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Krankheit vortäuschen wegen Panikattacken?

J2a5n7x4


Hm, so platt meinte ich das eigentlich nicht. Eher so das die Grundsatzstrategie erstmal sein sollte, sich der Sache zu stellen, als zu flüchten und auszuweichen. Das mit dem Druck (diverse Varianten von Druck) sehe ich auch so. Das nicht-offen-sein dürfte an sich schon viel Druck erzeugen, daher finde ich auch, das man lieber offen mit sowas umgehen sollte.

JUan7c4


Ähm, abgesehen davon geht auch die "rein in die Hölle"-Strategie. Wie Bruce Willis in Armageddon. Wenn Du die Welt retten müsstest, kann man auf Panikattacken auch keine Rücksicht nehmen.

Wobei ich auch dagegen bin, es zu übertreiben bei der Konfrontation, kanns ja eher verschlimmern, wenns dann ein Horrorerlebnis wird und die Angst immer grösser wird dadurch.

Was genau macht Dir denn eigentlich Angst? Wenn Du sonst im Alltag eigentlich kaum beeinträchtigt bist?

I`sabexll


Jan

Hm, so platt meinte ich das eigentlich nicht. Eher so das die Grundsatzstrategie erstmal sein sollte, sich der Sache zu stellen, als zu flüchten und auszuweichen.

Weiß ich, ich wollte nur Deinen Beitrag etwas "abkürzen" Und "sich der Sache stellen anstatt flüchen" ist ja teilweise "rein in die Hölle".....

Wobei ich auch dagegen bin, es zu übertreiben bei der Konfrontation, kanns ja eher verschlimmern, wenns dann ein Horrorerlebnis wird und die Angst immer grösser wird dadurch.

:)z

JCant74


Aber "sich stellen" ist die einzige Alternative zu "flüchten".

Ich weiss ja selber wie ätzend das VORHER ist.. aber hinterher halt nicht mehr. Aber ohne die Hölle vorher gibts auch keine Erleichterung hinterher.

Ich hab da so "Salamitaktik" gemacht.. schrittweise immer stärker Konfrontieren. Aber klingt in diesem Fall nicht so als wäre das möglich. So ne Reise ist ja "ganz oder gar nicht".

I,s%abxell


Jan

Wie gesagt, ich bin da völlig bei Dir.

Und auch das schrittweise immer stärker konfrontieren halte ich auch für das Beste, bzw. habe selber damit die besten Erfahrungen gemacht.

Zu Anfang meiner Panik"karriere" war es sehr angesagt, gleich in die Vollen zu gehen (sagt Dir die Christoph-Dornier-Stiftung etwas? Ich war zwar nicht dort, wurde aber nach deren Konzept therapiert). Würde ich nie wieder machen, bzw. kann ich nicht empfehlen. Zumindest nicht, wenn es nicht um konkrete Ängste geht, sondern mehr in die Richtung der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Agoraphobie Agoraphobie]].

Ich wurde damals gefragt wann und wo ich die schlimmsten Panikanfälle hätte – und wurde voll reingeschmissen. Auch wenn die Therapie im Gesamten gut geholfen hat, ich viel Hilfreiches lernen konnte – das Reinschmeissen in meine schlimmste Panikhölle hat mich wirklich (wie Du ja auch schon sagtest) nachhaltig regelrecht traumatisiert. Selbst heute, 20 Jahre später, sind die Panikattacken mindestens unterschwellig in solchen Situationen manchmal noch gegeben. Bei mir war es: Samstagmittag, Innenstadt, ein bestimmter Supermarkt der in einem Kellergeschoss lag. Und ich "durfte" nicht rauskommen ohne etwas gekauft zu haben, die Therapeutin wartete draußen. Natürlich hätte sie nichts machen können wenn ich geflüchtet wäre – doch daran denkt man in diesem Moment nicht, man steht unter diesem Druck und meint man muß. Klar war die Erleichterung und auch der STolz danach riesig – dennoch war es zu viel UND: Du wirst mich auch heutzutage nur seltenst an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit irgendwo sehen, wo eingekauft wird, zumindest nicht in der Innenstadt :-/.

Deshalb plädiere ich auch für das langsame Herantasten. Eben erst mal an einem Tag, einer Tageszeit wo wenig los ist, vielleicht auch nur durchlaufen und nichts kaufen....das nächste Mal was kaufen....dann weiter steigern bis es eben immer geht. (Wie setzt sich übrigens der Ausdruck "Salamitaktik" zusammen? Verstehe irgendwie den Sinn nicht ;-) ":/ ).

Auf jeden Fall:

Aber klingt in diesem Fall nicht so als wäre das möglich. So ne Reise ist ja "ganz oder gar nicht".

ist das ja genau das Problem. Ginge es um einen Tagesausflug wäre das was ganz Anderes.

