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Psychisch kaputte Menschen

mcaumxa


@Kleio

Na da hast Du meine Frage ja schön auseinandergeplückt, ist aber o.K, und ich versuche Dir auch darauf zu antworten

Mehr als wann und wo?

Mehr als noch vor 10 nis 20 Jahren, in meinem persönlichen Umfeld wie Familie, Freunde und auch in meinem Berufsalltag unter Kollegen.

Mehr junge Menschen als wann und wo? Wie viele sind es, die Du kennst?

Ich kenne jetzt nicht alle persönlich, außer einer, aber es sind Kinder von Kollegen, denen es wirklich schlecht geht, und wie in der Antwort davor schon bemerkt, beobachte ich diesen Anstieg sagen wir so seit 10 bis 15 Jahren.

Ich habe noch keine konkrete Aussage von Dir gelesen. Was kann da also auch gewertet werden.

Ich wollte mit diesem Satz ausdrücken das ich die Tatsache das es Menschen schlecht geht, das sie krank sind nicht in Frage stelle, nicht das der Eindruck entsteht ich würde anzweifeln das es psychische Krankheiten überhaupt gibt.

Es tut mir leid, wenn ich mich nicht so gut ausdrücken kann wie einige andere hier.

Und wie ich ja in meinem Eingangspost geschrieben habe, kann es durchaus eine sehr subjektive Warnehmung sein.

-cvietn amewsinx-


Vereinsamung ist das Stichwort! Die Welt trägt dazu bei, wir sind sehr Medien gesteuert. Es bieten sich viele Freizeitmöglichkeiten, dass wir NICHT mehr aus dem Haus gehen müssen, wir müssen keinen Kontakt zu echten Menschen 1:1 gegenüber pflegen. Wir machenes online, wir spielen viel, wir sind beschäftigt, wir sind nicht mehr fähig Freundschaften aufzubauen und sie vor allem zu pflegen!

Dadurch findet eine Vereinsamung statt, die man selbst nicht wahrhaben möchte, da man ja keine langeweile hat und allzeit Beschäftigung findet.

Grade bei denen die aus dem Diskoalter raus sind, ist das zu beobachten. Gefeiert wird nicht mehr.

Die Anforderungen an andere und sich selbst sind hoch, sollte es dazu kommen das man unter Menschen geht und welche kennenlernt, seien es Freunde oder Partnersuche, wer hat was, wer hat mehr, wer ist wer usw. Das macht die Menschen doch alles verrückt.

Aqn_neUtto


Ja, aber woran liegt es nun.

mauma

Sunflower hat es bereits beantwortet!!

Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern zum grössten Teil an.

Es werden damals wohl nicht wenigere krank gewesen sein, sondern es war einfach nicht in dem Ausmaß bekannt. Die Erziehung der Kinder war damals schlechter als heute, sexuellen Mißbrauch gab es ebenfalls nicht weniger als heute und all das hatte seine Auswirkungen, nur wurde es nicht so public.

Sznowy;og


Viele richtige Beiträge in diesem wichtigen Thema. Kapitalismus lebt nur von Wachstum. Deswegen wollen die Arbeitgeber immer mehr von ihren Mitarbeitern kriegen. Aber die Menschen haben ihren Grenzen. Es kann nicht ewig effektiver arbeiten. Davon kommen die psychische Krankheiten hier im Westen.

S<un"flolwer_t7,3


Wenn es um Kinder geht:

Schaut Euch doch den Druck an. Duch die Gesellschaft, durch die Eltern. Fremdsprachen, Hobbies, direkte Gymnasialempfehlung. Druck durch G8, durch Bachelor- & Master-System.

Ich wurde von der ZVS noch an eine Uni geschickt. Und konnte dort bleiben bis zum wirklich berufsqualifizierenden Abschluss. Mein Vordiplom war notenmäßig wg. Prüfungsangst und verändertem Lernen notenmäßig unschön. Positiv formuliert. Nie durchgefallen, aber die schlechtesten Noten in meinem Leben. Aber: Ich konnte mich da ankommen, experimentieren, mal eine Prüfung schieben,... Heute zählt im Bachelor jede Note von Anfang an. Und es gibt (zumindest in meinem Bereich) zu wenige Masterplätze. In einem Bereich, wo selbst der Master und das alte Diplom quasi nichts wert sind (außer Eintrittskarte in eine teure Pflicht-Weiterbildung und unbezahltes Arbeiten und Schulden). Was will man da mit einem Bachelor? Also ist der Druck da. Von außen und selbstgemacht.

