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Selbstverletzung im Erwachsenenalter- Meinungen gefragt

mlorgentau,imelxfenxland


Kann mir nochmal jemand etwas zu den Unterschieden bei Reaktionen von Müttern und Vätern in Bezug auf die Entdeckung des SSV schreiben? Habt ihr da in eurem Berufsumfeld spezielle Erfahrungen gemacht/ Dinge gehört?

N.elxa


Habt ihr da in eurem Berufsumfeld spezielle Erfahrungen gemacht/ Dinge gehört?

Möchtest du nur Erfahrungen haben von den "Professionellen" oder auch von den SVVlern?

WoaterLlix2


Ich denke manchmal, Jugendliche machen das oft und es steckt dann doch nicht so viel dahinter. Also ich habe es zwischen 15 und 17 ca. gemacht, hatte aber einfach viel Stress und wurde gemobbt, hab es aber schnell wieder gelassen und würde daher sagen, dass da jetzt keine "psychische Störung" dahintersteckt, sondern es eine psychisch schwierige Phase war, mehr nicht. Vielleicht war es auch einfach nur Neugier...

Im höheren Alter kann es ja vielleicht auch solche Phasen geben? ":/ Ich denk aber mal eher, dass dann oft doch eine Störung vorliegt, weil viele Störungen sich halt auch so ab 20 erst wirklich zeigen. Also wer vorher aufhört, bei dem ist es vielleicht manchmal eine Phase oder Neugier gewesen und wer mit 25 noch nicht aufhört, der ist wahrscheinlich wirklich ernsthaft erkrankt.

Ich persönlich denke überhaupt nicht mehr über SVV nach, ich finde es heute einfach schwachsinnig und schäme mich dafür, dass aus Neugier oder so damals gemacht zu haben und wünsche mir, ich hätte mein Problem so gelöst, wie man es richtig macht. Z.B. durch eine Anzeige gegen die Mobber wegen Beleidigung, Bedrohung usw.

Heute neige ich generell mehr dazu, andere zu "verletzen", indem ich ihnen teilweise in nicht netten Worten mal richtig die Meinung geige oder auch mal ordentlich rumschreie ;-), statt durch SVV irgendeinen Druck abzulassen. Ich denke manchmal, dass ich selber es nicht verdient habe, mir zu schaden, sondern dass es manchmal andere verdient haben, wenn sie meine Grenzen permanent niederrennen und denen lasse ich es dann auch angedeihen und finde das auch irgendwie "gesund". :)

Bei mir wurde also gar nichts schlimmer mit der SVV, ich löse die Probleme inzwischen völlig anders, da ich eben jetzt "erwachsen" bin und kein hilfloses Kind mehr. Ich MUSS eben nicht mehr zur Schule gehen, sondern kann mich dem auch entziehen, wenn ich gemobbt werde. Oder ich bin eben nicht mehr auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen und am A..., wenn die versagen, sondern kann mir selber helfen, weil ich inzwischen das nötige Wissen habe, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt. Ich spüre einfach keine solche Ausweglosigkeit mehr, wie damals... Wenn ich innere Unruhe und Druck spüre (kommt selten vor, aber kommt auch heute noch vor), dann suche ich andere Wege der Entspannung: Sport, einen Spaziergang, Luftboxen, pflanzliche "Beruhigungsmittel" etc.

A/naQkinx91


Wie sind eure Erfahrungen?

Ich bin Krankenpfleger und habe einige Zeit in der Psychiatrie gearbeitet und auf dieser Station waren sehr viele Patienten mit SVV. Nachwievor überwiegend Frauen und viele von denen waren bereits Ende 20 und auch über 30. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich auch nicht geglaubt das es in dem Alter noch so verbreitet oder ausgeprägt ist.

J_ulexy


Was ich auch beobachtet habe ist, dass sich Erwachsene heftiger verletzen als jugendliche. Natürlich nicht alle, aber ich selbst kenne wenige jugendliche die ständig genäht werden müssen aber viele Erwachsene (mich bis vor nem halben Jahr inbegriffen, in meiner Jugend habe ich mich nur oberflächlich bzw auf andere Arten verletzt).

Und es gibt auch viele Männer die sich selbst verletzen, nur bekommt man das nicht so mit. Hab neulich das Buch "Knast" gelesen, da stand viel drin über Insassen mit SVV. Ich kenne auch selber einige männer die das tun. Die Dunkelziffer ist höher als man denkt glaube ich.

A=nakVinx91


Und es gibt auch viele Männer die sich selbst verletzen, nur bekommt man das nicht so mit. Hab neulich das Buch "Knast" gelesen, da stand viel drin über Insassen mit SVV. Ich kenne auch selber einige männer die das tun. Die Dunkelziffer ist höher als man denkt glaube ich.

