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Lang dauernde Krankheit als Ausrede für Psychiatrie-Aufenthalt?

SImara|gdaugxe


Um ehrlich zu sein bin ich schon sehr überrascht über den Rat von vielen hier, unbedingt bei der Wahrheit zu bleiben, man müsse zu einer psychischen Erkrankung stehen, diese nicht verheimlichen. Aber aus der Ferne lässt sich sowas echt leicht sagen. Ich glaube nicht, dass ich das meinem Kind antun würde, dass all ihre Mitschüler erfahren, dass sie in der Psychiatrie war! Kinder können verdammt grausam sein! Jeder, der in seiner Schulzeit gemobbt wurde weiß das und auch, dass ein Psyhiatrie-Aufenthalt ein gefundenes Fressen für alle Mobber ist! Da kann der Lehrer noch so verständnisvoll darüber sprechen in einer ernsten Runde mit der ganzen Klasse - der Lehrer ist aber außerhalb der Schulstunde, wenn der Betreffende fertig gemacht wird, nicht dabei. Und Mobbing ist nicht gerade förderlich für psychische Erkrankungen aller Art.

Das ist schon richtig, einfacher wird es dadurch nicht.

Nur: Was für ein Signal setze ich, wenn ich mit meinem Kind zusammen eine Erkrankung, die nun mal Tatsache ist, verheimliche und Lügen erfinde?

Damit zeige ich meinem Kind doch ganz eindeutig, dass das etwas Schlechtes ist, etwas, was man nicht zu haben hat, etwas, was tabuisiert werden muss. Und wenn es dann raus kommt, und da muss sich nur mal jemand verquatschen, dann geht das gewaltig nach hinten los und das Kind ist nicht im geringsten dagegen gewappnet.

Zum einen denke ich, dass ein Kind, was für längere Zeit in die Psychiatrie muss, bereits in irgendeiner Weise "auffällig" (das meine ich nicht böse) gewesen sein muss und die Mitschüler nicht blind oder blöd sind. Zum anderen macht einen Menschen nichts stärker, als wenn er zu sich selbst stehen kann. Und das kann man als Kind nicht früh genug lernen, das Leben später wird nicht einfacher.

JculNey


:)^ Smaragdauge

Da bin ich ganz deiner Meinung :)=

LdilaoLinxa


Zum anderen macht einen Menschen nichts stärker, als wenn er zu sich selbst stehen kann.

Das mag sein, aber: Wenn dieser Mensch eh auf unsicheren Beinen steht und psychisch krank ist, kann der Schuss mit der Ehrlichkeit und dem Zu-Sich-Selbst stehen sehr schnell nach hinten los gehen.

Habe ich selber so erlebt. Und daher wäre mein Rat, gemeinsam mit der Tochter etwas überlegen, was man den Klassenkameraden sagt.

icrgenHdwiYe_andxers


Damit zeige ich meinem Kind doch ganz eindeutig, dass das etwas Schlechtes ist, etwas, was man nicht zu haben hat, etwas, was tabuisiert werden muss. Und wenn es dann raus kommt, und da muss sich nur mal jemand verquatschen, dann geht das gewaltig nach hinten los und das Kind ist nicht im geringsten dagegen gewappnet.

Ich verstehe wie du das meinst, ich stimme dir ja eigentlich auch zu, nur sehe ich halt, dass ein Kind mit der Wahrheit über einen Psychiatrie-Aufenthalt wahrscheinlich eher Nachteile in der Schule haben wird und diese wiegen für mich in erster Linie stärker als eine freie Persönlichkeitsentfaltung und Charakterstärke.

Das ist schön, wenn man mit dem Kind sprechen kann und ihm klar machen kann, dass eine psychische Erkrankung nichts ist, wofür man sich in irgend einer Weise schämen muss. Trotzdem wird das dann in der Schule immer haften bleiben: "Das ist doch die, die in der Klappse war." Von Kindern/Jugendlichen kann man nicht unbedingt erwarten, dass sie mit einer solchen Thematik sachlich umgehen.

Eigentlich mag ich gar keine Menschen, die immer so mit dem Strom schwimmen, sondern mich faszinieren eigentlich immer die charakterstarken, die zu ihren Verhaltensmustern stehen und nicht der Menge hinterherlaufen - bei Erwachsenen.

Nur, ich finde, in der Schule ist so eine Haltung eher problematisch. In der Schule, also insbesondere in der Klassengemeinschaft, wird man es am leichtesten haben, wenn man sich einfach den anderen anpasst und so wenig auffällt wie möglich.

Die Möglichkeit zur freien Persönlichkeitsentfaltung gibt es auch noch nach der Schulzeit!

Und glaubt mir, was "auffallen" innerhalb der Klassengemeinschaft und systematisch terrorisiert werden in der Schule angeht, da weiß ich ganz genau wovon ich rede!

