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Mobbing und die Spätfolgen

H:asen%reGich


Und noch eine Überlegung:

Damals hatte ich keine andere Chance - da musste ich mit denen in der Schule zusammen sein - da musste ich quasi unfreiwillig diese ganzen Sachen erdulden...

Aber heute: Heute bin ich FREI, ich bin räumlich von denen weit weg, warum sollte ich mir FREIWILLIG DAS antun, mit denen nun wieder Kontakt aufzunehmen und quasi mein Innerstes denen "vor die Füße schmeißen", damit die nun wieder darauf rumtrampeln können und mit meinen Gefühlen nun das machen können, was sie früher mit meinen Sachen gemacht haben?

Wenn sich jemand von denen entschuldigt, dann ist das wirklich positiv und erfreulich und ein Zeichen, dass sie nachgedacht haben - aber wer kann dafür garantieren, dass das IMMER und in JEDEM Fall so verläuft? - Das Risiko, dass ein solches "Anbiedern der Gefühle" ganz kräftig nach hinten losgehen kann, ist m.E. größer als der Gewinn oder die Genugtuung, die man - vielleicht - daraus ziehen kann. - M.E. kann man mehr - wenn nicht sogar ALLES verlieren, - als wenn man eine radikale Trennung vornimmt und versucht, sein Leben so gut wie nur irgend möglich neu zu sortieren und das Gute und Positive und Aufbauende sucht - sprich sich Kontakte sucht, die einem guttun und mit Kontakten, die einen nur runterziehen, radikal bricht.

B(lüm:ch;enG_Maxus


Wäre schön wenn sich hier mal ein mobber von früher zu Wort melden würde.

Ich denke man würde wohl so Antworten kriegen wie, war ja alles Spaß damals.

Mit der Gefahr, dass ich hiermit schon längst in die Höhle der Löwen gestoßen bin, melde ich mich mal dazu. Ich war früher Mobberin und würde sagen, dass ich sogar oft der leitende Faden vieler Aktionen war. Ich sage schon im vornherein, dass ich weiß, das nichts meine Taten entschuldigt und rechtfertigt, aber wenn ich schreibe wieso ich es gemacht habe, vielleicht erklären kann. Ich bin und war früher selbst eine sehr labile Person. Ich habe nie ein gutes Verhältnis zu meinem Vater gehabt. Von ihm wurde ich Zuhause runtergebuttert und psychisch fertig gemacht. Er hat mich des öfteren geschlagen, mit Schweigen, Blicken oder Gestik für Dinge gestraft. Ich habe 2 Jahre lang kein Wort mit meinem Vater gesprochen, es gab kein herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag oder frohe Weihnachten. Weiter kann ich auf die Situation nicht eingehen, aber das war mein Psychoterror Zuhause. Es gibt Leute die sagen "Okay scheiß drauf", aber das konnte ich nicht. Ich war tot Unglücklich und das über Jahre. Bei mir war es dann so, dass ich meine Wut und meinen Frust den ich nirgendswo anders rauslassen konnte, an jemand schwächeren rausgelassen habe – wie mein Vater bei mir damals. So traurig wie es klingt, aber das waren die wenigen Momente am Tag, an denen ich etwas zu lachen hatte und nicht an meine Situation Zuhause gedacht habe.

Ich bin jetzt 23 und wohne alleine, weil ich es bei meinen Eltern nicht mehr ertrage, ich gehe jetzt seit einem knappen Jahr zum Psychologen, weil ich eine Sozialphobie habe. Weil mein Vater mir jedes vorhandene Stück Selbstvertrauen genommen hat.

Wie gesagt, was mir passiert ist entschuldigt nichts. Ich finde es schlimm was ich getan habe damals. Aber ihr wolltet die andere Sicht hören. Ich glaube einfach, dass viele Leute die mobben, eigentlich innerlich genauso labil sind, wie die die gemobbt werden..

Hzunter!li


Alucard 9, es ist echt hart was du mitmachen musstest! Tut mir echt leid. Respekt wie du damit umgehst. Es ist schade das immer jemand der Spielball anderer sein muss. Lg und alles gute.

