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Organisation einer Therapie

F_lyinDg witho0ut wixngs


Naja, ich war jetzt zumindest mal beim psychologischen Dienst an der Uni – sogar schon zwei Mal.

Das ist schon eine Therapeutin mit der ich da spreche, aber ich bin mir nicht sicher wie lang ich da bleiben kann. Ich bin mir auch noch nicht so sicher, inwiefern mir das alles etwas bringt, ich glaube so ganz wohl fühle ich mich nicht dort, aber die Wahlmöglichkeiten sind da ja nun wirklich sehr begrenzt.

Im Moment sehe ich halt keine wirklichen Alternativen, um aus dem Verhalten raus zu kommen und da sind alle zwei Wochen eine Stunde vielleicht vom Verstand betrachtet her eine sinnvolle Investition, aber vom Gefühl her leider gar nicht, sodass ich damit im Moment wirklich kämpfe.

S]aldPo


Im Moment sehe ich halt keine wirklichen Alternativen, um aus dem Verhalten raus zu kommen

Aber es gibt sie: gehe zu einem "richtigen" Therapeuten und fange an, dich um dich zu kümmern. Ab und zu an die Uni zu gehen und deren psychologischen Dienst auszuprobieren, damit das eigene Gewissen beruhigt ist, ist sicherlich keine nachhaltig hilfreiche Idee.

srchRne+cUkre198x5


Ab und zu an die Uni zu gehen und deren psychologischen Dienst auszuprobieren, damit das eigene Gewissen beruhigt ist, ist sicherlich keine nachhaltig hilfreiche Idee.

Zustimm! :)^ :)z

m|ond+nsterxne


Ich müsste doch einfach nur mal tun, was die Leute sagen.

Was sagen "die Leute" Deiner Ansicht nach?

Ich würde behaupten, die Leute sagen ganz unterschiedliche Dinge, wenn Du sie nur fragst. Ich habe mir mal ein paar Möglichkeiten ausgedacht, was die Leute so sagen könnten:

Du bist jung. So schlimm ist das alles nicht. Geh raus! Lebe Dein Leben!

Geh zum Arzt. Schildere ihm Deine Symptome. Lass ihn entscheiden, ob eine Therapie sinnvoll ist.

Du brauchst einen Freund. Warte einfach auf Deinen Traumprinzen. Du musst Dich solange durch's Studium quälen, bis er kommt. Natürlich kannst Du auch was dafür tun, dass er Dich findet.

Es ist Dein Leben. Du kannst damit machen, was Du willst.

Du hast ein Problem damit, ins Handeln zu kommen. Mach eine Ergotherapie. Die ist handlungsorientiert.

Du brauchst eine Verhaltenstherapie. Andere User hier haben Dir schon erklärt, warum.

Dein eigentliches Problem liegt in Deiner Kindheit begraben. Du brauchst eine Psychoanalyse, um es zu beheben.

Löse lieber Deine familiären Probleme anstatt eine Therapie zu machen.

Jetzt mach Dir mal nicht so viele Gedanken. Alles ist gut. Weiter so!


Was sagst Du?

FxlXyin?g withoIutT winxgs


Von den Leuten kommen ganz viele verschiedene Sachen, je nachdem wo man sich umhört.

Meine Eltern meinen ich stelle mich nur an, ich soll mich zusammen reißen, mich aufs Studium konzentrieren und vielleicht ab und an mal etwas mit Kommilitonen unternehmen, meine Verwandten meinen, dass Therapie da gar nichts bringen wird, weil mir eben nicht zu helfen sei.

Die Menschen in der Beratungsstelle haben gesagt, dass das so einfach nicht werden wird und dass da eine Therapie schon sinnvoll sei und dass ich irgendwann auch wieder ganz normal leben kann und die Welt viel farbenfroher sehe, wenn ich mich denn wirklich darauf einlasse.

Und irgendwo dazwischen stehe ich. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich mein Kopf gerade raussucht, was ihm passt. In einer ruhigen Minute merke ich, dass ich mich absolut festgefahren habe, aber wenn das Semester wieder los geht, so wie jetzt, dann tickt mein Zeitbilanzsystem wieder und das fasst alles was nichts mit Studium zu tun hat, als potentielle Bedrohung auf, als etwas, dass es unbedingt zu verhindern gilt. Und dann denke ich mir: Meine Eltern haben Recht, das wird sinnlos werden, reine Zeitverschwendung. Ich weiß gar nicht, ob ich kopfmäßig überhaupt schon so weit bin, andererseits: Werde ich das jemals sein? Wird es sich jemals richtig anfühlen?

Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt.

Und dann stehen da natürlich auch noch die Fragen, die ich mir selbst stelle im Raum: Ab wann ist es denn schon nicht mehr normal? Wer definiert das? Manchmal habe ich Angst, dass ich mich total lächerlich machen werde, weil man zu mir sagen wird, dass das der ganz normale Alltag eines Studierenden ist, den ich hier lebe. Ich selbst sehe das ja überhaupt nicht und manchmal habe ich das Gefühl, dass es für mich umso normaler scheint, je extremer es wird und erst so ein beinaher Zusammenbruch, der dann fast immer kommt, mein Denken wieder anschaltet und ich mich irgendwann frage: Was machst du hier eigentlich und bist du dir sicher, dass es den anderen auch so geht?

m~ond+xstAernxe


Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt.

Ich versuch es mal.

Du orientierst Dich lieber an anderen Leuten als an dem, was Du willst. Das kann ich ganz gut nachvollziehen, da Du auf mich einen etwas unsicheren Eindruck machst. In solchen Situationen hält man sich gerne an anderen fest.

Die Meinung Deiner Eltern hat ein großes Gewicht für Dich. Das kann ich gut verstehen, da Du das Kind Deiner Eltern bist.

Auch die Meinung der Leute aus der Beratungsstelle hat bei Dir ein großes Gewicht. Das kann ich nicht so recht nachvollziehen. Warum gibst Du diesen Leuten so ein großes Gewicht gegenüber den vielen anderen Leuten mit vielen anderen Meinungen?

Du machst Dir viele Gedanken und stellst viele Fragen, wo für mich nicht recht klar ist, warum es Dir so wichtig ist.

Sna5ldo


Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt.

Oh, ja, sehr gut sogar.

Aber glaub mir, das ist normal - also sich zu fragen, ob man nicht doch normal ist, obwohl alle anderen sagen, man sei nicht normal. sorry für das umständliche Ausdrücken...

Deine Psyche (oder dein Unterbewusstsein, nimm es wie Du willst) versucht dich mit Macht dort zu behalten, wo Du dich auskennst. Eigentlich hast Du Angst davor, deine Zone zu verlassen, auch wenn Du schon irgendwo weißt, dass es nicht richtig ist. Und jetzt suchst Du dir jede Menge Argumente zusammen, die dich darin bestätigen sollen, dass die erste Version in Ordnung ist. Und alle anderen blendest Du aus.

Sie sagen

Die Menschen in der Beratungsstelle haben gesagt, dass das so einfach nicht werden wird und dass da eine Therapie schon sinnvoll sei und dass ich irgendwann auch wieder ganz normal leben kann und die Welt viel farbenfroher sehe, wenn ich mich denn wirklich darauf einlasse.

Denkst Du, das kann stimmen oder lügen die dich an? Wissen die, wovon sie reden? Ist deren Meinung vielleicht eingefärbt, kannst Du ihnen trauen?

B\raunaEuge


Und dann stehen da natürlich auch noch die Fragen, die ich mir selbst stelle im Raum: Ab wann ist es denn schon nicht mehr normal? Wer definiert das?

Früher hat man ja viel in normal und nicht normal (irre) geteilt. Und Irre kamen in Verwahranstalten.

Heute gibt man diese Freiheit weitgehend dem Menschen selbst: er bestimmt für sich, ob er mit seinem Verhalten und Leben in der Gesellschaft und für sich klarkommt oder ob er für sich ein Leiden wahrnimmt. Meist dann, wenn er aus einer bestimmten Situation keinen gedanklichen Ausweg sieht. Eine Ausnahme gibt es: Menschen, die aus eigenen Stück ihr Leben beenden wollen. Dies gilt als nicht vereinbar mit unserer Vorstellung von persönlicher Freiheit und man weist Menschen nach Suizidversuchen zwangsweise in die Psychotherapie ein.

