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Abgrenzung Depression vs. depressive Verstimmung

J@anD74 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

(wie) kann man eine Depression klar abgrenzen zu "normaler Traurigkeit" oder den bekannten "depri-Phasen"? Geht das überhaupt?

In meiner Vorstellung geht das sehr genau und ist sehr klar abgegrenzt. So wie ich mir das vorstelle ist eine Depression vor allem verbunden mit Antriebslosigkeit und der Unfähigkeit zur Freude. Bei der depressiven Verstimmung ist Antrieb vorhanden und die Fähigkeit zur Freude da (es gibt halt nur grad nix worüber man sich freuen könnte).

Oder muss man bei allen länger anhaltenden Phasen gedrückter Stimmung schon von einer Depression sprechen?

Seh ich das zu naiv oder wie ist das eigentlich?

Antworten
DCillsexs


@ Jan,

relativ gut herauszufinden wo man steht ist der Gang zum Pychiater oder zunächst einfach mal den Goldbergtest machen. Wenn man die Fragen ganz ehrlich beantwortet kommt ein relativ stimmiges Ergebnis raus.

z.B. bei mir: sofort zum Psychiater und eine 24 stündige Überwachung, wenn dies zu Hause nicht leistbar ist, sofort in die Klinik.

Bei mir hat das genau gepasst und wurde dann von der Psychiaterin genau gleich diagnostiziert. Die Klinik blieb mir erspart weil ich ein große Familie habe und die ADs sehr gut und schnell halfen.

PPust8eblvurme65


So wie ich mir das vorstelle ist eine Depression vor allem verbunden mit Antriebslosigkeit und der Unfähigkeit zur Freude. Bei der depressiven Verstimmung ist Antrieb vorhanden und die Fähigkeit zur Freude da (es gibt halt nur grad nix worüber man sich freuen könnte).

Das haßt Du sehr gut erfasst, finde ich.

Einwichtige Kriterium ist der Zeitfaktor. Als Störung gelten Zustände welche langer als 14 Tage anhalten.

Ein klinikaufendhalt ist kein Kriterium. Ich habe eine vom Facharzt diagnostizierte und therapierte schwere und ein mittelgradige depressive Episode hinter mir und war nie in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik.

PjustIe`b$luxme65


Sorry, "hast" wird natürlich ohne ß geschrieben.

M olliaewnxchen


Bei mir ergibt der [[http://www.depressionen-depression.net/goldberg/goldberg-test.htm Goldberg-Test]]: Leichte bis mittlere Depression.

Habe die Fragen allerdings für die Vergangenheit beantwortet. Heute fühle ich mich nicht mehr depressiv.

MVol&liench>exn


[[http://www.depressionen-depression.net/maenner-depressionen/depressionen-bei-maennern.shtml Ganz interessant (Depressionen bei Männern)]].

aU.fi~sh


Oder muss man bei allen länger anhaltenden Phasen gedrückter Stimmung schon von einer Depression sprechen?

Nein, aber eine Depression ist ja nicht das einzige Problem, was man haben kann. Auch länger anhaltende Phasen "gedrückter Stimmung" kommen ja irgendwoher und verdienen Aufmerksamkeit. Man muss sich nicht bemühen, in irgendeine Diagnose zu passen, um sich und seine Stimmung ernstnehmen zu können.

Für mich ist eine Depression v.a. gezeichnet durch Entscheidungsunfähigkeit, den Verlust des Gefühls der Vorfreude und die Unfähigkeit, sich von schönen Erlebnissen länger als ihre Dauer tragen zu lassen.

J/an7I4


Danke für die Antworten.

Der Goldberg-Test ergibt bei mir 16 Punkte (zweite Kategorie), also nicht sooo dramatisch. Einiges trifft stark zu, anderes gar nicht.

Wobei es mir da gar nicht so sehr um mich selber ging bzw. halt um die allgemeine Frage wie ich sie formuliert hab. Bei mir selber habe ich nämlich das Gefühl, das ich eine sehr ausgeprägte Neigung zu "depri-Phasen" hab (also 14 Tage sind da ja nix, ich komm eher auf 14 Jahre ;-) , aber dennoch so gut wie gar nicht zu "richtigen Depressionen" neige (weil die erwähnten Kriterien bei mir da nicht zutreffen). Auch wenn ich mich mit Freunden unterhalte, die "richtig" depressiv sind, stelle ich fest, dass es mir in der Regel nicht so geht wie die das beschreiben. Vielleicht einfach eine Frage der genetischen Veranlagung?

@ Dilles

tut mir leid das es Dir so schlecht ging.

P8usYtebluxme65


Lieber Jan

wie wäre es denn mir der Diagnose Dysthymie/Dythymia/neurotische Depression/chronische leichte Depression. Das war 46 Jahre lang meine Diagnose, bis von ca. einem Jahr.

