweilig wirken möchte. Aber auch generell hatte ich die Sorge es könnte auffallen, dass ich total langweilig bin. Im Studium, im Nebenjob,...

Ich habe verstanden, dass ich vielleicht langweilig bin, aber die anderen auch nicht interessanter. Ich bin generell ruhig und gelassen und mir wurde dann oft gesagt "jetzt erzähl du doch mal was, du sagst ja gar nix..." und das hat mir natürlich auch den Beweis geliefert, dass ich nichts zu sagen habe.

Irgendwann merkte ich, dass wenn jemand sagt "ja, jetzt sag du doch mal was" auch nur eine Angstreaktion ist. Viele halten die Gesprächslücken nicht aus die entstehen und gehen dann in die Offensive und sagen "jetzt erzähl du was". Oft halten sie die Gesprächslücken nicht aus, weil auffallen könnte das sie selbst auch nicht viel zu erzählen haben. Somit haben diese Ängste viele, nur jeder geht damit anders um. Der eine zieht sich zurück und macht sich einen Knoten in den Kopf und fragt sich was mit ihm nicht stimmt und der andere geht in die Offensive und gibt den Ball an sein Gegenüber weiter.

Habe dann damit gelernt umzugehen, indem ich z.B. in dieser Situation den Ball wieder zurückgebe (vorrausgesetzt ich habe nichts zu erzählen) mit der Aufforderung "frag mich was!".

wie hast du es in den Griff bekommen?

Indem man sich genau in die Situation begibt, die einem Angst macht. Also üben, üben, üben. Und das ist das Ziel deines Experiments. Es geht nicht darum nachher ganz laut in der Stadt "Hallo" rufen zu können, sondern darum zu erkennen das man selbst meistens nicht das Problem ist. Du wirst manchen Menschen in die Augen schauen können, aber viele werden dem aus dem Weg gehen und keinen Augenkontakt aufbauen.

Also Sozialphobiker kommt einem natürlich gleich die Idee, dass das an einem selbst lag ("habe ich komisch geguckt?, sah ich komisch aus?"), aber du kommst irgendwann auf den Trichter, dass es nichts mit dir zu tun hat, sondern ganz oft auch an den ganzen anderen Menschen liegt die du treffen wirst.

Und dann geht es viel um Akzeptanz. Du kannst die anderen nicht ändern und die anderen können dich nicht ändern, also kommt man am Ende bei +-0 raus und gibt sich damit zufrieden, dass wir alle so wie wir sind nebeneinander leben können...aber das dauert.

Soziale Ängste zu bekämpfen und zu akzeptieren wie man ist erfordert viel Energie, viele frustrierende Momente und darum viel auszuhalten, aber bringt dir am Ende so viel im Leben. Manchmal finde ich eine soziale Angst zu haben ist das beste was einem im Leben passieren kann. Sozialer Kontakt ist eine elementare Aufgabe im Leben, ohne das man nicht leben kann, also ist man gezwungen sich dieser Angst zu konfrontrieren.

jeden Tag ne halbe Stunde üben

Psychotherapeuten wissen ganz genau, dass ihre Aufgaben nicht in die Tat umgesetzt werden. Deswegen mal jeden Tag ne halbe Stunde. Aber mach dich nicht selbst fix und fertig, wichtig ist auch das du Spaß dran hast. Wenn du es also immer wieder schaffst oder halt nur 2x die Woche, ist das top und das beste was du machen kannst. :)^

Wie gesagt, es geht in einer Psychotherapie nicht immer nur darum am Ende die Aufgabe perfekt umgesetzt zu haben, sondern darum Erkenntnisse zu gewinnen und Unklarheiten aufzudecken. :-)

*:) @:)

YVangxYin


@ muskatnuss

ich liebe das als gewürz im kartoffelpüree :)^ x:)

dein beitrag war sehr interessant. und ich gebe dir in allen punkten recht. da werde ich nochmal drüber nachdenken. @:) *:)

YBang2Yin


@ Ellagant

ich habe auch oft angst zu sexy zu wirken da mir schon oft unschöne dinge passiert sind........einerseits finde ich es schön wenn jemand den ich schätze und mag mir ein kompliment macht...........andererseits habe ich ein ungutes gefühl wenn ich von männern angeguckt und angeflirtet werde die ich nicht einschätzen kann und mir vielleicht sogar unsympathisch sind

f:rIagnuNrso


@muskatnuss

Du hast dein Problem gelöst indem Du gleich offener geworden bist?

Ich hatte dieses Problem auch, besonders etwas vortragen bzw. sprechen vor größeren Gruppen war mir sehr unangenehm.

Ich habe mir so geholfen, dass ich anfing eine Rolle auszufüllen, ich konnte mich anschalten wie Radio, ich hörte mich reden, gleichzeitig war es so als späche da nicht ich.

Mit der Zeit merkte ich , dass ja eigentlich nichts schlimmes daran ist und konnte so wieder mehr ich selber sein, z.B. haben mich dann auch Zwischenfragen nicht mehr so leicht aus dem Konzept gebracht.

f[ragn+urxso


r |-o

YGangYxin


@ fragnurso

sehr gute methode. :)^

wie geht es dir aktuell mit dem problem ?

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