Manchmal habe ich Angst, dass ich mich total lächerlich machen werde, weil man zu mir sagen wird, dass das der ganz normale Alltag eines Studierenden ist, den ich hier lebe. Ich selbst sehe das ja überhaupt nicht

Dann reicht diese Begründung auch. Du hast damit ein Problem. Ob 1000 andere das in einer vergleichbaren Situation nicht haben, ist dann egal, die leben ihr Leben. Um die geht es nicht. Das ist wie bei Trennungspartnern: ja, ganz viele stecken das weg und sie sind zwar z.B. traurig aber sie kommen von selbst wieder raus nach einer Zeit. Sie kommen wieder klar mit ihrem Leben, finden Lebensfreunde. Und andere benötigen in dieser Zeit psychotherapeutische Hilfe. Ein Psychotherapeut ist nicht dazu da, dir zu erklären, dass deine Probleme objektiv keine wären. Sondern er versucht sich in deine Gedanken- und Gefühlswelt (Die Angst, sich lächerlich zu machen, ist eines davon.) reinzuversetzen.

mCoand +sterrne


Und dann stehen da natürlich auch noch die Fragen, die ich mir selbst stelle im Raum: Ab wann ist es denn schon nicht mehr normal?

Wie beantwortest Du Dir diese Frage? Interessiert Dich meine Antwort?

Die Menschen in der Beratungsstelle haben gesagt, dass das so einfach nicht werden wird und dass da eine Therapie schon sinnvoll sei und dass ich irgendwann auch wieder ganz normal leben kann und die Welt viel farbenfroher sehe, wenn ich mich denn wirklich darauf einlasse.

"Machen Sie eine Verhaltenstherapie und sie werden die Welt wieder farbenfroher sehen", diesem rosaroten Werbeversprechen würde ich nicht trauen. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist die passende Ausrede auch schon parat: "Sie haben sich nicht wirklich darauf eingelassen."

Anders gesagt: Am Anfang einer erfolgversprechenden Therapie steht ein klarer therapeutischer Auftrag. Eine Erfolgsgarantie gibt es dennoch nicht.

FBlying wi,thou,t& winxgs


Hallo Leute,

danke für eure Beiträge. Ich habe alles gelesen und werde das auch noch kommentieren, aber heute bin ich wirklich platt und ein bisschen neben mir.

m=on{d+s.terne


Na dann mal gute Nacht. ;-) *:) zzz

SHald9o


"Sie haben sich nicht wirklich darauf eingelassen."

Warum soll das eine Ausrede sein? Jede Therapie ist nur so gut wie der Therapierte es zulässt. Warum schreiben denn soviele hier: "Habe ich gemacht, hat mir nichts gebracht!"? Weil sie es nur als Feigenblatt benutzt haben, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Wirklich ändern wollten sie nichts, weil die Änderung ihnen viel mehr weh getan hätte als der momentane Zustand, der zwar auch Sche***e ist, aber wenigstens gewohnt.

s@chnecke(1F98x5


"Machen Sie eine Verhaltenstherapie und sie werden die Welt wieder farbenfroher sehen", diesem rosaroten Werbeversprechen würde ich nicht trauen. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist die passende Ausrede auch schon parat: "Sie haben sich nicht wirklich darauf eingelassen."

Sorry, aber das ist Käse. Keine medizinische Behandlung hat hundertprozentige Erfolgsaussichten – bei einer Blinddarm-OP kann man auch sterben, wenns blöd läuft. Und bei einer Therapie hängt der Erfolg nun mal maßgeblich auch vom Patienten ab. Die "Komfortzone" zu verlassen (auch wenn sie eigentlich nicht komfortabel ist) ist nunmal anstrengend und beinhaltet auch jede Menge über-den-Schatten-springen und Überwindung. Außerdem gibt es so viele Ansätze in der Psychotherapie und jeder Therapeut ist für sich auch ein Unikum. Da geht man halt nicht mal eben hin und ist rundumerneuert – mitunter muss man lange nach der passenden Therapieform bzw. Therapeuten suchen, dabei muss der Patient aber auch aktiv und willig sein, sich auf diesen (langwierigen) Weg einzulassen.

