» »

Psychisch kaputte Menschen

KflUeio


Zum Thema Vereinsamung, früher waren die Leute in eine relativ sicherem Sozialen Gefüge. Großfamilie, Nachbarn, ect ect. Die meisten Leute wurden einfach so genommen, wie sie waren, villeicht war es eher eine Art "zweckfreundschaft" Niemand hatte den Anspruch, das die Freunde auch Seelenverwandte sein sollten, so wie heutzutage! Was besser ist, weis ich nicht.

Als es "früher" nur Großfamilien und nur Zusammenhalt gegeben hätte und Zweckfreundschaften eine derartige Ausnahmeerscheinung wären. Eine "Schattierung" scheint es wieder gar nicht zu geben.

Früher wurde zeitmäßig meist viel mehr gearbeitet, wenn ich meine Eltern frage, dann war früher eine 6-Tage-Woche ganz normal

Das ist auch heute noch für viele normal und auch eine 7-Tage-Woche. Auch ist es ja nicht so, dass jeder einen 8-Stunden-Tag hätte. Auch gibt es noch Schichtdienste in jeglicher Ausgabe. Auch wird hier offensichtlich nur die westlich-moderne Kultur berücksichtigt. Es gibt Länder, in denen Kinder arbeiten, es nach wie vor einen 12-14-Stunden-Arbeitstag gibt und keine freien Tage. Dabei gibt es auch hier Kinder, die ganz einfach auch schon von klein auf mitarbeiten, speziell in Bezug auf die hochgerühmten Großfamilien. Daran gibt es aus meiner Sicht auch nichts auszusetzen. Es hängt aber eben schon davon ab, wo jemand die "Norm- oder Soll-Stange" ansetzt.

Und diese Erwartungen ziehen sich so durchs ganze Leben heutzutage, auch ausgelöst durch Werbung, Medien und Facebook, wenn man sieht, was die anderen alles so machen und wie "super viel Spaß" alle doch haben.

Das klingt mir danach, dass die meisten völlig ungebildet und lenkbar wären. Ich könnte keine Pauschalaussage treffen, was denn der Durchschnitt der Menschen unter Spaß versteht, die ich kenne. Dafür sind ihre Vorstellungen von Spaß viel zu unterschiedlich.

Sicher gibt es diese Medien, aber das klingt so, als würde das jeder als die "Heilige Schrift" unreflektiert übernehmen. Gerade durch die generell höhere Bildung sind sich Menschen doch auch bewusst, welche manipulativen Quellen es gibt und sie entscheiden für sich, ob sie diese Dinge übernehmen oder nicht. Die, die es tun, sehen darin auch etwas Richtiges und Nützliches für sich darin. Es gibt nicht nur eine Sorte Medien, ich kann mir aussuchen, ob ich eine seriöse Berichterstattung wähle oder nicht, dasselbe gilt für Werbung – ich bin es doch, die ihre Bedürfnisse kennt oder sich von Werbung einreden lässt, dass ich ein Bedürfnis habe, etc. etc. Es klingt so, als würden wir einer Propaganda unterliegen, das aus meiner Sicht so nicht zutrifft. Das würde man spätestens merken, wenn man tatsächlich in so einem Land leben würde. Gerade die höhere Bildung und die Möglichkeit sich zu informieren bietet doch eine größere Freiheit sich zu entscheiden.

Welchen Druck sollte Facebook auf mich ausüben, wenn ich keinen Account habe.

Die Zahlen steigen. Völlig objektiv. Würde gerne entsprechende Studien verlinken, aber die sind alle nicht öffentlich zugänglich.

Natürlich steigen die Zahlen. Sie werden ja auch zunehmend eingeholt.

Heute haben halt viele die Vorstellung, eine Familie von einem Gehalt ernähren zu wollen, aber dabei dann auch all die schicken teuren Freizeitangebote zu nutzen, quasi in Saus und Braus zu leben.

