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Rat gesucht wg. Traumatherapie

JCanx74 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

eine gute Bekannte von mir ist seelisch schwer angeknackst und braucht (eigentlich) eine gründliche Traumatherapie. Ich hab nun aber keine Ahnung davon. Was gibts denn da konkret, und wo, und wie leiert man das an? Mein Rat an sie ist, nicht zu irgendeinem "wald und wiesen"-psychiater zu gehen sondern in eine renommierte große Klinik (Hamburg UKE, Berlin Charite), wo man weiss das man erstmal in guten Händen ist, ambulant, und alles weitere da zu besprechen. Macht das Sinn? Gibts bekannte gut Adressen dafür ansonsten?

Danke.

Antworten
sHunnyq806


Hallo Jan,

es gibt einige recht gute Kliniken und auch ambulante Traumatherapeuten, aber da kommt es auf den Menschen an, welche Therapie die geeignete ist.

Bei einem Psychiater bekommt man schneller einen Termin, als bei einem Psychotherapeuten, da Sie dort erstmal auf eine Liste käme, was sehr lange dauert. Zusätzlich sollte Sie sich natürlich im Vorfeld überlegen, ob Sie besser mit einem Mann oder einer Frau zu Recht kommt. Da es so lange dauert bis Sie einen Therapieplatz bekommt, wäre es je nachdem wie dringend es ist, vielleicht ratsam, beides gleichzeitig laufen zu lassen, da ein Psychiater keine Gesprächstherapie macht, sondern sich alles anhört (fragt was das Problem ist) und meist eher auf die Medikamentöse Behandlung zurückgreift (damit will ich nicht sagen, das Sie Medikamente braucht), aber er kann spezielle Überweisungen ausstellen, die ein Psychotherapeut nicht ausstellen kann (zumindest war das vor einigen Jahren noch so).

Wenn Sie eine ambulante Psychotherapie machen möchte, kann Sie sich auch auf mehrere Wartelisten gleichzeitig setzen lassen, um vielleicht einen schnelleren Termin zu bekommen. So bald Sie dann einen Termin hat, an dem es los gehen kann, hat Sie die Möglichkeit 5 Probesitzungen zu machen, um zu testen, ist der Therapeut oder die Therapieform der/die Richtige. In der Zeit besprechen der Therapeut und Sie, was, wie, gemacht werden kann und ob der Therapeut den Antrag zur Krankenkasse schicken soll. So weit wie ich das noch weiß, geht es dann nahtlos in die Therapie über. Wenn Sie während der Probesitzungen irgendwann meint, der Therapeut ist nicht der Richtige, kann Sie jeder Zeit abbrechen und einen anderen Therapeuten aufsuchen und hat dort auch genauso die Probesitzungen. Falls Sie aber in eine Klinik gehen möchte (stationär), muss Sie so weit ich weiß, erst zum Psychiater. Der stellt dann die nötigen Unterlagen aus und kann eine Empfehlung für eine Klinik an die KK abgeben. Natürlich kann Sie auch in eine Wunschklinik gehen, aber dann gibt es Einschränkungen, die die KK machen kann (dass Sie z.B. das Bahnticket selber zahlen muss). Die Unterlagen werden dann vom Medizinischendienst geprüft und Sie bekommt entweder eine Zusage oder Absage (was ich aber noch nicht gehört habe), mit der Adresse der Klinik, die der MdK für ratsam hält. Je nachdem was es für eine Klinik ist, bekommt Sie dann früher oder später einen Termin, wann Sie kommen kann, aber da gibt es natürlich auch Wartelisten.

Natürlich könnte Sie auch, in einer Klinik eine ambulante Therapie machen, wenn die das anbieten, das würde dann genauso laufen, wie bei der ambulanten Therapie. Wie ich aber bereits oben schon geschrieben habe, gibt es mehrere gute Psychotherapeuten und die sitzen nicht unbedingt in einer Klinik, wichtig ist, das Sie mit dem Psychotherapeuten klar kommt und vertrauen aufbauen kann.

Falls Du noch weitere Fragen haben solltest, beantworte ich Sie Dir gerne.

JPan7x4


Hallo,

danke für die Antwort. Du beschreibst ja das generelle Prozedere. Die Frage, die mich vor allem bewegt, ist allerdings: Bei so einem schweren Fall, und einem ziemlichen "mit sich hadern", was eine Therapie angeht, und bereits einer ziemlich schlechten Erfahrung mit einem niedergelassenen Therapeuten, halte ich es für sehr wichtig, das sie von Anfang an an die richtigen Leute gerät. Die Therapeuten aus dem Telefonbuch abzutelefonieren und Termine zu machen scheint mir nicht ratsam anhand dessen, was da vorliegt.

Insofern gehen meine Gedaken in die Richtung, das sie dringend erstmal in eine renommierte normale Psychiatrie sollte – wo wirklich anerkannt gute Fachleute sitzen, die in der Lage sind, den Problemfall kompetent zu erkennen und eine vernünftige Behandlung zu empfehlen (zumal da ja auch Fachleute aller Richtungen sind). Insofern zielt meine Frage in der Tat eher in die Richtung, ob es dafür sogar spezielle Traumatherapie-Kliniken gibt (ich kenn mich da ja nun auch ein bisschen aus – die ambulante Verhaltenstherapie, 1x wöchentlich, wäre in dem Fall nicht geeignet). Ich tendiere auch stark dazu, das eine stationäre Aufnahme notwendig oder zumindest sinnvoll ist.

