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Unbeschwert leben – Charakterfrage oder kann man das lernen?

L7atenUter_=Vamxp hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Forengemeinde,

mich beschäftigt gerade ein "Problem", was bei mir zu einer gewissen Unzufriedenheit führt, vor allem deswegen, weil es mich erschreckt hat festzustellen, dass ich, wenn auch damals aus anderen Gründen, schon mal vor dem gleichen stand. Das ist jetzt ziemlich genau 3 Jahre her und ich bin eigentlich sehr dafür, mich charakterlich weiterzuentwickeln, weil man nicht immer über die gleichen Probleme jammern kann (jammern, erkennen, verändern oder hinnehmen). Dass sich in dieser Hinsicht bei mir nicht sehr viel getan hat, hat mich wie gesagt ziemlich erschreckt. Ich berichte mal zunächst kurz, welche Situationen mich in meine jetzige Gefühlslage gebracht haben und anschließend das eigentliche Problem:

Situation 1

Heute war ich mit meinem Mann in der Stadt, u.a. mussten wir beide etwas wegen unserer Handyverträge ändern. Bei der Gelegenheit teilte die Verkäuferin meinem Mann mit, dass seine Vertragslaufzeit rum sei und er sich nun ein neues Handy "aussuchen" dürfe. Er hat sich dann ein bisschen beraten lassen, die Verkäuferin wollte ihn direkt zum Vertragsabschluss drängen (Sonderangebot und so), dankenswerterweise hat er aber gesagt, er wolle das erst in Ruhe mit mir besprechen. Beim anschließenden Kaffeetrinken kam es eigentlich gar nicht zu einem richtigen "Besprechen", weil ich ihn im Grunde nur angemotzt habe, wie er überhaupt darüber nachdenken könne er macht zurzeit eine Umschulung, hat also nur wenig Geld, abgesehen vom Sparbuch und ich verdiene auch nicht so wahnsinnig viel und das Handy hätte eine Anzahlung und anschließende Ratenzahlung verlangt.. Als ich mich später beruhigt hatte, haben wir noch mal drüber geredet, warum ich mich so wahnsinnig aufgeregt habe gekauft hat er ja nichts, sondern nur drüber nachgedacht und dies liegt auch mit an

Situation 2

Bei der Arbeit haben wir eine neue Kollegin, die ich geworben habe, ich kannte sie also schon vorher und wusste ja, dass wir jemanden brauchen. Kürzlich haben wir, halb im beruflichen Rahmen, über die Apple-Produkte gesprochen. Mein Standpunkt war, dass ich es einfach unsinnig finde, so viel Geld für etwas auszugeben, was es teils mit den gleichen Funktionen für weniger von anderen Marken gibt. Sie gab zu, dass es "eher eine Spielerei" ist und ich habe mich noch mehr aufgeregt (musste mich sehr zusammenreißen), wie man für eine Spielerei so viel Geld ausgeben kann (das ist eben noch schlimmer, als wenn es etwas wäre, was man wirklich braucht). Aber natürlich geht es mich überhaupt nichts an, wer wofür sein Geld ausgibt, wie mein Mann im Gespräch darüber richtig anmerkte, ist das gar nicht meine Art, so unbeherrscht zu sein und mich über anderer Leute Privatangelegenheiten aufzuregen. In ihrem Fall hat es mich nur speziell geärgert, weil ich über Umwege weiß, dass sie deutlich mehr verdient als ich sie macht den gleichen Job, wird allerdings aus einem anderen Topf bezahlt und ihr Verdienst mag zwar aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung begründet sein, nur würden meine Qualifikationen (und jetzigen zusätzlichen Tätigkeiten bei der Arbeit) einen dann eher noch höheren Verdienst rechtfertigen. Aber das ist natürlich nicht ihre Schuld, sondern zumindest teilweise meine, weil ich vielleicht nicht gut genug verhandelt, nicht ausreichend gefordert habe (jedoch war ich auch in einer schlechteren Position). Hier kommen nun zwei Probleme zusammen, die ich im nächsten Post der Übersichtlichkeit halber schildere:

