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Borderline beim Partner

N2urarwihyoxn


Hmpf – wenn ich Borderline schon höre rollen sich mir die Zehennägel auf. Problematisch ist, dass Borderline in den letzten Jahren zur Modeerkrankung wurde. Ein Label, was jeder zweite, bei dem man nicht ganz sicher war oder der ein paar Schlüsselsymptome hatte, aufgedrückt bekam und immernoch bekommt. Man stigmatisiert und katalogisiert immernoch viel zu viel.

Borderline ist keine festes Krankheitsbild, sondern mehr eine Anhäufungen von vielen Dingen, von denen einige bei den Betroffenen besonders oft (manchmal aber auch gar nicht) auftreten. Gleichzeitig weist Die BPS viele Parallelen zu anderen psychischen Erkrankungen auf, so das eine Diagnose oft falsch ist oder einfach nur ungenau. "Borderline und so wird das behandelt" führt oft zu mehr Problemen als es nötig wäre.

Ob eine Behandlung erfolgreich ist hängt oft davon ab, wie sehr das Therapieangebot auf den einzelnen Betroffenen zugeschnitten ist. Natürlich haben sich gerade in den letzten Jahren bestimmte Therapiearten als zumindest hilfreich erweisen können.

Naja – darum ging es eigentlich gar nicht.

Wie geht man mit psychisch kranken Partnern um? Ich kenne beide Seiten der Medaille.

Man darf den kranken Partner nicht stigmatisieren, nicht zu sehr bedauern. Man darf sich nicht selbst aufgeben, wenn man aggressiv behandelt wird oder ungerecht. Man muss für sich selbst einstehen und darf dem Gegenüber – trotz, oder vielleicht gerade deswegen – Krankheit nicht alles mit "ach naja ihr geht es ja so schlecht, sie meint das nicht so" durchgehen lassen. Man muss, trotz Mitgefühl auch mal sagen "So, jetzt gehst du einfach zu weit."

Man darf sich desweiteren nicht in die Helferrolle pressen lassen. Der Betroffene muss selbst den Antrieb besitzen etwas zu ändern. Man kann ihn nur beglkeiten, und auch die Hand halten.

Eine glückliche Beziehung mit einer kranken Person ist einfach ein ganz schmaler Grat für beide Personen. Man muss irgendwie in der Lage sein, die Beziehung auch losgelöst vom Problem des kranken Partners sehen zu können. Die Krankheit darf die Beziehung nicht total vereinnahmen. Gerade das ist für die kranke Person sehr wichtig, weil dazu eine Menge Reflexion benötigt wird, die gerade in akuten Phasen oft nicht möglich ist.

Das ist meine Meinung, ein kleiner Teil davon zumindest. Es gibt keine Leitfäden für sowas. Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Beide Seiten. Es ist unglaublich schwer, und für viele einfach nicht möglich.

SBpciegedlbi}ld82


Find ich ne gute Einstellung von dir :)^

Ich bin auch betroffen und mein Freund hatte die ersten Jahre ne harte Zeit mit mir (bei mir kamen noch SVV, Depressionen und Medikamentenabhängigkeit dazu), aber er hat es "über sich ergehen" lassen und immer zu mir gehalten.

Momentan hab ich ne ganz gechillte Phase, ohne diese Heftigkeit...er weiss wie er mit mir umzugehen hat (und es war ne lange lange Zeit bis er es "gelernt" hat, weil er es halt nicht kannte) und alles is gut zwischen uns x:)

Bqobr22


Ich meine mit dem "nur" nicht, dass es nicht schlimm sei, das habe ich schon erfahren und erlebet,aber dass sie eben nicht schuld daran ist. Ja, soweit ich gelesen habe bis jetzt gehört das doch aber auch bei manchen mit dazu oder nicht? (Anorexie und Bulimie meine ich).

Ich denke, dass ich psychisch ziemlich gut gefestigt bin. ich denke zwar oft über sie nach und wenn ich nicht bei ihr bin frage ich mich ob alles in ordnung ist, aber im Allgemeinen würde ich sagen, dass es mich teilweise belastet, aber nicht so sehr, dass ich selber psychisch angeschlagen werden könnte.

S:p-ieg'elbilxd82


Wielange seid ihr denn zusammen ?

Einige Zeit kann ja vieles bedeuten ;-D .

BPS kann viele Begleiterscheinungen haben...muss aber nicht.

Wenn man z.B. nach diesem ganzen Selbsttestgedöns geht, hat irgendwann jeder Mal in seinem Leben BPS.

SVV is zb nicht gleichbedeutend mit BPS genauso wenig wie mit dem Wunch sich umzubringen.

Wie gesagt, ich find deine Einstellung gut das du sich nicht verlassen willst weil sie BPS hat, aber du weisst auch nicht wie es sich weiterhin entwickeln wird und ob du diese Belastung auf Dauer aushalten wirst.

Geht sie schon lang zur Therapie ?

Zeigt sie Eigeninitiative...also das sie was ändern will ?

s+chnGeck@e19.85


Allgemein zur Situation des Partnes:

Man muss sich als Betroffener bzw. als Partner klar sein, dass eine Beziehung keine Therapie sein kann und soll!

Eine glückliche Beziehung mit einer kranken Person ist einfach ein ganz schmaler Grat für beide Personen. Man muss irgendwie in der Lage sein, die Beziehung auch losgelöst vom Problem des kranken Partners sehen zu können. Die Krankheit darf die Beziehung nicht total vereinnahmen. Gerade das ist für die kranke Person sehr wichtig, weil dazu eine Menge Reflexion benötigt wird, die gerade in akuten Phasen oft nicht möglich ist.

Sehr richtig formuliert.

Zur Diagnose Borderline: Es ist einfach wahnsinnig stigmatisierend, sich als Borderliner zu outen. Es herrschen enorm viele Vorurteile und Unaufgeklärtheit in der Öffentlichkeit (im Gegensatz dazu ist Burn Out ja schon fast positiv besetzt). Ich hatte meine Beziehung schon vor der Diagnose (damals 4 Jahre) und dann damit klarzukommen, dass man im Grunde beziehungsunfähig, sprunghaft und tückisch sein soll ist nicht gerade aufbauend und erschwert die Akzeptanz der eigenen Krankheit.

Ich war z.B. fast krankhaft zurückhaltend mit meinen wirklichen Emotionen. Nach Außen war ich immer die Selbstbewusste, die Fröhliche, die Kontaktfreudige. Ich wollte auch weiter so gesehen werden und habe all meine negativen Emotionen mit mir ausgemacht – teilweise auch durch selbstschädigendes Verhalten kompensiert. Ich habe mich schon selbst verletzt, als ich noch nichtmal wusste, dass ich mich selbst verletze, dass es andere Menschen gibt, die das tun. Und doch wird man als aufmerksamkeitsgeiler Emo mit aufgeschnittenen Pulsadern dargestellt – das tut weh.

Auch hier im Forum schon gelesen: Borderliner sind beziehungsunfähig, bösartig, manipulativ. Nein! Wir sind normale Menschen, mitten unter euch, die viel Leid ertragen mussten, so dass sich ihre Seele gespalten hat. Über 90 Prozent der Borderliner haben sexuellen Missbrauch in der Kindheit erlebt. Als Kinder wurden sie missbraucht – körperlich, emotional. Die Volksseele ist schnell dabei, Pädophile aufzuhängen, aber die geschädigten Kinder sollen bitte Maltherapie machen und dann wieder normal sein :-/

Weil wenn man erwachsen ist, dann ist man nicht mehr Opfer, sondern wird auch noch zum (Beziehungs)Täter stilisiert.

Moadame }C+habrenxton


Zur Diagnose Borderline: Es ist einfach wahnsinnig stigmatisierend

das stimmt! es wäre interessant wie sich eine Therapie entwickeln würde, wenn man der betroffenen Person einfach verheimlicht dass sie Borderline hat, bzw. andere Diagnosen stellt...........die Diagnose allein kann ja schon einiges anrichten, ich war heilfroh als ich hörte "nur" Depressionen zu haben

SBpiegke\lbilqd82


Danke schnecke :)=

s~chne'cke19=8x5


das stimmt! es wäre interessant wie sich eine Therapie entwickeln würde, wenn man der betroffenen Person einfach verheimlicht dass sie Borderline hat, bzw. andere Diagnosen stellt...........die Diagnose allein kann ja schon einiges anrichten, ich war heilfroh als ich hörte "nur" Depressionen zu haben

Ich kannte die Krankheit theoretisch schon aus dem Internet. Mein erster Therapeut hat die Diagnose bei mir sehr schnell gestellt und das hat mich auch erstmal umgehauen: Einerseits sah ich mich damals selbst – bis auf gelegentliche Selbstverletzung – überhaupt nicht in den Borderline-Kriterien, dann auch noch die Konfrontation mit dem negativen Bild des Borderliners (denn wir sind ja nur Borderline und kein bisschen Persönlichkeit ;-) ) – das war schon eine heftige Erschütterung meines Selbstbildes und daran hatte ich lange zu knabbern.

J6an"74


@ Bob

ich finde schon, das sich bei dem was Du schreibst so eine co-Struktur herauslesen lässt.. helfen-wollen, "Kann sie doch deswegen nicht verlassen", verantwortung für sie übernehmen.

s<chnehcke:19w85


PS: Man fragt sich dauernd "Bin ich das oder das Borderline"?, man verliert durch die Diagnose (zumindest temporär) auch das Vertrauen in die eigene Urteilskraft, fühlt sich als Person als Solche in Frage gestellt. Wo ist schnecke, wo ist die Persönlichkeitsstörung? Was entscheide ich in meinem Leben, entscheide ich überhaupt selbst in meinem Leben oder meine Krankheit?

Man wird praktisch von heute auf morgen damit konfrontiert, dass die eigene Wahrnehmung irgendwie krankhaft bzw. "falsch" ist und das reißt erstmal den Boden unter den Füßen weg.

Jgan74


@ schnecke

Ich finde das auch, was Du schreibst. "Borderline" ist auch ein saublödes Wort. "Emotional instabile Persönlichkeit" trifft es doch viel besser. Ich hatte auch schon enge Beziehungen zu BPlern und mochte einige echt gerne und natürlich gab es da jede Menge "echte Persönlichkeit", das hat sich schon klar gezeigt.

Ich weiss gar nicht inwieweit ich da drauf geachtet hab, ob irgendwas an Eigenschaft gerade "echt" oder "Krankheit" ist. Es war einfach irgendwie "schwierig".. starke Ängste und so. Ich hab ausserdem sicherlich auch selber Züge davon in mir. Das Ausmass in dem meine Stimmung schwankt und sehr schnell von einem einzigen falschen Satz in den tiefesten Keller gerissen werden kann und sich arge Seelenqualen auftun, deutet schon in diese Richtung.

Stigmatisierend ist es sicherlich.. ich fand aber immer, das bei den Leuten, die ich da kenne, schon jede Menge "normale Wahrnehmung" und "normale Persönlichkeit" vorhanden war. Eigentlich war das alles normal. Unnormal war das Ausmass an Angst und die extremen Stimmungsschwankungen. Aber so zu 70-90% hat man sich schon normal über normale Dinge unterhalten-

Mkadame Clhare;nton


schnell von einem einzigen falschen Satz in den tiefesten Keller gerissen werden kann und sich arge Seelenqualen auftun, deutet schon in diese Richtung

das Problem hab ich allerdings auch, aber ob man das gleich mit Borderline in Verbindung bringen kann/sollte? ":/

J<an7x4


Wenn es eine absolut unangemessene emotionale Reaktion ist (was es bei mir ist), dann hat es zumindest einen gewissen "Krankheitswert".. wie schon festgestellt ist "Borderline" ja eh nur ein Wort, und es gibt davon sicher auch milde Formen und Vorstufen. Menschen sind halt unterschiedlich stark emotional stabil. Irgendwie wird immer dann eine "behandlungsbedürftige Störung" (wie auch immer man sie nennt) draus, wenn erheblicher Leidensdruck besteht, oder?

sXnoxw1witcxh


Ich selbst habe auch Borderline. Das wurde vor ca. 5 Jahren in einer Klinik, nach meinem zweiten Suizidversuch festgestellt. Ich hab alle möglichen Therapien versucht. Und "typisch" Borderliner auch einige abgebrochen. Erfolg hatte nur die letzte Therapie. Das war eine Hypnotherapie. Die ist extrem heftig und hat mich oft an den Rand meiner Kraft gebracht, aber sie hat geholfen. Mir geht es heute gut. Laut Klinik und Neurologen ist keinerlei Borderlinerverhalten oder wie immer man das nennen will zu erkennen. Entweder bin ich "geheilt" oder ich kann es nur gut verstecken. Wer weiß. Was ich immer noch habe ist ADHS. Das werde ich wohl auch nie los, aber auch das habe ich dank der Therapie recht gut im Griff. Ab und an kommt noch die Hektik, Panik und das Überdrehte heraus, aber das legt sich in kürzester Zeit. Das macht mich stolz auf mich selbst. Dazu habe ich aber auch fast 30 Jahre gebraucht.

Was ich aber noch viel erstaunlicher und erlösender finde, ich brauche keine anderen Menschen mehr. Nicht falsch verstehen! Früher war ich immer auf der Suche nach einem Partner, konnte nicht alleine sein, hatte Panik verlassen zu werden und versuchte mit allen Mitteln den Partner zu halten. Das führte dazu, dass ich immer an die allerletzen Typen geraten bin. Der Erste war ein extrem fauler Mensch, heute noch arbeitslos und lässt sich von seiner jetzigen Partnerin ernähren. Der Zweit hielt sich für Gott und machte mich nieder wo er nur konnte, der Dritte war eine Mischung aus den Beiden anderen. Herrlich!!! Die normalen Männer hielt ich für langweilig. So gehts mir heute zwar auch noch, aber um die gestörten mache ich einen Bogen und erkenne sie auch sofort. Aber der Wille sich helfen zu lassen und Fehler zu sehen muss da sein.

sRnopwwitxch


Das mit dem falschen Satz und in den Keller fallen ist, laut Therapeut, völlig normal. Geht jedem Menschen mal so. Das hat etwas mit geringem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu tun und nichts mit Borderline. Der Borderliner kann nur da nicht mehr heraus und "spinnt" sich immer neue Dinge dazu. Ein gesunder Mensch sitzt eine zeitlang im Keller und dann kommt er wieder heraus. Das Haus (Seele) des gesunden Menschen ist aufgeräumt, der Borderlinr hat völliges Chaos und weiß mit dem neuen Kram (Kritik oder was auch immer) nicht mehr wohin. So hat es mir ein Therapeut erklärt.

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