Und viele kommen überhaupt nicht auf diese Idee von einem Gehalt eine Familie zu erhalten, weil es nicht ihrer Realität entspricht. Ein Teil der Menschen, die ich kenne benutzen solche Medien wie Internet z. B. gar nicht und facebook ist nur irgendeine Bezeichnung, das sie gar nicht verstehen. Es ist ja nicht so, dass heutzutage jeder "online" ist und es auch jeder als erstrebenswert ansieht. Die haben auch automatisch schon eine ganz andere Wertung und einen anderen Umgang.

Heute siehst du den ganzen Tag im Fernsehen, im Internet "perfekte", schöne, intelligente, reiche Menschen, die alle tollen Sachen haben und die ständig tolle Reisen unternehmen (und dann davon die Fotos bei Facebook reinstellen), und man denkt, dass dies ganz normal ist, und man selber ein Versager ist, weil man sich das nicht leisten kann und außerdem ständig am arbeiten ist, während andere in der Sonne liegen...

Bist auf die Menschen, die den Fernseher kaum einschalten, ausgesucht einschalten oder gar keinen Fernseher haben.

g!el+b unPd gut


@ estrelle

Man kommt sich vor wie ein Versager, obwohl man das ganze Leben gelernt und sich bemüht hat.

Das geschieht aber nur, wenn man nicht gelernt hat, dass man niemals immer perfekt sein kann, dass man sich selbst Fehler zugestehen darf und dass Karriere nicht der Ersatz für Leere im Leben sein kann.

dabei geht es mir gar nicht um Perfektion oder Karriere, sondern um die "Ungerechtigkeit" bezüglich ganz elementarer Dinge (kein Luxus).

Ich kenne zB 50-jährige Maurer mit unbefristetem "normalen" Vertrag mit schönem Auto, Einfamilenhäuschen und 1 mal Urlaub am Meer im Jahr. Das war damals eben "normal", dass man mit Ausbildung, Engagement und Willen ein nicht luxuriöses, aber "normales" Leben führen konnte.

Ich kenne BWLler, Architekten, die mit dem gleichen Engagement und Willen wie der Maurer damals und trotz Hochschulstudium viel viel schlechtere finanzielle Lebensbedingungen haben. Vom Eigenheim zB können da viele nur träumen, sie wissen schon jetzt, dass sie es sich nie leisten werden können.

Und das frustriert einfach, auch wenn man "nur normal leben will" und nicht karriere-fixiert ist.

Squ@nflo{wNer_7x3


Und das frustriert einfach, auch wenn man "nur normal leben will" und nicht karriere-fixiert ist.

Genau das meinte ich. Keinen Luxus, keine Karrierefoxierung. Lediglich ein solides Mittelschicht-Leben mit ein bisschen Sicherheit, in dem sich eine gute Ausbildung auszahlt.

Kxlecixo


Alouette

Liegt der (scheinbare) Anstieg der psychischen Störungen/Krankheiten nicht zu einem guten Teil auch daran, dass immer mehr "Störungsbilder" in den Katalog der psychischen Krankheiten aufgenommen werden? Also, dass z. B. eine Depression nun eine nach bestimmten Kriterien diagnostizierbare "echte" Krankheit ist, während sie früher als "einfache" Melancholie, Schwermut, sich-hängen-lassen angesehen wurde?

