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Habe ich eine schizoide Persönlichkeitsstörung?

Dvavxidian *CroBne6nbexrg hat die Diskussion gestartet


Schönen Tag,

Ich bin mir sicher, dass ich eine psychische Störung habe. Und seit langer Zeit versuche ich schon herauszufinden, was ich haben könnte. Ich bin schon auf einige Sachen gestoßen, die ich für zutreffend hielt. Zum Beispiel habe ich mich mal über Autismus informiert und hielt es für zutreffend, mal war es Schizophrenie (wobei ich dies ziemlich sicher ausschließen würde), mal war es so was Ähnliches wie ADHS (sorry, ich weiß gerade nicht mehr, wie genau es hieß; auf jeden Fall ist bei dieser Störung die Unruhe nicht nach außen, sondern nach innen gekehrt) oder Ähnliches. Dass bei mir eine Störung vorliegt, ist für mich eindeutig, auch wenn es nicht von einem Arzt festgestellt wurde, aber so was spürt man einfach. Dazu muss ich vielleicht noch sagen, dass die Erkenntnis, eine Störung zu haben, mich nicht fertig macht. Ganz im Gegenteil sogar, manchmal stelle ich mich über andere Menschen, weil ich anders bin und nicht so wie alle anderen und sehe mich daher als etwas Besonderes an. Außerdem finde ich selbst meine Persönlichkeit sehr interessant und sehe mich manchmal zugleich als Psychologe und Patient, auf der Reise in mein Inneres. Hier noch einige persönlichen Angaben: Ich bin 18 Jahre alt, männlich und habe vor Kurzem meine schriftlichen Abiturprüfungen gehabt.

Und nun zu meinem Verhalten:

