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Ich bin meine eigene Gefangene

C=hris,.RYandPaxll


Hallo Jodie,

dann schreibe ich dir schon mal, wie das bei mir ist.

also muss ich mir das so vorstellen, dass ihr dann mit euren Gedanken einfach woanders seid – so wie bei einer Phantasiereise?

Ja, eine Phantasiereise ist es, eine Geschichte, die wie ein Film in Gedanken abläuft.

Oder ist das noch extremer, wie z.B. dass ihr dann da auch mit den Personen sprecht, die in der "Geschichte" bzw. der Welt vorkommen. Wenn ja: Antworten diese auch etwas?

Ja, ich spreche in Gedanken auch mit den Personen :)z, gerade das ist so schön :-). Es ist wie ein Film, den man sich anschaut oder ein Buch, das man liest, nur dass sich alles in Gedanken abspielt. Das Schöne ist, dass diese Geschichte nie endet, dass man sie immer weiter ausbauen kann, mit neuen "Schauplätzen" und neuen Personen.

goradfdlxy


Liebe Solaia,

kannst du mal beschreiben, wann und wie genau das anfing? Du hast geschrieben, seit du nach Deutschland gekommen bist. Kannst du ein bisschen mehr darüber schreiben?

Ich bin natürlich kein Psychologe und kann das "diagnostizieren", aber ich glaube nicht, dass du eine dissoziative Störung hast.

Du bist 15, im Moment passiert in deinem Leben total viel und ich finde es einigermaßen normal, dass man, wenn man damit überfordert ist, sich etwas sucht, woran man sich festhalten kann.

Ich bin überzeugt davon, dass diese Welt dir etwas gibt, was du in der "realen" Welt erst noch finden muss, nämlich Halt und Stabilität und sicher ein stückweit auch eine Ahnung davon, wer und wie du eigentlich bist.

Ich glaube außerdem daran, dass es dir gut tun könnte, wenn du dich mit beiden Beinen fest auf diese Welt stellst ;-D Ich würde daher eher versuchen, woanders anzusetzen:

Statt über die fiktive Welt nachzudenken oder ein schlechtes Gewissen zu haben oder auch Angst, dass du wirklich eine psychische Störung hast, würde ich alle Kraft aufwenden und mir anschauen, wo die Probleme liegen. Was ist passiert, als du nach Deutschland gekommen bist? Was sind deine Probleme? Wieso fällt es dir schwer, am Familienleben teilzunehmen und was bräuchtest du, damit das besser funktioniert?

Dann würde ich wohl schauen, wie ich diese Ängste und Probleme in den Griff bekommen kann, damit du dich in der realen Welt wieder wohler und sicherer fühlst.

Dass man mit 15 noch nicht alles über sich und seine Identität in jeder Facette weiß, finde ich übrigens total normal... :)z :)z :)z :)z

Liebe Grüße :)*

MCilcvhmaZnn76


Kennst du den Film [[http://www.imdb.de/title/tt0398808/ Brücke nach Terabithia]]?

S=olaxia


Vor ein paar Jahren von ich von Luxemburg nach Deutschland umgezogen. Dadurch habe ich meine ganzen Freunde verloren. Ich bin dann in die neue Klasse gekommen, aber weil ich den falschen Kleider geschmack hatte, wurd ich von den Mädchen dumm angemacht.

Dann bin ich zur sechsten Klasse gekommen und habe in die parallel Klasse gewechselt. Doch auch in diesem Jahr hatte ich Probleme, denn ich fiel sehr lange bei der Schule aus, da ich mehrere Unfälle gehabt hatte.

In der siebten Klasse eskalierte es vollkommen. Meine Klassenkameraden fingen an mich auf verschiedene Arten und Weißen zu mobben. Ich bin zu einer Psychologin gegangen, aber die war schlecht und sagte immer, ich soll mich wehren, indem ich sie "schlage"! Erst am Ende des Schuljahres wurde es besser.

Doch nahmen meine Probleme trotzdem nicht ab. Denn meine schulischen Noten waren total abgesackt. Meine Eltern haben mir dann Druck gemacht und mich die ganze Zeit lernen lassen. Es hat sich von ihrer Seite aus mittlerweile gebessert (auch wenn sie sich immer noch über eine 3 aufregen und wollen, dass ich eine eins anstatt einer zwei in Beteiligung habe), doch durch den vorherigen Druck, mache ich mir jetzt selber Druck.

Die Fantasiewelt hat im siebten Schuljahr richtig angefangen und ich bin fast die ganze Zeit dort drinnen, da ich dort meinen Schmerz verdrängen kann und dort auch meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann. Ich bin dort frei. Ich will zwar aus dieser Welt raus, aber irgendwie auch nicht. Auch habe ich Angst dann alles zu verlieren, dass ich meine Gefühle nicht mehr kontrollieren kann.

JPod@ie


Hey chris.Randall,

danke schonmal für die Beschreibung! Jetzt kann ich mir das schon ein wenig besser vorstellen...

Noch eine Frage: Brauchst du um in deine fiktive Welt zu kommen eher Ruhe, z.B. wenn ich abends im Bett liege mache ich auch schonmal eine Phantasiereise oder funktioniert das auch so den Tag über bei normalen Beschäftigungen?

@ Milchmann76:

Ich kenne den Film. Finde ihn ziemlich gut! Muss man sich das also so in etwa vorstellen...also man hat Kontakt mit Fantasiewesen und spricht mit diesen!?

LG @:)

S9oZlaxia


es ist völlig egal in welcher situation ich bin. manchmal rutsche ich dort auch während klassenarbeiten rein, was dann natürlich nicht so gut ist, da ich dann totalen quatsch schreibe. Ich kann in meiner "fiktiven" Welt in stress Situationen, bei Streit, bei Feiern, beim Einschlafen, in der Schule, beim Musik hören, beim Lesen etc. sein.

M/ilchimaxnn76


Ich glaube ich kann einigermaßen nachvollziehen, wie es dir geht. Meine Schulzeit war auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. Lange Zeit war Gegengewalt mein einziges Mittel, wenn ich gemobbt wurde, mir Sachen weggenommen wurden oder ich körperlich attackiert wurde. Zum Glück waren die schlimmsten Mobber keine sonderlichen Leuchten in der Schule und mussten wechseln, sodass es mit 14 oder 15 langsam besser wurde. Ich war dann "nur" noch Außenseiter, und mit 17 dann auch das nicht mehr. Lange schwere Jahre...

Aber irgendwann ist man aus der Schule raus, der ganze Druck ist weg, und auf der Uni sind wesentlich weniger Arschlöcher. Mobbing oder Gruppenzwang gibt es da kaum. Hilft dir jetzt natürlich nicht viel, wenn ich hier nur Durchhalteparolen ausgebe...

Ich empfinde Fantasiewelten, Fantasiefreunde oder Tagträume jedenfalls als legitime Hilfskonstrukte, um mit dem Alltag zurecht zu kommen. Wichtig ist nur, dass man sie kontrollieren kann. Während einer Klassenarbeit muss man sie eben bis zur Pause wegschieben können. Wenn du das irgendwann schaffst dann musst du dir meiner unqualifizierten Meinung nach keine Sorgen mehr wegen deiner Fantasien machen.

Und falls du den Terabithia-Film nicht kennst, sie ihn dir ruhig mal an, der ist echt schön.

dPeserkt| |xsoul


Ja, ich kenne das auch und ich finde es nicht schlimm, dass man sich eine Traumwelt aufbaut, so lange man gleichzeitig versucht, daran zu arbeiten, die Probleme in der realen Welt zu lösen und die fiktive Welt im Griff hat, also selbst bestimmen kann, wann man in der realen Welt lebt und wann in der fiktiven Welt!

CChrips.Ra^nd[axll


Hallo Jodie!

Noch eine Frage: Brauchst du um in deine fiktive Welt zu kommen eher Ruhe, z.B. wenn ich abends im Bett liege mache ich auch schonmal eine Phantasiereise oder funktioniert das auch so den Tag über bei normalen Beschäftigungen?

Ich träume mich überall weg, so, wie es auch Solaia beschreibt, in der Schule, während des Unterrichts, beim Lernen, beim Essen, während einer Feier, beim Fernsehen und Musikhören, beim Einschlafen. Zwingend Ruhe brauche ich dafür nicht, jedoch ist es schöner, wenn man Ruhe hat und ganz ungestört träumen kann, wie vor dem Einschlafen.

Ich kenne den Film. Finde ihn ziemlich gut! Muss man sich das also so in etwa vorstellen...also man hat Kontakt mit Fantasiewesen und spricht mit diesen!?

Aber in diesem Film stellen sich die beiden Kinder ja in der realen Welt ihre Phantasiewelt vor und spielen auch tatsächlich in dieser; sie reden in der Wirklichkeit miteinander, sie kämpfen mit den Wesen usw., das hat mit meiner Traumwelt z.B. gar nichts gemeinsam. Bei mir läuft das alles nur in Gedanken ab und es sind auch keine Phantasiewesen, sondern ganz normale Menschen in ganz normaler Umgebung.

Viele Grüße,

Chris


Liebe Solaia,

es tut mir leid, dass du solche Probleme in der Schule und mit Klassenkameraden hattest und hast :-(. Ich habe wegen chronischer Krankheiten zwar auch Probleme, vor allem viele Fehlzeiten, aber kein Mobbing. Jedoch sind meine Eltern auch wenig begeistert über schlechte Noten und sehen mich schon als Hartz4-Empfängerin :-. Sie machen mir auch viel Druck, obwohl mein Arzt ihnen schon oft gesagt hat, dass sie es lassen sollen. Ich kann mit meinen Eltern nur schlecht über wichtige Dinge sprechen, sie verstehen mich nicht, ist das bei dir auch so?

Viele Grüße,

Chris

SCo|laixa


Chris.Randall

Meine Mutter hat es früher auch sehr oft gesagt, dass ich als Hartz4- Empfängerin arbeite oder nur Putzfrau werde. Ich liebe meine Eltern, doch ich habe kein so enges Vertrauen mit ihnen, als das ich darüber mit ihnen reden könnte. An sich fehlt mir einfach eine Vertrauensperson und das mekre ich auch. Ich brauche jemanden zum reden, doch habe ich keinen. Immer wieder bin ich in meinem Zimmer und weine, weil ich einfach niemanden zum Reden habe! Und wenn meine Eltern und ich über diese Probleme rede, fühlt bzw. hört es sich immer so an, als ob sie mich nicht verstehen würden.

Es ist für mich schlimm, niemanden zum Reden zu haben. Es tut weh und ich verliere mich auch manchmal dadurch!

Cshris.xRandCall


Hallo Solaia,

tut mir leid, dass ich erst jetzt schreibe, mir ging's gesundheitlich mal wieder schlecht. :(v

Eine richtige Vertrauensperson hab ich auch nicht, wenn überhaupt war das meine Oma, aber sie lebt nicht mehr. Meine Eltern sind Akademiker und erwarten auch von mir Abitur und Studium, nur weiß ich nicht, ob ich das schaffe. Mit ihnen reden, kann ich nur über (positive) Schulsachen und meine Erkrankungen, alles andere ist eher schwierig.

Vielleicht können wir uns ja gegenseitig ein bisschen helfen, hier im Thread oder über PN?

Viele Grüße,

Chris

JQod`ixe


Hey Chris....

danke für deine Erläuterungen! Finde ich nach wie vor total interessant...!

Ich wünschte in meiner Phantasie könnten auch mal schöne Sachen passieren ..... ich male mir mit meiner Angststörung immer nur aus, was alles an schlimmen sachen passieren kann...und das den ganzen Tag!

Daher beneide ich euch in eurer "schönen" Phantasiewelt!

LG @:)

C-hris^.RaKndalxl


Hallo Jodie,

das tut mir leid, dass du eine Angststörung hast :-(. Hast du vor etwas Bestimmtem Angst? Ich kenne so etwas gar nicht...

So eine Phantasiewelt kannst du dir aber auch jetzt noch erträumen, dafür ist es nie zu spät. :)*

Viele Grüße,

Chris

JJodie


Hey chris,

ja ich habe Angst vor bestimmten Dingen, z.B. am schlimmsten vor Schwindel (daher habe ich ja auch immer welchen), Angst die Kontrolle zu verlieren über meinen Körper – so wie es z.B. bei einem Schlaganfall ist....

Ich mache aber alles ganz normal – arbeiten gehen etc....und man merkt es mir auch nicht an......

Es belastet mich nur leider sehr, da man nichts mehr so richtig genießen kann.....aber ich arbeite dran! :-)

LG @:)

CIhrisn.Randaxll


Hallo Jodie,

ist sicher schwierig, einen Alltag mit so vielen Ängsten zu meistern :-(. Hast du denn Hilfe?

Ich war lange Zeit bei einer Therapeutin, aber die kann mir meine Erkrankungen auch nicht nehmen, deshalb hat es mir nicht wirklich geholfen. Außerdem hatte ich null Vertrauen zu ihr, deshalb hätte ich ihr auch von meiner Traumwelt nichts erzählt.

Ich wünsch dir alles Gute! :)*

Chris

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