PzuZsteb8luxme65


Schau hier: [[http://flexikon.doccheck.com/de/Dysthymie]]

JGan7T4


Danke, werd ich mir anschauen.

JEan7x4


Jo, passt genau ;-). Ich bin in der Tat fast immer ein bisschen traurig gestimmt, zumindest im Alltag. Wunder wirken tut immer Urlaub oder generell "was neues" bzw. "Aussicht auf was neues". Die Grundstimmung ist sozusagen latent eher ein bisschen düster, aber halt auch nur ein bisschen, aber Aufheiterung durch solche Ereignisse ist immer problemlos möglich. Antriebslosigkeit hab ich gar nicht und auch sonst keine großen Probleme mit dem Alltag und auch keine dramtischen Ängste mehr etc., also alles läuft quasi, aber halt ganz oft ein bisschen schlecht gelaunt, bzw generell eher latent düstere Grundstimmung.

Johanniskraut scheint mir in der Tat da mal einen Versuch wert.

Pusteblume, was ist denn vor einem Jahr passiert, bzw. was ist seitdem Deine Diagnose?

J1a-n7(4


Eher sogar das krasse Gegenteil von Antriebslosigkeit.. eher ständige Fluchtimpulse. Ständig was tun und erleben, um die düstere Stimmung aufzuhellen.

Hab das nie begriffen wie Leute freiwillig einfach so "gar nix" tun. Oder Schulfreunde damals, treffen zum "chillen" (=gemeinsam langweilen). Fand ich immer gruselig. Hatte immer so einen "Lebenshunger", immer "was erleben wollen". Hängt wohl alles eng zusammen.

Zur Zeit halt dauernd sportlich aktiv (was ja ein ganz guter positiver Nebeneffekt ist) und beruflich sehr motiviert, ich schaff ordentlich was weg (was gut ist weil ich dabei bin, mir eine selbständige Existenz aufzubauen). Sprich, wenn mans richtig macht, kann man die schlechte Laune wohl auch produktiv kanalisieren?

P=usttebl7umxe65


Eher sogar das krasse Gegenteil von Antriebslosigkeit.. eher ständige Fluchtimpulse. Ständig was tun und erleben, um die düstere Stimmung aufzuhellen.

Nun ja, die depressiven Symptome sind bei jedem anderes verteilt, niemand hat alle. Und es gibt anstatt Antriebslosigkeit auch Rastlosigkeit und innere Unruhe als Symptom. Manchmal sogar alle 3 Symptome bei der selben Person.

Pusteblume, was ist denn vor einem Jahr passiert, bzw. was ist seitdem Deine Diagnose?

Ich habe vor ca 2 Jahre meine Psychotherapie in meine eigenen Hände genommen, so zu sagen. Das brachte durchschlagende Besserung. Und vor einem Jahr hat dann mein Psychiater die Diagnose Dysthymie aufgehoben.

JZan7x4


ich sag mal dickes DANKE @:) . Das hilft mir wirklich weiter. Vor allem in einer Hinsicht: Wenn man nun einen Namen für das Kind hat und weiss "es ist in gewisser Weise einfach eine Krankheit", kann man das eher annehmen und akzeptieren. Dann ist das halt so. Dann kann ich zumindest aufhören mir den Kopf darüber zu zerbrechen was ich ändern kann, damits mir besser geht (weils das halt einfach aufgrund der krankheit niemals tut, was auch meine praktische Erfahrung ist). Ich mein, ich bin schon so oft umgezogen, hab neue Autos gekauft immer in der Hoffnung "wenn ich dies und das erreicht hab wirds besser", was aber so gut wie nie geklappt hat (wobei es natürlich graduelle Unterschiede gibt- ob man sich halt mehr oder weniger wohl fühlt in einer Wohnung etc). Einfach das Akzeptieren und Annehmen dieser Sache hilft schon gewaltig. Dann ist das halt einfach so, auch gut. Kann ich mit leben. Das alleine hellt die Laune schon auf. Auch wenn ich depri-Phasen hab, gibts immer noch genug gutes, und genug Momente mit guter Laune. Aber ich weiss halt auch, das ich die düsteren Phasen nie los werden werde. Aber muss ich ja auch nicht unbedingt.

Was natürlich nicht bedeutet das ich aufhören werde, in jeder Hinsicht an mir zu arbeiten. Aber wenn wieder fiese schlechte-Laune-Anflüge kommen, wenigstens einfach "annehmen", nicht mehr dagegen an kämpfen. Die gehören dann halt einfach zu mir, kommen und gehen auch wieder.. alles in allem isses dann "ok".

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