Da ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, schreibe ich jetzt einfach mal drauf los. Ich bin ein Mensch, der nur wenig für andere Menschen fühlt. Negative Gefühle wie Hass empfinde ich gar nicht. Wenn ich mich von Menschen, die ich wenigstens ein bisschen kenne, distanziere, liegt das daran, dass ich von diesen Menschen genervt bin. Liebe empfinde ich nur für einen einzigen Menschen, nämlich für ein Mädchen, in das ich mich verliebt habe. Andere Menschen, denen ich nahe stehe, sind für mich nicht von allzu großer Bedeutung. Wenn ich jetzt zum Beispiel wegziehen würde, würde ich die Menschen, die mir etwas näher stehen, nicht vermissen. Ich weiß nicht einmal, ob ich diese Menschen als Freunde bezeichnen würde. Sie würden mich mit Sicherheit als Freund bezeichnen, aber meiner Meinung nach sind meine Gefühle für diese Menschen nicht stark genug, als dass ich sie als Freunde bezeichnen könnte. Das heißt, ich empfinde Menschen gegenüber normalerweise Gleichgültigkeit, wobei ich nicht sagen würde, dass es pure Gleichgültigkeit ist. Stattdessen würde ich eher sagen, dass mir Menschen, zum Beispiel die aus meinem Jahrgang, gleichgültig sind, aber ein bisschen mag ich sie schon. Zudem bin ich nicht in der Lage, Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Mimisch und gestisch schon gar nicht, beim Reden mit anderen Menschen eigentlich auch nahezu gar nicht. So recht kann ich nur dem Mädchen, das ich liebe, von meinem Innenleben berichten, das allerdings auch nur im Chat. Zudem beleidige ich andere Menschen sehr häufig. Dies tue ich allerdings auf eine ironische Weise, das heißt, meistens ist mir bewusst, dass ich den Menschen beleidige. Ich weiß auch, dass ich einige Menschen damit schon ab und an verletzt habe, jedoch ist es mir im Normalfall egal. Auf der anderen Seite ist es auch nur schwer möglich, mich seelisch zu verletzen, für einen Menschen, den ich kaum kenne, eigentlich unmöglich. Was ich hier beschreibe, trifft so auf das Mädchen, das ich liebe, allerdings nicht zu. Wenn ich sie verletze, bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen und entschuldige mich auch bei ihr und versuche auch, mich in der Hinsicht zu bessern. Dies trifft auf andere Menschen nicht zu. Nur selten kann ich so was wie ein schlechtes Gewissen gegenüber anderen Menschen entwickeln und diese Menschen sind dann auch Personen, die mir etwas näher stehen und die ich länger kenne. Ebenso ist es eigentlich nur dem Mädchen, das ich liebe, möglich, mich seelisch zu verletzen. Des Weiteren ist zu sagen, dass ich nur wenige engere Beziehungen habe und insgesamt auch wenig Menschen kenne. Mir fällt es unheimlich schwer, neue Menschen kennenzulernen. Ich gehe fast nie in Discos. Stattdessen verbringe ich meine Wochenendabende meistens zusammen mit wenigen vertrauten Personen oder alleine. Wenn mich beispielsweise eine Person aus dem Jahrgang anspricht, die ich nicht gut kenne, fällt es mir schwer, eine Konversation zu führen. In diesen Situationen bin ich meist unsicher. Wenn ich mich dagegen mit Menschen unterhalte, die ich etwas besser kenne, habe ich keine Schwierigkeiten, mich zu unterhalten. Hier bin ich meist sogar über-selbstbewusst. Dass ich mit Menschen, die ich nicht kenne, kaum ein Gespräch führen kann, finde ich etwas schade und es stört mich auch ein bisschen. Damit will ich nicht sagen, dass ich will, dass die Person ein gutes Bild von mir haben soll. Stattdessen will ich in solchen Situationen einfach nur einen freien Kopf haben und etwas sagen. Was andere Menschen von mir denken, ist mir normalerweise egal. Das wird zum Beispiel darin klar, dass ich mich nicht als das präsentiere, was ich bin. Häufig stelle ich mich als Arschloch dar, zum Beispiel, wenn ich andere Leute beleidige, ohne dass ich es ernst meine. Allerdings ist mir bewusst, dass die Person die Ironie häufig nicht erkennt und es ernst nimmt, aber ich tue es trotzdem. Was ebenfalls auffällig an mir ist, ist, dass ich sehr viel Gebrauch von Ironie und Sarkasmus mache. Dies fällt anderen Menschen jeodch häufig nicht auf. Auf der anderen Seite bin ich eine ehrliche Person und kann sowohl ernst gemeinte Komplimente als auch ernst gemeinte Beleidigungen von mir geben. Aus dem Grund fällt es anderen Menschen oftmals schwer, einzuschätzen, ob ich etwas ernst oder ironisch meine. Weiterhin ist wichtig, dass ich mich nicht an die gesellschaftlichen Regeln halte. Dies liegt in manchen Fällen daran, dass ich diese gesellschaftlichen Konventionen nicht mit meinem Weltbild vereinbaren kann und in manchen Fällen daran, dass ich einfach provozieren will. Mir ist bewusst, dass ich mich nicht an die gesellschaftlichen Regeln halte, aber das ist mir egal. Das ist übrigens etwas, das ich sehr an mir schätze. Wenn ich gesellschaftliche Konventionen allerdings mit meinem Weltbild vereinbaren kann, handle ich nach diesen. In der Schule wurde ich nie gehänselt, war stattdessen vor einigen Jahren jemand, der Mitschüler gemobbt hat. Dieses Verhalten lehne ich heute allerdings ab. Auf Leute, die mich nicht kennen wirke ich schüchtern, brav und unauffällig. Leute, die mich kennen, wissen, dass ich so nicht bin. Dies liegt aber wohl daran, dass ich mich in Gegenwart von Menschen, die mich kennen, selbstbewusster verhalte, wie ich schon bereits sagte.

Weswegen ich das alles schreibe? Zum Einen würde mich interessieren, welche Störung auf mich zutreffen könnte. Zum Anderen spüre ich eine innere Zerrissenheit: Einserseits weiß ich es sehr zu schätzen, dass ich anders bin. Anderserseits wäre ich in einigen Situationen gerne geselliger und auch "menschlicher". Also, mal finde ich das Eine besser, mal das Andere. Was vom beiden ist richtig? Zudem bin ich mit meinem Leben weder zufrieden, noch unzufrieden. Aber ich würde gerne mehr Glück verspüren. Wie ist dies für mich möglich? Innerlich zerissen bin ich auch insofern, als dass ich Ehrlichkeit sehr schätze und oft auch ehrlich bin, aber häufig auch ironisch bin und die Leute in dem Glauben lasse, dass ich etwas gesagt habe, das ich ernst meine, obwohl es nicht so ist. Ich weiß nicht, wie die Balance zwischen beidem richtig ist.

Danke schon mal für eure Antworten!

Antworten
s9cullxie


Puhh ein langer Text.