Sehe ich auch so. Es bekommt heutzutage eben alles einen "Namen". Das heißt ja nicht, dass es sofort auch behandlungsbedürftig ist. Heuzutage gibt es aber die Möglichkeit. Das sind Dinge, die früher sicher so gar nicht aufgefallen sind. Menschen haben Probleme – das gehört zum Leben dazu. So lange sie lernen sie zu für sich in irgendeiner Form zu lösen, gibt es keine "Zahl". Ich bin sicher, die werden mit der Zeit sicher auch unter den "Dunkelziffern" vermerkt. Das alles ist ja immer noch in Ordnung, nur bekommt dann noch jeder Name eine Wertung. Wie Krebs z. B. Was dieses Wort nicht alles bei Menschen auslöst. Dasselbe ist heutzutage mit Burn-out, Adhs, Mobbing, etc. etc. Ich hatte früher eine recht ausgeprägte Schwermut, ich war zeitweise sehr melancholisch und ich habe es geliebt und genossen. Ich hatte auch recht schwere Depressionen, das war weniger schön, aber keines der Dinge hatte damals einen "Namen" und als ich sie nicht mehr hatte, war es eben so. Nachdem heutzutage aber alles einen Namen haben muss, eine Behandlungsmethode und sogar nach Dingen gesucht wird, die noch nicht erkannt sind, so ändern sich natürlich die Statistiken. Da ist der Nachbar nicht mehr einfach ein Grantscherben, nein, der ist depressiv, etc. etc. Das ist zwar auf einer Seite positiv, denn es kann auch behandelt werden, auf der anderen Seite trägt das Halbwissen oder Nichtwissen zu Wertungen und Pauschalurteilen, dass es einem die Schuhe auszieht. Die Benennung bringt Fachleuten etwas, aber sie bringt offensichtlich auch Vorurteile. Denn warum ist denn der Nachbar depressiv? Ist er seit Jahren arbeitslos und in einem Loch – da ging die Kriegsgeneration oder Vorkriegsgeneration doch auch nicht anders damit um, sonst hätte es nicht immer wieder Selbstmordwellen gegeben. Wird er von seinen Mitarbeiter gepiesackt – nein, er wird gemobbt und siehe da, so ist das natürlich wieder behandelbar, usw. usf. Mobbing ist keine Errungenschaft unserer Zeit. Es hat sie immer gegeben. Es hat jetzt nur einen Namen und eine Wertung. Das zeigt aber eben auch, dass es nicht immer nur Zusammenhalt gegeben hat. Auch wird ein Großzahl der Menschen mit diesen Diagnosen krank geschrieben. Früher ging der depressive so lange arbeiten, so lange er es aushielt, ging der Gemobbte so lange zur Arbeit, so lange er es aushielt, etc.

Eine mögliche und völlig laienhafte Erklärung (wenn es denn so ist) wäre für mich, dass es uns heute im Allgemeinen (trotz Arbeitslosigkeit, Harz4 etc.) so gut geht, dass wir uns psychische Krankheiten sozusagen "erlauben" können. Damit will ich sagen, dass in Kriegszeiten, in wirklich großer, existenzieller Armut usw. Körper und Geist sich ausschließlich darauf konzentrieren zu überleben, und dass wir heute, nachdem diese "Grundbedürfnisse" bei den meisten befriedigt sind, an der Nichterfüllung anderer Bedürfnisse (sicheres soziales Netzwerk, Anerkennung im Beruf,...) leiden.

Das sehe ich auch so. Wenn ich mir die Lebensläufe meiner Großeltern und Eltern angehört habe, da ging es nur um eins - Überleben, Arbeit haben und Dach üer dem Kopf. Da war es egal, ob sie sexuell irgendwann in ihrer Kindheit missbraucht oder vergewaltigt wurden, von den Eltern verprügelt, von dem Lehrherrn verprügelt, vom Ehemann verprügelt, etc. etc. Es ging darum, trotz dieser Dinge sich und vor allem den Kindern eine bessere Aussicht zu bieten. Das hießt auch, dass sie mit spätestens 10 Jahren angefangen haben mit zu arbeiten. Auch gab es da keine unrealistischen Träume - dafür war der Alltagskampf zu präsent. Das ist heutzutage zum Glück nicht mehr notwendig, sich ständig derart in den Hintergrund stellen zu müssen, weil es sonst am nächsten Tag nichts zu essen gibt, aber manch einer könnte den Eindruck bekommen, dass es früher diese Krankheiten gar nicht gab.

S}unjflowBer_7x3


Ich hatte früher eine recht ausgeprägte Schwermut, ich war zeitweise sehr melancholisch und ich habe es geliebt und genossen.

