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Bekannte prahlt ständig (Narzissmus?)

veogelw)icke hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich hoffe auf ein paar Tipps oder Anregungen von euch.

In meinem Bekanntenkreis (um die 40 Jahre) ist eine Frau, die sich immer herausstellt und immer die "Nr. 1" sein muss. Jedenfalls nehme ich es so wahr.

Ich habe schon überlegt, ob man von Narzissmus sprechen könnte. Jedenfalls kommt es mir so vor, als dränge sie andere – inklusive mich – in die Rolle der "Bewunderer". Sie erzählt oft, wie toll sie ist (dass sie das und das gut gemacht hat, dass sie von dem und dem eine Riesenschachtel 'Merci' bekommen hat, dass ihr Chef sie gelobt hat usw).

Wenn man miteinander spricht, fällt sie gerne ins Wort.

Sie sagt oft, dass sie so individuell ist, und dass sie so tiefsinnig ist. Und wie sehr ihre Klienten (sie arbeitet im sozialen Bereich) sie mögen.

Leider ist es so, dass ich mich durch ihre Worte oft zur "Nr 2" degradiert fühle. Beispiel: Wenn sie so viel individueller ist als alle anderen, dann gehöre ich wohl zu den gewöhnlichen "Nicht-individuellen" (?).

Ich habe den Eindruck, dass sie gerne redet, wenn es ihr schlecht geht, aber wenn es ihr gut geht, dann lässt sie mich links liegen. Dadurch fühle ich mich ab und an "missbraucht" als Mülleimer, sozusagen.

Tja, nun ist es aber so, dass wir fast Nachbarn sind, einen gleichen Freundeskreis haben und in den gleichen Verein gehen. Das heisst, dass ich sie nicht wirklich meiden kann.

Ich kann ihre Prahlerei aber auch nicht wirklich an mir abprallen lassen, weil sie schon sehr massiv bewundert werden will.

Hat jemand Tipps?

Danke @:)

Antworten
Anhornbqlatt


Dann würde ich doch mal ihre Übertreibungen noch mehr übertreiben, sie auf die Spitze bringen.....

mMne(f


Dann würde ich doch mal ihre Übertreibungen noch mehr übertreiben, sie auf die Spitze bringen.....

;-D

Naja, ich halte sie allein durch die Erzählung für nicht ganz sauber. Möglicherweise ist ihr das auch selbst bewusst. Jedenfalls würde niemand, den ich kenne, der wirklich "toll" ist (seien es besondere berufliche Erfolge, mega Talent, absolute Weitsinnigkeit, Tiefgründigkeit oder sonstwas) das selbst herausstellen. Wer so ist, ist es einfach. Dadurch braucht er es nicht dauernd zu betonen, er weiß es ja. Klingt abgedroschen, hab ich aber noch nie andersherum erlebt.

Du musst sich doch auch nicht meiden, aber einen Abstand kann man doch meist halten. Oberflächliche "hm ja och das ist ja schön für dich" – den Rest da rein und da raus :=o

e$nigcmatic1;6x06


Huch, das kommt mir aus dem eigenen Familienkreis irgendwie bekannt vor ;-) . Ich weiß nicht, ob es bereits ausgeprägter Narzissmus ist (dazu fehlt es mir an Fachwissen). Aber so wie sich das für mich liest, vermute ich zumindest eine tief sitzende Unsicherheit bei deiner Bekannten, die sie eben durch ihre Prahlerei zu kompensieren/verbergen versucht.

Jedenfalls würde niemand, den ich kenne, der wirklich "toll" ist (seien es besondere berufliche Erfolge, mega Talent, absolute Weitsinnigkeit, Tiefgründigkeit oder sonstwas) das selbst herausstellen. Wer so ist, ist es einfach. Dadurch braucht er es nicht dauernd zu betonen, er weiß es ja. Klingt abgedroschen, hab ich aber noch nie andersherum erlebt.

:)z :)^ Genau das.

mDidniCght:lady41


genau, wenn sie einen kasten merci bekommen hat, dann sagst du du hast 3 bekommen und wenn sie ein lob bekommen hat vom chef, dann hast du 2 bekommen und dazu eine gehaltserhöhung und und und , vieleicht merkt sie ja selbst warum du das tust

M;ollAienxchen


Ich würde ihre Prahlereien einfach überhören. Nicht drauf eingehen. Maximal ein gelangweilt klingendes "hm-hm" darauf antworten. Keinerlei Begeisterung zeigen. Wenn sie merkt, dass sie nicht die gewünschte Resonanz bekommt, wird's alsbald langweilig.