H9ase]nreixch


So traurig wie es klingt, aber das waren die wenigen Momente am Tag, an denen ich etwas zu lachen hatte und nicht an meine Situation Zuhause gedacht habe.

Könnte es nicht sein, dass Du noch eine größere - ECHTE Freude - erlebt hättest, wenn Du Dich mit Leuten verbündet hättest, die gemobbt und ausgestoßen waren und für diese dann zu einem wahren Lichtblick geworden wärest?

Ich selber habe es immer so gehalten, dass ich mich grundsätzlich mit denen verbunden gefühlt habe, die "unten" waren und mich zu ihnen gesellt habe um diesen beizustehen - da habe ich wirklich so etwas wie inneres Glück verspürt.

Aber es ist ja nicht zu spät - man kann ja immer wieder neu anfangen - vielleicht könnte das ja auch Anregung für Dich sein, wie Du denen, die die gleichen familiären Demütigungen wie Du erleiden müssen, beistehen kannst - sicherlich gibt es auch im Internet Foren oder Plattformen, wo Du diesen Menschen einfach durch Deine eigenenErfahrungen und mit dem Verständnis eines selber Betroffenen beistehen kannst. - Ich denke zumindest dass das "selber-Mobben" nur eine falsche, schale "Freude" dastellt und ganz schnell verfliegt, solbald man wieder im eigenen Millieu gelandet ist - aber die Gewissheit, einem gemobbten oder unterdrückten Menschen beigestanden zu sein bringt wirkliche Freude und verfliegt nicht so schnell sondern kann sogar auch die tiefe Einsamkeit überwinden, weil man weiß dass da noch andere sind, mit denen man sich innerlich ganz tief verbunden fühlt.

Genau das gleiche Phänomen (Tschuldigung für den o.T.-Abstecher): Schwiegermutter - Schwiegertochter: Meine Schwiegermutter hat immer wieder erzählt wie bös ihre Schwiegermutter zu ihr gewesen sei - aber sie hat an mir wiederholt was sie selber durchlitten hat - warum hat sie bei ihren Attacken gegen mich niemals an sich selbst gedacht, wie sie sich als Schwiegertochter gefühlt hat? - Wieso wiederholt man immer wieder die gleichen Fehler? - Ich kann dieses Phänomen nicht ganz nachvollziehen, weil ich so nicht denke:

Ein Beispiel im Friseur-Laden: Ich wurde als Lehrling total vom Ausbilder runtergemacht (Steuer-Branche) - als mir ein Lehrling einmal die Haare ein klein wenig "verschnitten" hatte - zu kurz und ungleichmäßig - habe ich darüber KEIN Wort verloren, habe mich beim Lehrling bedankt und gedacht, es ist halt ein Lehrling, die kanns halt noch nicht so - bin nach Hause und hab es mir vom Partner gerade schneiden lassen. Bei allem, was ich selber durchlitten habe werde ich immer Verständnis für andere haben die in der gleichen Lage sind und würde mich hüten anderen unschuldigen DAS anzutun, was ich selber durchleiden musste. - Deswegen muss ich ehrlich gestehen, kann ich dieses Denkmuster - das gleiche anderen anzutun, damit ich mich mal "gut" fühle - nicht nachvollziehen.

B/lümchEen_Mxaus


Ein Beispiel im Friseur-Laden: Ich wurde als Lehrling total vom Ausbilder runtergemacht (Steuer-Branche) – als mir ein Lehrling einmal die Haare ein klein wenig "verschnitten" hatte – zu kurz und ungleichmäßig – habe ich darüber KEIN Wort verloren, habe mich beim Lehrling bedankt und gedacht, es ist halt ein Lehrling, die kanns halt noch nicht so – bin nach Hause und hab es mir vom Partner gerade schneiden lassen. Bei allem, was ich selber durchlitten habe werde ich immer Verständnis für andere haben die in der gleichen Lage sind und würde mich hüten anderen unschuldigen DAS anzutun, was ich selber durchleiden musste. – Deswegen muss ich ehrlich gestehen, kann ich dieses Denkmuster – das gleiche anderen anzutun, damit ich mich mal "gut" fühle – nicht nachvollziehen.

Es ist halt nicht so, dass jeder Mensch gleich ist oder? Der eine fühlt so und der andere denkt so. Mir tat es einfach gut irgendwo anders ein Ventil öffnen zu können. Wenn du so stark bist und das mit dir selber aus machen kannst, dann Hut ab. Ich weiß ja, dass es damals falsch war, aber ich hatte nicht die Stärke um anders damit umzugehen.

IPn-KoGg Nixto


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andere leute haben auch probleme, gegen meine kindheit war deine ein zuckerlecken.

mobbing wäre mir nie eingefallen.

ich habe ab und an mit leuten kontakt von früher, die früher mobber waren.

die sind immer ganz heiß darauf, die bekanntschaft zu erneuern, gute alte zeit und so.

aber ich mache das nie, das ist mir zu gefährlich. einmal eindefizitärer charakter, immer ein defizitärer charakter.

I0n-Kog1 Nixto


falsches zitat ;-)

sorry.

wollte blümchen-maus zitieren.

I/n-Kog\ Nitxo


...man kann probleme ja mit anderen ausmachen – dafür sind mitmenschen da.

aber muß das auf aggressive art sein?

Bxlümechyen_M'aus


einmal eindefizitärer charakter, immer ein defizitärer charakter.

Top Aussage! :)^ Wie alt bist du noch gleich um so eine Behauptung aufzustellen? Sorry, ich bin da leider ganz anderer Meinung, aber wie gesagt, jeder Mensch ist anders und denkt/fühlt auch anders!

H,unt~erlxi


Also ich fände es gut wenn sich damalige Mobber entschuldigen würden, macht zwar nix ungeschehen. Kann aber evt. Helfen.

I}n{-Kog> Nitxo


über 40, wieso?

natürlich kann man dazu lernen,

aber das ist alles tünche.

die sozialisation greift nun mal nur bis zu einem bestimmten alter – alles andere ist makulatur (wobei damit einem mobbing-opfer auch schon geholfen wäre, da hast du recht.

dem ist es wohl egal, ob der mobber aufhört, weil er ein schlechtes gewissen hat, oder "weil man das so macht".

aber das empfinden von freude, wenn andere leiden, deutet auf einen charakter mit baustellen hin.

Icn-KogO Nixto


auch das gibt es und ist an sich mal nichts, wofür derjenige schuld hat, nicht alle werden als mutter theresa geboren.

allerdings sollte ihm sein verstand helfen, sich sozial kompatibler zu machen.

HGase\nre2ixch


Ich weiß ja, dass es damals falsch war, aber ich hatte nicht die Stärke um anders damit umzugehen.

Welches Ventil würdest Du denn HEUTE öffnen?

HTunte}rli


Blümchen_Maus, ich finde deine Erklärung einleuchtend, du wusstest einfach nicht weiter. Heute würdest du bestimmt anders reagieren oder? Ich finde es gut das du hier so offen schreibst.

H_asyenr'eich


aber das empfinden von freude, wenn andere leiden, deutet auf einen charakter mit baustellen hin.

Genau, das denke ich auch! - Und genau das kann eigentlich keine "Freude" sein - denn wie kann ich mich über etwas "freuen" - unter dem ich selbst, wenn ich der Unterdrückte bin, leide? - Und dann jemandem wiederum UNSCHULDIGEN das anzutun, worunter ich selbst leide, mich dann aber darüber "freue" - das scheint mir irgendwie gänzlich unverständlich.

Deshalb nochmal meine Frage an Dich Blümchen_Maus - wenn Du nun heute weißt, dass es falsch war, welches Ventil würdest Du heute öffnen? - Was würdest Du anders machen? - In wie weit hast Du aus Deinen früheren Fehlern gelernt?

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