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Zukunftsängste – Das Gefühl versagt zu haben

*D1Mi}la1x* hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich bin nun über ein Jahr krankgeschrieben. wg. Depression und Essstörung.

Ich war letztes Jahr bereits 3 Monate stationär und werde bald auch wieder für mind 3 Monate gehen. Ich komme nicht klar. Ja, mir geht es schlecht.

Aber es wachsen die Zukunftsängste. Ich war immer jemand der perfekt funktioniert habe, erfolgreich, sehr erfolgreich. Beruflich super dagestanden. Und nun das... es ist nicht abzusehen wann ich wieder arbeiten gehe, ob ich überhaupt in meinen alten Beruf zurückgehen kann.

Ich habe Angst. Befasse mich gerade mit dem Thema Aussteuerung wenn der Krankengeldbezug endet. Es kommt auf mich zu, ich kann mich um das Thema nicht mehr drücken. Habe schon mit der Arbeitsagentur telefoniert, da ich dort ja nun ALG 1 beantragen muss. Bin noch fest angestellt, Arbeitsverhältniss ruht.

Wie werden die dort mit mir umgehen? Werden die mir glauben.

Es ist ein unfassbarer Gefühl versagt zu haben. Nicht mehr zu funktionieren. Selbsthass deswegen. Wie geht es weiter, auch finanziell. Habe auch meine Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt, aber klar, es zieht sich bis ich davon was höre. Was tue ich wenn die nicht zahlen? So lange so hart gearbeitet und nun. Alles was ich aufgebaut habe, scheint mir den Bach herunterzugehen. Es ist mir "peinlich" nicht mehr zu funktionieren. Ich verschweige meine aktuelle Situation wo es geht, deswegen bin ich auch sehr zurückgezogen.

Ich erkenne mich nicht wieder. Wo ist mein Ich hin?

Sorry für den wirren Beitrag, aber ich weiß nicht wohin damit.

Wie geht man damit um, dem Gefühl versagt zu haben?

Was kommt auf mich zu mit der Aussteuerung?

Wie werde ich finanziell dastehen?

Wie wird die Arbeitsagentur mit mir umgehen?

Klar ich habe jetzt bald nochmal den Klinikaufenthalt, in dem ich hoffentlich mich sortieren kann, einen Plan bekommen kann, wie es für mich überhaupt weitergehen kann.

Aber trotzdem gerade gibt mein Kopf keine Ruhe.

%:|

Antworten
SiiVmo*ne<863


Liebe Mila, ich habe ähnliches wie du hinter mir. Bin auch sehr krank geworden (Depressionen) und konnte mein vorheriges Leben nicht mehr weiter leben. Das war ein sehr langer Prozess, sich in meinem neuen Leben einzurichten und sich auch wohl zu fühlen. Manchmal habe ich immer noch Minderwertigkeitsgefühle, aber die vergehen auch wieder. Es gibt ja so viele Menschen, denen es ähnlich geht wie dir und mir. Da gibt es wie eine Parallelwelt, in der wir uns aufhalten. Vielleicht helfen dir Selbsthilfegruppen (z. B. [[http://www.forum-herrenalber-modell.de/herrenalber_seiten/home.html)]]. Mach dir immer wieder klar, dass du trotzdem ein liebenswerter Mensch bist, auch wenn du nicht gut "funktionierst" momentan. Schau dich dreimal täglich im Spiegel an und sag "ich liebe dich" zu dir. So lange, bis du es selbst glaubst. Das hat mir sehr geholfen.

[Werbung durch die Moderation gelöscht]

Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg,

Simone

*H1M`ila:1@*


Ich will mich gar nicht damit abfinden.

Es ist Tatsache das ich zum jetztigen Zeitpunkt nicht arbeitsfähig bin.

Aber ich finde es so "erniedrigend" ALG 1 beantragen zu müssen.

Ich habe so Angst wie dort mit mir umgegangen wird. Ich habe so einen "Hass" auf mich selber das ich in dieser Situation bin. Aber es ist der einzige gangbare Weg zur Zeit für mich. Ich hoffe einfach das mir dort nicht noch Schikanen in den Weg gelegt werden. Ich tue was ich kann um wieder arbeitfähig zu werden, um wieder leben zu können. Und ich wünschte ich würde keine Leistungen die nicht aus meiner Arbeitskraft heraus stammen benötigen.