Oder Du fragst sie in so einer Situation mal direkt: "Anerkennung und Lob sind dir ziemlich wichtig, kann das sein?"

Wenn sie dann fragt: "Wieso?!"

Sagst Du: "Na ja, weil du so gern davon erzählst."

Im übrigen stimme ich enigmatic1606 zu – je mehr jemand betont, wie toll er ist, desto mehr hat er's auch nötig (Minderwertigkeitsgefühle).

pDospmaxe


Ich denke, es ist völlig belanglos, ob man das Narzissmus oder sonst was bezeichnet. Wesentlich ist, dass es dich nervt. Mich nervt sowas auch wahnsinnig. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Ich frage mich das selber auch. Ich frage mich, wie man dieser Rolle des Zuhörers oder Mülleimers oder der Situation des "den anderen bewundern müssen" entkommen kann. Und zwar so, dass dennoch ein (guter) Kontakt aufrecht erhalten werden kann.

Ich habe das leider auch noch nicht herausgefunden. Vielleicht kann man sowas auch direkt ansprechen (allerdings mit "gewaltfreier Kommunikation" ;-) ). Auf eine Metaebene gehen und sagen "Mir fällt auf, dass du... und das macht dieses und jenes mit mir..."

Kann aber auch schief gehen.

Oder, so wie Mollienchen das ausgedrückt hat: überhören. Wenig Aufmerksamkeit schenken. Kann allerdings sein, dass sie dann noch lauter um Aufmerksamkeit schreien muss. :-/

s%e^v@en\threxe


genau, gar nicht darauf eingehen oder irgendwie drauf reagieren

mit solchen Sprüchen wäre ich aber vorsichtig, mit sowas kann man sich erbitterte Feinde machen, gerade Frauen reagieren darauf sehr stark und nachtragend.

Mein Nachbar ist ähnlich, der erzählt auch immer was er für ein toller Hecht ist. Ansonsten ist er aber ein umgänglicher und hilfbereiter Kerl. Manchmal nervt seine völlig unglaubwürdige Prahlerei extrem, dann versuch ich immer das Thema zu wechseln.

Das registriert er durchaus und lässt es dann eine Zeitlang.

K*leixo


vogelwicke

Ich habe schon überlegt, ob man von Narzissmus sprechen könnte.

Meiner Meinung nach ist es nicht wirklich relevant, wie man "das Kind beim Namen" nennt. Es gibt ja viele Menschen, die sich gerne in Szene setzen und über sich erzählen. Dass sie prahlt, ist ja schon die eigene Wertung ihres Tuns. Sie kannst Du sowieso nicht ändern, nur Dich selbst.

Ich habe schon überlegt, ob man von Narzissmus sprechen könnte. Jedenfalls kommt es mir so vor, als dränge sie andere – inklusive mich – in die Rolle der "Bewunderer". Sie erzählt oft, wie toll sie ist (dass sie das und das gut gemacht hat, dass sie von dem und dem eine Riesenschachtel 'Merci' bekommen hat, dass ihr Chef sie gelobt hat usw).

Respektierst Du sie? Wie reagierst Du, wenn sie etwas erzählt?

Wenn man miteinander spricht, fällt sie gerne ins Wort.

Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten damit umzugehen. Was ist denn Dein Ziel? Willst Dich mit ihr "anlegen", sprich sie deinerseits übertrumpfen oder ihr respektvoll begegnen und trotzdem Deinen Wert behalten, wie hier z. B. [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/625453/]] Was sagst Du zu dem Ansatz in diesem Faden?

Wie reagierst Du jetzt, wenn sie Dich unterbricht bzw. auch andere?

Leider ist es so, dass ich mich durch ihre Worte oft zur "Nr 2" degradiert fühle. Beispiel: Wenn sie so viel individueller ist als alle anderen, dann gehöre ich wohl zu den gewöhnlichen "Nicht-individuellen" (?).

Wie lässt Du es zu, dass Du Dich degradierst fühlst? Denn, wenn Du es nicht zulässt, dann kann sie zwar prahlen wie sie will, Du aber fühlst Dich mit ihr gleichwertig. Was kannst Du tun?