N+anniE77


Aber leider wird sich das Verhalten auch nie ändern wenn keiner zugibt psychisch krank zu sein. Auch Kinder und Jugendliche können und müssen das lernen.

Sonst bleibt es ja immer Tabu und sozusagen ein Teufelskreis.

h)ag- tysxja


ich kann den einwand schon verstehen. wer will schon gern "die irre" sein?

nur stellt sich mir die frage, wie man einen aufenthalt über so lange zeit vertuschen soll.

freunde können über 8 monate nicht zu besuche, weil? zu weit weg, ansteckend, zu schlimmer anblick?

hinterher keine einzige narbe, weil? keine op erforderlich war?

was hatte das kind? "sag ich nicht" zählt da nicht, weil sie so oder so aufmerksamkeit erregt und sagt man nix, wird eh wild spekuliert und die gerüchteküche brodelt (na wenn die mal nicht schwanger war....)

und ich denke weiterhin: eine so lange stationäre therapie hat eine vorgeschichte, eine auffälligkeit. sei sie nun optisch klar erkannbar (magersucht z. b.) oder im verhalten. wenn das kind nicht grad in der grundschule ist, wird sie also vermutlich vorher schon aufgefallen sein.

und in diesem fall kann ich mir echt nicht vorstellen, dass so ein lügenkonstrukt gehalten werden kann. woher kommen die ganzen antworten auf die neugierigen fragen danach? wenn sie ewig schweigt, wird eben "die wahrheit" erfunden.

und wenn es rauskommt durch einen zufall (jemand kennt jemanden, der jemanden kennt), wird das dadurch nicht leichter.

daher denke ich weiterhin: man muss ja nicht gleich in die vollen gehen mit "sie ist in der geschlossenen und darf da eine weile nicht raus.". aber ein erfinden einer krankheit wird das ganze nicht einfacher machen.

S^maragWda?uge


Sagen wir mal so: Das Verschweigen ist die eine Sache, aber ein Lügenkonstrukt daraus bauen, das finde ich wirklich schwierig. Lügen kostet ziemlich viel Kraft.

Das ist schön, wenn man mit dem Kind sprechen kann und ihm klar machen kann, dass eine psychische Erkrankung nichts ist, wofür man sich in irgend einer Weise schämen muss.

... und dann im gleichen Atemzug dem Kind eintrichtern, das ja nie zu erwähnen? Das sind doch zwei völlig verschiedene Signale: Es ist nichts Schlimmes, aber sag's bloß niemandem, sonst bist du unten durch...

Trotzdem wird das dann in der Schule immer haften bleiben: "Das ist doch die, die in der Klappse war."

Naja, im Prinzip IST es doch auch so. Indem man daraus ein Tabu macht, hält man dieses Image auch immer schön hoch. Außerdem begibt man sich damit in eine Opferhaltung.

Von Kindern/Jugendlichen kann man nicht unbedingt erwarten, dass sie mit einer solchen Thematik sachlich umgehen.

Das stimmt auch. Sicherlich kommt es aufs Alter an, aber es gibt in allen Altersstufen Idioten. Damit muß man lernen fertigzuwerden, dass es immer ein paar Idioten gibt, auf deren Meinung man nichts geben sollte.

Wenn dieser Mensch eh auf unsicheren Beinen steht und psychisch krank ist, kann der Schuss mit der Ehrlichkeit und dem Zu-Sich-Selbst stehen sehr schnell nach hinten los gehen.

Stimmt, wobei es sicherlich noch auf die Art der psychischen Erkrankung geht. Und darum, wie die Eltern dazu stehen. Ich glaube, ich z.B. hätte damals in der Schulzeit sehr viel weniger Schaden davongetragen, wenn meine Eltern hinter mir gestanden hätten. Haben sie aber absolut nicht - und ich glaube, das wiegt viel schwerer als das, was andere Kinder sagen.

Wie auch immer, ich glaube, dass in einer Therapie nie dazu geraten wird, bei problematischen Dingen zu lügen.

kqleinXert_drac]henstezrn


Ich finde das Thema sehr schwierig! Erwachsenen wird ja z.B. auch sehr oft geraten, Krankheiten z.B. bei Vorstellungsgesprächen nicht zu erwähnen (es gibt ja extra Gesetze, dass man das nicht muss, außer man darf einen Beruf explizit wegen der Krankheit nicht ausüben), von daher würde ich den Mitschülern das auch nicht s aufs Auge drücken wollen, dass ich in der "Klappse" war.Gerade im digitalen Mobbingzeitalter sehe ich den Shitstorm schon regelrecht vor mir....

Sie ist einfach länger krank und muss auf Kur. Niemand ist verpflichtet zu sagen, was es ist! Ich kenne z.B. einige Leute mit meinem Krankheitsbild (chronisch entzündliche Darmerkrankung), die auch ihre Krankheit verschweigen, weil es Ihnen peinlich ist, weil Ausscheidungen ein gesellschaftliches Tabu sind. Psychische Krankheiten aber auch.

Je nach Alter würde ich sie selber entsscheiden lassen, wen sie einweiht und wen nicht. Z.B. die beste Freundin, die Klassenlehrerin etc., aber der ganzen Klasse würde ich das wirklich nicht erzählen. Und das hat in meinen Augen auch nichts damit zu tun, dass man dem Mädchen suggeriert, dass es sich für etwas "schämen" muss, sondern nur mit Datenschutz. *:)

Ihn-Kog cNito


ich habe leider einige psychisch erkrankte in der familie gehabt/immer noch.

und das mit dem vertuschen...

da habe ich echt schlechte erfahrungen gemacht.

beispielsweise hat sich jemand umgebracht und die erwachsenen kids sind aus allen wolken gefallen,

weil sowohl der betroffene als auch sein ehepartner jahrelang über den tatsächlichen zustand und die vorigen suzizid-versuche geschwiegen haben....

auch haben die außenstehenden so viel blockiert, weil es immer hieß:

das schaffst du schon,

obwohl längst krankenhaus angesagt war.

und der arme ehepartner hat dann vor angst kaum arbeiten können, weil er nicht wußte,

was zuhause los ist..

und noch so einige fälle....

lieber offen und ehrlich,

das hilft nebenbei auch anderen betroffenen, wenn es immer "normaler" wird, dass jmd. in die psychiatrie geht.

Sbchl)itzaxuge67


Das ist schön, wenn man mit dem Kind sprechen kann und ihm klar machen kann, dass eine psychische Erkrankung nichts ist, wofür man sich in irgend einer Weise schämen muss. Trotzdem wird das dann in der Schule immer haften bleiben: "Das ist doch die, die in der Klappse war." Von Kindern/Jugendlichen kann man nicht unbedingt erwarten, dass sie mit einer solchen Thematik sachlich umgehen.

Mit diesen Menschen in der Schule ist man begrenzte Zeit zusammen. Man selbst wird vielleicht 95. Ob es dann nicht völlig pillepalle ist, welche Wildsau sich während der Schulzeit an einer Eiche schabt?

TVest#ralxe


Sag doch einfach sie ist krank und braucht einfach Zeit und Ruhe um wieder Gesund zu werden, Sag das mit Selbstbewussten Ton und in einer Art von Endgülltigkeit, dann wird auch keiner Fragen!!!

k6leiner_Ydr[achenpstern


Mit diesen Menschen in der Schule ist man begrenzte Zeit zusammen. Man selbst wird vielleicht 95. Ob es dann nicht völlig pillepalle ist, welche Wildsau sich während der Schulzeit an einer Eiche schabt?

Das mag vielleicht bestenfalls im nachhinein betrachtet so sein, aber garantiert nicht während du mittendrin steckst! Nichtumsonst ist die Peergroup gerade bei Jugendlichen extrem wichtig, das gehört zum Entwicklungsprozess. Wenn dich aber nun gerade diese Gruppe fertig macht, hinterlässt das erwiesenermassen lebenslange Schäden. Mobbing in der Schule ist nach Liebeskummer der häuftigste Grund für Suizidversuche bei Jugendlichen, das sollte man nie vergessen!

E8ispföhtchqexn


Mit diesen Menschen in der Schule ist man begrenzte Zeit zusammen. Man selbst wird vielleicht 95. Ob es dann nicht völlig pillepalle ist, welche Wildsau sich während der Schulzeit an einer Eiche schabt?

Du hast keine Ahnung wovon du da eigentlich redest >:( :(v

E?ispfötQchen


Das ist schon richtig, einfacher wird es dadurch nicht.

Nur: Was für ein Signal setze ich, wenn ich mit meinem Kind zusammen eine Erkrankung, die nun mal Tatsache ist, verheimliche und Lügen erfinde?

Lieber ein solches Zeichen als ein Kind das nach der hochgelobten Ehrlichkeit in der Schule in einem eh schon recht heiklen Zustand gemobbt/gehänselt wird.

Wenn es stabil ist und es dann einer guten Freundin erzählen will dann ok!

Aber nicht jetzt nur weil sich irgendjemand einbildet die Welt muss normaler damit umgehen.

JYuClwey


Oh Mann... Ich kann irgendwie beide Seiten verstehen... Bin aber trotzdem für die ehrliche Schiene. Wenn die Kinder schon etwas älter sind sowieso. Denn ein Leben in einer Lüge ist (besonders für psychisch labile Menschen) auch nicht gerade einfach... Mich haben die Gerüchte damals sehr belastet (da war ich zwar schon 23 aber trotzdem...) Ich war froh als die Wahrheit endlich draußen war.

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