Antworten
LWaten*terg_Vamp


So, ich wurde unterbrochen, komme also erst jetzt zum Weiterschreiben. Nun zum

Problem

Zunächst stinkt es mich natürlich an, dass ich so viel Arbeit in meine Studiengänge investiert habe und jetzt im Grunde nichts davon habe. Dass ich in Relation betrachtet ziemlich wenig verdiene, wird sich im jetzigen Unternehmen vermutlich nicht großartig ändern, auch die Gehaltserhöhungen bewegen sich in einem sehr geringen Rahmen. Abgesehen davon stimmt aber bei der jetzigen Arbeit alles andere, was mich daran hindert, mich von dort wegzubewerben. Aus verschiedenen Gründen will ich dort auch noch ein paar Jahre bleiben, ich denke auch, dass das meiner Karriere zuträglich sein wird bzw. sind Kinder gerade bei uns ein Thema und das jetzige Unternehmen ist sehr sozial, ich denke, dass dort Kinder und Arbeit gut vereinbar sind und dass das nicht überall so ist.

Der wesentliche Punkt ist aber der, dass es mich ärgert, dass andere bei meinem rMann, der ja vom gleichen Geld lebt, hat es mich natürlich besonders geägert sich einfach eben mal so etwas gönnen können. Ich kann es nicht und damit meine ich jetzt nicht primär das finanzielle Unvermögen, sondern die gedankliche Einschränkung, die dahinter steckt. Ich bin ein ziemlich vernünftiger Mensch, immer sehr kalkuliert und gut organisiert. U.a. gehörte zu meiner Erziehung den guten Umgang mit Geld zu lernen – das habe ich. Ich bin bescheiden und sparsam. Aber den Wunsch, sich mal etwas zu gönnen, kennt wohl jeder. Nur wird das bei mir sofort von 100 anderen Gedanken torpediert: Wir haben doch gerade nicht so viel Geld, wir müssen sparen! Brauche ich das wirklich? Nein, ist doch Luxus, nur Schönheit, das kann ich mir nicht leisten. Was ist, wenn die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto, wovon sollen wir das bezahlen? Ich muss sparen! Was ist, wenn ein Kind da ist, das kostet Geld, ich will doch nicht meine Eltern anbetteln müssen. Diese Gedanken hindern mich daran, mir ein Oberteil zu kaufen, wenn ich schon so ein Ähnliches habe oder einfach mal ein Paar neue, schicke Schuhe, etc. Ist ja egal, was.

Das Grundproblem, was ich an mir sehe, ist also weder die finanzielle Lage, noch ist es übertriebene Sparsamkeit, sondern meine Vernunft. Es ärgert mich, wenn andere (für mich wirkt es zumindest so) einfach durchs Leben gehen und sich offenbar denken, wird schon alles gut gehen. Ich mache mir immer Sorgen. Weil ich Angst hatte, dass mein erstes Studium nicht ausreicht, habe ich ein zweites gemacht. Währenddessen habe ich einen (Vollzeit-)Job gekriegt und das Studium weiter gemacht, aus der Angst, dass ich nach dem damaligen, befristeten Job keinen anderen kriege. Die Sorge muss ich zum Glück nicht mehr haben, weil ich einen sehr sicheren Arbeitsplatz habe. Nun mache ich mir aber eben Sorgen über finanzielle Notlagen. Mein Mann scheint sich darum nicht zu sorgen. Das ärgert mich. Damals hat es mich geärgert, dass andere Leute, die ich kannte, mit mehr Glück als Verstand einen Job bekamen und ihnen nicht mal bewusst war, was das für ein Glück ist, weil sie es als selbstverständlich nahmen.

Ich würde gern einfach losgehen wollen und mir etwas Hübsches gönnen, aber unser Umzug steht ja bevor, für den Wagen muss eine Kaution hinterlegt werden, da kann ich jetzt doch nicht zum Friseur gehen, die grauen Haare ertrage ich auch noch einen Monat länger... Ich stehe mir einfach selbst im Weg, während ich den Eindruck habe, dass andere sorglos(er) durchs Leben gehen. Kann man es lernen, loszulassen und sich auf das Leben einfach einzulassen, auch ohne immer einen Plan B und C parat zu haben?

Kann sein, dass einige Gedankensprünge drin sind und das alles ein bisschen verwirrend ist...

SLapixent


es gibt menschen, die sind sehr auf sicherheit bedacht. und die brauchen einen plan b und c. zu denen gehöre ich auch. und ich denke, daran kann man auch nicht viel ändern, das ist ein charakterzug und meiner meinung nach auch nicht der schlechteste.

dein "problem" sehe ich viel mehr darin, dass du neid empfindest und nicht mit dem zufrieden bist, was du hast. du bist neidisch, weil andere menschen deiner meinung nach mehr für weniger leistung bekommen oder mehr glück haben oder scheinbar sorgenfreier sind. und daran kann man arbeiten. neid und missgunst sind für mich eigenschaften, die ich glücklicherweise zu einem grossen teil von mir weisen kann - man kann lernen, anderen menschen dinge zu gönnen, die man selbst zwar gerne hätte - aber aus irgendwelchen gründen nicht haben kann. man kann lernen, mit der eigenen situation zufrieden zu sein.

was für ein sternzeichen bist du?

LXatewnteMr_VXamxp


neid und missgunst sind für mich eigenschaften, die ich glücklicherweise zu einem grossen teil von mir weisen kann

Ich auch, Sapient. Im Normalfall. Das ist ja auch das, was mein Mann angemerkt hat – so bin ich normalerweise nicht. Ganz im Gegenteil bin ich jemand, der sich sogar für andere riesig freut, wenn es mir gerade selbst besch....eiden geht. Das zeigt mir ja, dass momentan etwas mit mir nicht zu stimmen scheint, dass ich ziemlich unzufrieden mit mir selbst bin, wenn ich schon meinen Ärger auf andere projiziere. :-/ Damals, vor 3 Jahren, war es eben die berufliche Situation, die mich in einen Ausnahmezustand gebracht hat, was es jetzt zurzeit ist, weiß ich nicht. Aber jedenfalls hat es mich in die gleiche Gefühlsspirale katapultiert, wie das letzte Mal.

was für ein sternzeichen bist du?

Widder, Aszendent Löwe. Feuerzeichen durch und durch, sogar im chinesischen Horoskop. ;-) Wieso fragst du?

Danke übrigens für die schnelle Antwort! @:)

e*streolle


Ich denke, man kann vor allem lernen, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Das bedeutet nicht, leichtsinnig und planlos zu sein. Man kann sich aber vor Auge führen, dass man nicht an alles, was in der Familie oder in der Firma geschieht, seinem eigenen Maßstab anlegen und es in Recht oder Unrecht, in Schwarz und Weiß einteilen kann. Du kannst sparsam sein und trotzdem das Leben genießen, wenn Du nicht ständig am Grübeln bist, ob Du Dir mehr leistest als andere oder umgekehrt. Jeder Mensch setzt seine eigenen Prioritäten und lebt sie auch. Damit zufrieden zu sein ohne ständige Neidgefühle oder dauernde Bewertung des Verhaltens anderer Menschen macht einen großen Teil des Glücks aus, das man so auch empfinden kann, wenn man sparsam und vorausschauend plant und handelt. Man darf dies eben nur nicht zum Maßstab für andere machen und sich selbst dafür verdammen. Solange Deine Sparsamkeit nicht Deinen Mann das Leben vergällt, ist es in Ordnung. Wenn andere ihr Geld für Belanglosigkeiten und die 20-igste Bluse ausgeben, ohne dafür von Dir Geld zu verlangen, ist das auch in Ordnung.

Ob es im Leben gerecht zugeht, ist ein Thema, das von 10 verschiedenen Menschen genau so verschieden gesehen wird. Deshalb wird es auch die Gerechtigkeit nicht geben, obwohl es Zustände in der Welt gibt, die wirklich der Veränderung bedürfen, weil sie nicht nur "ungerecht" sind, sondern elementare Menschenrechte verletzen.

LRateXnter_NVaxmp


Ich denke, man kann vor allem lernen, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.

Ich kenne jemanden, der so lebt und bewundere das an ihm. Er ist aber auch einiges älter als ich und meint selbst, dass er früher ganz anders war und sich diese Geisteshaltung erst erarbeiten musste. Insofern sehe ich also "Hoffnung", dass das erlernbar ist, diese Gelassenheit (und da finde ich die Unterscheidung zu Gedankenlosigkeit oder Gleichgültigkeit ganz schwer) irgendwann mal zu erreichen. Nur wie komme ich dahin? ":/ Im Moment nehme ich mir so ziemlich alles zu Herzen, auch Dinge, die mich gar nicht betreffen, können mir unglaublich weh tun.