"Kleiner" als andere bin ich, wenn ich es so sehe und nicht wenn andere das tun.

Ich habe den Eindruck, dass sie gerne redet, wenn es ihr schlecht geht, aber wenn es ihr gut geht, dann lässt sie mich links liegen. Dadurch fühle ich mich ab und an "missbraucht" als Mülleimer, sozusagen.

Was kannst Du machen, dass Du Dich nicht mehr als Mülleimer fühlst? Was kannst Du tun?

Ein Mülleimer bin ich, wenn ich mich zur Verfügung stelle. Es kann mich ja niemand dazu zwingen.

vBogeHlwick=e


Hallo, und danke für eure hilfreichen Antworten!

Ich denke, es ist völlig belanglos, ob man das Narzissmus oder sonst was bezeichnet.

Das stimmt! Ich habe den Begriff nur zur besseren Verständigung benutzt, um klar zu machen, wovon ich spreche. Ich stimme dir völlig zu – es ist egal, wie man es nennt.

Ich danke euch wirklich! Ich habe aus euren Antworten viel mitnehmen können.

Es tut mir auch gut, dass doch einige nachvollziehen können, was ich meine.

Auf ein paar Dinge möchte ich nochmal eingehen:

Respektierst Du sie?

Da bin ich mir unsicher, wie du es meinst.

Natürlich habe ich nicht das Bestreben, sie zu ändern oder "umzuerziehen".

Deshalb war ja meine Frage, wie ich gut damit umgehen kann.

Hm, respektieren: Also, ich behandle sie respektvoll, natürlich. Ich respektiere natürlich auch, wie sie ist. Beim Prahlen usw habe ich das Gefühl, dass es in meinen "Bereich" hineingeht. Da fällt mir das Respektieren schwer, denn ich müsste ja gleichzeitig mich selbst nicht-respektieren.

Entweder ihr Bedürfnis, einen Bewunderer zu haben, oder mein Bedürfnis, sie nicht zu bewundern, kann erfüllt werden. Beides zusammen geht schlecht.

Ich glaube, wenn ich darüber nachdenke, ich empfinde ihre Selbstdarstellung als Grenzübertretung.

Sie fängt zum Beispiel auch damit an, wenn sie sieht, dass ich mit etwas anderem beschäftigt bin.

Diese Prahlerei empfinde ich allerdings als "übergriffig", weil sie einen beinahe zwingt, zu reagieren (wenn man nicht grob unhöflich sein will und sie einfach stehen lassen würde).

Ansonsten würde ich schon sagen, dass ich sie respektiere. Ich schaue jetzt nicht auf sie herab oder so, falls du das meinst.

Wie lässt Du es zu, dass Du Dich degradierst fühlst? Denn, wenn Du es nicht zulässt, dann kann sie zwar prahlen wie sie will, Du aber fühlst Dich mit ihr gleichwertig. Was kannst Du tun?

Ja, genau das habe ich auch versucht, mir selbst zu sagen. Aber es klappt nicht so gut. :-|

Wenn wir zum Beispiel Vereinssitzung haben, dann hält sie gern eine relativ lange Rede über das soziale Miteinander usw. Sie trägt zum Teil auch Dinge, die ich gesagt habe, als ihre Ideen vor (das wir das Protokoll jetzt so und so schreiben zum Beispiel).

Sie steht dann vor allen gut da.

Klar, ich könnte jetzt ansetzen, und eine genauso lange Rede halten. Aber das wäre ja auch blöd. :-|

Dann kann ich mir selbst zwar sagen, Vogelwicke, du hast genauso viel für den Verein geleistet, aber irgendwie wurmt es mich trotzdem.

Was kannst Du machen, dass Du Dich nicht mehr als Mülleimer fühlst? Was kannst Du tun?

Hm, ich habe schon einige Male Gespräche verweigert, und mich bemüht, höflich aber klar zu sein. "Du, darüber möchte ich jetzt nicht reden." oder so ähnlich.

Aber ich müsste diesen Satz ziemlich oft sagen. Denn wenn wir zum Beispiel in der Raucherpause draussen stehen, fängt sie gleich mit einem ihrer Themen an.

Aber es ist genau so, wie du, ** Kleio, oder auch andere, gesagt haben: Eigentlich müsste ich es hier rein und da raus gehen lassen.

