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Depression und Beziehung

Naovem3bexr78 hat die Diskussion gestartet


Glaubt ihr, das man, wenn man mitten in einer schweren Depression steckt in der Lage ist eine Beziehung zu führen?

Im Moment habe ich das Gefühl, alles falsch zu machen. Ich weiß, das ich manchmal abweisend bin, aber ich brauche grad unglaublich viel Zeit für mich und mein Freund ist schon immer eher so, das er jede freie Minute mit mir verbringen will. Aber ich kann das grad nicht. Problem ist, das ich ihm dann auch nicht Nein sagen kann und wir so eine Menge echt blöder Abende miteinander verbringen, weil ich mein Bedürfnis nach Alleinsein entweder nicht formulieren kann, oder er mich dann "überredet", weil er mucksch ist...ich will grad nur meine Ruhe und hab keine Ahnung, ob ich grundsätzlich an der Beziehung zweifle, oder das jetzt eben wegen der Depression so ist :( Ich fühle mich weder verstanden, noch unterstützt und empfinde alles nur als Belastung. Dazu kommt das irgendwann ein Klinikaufenthalt ansteht. Die Wartezeit beträgt zwar ca. 3 Monate, aber dann bin ich zwischen 8-12 Wochen weg. Das findet er jetzt schon problematsich, obwohl er sagt, wenn ich denke das es richtig ist, dann solle ich das tun...ich weiß grad nicht, was ich tun soll...hat jemand hier Erfahrungen mit Depressionen und Beziehung? Kann das überhaupt funktionieren, wenn man sich doch eigentlich um wieder klar zu kommen ganz doll auf sich konzentrieren muss?Ich möchte grad nur weglaufen....will ihm aber nicht weh tun...

Antworten
TCestxrale


klare und ehrliche Antwort.

Nein, das wird nicht klappen.

In depressiven Phasen kann ich kaum meine ganzen Fehler und Unzulänglichkeiten ertragen, geschweige denn, die eines Anderen!!!!

a .Rfis(h


Ich denke, es geht, wenn der Partner sich zurücknehmen kann – und das muss er u.U. sehr stark – und aushalten mag und kann, dass das Verhältnis von "Geben/Nehmen" stark zu seinem Nachteil ausfällt bis Besserung eingetreten ist.

Gzofio


Man empfindet in einer Depression nichts auch keine Liebe. Es ist mehr eine Verbundenheit die man in seinem Innersten noch etwas spürt. Das hat mit der Liebe die man wenn man Gesund ist empfinden kann nichts zu tun. Depression ist eine organische Erkrankung des Gehirns und wenn diese medikamentös und therapeutisch auf dem Weg der Besserung ist kommen auch Empfindungen zurück. In einer Depression zieht man sich zurück , Menschen auch die Liebsten sind einem unangenehm, weil man sich am liebsten in ein Erdloch verkriechen würde oder das Gefühl hat in einem zu sein. Du musst ihm das klar machen und auch klar aufzeigen, daß diese Erkrankung heilbar ist und dann auch alles wieder besser wird im besten Fall wie es vorher war. Die Zeit in der Depression ist für Nahestehende unheimlich belastend.

Wenn man sich gegenseitig liebt oder mag wird das überwunden, ich habe die Liebe zu meiner Frau und meinen engsten Freunden wieder gefunden, indem sie sich mit dem Krankheitsbild befasst haben und in den schlimmsten Zeiten in denen ich mich von Allem abgewandt habe trotzdem zu mir gestanden sind und auch ihre Liebe und Freundschaft zu mir nicht erloschen ist. Auf Freunde die sich in dieser schwierigenZeit komplett abwenden kannst du getrost verzichten und die gibt es zu Hauf. Freunde sind auch in der Not für einen da, so wie ich es für sie wäre. Sieh es positiv die Spreu trennt sich vom Weizen und wenn du alles überstanden hast sind die Verbliebenen richtig gute unersetzliche Freunde mit noch mehr Nähe.

NiurParihxyon


Ich führe seit 7 Jahren eine Beziehung und leide auch u.A. an schweren Depressionen.