@ Flying without wings

Du fragst dich ja die ganze Zeit, ob du "normal" bist. Ich definiere hier mal, wo für mich psychische Krankheit anfängt, vielleicht hilft dir der Ansatz weiter: Psychische Krankheit beginnt da, wo der Mensch einen Leidensdruck über längere Zeit verspürt. Manche gehen zum Psychologen, weil sie Prüfungsangst haben, andere weil sie sich in ihrer Beziehung unwohl fühlen, wieder andere weil sie eine Meinung zu einem Jobwechsel brauchen ect.pp. Die Anlässe können also durchaus "nichtig" sein, für diese Menschen bedeuten diese Themen aber Leidensdruck.

Mir hat übrigens dieses Forum maßgeblich dabei geholfen, den Schritt in die Therapie zu wagen. Es war nicht alles toll, manche Ansätze haben mir gar nichts gebracht, andere dafür umso mehr. Nachdem ich die "passende" Therapeutin hatte, war ich ca. ein halbes Jahr dort in Behandlung in bin seitdem wieder relativ stabil und autonom. Insgesamt hat dieser Prozess des Suchens und der Therapie bei mir ca. 2,5 Jahre gedauert.

m.ond+Bstexrne


@ saldo

Warum soll das eine Ausrede sein?

Weil man das hinterher immer sagen kann. Viel schlimmer noch: All die bösen Unterstellungen, die Du den Menschen machst, denen es nichts gebracht hat, kann man auch immer machen. Denn wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Deshalb rate ich zu großer Vorsicht, bevor man sich auf das Abenteuer Therapie einlässt.

@ Schnecke1985

Ich stimme Dir in allem zu, was Du zu meinem Beitrag schreibst. Nur, warum Du es als Käse bezeichnest, verstehe ich nicht. ":/

***

Für Dich war Therapie ein Wagnis, auf das Du Dich erstmal einlassen musstest. Du brauchtest dafür die Unterstützung aus diesem Forum. Bei mir war das ganz anders. Ich wollte unbedingt wieder gesund werden. Deshalb habe ich mich vielleicht etwas leichtfertig auf therapeutische Angebote eingelassen.

s'chn`eckeV1985


@ mond

Sorry, da hatte ich deinen Beitrag wohl etwas falsch – nämlich therapiefeindlich – verstanden. Ich wollte übrigens auch gesund werden, mir war nur lange nicht klar, ob ich "krank" genug für eine Therapie bin. Ob ich überhaupt krank bin. So ähnlich wie flying without wings hier hadert, habe auch ich lange gehadert. Denn es kommt natürlich niemand im realen Leben daher und sagt dir: "Mädel, du hast einen Schuss, geh zum Therapeuten!". Hier im Forum hat dann ein User darauf hingewiesen, dass mein Fühlen und Denken weitab vom gesunden Zustand war – und recht hatte er.

Meine Erfahrungen decken sich wohl auch mit deinen, in gewissen Punkten. Mir wurde auch vieles angeraten und angetragen, wo ich skeptisch war. Es hat lange gebraucht, meinem Gefühl zu vertrauen, meine Bedürfnisse einzusehen und dann "Nein!" zu gewissen Ansätzen zu sagen, wo ich einfach schon wusste, dass es nicht die Art war, auf welche ich meine Probleme lösen konnte.

In kleineren Entscheidungen habe ich dem ärztlichen Rat vertraut und einfach mal ausprobiert (z.B. Gruppentherapie – ging für mich gar nicht), bei anderen habe ich auf mein Gefühl gehört (pro / kontra Klinik). Es ist einfach ein sehr langer Weg, um die eingefahrenen Verhaltens- und Denkmuster aufzuweichen und auch sehr eine Frage des Timings – in bestimmten Phasen meiner Reise brauchte ich andere Therapien, um mich ausdrücken zu können (Maltherapie z.B.). Ja, ich sehe die therapeutische Erfahrung als Reise, langwierig, manchmal sehr beschwerlich, aber auch mit vielen schönen Momenten.

Mit meinem Post habe ich versucht, Flying without wings da abzuholen, wo sie gerade steht: Nämlich erst in der Entscheidungsphase, ob sich diese Reise für sich lohnt. Das erinnert mich etwas an einen Bungee-Sprung, das Vertrauen ins Seil muss da sein. Wie die Erfahrung an sich abläuft, da gibt es geteilte Meinungen.

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