Müsste ich das? Warum fällt es mir so schwer?

Beides kostet mich Energie: Zu sagen, "du, ich möchte gerade über dieses Thema nicht sprechen" oder auch "auf Durchzug" zu schalten.

Den verlinkten Fadentitel schau ich mir mal an.

Mollienchen

Ich würde ihre Prahlereien einfach überhören. Nicht drauf eingehen. Maximal ein gelangweilt klingendes "hm-hm" darauf antworten. Keinerlei Begeisterung zeigen. Wenn sie merkt, dass sie nicht die gewünschte Resonanz bekommt, wird's alsbald langweilig.

Ja, das ist auch meine häufigste Reaktion.

Es kommt mir auch ein bisschen unhöflich vor, aber es ist bisher das Beste, was mir eingefallen ist.

seventhree

mit solchen Sprüchen wäre ich aber vorsichtig, mit sowas kann man sich erbitterte Feinde machen, gerade Frauen reagieren darauf sehr stark und nachtragend.

Ja, direkt mit ihr anlegen möchte ich mich nicht. Wir sehen uns wirklich oft (wie gesagt, gleiches Umfeld in Nachbarschaft und Freizeit), und ich möchte sie ungern als Feindin haben.

K{l=eixo


vogelwicke

Entweder ihr Bedürfnis, einen Bewunderer zu haben, oder mein Bedürfnis, sie nicht zu bewundern, kann erfüllt werden. Beides zusammen geht schlecht.

Ich habe nach dem Respekt deswegen gefragt, weil es ein anderer Ausgangspunkt wäre, wenn Du sie insgeheim oder auch offen dafür abwerten würdest, wenn sie so ist, wie sie ist. Wenn ich Dich richtig verstehe, dann ist das nicht der springede Punkt, sondern dass die Art wie sie ist, einfach Deine Grenzen überschreitet. Auch hat sich Dein Beispiel danach angehört, als würdest Du an Selbstwert verlieren, wenn sie ihren "Auftritt" hat.

Sie fängt zum Beispiel auch damit an, wenn sie sieht, dass ich mit etwas anderem beschäftigt bin.

Da hilft meiner Meinung nach aber nichts außer dort eine Grenze zu ziehen, wo Du eine hast.

Wenn wir zum Beispiel Vereinssitzung haben, dann hält sie gern eine relativ lange Rede über das soziale Miteinander usw. Sie trägt zum Teil auch Dinge, die ich gesagt habe, als ihre Ideen vor (das wir das Protokoll jetzt so und so schreiben zum Beispiel).

Dir reicht es dann nicht zu wissen, dass Du es gesagt hast? Kommt das denn so oft vor, dass sie Deine Idee für ihre eigenen verkauft?

Wenn sie sich so gerne mit fremden Federn schmückt, würde ich ihr meine Ideen nicht mehr mitteilen.

Sie steht dann vor allen gut da.

Anstatt dass Du vor den anderen gut dastehst? Wenn ja, dann klingt es auch etwas nach Konkurrenzkampf. Worin kämpfst Du denn mit ihr?

Dann kann ich mir selbst zwar sagen, Vogelwicke, du hast genauso viel für den Verein geleistet, aber irgendwie wurmt es mich trotzdem.

Weil?

Hm, ich habe schon einige Male Gespräche verweigert, und mich bemüht, höflich aber klar zu sein. "Du, darüber möchte ich jetzt nicht reden." oder so ähnlich.

Aber ich müsste diesen Satz ziemlich oft sagen. Denn wenn wir zum Beispiel in der Raucherpause draussen stehen, fängt sie gleich mit einem ihrer Themen an.

Ich sehe da aber keine andere Möglichkeit als ständig diese "Stopptafel" zu zeigen.

Aber es ist genau so, wie du, ** Kleio, oder auch andere, gesagt haben: Eigentlich müsste ich es hier rein und da raus gehen lassen.

Müsste ich das? Warum fällt es mir so schwer?

Naja, ich sehe das nicht so mit dem rein und raus, weil ich doch ein Gehirn dazwischen habe. ]:D Spaß beiseite. Ich muss mir das ja trotzdem anhören, es als unwichtig, uninteressant, etc. beurteilen und es wieder aus meinem Gehirn schmeißen oder es irgenwo abspeichern, weil ich z. B, das auch nicht kann – rein/raus. Ich muss also entweder stopp sagen oder es durchdenken und ab da kostet es mich Energie. Es kostet mich weniger Energie vorher zu sagen, dass ich jetzt nicht will.

Beides kostet mich Energie: Zu sagen, "du, ich möchte gerade über dieses Thema nicht sprechen" oder auch "auf Durchzug" zu schalten.

Kostet Dich beides gleichviel Energie? Was belastet Dich wie? Ich meine jetzt was ist am "Durchzug" schwer und was daran "stopp" zu sagen?

MZollriennchxen


@ vogelwicke

Wenn wir zum Beispiel Vereinssitzung haben, dann hält sie gern eine relativ lange Rede über das soziale Miteinander usw. Sie trägt zum Teil auch Dinge, die ich gesagt habe, als ihre Ideen vor (das wir das Protokoll jetzt so und so schreiben zum Beispiel).

Sie steht dann vor allen gut da.

Vorausgesetzt, dass Du ihr Deine Idee nicht unter vier Augen erzählt hast und sie sie dann als ihre eigene vor versammelter Mannschaft vorträgt, sondern dass alles vor versammelter Mannschaft geschieht, kann ich Dich beruhigen: Die meisten Menschen sind nicht so verblendet, dass sie nicht in Wirklichkeit begreifen, von wem die Idee stammt.

Dann kann ich mir selbst zwar sagen, Vogelwicke, du hast genauso viel für den Verein geleistet, aber irgendwie wurmt es mich trotzdem.

Auch hier bin ich ziemlich sicher, dass alle anderen das wissen.

Und wer sich von ihr blenden lässt, dessen Meinung sollte Dir eh wurscht sein.

vdo9gelwxicke


mollienchen und kleio

Vielen Dank nochmal für die Denkanstöße.

Vorausgesetzt, dass Du ihr Deine Idee nicht unter vier Augen erzählt hast und sie sie dann als ihre eigene vor versammelter Mannschaft vorträgt

Doch doch, so ist das leider :-/ .

Dir reicht es dann nicht zu wissen, dass Du es gesagt hast? Kommt das denn so oft vor, dass sie Deine Idee für ihre eigenen verkauft?

Ja, im Prinzip reicht es mir schon.

Ich glaube, es ist so: Du hast Recht, dass es zu einem großen Teil um Grenzübertritte geht. Und zwar kommt es mir so vor, als übertritt sie meine Grenzen häufig um ein kleines Stück. Und zwar um so ein Mini-Stück, dass es eigentlich etwas kindisch ist, auf der Einhaltung der Grenze zu bestehen.

Die Sache mit dem Protokoll zum Beispiel: Klar, da kann man drüber hinweg sehen. Im Normalfall kann ich sowas auch schonmal gut verkraften. Aber bei ihr kommt es mir vor, als macht sie sehr viele Mini-Grenzübertretungen (ein bisschen "zutexten", prahlen, sich mal von mir ungefragt was leihen,...). Alles Sachen, wo man eigentlich sagt, "komm, Sch...drauf". Aber in der Summe fühle ich mich dann doch irgendwie nicht gut damit.

Zur zweiten Sache, der Konkurrenz: Ehrlich gesagt fühle ich mich so, als ob sie in die Konkurrenz geht. Wenn Sie sich so auf ein "Podest" stellt (verbal gesehen), dann bin ich ja, zumindest in ihren Augen, tatsächlich weiter unten. Wenn sie zum beispiel sagt "ach, weisst du, ich bin sehr individuell!!", dann bekomme ich Lust zu sagen: "Ich auch, und jeder andere Mensch auch ]:D "

Naja, ich sehe das nicht so mit dem rein und raus, weil ich doch ein Gehirn dazwischen habe. ]:D Spaß beiseite. Ich muss mir das ja trotzdem anhören, es als unwichtig, uninteressant, etc. beurteilen und es wieder aus meinem Gehirn schmeißen oder es irgenwo abspeichern, weil ich z. B, das auch nicht kann – rein/raus.

Wunderbar formuliert ;-D .

Wenn du dir Ihre Selbstdarstellung als eine Energiewelle vorstellst, dann kostet das Stopp-Sagen Energie (wie ein Wellenbrecher, der ja auch der Energie der Welle standhalten muss). Aber das Verarbeiten kostet auch Energie, wie du schon sagtest.