Man kann sich aber vor Auge führen, dass man nicht an alles, was in der Familie oder in der Firma geschieht, seinem eigenen Maßstab anlegen

Damit zufrieden zu sein ohne ständige Neidgefühle oder dauernde Bewertung des Verhaltens anderer

Der Neid ist bei mir kein ständiger Begleiter, ganz im Gegenteil, hatte ich oben schon mal geschrieben. Er ist mir eigentlich sogar völlig fremd. Ich denke, es handelt sich um einen Momentanauswuchs, ein vorübergehend auftretendes Symptom meines eigentlichen Problems. Und das lautet eben, nicht immer so handeln zu können, wie ich es mir gerade wünsche, wie es mir vielleicht sogar gut tun würde, weil die Stimme der Vernunft mich daran hindert. Dieses zweite Studium zum Beispiel hab ich innerlich nie gewollt. Ich war so froh, als das erste durch war (die Noten waren nicht schlecht, ich hab zwar keinen überdurchschnittlichen, aber einen guten Abschluss), war froh, nie wieder lernen zu müssen, keine Klausuren mehr schreiben zu müssen, mich endlich aufs Arbeitsleben zu stürzen. Also habe ich das Zweitstudium mit ziemlich viel Widerwillen hinter mich gebracht, hätte lieber mehr Zeit für mich und meinen Partner gehabt, aber das habe ich mir selbst verboten, weil mir das eben unvernünftig vorgekommen wäre. Die wenigen Momente, wo ich mir selbst mal "frei" gegeben habe, haben mir, denke ich, ganz gut getan, aber normalerweise kann ich das nicht.

Solange Deine Sparsamkeit nicht Deinen Mann das Leben vergällt, ist es in Ordnung.

Manchmal tut sie das sicher, aber ich denke, ein bisschen ist meine Haltung in dem Fall auch gerechtfertigt, denn wenn er eben immer alles kaufen würde, worauf er Lust hat, dann wäre ja ich diejenige, die mit meinem Geld im Fall X herhalten muss und das sehe ich nicht sein. Meistens sieht er das allerdings genauso, ist zwar ausgebefreudiger als ich, aber auch froh darüber, dass ich das gemeinsame Geld im Auge behalte und an Dinge denke, an die er eben nicht denkt der Umzug in 3 Wochen ist für ihn noch Lichtjahre entfernt.. Nur macht es mich eben wahnsinnig, dass er überhaupt darüber nachdenkt – und das ist so, weil ich es nicht kann. Da steckt die Wut in mir auf mich selbst.

LpatenteJr_Vamxp


sehe ich nicht sein.

sehe ich nicht ein, sollte das heißen.


Mir ist dieses Problem heute erst bewusst geworden, als mein Mann mir sagte, dass ich gerade so gar nicht ich selbst bin. Da habe ich gemerkt, wie es an mir, in mir nagt. Vor ein paar Tagen hatte ich einen Traum, bei dem ich irgendwie das Gefühl hatte, dass er im Gegensatz zu den vielen anderen kuriosen Träumen etwas zu bedeuten hätte. Ich glaube, man könnte ihn schon recht gut im Kontext dieser ganzen Problematik deuten. Ich versuche ihn mal kurz zu schildern:

Traum

Wir, mein Mann und ich, waren zur Hochzeit guter Freunde eingeladen auf deren Hochzeit waren wir tatsächlich, aber kürzlich haben die beiden sich getrennt und waren sogar die Trauzeugen. Wir kamen etwas zu spät, durften dafür aber recht weit vorne, nur immer noch ziemlich entfernt vom Brautpaar Platz nehmen. Die Kirche war riesig, eher ein Dom, und festlich geschmückt, katholisch, weswegen vieles für mich fremdartig wirkte wir sind Protestanten und die beiden in der Realität auch.. Das Brautpaar trug schwarz. Während wir also auf den Plätzen warteten, dass die Zeremonie beginnt, beobachtete ich einen Käfer, der mir, auf der Balustrade krabbelnd, das Hinterteil entgegen streckte und die Flügel öffnete. Ich beobachtete ihn sehr skeptisch, weil ich Angst hatte, er könne mein weißes Kleid, das ich (bei einer Hochzeit!!!) trug, mit hässlichem, farbigem Sekret bespritzen, war aber nicht in der Lage, den Käfer wegzuscheuchen oder mich von ihm wegzubewegen, noch meinen Mann um Hilfe zu bitten. Wie es ausging, weiß ich nicht, da war der Traum wohl zu Ende.

eXstrelxle


ist zwar ausgebefreudiger als ich, aber auch froh darüber, dass ich das gemeinsame Geld im Auge behalte

So funktioniert Partnerschaft. Man kennt einander in seinen Stärken und Schwächen ohne Angst haben zu müssen, dass dies zu einem ständigen Kleinkrieg führt. Natürlich kann man schon mal an einem schlechten Tag sauer auf den anderen sein. Wenn es bei wenigen Momenten bleibt, wird dies der Gemeinsamkeit nie schaden, sondern einfach nur zeigen, wo der andere seine Grenzen zieht, die zu übertreten keine Lobeshymnen ausbrechen lässt, aber die Beziehung auch nie in Frage stellt.

diese Gelassenheit (und da finde ich die Unterscheidung zu Gedankenlosigkeit oder Gleichgültigkeit ganz schwer

Versuche es. Beginne damit, dass Du nicht bei jeder Äußerung, die Dir missfällt, sofort eine böse Absicht vermutest. Das kann man sich vornehmen und versuchen, zu reflektieren, was das ungute Gefühl verursacht. Dann kann man sich die Meinung anderer dazu anhören und diese der eigenen gegenüberstellen. Manchmal bemerkt man dann schon die eigene Überreaktion. Du kennst doch sicher Menschen, die bei abwesenden Gedanken etwas missmutig aussehen, es aber nicht sind. So ist es auch oft mit Worten oder "Taten". Sie erscheinen uns überspitzt oder wir deuten sie falsch. Jeder kann auch Geschichten erzählen, in der andere ihn in Situationen erlebt haben, die vollkommen missverstanden bzw. falsch gedeutet wurden. Man nennt das auch Kommunikationspannen oder -probleme. Das ist menschlich und entspringt oft der Angewohnheit, eigene Gedanken in andere Menschen hineindeuten zu wollen, was eben nur bei Klonen funktionieren würde.

Die eigenen Unzulänglichkeiten zu tolerieren, fällt vor allem leistungsorientierten Menschen sehr schwer. Da wir eine Leistungsgesellschaft sind, wird diese Toleranz oft auch als Schwäche gesehen. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen gewollter Faulheit und Schmarotzertum und der richtigen Balance zwischen Pflicht und Vergnügen.

L>atentLer_Vxamp


Wenn es bei wenigen Momenten bleibt, wird dies der Gemeinsamkeit nie schaden, sondern einfach nur zeigen, wo der andere seine Grenzen zieht, die zu übertreten keine Lobeshymnen ausbrechen lässt, aber die Beziehung auch nie in Frage stellt.

Meine Beziehung stelle ich glücklicherweise auch nicht infrage und bin bis auf die üblichen kleinen gelegentlichen Streitereien sehr zufrieden mit meiner Ehe und mit meinem Mann sowieso. :-)

Beginne damit, dass Du nicht bei jeder Äußerung, die Dir missfällt, sofort eine böse Absicht vermutest.

Um Äußerungen anderer geht es gar nicht so sehr. Ich kenne das zwar, die böse Absicht zu vermuten, das habe ich aber glücklicherweise schon vor längerer Zeit hinter mir gelassen. Ich meine eigentlich eher Gelassenheit den Problemen des Alltags gegenüber. Z.B. ist es so, dass wir nach dem Umzug den Garten meiner Eltern zu versorgen haben werden. Ich habe bislang keine Ahnung von Gartendingen und mache mir Gedanken, dass der Garten dann vielleicht bald nicht mehr so schön aussehen wird und ich damit meine Mutter enttäuschen werde, die jahrelange Arbeit reingesteckt hat. Da fehlt mir diese "Ach, es wird schon werden"-Einstellung. Eigentlich ist das aber nicht das beste Beispiel, mir fällt nur gerade kein besseres ein. Im Grunde geht es mehr um Dinge, die ich nicht beeinflussen kann (die Gartenarbeit kann ich ja beeinflussen) und dann eben, wenn sie sich so oder so entwickeln, hinnehmen muss. Also ganz konkret geht es um diese innere Stimme, die immer wieder ruft: "Aber was ist, wenn....?" und wegen der ich schöne Dinge sausen lasse, um vernünftige Dinge zu tun.

Du kennst doch sicher Menschen, die bei abwesenden Gedanken etwas missmutig aussehen, es aber nicht sind.

Ja, da muss ich nur in den Spiegel gucken. ;-D Mir wurde schon sehr oft schlechte Laune oder Traurigkeit unterstellt, wenn ich einfach nur in Gedanken war.

Die eigenen Unzulänglichkeiten zu tolerieren, fällt vor allem leistungsorientierten Menschen sehr schwer. Da wir eine Leistungsgesellschaft sind, wird diese Toleranz oft auch als Schwäche gesehen.

Wohl wahr. :-( Genauso ist es bei mir. Ich betrachte mich als schwach, wenn ich etwas nicht schaffe, denke immer, dieses oder jenes hätte ich besser machen können und fühle mich dann, genau, unzulänglich.

und der richtigen Balance zwischen Pflicht und Vergnügen.

Das ist exakt die Balance, die mir fehlt. Es kommt bei mir immer zuerst die Pflicht. Und weil ich (gefühlt) so viele Pflichten habe und es nie schaffe, allen nachzukommen, alles zu erledigen, was ich meine erledigen zu müssen, kann ich mir eben auch kein Vergnügen gönnen. Bis dahin komme ich einfach gar nicht.

h0eliCx pohmatia


Gönnst du dir denn auch mal was?

EIhemacl$iger .Nutzer' (#69x928)


Das Grundproblem, was ich an mir sehe, ist also weder die finanzielle Lage, noch ist es übertriebene Sparsamkeit, sondern meine Vernunft.

Wenn Vernunft dein Denken bestimmt, so würde ich diesen Ansatz wählen: Wie vernünftig ist dein Denken tatsächlich? Wofür sparst du? Wofür arbeitest du? Vermutlich tust du diese Dinge nicht zum Selbstzweck, sondern um das Leben genießen zu können. Aber genau diesen Teil versagst du dir. Wie viel Sinn hat dein Sichheitsbestreben dann noch?

Nicht, dass ich dafür bin, mit seinen Finanzen verantwortungslos zu verfahren, keineswegs. Aber ich sehe keinen Sinn darin, jeden Genuss auf morgen, morgen, morgen zu verschieben, wenn ich nicht einmal sicher weiß, ob dieses "morgen" überhaupt kommen. Ich lebe nicht unendlich lang, meine Zeit ist begrenzt. Jede freudlose Minute ist vergeudete Zeit. Daher versage ich mir nicht die Dinge, die mir Freude machen, solange dies nicht zu Zahlungsschwierigkeiten oder gar Schulden führt. Mag sein, dass eine Reise, ein Festmahl oder ein Kleidungsstück einen vorübergehenden Genuss darstellen, aber diese Freude darüber kann mir keiner mehr nehmen, und damit war es keine Verschwendung.

Wenn dir diese Balance schwer fällt, dann fange an, dir erst einmal kleine Dinge zu gönnen. Eine leckere Portion Eis vom Eissalon, weil du gerade auf dieses Eis Lust hast, statt dich mit der Großpackung schlichten Vanilleeis Zuhause im Kühlfach zufrieden zu geben. Mal einfach zehn Minuten in der Sonne sitzen und die Beine ausstrecken, statt dich sofort den Pflichten zu widmen. Das wunderbar duftende Parfum auch zu Hause verwenden, statt es für besondere Anlässe zu bewahren. Und so zu lernen, dass du nicht automatisch unvernünftig, verwöhnt oder leichtsinnig bist, bloß weil du dir eine Freude gönnst.

LZa$tefnter_V[amp


@ helix:

Gönnst du dir denn auch mal was?

Selten. Und wenn ja, dann habe ich meisten ziemlich lange hinterher ein schlechtes Gewissen, mache mir Gedanken, ob das so okay war und ob es nicht besser gewesen wäre, wenn... weil eigentlich hätte ich ja... Kann also die gegönnte Sache gar nicht recht genießen.

@ Lancis:

Wie vernünftig ist dein Denken tatsächlich? Wofür sparst du? Wofür arbeitest du? Vermutlich tust du diese Dinge nicht zum Selbstzweck, sondern um das Leben genießen zu können. Aber genau diesen Teil versagst du dir. Wie viel Sinn hat dein Sichheitsbestreben dann noch?