J|an7w4


Mir kam die ganze eingängliche Fragestellung halt vor wie der Beschluss, die Angst dauerhaft zu meiden, und Strategien dafür zu entwickeln. Das halte ich halt für elementar falsch (wie schon erwähnt und auch von anderen Leuten als Meinung geteilt ;-) ). Man ist ja auch durchaus in der Lage, sich angstmässig soweit zu entwickeln, das man Dinge machen kann, von denen man eine Weile vorher nur zu träumen wagte, und da hab ich nun selber auch jede Menge Erfahrung.

Eine der wichtigen Dinge ist halt wirklich, es einfach zu TUN; es gibt ja nur zwei Möglichkeiten, entweder man stirbt daran, oder man stirbt nicht daran. Und solange man nicht schwer krank ist, stirbt man ganz sicher nicht daran; die Angstsymptome können einem nix tun, auch wenn sich das in dem Moment ganz anders anfühlt. Eigentlich ist relativ simple Verhaltenstherapie da schon genau richtig, das geht auch in Eigenregie ohne Therapieplatz, finde ich. Man muss "nur" aufgeschlossen damit umgehen und sich dazu trauen.

Vielleicht ist eine Tagesausflug-mässige Gestaltung auch eine mögliche Lösung? So offen damit umgehen dass die TE die Erlaubnis bekommt, bei einer dieser Reisen mal mitzufahren, mit der Option, es jederzeit abbrechen zu dürfen?

I(sabhell


Jan

Mir kam die ganze eingängliche Fragestellung halt vor wie der Beschluss, die Angst dauerhaft zu meiden, und Strategien dafür zu entwickeln. Das halte ich halt für elementar falsch

Klar, ich auch.

Eigentlich ist relativ simple Verhaltenstherapie da schon genau richtig, das geht auch in Eigenregie ohne Therapieplatz, finde ich. Man muss "nur" aufgeschlossen damit umgehen und sich dazu trauen.

Naja, ganz so einfach ist es nicht immer ;-). Bei einer Angsterkrankung/Panikstörung gilt der Grundsatz wie bei vielen Krankheiten: Je eher man etwas dagegen tut, desto besser sind die Heilungschancen. Heißt: Jemand der 10 Jahre damit unbehandelt rumläuft hat es weitaus schwerer wieder rauszufinden als Jemand der schon nach einem Jahr reagiert.

Vielleicht ist eine Tagesausflug-mässige Gestaltung auch eine mögliche Lösung? So offen damit umgehen dass die TE die Erlaubnis bekommt, bei einer dieser Reisen mal mitzufahren, mit der Option, es jederzeit abbrechen zu dürfen?

Daran habe ich auch schon gedacht. Mir hat es in mir "brenzligen" Situationen immer geholfen zu wissen, dass ich raus kann wenn ich will. Da war der Druck weg und der Fluchtgedanke schrumpfte auf ein Minimum, weil ich ja wußte, ich könnte.....in den wenigsten Situationen mußte ich dann wirklich abhauen ;-).

Jsan)74


Irgendwie ist auch noch zu viel unklar..

wovor besteht denn im Kern die Panik? Oft ist es ja nur sekundär die Angst vor der angstauslösenden Situation; in Wirklichkeit hat man ja Angst vor den Paniksymptomen an sich (das sie einen umbringen können). Aber das ist ja auch nicht immer so. Wie ist es in diesem Fall?

Und es ist ja auch nicht wirklich Angst vor der Reise, sondern Angst vorm, wie es sich mir darstellt, "ausweglosen Zusammensein" mit Leuten, die nicht sehr nahestehend sind. Also eher eine soziale Phobie? Dann gäbe es ja durchaus Gelegenheiten, wo man sowas punktuell üben kann, ohne gleich lange verreisen zu müssen.

Und warum genau ist es nicht möglich, in diesem Fall, dass die TE sich den Situationen "mutig stellt" und die Angst einfach durchsteht? Was exakt passiert dann, was spricht dagegen?

JJa~n7x4


Und was die persönlichen Erfahrungen angeht – ich war da irgendwann offen. Aber ich weiss auch nicht wies in der Schweiz ist. Aber Leidensdruck viel zu groß als das ich noch groß Kraft gehabt hätte, da Fassade zu spielen. Das tut dann auch ganz gut. Dieses so tun als ob, und Fassade spielen, kostet ja wirklich enorm Kraft. Die Leute sollten wissen was mit einem los ist und es akzeptieren; wenn sie es nicht tun, sinds eh nicht die richtigen Leute.

I+sa5beull


Jan

Und warum genau ist es nicht möglich, in diesem Fall, dass die TE sich den Situationen "mutig stellt" und die Angst einfach durchsteht? Was exakt passiert dann, was spricht dagegen?

Natürlich spricht im Grunde nichts dagegen.

Nur empfinde ich sie im Moment so gestresst, verzweifelt, hat schlaflose Nächte, ist insgesamt völlig blockiert, dass es keinen Sinn hat zu sagen: Stelle Dich (mutig) der Situation, wird schon. Wissen tut sie das sicher selbst auch, dass sie nicht tot umfallen wird.

Der Punkt ist doch auch jetzt das schrittweise Vorgehen um erst mal diese Blockade aufzudröseln. Momentan steht sie doch so da:

"Im September muß ich auf Klassenfahrt. Geht nicht. Höllische Angst."

Wichtig sind jetzt die kleinen Schritte die sie in den nächsten 7 Monaten noch tun kann (z.B. sich erst mal dem Chef oder einem vertrauten Kollegen offenbaren), weiter an kleinen Situationen üben etc.. Nur kommt sie selbst nicht zu den kleinen Schritten, weil sie ständig an den größten denkt, der aber erst in 7 Monaten kommt.

IDsabelxl


Und was die persönlichen Erfahrungen angeht – ich war da irgendwann offen. Aber ich weiss auch nicht wies in der Schweiz ist. Aber Leidensdruck viel zu groß als das ich noch groß Kraft gehabt hätte, da Fassade zu spielen. Das tut dann auch ganz gut. Dieses so tun als ob, und Fassade spielen, kostet ja wirklich enorm Kraft. Die Leute sollten wissen was mit einem los ist und es akzeptieren; wenn sie es nicht tun, sinds eh nicht die richtigen Leute.

Da gebe ich Dir auch vollkommen recht. Nur muß man auch zu der Offenheit erst mal hinkommen.

SRmilaa3x0


Ihr Lieben,

ich danke euch dafür, dass ihr euch so intensiv austauscht. Mir tut das sehr gut. Ich denke, das Schlimmste wäre eben einfach eine Kündigung.

Ich werde mich jetzt nochmal mit meiner ehemaligen Thera in Verbindung setzen. Damit ich auch irgendwie was schriftlich habe.

Kollegen, mit denen ich das besprechen könnte, gibts irgendwie nicht. Die sind zwar alle recht jung und offen, aber ich bin ja erst seit diesem Jahr dort und daher noch nicht ganz so vertraut. Mein Schulleiter hat mir immer wieder gesagt, wie zufrieden er mit mir und meiner Arbeit ist und dass er sich außerordentlich freut, dass ich die Stelle letzten Sommer angenommen habe.

Ich denke, dass die Wahrheit sagen und damit auch vermitteln, dass es sich um eine Krankheit handelt, ist das beste. Aber ich fürchte mich eben sehr vor negativen Konsequenzen. Dass andere lästern könnten, ist mir egal. Das Kollegium ist ja nicht mein Freundeskreis in dem Sinn...außerdem müsste ich dann dann wohl einfach drüberstehen. ":/

J~anW764


Irgendwie klingt das widersprüchlich..

die Kollegen sind alle nett und super, aber trotzdem kannst Du das nicht mit Ihnen besprechen.

Ob andere Leute lästern oder nicht ist Dir egal, trotzdem hast Du große Angst vor negativen Konsequenzen.

Versetz Dich doch mal in die Lage des Chefs.. was wäre einem lieber? Jemand, der offen und ehrlich mit sowas umgeht und sagt, hier ist ein Problem, wir müssen eine Lösung finden, oder jemand der ewig "rumeiert", man wundert sich, und irgendwann relativ verzweifelt mit der Wahrheit rausrückt?

Ich wage ausserdem mal zu behaupten, dass Du nicht die einzige bist, die solche Probleme in irgendeiner Form hat. Als ich anfing, offener damit umzugehen, haben die anderen Leute häufig dann auch ihre Sachen auf den Tisch gepackt, und ich war ganz überrascht. Leute, von denen man dachte, die sind fit, stehen im Leben, sind auf jeden Fall fitter als ich, erzählen mir was von Depressionen, Selbstmordgedanken und "ich nehme auch schon seit Jahren Antidepressiva". Tja.. :-)

IDsabxell


Als ich anfing, offener damit umzugehen, haben die anderen Leute häufig dann auch ihre Sachen auf den Tisch gepackt, und ich war ganz überrascht. Leute, von denen man dachte, die sind fit, stehen im Leben, sind auf jeden Fall fitter als ich, erzählen mir was von Depressionen, Selbstmordgedanken und "ich nehme auch schon seit Jahren Antidepressiva".

Das kann ich nur bestätigen :)z :)z

Und umgekehrt ist man überrascht, dass viele andere Leute einen selbst ebenso sehen: "Fit, mitten im Leben stehend, selbstbewußt, Power-Mensch...." ;-)

J\a)n74


Joa.. ich seh das auch gar nicht mehr so, das Panikattacken und Depressionen so tabubehaftet wären. Unmengen Menschen scheinen mir betroffen zu sein. Ich kenne wohl mehr Leute, die irgendwelche Erfahrungen mit sowas haben, als Leute ohne. Und halb Deutschland scheint Citalopram im Medizinschrank liegen zu haben.

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