Im Moment versuche ich es mit der Strategie "Durchzug", und höre so leicht zu, wie wenn im Hintergrund Radio läuft. Ab und zu sage ich höflich stopp, zum Beispiel, wenn ich mit etwas anderem beschäftigt bin.

Aber ich finde es unglaublich anstrengend.

Ich bin eigentlich jemand, dem es wichtig ist, aufmerksam zuzuhören.

Ich könnte bestimmt auch ein wenig mehr aus mir heraus gehen und mir selbst mehr Raum geben. Da habe ich sicher eine Schwäche, die das Ganze zusätzlich problematisch macht. Aber das ist nicht die Hauptsache, denke ich.

Ich fühle mich von ihr wirklich als Publikum/Bewunderer missbraucht.

Ich lese mir übers Wochenende eure Sachen nochmal durch.

Gute Nacht!

S{onj>aSonneinscheixn


Wenn du mich fragst, will sie mit der Prahlerei ihren Minderwertigkeitskomplex kompensieren.

Wir haben auch ein Pärchen im Freundeskreis. Sie präsentieren sich immer als perfektes Paar und kehren nur ihre "gute" Seite zum Vorschein, erzählen wie perfekt deren Leben verläuft, etc. und machen andererseits gerne auf die "schlechten" Dinge der anderen aufmerksam.

Anfangs dachte ich immer: "Wow, was für ein tolles Leben die führen" ... Doch mittlerweile habe ich die beiden durchschaut und lächle in solchen Situationen milde dazu und denke mir einfach meinen Teil!

Kein Mensch ist perfekt und jeder hat Schwächen ... auch Deine "Freundin" ... lass dich von ihrem prahlerischen Gerede nicht nerven!

Und wenn sie dir beim nächsten Gespräch wieder ins Wort fällt, mach sie höflich darauf aufmerksam, dass man andere erst aussprechen lässt, bevor man selbst dran ist ;-)

Solche Leute muss man ab und zu mal in die Schranken weisen.

pFospaxe


Wenn du dir Ihre Selbstdarstellung als eine Energiewelle vorstellst, dann kostet das Stopp-Sagen Energie (wie ein Wellenbrecher, der ja auch der Energie der Welle standhalten muss). Aber das Verarbeiten kostet auch Energie, wie du schon sagtest.

Sehr gut ausgedrückt! Ich wäre darauf nicht gekommen, es so auszudrücken- und ich kenne das Phänomen nur zu gut.

Ich denke allerdings, dass man sich hinterfragen kann, weshalb das Stopp-Sagen soviel Energie kostet. Dahinter steckt vielleicht die Angst vor Konflikten, Abgelehntwerden, jemanden enttäuschen usw. Alles hat seinen Preis, und so kann es tatsächlich passieren, dass du diese Dinge in Kauf nehmen musst. Zumindest im ersten Moment.

Und die Sache mit diesen kleinen, kaum merkbaren Grenzüberschreitungen macht es besonders schwierig. Wenn etwas kaum greifbar ist, dann kann man es schlecht fassen, man ist bloß irritiert (zumindest ist es bei mir so) und weiß gar nicht mal weshalb.

Du aber beschreibst hier schon sehr gut, was aus deiner Sicht abläuft. Damit bist du einen Schritt weiter.

Jetzt müsstest du bloß noch die Anstrengung des Stopp-Sagens aufwenden, und natürlich solltest du damit rechnen, dass das wiederum Irritationen bei ihr auslösen wird. Aber das ist normal. Nur so verändern sich Beziehungen. Man kann nur an sich was tun, jemand anderen kannst du nicht verändern. Systemischen Ansätzen nach verändert sich aber immer automatisch das Umfeld mit, wenn man sich selbst ändert.

Du hast weiter oben selbst recht gut beschrieben, dass sich da zwei entgegengesetzte Bedürfnisse in die Quere kommen (ihr Bedürfnis nach Bewunderung und deines nach nicht bewundern). Es ist völlig in Ordnung, wenn du auf deine Bedürfnisse achtest. Abgesehen davon, dass du ihrem Bedürfnis ohnehin nicht mehr "echt" entsprechen kannst. Dann bleibe doch bei dir und steh zu deinem Gefühl, zu deinem Bedürfnis.

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