Früher zählten diverse Erfahrungen. Jetzt Regelstudienzeit und perfekte Praktika und Sprachkenntnisse und Ausland und und und. Und ein Hochschulabschluss ist in vielen Bereichen (und damit meine ich nicht Exotenfächer!) KEINE Garantie mehr für einen Einstieg in einen anständig bezahlten Job mit Perspektive.

Und die Arbeitgeber quetschen halt das Letzte aus den Leuten raus. Wo gibt es noch die ein Stunde Mittagspause, wo ALLE "zu Tisch" waren, oft auch außer Haus? Damit sind meine Eltern groß geworden, ich kann darüber nur lachen. So viele Dinge, die die Härten eines Jobs erträglicher machen, brechen weg.

Mein Vater hat bspw. nach 6 Wochen in einem neuen Job einen Schlaganfall erlitten. War über ein Jahr krankgeschrieben. Es war lange unklar, ob er den Job noch wird machen können. Aber der Job blieb ihm. Und er blieb dann fast 30 Jahre bis zur Rente. Mich hat man aktuell nach 4 Monaten in einem Job mit 4 Fehltagen wg. Erkältung und 2 Fehltagen Migräne aufgrund einer erforderlichen, aber planbaren OP rausgeschmissen. Wo klar war, dass ich gerade mal 14 Tage ausfallen werde. Das ist es, was heutzutage fertig macht. Und in individuellen ungünstigen Kombinationen dann krank macht.

Die "Härte" liegt heutzutage halt anderswo. Klar waren Kriegszeiten etc. hart, aber es traf dann alle und es gab einen Zusammenhalt. Der heute wegfällt, es herrscht nur noch Konkurrenz und Druck und immer höhere Anforderungen. Dem hält nicht jeder und nicht auf Dauer stand.

TEestr"alxe


Ich bin mir Sicher, das eigentich unsere komissche Erwartungshaltung heutzutage die meisten Probleme verursacht.

Zum Thema Vereinsamung, früher waren die Leute in eine relativ sicherem Sozialen Gefüge. Großfamilie, Nachbarn, ect ect. Die meisten Leute wurden einfach so genommen, wie sie waren, villeicht war es eher eine Art "zweckfreundschaft" Niemand hatte den Anspruch, das die Freunde auch Seelenverwandte sein sollten, so wie heutzutage! Was besser ist, weis ich nicht.

Und diese Erwartungen ziehen sich so durchs ganze Leben heutzutage, auch ausgelöst durch Werbung, Medien und Facebook, wenn man sieht, was die anderen alles so machen und wie "super viel Spaß" alle doch haben.

KLleMio


mauma

Und wie ich ja in meinem Eingangspost geschrieben habe, kann es durchaus eine sehr subjektive Warnehmung sein.

Aber wie soll jemand eine Antwort auf Deine subjektive Wahrnehmung haben?

Nur Du kannst feststellen, ob es an der Enttabuisierung liegt, dass einfach auch viele Störungen offen angesprochen werden, an dem System, dass geraden in den letzten 20-30 Jahren auch eine entsprechende Behandlung geboten wird oder es speziell an den Eltern liegt, die Du eben kennst. Ich sehe keinen Grund, daraus eine pauschale Schlussfolgerung auf die "deutsche Gesellschaft" zu ziehen.

iqrgenidwie_manders


Ein Handwerker mit Panikattacken hat früher halt in einer Werkstatt hinten am Haus gearbeitet. Bei der heute geforderten Mobilität, dem vielen Pendeln etc. kann jemand eine Panikstörung bspw. viel weniger vertuschen.

:)^

So sehe ich das auch.

Wobei ich mich in diesem Zusammenhang auch schon ernsthaft gefragt habe, ob Panikattacken und/oder andere psychische Störungen, die bei manchen Menschen in Großstädten, wo der Lebensraum sehr eng ist und wo es sehr hektisch und laut ist nicht eventuell eine ganz normale Reaktion sind, und eigentlich gar keine "Krankheit" in dem Sinne, da dies vielleicht einfach nicht der "artgerechte" Lebensraum eines Menschen darstellt. Wenn man zum Beispiel einen großen Hund auf 20 m² in der Stadt ohne Wald und Wiesen hält, dann ist das für manche Tierquälerei... aber für Menschen soll dies "normal" sein? ":/

Ich denke eigentlich dass es nicht wirklich an der zeitlichen Arbeitsbelastung liegt, von der sich viele überfordert fühlen. Früher wurde zeitmäßig meist viel mehr gearbeitet, wenn ich meine Eltern frage, dann war früher eine 6-Tage-Woche ganz normal. Da ist man aber nach der Arbeit auch nach Hause gegangen. Wenn du das heut machst, gilst du als komisch und langweilig. Ich persönlich bin der Meinung, dass viele Freizeitaktivitäten, die "in" sind und die man einfach "zu machen hat", weil es normal ist, das zu machen, auch zu erheblichen Stress führen.

Zudem hatte früher die durchschnittliche Familie verhältnismäßig wesentlich wenig Geld zur Verfügung. Sie war aber damit zufrieden. Viele eher schlecht ausgebildete Menschen erheben zum Beispiel heute den Anspruch, 2 mal im Jahr einen Luxus-Urlaub machen zu können, ein teures Auto fahren zu können usw., suggeriert von den Medien.

Man hört so oft den Satz: "Früher konnte ein Handwerker ohne Probleme eine Familie ernähren." Nunja, ehrlicherweise muss man aber schon sagen, dass der Lebensstandard viel viel geringer war als heute. Man gab sich mit maximal einem Auto pro Familie zufrieden. Oft hat die Frau, während ihr Mann als Handwerker arbeitete, daheim Obst und Gemüse im Garten selber angebaut, Brot selber gebacken, Kleidung teilweise selber genäht um dort Geld zu sparen. Das wird dabei immer leicht unter den Tisch gekehrt. Heute haben halt viele die Vorstellung, eine Familie von einem Gehalt ernähren zu wollen, aber dabei dann auch all die schicken teuren Freizeitangebote zu nutzen, quasi in Saus und Braus zu leben. Das ist völlig irreal! Und schon heißt es, heute muss man viel mehr leisten und bekommt viel weniger Geld dafür, was einfach so nicht stimmt.

Früher begann das Fernsehenprogramm (sofern man überhaupt einen Fernseher hatte) erst spät abends. Um da ein bisschen Unterhaltung zu haben, ist man zu den Nachbarn gegangen, hat sich gegenseitig bei der zu verrichtenden Arbeit geholfen. Man kannte die Nachbarschaft, sah, dass die sich genau so abmühen müssen wie man selber, und geteiltes Leid ist ja halbes Leid.

Heute siehst du den ganzen Tag im Fernsehen, im Internet "perfekte", schöne, intelligente, reiche Menschen, die alle tollen Sachen haben und die ständig tolle Reisen unternehmen (und dann davon die Fotos bei Facebook reinstellen), und man denkt, dass dies ganz normal ist, und man selber ein Versager ist, weil man sich das nicht leisten kann und außerdem ständig am arbeiten ist, während andere in der Sonne liegen...

S?un flowert_73


Also mein Vater ist Handwerker, und auch wenn es finanzielle Engpässe gab: Wir hatten immer 2 Autos. Es gab jedes Jahr Urlaub. Keine Flugreise, aber im Ausland.

Mein Vater schüttelt bis heute den Kopf, dass ich als "Akademikerin" mit der teuren Weiterbildung WENIGER verdiene als so mancher Handwerker.

Bzgl. "artgerecht":

Esgibt zumindest Studien die zeigen, dass bspw. Schizophrenie häufiger in Großstädten auftritt.

@ Kleio:

Die Zahlen steigen. Völlig objektiv. Würde gerne entsprechende Studien verlinken, aber die sind alle nicht öffentlich zugänglich. :-/

gTelb uYnd xgut


Sunflower

ich kann dir da nur zustimmen.

Abgesehen von den zum Teil erbärmlichen Löhnen (nach Hochschulstudium mit allem drum und dran) mit denen man kaum die Miete für eine normale Wohnung zahlen kann, finde ich die Ungewissheit sehr schlimm.

* Sehr oft nur befristete Verträge (somit Dauerangst um den Arbeitsplatz, finanziell kann man sein Leben damit auch nicht planen),

* Leute schleppen sich krank zur Arbeit, weil sie Angst haben sofort gekündigt zu werden, man kann sich nicht erholen, immer 120% geben, egal wie es einem (körperlich oder geistig) geht

* Generation Praktikum, immer mit der Hoffnung doch übernommen zu werden und danach wieder die Enttäuschung, dass es mal wieder nicht geklappt hat

* immer flexibel sein, man kann sich kein "Umfeld" aufbauen, man weiß nie, wo und wie man in 10 Jahren lebt

Mit den Handwerkern kann ich auch bestätigen. Ich kenne Maurer, Elektriker usw., die vor 30 Jahren mit Ach und Krach so die Hauptschule geschafft haben. Sie können aber finanziell und arbeitstechnisch besser leben, als so mancher Studierte heute, mit guten Noten. Ich habe schon erlebt, dass diese Leute dann auch noch mit dummen Sprüchen ums Eck kommen à la "wer sich wirklich anstrengt und was erreichen will, der schafft es auch zum guten Vertrag und zum Einfamilienhäuschen".

Man kommt sich vor wie ein Versager, obwohl man das ganze Leben gelernt und sich bemüht hat. Das geht ziemlich auf die Psyche und man muss sich nicht wundern, dass psychische Krankheiten zunehmen.

Ich denke also, dass der verkorkste Arbeitsmarkt eine große Rolle spielt...

KYleiso


Schaut Euch doch den Druck an. Duch die Gesellschaft, durch die Eltern. Fremdsprachen, Hobbies, direkte Gymnasialempfehlung. Druck durch G8, durch Bachelor- & Master-System.

Ein Kind ist in der Regel ohne Probleme in der Lage bis zu 4 Sprachen zu lernen und das im Kindergartenalter. Kinder wollen lernen. Dem gegenüber stehen oft Schulsysteme, die überhaupt nicht auf das natürliche Lernverhalten von Kindern eingehen. Zum Druck wird etwas nur dann, wenn jemand die Fähigkeit nicht hat oder seine Grenze erreicht hat und/oder etwas gar nicht will, es aber trotzdem tut. Dass es solche Probleme vor 200 Jahren nicht gab, ist logisch, da Bildung damals eine ganz andere Wertigkeit hatte, wobei auch wieder unterschiedlich in den unterschiedlichen Gesellschaftsklassen.

Früher zählten diverse Erfahrungen. Jetzt Regelstudienzeit und perfekte Praktika und Sprachkenntnisse und Ausland und und und. Und ein Hochschulabschluss ist in vielen Bereichen (und damit meine ich nicht Exotenfächer!) KEINE Garantie mehr für einen Einstieg in einen anständig bezahlten Job mit Perspektive.

Dass es für bestimmt Branchen gut ist, solche Dinge mitzubringen, ist klar. Genauso ist es möglich es ohne diese Anforderungen Fuß zu fassen. Andere Branchen verlangen es gar nicht. Aus meiner Erfahrung hat sich nichts daran geändert, dass die beste Kombination aus Erfahrung und entsprechender fachlicher Kompetenz besteht und die bietet eine ausgewogene Kombination zwischen jung und alt (bezogen auf das Berufsleben).

Und die Arbeitgeber quetschen halt das Letzte aus den Leuten raus. Wo gibt es noch die ein Stunde Mittagspause, wo ALLE "zu Tisch" waren, oft auch außer Haus? Damit sind meine Eltern groß geworden, ich kann darüber nur lachen. So viele Dinge, die die Härten eines Jobs erträglicher machen, brechen weg.

Bei Menschen, die darauf keinen Wert legen, sicher. Andere setzen sich zum Mittagessen zusammen oder gehen gemeinsam essen. Auch hier sehe ich die Schlussfolgerung zu den eigenen Erfahrungen auf "die Gesellschaft". Egal in welchem Unternehmen ich in den letzten 25 Jahren tätig war, so sind wir gemeinsam essen gegangen, haben uns zusammengesetzt und tun es noch. Die einen haben eben diese und andere andere Erfahrungen.

Die "Härte" liegt heutzutage halt anderswo.

Das sehe ich auch so. Ich denke nicht, dass Menschen mehr oder weniger psychische Probleme haben. Sie sind fallen anders aus. Viele Probleme haben erst jetzt einen "Namen" bekommen und damit meine ich nicht unbedingt gleich eine psychische Störung. Das heißt auch nicht, dass es sie vorher nicht gegeben hat. Andere hat es früher nicht gegeben, dafür gibt es jetzt andere.

Klar waren Kriegszeiten etc. hart, aber es traf dann alle und es gab einen Zusammenhalt. Der heute wegfällt, es herrscht nur noch Konkurrenz und Druck und immer höhere Anforderungen. Dem hält nicht jeder und nicht auf Dauer stand.

Ich denke nicht, dass sich daran etwas geändert hat. Es gibt heutzutage genauso Zusammenhalt, wie es ein Konkurrenzverhalten gibt. Wenn man Pech hat und sich in einer Haigesellschaft bewegt, ist es aber auch oft die eigene Entscheidung. Nicht immer ist es die einzige Wahl. Ich habe mich von Haigesellschaften immer fern gehalten.

Es ist ja auch nicht so, dass im Krieg nun jeder zusammengehalten hat. Im Gegenteil. Gerade in solchen Ausnahmesituationen zeigen sich die extremen Verhaltensweisen, bei den einen eben das Zusammenrücken, bei anderen gesteigerte Aggressivität, Ausnutzen, Betrügen, etc. So eine Situation bietet einfach mehr Gelegenheiten, sowohl für die einen, als auch für die anderen.

eSs0trelxle


Man kommt sich vor wie ein Versager, obwohl man das ganze Leben gelernt und sich bemüht hat.

Das geschieht aber nur, wenn man nicht gelernt hat, dass man niemals immer perfekt sein kann, dass man sich selbst Fehler zugestehen darf und dass Karriere nicht der Ersatz für Leere im Leben sein kann.

Zum Druck wird etwas nur dann, wenn jemand die Fähigkeit nicht hat oder seine Grenze erreicht hat und/oder etwas gar nicht will, es aber trotzdem tut.

Das sehe ich in der Nachbarschaft. Die Tochter wird 2- mal wöchentlich zum Ballett gefahren, weil sie im rosa Tutu so hübsch aussieht, obwohl sie aufgrund des Körperbaus niemals eine Tänzerin werden wird und mir verraten hat, dass sie viel lieber mit den Jungs Fußball spielt.

Der Sohn lernt Klavier spielen, obwohl ihm Bewegung an der frischen Luft besser bekäme. Er hat ständig Infekte und fühlt sich jetzt schon ausgegrenzt weil er körperlich nicht mit seinen Spielkameraden mithalten kann.

Aber man ist wer und ist es der Umwelt "schuldig" zu zeigen, was für Wunderkinder man hat.

Awlouehtte


Liegt der (scheinbare) Anstieg der psychischen Störungen/Krankheiten nicht zu einem guten Teil auch daran, dass immer mehr "Störungsbilder" in den Katalog der psychischen Krankheiten aufgenommen werden? Also, dass z. B. eine Depression nun eine nach bestimmten Kriterien diagnostizierbare "echte" Krankheit ist, während sie früher als "einfache" Melancholie, Schwermut, sich-hängen-lassen angesehen wurde?

Mir fällt dazu gerade eine Stelle aus dem Buch "Wofür stehst Du?" von Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo ein, über die ich gerade heute gestolpert bin. Darin berichtet einer der beiden von einem Manager, der

für einen großen Medikamentenhersteller arbeitete. Ein Vorgesetzter gab ihm den Auftrag, ein ganz neues Mittel zu entwickeln, vielleicht für eine Krankheit, von der noch niemand wisse, dass es sie überhaupt gibt. Der Manager verstand zunächst nicht, was man von ihm wollte. "Denken Sie doch mal nach", sagte der Vorgesetzte zu ihm. "Kennen Sie nicht auch Menschen, die in geschlossenen Räumen oder in engen Fahrstühlen plötzlich so ein mulmiges Gefühl bekommen? Na, fällt Ihnen dazu gar nichts ein? Man könnte das doch, sagen wir mal, 'Panikattacken' nennen." So wurde kurzerhand eine neue Krankheit erfunden, und als die Menschheit über sie informiert wurde, hatte das Pharmaunternehmen zufälligerweise gerade das passende Medikament auf den Markt gebracht. Im Prinzip hätten 99 Prozent der Menschen schonmal ein solches Gefühl der Enge gehabt, erklärte mir der Manager, das sei auch gar nicht so schlimm. Nun gab es einen Namen für ein Krankheitsbild, das die Ärzte vorher gar nicht orten konnten – und sie verschrieben das neue Medikament.

Ich weiß nicht, ob das genau so stimmt, wie es dort beschrieben steht. Ich will damit auch gar nicht sagen, dass sich die Menschen psychische Krankheiten einbilden. Nur heute haben viele "Befindlichkeiten" (nicht abwertend gemeint) einen Namen, den sie vorher vielleicht noch nicht hatten.

Ich weiß deshalb auch nicht, wieviel Aussagekraft die "objektiven Studien" zum Anstieg psychischer Krankheiten haben? Wie wurde dieser Anstig denn gemessen? Seit wann? Und welche Krankheiten betrifft das? Sind diese schon immer als "Krankheiten" definiert gewesen? ... Würde mich wirklich mal interessieren!

Ansonsten habe ich natürlich auch den subjektiven Eindruck, dass immer mehr Menschen irgendein psychisches Problem mit sich rumschleppen, aber ob dieser Eindruck der Wahrheit entspricht?

Eine mögliche und völlig laienhafte Erklärung (wenn es denn so ist) wäre für mich, dass es uns heute im Allgemeinen (trotz Arbeitslosigkeit, Harz4 etc.) so gut geht, dass wir uns psychische Krankheiten sozusagen "erlauben" können. Damit will ich sagen, dass in Kriegszeiten, in wirklich großer, existenzieller Armut usw. Körper und Geist sich ausschließlich darauf konzentrieren zu überleben, und dass wir heute, nachdem diese "Grundbedürfnisse" bei den meisten befriedigt sind, an der Nichterfüllung anderer Bedürfnisse (sicheres soziales Netzwerk, Anerkennung im Beruf,...) leiden.

AQlJouextte


... Aah, zu langsam, da hat Kleio schon in einem Teil ihres Beitrags meinen teilweise vorweggenommen...

S0unflIower_x73


@ Alouette:

Die Entwicklung der Störungskriterien läuft unbeeinflusst von der Pharma-Industrie. Und findet schon seit Jahrzehnten statt, nur verfeinert man das Ganze. Dass in best. Bereichen (!) zumindest im neuen DSM-V normale Bandbreiten des Verhaltens als krank eingestuft werden, wird SEHR rege diskutiert. Und da stimmt längst nicht jeder zu, da wird vieles sehr kritisch gesehen. Mir persönlich leigt das ICD-10 auch näher, weil von der WHO und nicht einer US-Gruppe entwickelt (die z.T. eh eine merkwürdige Sicht haben und gerne für alles und jedes Medikamente einschmeißen).

Aber zuverlässig sind die Kriterien zumindest für die gängigen Erkrankungen durchaus. Und ob man eine Trichotillomanie nun bei Zang oder Impulskontrollstörungen einordnet, ändert im praktischen Alltag hinsichtlich der Diagnosenstellen weniger. Eher hinsichtlich möglicher Behandlungsansätze.

Ich weiß deshalb auch nicht, wieviel Aussagekraft die "objektiven Studien" zum Anstieg psychischer Krankheiten haben? Wie wurde dieser Anstig denn gemessen? Seit wann? Und welche Krankheiten betrifft das? Sind diese schon immer als "Krankheiten" definiert gewesen? ... Würde mich wirklich mal interessieren!

Berücksichtigt werden Krankschreibungstage, Gelder für stationäre Behandlungen, für ambulante Therapien. Diagnsoen hinsichtlich Frühberentungen. Objektiv, da die Daten der Krankenkassen, Rentenversicherung etc. herangezogen werden. Die letzte deutsche Langzeitstudie bezog sich auf einen 10-Jahres-Zeitraum und ging bis 2010 (meine ich, kann auch +/- 1 Jahr gewesen sein). Federführend war Prof. Dr. Jürgen Magraf, aktuell an der Uni Bochum als Professor für Klinische Psychologie, beteiligt. Zum Zeitpunkt der Studie aber phasenweise in der Schweiz tätig. Es lag dieselbe Methodik zugrunde, mit der auch die Fallzahlen für andere Erkrankungen (Herrz-Kreislauf, Bewegungsapparat) ermittelt werden.

Der Fokus lag auf Angst und Depression, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass "Burnout" bspw. gar keine anerkannte Diagnose ist.

Aber es zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Noch liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen an PLatz 1, aber psychische Erkrankungen stehen mittlerweile an Platz 2/3 und man geht davon aus, dass sie innerhalb der nächsten Jahre Herz-Kreislauf und orthopädische Erkrankungen von der Spitze verdrängen.

Interessant ist folgender Vortrag, der viele Aspekte aufgreift:

[[http://www.ptk-nrw.de/fileadmin/user_upload/pdf/Aktuelle_Informationen/2012/09_2012/Vortrag_Prof_Dr._Juergen_Margraf.pdf]]

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