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Freund hat sich geritzt, wie soll ich damit umgehen?

TYalviYja hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen.

Ich muss erstmal weiter ausholen, damit ihr euch auskennt...

Mein Freund und ich sind seit Januar 2012 zusammen, seit Dezember verlobt und im September soll die Hochzeit folgen. Soweit, so gut...

Schon zum Anfang unserer Beziehung war ihm oft schwindlig, er hat sich übergeben, alles nach besonderen Stresssituationen, meist arbeitsbedingt.

Nach längerem Hin und Her konnte ich ihn schließlich überzeugen in eine Tagesklinik zu gehen. Er war teilstationär, 10 Wochen.

Dort wurde den Problemen auf den Grund gegangen, er hat immer mehr von sich preisgegeben, hat auch gesehen dass ihm die Hilfe dort was bringt, hat viel eingesehen was wohl falsch gelaufen ist, hat sich selbst besser kennen gelernt, es sah wirklich alles ganz gut aus.

Dann aber musste er zurück in die Arbeit, stufenweise Wiedereingliederung. Er ist zwar Schichtleitung, arbeitet aber während der WE "nur" als Arbeiter, hilft hier und da der Schichtleitung ein bisschen aus. Soweit, so gut. Er kam sogar gegen seinen stellvertr. Chef an, hat dem mal geheurig die Meinung gesagt. Hat dann auch auf pünktlichen Feierabend, pünktliche und angemessene Pausen bestanden, was er vorher leider NICHT getan hat... Er kam stolz von der Arbeit und erzählte mir davon. Ich war auch echt stolz auf ihn! Hab gelobt, mich gefreut. War echt super. Kurzum: Ich dachte, es läuft. Zwar war er immernoch auf Stellensuche in einem anderen Betrieb, aber ich dachte eben, bis er was passendes findet, läuft es.

Wies eben so ist, hat sich langsam der Alltag wieder eingespielt. Ich hab versucht, ihm wieder kleinere Aufgaben im Haushalt zu geben. Eben sowas wie Müll raustragen, Bild aufhängen... hat er immer und sogar sehr oft von sich aus gemacht.

Leider blieben aber oft Zärtlichkeiten auf der Strecke, so dass ich das immer wieder mal angesprochen habe. Weils mir eben fehlt, weils ihm auch fehlt – er das aber nicht eingestehen kann, weils so nicht sein soll. War auch gut, wir haben darüber gesprochen, ok, wird schon wieder. Er hat mir erklärt, dass er vieles nicht kann. Wie z.B. einfach tagsüber mal herkommen, mich in den Arm nehmen... sowas kann er nicht, da blockiert ihm was. Wir wollten dann gemeinsam versuchen, das hinzukriegen, indem ich ihn halt einfach in den Arm nehm, denn das geht. Also auch: Soweit, so gut.

Letzten Samstag hatten wir dann nen Streit, aus mir brach einfach einiges raus, ich war erschöpft (arbeite bis zu 200 Stunden/Monat, 11 Std.-Schichten) und hab mich nach Liebe gesehnt. Habs angesprochen, er hats in falschen Hals bekommen...

Sonntag Abend folgte dann die Aussprache. Alles wieder gut, beide überreagiert, beide überfordert, wir kriegen das hin.

Gestern, also Dienstag Abend, sitzen wir aufm Sofa... und ich bemerke an seinem rechten Unterarm was rotes. Sprech ihn darauf an... Er versteckt die Hand, behauptet, die Katze hätte ihn gekrallt. Zur Info: Unsere Katze hat seit sie lebt, und das sind immerhin 3 Jahre, noch NIE jemanden gekrallt... Ich also gesagt, nein, kann nicht sein. Zeig doch mal. Er hats versteckt, ins Lächerliche gezogen. Ich dacht erst noch, er hat sich vll. auf Arbeit verletzt, kommt öfter vor, da Umgang mit heißem Fett, Fritteusen, Wärmebehälter, etc. Nachdem er mir dann den Arm so gar nicht zeigen wollte und ich durchs hin- und herrangeln eben n bisschen was gesehen hab, fiel der Groschen bei mir... Dann hab ich ihm auch "brutal" den Pulli hochgerissen und mir das Desaster angesehen...

5 oder 6 "Linien". Rot. Geritzt. ca jeweils 3 cm lang, nicht zu tief, aber dennoch krustig... ich war entsetzt... und schockiert.. und fühlte mich schuldig... und.. was einem da eben so alles durch den Kopf geht. Ich hab ihn dann mehrmals gefragt, wieso er das gemacht hat.. hab fast geheult, so weh tat mir der Anblick... seine Antwort war: Er könne anders keinen Druck ablassen. Er kann nicht weinen, nicht schreien, nichts kaputttreten, er kanns nicht rauslassen...

Gründe laut seiner Aussage: Arbeit, Stress auf Arbeit, zu wenig Geld. Ich bzw. der Streit sei angeblich kein Grund... ich weiß, dass das nicht stimmt...

Ich hab ihm dann gesagt, dass er das nicht machen darf, dass das gar nichts bringt, dass ich ihm dabei nicht zusehen werde, dass er IMMER mit mir reden kann, dass er mir immer sagen muss, was los ist... Aber er sagt, das kann er nicht und das war das Einzige, was ihm einfiel und geholfen hat... Dass mans nicht tut weiß er.. dass es nichts bringt weiß er auch.. dass es falsch ist weiß er... aber er konnte mir nicht versprechen, es nicht mehr zu tun...

Ich hatte heute frei und hab seinen Therapeuten von der Klinik angerufen und informiert. Der wird mich im Laufe des Tages noch zurückrufen und wir werden beraten, was zu tun ist. Ob wieder in die Klinik oder Hilfe auf anderen Wegen... Ich bin froh, dass der Mann das in die Hand nimmt... ich kann ihm doch nicht helfen, oder?

Ich hab ihm jetzt n kleines Notfallkistchen gebastelt... mit Süsskram drin und einem Duft-Teelicht und einem Bild von uns, einem kleinen Steinchen... und hab so ne Art Anleitung dazu geschrieben. Also z.B. "Teelicht anzünden. FINGER WEG VON DER FLAMME!! Duft und warmes Licht geniessen. Nach ca. 10 Minuten Kerze ausblasen, auf Geruch konzentrieren..." Und beim Foto z.B. steht, dass er das nie mehr machen darf.. und dass er mir auch weh tut damit.. und dass ich ihn nie im Stich lassen werde und über alles liebe...

Meint ihr, das bringt was?

Ich bin so ratlos... und selbst so nah am Verzweifeln... Ich hatte selbst schon mit Depressionen zu kämpfen, hab diese aber mit eben dieser Tagesklinik gut in den Griff bekommen... Aber ich weiß nicht, wie lang ich das allein noch stemmen kann.

Handle ich richtig? Habt ihr Tipps für mich? Oder auch nur guten Zuspruch?

Danke, wers bis hierher durchgelesen hat... @:)

Antworten
p~ebbxy


Und beim Foto z.B. steht, dass er das nie mehr machen darf.. und dass er mir auch weh tut damit.. und dass ich ihn nie im Stich lassen werde und über alles liebe...

Das würde ich nicht machen. Wer sich schneidet, hat einen gewaltigen Druck in sich. Da ist "zusätzlicher" Druck von außen eher kontraproduktiv. Und mit so einem – wenn auch gut gemeinten – Satz wird er sich unter Druck gesetzt fühlen.

Sei einfach für ihn da, zeig ihm, dass er immer mit dir sprechen kann und es nichts gibt, was er nicht ansprechen kann.

Haben die in der Klinik ihm nicht geraten, nach der Tagesklinik ambulant weiterzumachen? Normalerweise sollte man das tun, das würde euch beide entlasten.

Ansonsten kannst du auch nach "Skills" googlen. bzw hier nachlesen:[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/160388/]] ..Skills sind sozusagen "Ersatzhandlungen" fürs schneiden. Chilischote zerkauen, Gummiband an Arm schnippen lassen oder so eine Salbe auf den Arm schmieren, die verursacht, dass die Stelle brennt (verdammt, ich weiß nicht, wie diese Salben heissen, gibts in der Apotheke).

Alles Gute euch beiden. p.s.:komm doch mal wieder ins msn

T.ali0jxa


Okay, also ich habs jetzt nochmal geschrieben... und das weggelassen... aber ich habs ihm ja gestern schon gesagt beim Gespräch als ichs entdeckt hab und ich hatte schon irgendwie das Gefühl, dass ihm das zumindest soviel bringt, dass er weiß, dass ich mir deswegen Sorgen mache, usw. Er zweifelt ja auch immer an allem... :-(

Von den Skills hab ich auch schon gelesen und ihm ne Liste davon auf seinen Lappi gesetzt. Habs ihm gezeigt und gesagt, er kann sich das ja mal ansehen, wenn er mag.

Die Notfallkiste hat ihm jedenfalls gut gefallen und ich denke, die wird er auch einsetzen..

Ach, ist alles so schwierig gerade...

Hab ihn jetzt mit Gesichtsmaske eingeschmiert und in die Badewanne gesteckt.. danach gibts nen leckeren Tee und dann kuscheln wir uns ins Bett.

Ich möcht so gern mehr für ihn tun, aber ich weiß nicht, wie. Ich hab Angst, alles falsch zu machen...

Sein Therapeut hat zurück gerufen und gesagt, ich solle ihn gut im Auge behalten, wenn erneut n Schnitt folgt, sofort in die Klinik bringen wenn möglich, wenn nicht zumindest ihn telefonisch informieren. Und er hat mir nen Dr. empfohlen, der sowohl Neurologe als auch Psychologe ist und da so ne Art Selbsthilfegruppe leitet. Zufällig ist das auch der Neurologe von meinem Freund... Ich habs ihm erzählt, er hat eh bald nen Termin und ich hoff, er sprichts an.

Ich möcht mich nur auch irgendwie auskotzen. MSN werd ich bald aufsuchen.. zur Zeit soviel Arbeit.. dann soviel zu tun... bin immer nur kurz am Lappi..

Und zwecks ambulante Weiterbehandlung.. er is auf etlichen Wartelisten, aber bis man da halt dran kommt... ich hab auch schon mitgekriegt, dass er wöchentlich nachruft und nachhakt.. also kümmern tut er sich schon drum..

Ich möcht ihm einfach helfen. :°(

Sfhodxai


Ich hab ihm dann gesagt, dass er das nicht machen darf, dass das gar nichts bringt, dass ich ihm dabei nicht zusehen werde, dass er IMMER mit mir reden kann, dass er mir immer sagen muss, was los ist... Aber er sagt, das kann er nicht und das war das Einzige, was ihm einfiel und geholfen hat... Dass mans nicht tut weiß er.. dass es nichts bringt weiß er auch.. dass es falsch ist weiß er... aber er konnte mir nicht versprechen, es nicht mehr zu tun...

Es ist verständlich, dass dir das Ritzen Angst macht, aber du solltest aufhören zu werten und ihm Versprechen abzuringen. Du bauschst die Sache sehr auf und dein schlechtes Gewissen, das du ihm einredest, setzt ihn noch mehr unter Druck. Jetzt im Moment hat er nur dieses Druckventil – dass du ihm die Skills und die Notfallkiste gegeben hast, ist schon ein wichtiger Schritt. Vielleicht geht ihr die Liste der Skills in aller Ruhe, ohne Druck, durch und er kann sich mit ein paar davon über Wasser halten. Du wirst ihn da sicher kennen, inwieweit er Unterstützung braucht. Ich weiß, es ist schwer, wenn man emotional involviert ist, aber du wirst ohne Druck und Vorwürfe mehr für ihn tun können.

a0ug2x33


Wo kann bei Euch der Druck entweichen? Wo gibt es ein Ventil? Wo kann Druck kontrolliert weg? Habe es in allen Beschreibungen nicht gefunden. Sich zu ritzen ist fast noch eine harmlose Art, gibt schlimmere Dinge. Wichtig wäre eigentlich, dass jeder für sich eingesteht, dass bei ihm Druck vorhanden ist und dieser heraus will. In solchen Phasen steht manchem nicht der Sinn nach Zärtlichkeiten; da wäre eher ein Dauerlauf gemeinsam hilfreich.

In dieser Beziehung (nicht nur in dieser) sollte jeder für sich eine eigene Strategie zur Druckentlastung haben.

sltevlNlax03


Hallo Talija,

Ich kann Deine Position als Angehörige verstehen, ich kenne die Hilflosigkeit und Verzweiflung von meinem Ehemann. Man weis das es jemand gut mit einem meint, aber es kann sehr schnell kontraproduktiv und verschlechternd wirken.

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe warum jemand SVV betreibt, dass kann die Beendigung eines Zustandes, das Betäuben des inneren mittels äußeren Schmerzes sein oder ganz einfach die Selbstbestrafung in Folge von Schuldgefühlen. Jeder Betroffene weis im Grunde das dieses Verhalten nicht richtig ist, aber es ist für ihn oder sie in diesem Momenten sehr wichtig und auch etwas sehr intimes.

Aber nun zum eigentlichen.

Ich finde es gut das Du Deinem Partner helfen möchtest, aber setze ihn nicht unter Druck. Eine Skill-Liste ist ein guter Anfang, aber überhäufe ihn nicht damit...er muss sich damit beschäftigen wollen. Der sog. Notfallkoffer wirkt Wunder, aber er muss ihn selbst packen...weil nur er weis was ihn ablenkt, was er mit positiven Gedanken und Gefühlen in Verbindung bringt.

Ich weis das es für Dich sehr schwer ist, aber Dein Partner besitzt nicht die Absicht Dich in irgendeiner Art und Weise zu verletzen. Biete ihm an, dass er jederzeit mit Dir sprechen kann, weil Du es gerne verstehen möchtest....und versuche die Sache so stehen zu lassen, auch wenn es sehr schwer fällt.

Wenn er Dir etwas mitteilen möchte, dann kommt er auf Dich zu und versucht es Dir zu erklären. Dabei könnt ihr auch besprechen inwieweit Du ihm helfen kannst....lass ihn Federführend sein, denn nur er weis was ihm am besten helfen könnte.

Ich wünsche Euch auf jedenfall ganz viel Kraft.

Nachtrag: Falls ihr an den Punkt kommt, wo er sich mitteilt, dann könntet ihr vielelicht auch die SVV-freien Tage auflisten und als positiv bewerten. Wenns mal nicht klappt (Rückfall) dann keine Schuldgefühle, keine Vorwürfe sondern immer an die positiven und bereits geschafften Tage erinnern und versuchen wieder an diese heran zu kommen oder gar zu überbieten.

Twa;li`jxa


Danke erstmal für eure Antworten...

klingt ja alles ganz pausibel und logisch... aber... ICH bin halt jetzt auch an nem Punkt, wo ICH langsam nicht mehr kann.

Ich weiß, dass er nicht redet. Er frisst lieber alles in sich rein. Selbst wenn ich seh, dass er schlechte Laune hat und frag, was los ist, kommt nur: "nix." Ja, toll, danke fürs Gespräch.

Ich fühl mich einfach hilflos und ganz ehrlich.. langsam fühl ich mich einfach ausgelaugt, ich weiß nicht mehr weiter, ich stell zur Zeit alles in Frage, ich bin nicht bei der Sache, ich hab für nix nen Kopf... Ich kann nicht mal mehr lachen, selbst wenn was lustiges passiert. Nicht mal, wenn er nicht dabei ist. Und ich bin ständig kurz vorm Heulen.

Alles gut und recht, ich würd alles für ihn tun.. ich will auch für ihn da sein, ich will versuchen mich an eure Tipps zu halten... aber hallo, WER hilft denn mir? Wer stützt mich? Ich kann das alles allein nicht... und um zu nem Therapeuten zu kommen, hock ich ewig auf ner meterlangen Warteliste. DANN brauch ich keinen, ich brauch JETZT einen. Herrgott... Tschuldigung, ich leg mich jetzt wohl besser in die Wanne und versuch nen kühlen Kopf zu kriegen. %:|

D]iffaicuMltyx.


Ja Talija, so etwas kann sehr anstrengend für den "gesunden" Teil der Partnerschaft sein. Man steckt da eine Menge Energie rein, um ihn zu unterstützen und vor dem Fall zu sichern, darf aber sich selbst nicht aus den Augen verlieren und daran kaputt gehen. Es ist schwer, das durchzustehen, besonders, wenn der Partner auch absolut nicht möchte, dass man das mit irgendjemandem teilt. Was ich natürlich vollkommen nachvollziehen kann.

Ich neige dann teilweise im ersten Moment zu einem gewissen emotionalen Abschotten, wenn ich weiß, ich kann sowieso nichts daran ändern. Ob das aber die richtige Methode ist, sei mal dahingestellt... Und eben schlichtweg Vermeidungsstrategien. Wenn ich weiß, sein Verhalten steht im Zusammenhang mit bestimmten Problemen mit der Beziehung, vermeide ich diese schlichtweg oder versuche sie abzuschwächen. Das lässt sich in der Regel auch durch simple Anwesenheit in der entsprechenden Situation lösen – er würde wohl nie vor den Augen der Partnerin zum Messer greifen.

Er schämt sich vermutlich auch sehr dafür – mach ihm keine Vorwürfe, setz ihn damit nicht unter Druck. Nimm es als "ok" hin, und versuch mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden und anzugehen.

Halte ihn fest, mach ihm Mut, stärke sein Selbstbewusstsein, gib ihm den Halt, den er braucht, wenn alles andere zu viel wird und vermittle ihm irgendwie das Gefühl, dass er zu dir kommen kann, wenn was ist. Meiner frisst nämlich auch alles in sich rein, aber manchmal macht er mittlerweile auch den Mund auf. Aber das ist ein langwieriger Prozess...

Du hast ihn zwar gefragt, was los ist, aber hast du stattdessen auch einfach mal gefragt, ob er in den Arm genommen werden will oder etwas in der Richtung? Ob er raus will?

Aber nimm auch du dir die Zeit, mal abzuschalten, gönn dir was Schönes und/oder etwas Freiraum und geh mal aus oder mit einer richtig guten Freundin weg, und steck nicht deine gesamte Energie in ihn. Sonst gehst du dran kaputt.

TWali=jxa


@ Difficulty.

Danke erstmal für deine Antwort.

Er war ja von Anfang an nicht so der große Sprecher, aber dass es so weit geht, hätt ich halt nie erwartet... und mich schockiert das auch immernoch und wenn ich dran denk oder zufällig seinen Arm seh... dann kommen mir fast die Tränen. Aber ich versuch dann einfach nicht dran zu denken und mir nix anmerken zu lassen... Ich hoff, das ist jetzt richtig so?!

Ich nehm ihn mittlerweile einfach in den Arm, weil ich weiß dass er sich mitm Anfang schwer tut, aber wenn wir uns dann im Arm haben, merk ich auch, dass ihm das gut tut. Also geh ich einfach hin und sag: "Liiiiiiiiebhaben!" und schon weiß er, was ihm blüht. ;-D Dann knuddeln wir n bisschen und gut ists wieder.

Ich frag ihn auch, ob er Laufen will, weil ihm Laufen scheinbar hilft. Aber meist lehnt er ab, weil ich einfach zu langsam bin für ihn. Er geht aber oft nach der Arbeit zu Fuß durch die Gegend, bzw. läuft halt. Das ist gut und ich sag auch immer, dass er das so oft tun soll, wie er grad mag.

Ich steck ja gern meine Energie in ihn weil mir das eigentlich auch was bringt... Aber zur Zeit ist mir wahrscheinlich alles einfach zuviel. Ich arbeite 11Std/Tag und das meist 4 Tage nacheinander... meist hat er an 2 Tagen davon auch noch frei, so dass er meist allein daheim sitzt... Und wenn ich dann heim komm, frag ich halt erstmal wies ihm geht, was er so gemacht hat, usw. Ist ja ganz normal, aber momentan ists mir einfach alles zuviel und ich bin froh, wenns 22 Uhr ist und wir ins Bett gehen. Klingt böse, aber ist so.

Aber es wird bestimmt auch wieder besser. :)*

NcuraErijhyon


Und beim Foto z.B. steht, dass er das nie mehr machen darf.. und dass er mir auch weh tut damit..

Ich habe noch nicht alle Beiträge gelesen, möchte mich aber kurz hierzu äußern.

Ich weiß, dass es dir weh tut, dass du dich verzweifelt fühlst, vielleicht sogar ungenügend, vielleicht schuldig... aber so ein Satz setzt ihn einem massiven zusätzlichen Druck aus. Vielleicht kann er es dann für dich eine Zeit lang bleiben lassen, es verdrängen, aber mehr als das wäre es auch nicht – Verdrängung! Und wenn das Fass überläuft, dann wird es unter Umständen umso schlimmer, die Verletzung vielleicht tiefer.

Für ihn ist Selbstverletzung ein Ventil, mit dem kaum direkt Emotionen einhergehen, verstehst du? Er sieht es nicht so wie du, kann es nicht so sehen. Es ist ein Wekzeug, nicht mehr, welches ihm schnell und einfach starke Linderung verschafft.

Manche machen dafür Sport nach der Arbeit, oder gehen essen, oder lesen, oder machen etwas anderes, um mam Druck abzulassen.

Tiefer in ihm drin, auf einer Ebene, die er vermutlich nicht driekt wahrzunehmen in der Lage ist, löst das bei ihm auch Emotionen aus. Vielleicht Schuld, ihm selbst gegenüber und dir. Die verschiedenen Arten der Selbstverletzung sind enorm, so wie die Gründe und die damit einhergehenden Emotionen. Aber ich glaube, dass das von mir beschriebene auf die meisten zutrifft, mehr oder weniger stark, die sich selbst verletzen.

Die Idee mit der Notfallbox finde ich allerdings allerliebst, auch mit dem Foto. Nur den Satz hintendrauf würde ich weglassen.

Direkt helfen kannst du ihm nicht.

Was du auf jeden Fall versuchen musst ist, dich emotional davon etwas mehr abzugrenzen, so schlimm und schwer das auch ist. Du darfst dich da nicht selbst total aufopfern, auch wenn es gut gemeint ist, denn damit schjadest du dir und irgendwann schlägt sich das auch negativ auf die Beziehung nieder. Du kannst ihn an die Hand nehmen und mit ihm gehen, aber wenn du versuchst zu ziehen, dann kann das auch gegenteilig wirken.

Ich kenne ihn nicht und ich schreibe das alles aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, die andere in der Situation vielleicht nicht geteilt haben. Aber vielleicht erweitert es deine Sicht auf das Geschehen etwas.

Ich wünsche dir die Kraft, dich von dem ganzen nicht runterziehen zu lassen und ihm die Einsicht, welche es benötigt, seine Ziele auf einem anderen Weg zu verfolgen.

Liebe Grüße

D_if?fi{culatxy.


Aber zur Zeit ist mir wahrscheinlich alles einfach zuviel. Ich arbeite 11Std/Tag und das meist 4 Tage nacheinander...

Das ist ja auch ok – das Problem ist nur, dass er durch sein eigenes Problem eben im Zweifelsfall nicht unbedingt die Kraft hat, dich gleichermaßen zu stützen.

Im Zweifelsfall stehst du also unter Umständen mit Doppelbelastung da, und musst damit klarkommen, und es kommt im akuten Fall auch nichts zurück. Da muss man eben wie gesagt manchmal an sich denken – du darfst ihn und sein Problem nicht zum Mittelpunkt deines Lebens machen.

Du musst ihm jetzt auch nicht die Welt zu Füßen legen und ihn mit Liebe überhäufen – aber du musst den Weg mit ihm zusammen gehen und da sein. Unterstützung ist das Stichwort.

D6iffi(cultyx.


Was du auf jeden Fall versuchen musst ist, dich emotional davon etwas mehr abzugrenzen, so schlimm und schwer das auch ist. Du darfst dich da nicht selbst total aufopfern, auch wenn es gut gemeint ist, denn damit schjadest du dir und irgendwann schlägt sich das auch negativ auf die Beziehung nieder. Du kannst ihn an die Hand nehmen und mit ihm gehen, aber wenn du versuchst zu ziehen, dann kann das auch gegenteilig wirken.

Und Nurarihyon hat das so viel schöner und treffender ausgedrückt! :)^

T\alCixja


Danke, danke, danke für eure Antworten!

Nurarihyon

Den Satz hab ich schon entfernt.. steht weiter oben eh schon..

Was du auf jeden Fall versuchen musst ist, dich emotional davon etwas mehr abzugrenzen, so schlimm und schwer das auch ist. Du darfst dich da nicht selbst total aufopfern, auch wenn es gut gemeint ist, denn damit schjadest du dir und irgendwann schlägt sich das auch negativ auf die Beziehung nieder. Du kannst ihn an die Hand nehmen und mit ihm gehen, aber wenn du versuchst zu ziehen, dann kann das auch gegenteilig wirken.

Wie soll ich das denn machen? Ich kann mich emotional nicht davon abgrenzen... das geht einfach nicht. Wie soll das machbar sein? ":/

Difficulty.

ich komm aber nicht mit der Doppelbelastung klar! So entsetzt wie ich darüber auch bin, aber ich komm nicht klar damit. Ich kann nicht nur die Starke sein. Das war ich jahrelang und bin so in nem tiefen Loch voller Depressionen gefallen, das mir schon genug ruiniert hat. Das hab ich zwar mittlerweile alles im Griff, dennoch ist die Gefahr groß, dass ich wieder abstürzt. Und dann? Dann ist keiner mehr stark. Was machen wir dann? Ich kann das alles hier allein nicht stemmen. Ich kanns einfach nicht...

Ich geh mich jetzt "bettfertig" machen, damit er meine Tränen nicht bemerkt, die mir grad hochkommen... und dann kuschel ich mich ins Bett.

Danke für heute, ihr habt mir schon einiges geholfen. Und das Schreiben hilft bestimmt auch. Und ich wär euch auch dankbar, wenn ihr wieder reinschaut... Ich danke euch für eure Hilfe! @:)

Dwifficgultyx.


Ich kann mich emotional nicht davon abgrenzen...

Die Aufregung ist es aber doch ganz nüchtern betrachtet gar nicht wert. Er ist ja dadurch kein anderer Mensch, und du bist nicht schuld daran. Gerade diese Einstellung kann unter Umständen sehr wichtig für ihn sein. Wenn du ihn jetzt vollkommen anders behandelst, kann er sich unter Umständen auch einfach nur wie ein Kranker und Aussätziger fühlen. Oder es gibt ihm das Gefühl, schwach zu sein, was auch nicht gerade zum Selbstwert und Wohlbefinden beiträgt. Muss nicht, kann aber.

Es sind – im Endeffekt – ja auch nur schrecklich aussehende Narben, die irgendwann weitestgehend wieder verschwinden. Was dahinter steckt, kannst du allein nicht heilen. Du kannst ihm nur helfen, wenn er die Sache selbst in Angriff nehmen möchte.

ich komm aber nicht mit der Doppelbelastung klar! So entsetzt wie ich darüber auch bin, aber ich komm nicht klar damit. Ich kann nicht nur die Starke sein. Das war ich jahrelang und bin so in nem tiefen Loch voller Depressionen gefallen, das mir schon genug ruiniert hat.

Je nachdem, was genau psychisch gesehen dahinter steckt, ist das eben nicht einfach und unter Umständen auch nicht für jeden Partner tragbar. Gerade, wenn beide theoretisch psychisch nicht gerade die stabilsten sind, kann das schneller in eine ungewollte Richtung kippen. Du musst wirklich diese Abgrenzung erlernen und dir da ein Dickes Fell wachsen lassen und es sogesehen nicht zu deinem Problem machen.

Wenn man das nicht hinkriegt, wirds für beide nur unnötig schwerer. Einfach wird es aber vermutlich aber so oder so nicht.

Lzitt[le_*Cookxie


Hab jetzt auch nicht alles gelesen (sorry), aber das wollte ich kurz kommentieren

Ich hab ihm jetzt n kleines Notfallkistchen gebastelt... mit Süsskram drin und einem Duft-Teelicht und einem Bild von uns, einem kleinen Steinchen... und hab so ne Art Anleitung dazu geschrieben. Also z.B. "Teelicht anzünden. FINGER WEG VON DER FLAMME!! Duft und warmes Licht geniessen. Nach ca. 10 Minuten Kerze ausblasen, auf Geruch konzentrieren..." Und beim Foto z.B. steht, dass er das nie mehr machen darf.. und dass er mir auch weh tut damit.. und dass ich ihn nie im Stich lassen werde und über alles liebe..

Ich ritze (leider) selber und kann nur sagen, dass er SELBER so ein Notfallkistchen machen sollte. Das war das allererste, was man mir in der Klinik geraten hat. Den Notfallkoffer und Skills ausprobieren, soviele wie möglich, damit ich lerne, was mir gut hilft. Denn auch wenn es süß gemeint ist, MIR würde Süßkram NICHTS bringen, ich brauche dann was um wieder etwas klarer im Kopf zu werden, aus dem tunnelblick rauszukommen und habe daher eine Chilisoße in meinem Kistchen. Das ist aber für jeden unterschiedlich.

Wie gesagt, ER sollte sich am hinsetzen & wenn er schon Dinge hat, von denen er weiß das sie ihm helfen sich nicht zu ritzen in diese Kiste packen. Am Besten sollte er das auch alleine machen und es dann mit seinem Therapeuten absprechen, denn nicht alles was hilft ist immer "gut" für einen.

Ich finde es auch ein wenig verwunderlich, dass DU seinen Therapeuten angerufen hast. Das hätte er vielleicht besser selber machen sollen. =/ Ich kann verstehen, dass du ihm helfen möchtest, nur er muss das selber in die Hand nehmen, denn nur er selbst kann sich davon abhalten in destruktive Verhaltensmuster zu fallen (unter die Ritzen natürlich fällt)

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