Wenn der nächste Therapieversuch ein Griff ins Klo ist, dann wärs vermutlich ihr letzter, und sie hat keine guten Aussichten mehr für ihr Leben. Das würde ich gerne vermeiden.

mTinimixa


@ Jan

Bei wem ist sie denn gewesen, der entschieden hat, dass sie explizit eine Traumatherapie braucht? Ich hoffe jedenfalls nicht, dass diese Idee am heimischen Herd ausgekocht wurde.

Der übliche Gang ist der, zu einem Psychiater zu gehen. Und der macht sich ein Bild, was der Patient benötigt. Falls deine Freundin pflichtversichert ist, braucht sie von dem sowieso eine Über- bzw. Einweisung in eine Klinik.

Es sei denn, ihr Zustand ist akut so schlecht, dann kann sie sich selbst über die Rettungsstelle einer Klinik mit Krisenstation auf dieselbige einweisen. Dort würde sie max. 14 Tage bleiben (weil eben nur für akute Krisen gedacht). Und dort findet dann auch eine Einschätzung ihrer Problematik statt.

J}an7_4


Naja, sagen wir mal, es ist unübersehbar das eine ambulante Verhaltenstherapie mit 1xWoche nicht ausreicht. Ich mag da nicht auf Details eingehen. Bei bestimmten Dingen ist es auch als Laie klar dass ein eher schwerwiegender Fall vorliegt.

m5iDnimixa


als Laie klar dass ein eher schwerwiegender Fall vorliegt.

Sich darüber im Klaren sein, dass professionelle Hilfe her muss, ist eine Sache.

Aber nicht als Laie "festzulegen", welche Art von Therapie es denn sein müsste. Von solchen Spekulationen würde ich angesichts der Vielfalt von Therapieformen die Finger lassen. ;-)

J|an7a4


Ja, genau deswegen möchte ich ja das sie gleich beim "Erstkontakt" an die richtigen Leute gerät, und eben NICHT an irgendeinen Wald-und-Wiesen-Psychiater/Therapeuten, der nur auf "seine" Schiene spezialisiert ist.

S~un.flowe-r_7x3


Klinikbehandler sind nix anderes als ambulante auch. Jeder hat letztlich "seine Schiene", sprich: Seine Therapierichtung und seine persönliche Art.

"Renommierte" Kliniken wie UKE und Charité sind eher Massenbetriebe. Akutkliniken. Ggf. könnten die dort jeweils vorhandenen Psychotherapiestationen hilfreich sein. Die allgemeinpsychiatrischen Stationen bieten keine fundierte stationäre Traumatherapie. Das Angebot allgemein (Ergo-, Kunsttherapie,...) ist sicherlich besser als in einer kleinen Abteilung des nächsten Kreiskrankenhauses. Und in der Charité gibt's zumindest eine Spezialabteilung für Borderline (wenn das mit der Traumatisierung einhergeht).

Aber große Kliniken sind dann oft auch nur Massenbetrieb und Forschungsheimat. Man hat praktisch keine Wahl, was den Therapeuten angeht. Der, der auf Station gerade Kapazitäten hat, nimmt den nächsten Patienten. Und das war's dann im Wesentlichen.

Was man gerade bei UKE und Charité nicht außer Acht lassen sollte: Es sind Ausbildungskliniken. Neben erfahrenen Ärzten viele junge, unerfahrene Assistenzärzte und bei den Psychologen ein eher geringer Anteil an Psychotherapeuten, dafür viele Ausbildungskandidaten, die für 300-400€ im Monat dort Vollzeit arbeiten. Die leisten gute Arbeit, keine Frage.

Aber bei jemandem, der SKEPTISCH ist und einer Therapie ABLEHNEND gegenübersteht, gibt es bessere Optionen. Bspw. einige Kliniken des Schön-Klinikverbundes. Und der MediClin-Gruppe.

Was letztlich zu empfehlen ist: Zeit etc. investieren und sich die Kliniken angucken, Vorgesprächstermine wahrnehmen, seine Fragen stellen.

Aber renommierte Großkliniken sind nicht automatisch immer das Beste. NICHT bei Trauma. In vielen anderen Bereichen schon. Aber gerade bei Trauma gibt's bessere Optionen (Ausnahme: Wenn auch Borderlion vorliegt). Auch mit weniger "Klinik-Ambiente".

Ansonsten muss man "Trauma" auch nicht als so etwas Besonderes darstellen. Nicht jeder Therapeut möchte es persönlich behandeln, aber die, die es machen, können es auch und sind gut. Wenn die persönliche Chemie stimmt UND die Bereitschaft des Patienten. Denn "Trauma" gehört zum Berufsalltag eines Therapeuten: Eisenbahner, die Suizidler überfahren haben, Vergewaltigung, Missbrauch, oft auch über Jahre,... Das ist Alltag.