*v1Milax1*


und was mache ich falsch, das ich nie so wirklich antworten bekomme? :°(

DNeXspKeratex01


Wahrscheinlich machst du gar nichts falsch, aber das ist ein so komplexes Thema, an das sich wohl nicht viele Menschen herantrauen. Ich auch nicht. Bin selber selbstständig und darf mir gar nicht vorstellen mal ernsthaft krank zu werden.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft, und scheue dich nicht davor deine Ansprüche geltend zu machen. Natürlich kommt jetzt zu deiner Arbeitsunfähigkeit auch noch das Warten dazu, das macht mürbe. Aber das Leben geht weiter, und du hörst dich trotz aller Schwierigkeiten wie eine Kämpfernatur an. Besinne dich auf deine Kraft, auch wenn sie momentan nicht so präsent ist. Aber gib dir in erster Linie Zeit wieder "heile" zu werden :°_

_*PEarKvat"ix_


Wie geht man damit um, dem Gefühl versagt zu haben?

Du hast nicht versagt. Du bist einfach nur krank. Das kann jedem mal passieren, selbst für einen so langen Zeitraum. Gib dir einfach die nötige Zeit, um wieder gesund zu werden und zerbrich dir nicht unnötig den Kopf über materielle Dinge und beruflichen Status.

Bin noch fest angestellt, Arbeitsverhältniss ruht.

Immerhin. Wenn du wieder gesund wirst, hast du du wenigstens die Option, in deinen alten Job zurückzukehren. Ich wäre froh darüber, überhaupt so eine Option zu haben. Ich bin nach einem kurzen befristeten Arbeitsverhältnis krank geworden. Ich habe weder Anspruch auf Krankengeld, ALG I noch auf ALG II und auch nicht auf Erwerbsminderungsrente. Mir bleibt nur meine mickrige private BU-Rente – wo ich noch nicht weiß, ob ich diese überhaupt bekomme – und die finanzielle Unterstützung von meinem Mann. Und ich habe wieder eine große Lücke im Lebenslauf. Das kommt sicher gut an bei künftigen Arbeitgebern.

Trozdem lasse ich den Kopf nicht hängen, weil ich mir immer sage, dass es hätte schlimmer kommen können. Und Geld und Status sind mir eh nicht so wichtig, von daher mach ich mir darüber am wenigsten den Kopf.

Wie werde ich finanziell dastehen?

Kommt darauf an, auf was du alles Anspruch hast. Zum überleben wird es schon reichen. Verhungern muss keiner in dem Land. Und vielleicht wird es sogar so viel, dass du einigermaßen dein Lebensstandart halten kannst – zumindest am Anfang.

Wie wird die Arbeitsagentur mit mir umgehen?

Man weiß natürlich nie, was für einen Sachbearbeiter man erwischt, aber da du eh nicht vermittelbar für die bist, wirst du wahrscheinlich auch weitesgehend in Ruhe gelassen.

L+olMa201x0


Hey,

ich kann gut nachvollziehen wie du dich fühlst :°_ . Sag mal kannst du denn gar nicht arbeiten, wäre dir auch eine Teilzeitbeschäftigung zuviel? Weshalb ich frage: Mir ging es lange gesundheitlich auch sehr schlecht (körperlich und dann kamen schlimme Depressionen hinzu, darüber hinaus hab ich schon seit sehr langer Zeit eine Persönlichkeitsstörung durch ein schlimmes Erlebnis in meiner Jugend) und ich habe mich damals dazu entschieden, da es undenkbar war mit diesen Schmerzen 8 oder mehr Stunden am Tag zu arbeiten (da ich dann nämlich gar keine Lebensqualität mehr hatte), Teilzeit arbeiten zu gehen. Es war eine super Entscheidung. Erstens wurden meine Depressionen genau aus deinen genannten Gründen noch viel viel schlimmer. Ich fühlte mich unausgelastet, verkümmerte geistig, fühlte mich als Versager etc. Ich kann dir nur sagen, dass ich nach Beginn der Teilzeitbeschäftigung wieder glücklicher wurde. Ich arbeite ca. 4 Stunden täglich, war dadurch nicht mehr überfordert durch meinen kaputten Körper und meiner geschwächten Seele und mein Gehirn durfte wieder was nützliches denken ;-) . Es tat mir sehr gut... Das Wichtigste aber war, dass ich wieder selbst für mich aufkommen konnte, von niemandem abhängig war. Klar, musste ich abstriche machen, konnte meinen etwas "besseren" Lebensstandart nicht mehr fortführen. Aber das war es mir wert! Lieber kam ich weniger Geld aus und war nicht mehr ständig überfordert und ausgebrannt, weinerlich und depressiv, als dass es mir so weiterhin so gegangen wäre und ich hätte mir viel mehr leisten können. Aber was hätte es genutzt mir viel leisten zu können, wenn es mir weiterhin so schlecht gegangen wäre? Nichts.

