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Sozial-Phobie bestimmt mein Leben

Loohan7Crxox hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Community,

es freut mich sehr eine Plattform wie med1 gefunden zu haben wo ich offen über meine Situation schreiben kann.

Jetzt alles aufzuschreiben was in mir abging / abgeht würde den Rahmen sprengen und ehrlich gesagt bin ich auch einfach schon so weit in der Gegenwart / Zukunft, dass ich Vergangenes hinter mich gelassen habe.

Vielleicht beginne ich erstmal mit den üblichen Informationen, ich bin männlich und 20 Jahre. Ich leide unter Soziphobie. Ich gehe davon aus, dass einige diese eventuell kennen, da sie im Gegensatz zu anderen Phobien weiter verbreitet ist.

Aber trotzdem noch kurz dazu, wie sie sich bei mir äußert:

Ich habe Angst davor, in Menschenmengen zu gehen, ich meide derartige Situationen vollkommen. Das heißt, ich gehe nicht ins Kino, Shoppen und bin auch nicht anderweitig "just for fun" in der Stadt unterwegs. Aufgrund dessen habe ich leider auch kaum bis gar keine Freunde. Das liegt aber vielmehr daran, dass ich mit meiner Situation an sich unzufrieden bin und mich deshalb einfach nicht öffnen kann, nicht auf Leute zugehen kann usw.

Es fällt mir auch schwer Einkaufen zu gehen oder Bus zu fahren, vor allem zu den Stoßzeiten, ich fühle innerlich immer eine sehr starke Unruhe, ich werde nervös und ich schwitze dann meistens.

Leider ist es bei mir so, dass vor allem das Schwitzen ein sehr großes Problem ist. Denn – das kommt auch noch dazu – ich bin übergewichtig und habe daher das Schwitzen sowohl bei größerer körperlicher Anstrengung schneller als Gleichaltrige mit besserer Kondition oder eben – viel häufiger der Grund – durch die Phobie ausgelöst.

Mich nervt das sehr und ich würde gerne etwas dagegen tun. Ich bin auch in ärztlicher Behandlung und mir wurde Citalopram verschrieben, was auch geringfügig hilft, aber es ist eben auch nicht das Wahre (was mir aber auch vor der Medikation klar war). Ich sehe es als Hilfe und als solche funktioniert es.

Mittlerweile bin ich auch in guter therapeutischer Behandlung, dort kann ich aber – zum jetzigen Zeitpunkt zumindest – noch lange nicht so offen über meine Probleme sprechen. Egal wem ich davon erzähle, es kostet immer viel Überwindung und vor allem das "Tabu" Thema "Schwitzen" ist etwas wo ich beim Erzählen fast einen Blackout bekommen könnte.

Mein Hausarzt hat die Blutwerte überprüft und meine Schilddrüse überprüft, den Ergebnissen zufolge ist alles bestens. EKG und EEG auch alles super. Es scheint also wirklich nur einen psychischen Grund zu haben.

Meine Therapeutin hat mir ein Buch empfohlen, sie hat mir eine CD gegeben mit Entspannungsübungen, aber das bringt mir herzhaft wenig. Ich hatte auf ein Medikament oder eine Behandlung gehofft, damit zumindest das äußere Erscheinungsbild bei einer "Panikattacke" oder eben das "Schwitzen" an sich reduziert wird oder gar gestoppt werden kann.

Die – anscheinende – Tatsache, dass ich damit bis an mein Lebensende leben muss, macht mich fertig...

Falls sich das jemand durchgelesen hat danke dafür. Und sorry dafür, dass es so ein Wirrwarr ist. Bin ein wenig durcheinander gerade, weil mich jede Zeile an bereits gemachte Erfahrungen (zwar nicht alle negativ aber viele) erinnern...

Antworten
ddasgesun4deplus(20


Wurde mir damals auch angedichtet; konnte auch die Dinge, die du genannt hast, nicht machen. Nach 5 Jahren kam dann raus, dass es tatsächlich an der Schilddrüse lag, obwohl 5 Jahre immer gesagt wurde "Passt alles" – begleitet von einem Vitamin B12-Mangel.