Und nur weil Otto Normalverbraucher etwas "traumatisch" und furchtbar vorkommt, muss es dass für einen Therapeuten nicht sein. Zumal die persönliche Beziehung zum Therapeuten und die eigene Motivation oft wichtiger sind als viele andere Dinge.

S(unflow2er_7x3


[[http://www.youtube.com/watch?v=KMw1nhP4VoU]] Darunter sind auch Charité-Psychologen... Mal so am Rande.

_FParvapti_


@ Jan

Es gibt durchaus sehr viele gute niedergelassene Psychotherapeuten. Auf was diese spezialisiert sind kann man telefonisch erfragen. Wenn ein Trauma vorliegt, sollte man natürlich auch einen Psychotherapeuten wählen, der sich mit Traumatherapie auskennt.

Wichtig ist natürlich auch, dass die Chemie zwischen Therapeut und Patient stimmt. In dem Fall kann es durchaus sein, dass man an den falschen gerät. Aber dafür gibt es ja auch Probesitzungen. Wenn einem der Therapeut nicht zusagt, dann geht man eben zu einem anderen. Daher sollte man sich auch auf mehrere Wartelisten setzen lassen.

Einen Psychater sollte man nur zu Rate ziehen, wenn auch eine medikamentöse Therapie notwendig ist. Das kommt dann eben auf den Einzelfall an.

Naja, sagen wir mal, es ist unübersehbar das eine ambulante Verhaltenstherapie mit 1xWoche nicht ausreicht.

Glaubst du, in einer Tagesklinik oder stationären Klinik hat man mehr Sitzungen bei einem Therapeuten? Da spricht man auch nur 1 oder 2 mal die Woche mit einem Therapeuten sonst ist man da mit anderen Dingen beschäftigt.

Einmal die Woche reicht im Grunde auch völlig aus. Man muss auch bedenken dass eine Therapie und gerade eine Traumatherapie, sehr anstrengend sein kann. Ich bin sogar recht froh darüber, dass es bei mir nur 1 mal die Woche ist. Oftmals sogar nur alle 2 Wochen, was mir sogar lieber ist. Oftmals ist weniger sogar mehr.

S]un>fl;owexr_73


Parvati hat einen guten Punkt: Abgesehen von einigen wenigen GUTEN Fachkliniken hast Du stationär auch nur wenig Einzeltherapie. Selten mehr als das, was man ambulant auch hat.

Als Ergänzung gibt es dafür Gruppenangebote – aber reine Traumagruppen halt auch nur in wenigen Kliniken. Und nicht unbedingt den hier genannten.

Stationär ist v.a. dann erforderlich, wenn jemand total instabil ist.

Was man sich auch vor Augen führen soll:

Traumatherapie ist eine langfristige Sache. Selbst, wenn man stationär anfängt, wird oft Intervalltherapie gemacht. D.h. einige Zeit Klinik, ambulante Weiterbehandlung, wieder Klinik,... D.h. ohne guten ambulanten Therapeuten kann man sich den ganzen Klinikaufenthal eh sparen.

J9anx74


Meine Erfahrungen mit Charite sind bestens, ich war da ja selber. Daher auch die Idee. Aber ich bin ja auch offen für alles andere.

Dass man stationär auch nicht mehr Gespräche hat als ambulant widerspricht Erfahrungsberichten von Bekannten von mir. Aber ich denke auch stark, das hängt vom Einzelfall ab? Jemand der "völlig im Eimer" ist wird wohl anders behandelt werden als jemand der noch halbwegs fit im Leben steht?

Naja, wie auch immer, danke für alle Hinweise!

S/unfblowe=rx_73


Die Behandlung hängt größtenteils von der personellen Ausstattung der Station ab, nicht vom Schweregrad einer Erkrankung. Der Sparkurs macht sich auch in der Psychiatrie bemerkbar. Was auch viele Behandler schwer auszuhalten finden.

Aber das sind Dinge, die man ja ggf. in einem Vorgespräch erfragen kann. Und SOLLTE.

c6roxwl


Die Trauma-Profis in D sind Michaela Huber und Luise Reddemann. Vielleicht kannst du mal schauen, wer von denen ausgebildet wurde. Viele Theras geben das auf Ihren HPs an.

S unfDlowLer_7x3


Und beide sind nicht unumstritten... Sie sind letztlich "Profis", weil sie v.a. auch Bücher für Laien veröffentlicht haben. Die "wahre" Therapie-/Traumaforschung betreiben andere (z.B. Ehlers (Oxford), Bohus (Mannheim), Neuner (Bielefeld)).

- [[http://wwwpsy.uni-muenster.de/Traumasymposium/referenten/index.html]]

- [[http://www.zi-mannheim.de/forschung/personen/person/124.html]]

- [[http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE11/neuner.html]]

Und: Eingebettet in eine umfassende Therapie werden entsprechende Techniken aber von allen in dem Bereich arbeitenden Therapeuten angewandt. Nicht zu vergessen DBT-Elemente von Marsha Linehan.

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