Dann fiel EIN Hauptkriterium für die Diagnose einer psychischen Erkrankung weg: Der Leidensdruck. Ohne den schlichtweg keine Diagnose.

K7leixo


Aber es zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Noch liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen an PLatz 1, aber psychische Erkrankungen stehen mittlerweile an Platz 2/3 und man geht davon aus, dass sie innerhalb der nächsten Jahre Herz-Kreislauf und orthopädische Erkrankungen von der Spitze verdrängen.

Dafür steigt die Lebenserwartung der Menschen. Die Chance, dass die Psyche gesünder wird, je länger Menschen leben, ist aus meiner Sicht nicht besonders hoch.

Dann fiel EIN Hauptkriterium für die Diagnose einer psychischen Erkrankung weg: Der Leidensdruck. Ohne den schlichtweg keine Diagnose.

Das habe ich ja geschrieben. :-) Das war für mich auch absolut logisch, dass ich sie so extrem gelebt habe, denn umgekehrt hatte ich auch eine extreme Fröhlichkeit. Anders eben mit meiner Depression. Keine Diagnose. Dann wären auch die früheren Zahlen schon höher. ;-D Für die Zahlen fehlt also die Diagnose, nicht für das Thema hier, denn da geht es um Meinungen. Auch hängt es von der Person ab, wie sie mit einer solchen Diagnose umgeht. Viele erwähnen das heutzutage ganz normal, wie die Diagnose zu körperlichen Krankheiten. Trotzdem gibt es da eben auch die Dunkelziffer, denn trotzdem geht nicht jeder zum Facharzt, wenn er auch Hilfe gebrauchen könnte oder sie mit Hilfe zumindest leichter durchstehen würde. Insofern ist es aus dieser Sicht auch logisch, dass die Zahlen steigen werden, weil es immer weniger ein Tabu ist, eine Diganose bezüglich einer psychischen Störung zu haben.

s1chne^cke1x985


Das sehe ich auch so. Wenn ich mir die Lebensläufe meiner Großeltern und Eltern angehört habe, da ging es nur um eins – Überleben, Arbeit haben und Dach üer dem Kopf. Da war es egal, ob sie sexuell irgendwann in ihrer Kindheit missbraucht oder vergewaltigt wurden, von den Eltern verprügelt, von dem Lehrherrn verprügelt, vom Ehemann verprügelt, etc. etc.

Das kann man so nicht sagen. Es wurde halt vieles verdrängt und totgeschwiegen, das heißt nicht, dass es damals das nicht gab. Meine Mutter ist weit Ü60 und so aufgewachsen und psychisch krank – das hat sie dann auch an ihre eigenen Kinder (mich zum Beispiel) weitergegeben.

Auch von der Shoa wissen wir heute, dass viele Kinder unter dem Trauma ihrer Eltern leiden und ebenso eine psychische Störung entwickelt haben, wie ihre Eltern.

Ob eine Störung auftritt, das hängt von der sog. Resilienz ab, also Voraussetzungen, welche die Entwicklung einer gesunden oder kranken Seele beeinflussen.

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_%28Psychologie_und_verwandte_Disziplinen%29]]

sLchDnecke1p985


PS: Schaut man auf andere Kulturen, dann wird klar, dass die Menschen (z.B. die afrikanischen Opfer von Massenvergewaltigung) genauso traumatisiert sind und leiden, wie die erste-Welt-Menschen.

wRillZgesunbdsein


Hallo liebe Leute, ich bin sehr angetan von dieser Diskussion, vielen Dank für die bisherigen guten Beiträge! Ih brauche immerewig, um was brauchbares zu schreiben und beziehe mich mit deisem Post auf die am Anfang erwähnten "jungen Menschen". Ihr scheint aber alle ein wenig älter zu sein und habt sozusagen eine gewisse Distanz zu den "neuen Problemmenschen" unserer Gesellschaft. Deshalb jetzt mal hier von vorderster Front: Männlich, mitte 20, war (und sollte / würde gerne wieder) in Therapie usw.