Kaum fing ich mit den Hormonen an, ging die "Soziale Phobie" prompt weg.

KIrähxe


Was für eine Therapie machst du? Bei einer Sozialen Phobie verspricht eine Verhaltenstherapie die besten Chancen. Wenn es für dich in Frage kommt, kann eine medikamentöse Therapie gerade am Anfang begleitend eingesetzt werden und die "ersten Schritte" erleichtern. Allerdings muss ich auch dasgesundeplus20 zustimmen! Lass dir alle Blutwerte aushändigen (Kopiekosten pro Blatt max. 50c), du hast ein Anrecht darauf und stell sie mal ins Forum. Eine kranke Schilddrüse kann deine Beschwerden Auslösen und du therapierst und therapierst ohne große Erfolge. Leider kennen sich viele Ärzte zu wenig damit aus.

EClla8gant


Lass die Schilddrüse bei einem anderen Arzt überprüfen. Der Hausarzt prüft nur oberflächlich. Geh zu einem Internisten oder Nuklearmediziner. Da wird dann zB auch ein Ultraschall der Schilddrüse gemacht.

Ich hab das alles schon hinter mir, also die ärztliche Rennerei und ich hab meine soziale Phobie trotzdem noch. Weil die Schilddrüse also eben wirklich ok ist.

Da ich selbst noch nicht so weit bin, kann ich dir nur einen Tipp geben, wie du dein Problem bei deiner Therapeutin ansprechen kannst. Wenn ich etwas erzählen möchte, was mir unangenehm ist, sag ich das vorher. Also dass es da etwas gibt, worüber ich sprechen möchte, es mir aber unangenehm und peinlich ist. Und das wären ja eigentlich auch schon die beiden Schlagwörter für die soziale Phobie ;-)

E3mxax


Starkes Schwitzen setzt einen ausreichenden (evtl übergroßen) Wasservorrat im Körper voraus. Diese Überwässerung führt natürlich auch zu Übergewicht. Ich halte daher deinen körperlichen Wassergehalt als eine Schlüsselstelle für dein Problem.

Ich sage das, weil bei mir selbst Hyperaldosteronismus festgestellt ist. Mein Körper produziert zu viel Aldosteron, ein Hormon, das die Wasseranlagerung im Körper bewirkt. Dagegen nehme ich nun täglich Sprironolacton, ein Diuretikum (Entwässerungsmittel). Lass doch einmal deinen Aldosteronspiegel bestimmen. Ich musste damals dazu den Urin von 24 Stunden sammeln. Dann stellte sich heraus, dass darin doppelt soviel Aldosteronaausscheidungen als normal waren.

Außerdem kannst du versuchen, auf physikalischem Weg Wasser aus deinem Körper auszuscheiden (Sauna, körperliche Betätigung mit Schwitzen). Durch salzarme Kost kannst du auch deinen Wassergehalt reduzieren.

Regelmäßige ausdauernde (mehrmals pro Woche mindetens 40 Minuten) Bewegung würde dich auch gedanklich verändern und psychisch wieder aufbauen. Diesen Sport (zunächst nur flott Gehen) machst du abseits der Menschenmassen alleine in der friedlichen Natur. Versuchs mal. Ich habe vor vielen Jahren auch daran Freude gefunden.

L`ohaJnCr=ox


Hallo und vielen Dank für Eure Rückmeldungen!

Ich würde mir komisch vorkommen, die Schilddrüse bei einem anderen / spezialisierten Arzt machen zu lassen, weil es doch irgendwie nach dem Motto "Hausarzt, ich vertrau dir nicht mehr!" ist, oder? Ich habe aber trotzdem die Werte meinem Neurologen mitgeteilt ( vom Hören und Sagen ) und er hat sich die Werte nochmal angefordert ( schriftlicher Bericht ).