Es geht zwar nicht nur um finanzielle Dinge, aber du hast es trotzdem recht gut auf den Punkt gebracht. Ich hatte zum Beispiel in der Schulzeit eine gewisse Summe gespart, "für irgendwann im Studium". Da dachte ich dann, "ach ich komme doch auch so aus, was soll ich mir denn jetzt gönnen? Besser für später sparen". Das ging über viele Jahre. Letztes Jahr habe ich einen Teil der ersparten Summe für meinen Teil der Hochzeitsreise ausgegeben. :-) Das war wirklich eine gute Investion – auch weil ich seit 6 Jahren keinen richtigen Urlaub gehabt hatte ("kann ich mir nicht erlauben, keine Zeit, kein Geld, nicht notwendig"). Tat mir auch echt gut.

aber diese Freude darüber kann mir keiner mehr nehmen

Einer schon – ich selbst, in dem ich dann zu blöd bin, wie oben geschrieben, das Gegönnte nicht zu genießen vor schlechtem Gewissen.

Eine leckere Portion Eis vom Eissalon, weil du gerade auf dieses Eis Lust hast, statt dich mit der Großpackung schlichten Vanilleeis Zuhause im Kühlfach zufrieden zu geben.

Der Ansatz mit der Großpackung Vanilleeis ist zwar genau richtig, weil mein Denken ;-D aber ich mach solche Dinge ja durchaus gelegentlich. Zum Beispiel mit Freunden oder meinem Mann mal nen Kaffee trinken gehen. Aber ab einer Summe von 5-10 Euro hört das gedankenlose Ausgeben eben auf. Wie gesagt geht es aber nicht nur um Finanzielles. Zum Beispiel schlafe ich am Wochenende nie länger als bis maximal 9 Uhr (Silvester bzw. Neujahr auch mal bis 10 ;-)), denn ich denke mir, es geht sonst zu viel Zeit vom Tag verloren, um Sinnvolles zu erledigen.

Aber vielleicht müsste ich mal eine Werteverschiebung vornehmen. Es ist ja die Frage, was ich als Sinnvoll betrachte. Einkäufe und Telefonate erledigen, essen machen etc. ist sinnvoll. Aber vielleicht ist ja länger schlafen auch "sinnvoll", eben nur für etwas anderes – für meinen Gesundheitszustand, meine Laune, mein Wohlbefinden... Hm, ja so könnte ich mal anfangen, das zu sehen.

Lhatewnter_qVamxp


Man könnte übrigens meinen, wenn man mich hier so von meinen Pflichten schreiben liest, dass ich eine perfekt arrangierte Wohnung habe. Das ist leider mitnichten der Fall und darin kommt am allerbesten meine innere Zerrissenheit zum Ausdruck. Die Wohnung ist sehr geschmackvoll eingerichtet, aber ziemlich chaotisch. Das liegt an meinem Perfektionismus – wenn ich was mache, dann muss es 1000%ig sein. Dann sehe ich aber irgendwie überall nur Baustellen und was ich machen müsste, ich weiß, dafür habe ich nicht die Zeit, ich würde mit dem Angefangenen nicht fertig werden und dann mache ich oftmals gar nichts, weil das für mich irgendwie "besser" ist, als etwas halbfertig zu machen. :-/ Das ist aber eigentlich noch mal ein anderes Thema.

hmelmix ,poma$tia


Wie wäre es, wenn du einen gewissen Teil deines Geldes bzw. deiner Zeit "auf den Kopf haust". Ein anderer Teil wird dann sinnvoll verwendet.

EPhembalig,er Nu6tzer I(#69928)


Wie gesagt geht es aber nicht nur um Finanzielles.

So habe ich es auch nicht verstanden, daher auch mein Beispiel, dass du dir Zeit für dich nehmen könntest, statt dich sofort an deine Pflichten zu machen. Das kann man beliebig erweitern, ein langes Bad nehmen, obwohl es eine schnelle Dusche auch tun würde, sich eine aufwendige Mahlzeit zu gönnen, obwohl dich ein einfach Pfannengericht auch sättigen würde – was immer dir Freude bereitet und von dem du dir sagst, dass du auch mit der freudloseren Alternative auskommst. Ich denke, diese Genussfreude kann man erlernen, wenn man sich darauf einlässt und die Gründe hinterfragt, warum man dabei ein schlechtes Gewissen verspürt.

Aber vielleicht ist ja länger schlafen auch "sinnvoll", eben nur für etwas anderes – für meinen Gesundheitszustand, meine Laune, mein Wohlbefinden... Hm, ja so könnte ich mal anfangen, das zu sehen.

Darauf wollte ich hinaus, ja. :-) Wenn du länger schlafst, vergeudest du diese Zeit nicht, sondern du nutzt sie für etwas, was du gerne tun würdest. Das halte ich durchaus für sinnvoll.

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