Ich muss gerade schmunzeln, weil ich eben zu jenen gehöre, die ohne ersichtlichen Grund (bin gesund, normal aussehend, studiere, nicht unsportlich, alles "ganz normal") ständig antriebslos, niedergeschlagen und ein bisschen selbstmitleidig rumhängen und ihre hohen Ziele / Ideale (eigene und von außen herangetragene, falls man das überhaupt so glatt trennen kann) nicht erreichen, entmutigt sind und dadurch immer wieder antriebslos, niedergeschlagen und ein bisschen selbstmitleidig rumhängen und ihre Ziele / Ideale nicht erreichen und somit immer wieder usw...

Ist oft weniger lustig als hier geschrieben, hab nur gerade eine gute Phase! Es geht oft soweit, das ich mir denke, nicht zu leben wäre weniger unangenehm... Ich mache mir (viel zu) viele Gedanken über das Leben, mich und alles um mich herum und komme immer wieder zu so vielen Ergebnissen, die sich im Laufe der Jahre immer mal wieder abwechseln aber all diese Erkenntnisse bringen mir nichts. Ich komme von der Veranlagung sehr stark nach meinen Vater aber bin komplett bei meiner Mutter aufgewachsen und so sindwir so verschieden wie Hund und Katze.

Mein Vater (*1960, arme Familie ohne Bildung) hat sich sein heutiges Leben durch harte Arbeit aufbauen müssen. Er wurde als kleiner Junge nicht viel beachtet (sprach erst mit 3), hatte im Grunde keine richtige Kindheit mit Freunden (spielte alleine Fußball gegen Bäume), musste schon sehr früh mit auf dem Hof und Arbeit des Vaters helfen, hat seine Eltern sehr früh verloren (13 und 21), hat sich mit viel Fleiß zum Solomusiker hochgearbeitet. Er ist kurz vor Mauerfall geflohen (kompletter Neuanfang!) und hat es wieder geschafft, sich ein gutes Leben zu erarbeiten, inkl. eigener Wohnung usw. Ich weiß, dass er in sich unglaubliche Wunden trägt, von denen er aber sehr sehr selten was zeigt, weil es unglaubliche Schmerzen sein müssen. (dass er überhaupt was zeigt, zeugt von seiner Entwicklung zu mehr Sänfte und Schwäche zulassen) aber insgesamt ist er mit seinem Leben zufrieden und sagt (auch, wenn das nicht immer stimmt), es gehe ihm gut.

Es scheint also auch sehr stark davon abzuhängen, was man vom Leben bisher gesehen hat, was man also für normal hält und die daraus enstehenden Erwartungen an das Leben und und wichtiger noch an sich selbst... Da kommen dann auch Faktoren wie Facebook, "normale" Medien und insgesamt einfach diese kranke Egozentriker-Gesellschaft, in der das höchste Gut das eigene Wohl und auch der Schein nach außen sind.

Das alles gab es auch schon vor mehrenen Jahrtausenden (immer wenn Menschen in Gruppen leben), nur war das Mengenverthältnis ein gaaaanz anderes und zum König / Gott wurde man geboren und nicht durchs Fernsehen gemacht und dadurch überhaupt erst anstrebensmöglich...

Als ich das hier gelesen habe und mich an ein Gespräch aus den letzten Tagen erinnerte, stelle sich mit ein Wort in den Vordergrund: Identität. Man braucht "etwas", mit dem man sich identifizieren kann und beständig ist: Arbeit, Famile, Religion, spezielle Lebensführung, Spritualität usw.

Und das mit dem "Probleme zulassen" sehe ich auch so. Die große Abendländische Philosophie hat angefangen, als die Griechen ihre Felder von Sklaven bestellen ließen und plötzlich Zeit zum Nachdenken hatten... Heute machen Maschinen alles für uns (was ansich ja gut ist, wir müssen nur lernen, besser damit umzugehen) und da steht man und merkt, wie sinnlos alles ist und fängt an, nachzudenken. Das hatten die jungen Leute (um die ging es doch hier eigentlich im Eingangspost oder?) damals garantiert auch, aber die konnten sich das nicht leisten, ewig weiter zu grübeln, es gab schlicht weg zu viel zu tun.

Und das Resultat sind mit sich und den Schwierigkeiten des Lebens überforderte junge Menschen, die man durchaus als "kaputte Menschen" bezeichnen kann.

S2unf4lowe_r#_73


Bzgl. der "alten Generation":

Was meint ihr, wie viele Menschen da schon lebenslang eine Trauma-Diagnose erfüllen? Halt irgendwie klargekommen sind. Oder sich mit jahrzehntelanger Medikamentenabhängigkeit durchmogeln.

Aber "irgendwie klarkommen" machen heute auch viele in Anbetracht langer Wartezeiten auf Therapien.

Dafür steigt die Lebenserwartung der Menschen. Die Chance, dass die Psyche gesünder wird, je länger Menschen leben, ist aus meiner Sicht nicht besonders hoch.

Der Haken ist nur, dass bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Zahlen steigen. Während die Zahlen bei den Menschen Ü60 relativ stabil bleiben.

Nochwas zu den vermeintlich subjektiven Eindrücken:

Ich bspw. stütze mich nicht nur auf meine subjektiven persönlichen Erfahrungen. Sondern auf rd. 200 Patienten, die ich in den letzten 7 Jahren in versch. Kontexten erlebt habe. Da waren die hier erwähnten Themen völlig störungsunabhängig IMMER Thema.

AGlouetxte


@ Sunflower_73

Das ist jetzt ein bißchen OT (zumindest wenn man davon ausgeht, dass Dein Satz

Die Entwicklung der Störungskriterien läuft unbeeinflusst von der Pharma-Industrie.

stimmt), aber es interessiert mich doch: Wie läuft die Entwicklung der Störungskriterien denn ab? Wer schlägt da was vor, wer entscheidet? Wer kritisiert und diskutiert da rege, was als krank, was als "normal" zu gelten hat? Wie wird entschieden, was zur "normalen Bandbreite des Verhaltens" gehört? Wie wird die Unabhängigkeit (z. B. von der Pharmaindustrie) der beteiligten Spezialisten sichergestellt? (Dass auch die Experten der WHO nicht immer völlig unabhängig sind, kann man ja schon beim kurzen Lesen auf Wikipedia sehen, Stichwort Schweinegrippeimpfempfehlung.)

Berücksichtigt werden Krankschreibungstage, Gelder für stationäre Behandlungen, für ambulante Therapien. Diagnsoen hinsichtlich Frühberentungen. Objektiv, da die Daten der Krankenkassen, Rentenversicherung etc. herangezogen werden.

Ja, aber auch das schließt doch diese Definitionsfrage oder -unklarheit ein und ist damit auch nicht "objektiv". Leiden immer mehr Leute, sagen wir, an den verschiedensten Formen einer Depression, oder sind immer mehr Formen der "Schwermut" zu Formen der Depression umdefiniert worden? Ohne Definition als Krankheit keine Diagnose, keine Krankschreibung, keine Behandlung, keine Frührente, keine steigenden Zahlen. Oder? Denke ich da irgendwie falsch?

Versteht mich nicht falsch, ich hab da selber keine klare Meinung und könnte mir vorstellen, dass sämtliche hier versammelten Vermutungen/Meinungen zusammengenommen die Antwort auf die Frage der TE ergeben.

K(lexio


Hallo liebe Leute, ich bin sehr angetan von dieser Diskussion, vielen Dank für die bisherigen guten Beiträge! Ih brauche immerewig, um was brauchbares zu schreiben und beziehe mich mit deisem Post auf die am Anfang erwähnten "jungen Menschen". Ihr scheint aber alle ein wenig älter zu sein und habt sozusagen eine gewisse Distanz zu den "neuen Problemmenschen" unserer Gesellschaft. Deshalb jetzt mal hier von vorderster Front: Männlich, mitte 20, war (und sollte / würde gerne wieder) in Therapie usw.

Ja, ich bin älter, insofern weiß ich, was ich und meine Generation an Problemen hatte und kenne genug junge Leute, die genauso Probleme haben. Heute – wie schon erwähnt – haben gewisse Probleme Namen und es ist ein Angebot da, diese auch mit Hilfe zu bewältigen. Bei uns war es eben noch nicht so. Wäre es so gewesen, wären auch einige in gewesen. Dem war nicht so, somit sind diese Zahlen heute erfasst. Der Grad, wann geholfen wird, ist ein anderer als vor 20 Jahren, als vor 40 Jahren oder vor 80 Jahren.

Es ist eben so, dass ein junger Werther, ein Heathcliff, also von Romeo und Julia, Hamlet, Faust bis zum schüler Gerber alle eine Diagnose hätten und damit auch in Zahlen erfasst geworden wären. Und warum sind die alle so bekannt – einfach weil sich eine Menge Menschen mit ihnen identifizieren können. Egal aus welcher Epoche man ein Stück herausnimmt, sei es die Antike, Mittelalter oder heute – es sind immer die gleichen Themen, mit denen Menschen ihre Probleme haben und eine Störung entwickeln. Ach ja und selbstverständlich hätte Pippi Langstrump und der Michel genauso eine Diagnose.

Was meint ihr, wie viele Menschen da schon lebenslang eine Trauma-Diagnose erfüllen? Halt irgendwie klargekommen sind. Oder sich mit jahrzehntelanger Medikamentenabhängigkeit durchmogeln.

Eben, von nichts anderem ist die Rede.

S@noWwyoxg


Der Druck ist in Deutschland extrem groß. Hier muss man alles können und haben, sonst keine Stelle da.

Ich bin promoviert, und habe 3 Fäche mit erfolgreichen Abschlüssen (Geografie, Meteorologie und Geoinformatik), kann Deutsch und 2 andere Sprachen und trotzdem kriege nur Absagen. So viele Bewerbungen schon und immer etwas ist ungenügend. Das was ich habe reicht ihnen nicht, sie fragen nach Programmierkenntnisse jetzt... Wer Programmiere ist, der wird garnicht solche Jobs suchen, sondern in IT viel besser bezahltes Job ab sofort kriegen... Man muss ein Wunderkind sein um ein Job in sogennanten Fächern zu kriegen... Und es wird immer mehr gebraucht. Das muss irgendwann und irgendwo ein Ende haben, alle diese Willen der Arbeitgebern...

SAunflow<er_x73


Mir geht's wie Snowyog... Studium, wissenschaftlich und praktisch gearbeitet, 7 Jahre Berufserfahrung, 25.000€-Weiterbildung mit Staatsexamen. Hochqualifiziert mit top Zeugnissen.

Aber da ich aktuell wieder mal suche, merke ich: Es reicht für viele Bewerbungen wieder nicht. Entweder fehlen weitere Zusatzausbildungen (die man erstmal finanzieren können muss!). Oder ich müsste russisch, türkisch oder polnisch sprechen. Oder oder oder. Im Umkreis von 150 km gerade mal 3 Stellen, davon eine Professorenstelle.

12 Jahre Studium & Weiterbildung, und für 75% der Stellenanzeigen bin ich unterqualifiziert. Alternativ gibt's dann 1-Jahres-Stellen in Teilzeit in sauteuren Ballungszentren, wo man mit rd. 1.300€ netto kaum über die Runden kommt.

Das ist einfach bitter. Zumal ich kein Exotenfach studiert habe. Wenn man mit 40 schon kaum noch Perspektive sieht...

Hterman^_the_Ge2rmaxn


Wenn die Diagnosen von psychischen Erkankungen steigen, heißt das noch lange nicht, dass mehr Menschen psychisch krank sind. Das heißt nur, dass es mehr Ärzte und Psychiater gibt.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH