» »

Paranoide Schizophrenie - unsere Familie zerbricht daran

Ljy>nn}-undN-Algf hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr,

möchte es mir einfach von der Seele schreiben und hoffe, dass es hilft, das alles besser zu verarbeiten, da auch eine Psychotherapie nicht wirklich helfen konnte.

Mein 29jähriger Bruder hat sich vor 11 Monaten das Leben genommen. Er litt unter paranoider Schizophrenie. Er bedeutete mir so viel und er fehlt mir immer noch sehr. Manchmal komme ich gut damit zurecht, manchmal könnte ich vor Schmerz schreien.

Er war 12 Jahre jünger als ich und mein langersehnter Bruder, den ich mir ab meinem 6. Lebensjahr wünschte und immer auf meinem Wunschzettel stand. Als er dann da war, übernahm ich viel mit ihm. Wickelte ihn, gab ihm sein Fläschchen. Später brachte ich ihn in den Kindergarten und holte ihn wieder ab. Als er 6 Jahre alt war, gingen wir fast wöchentlich nach einem Einkaufsbummel, bei dem er immer eine Kleinigkeit von mir bekam, ins Kino. Später, bis vor 3 Jahren noch, gingen wir auch in die Disco.

Dann fing die Krankheit vor ca. drei Jahren an. Er wurde immer sonderbarer, distanzierte sich, wollte nicht mehr ausgehen. Alle Frauen wären sch... Er möchte nie Vater werden, da er keine Frau dazu möchte oder er Angst hat, dass es ihm oder ihr ähnlich sehen würde usw. Vorletztes Jahr kam er zum ersten mal in die Psychiatrie. Er bekam Medikamente und er blühte wieder auf. Doch letztes Jahr im Sommer der Rückschlag. Wieder Psychiatrie, in die er sich selber eingewiesen hatte (falls es stimmt). Er kam wieder raus, war aber nicht mehr der Bruder, den ich kannte. Er war sicher, dass ich und meine Kinder etwas gegen ihn planten, sah überall "männliche Genitalien" wie in Pfeilen oder Kerzen usw. Er riss das Bild, was mein Sohn gemalt hatte von der Wand, saß damit auf meinem Bett und starrte vor sich hin. Ich rief meine Mutter an, er war wie in einer anderen Welt. Später sah ich, dass es wegen einem Pfeil war, mein Sohn wollte damit anzeigen, dass er auf der Rückseite etwas geschrieben hatte. Es kam auch soweit, dass wir uns einschlossen, aus Angst vor ihm. Horrorfilme waren ihm nicht mehr brutal genug, es mussten Filme aus der Schweiz sein usw.

Er lachte, als ich ihm erzählte, dass ich meinen Sohn in der 24. SSW verloren habe. Als unser Nesthäkchen unterwegs war, bremste er mit dem Auto immer stark ab, damit der Gurt im Bauch spannen sollte usw.

Tja und vor 11 Monaten fanden wir ihn erhängt im Keller. Ich wollte ihn zurückholen, vergebens. Ich sehe heute noch das Bild vor mir. Nun droht unsere Familie daran zu zerbrechen.

Meine Mutter war schon immer speziell zu mir. Mein Bruder bedeutete von Anfang an alles für sie, ich war ihr mehr lästig. Sie macht mich psychisch fertig und lacht, wenn ich traurig werde. Dies ist nun noch schlimmer geworden und ich gehe ihr immer mehr aus dem Weg. Mein Vater ist schwer krank. Herzkrank, Asthma, Diabetiker, Prostatakrebs an der Grenze zur Bestrahlung usw. Nun hat meine Mutter mir erzählt, dass sie wieder Kontrollen gemacht hat, um zu sehen, ob er wieder verstärkt Alkohol trinkt und ja, in 2-3 Tagen hat er fast 3 Flaschen Schnaps, Sekt und Wein getrunken. Dazu das Bier, dass er immer bei seinen Brüdern trinkt. Ich wundere mich jeden Tag, dass er noch am Leben ist. Eine Therapie lehnen meine Eltern ab.

Was kann ich machen oder wie kann ich mich verhalten, dass es endlich besser wird? Ich bin nun schwanger und es macht mich fertig. Bin sowieso sehr sensibel und weiß bald nicht mehr weiter. Zu allen Sorgen kommt noch, dass ich im Januar eine Fehlgeburt hatte, im Juli erfahren habe, dass meine Tochter unter Epilepsie leidet und im August, dass meine Mutter an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist, sie wird aber wieder gesund, laut der Ärzte. Mein Vater hasst unser Ungeborenes und bekam einen Tobsuchtsanfall, als er erfahren hat, dass es dem Mini Menschlein nach einer Blutung doch gut geht. :-(

Lynn

Antworten
cxhi


Ganz ehrlich?! Was machst du da noch? Was hält dich bei diesen Menschen?! Sieh zu, dass du Land gewinnst und den Kontakt abbrichst, bevor du daran zerbrichst. Nur weil man blutsverwandt ist, bedeutet das nicht, dass man immer "eine Familie" sein muss.

S6marargUdauge


Um Himmelswillen - ich schließe mich meiner Vorrednerin an - sieh zu, dass Du dort wegkommst. Das ist alles so krank, denk an Dein Kind, soll das in so einer Umgebung aufwachsen? Da muß man ja Angst drum haben....

L=ynn-\und-xAlf


Ist das nicht zu einfach, meine Eltern, nachdem sie ihr Lieblingskind durch tragische Weise verloren haben, einfach links liegen zu lassen und nicht mehr zu besuchen? Ich bekomme das nicht fertig. ":/

cGhi


Dann sorge dafür, dass du es fertig bekommst. Du musst an deine Familie denken, damit meine ich deine Kinder. Deine Eltern sind schon alleine groß, die können sich um sich selbst kümmern, wenn sie es denn wollen. Aber deine Lütten, sprich deine Tochter und das Kind, das in deinem Bauch heranwächst, die sind auf dich angewiesen.

SPmar"agFdaugge


Du bekommst ein Kind. Was ist mit dem Vater, lebt ihr zusammen?

Wie auch immer, das ist jetzt Deine Familie, und die Familie, aus der Du kommst, scheint.... gelinde gesagt schwierig zu sein. Der Vater säuft, Deiner Mutter warst Du lästig, Dein Bruder hat sich erhängt... Möchtest Du dieses Umfeld Deinem Kind zumuten?

Deine Eltern brauchen Dich nicht. Aber Deine Kinder brauchen Dich. Auch wenn's bitter klingt, wenn Deine Eltern Dich bislang nicht geliebt haben, werden sie es niemals tun. Du kannst Dir ihre Liebe nicht verdienen, entweder man hat sie oder man hat sie nicht.

ich glaub, Du musst Dich entscheiden, so traurig das ist, wer Dir wichtiger ist: Deine Kinder oder Deine Eltern.

MZoyxi


ich glaub, Du musst Dich entscheiden, so traurig das ist, wer Dir wichtiger ist: Deine Kinder oder Deine Eltern.

Ja!

Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, warum dir das so schwer fällt :)_ . Ich glaube du hast ganz früh selbst Verantwortung für dich selbst, deinen Bruder und auch noch deine Eltern übernommen. Deine Eltern haben dich als ihr Kind, zur verantwortlichen Person gemacht, die für alle zuständig ist. Aber so ist das nicht richtig.

Nqand-ana


Ist das nicht zu einfach, meine Eltern, nachdem sie ihr Lieblingskind durch tragische Weise verloren haben, einfach links liegen zu lassen und nicht mehr zu besuchen?

Nicht nur deine Eltern haben ihr Lieblingskind verloren, sondern auch du hast deinen so sehr herbeigesehnten, geliebten und umsorgten kleinen Bruder verloren! In welcher Weise können dir deine Eltern, die offensichtlich beide mit körperlichen und seelischen Problemen belastet sind, Halt und Stütze in DEINER Trauer sein? Ich glaube, nicht viel.

Wenn du einen kompletten Kontaktabbruch nicht übers Herz bringst, dann halte die Besuche kurz und versuch, das gefühlsmäßig eher oberflächlich zu betrachten. Und glaub bitte nicht, du könntest durch Fürsorge deinen Eltern gegenüber die Position des Lieblingskindes erobern. Egal was du tust und für sie opferst, du wirst dadurch nicht mehr Liebe von deinen Eltern bekommen. Das muss dir einfach klar werden, so schmerzlich es auch ist.

Kümmere dich unbedingt darum, dass du mit deiner Trauer um deinen Bruder eine Anlaufstelle findest. Damit hilfst du indirekt auch deiner jetzigen Familie (Mann und Kinder). Es ist schlimm, einen geliebten kleinen Bruder zuerst an die Schizophrenie zu verlieren (ist das nicht auch ein "kleiner Tod"?), und dann durch Suizid. Deine Eltern flüchten sich in ihrem Schmerz in Sucht, Groll und ihre Krankheiten. Geh du mit deinem Schmerz einen anderen Weg, der DIR gut tut.

Lxynn7-un(d-xAlf


@ Smaragdauge,

wir führen noch eine Fernbeziehung, bis meine Großen Kinder im Sommer ihren Abschluss gemacht haben, dann ziehen wir zu ihm.

Ihr habt Recht, ich kann einfach nicht mehr. Heute kam meine Mutter kurz zu Besuch und verlangte mal wieder etwas von mir. Ich dachte einmal an mich und sagte, dass es heute nicht ginge, weil ich erkältet bin und auch Fieber habe. Ihre Antwort: Ich würde es selber machen, aber mir geht es nicht gut.

Dann ging sie wütend wieder. Das ging keine zwei Minuten. Ich hörte dann noch, wie sie den Kleinen anmeckerte und er weinte. Für die nächsten paar Wochen bleibt die Tür nun für diese Frau zu. Ich liege hier und weine. Bin am Ende mit meinen Nerven. Ich möchte sie erst wieder in einem Monat sehen, da hat der Zwerg Geburtstag. Bis dahin möchte ich nur eines: Abstand.

SFmara*gdauxge


Dann mach das doch so. Keiner zwingt Dich, ihr die Tür zu öffnen, keiner zwingt Dich, ans Telefon zu gehen wenn sie anruft. Wenn sie mit unterdrückter Rufnummer anruft, schalte einen AB dazwischen und warte ab, wer anruft.

Ganz ehrlich: Nur Du allein kannst die Situation ändern. Komm aus Deiner Opferrolle heraus, Du hast die Pflicht, Dich und Deine Kinder zu schützen.

Du wirst nie ihre Liebe haben, denn Du warst offensichtlich nicht das Kind, das sie gerne gehabt hat. Daran könnt ihr beide nichts ändern. Also lauf ihr nicht hinterher, sie hat Dir anscheinend nichts zu geben als Kummer und Leid.

Und wenn sie euch so schadet, würde ich mir auch überlegen, sie überhaupt zu dem Kindergeburtstag einzuladen. Denkst Du, Dein Kind hat Bock auf eine ätzende Oma und eine entnervte Mama? Der möchte ganz besonders an diesem Tag einen schönen Tag erleben und keinen Zoff, keinen Stress, keine Spannung zwischen Menschen.

Also, ich drücke Dir die Daumen, dass Du es bis zum Umzug, von Deiner Mutter zu distanzieren und Dich und Deine Kinder zu schützen.

rwoterymohxn


Ich kann mich nur dem schon gesagten vollkommen anschließen.

Deine Schilderung hat mich sehr bewegt und erzeugt eine tiefe Trauer, wie Eltern ihre Kinder behandeln können.

Du trägst nur die Verantwortung für DEINE Familie. Schütz Dich mit allem was geht, vor diesen Menschen. Sie tragen für sich die Verantwortung und nicht Du für sie.

Schütz Deine Kinder, Dein Ungeborenes, denn es spürt ja auch schon all das, was Du erlebst und fühlst. Da trägst Du Verantwortung.

Geh vielleicht zu einer Hospizgruppe( Überkonfessionell )bezüglich Deiner Trauer und deren Verarbeitung. Da findest Du menschliche Menschen, die Dich verstehen und Dir helfen können.

Ich wünsch Dir ganz viel Kraft und Mut, all das zu tun (Abstand und Distanz, am besten keinen Kontakt) was für Dich wichtig ist. :)* :)* :)* :)*

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH