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Stagnation in der Therapie und im Leben

TWr`o,omp hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich befinde mich seit nun fast schon über 6 Jahren in Behandlung. Mehrere verschiedene Ambulante Therapien sowie einmal in Stationärer Behandlung. Momentan bin ich noch immer in Ambulanter Therapie, welche aber auch bald zu Ende gehen wird. Und Irgendwie komme ich nicht wirklich voran.

Es fällt mir unglaublich schwer mich zu öffnen, mich der ganzen Sache hinzugeben und aktiver daran zu arbeiten, auch nach all den Jahren. Eigentlich kommen immer nur mehr Zweifel auf ob ich jemals aus der Depression rauskommen werde. Natürlich sind/ waren auch die Therapeuten/ Neurologen unzufrieden weil nur so wenig Erfolg zu sehen ist, eigentlich konnte ich mich die ganze Zeit nur so weit halten um nicht ganz abzurutschen. Außerdem habe ich das Gefühl das mein Threapeut bzw Neurologe so langsam auch die "lust" an mir verliert, eben weil sie nicht mit mir voran kommen.

Irgendwie hat es bei mir noch immer nicht Klick gemacht, wie zu der Zeit als ich Drogenabhängig war und von Heute auf Morgen mein Leben geändert habe, also Clean geworden bin. Ich gehe so langsam auf die 30 zu, stehe ohne Berufsausbildung da und habe einfach keine gute Sichtweise auf meine Zukunft. So gut wie alles läuft einfach nur falsch oder gar nicht.

Ich blocke auch so viele Dinge ab, Vorschläge die vom Therapeuten kommen, weil sie mir unsinnig oder überflüssig vorkommen. Ich weiß das es total bescheuert ist, aber ich kann das auch nicht abstellen. Ich habs versucht, vermutlich nicht stark genug, aber es klappt nicht.

Ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll. Ich bin ein Hoffnugsloserfall glaube ich, wieso schaffe ich es einfach nicht mich zu motivieren egal in welchen Bereichen? Ich will aus der Depression raus, unbedingt, aber ich schaffe es nicht genügend Kraft aufzubringen um auch wirklich aktiv mit zu arbeiten. Therapie kann ja auch nur funktionieren wenn ich die meiste Arbeit mache, es liegt an mir. Aber ich habe das Gefühl nichts ändern zu können. Irgendwie eine Endlosspirale ohne entkommen.

Die Medikamente können mich auch nur auf ein Level halten damit ich nicht weiter runter rutsche, aber wirklich helfen im Sinne von nach Vorne bringen, tun sie nicht. Was ich nicht erwarte, aber doch irgendwie gehofft habe.

Das ganze ist natürlich umso schwerer wenn man niemand hinter sich hat, wenn man ganz allein ist ohne Familie und Freunde. Hm.

Kennt jemand dieses Gefühl nicht mehr weiter zu kommen? Was habt ihr dagegen getan und was könnte ich tun? Vielleicht helfen mir Bücher, habt ihr empfehlungen zu dem Thema?

Okay, das wars erstmal. Ich musste das irgendwo mal loswerden, fehlen sicherlich viele Details und vielleicht werde ich sie später noch nachreichen um mich besser verstehen zu können, einordnen etc...aber ihr könnt ja auch Fragen was euch interessiert. Über ein paar Antworten wäre ich sehr dankbar.

Grüße.

Antworten
avug{23,3


Ich setze mal voraus, dass eine normale körperliche Leistungsfähigkeit besteht.

Was wäre wenn in eine Scheune eingesperrt, 9 Liter Wasser vorhanden in den bekannten Flaschen; ein Haufen gespaltenes Holz ist aufzuschichten; Arbeit für zwei bis drei Tage. Ein Bett und ordentliche Ernährung gibt es erst wieder, wenn das erledigt ist.

Würdest Du dich verhungern lassen? Wasser wird nachgeliefert!!!

T_roomxp


Natürlich würde ich nicht verhungern wollen. Eine "normale" körperliche Leistungsfähigkeit ist vorhanden ja, aber der Körper kann schlecht funktionieren wenn der Geist "kaputt" ist. Davon abgesehen, was ist normal? Bestimmt nicht, wenn man ständig Müde und Erschöpft ist oder ähnliches.

Ich verstehe aber ehrlich gesagt nicht so recht was du mir damit sagen willst? " ???

Als Vergleich hingt es ein wenig würde ich sagen. Würde alles nach dem Prinzip "Du musst nur wollen!" funktionieren, dann gäbe es wohl weitaus weniger depressive Menschen, findest du nicht auch?

Interessant dabei ist, das man sowas meistens nur von Menschen zu hören bekommt die selbst noch nie in einer Depression drin gesteckt haben. ":/

a%uZg2x33


1. Depression ist mir keine unbekannte Größe

2. es war eine sehr generalisierte Frage

3. unser Leben lässt sich fast auf diese Zentralfrage reduzieren

4. wer überleben will hat für Depression einfach keine Zeit

Der Ausweg kann unterschiedlichst sein; unter anderem aber auch eine klare Aufgabenstellung mit Erfolgskontrolle und entsprechender Belohnung.

Wenn es in der Umgebung noch 85jährige und ältere Männer gibt, dann diese mal fragen, wie sie die Zeit nach 1945 überlebt haben.

Tbesptrale


es gibt halt unheilbare Krankheiten, sowohl somatische als auch psychologische.

a"ug23x3


dann bleibt die allgemeine Frage, wie sind Menschen früher damit umgegangen – oder wie gehen Menschen in anderen Kulturen damit um ???

Txroomxp


Nicht jeder Mensch ist gleich, genauso wenig wie jede Depression gleich verläuft. Man kann das meiner Meinung nach nicht einfach so generalisieren. Daher geht auch jeder Mensch anders damit um.

Die Aussage "wer überleben will hat für Depression einfach keine Zeit" halte ich für nunja...zumindest bedenklich.

Was willst du damit wieder sagen? Depression ist keine Sache die man einfach so beiseite schieben kann.

Ich habe schon ein paar Wege ausprobiert, aber der richtige war scheinbar noch nicht dabei, leider. Das klingt vielleicht alles nach Ausreden, aber warum sollte ich absichtlich in der Depression verweilen wollen? Das ergibt ja kein Sinn.

Natürlich liegt zum großteil an mir, am umdenken und einlassen, aber dafür muss man erstmal die Kraft aufbringen können und das ist nicht nur eine Sache von Wollen.

Ehrlich gesagt hatte ich auf ein paar mehr eigene Erfahrungen anderer gehofft, schade. :-(

aYug2{3x3


Ich zweifle daran, ob die Erfahrungen anderer eine Hilfe sind. Sie sind es nur dann, wenn man selbst bereit ist ein gezeigtes Muster selbst umzusetzen. Schon ein ja, aber ....., bringt nichts. Daher auch meine ganz allgemeine Frage und die Reduzierung auf praktisch Ebene der Neandertaler: wer überleben wollte, der hatte für Depression keine Zeit und musste aktiv sein. Glücklicher Neandertaler, dem war der Begriff Depression noch fremd und der Rest um ihn herum hat für Antrieb gesorgt.

Ideal wäre ein Mensch in unmittelbarer Nähe mit entsprechender Erfahrung, der den Depressiven an die Hand nimmt und "vor sich her treibt" – laufen muss er schon selbst!

TJroo,mp


Ich weiß nicht ob es Absicht von dir ist, aber ich finde deine Vergleiche bzw Symbolik doch immer irgendwie seltsam. Ich glaube kaum das die Neandertaler mit Depression zu kämpfen hatten. Außerdem widersprichst du dir ja auch. Einerseits sagst du man möge doch mal die alten Leute fragen wie sie die schwere Zeit nach dem Krieg überstanden hätten, aber nun sagst du das die Erfahrungen anderer keine Hilfe sein können.

Natürlich muss man seine eigene Denk- und Handlungsweise überdenken und ändern, aber das kann man ja auch nur wenn man sich Input von außen holt.

Was macht man also wenn man niemand hat der einen, wie du so schön sagst "vor sich her treibt"? Nach deiner These wäre der Neandertaler dann vermutlich auf der Strecke geblieben und gestorben, etwas womit er sich halt abfinden musste. Und heute? Gilt das gleiche?

Ich bin ja nicht, nicht aktiv. Bin von selbst in die Therapie gegangen, hab mir hilfe gesucht und neue Dinge ausprobiert. Aber selbst mit hilfe der Therapeuten ist es noch immer ein sehr schwerer Weg.

Ganz ehrlich, selbst mit den Therapeuten fühlte und fühle ich mich manchmal alleingelassen. :-|

K(a*puzuinerkryesse


@ aug233

dann bleibt die allgemeine Frage, wie sind Menschen früher damit umgegangen – oder wie gehen Menschen in anderen Kulturen damit um ???

ich glaube nicht, dass so eine sichtweise hilfreich ist.

natürlich ist es so, dass in existenzbedrohenden situationen sozusagen keine zeit für depression ist. in solchen situationen ist auch keine zeit für körperliche schmerzen, das weiß man ja. nur heißt das nicht, dass depression oder schmerzen weg sind, sie werden nur unterdrückt.

viele aus der kriegsgeneration haben im alter massiv mit depressionen zu tun...eben weil vieles weggedrückt und nie bearbeitet werden konnte.

KsapuzFiner=kressxe


@ Troomp

Ganz ehrlich, selbst mit den Therapeuten fühlte und fühle ich mich manchmal alleingelassen. :-|

kannst dud enn mit dem therapeuten darüber sprechen?

vielleicht wäre ja auch eine selbsthilfegruppe gut?

ich habe u.a. auch mit depressionen zu tun, ich weiß, wie schrecklich man sich fühlen kann.

ich finde trotzdem die aussage interessant, dass depression auch einen sinn hat, die depression einem sozusagen etwas sagen will.

TcestZrale


An den TE

für wirklich schwere Depressionen, die auch mit Psychopharmaka NICHT zu behandeln sind, ist die Elektrokrampftherapie sehr effektiv. Das kann natürlich NUR in stationärer Umgebung erfolgen, 2 bis 3 mal in der Woche wird das gemacht, ein Anästhesist und ein Psychiater/Neurologe MÜßen das ganze überwachen.

In der Wikipedia ist ein guter Artikel darüber drin..

aKug23x3


Der Weg ist mit oder ohne Therapeut gleich schwer – mit Therapeut spart man sich einige Umwege.

Tiro0omSp


@ Kapuzinerkresse

Ich kann schon offen mit meinem Therapeuten reden, allerdings muss ich zugeben das ich mich nicht komplett öffnen kann. Ich suche die Schuld auch nicht zuerst bei anderen, sondern bei mir selbst. Daher würde es mir auch nicht in den Sinn kommen, meinen Therapeuten damit zu konfrontieren. Viel kann er da auch nicht machen, es liegt ja an mir. Ich fühle mich ja manchmal unverstanden, obwohl es objektiv betrachtet vermutlich gar nicht so ist, sondern ich es einfach nur so auffasse weil die Depression auch während der Gespräche kein halt macht. Es fällt mir außerdem auch sehr schwer mich auszudrücken, zumindest beim sprechen. Gedanken lassen sich nicht so einfach ausdrücken, vorallem wenn sie einem oft selbst verwirrt zurück lassen. Sortieren, Ordnen und dann zum Ausdruck bringen, tja nicht unbedingt meine stärke. Hat aber auch stark etwas mit Vermeidung zu tun, gebe ich zu.

@ Testrale

Bevor ich mir Elektroschocks ins Hirn jagen lasse, probier ich lieber alle möglichen Medikamente aus die es gibt. Vor sowas graust es mir einfach und dazu wird man mich nie überreden können.

@ aug233

Widerspricht sich meiner Meinung nach.

Wenn ich von Punkt A zu Punkt B will und das mit Hilfe schneller, direkter, sicherer und somit auch leichter erreiche, als würde ich vorher noch über Punkt C, D, E und F gehen müssen um zu Punkt B zu gelangen, dann ist das für mich nicht das Gleiche. Natürlich ist der Weg mit einem Therapeuten auch anstrengend und schwer, aber sicher nicht zu vergleichen mit dem Weg wenn man ihn denn alleine gehen würde. Die wenigsten dürften es ohne Hilfe aus so schweren Lebenssituationen schaffen. Sonst gäbe es vermutlich auch nicht so viele Drogensüchtige, Selbstmörder, etc.

Aber das ist nur meine Meinung.

K]apuzi)nerkxresse


@ Troomp

Ich fühle mich ja manchmal unverstanden, obwohl es objektiv betrachtet vermutlich gar nicht so ist, sondern ich es einfach nur so auffasse weil die Depression auch während der Gespräche kein halt macht.

das kenne ich auch. ich habe aber gelernt, dies anzusprechen, werde von der therapeutin immer wieder auch dazu aufgefordert.

therapeuten sind ja auch nicht unfehlbar, es ist doch nicht gesagt, dass es immer an dir liegt. und selbst wenn es so wäre, hilft ja ein egspräch, manches anders einordnen zu können. außerdem ist es doch ein gutes experimentierfeld, denn das ansprechen von problemen muss man ja auch im real life handhaben.

Es fällt mir außerdem auch sehr schwer mich auszudrücken, zumindest beim sprechen. Gedanken lassen sich nicht so einfach ausdrücken, vorallem wenn sie einem oft selbst verwirrt zurück lassen. Sortieren, Ordnen und dann zum Ausdruck bringen, tja nicht unbedingt meine stärke.

ich finde, genau dafür sind doch therapeuten da: einem zu helfen, das knäuel im kopf auseinanderzufitzeln.

Hat aber auch stark etwas mit Vermeidung zu tun, gebe ich zu.

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