Schizoide Persönlichkeitsstörung hast du nicht... es sind wohl eher Schwierigkeiten mit der Nähe-Distanz, Sozialverhalten, Vertrauen, deinem ausgeprägten eigenen Willen, der ambivalenten Gefühle, Selbstschutzes, gefühlsmässiger Störung, usw...

....also im Bereich des Normalen.

Um deine emotionale Intelligenz zu trainieren kannst du etwas tun, z.B. bestimmte Bücher zu dem Thema lesen.

DIavidAian CSronenberg


Stimmt, der Text ist wirklich etwas lang geworden. Trotzdem danke für die Antwort!

Deine zweite Antwort passt so wohl auch zu mir.

Aber woran erkennst du, dass es keine schizoide Persönlichkeitsstörung ist?

s#czulleie


Ich habe jetzt nicht so viel Zeit um dir ausführlicher zu antworten.

Wenn ich mit Leuten mit einer schizoiden Persönlichkeit zusammengearbeitet habe, wirkten sie in ihrem Störungsbild heftiger als du..

Aber ich kenne dich nicht, kann dich nicht gut einschätzen...

...Du machst dir viele Gedanken.

Im Internet, wenn du googelst.. steht viel zu diesem Thema der schizoiden Persönlichkeit und es gibt Tests, welche jemand machen kann.

In deiner Persönlichkeit als 18 Jähriger wirst du deinen meisten Altersgenossen weit überlegen sein.

Wenn es jemanden schwer fällt für andere Menschen tiefere Gefühle zu empfinden, so ist es ein anderes Thema.

S#telYla80


Eine schizoide Persönlichkeit zu haben, heißt noch lange nicht, dass man auch eine Störung hat. Es gibt in dem was du beschreibst schon schizoide Züge...kennst du F. Riemanns Buch "Grundformen der Angst"? Da werden die vier Persönlichkeitstypen eingehend beschreiben...falls es dich interessiert.

Ich habe auch eine schizoide Persönlichkeit und ich bin durchaus in der Lage tiefe Gefühle zu empfinden...häufig ist es mir aber kaum bewußt oder ich ersticke sie quasi schon im Keim bzw. lasse keine anderen Menschen daran teilhaben. Es macht mir nichts aus, viel allein zu sein und ich würde (obwohl ich meinen Mann liebe) getrennte Schlafzimmer jederzeit bevorzugen ;-) . Ich habe also – was für schizoide Persönlichkeiten typisch ist – ein Problem mit zu viel Nähe. Wenn DU beispielsweise von deinen Mitmenschen genervt bist, könnten dahinter auch noch andere Gefühle stecken, die du in dem Moment nur nicht wahrnimmst bzw. zulässt.

Wenn dich dein Verhalten so wie es ist stört und du etwas verändern möchtest, würde ich an deiner Stelle eine Verhaltenstherapie oder irgend etwas in die Richtung machen. Allein und nur mit Büchern stelle ich es mir nämlich schwer vor, etwas zu verändern.

DDavidian! Cronbenberxg


Danke für die Antworten!

Erstmal zu scullie: Wo gibt es denn einen solchen Test, der ernst zu nehmen ist? Und ich habe auch schon ein wenig im Internet recherchiert. Viele Sachen, die ich dort gefunden habe, treffen auch auf mich zu ...

Wie wäre denn die Grundstimmung einer Person, die eine schizoide Persönlichkeit hat? Ist sie depressiv? Ich würde sagen, dass ich eine gleichgültige oder vielleicht neutrale Person bin.

Und zu Stella80: Ich weiß jetzt nicht genau, ob du das als beleidigend aufgefasst hast, als ich sagte, dass man eine Störung hat, wenn man eine schizoide Persönlichkeit hat. Wenn ja, war das keineswegs so gemeint. Ich habe den Begriff "schizoide Persönlichkeitsstörung" so im Internet gefunden.

Ich bin auch in der Lage, tiefe Gefühle zu empfinden, bloß ist diese Fähigkeit bei mir wohl nicht so ausgeprägt wie bei anderen. Und auch mir macht es nichts aus, allein zu sein. Wenn ich zu viel alleine bin, merke ich zwar schon, dass andere Menschen mir fehlen. Aber sobald ich zu viel mit anderen Menschen zusammen bin, fehlt mir das Alleinsein. Also ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich einen ganzen Tag unter Menschen bin. Inwiefern unterscheide ich mich von dir deiner Meinung nach? Und wie fühlt es sich an, eine schizoide Persönlichkeit zu haben? (Wenn die Frage dir zu persönlich ist, musst du sie natürlich nicht beantworten.)

Setel?la80


Wie wäre denn die Grundstimmung einer Person, die eine schizoide Persönlichkeit hat? Ist sie depressiv?

Nein, die schizoide Persönlichkeit ist eigentlich genau das Gegenteil davon ;-D ihr gegenspieler ist nämlich die "depressive" Persönlichkeit, das ist der Nähe-Typ.

Nö, ich hab das nicht als Beleidigung aufgefasst. Ich wollte nur sagen, dass Riemann den Begriff der schizoiden Persönlichkeit nicht in einem pathologischen Sinne verwendet und dass jemand der mehr schizoide Tendenzen hat nicht zwangsläufig "gestört" sein muss.

Ich bin auch in der Lage, tiefe Gefühle zu empfinden, bloß ist diese Fähigkeit bei mir wohl nicht so ausgeprägt wie bei anderen.

I.d.R. spaltet der schizoide Typ ihm unangenehme oder peinliche Gefühle eher ab. Es ist also nicht so, dass er weniger oder schwächere Gefühle hat als andere Menschen, er ist nur nicht so in Kontakt mit ihnen. Ich zeige meine Gefühle z.B. sehr ungern und dachte auch ganz lange, dass ich einfach keine hätte bzw. weniger als andere Menschen.

Inwieweit ich mich von dir unterscheide...hm...ich bin jetzt ja 15 Jahre älter als du und habe mich in der Zeit auch etwas weiterentwickelt. Also ich beleidige normalerweise niemanden, sage aber recht gern allen möglichen Menschen sehr ehrlich meine Meinung (was natürich nicht allen gefällt). Also ich habe keine Probleme damit Konflikte sachlich auszutragen und vermeide dabei persönliche Beleidigungen.

Ich hab eigentlich nur Schwierigkeiten mit dem ersten Kontakt bei fremden Menschen. Ansonsten kann ich prima Smalltalk etc.

Was das Halten von gesellschaftlichen Regeln betrifft, hat das weniger mit der schizoiden Persönlichkeit zu tun. Das liegt eher daran, ob du zwanghaft oder hysterisch/histrionisch bist. Es gibt ja nach Riemann vier Persönlichkeitstypen und normalerweise überwiegen bei den meisten Menschen die Merkmale von zwei davon. Der hysterische Typ ist eher derjenige, der mit Konventionen nicht so kann...

Ich fühle mich grundsätzlich gut, so wie ich bin. Manchmal wäre ich gern etwas offener und kontaktfreudiger (und arbeite auch daran) und würde auch meine Gefühle mehr in einem angemessenen Maße zeigen können wollen.... bin aber andererseits froh, dass ich kein so vereinnahmendes und erdrückendes Wesen besitze wie mache Vertreter der depressiven Persönlichkeit. Also ich hab jetzt nicht vor, mich um 180 Grad zu wandeln ;-)

D.avidianO Cro5nenberxg


Okay, danke für die Antwort!

Also bist du der Meinung, dass ich nicht schizoid bin? Wenn ja, hättest du eine Idee, was ich sonst haben könnte? Oder meinst du, dass bei mir gar nichts vorliegt?

s7culWlime


Du bist nicht schizoid.. :)z

SAtell8a80


Also bist du der Meinung, dass ich nicht schizoid bin?

Wie ich schon sagte...

Es gibt in dem was du beschreibst schon schizoide Züge.

Wie gesagt, ich würde dir das Buch von Fritz Riemann "Grundformen der Angst" empfehlen. Da steht sehr viel über die vier Persönlichkeitstypen drin.

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass du eine spezielle "Störung" hast...und ich halte auch nichts davon, bei jedem Menschen, der irgendwie von der Norm abweicht, gleich nach irgendwelchen Krankheiten zu suchen und dem Kind dann einen hochtrabenden Namen zu geben. Du hast halt Probleme mit dir – wie sie jeder Mensch mehr oder weniger hat. Du kannst daran arbeiten (mit Büchern, Verhaltenstherapie, Gestalttherapie etc.) oder nicht...das bleibt dir überlassen. Wenn es dich persönlich aber einschränkt und für deine Zukunft hinderlich ist, würde ich daran arbeiten.

D7avidi)an Cronnenb{exrg


Okay, danke für eure Hilfe!

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