Bei Männern bekommt man es nicht so direkt mit weil sie es meist nicht so offensichtlich machen wie Frauen. Während Frauen sich meisten schneiden oder brennen schlagen Männer ihre Köpfe oder Fäuste gegen die Wand bis es blutet oder gehen in ne Bar, suchen sich den größten Gorilla aus und provozieren eine Schlägerei um von ihm ordentlich zu kassieren.

Gibt aber auch viele Männer die sich mit der Klinge verletzen. Aber generell überwiegen da nachwievor die Frauen.

J`unley


Ich hab auch mal gehört, dass es weitaus mehr Männer mit borderline gibt als man glaubt, nur kriegt man das nicht mit weil sie sich entweder nicht behandeln lassen oder im Knast sitzen... Weil sie ihre Aggros an anderen auslassen.

aVugx233


Juley, was hat die Anmerkung zu Männern und Borderline-Syndrom mit der Fragestellung zu tun? Der Begriff "Borderline" wird inzwischen unzulässig inflationär verwendet; dazu können die Menschen selten alle Merkmale aufzählen die erfüllt sein müssen, ehe diese Bezeichnung verwendet werden darf.

JXulxey


Ich weiß dass BL nicht nur Ritzen ist falls du darauf hinaus willst. Ich kann dir gerne die 9 Diagnosekriterien aufzählen und erläutern wenn du möchtest, das haben wir in der DBT-Basisgruppe ausführlich besprochen ;-)

N\urari3hxyon


Ich finde es auch ermüdend, autoaggressive Handlungen so schnell an eine Borderlinepersönlichkeitsstörung zu knüpfen. Überhaupt halte ich Borderline als Diagnose für überholt. Borderline darf man nicht als einzelne Erkrankung sehen. BL zeichnet sich gerade dadurch aus, dass dutzende verschiedenen Symptomatiken da mit reinspielen können, oder eben auch nicht. Schwierig, und gefährlich, wird es dann, wenn sich Symptome mit denen anderer Krankheitsbilder überschneiden. BL ist nicht anhand einiger Symptome zu diagnostizieren. Von, sagen wir mal, 10 Menschen mit gleicher bis ähnlicher Symptomatik kann auch nur einer, oder keiner, oder auch 5, an BL erkrankt sein.

Leider wurde BL in den letzten 15 Jahren mehr und mehr zur Modeerkrankung, wodurch viele schnell diesen Stempel hatten.

Aber darum ging es ja ursprünglich gar nicht.

In meiner Jugend haben wir uns teilsweise selbst verletzt, weil es cool war. Man wollte zeigen, was man aushalten kann. Das war in der Regel harmlos und hatte keinen (oder nur wenig) psychische Ursachen, wenn man vom Gruppenzwang mal absieht.

Manche verletzen sich selbst sehr offensichtlich, um damit Aufmerksamkeit zu erregen. Mit steigernder Aufmerksamkeit scheint das autoaggressive Verhalten gleichermaßen nachzulassen.

Manche verletzen sich selbst, weil sie sich emotional wie tot fühlen. Bei dieser Art der SVV scheint es primär um körperlichen Schmerz zu gehen und das ausüben von Kontrolle über den Körper.

Manche verletzten sich, weil sie damit Druck abbauen können, der anders nicht zu kanalisieren ist. Dabei kann der Schmerz eine Rolle spielen, das Gefühl von fließendem Blut oder anderes, das ist sehr verschieden.

Manche wollen sich bestrafen und versuchen sich sichtbar zu "verstümmeln", so das Narben zurück bleiben. Ein Wunsch nach Aufmerksamkeit geht damit nicht zwangsläufig einher.

Überhaupt sollte man von dem Bild des ritzendes Teenagers Abstand nehmen, denn es gibt viele Arten, sich selbst zu verletzen, und Rasierklingen sind nur eine Methode.

Ich schließe mich desweiteren Sunflower an in der Aussage, dass die SVV in der Jugend beginnen kann, mit ihr aber nicht zwangsläufig endet. Da spielen sehr sehr viele Dinge eine Rolle und so mancher.

Manche Krankheiten können, müssen sich aber nicht, mit dem Alter auswachsen. Umgekehrt verschlimmern sich manche mit der Erwachsenwerden gar drastisch, chronifizieren und/oder drücken sich auf eine andere Art aus.

Das Thema SVV könnte sicherlich gleich mehrere Bachelorarbeiten füllen und es gäbe immernoch Dinge, die unerwähnt blieben.

WÜnsche dir viel Glück :)

ayug2h33


Dem Eingangssatz von @Nurarihyon bezüglich Borderline schließe ich mich an.

