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Konservative Eltern – Fluch und Segen und ewiger Zwiespalt

f0ant>a x5 hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr alle,

ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich diesen Text hier schreibe. Vielleicht tut es einfach mal gut, alles aufzuschreiben und evtl. ein paar neutrale Meinungen zu bekommen.

Ich bin Einzelkind, meine Eltern lieben mich über alles und haben mir die schönste Kindheit und Jugend ermöglicht, die man sich nur vorstellen kann. Liebe, Friede, Freude, Eierkuchen, Wohlstand, Geborgenheit – wie im Traum. Das Problem ist nun, dass ich erwachsen geworden bin.

Ich habe immer noch eine enge und gute Beziehung zu meinen Eltern, ich besuche sie regelmäßig. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sie sich nicht von mir abnabeln können. Ich bin immer noch eher Kind als Erwachsene.

Außerdem haben sie eine recht konservative Lebenseinstellung – Anfang 20 findet man einen Freund, dann wird Ende 20 Haus gebaut, dann geheiratet und Kinder gekriegt. Wer davon abweicht, ist "irgendwie nicht normal". Guter Job, dickes Auto und immer ausreichend Geld ist sowieso klar. Das blöde ist nun (für mich), dass wirklich ALLE in meiner Familie sich gut und gern an diesen Plan halten. Nun bin ich die einzige in meiner Familie, die studiert hat und ich habe keine Lust, mich an diesem Lebensplan zu orientieren. Wenn ich Lust habe zu heiraten, heirate ich, wenn Kinder kommen, kommen sie. Wenn nicht, dann eben nicht.

Meine Eltern können das nicht nachempfinden – sie sind glaube ich schon enttäuscht darüber, was mir wieder ein schlechtes Gewissen macht. Ich kann mich auch irgendwie nicht abnabeln, obwohl ich es gerne tun würde. Leider will ich es immer allen recht machen, niemanden enttäuschen und das geht natürlich nicht, ich weiß. Ich will also, kann aber nicht – ewiger Zwiespalt.

Noch so ein Problem ist mein Freund.

Er verdient im Moment aus bestimmten Gründen kein Geld, was ihn besonders vor meinem Vater zu einer Art Versager macht – der Mann muss schließlich die Frau / Familie "ernähren". Mein Vater fühlt sich meinem Freund daher auch "überlegen". Mein Freund ist völlig anders als meine Eltern, besonders als mein Vater. Er ist ruhig, besonnen, ist interessiert an Kultur, Sprachen usw. Mein Vater kommt mir manchmal vor wie ein Hund, der sein Revier makiert, Männlichkeit zeichnet sich durch große Autos, gutes Einkommen, und lautes "Schreien" aus, wie ein Platzhirsch eben. Kochen, waschen, bügeln (was mein Freund zwangsläufig aber gerne macht) – ist für meinen Vater unvorstellbar, dass das ein Mann machen soll. Ebenso verweichlicht hält er meinen Freund, was mich wieder traurig macht und verletzt.

Ich liebe meine Eltern und versteh nicht, warum sie mich nicht verstehen. Ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht in meine Familie passe, als hätten sie mich bei der Geburt vertauscht. Und mein Freund passt auch nicht in meine Familie, was irgendwie auch traurig macht und besonders meinen Eltern zusetzt. Und noch trauriger macht mich der Zwang, mich irgendwie anpassen zu müssen. Ich weiß, dass das falsch ist, aber sonst bin ich auch traurig (also wenn ich mich auflehne).

Eigentlich bin ich immer traurig...und ich weiß keine Lösung.

Antworten
ADeegsesa


Leider will ich es immer allen recht machen, niemanden enttäuschen und das geht natürlich nicht, ich weiß. Ich will also, kann aber nicht – ewiger Zwiespalt.

Ich kenne das sehr gut. Mein erster Partner "passte" meiner Mutter auch nicht wirklich in die Familie, seine Mentalität war eine ganz andere als die in unserer Familie "übliche"

Das war für mich - die im Endeffekt genau wie Du eigentlich gerne allen alles recht machen will/wollte - sehr schwer.

Auf der anderen Seite ist es auch eine "Schule" fürs Leben: Wenn man sein Leben leben will, kann man zwangsläufig nicht mehr alles so machen wie Mama und Papa das für einen geplant haben

Ich liebe meine Eltern und versteh nicht, warum sie mich nicht verstehen.

Das ist wohl eher ein Fall von gegenseitigem Unverständnis, oder?

Du liebst Deine Eltern - lieben sie Dich?

Wenn ja, dann ist dass das eigentlich ausschlagegebende, auch wenn es schmerzt nicht verstanden zu werden und nicht zu verstehen.

Mir geht es noch heute oft so das ich merke: ich kollidiere mit meiner Mutter (mit der ich eng zusammenlebe, zwar in einer eigenen Wohnung aber im gleichen Haus) - einfach weil deren Ansichten oft / meistens sehr anders sind als meine. Wir verstehen uns oft gegenseitig nicht. Aber wir lieben uns und das gleich wirklich so gut wie alles aus, auch wenn es eben dennoch oft Konflikte gibt.

Aber da ist eben wirklich dann der Punkt an dem man als erwachsene Tochter riskieren muss es den Eltern mal nicht recht zu machen, deren Erwartungen nicht mehr zu entsprechen. Ich habe lange gebraucht um an diesen Punkt zu kommen. Irgendwann kam der Punkt an dem ich dann wirklich genug Energie in mir hatte um laut "STOPP, das ist MEIN Leben!" zu sagen.

Ich bin selbst Mama eines erst fünfjährigen Sohnes und verstehe Eltern schon, die "nur das Beste" für ihr Kind wollen. Und ich verstehe es auch, dass es manchmal schwierig ist zu akzeptieren wenn das Kind - auch als Erwachsene - so ganz andere Entscheidungen trifft als man sie selbst gut finden würde.

Aber der Punkt ist: Jetzt bist Du die Erwachsene die selbst entscheidet was für DICH das Beste ist.

Harmoniesucht bringt dabei aber nicht weiter. Du darfst den Konflikt nicht meiden sondern musst dann auch mal offen Grenzen setzen. Auch wenn das hart ist :°_

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