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Wie schafft man es, ein guter Mensch zu sein?

a .!fish


Mimiko, Dein Beitrag trifft für mich genau den Nagel auf den Kopf. Wobei ich sagen muss, dass ich mich jetzt seid ca. neun, zehn Jahren sehr anstrenge, was die negativen Gedanken über andere Menschen angeht, und es ist in der Zeit besser geworden. Jetzt, wo ichs aufgeschrieben habe, klingt "besser geworden" gerechnet auf zehn Jahre ziemlich beschissen, aber ich sag mir .. immerhin. Irgendeine Verbesserung scheint möglich.

R&e(nes#saHnce


Wir können unser Denken und Handeln und unsere Gefühle steuern, aber nur bis zu einem gewissen Grad – wir bleiben Menschen, und die haben nun mal gute und weniger gute bis ungute Eigenschaften.

Deshalb sollte man ruhig danach streben, gut zu sein, aber nicht zu hohe Erwartungen an sich richten; das ist ein Weg, um sich unglücklich zu machen, scheint mir.

Glückliche Menschen sind meist gute Menschen. Aber auch bewusst gut zu sein, kann glücklich machen.

LYewiaxn


Wie steht's mit: "Ein guter Mensch verlangt keine unrealistischen Dinge von sich selber; er ist nachsichtig, auch mit sich selber"?

R=en3es-sanxce


Würde das mehr unter "ein kluger Mensch" einreihen. ;-)

dUi1stancxe 1


Ich habe in den letzten Jahren gelernt, das ich immer erstmal positiv auf alle und alles reagiere.

Damit meine ich, dass ich keine Vorurteile fälle, hinter jedem Handeln kann auch ein Grund stehen. Niemand ist von Grund auf "schlecht – unsympathisch"-.

Auf alle und alles grundsätzlich positiv eingehen und/um herauszubekommen, was hinter dem steht.

Um mal ein Bespiel anzuführen:

Ich sitze abends im Restaurant und am Nebentisch hantiert jemand mit seinem Handy rum. Die Reaktion wäre ja erstmal negativ. Muß der nun auch noch abends beim gemütlichen Essen mit seinem Handy dasitzen?!

Ich selbst brauche mein Handy IMMER griff- und hörbereit, weil ich eine pflegebedürftige Person zuhause habe, die evtl. Hilfe benötigt. Oder ich habe Nacht-/Notdienst, usw.

Ich habe im Laufe meiner ehrenamtlichen Tätigkeit und meiner eigenen Lebenserfahrung meine Sicht auf Vieles ändern müssen, worüber ich froh bin.

Ich bezeichne mich nicht als Gutmensch, sondern als tolerant und offen für alles.

Jedoch sollten wir unsere Grenzen kennen und diese auch deutlich aufzeigen.

Der Spruch: "Ich bin nicht auf dieser Welt, um es anderen recht zu machen" bedeutet nicht, das ich asozial bin, sondern dass ich meine Grenzen kenne und setze.

Glückliche Menschen sind meist gute Menschen. Aber auch bewusst gut zu sein, kann glücklich machen.

:)^

R[atterm|ann


hi an alle

also, ich versuche es immer wieder, war auch schon beim psychodoc. solange du kein zyniker bist kann man sich leicht ändern (laut doc). du behandelst die mitmenschen ja nicht mit absicht schlecht. ich zitiere "das erwachsene wesen ist ein spiegelbild deiner kindheit". ich selbewr bin ein zyniker und behaupte mich über meinen beruf und verletzte mein mitmenschen nicht mit absicht.

S{andra}2006


Ich finde Mimikos Beitrag auch echt klasse! :)^

Und ich weiß manchmal nicht, was gut ist oder was nicht.

ZB hab ich heute mein schon benutztes, aber nicht unterschriebenes Zugticket weiterverkauft. Hatte mich 22 Euro gekostet. Natürlich mag die Bahn sowas nicht, deswegen ist es auch eigentlich verboten. Der Kerl, dem ich es verkauft hatte, hat sich aber arg gefreut, dass er sich Geld gespart hat, und ich hab mich arg gefreut, dass mein halber Einkauf im Supermarkt finanziert war und ich der Frau in der Fußgängerzone, die da immer Schifferklavier spielt, auch noch einen Euro geben konnte.

War das jetzt also eine gute oder schlechte Aktion? ???

dHis/tanc3e 1


ZB hab ich heute mein schon benutztes, aber nicht unterschriebenes Zugticket weiterverkauft. Hatte mich 22 Euro gekostet. Natürlich mag die Bahn sowas nicht, deswegen ist es auch eigentlich verboten. Der Kerl, dem ich es verkauft hatte, hat sich aber arg gefreut, dass er sich Geld gespart hat, und ich hab mich arg gefreut, dass mein halber Einkauf im Supermarkt finanziert war und ich der Frau in der Fußgängerzone, die da immer Schifferklavier spielt, auch noch einen Euro geben konnte.

War das jetzt also eine gute oder schlechte Aktion? ???

Sandra2006

Wenn es dir damit gut geht und du ein gutes Gefühl hast, ist es eben gut. Ich bin d.M, dass wenn wir Sachen machen, womit es uns ein gewisses gutes Gefühl gibt, dann ist es auch gut. Wie du dich damit/danach fühlst ist wichtig.

S)an,d4ra2100x6


Aber richtig schlechte Menschen fühlen sich doch auch gut, wenn sie was Böses zu ihrem eigenen Vorteil getan haben.

Wie man sich selbst fühlt, ist doch dann kein Indikator, ob man "gut" war...

Böse Menschen fühlen sich auch nach bösen Taten gut, haben sich selbst etwas Gutes getan, und dabei aber andere verletzt...

Ich weiß nicht, das wäre doch egoistisch, darauf zu gucken wie man sich selbst fühlt. Und Egoismus ist ja eigentlich schlecht, während Altruismus gut ist.

Ich finde das gar nicht so einfach.

Jpasminsda75


Ich denke, jeder Mensch wird "gut" geboren.

Wie er sich später entwickelt, hängt von seiner (Lebens-)erfahrung ab.

Heute bin ich einem guten Menschen begegnet. Ich war zu früh bei der Arbeit und stand auf einem Parkplatz. Da es noch zu früh war und noch niemand bei der Arbeit wartete ich noch einen Moment im Auto. Es hat geregnet und gehagelt ohne Ende. Da stand plötzlich eine wildfremde Frau neben meinem Auto und gestikulierte wild herum. Ich die Autotür aufgemacht. Sie: "Wollen Sie mit unter meinem Schirm?" Sie dachte mit Sicherheit, ich sitze noch im Auto, weil es so regnet. Das war eine nette Person. :-D :)z

dcistanfc;e x1


[[https://www.knowhowcompany.com/de/question/1435/Altruistisch-ist-egoistisch-wer-widerlegt-mir-diese-Behauptung]]

Sehr interessant.

Danke Sandra.

LQewGian


"Gut" und "schlecht" sind Worte, die urspruenglich auf ganz direkte Empfindungen verweisen (sowohl der Leute, die handeln, als auch derjenigen, die davon betroffen sind), aber die Sprache und die Art, wie die Leute sie benutzen, suggerieren, dass alles moegliche entweder in irgendeinem allgemeinen, objektiven Sinne gut oder schlecht/boese waere. Aber seid ihr euch sicher, dass das wirklich so ist?

Dass die Frage, ob die Zugticket-Geschichte von Sandra2006 wirklich gut oder schlecht waere, eine Antwort hat?

Und Egoismus ist ja eigentlich schlecht, während Altruismus gut ist.

Warum? Wer sagt das? Ich persoenlich finde es gut, aufmerksam fuer das Empfinden von Menschen zu sein. Ob's nun man selber oder jemand anders ist. Von daher bekommen Altruismus und Egoismus von mir beide ein "Plus". Wobei man natuerlich auch wieder beiden ein "Minus" geben koennte, wenn man die Betonung da heraus hoert, fuer wen man gerade nicht aufmerksam ist. Was aber alles daran haengt, wie genau man die Worte verwendet, was man assoziiert etc.

Um die Paradoxie der ganzen Sache noch mehr herauszuarbeiten: Ich kann mir vorstellen, dass ich es schlecht finde, wenn man sich so sehr davon leiten laesst, was (nach irgendeinem Kanon) Gutes tun zu wollen, dass man die Aufmerksamkeit dafuer vergisst, was in der Situation gerade da ist und passiert (ohne automatische Wertung).

Rcene'ssadncxe


Ich glaube, dass wir sowohl mit der Anlage zu guten und zu schlechten Eigenschaften geboren werden; unsere Lebensaufgabe ist es, uns immer mehr zum Guten hin zu entwickeln.

Es gibt leider keine "Gebrauchsanweisung" dafür, außer das menschliche Zusammenleben, das es beweist (es sei denn, man ist gläubig, dann findet man: Glaube betont immer das Streben nach dem Guten.) Aber auch außerhalb des Glauben merkt man, dass Gut sein einem gut tut, weniger weil "man" so sein soll, als deshalb, weil es einen Unterschied macht.

Wer das ausprobieren will, kann ja mal probeweise altruistisch sein und die tägliche gute Tat üben; den Unterschied wird er merken. :)z ;-)

Derjenige, der zum eigenen Vorteil andere übers Ohr haut oder betrügt, fühlt sich nicht wirklich wohl in seiner Haut; das Gewissen ist eine Instanz, die nur mühsam zum Schweigen zu bringen ist; irgendwie rächt sich das Bösesein.

l$uoma/ren


Ich bin von den Gedanken ganz nahe bei Lewian. Wir sind kulturell geprägt, was wir als gutes und schlechtes Verhalten ansehen. Das mag sogar bei ganz kleinen Dingen wie der Auswahl von Speisen eine Rolle spielen.

Man könnte es auch so sehen: Wir sind vollkommene Wesen. o:) Die Vollkommenheit bedeutet aber auch, dass sowohl Gutes als auch Schlechtes gleichzeitig in uns sind. Mir schwebt so der einzige Satz im Kopf herum, den ich aus der Ausstrahlung von Dr. Who (Science Fiction-Serie der BBC) im deutschen Fernsehen behalten habe: "Möchtest du gut sein auf der Seite der Guten oder gut auf der Seite der Bösen oder möchtest du böse sein auf der Seite der Guten oder böse auf der Seite der Bösen? In dieser Polarität manifestiert sich menschliches Leben normalerweise nicht. Ich wüsste schon gar nicht welche Seite ich wählen würde. Außerdem wäre mir nicht klar, für wie lange meine Wahl Bestand hat. Ist mein jetziges Handeln (zum Beispiel beim Anbilck einer Schwarzwälder Kirschtorte) zwar momentan gut, aber langfristig schlecht? - Ich glaube dem Ernährungsteil in diesem Forum blieben einige Fäden erspart, wenn sich das so einfach entscheiden und umsetzen ließe. :=o

Die alten Griechen haben sich schon mit dieser Thematik herumgeschlagen und sind auch nicht viel weitergekommen. Eine ihrer Ideen war es den Menschen nach seiner Tüchtigkeit zu bewerten. Demnach wäre ein Schreiner zum Beispiel gut, wenn er schöne Tische baut. Oder um es mit den Worten eines meiner griechischen Bekannten zu sagen: "Jeder hat etwas Gutes, auch wenn er/sie nur eine gute Lasagne kochen kann." Wenn dann die Pfannkuchen partout nicht klappen wollen, ist man dann schlecht?

Ich glaube es geht am Ende darum, sowohl das Gute als auch das Schlechte in einem zulassen zu können.

M|imikxo


Ich habe nun herausgefunden – für mich eine neue, direkt spürbare Erkenntnis -, dass Menschen oft sehr negativ und in dieser Hinsicht als kein "guter" Mensch handeln, weil sie mit sich selbst nicht zufrieden sind. Das kann generell mit seinem ganzen Leben der Fall sein, was man keinem wünscht, oder tagesabhängig. Ich nehme mich als Beispiel. Habe ich einen schlechten Tag, nehme ich andere Leute erstmal schlecht wahr. Ich fand das Beispiel mit dem Handy von distance 1 sehr gut. Ich würde zunächst denken "Warum müssen diese Smartphone-Zombies (in Anlehnung an einen Faden hier im Forum) auch noch hier telefonieren". Habe ich einen guten Tag, so würde ich eher noch die Möglichkeiten abschätzen, ob es vielleicht gute Gründe haben könnte. Die es mit Sicherheit hat. Letzteres passiert mir zum Glück in letzter Zeit häufiger, da ich einen neuen, wunderbaren Nebenjob habe. Ich mag die Kinder, mit denen ich zusammen arbeite, und deswegen mögen sie mich, und das alles passt so gut zusammen, dass ich diese Zufriedenheit in den restlichen Alltag miteinfließen lasse. Es ist jedoch, so finde ich, traurig, dass die Wahrnehmung anderer Menschen so abhängig vom Gemütszustand ist. Die Aufgabe, die ich mir nun gestellt habe, ist diese positive Wahrnehmung gezielt zu verwenden, bis sie irgendwann ganz automatisch angewandt werden kann, ohne abhängig von Laune und Gefühlen zu sein. Man nimmt die Welt dadurch positiver sowie bewusster wahr und agiert als Vorbild für andere Menschen, so wie ich ein Vorbild habe, das an das Bild herankommt.

Ich habe noch ein Beispiel – als eine Art "Beichte" – von Situationen, in denen ich verbittert und "schlecht" gedacht habe. Die Gedanken sind zwar frei, aber deswegen sollte man sie noch lange nicht ungezielt wie ungefiltert zulassen.

- Dicke Frau setzt sich neben mich, ihr Körper berührt mich, Hochsommer, Schweiß fließt -

Böser Gedanke: "Ach, die ist so fett, die frisst den ganzen Tag und das Fett quillt über" -> Nicht wortwörtlich, aber in diese Richtung. Schrecklich, oberflächlich,unnötig. Denn ich bin schon gar kein Topmodel, habe genauso Lust auf Essen, nur bin ich nicht dick. Richtiger Gedanke wäre "Ich wünsche ihr, dass sie so bleibt, wenn sie zufrieden ist. Dass sie es schafft, sich zu verändern, wenn sie es so wünscht, denn vielleicht hat sie eine Krankheit, psychische Probleme die sie mit Essen ausgleicht oder sie hat das Essverhalten nie anders gelernt" Nur weil ich das Glück hatte, trotz massigem Chipstütenkonsum nicht dick zu werden, müssen das die anderen nicht haben.

Es ist traurig, aber wie Renessance es schon geschrieben hatte: Das zeichnet die Menschen leider aus. und ich teile die Ansicht, dass Menschen nie von Natur aus böse sind, sondern leider ihre negativen Seiten durch bestimmte Erfahrungen ausprägen. Ich z.B. war einmal als kleines Kind unterwegs, habe die Tür für andere Menschen aufgehalten, da kam eine Dame und hat mir eine gewischt. Wieso? Keine Ahnung. Ja, keine schöne Erfahrung, aber kein Grund, nun verbittert zu sein. Ein Kind kann das aber nicht bewusst steuern. So können aus vielen schlechten Erfahrungen eigentlich grundfrohe Menschen zu misstrauischen und / oder negativen Menschen entwickeln.

Ja, und es ist auch eine Frage des Anspruchs. Leider. Solange ich solch hohe Erwartungen an einen "guten Menschen" habe und nach deren Erfüllung strebe, dieses Bild jedoch eher aus einem tollen Märchen stammt als aus der Realität, kann ich lange versuchen, genau so zu werden. Es wird mir vermutlich nicht gelingen. Daher kann man dem Bild lediglich nahe kommen. Wie a.fish schon sagte, in 10 Jahren ist es bei ihr besser geworden. Nur besser. 10 Jahre. Eine lange Zeit. Nicht, weil man so verkorkst ist, sondern weil man so hohe Ansprüche hat. Ich tippe mal, dass sich viele Menschen weder Gedanken dazu machen noch nach diesem Wunschbild streben.

Mir wird ganz anders, wenn ich daran denke, dass ich wohl noch lange nicht der schlechteste der schlechten Menschen bin – sondern eigentlich "normal" – andere Menschen aber vielleicht noch negativer denken, und diese vielleicht sogar über andere bestimmen können. Bei Auswahlverfahren, Vorstellungsgesprächen, Lehrerinnen und Lehrer,...Ich möchte auf jeden Fall versuchen, einigermaßen "gut" zu werden, und dieses Bild vielleicht einmal an meine Kinder weitergeben. Nur so kann man den Zustand verändern, wenn man ihn verändern möchte.

Oh Gott, Roman. :-/ Naja, wer sich dafür interessiert, wid es schon lesen. Oder zumindest überfliegen, reicht auch schon.

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