Psychotherapeuten und Ärzte im Psychotherapiebereich wägen lange ab, bis sie die Diagnose nach dem ICD 10 mit der Bezeichnung: F60.31 – Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ als gesicherte Diagnose in ihren Unterlagen vermerken und dies auch gegenüber der Umwelt, also der Krankenkasse, entsprechend vertreten.

Es ist nach meiner Ansicht traurig, dass sich manche Menschen als "Borderliner" bezeichnen.

JPulexy


Wie sollen sie sich sonst bezeichnen??

Und ja, im Idealfall läuft es so wie du schreibst, bei mir z. B. hat es lange gedauert bis ich die Diagnose bekommen habe, aber ich habe auch anderes erlebt.

(Sorry an die TE für Off Topic)

M@ilchsXchngittex85


ich habe mir auch 1 x in meinem unterarm geritzt. bis heute habe ich dort die narben und jedes mal wenn ich mich jemand darauf anspricht schäme ich mich zutiefst weil es überhaupt nicht meinen naturell entspricht.

ich bin ein lebensfroher, optimistischer sehr lustiger mensch und ich liebe mich selbst.

warum ich das damals gemacht habe, es war modern %-| |-o in meiner klasse machten das so viele, brennten sich mit heißen feuerzeugen narben in die haut und die wurden dann stolz herum gezeigt. tja und ich wollte halt dazu gehören(damals mit 16).

als ich es machte, empfand ich nur schmerz und fand es abartig, habe es nie wieder gemacht. meine mama hat die narben gesehen aber damals nichts dazu gesagt. Gott sei Dank |-o

die narben sind nicht groß oder gar total auffällig aber wenn man genau hinsieht erkennt man sie schon, ich sage dann immer das mich meine katze so gekratzt hat und dabei laufe ich hochrot an |-o

etwas was ich wirklich in meinem leben bereue....

M}mefDoxute


Die Frage ist eben: Was ist SVV eigentlich? Sprechen wir "nur" von den klassischen Ritzern oder Burnern (Verbrennungen), oder sprechen wir vom breiten Spektrum des sich Verletzens jedweder Art? Zwischen dem 12. und dem 19. Lebensjahr verletzte ich meine Haut immer wieder stark.

In den letzten Jahren (19. – 26. Lebensjahr) war "mein SVV" eher promiskuitives Verhalten, das eigentlich ähnlich "funktioniert" wie SVV: Man quält sich absichtlich mit etwas, in meinem Falle wahlloser Sex mit respektlosen Partnern. Ich fühlte mich danach erleichtert, wie ausgeblutet.

Heute gehe ich auf die Ende 20 zu und habe keinerlei Drang mehr, mich zu verletzen.

Übrigens:

Einerseits lese ich davon, dass Ritzen oder Schneiden eher für das Jugendalter typisch ist, andererseits begegnenn mir auch Statistiken, die besagen, dass es auch im höheren Alter auftritt. Im Prinzip lese ich überall verschiedenes.

.. das widerspricht sich gar nicht. Es gibt Phänomene, die bei bestimmten Bedingungen typisch sind (hier: bei Jugendlichen) und gleichzeitig unter anderen Umständen ebenfalls vorkommen können (hier: Bei Erwachsenen). Oder vereinfacht: Es ist stereotypisch, dass Männer sich vermehrt für Technik interessieren, es gibt aber durchaus auch Frauen, die das tun. Ich würde also sagen: Ich vermute, dass das SVV im Jugendalter deutlich gehäufter auftritt als im späteren Alter. Dennoch gibt es auch unter den Erwachsenen viele, die SVV betreiben.

Und wie ich oben schon anmerkte: Man muss SVV definieren, ehe man eine wirklich treffende Aussage über die Altersverteilung macht. Vieles, was Erwachsene tun, hat das Motiv der Selbstverletzung, auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht.

a[ugZ233


Juley, es mag zwar sein, dass "Borderliner" irgendwann in unserer Gesellschaft so selbstverständlich sind wie andere Gruppen, die sich durch ein Merkmal von anderen unterscheiden, so wie man nach 1945 ohne einen diskriminierenden Gedanken von den Kriegsversehrten sprach und dieser Begriff seinen festen Platz in der Alltagssprache hatte. Allerdings konnten sich die Menschen darunter etwas vorstellen. Das sehe ich bei dem Begriff "Borderliner" nicht so. Wer im Arbeitsleben einen verlässlichen Mitarbeiter sucht, der wählt entsprechend aus.

Ich denke es ist ein Unterschied, ob man um sein Problem weiß und damit gut, oder ob man dies wie ein Aushängeschild vor sich her trägt – dies meinte ich.

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