Sollte dir eine Teilzeitstelle nicht ausreichen, um dich alleine zu finazieren, dann legt dir das Amt was drauf, wenn du eine Bestätigung dafür bekommen hast, dass du nicht in der Lage bist selbst Vollzeit arbeiten zu gehen. Das wird sicher nicht allzu schwer bei deiner langen Auszeit, bei deinen Diagnosen. Aber da du sehr erfolgreich warst gehe ich davon aus, dass dir auch eine gute Teilzeitstelle reichen wird.

Aber so kommst du da nicht raus, du merkst doch selbst wie nutzlos und scheiße du dich als Arbeitslose fühlst. Manchmal ist es der falsche Weg das zu tun was man eigentlich tun sollte...verwirrend, ich weiß. Aber du bist unglücklich und da nutzt dir auch ein 3 Monatiger Klinikaufenthalt nicht. Die innere Einstellung sitzt, es sind auch teilweise Grundzüge deines Charakters so zu denken und die kann dir keiner rauslöschen. Du kannst mich auch gerne privat anschreiben, dann verrat ich dir mehr von mir und wir können uns austauschen.

PS: Mittlerweile, nach harten Jahren geht es mir verhältnismäßig gut. 2011 arbeitete ich wieder Vollzeit und 2012 war ich zu Hause, hab meine Tochter bekommen. Ich dachte nie, dass mich je ein Mann nimmt, weil ich körperlich wirklich voll der Schrotthaufen bin, dann die Depressionen dadurch und meine Persönlichkeitsstörung. Doch, ich habe einen gefunden, für den es zwar nicht immer leicht ist-aber es klappt. Ich hab eine Tochter bekommen, bei der Schwangerschaft bin ich fast vor Schmerzen umgekommen-aber das war schon vorher klar und meine Tochter hab ich noch nicht einmal getragen seit sie auf der Welt ist, weil ich es nicht kann. Aber hey, ich hab wieder Hoffnung und das Beste aus allem gemacht und darauf bin ich sehr stolz. Vor einigen Jahren wollte ich schließlich nicht mehr leben.

Ich wünsch dir alles Gute und dass du deinen Weg findest!

*_1Mqila1*


Danke für eure Antworten. Es tut mir gut Reaktionen zu lesen. Ich fühl mich zur Zeit so wahnsinnig allein.

Das Ding ist halt, das ich sicherlich immer irgendwie finanziell überleben werde, aber ich habe so lange so hart gearbeitet und im schlimmstenfall darf ich erstmal an meine Rücklagen? Das macht mir Angst. Ich will doch arbeiten. Aber ich kann einfach nicht.

Seid ich mir damit so sehr beschäftige mehren sich ehr Suizidgedanken (was ich nach wie vor niemals machen würde). Aber es macht mir Angst.

Nein, ich trau mir zur Zeit nicht zu zu arbeiten. Niemals an meinen alten Arbeitsplatz, und für Bewerbungen etc fehlt mir die Kraft. Zudem ich mit meinem aktuellen Gewicht in Bewerbungsgesprächen bestimmt nicht sehr kompetent rüberkommen würde.

Es macht mir alles so wahnsinnig Angst. Ich lebe alleine. ich habe niemanden der mir unter die Arme greifen könnte. Ich weiß einfach nicht wies weitergehen soll.

Ich hoffe immer und immer das es doch mal wieder besser werden muss, aber stimmungsmäßig gehts ehr abwärts.

Es ist zur Zeit echt sehr schlimm.

Ich hoffe nur das ich bald wieder in die Klinik kann. Ich komme nicht mehr klar hier.

Daran klammer ich mich. Und hoffe das die Tage einfach schnell vergehen.

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