Meine Therapie ist eine Verhaltenstherapie, wo wir auch Übungen machen in den Stresssituationen. Meistens ist es in Ordnung. Ich würde darauf rückschließen, dass es hier kein "Versagen" des Körpers bzw. der Organe sind, da eben das Schwitzen nur dann auftritt, wenn ich in eine ungewohnte / unangenehme Situation komme. Natürlich auch bei zu hoher Wärme.

Was ich auch komisch finde, wenn ich es bei mir daheim etwas wärmer habe, stört es mich nicht sooo sehr. Aber wenn die selbe Temperatur bei wem anderen ist und ich dort in die Wohnung komme ist das glatt wie ein Schlag.

Meistens ist es bei mir so, dass ich überwiegend im Gesicht schwitze, von daher das größere Übel. Es gibt Tage da ist es wie verschwunden und dann Tage, da habe ich es mehrmals und das zieht mich psychisch richtig runter.

Ich hatte mal die Situation wo ich in der Klasse vorsprechen musste und die ganzen Leute die mich angesehen haben, machten mich nervös und unsicher und es kam wie es kommen musste: ich schwitze, wurde unsicher im Text, verhaspelte mich, wurde teilweise schneller beim Lesen usw...

Ich habe das Referat total in den Sand gesetzt obwohl so gut vorbereitet. Und das ist nur ein Beispiel von vielen, leider.

Die Idee mal einen Sparziergang zu machen ist mir auch schon gekommen, ich probiere jeden Abend für 15 Minuten oder so mal "um den Block" zu gehen. Ich würde auch gerne schwimmen gehen, zu Zeiten, wo vielleicht nicht so viel los ist. Aber nicht alleine, dafür bräuchte man dann wieder Freunde und das ist momentan schwierig => Teufelskreis.

Ich bin aber kein Typ, der rumsitzt und heult wie scheiße sein Leben ist, ich probiere Lösungen zu finden und bin deshalb auch offen für jede Idee!

Efllag9ant


Aber für Bahnen schwimmen kannst du ganz klar auch alleine ins Schwimmbad gehen. In ein Spaßbad vielleicht eher nicht ;-) Ich bin letzten Sommer auch das erste Mal alleine ins Freibad. Hab das dann den ganzen Sommer über immer mal wieder gemacht, wenn halt keiner Zeit hatte. Das machen auch sehr viele Leute. Bei uns macht das Schwimmbad sehr früh auf, für Leute die noch vor der Arbeit ein paar Bahnen ziehen wollen. Vielleicht ist das ja bei dir auch? Oder Fahrrad fahren, irgendwo im Grünen, wo nicht viel los ist.

M3olltiencChen


Schwimmen gehen geht auch allein. Damit's nicht so langweilig ist, kann man sich einen wasserdichten MP3-Player mitnehmen.

L_ohanwCrxox


Ja, natürlich kann man auch alleine schwimmen gehen. So war das nicht gemeint. ;-)

Was ich sagte wollte war einfach, dass ich in meiner jetzigen Situation damit alleine nicht klar kommen würde. Hätte ich einen guten Freund bei mir, wäre es wieder was anderes. So aber habe ich alleine kaum Selbstbewusstsein und würde einknicken.

Ich wage mich mal aus dem Fenster zu lehnen und zu behaupten, dass ich mich dahingehend – leider – zu gut kenne...

Alleine schon wenn ich morgens im Bus unterwegs bin, es voll ist und dann dieser Stress aufkommt. Meistens stehe ich weil ich mich nicht traue jemanden anzusprechen, zunächst steht man nicht alleine aber mit der Zeit steigen immer mehr aus, Plätze werden frei und werden auch genutzt, ich komm mir da immer komisch vor – gehört halt zur Soziphobie, jedenfalls fängt das Schwitzen dort an, weil ich unweigerlich in den Mittelpunkt komme, angestarrt werde und mir das unangenehm(er) wird. Habe ich aber auch wenn ich im Bus sitze und Leute um mich herum einen anstarren. Meine Ärzte sagen mir immer, dass Schwitzen etwas vollkommen normales ist, aber die haben ja auch meine Probleme nicht und fühlen es nicht so wie ich...

M|ollie^nchxen


Also ist Schwitzen bei Dir in etwa so wie bei anderen Rotwerden?

Das mit der Schilddrüse würde ich bei einem Spezialisten trotzdem prüfen lassen.

Ich würde mir komisch vorkommen, die Schilddrüse bei einem anderen / spezialisierten Arzt machen zu lassen, weil es doch irgendwie nach dem Motto "Hausarzt, ich vertrau dir nicht mehr!" ist, oder?

Wenn es der Hausarzt so versteht, sein Problem. Mich hatte meine Hausärztin sogar hingeschickt zum Spezialisten. Du musst niemandem Rechenschaft ablegen, warum Du noch woanders hingehst.

Und wegen dem im-Mittelpunkt-stehen – da hilft nur Konfrontationstherapie. Denk' Dir in dem Moment: "Ihr könnt mich alle mal. Ich steh halt hier, na und?"

Oder auch bzw. zusätzlich hilft es zu denken: "Ach, hallo Angst, da bist du ja wieder, aber weißt du was? Es interessiert mich nicht."

Mir hilft sowas.

w-ohl*formaulierxt


Meine Therapeutin hat mir ein Buch empfohlen, sie hat mir eine CD gegeben mit Entspannungsübungen, aber das bringt mir herzhaft wenig. Ich hatte auf ein Medikament oder eine Behandlung gehofft, damit zumindest das äußere Erscheinungsbild bei einer "Panikattacke" oder eben das "Schwitzen" an sich reduziert wird oder gar gestoppt werden kann.

Die – anscheinende – Tatsache, dass ich damit bis an mein Lebensende leben muss, macht mich fertig...

Hm, dass das Schwitzen nur in bestimmten Situationen – vor Leuten eben – auftritt, spricht aus meiner Sicht gegen eine rein körperliche Ursache. Das klingt eher nach Schwitzen als Stress-Symptom.

Deshalb ist es ein guter und wichtiger Schritt, dass Du zu einer Therapeutin gehst. Bei so etwas braucht man leider etwas Geduld. Deine Probleme hatten immerhin zwanzig Jahre Zeit zu entstehen.

Gut zu sich selbst sein, Dich so annehmen wie Du bist. Und zugleich der Angst nicht zu sehr ausweichen: Üben, üben üben.

"Warum habe ich das, und die anderen nicht?" – Diese Frage stellen sich viele, sie hilft aber nicht weiter. Du bist Du, es ist Dein Leben mit ganz eigenen Chancen. Und in die anderen, die vielleicht nach Außen souverän auftreten, kannst Du ja nicht reingucken. Bist Du sicher, dass es denen so viel besser geht?

Erlla:gant


Weil Mollienchen nochmal das mit dem Hausarzt angesprochen hat:

Du brauchst ja jetzt nicht mal mehr ne Überweisung, dein Hausarzt kriegt also gar nicht mit, dass du "fremd gehst" ;-)

Bzgl Schwitzen:

in der Apotheke gibt's schon so Schweißhemmer. Ich hab was, das heißt odaban. Das ist aber nur für die Achseln. Müsstest mal googeln ob es da auch speziell was fürs Gesicht gibt.

d,asge+sundepluxs20


Ich würde mir komisch vorkommen, die Schilddrüse bei einem anderen / spezialisierten Arzt machen zu lassen, weil es doch irgendwie nach dem Motto "Hausarzt, ich vertrau dir nicht mehr!" ist, oder?

Es geht um dich! Dem Arzt ist das doch egal und es geht ihm auch nichts an. Schau auf dich und nicht auf andere... Siehst ja, dass der Hausarzt scheinbar auch nichts weiß und dir nicht helfen kann....

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