Wichtig für den nicht selbst betroffenen Partner:

Ausfälle des Gegenübers nicht mit "er/sie ist halt krank" abtun. Es mag sein, dass man mal einen mitbekommt, aber die Depression darf nicht als Entschuldigung oder Ausrede dastehn. Wenn einem weh getan wird das deutlich kommunizieren und nicht einfach tolerieren.

Lernen, dass man niemals zum Behandler oder zur treibenden Kraft werden darf. Man kann den Depressiven an die Hand nehmen, aber gehen muss dieser ganz alleine. Man kann maximal stützen, aber niemals heilen.

Dem Depressiven den Raum geben, seinen "Scheiß" selbst zu beackern. Das ist wichtig, dass nicht alle Probleme des Depressiven zu den Problemen der Partnerschaft werden. Manches, vielleicht vieles, muss man alleine auskämpfen, ohne den Partner. Das hat nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun. Nicht jedes Problem darf krampfhaft als Paar bearbeitet werden.

Wichtig für den kranken Partner:

Wenn es dir schlecht ist, lade nicht alles auf deinen Partner ab. Auch er/sie hat eigene Probleme und Ängste, die alleine bearbeitet werden müssen. Der Partner darf niemals zur emotionalen Müllhalde verkommen. Man muss lernen, die eigene Krankheit ein Stück weit von der Partnerschaft abzugrenzen. Das ist schwer und erfordert Lernbereiotschaft auf beiden Seiten der Partnerschaft.

Gönne deinem Partner Pausen, wenn es zuviel wird, ohne in ein Loch zu fallen. Manchmal wird es auch anderen einfach zu viel und eine kleine Pause zum Kraft tanken tut euch beiden ganz gut.

Insgesamt sage ich ja, es kann gehen. Aber es ist schwer, sowohl für den kranken, als auch für den gesunden Partner. Es gibt noch elends mehr Punkte als jene, die ich weiter oben schon ansprach. Beide Seiten müssen wissen, worauf sie sich einlassen. Auch mit einem Depressiven kann man "normale" (vergleichweise) Bezioehungen führen, wenn jeder sich bewusst ist, wo die Grenzen des anderen verlaufen. Zimperlich darf man sicherlich nicht sein.

Man sollte sich das schon gut überlegen. Aber wenne beide Bereit sind dazu und es ernsthaft versuchen wollen, kann das funktionieren.

Nrovem/ber7x8


:( Im Moment fühle ich rein gar nichts ausser Traurigkeit und Verzweiflung...und ich will nur meine Ruhe...ich will allein sein, mich verkriechen... die letzten zwei Tage bin ich beide Male mit dem festen Vorsatz zu Ihm gegangen mit ihm zu sprechen und dann hab ich keinen Ton rausgekriegt...ich konnte nicht mal sagen, das ich reden will...und dann lag ich wach und hatte Kopfkino und hab mich sch.... gefühlt...ich will es nicht noch schlimmer machen als es grad schon ist, denn im Moment tun wir uns beide nicht gut, aber ich fühl mich sooo hilflos ;/ Was soll ich denn machen, wenn ich den Mund nicht aufkriege ??? Ich weiß, dass das auch ihm gegenüber total unfair ist, aber ich krieg grad nichts auf die Reihe...

H%at ar#i


Hallo November,

vielleicht schreibst du ihm einen Brief? In einer ruhigen Minute geben und je nach Gefühl beim Lesen dabei bleiben und darüber sprechen oder Zeit zum "Verdauen" geben und dies zu einem späteren Zeitpunkt tun.

Mag erstmal unpersönlich wirken, aber oftmals ist es ja einfacher, etwas schriftlich zu machen, allein schon der Wortfindung wegen... sodass es besser sein könnte, als es totzuschweigen oder zu warten, bis es rausplatzt.

G%ofio


@ November

der Rat dies schriftlich zu machen ist sehr gut. Du kannst in einem Moment in dem es dir etwas besser geht aufschreiben , an welcher Krankheit du leidest und wie schwerwiegend diese Krankheit ist. Den Verlauf der Krankheit und auch persönliche Erfahrungsberichte findest du auf der Internetseite der deutsche-Depressionshilfe.de.. Vielleicht befasst sich dein Freund auch etwas mit dem Thema, es ist für Aussenstehende schwer zu begreifen, dass es eine organische Krankheit ist.

Verwunderlich ist, dass deine Medis nicht ansprechen? Was nimmst du denn?

Ich war bei meiner Depression noch etwas tiefer drin als du beschreibst , so kurz vor dem Suizid, von deinem jetzigen Zustand bis zu meinem gehts manchmal schnell, weil man immer weniger schlafen und essen kann. Ich bekam Citalopram und es wurde überhaupt nicht besser. Ich wurde dann auf Venlafaxin umgestellt und es war fast schon schlagartig wie es mir besser ging. Ich konnte wieder schlafen essen fühlen freuen alles kam recht rasch wieder.

Diese Medikamente sind Wiederaufnahmehemmer für fehlende Botenstoffe im Hirn.

Citalopram wirkt nur auf Serotonin Venlafaxin auf Serotonin und Noradrenalin. Bei mir war es wohl der Mangel an Noradrenalin, es war verblüffend wie schnell ich mit Venlafaxin wieder ohne Klinikaufenthalt auf dem Damm war.

N3ovmemberx78


Danke für eure Antworten!

Ich nehme noch keine Medikamente. Habe mit meinem Therapeuten gesprochen und er empfiehlt Sertralin oder Citalopram, worüber ich erstmal nachdenken musste, weil ich eine völlig irreale, diffuse Angst davor habe Medikamente zu nehmen...naja, morgen hab ich wieder Therapie und muss wohl eine Entscheidung treffen...wir haben nun schriftlichen Austausch gehabt, allerdings per Mail...Ende vom Lied ist, das ich um eine Woche Auszeit gebeten habe, in der wir uns mal nicht sehen, denn ICH bin diejenige, die die Auszeiten braucht. Er möchte mich am Liebsten jeden Tag sehen...ich bin sooo überfordert, weil ich einfach NICHTS fühle und mache mir selbst angst...ich zweifle alles an, stelle alles in Frage und mache mich selbst wahnsinnig damit, ihn noch mehr und immer wieder zu verletzen :( Ich weiß nicht, was ich für ihn fühle und er sagt er kann eigentlich keine meiner Entscheidungen im Moment ernst nehmen, weil er nicht weiß, was von der Depression kommt und was echt ist und mir geht es doch genauso....oje...oje...

Gnofxio


@ November,

jeder Tag meiner Depression ohne das helfende Medikament war ein verlorener und schlimmer Tag in meinem Leben. Nehm doch mal an du hättest z.B. Diabetes oder Bluthochdruck, da müsstest du genauso ein Medikament nehmen. Du hast eine Depression das ist keine psychische sondern eine organische Erkrankung die man mit Medikamenten heilen kann. Ganz wichtig und das vergessen oft manche Mediziner eine Depression kann insbesondere bei Frauen auch durch die Schilddrüse verursacht sein, das sollte man im Blutbild überprüfen erst dann Psychopharmaka geben.

Die von deinem Therapeuten vorgeschlagenen Mittel sind beides SSRI Hemmer,für den Botenstoff Serotonin die mir nicht geholfen haben, nicht mehr oder andere Nebenwirkungen haben SRNI Hemmer die auf zwei Botenstoffe wirken Serotonin und Noradrenalin.

Probier es aus wenn deine Schilddrüse in Ordnung ist , das Leben wird wieder schön , wenn das Medikament bei dir anschlägt. Leider tut es das nur bei 70 % . Ich hatte keinerlei Nebenwirkungen und durch regelmässige Blutbildkontrolle wurde geprüft ob irgendwelche Schädigungen (Leber, Nieren) auftreten.

Auch das war über 4 Jahre nicht der Fall. Einziges Problem ist lediglich , dass man es über einen längeren Zeitraum nehmen sollte niemals selbst absetzen und ganz langsam ausschleichen , eine Abhängigkeit gibt es nicht.

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