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Psychisch kaputte Menschen

Saun"floUwer_7x3


Übrigens habe ich von Meisen, die ich als Kind/Teenie schon hatte, teilweise heute erst die Bezeichnungen erfahren (und ich glaube das eine oder andere gab es damals als Bezeichnung noch gar nicht); das könnte auch den Eindruck erwecken, dass heute mehr Leute 'ne Meise haben als früher. Weil's vielleicht einfach mehr Begriffe gibt für das eine oder andere Problem, was es früher aber eben trotzdem schon gab.

Oh ja! Die Begriffe sind neu; die Sache an sich gab's aber schon. Nur hieß es halt nicht gleich Mobbing und die Eltern verhätschelten uns auch nicht ständig. Es wurde auch gezickt, gehänselt (und mehr). Es gab auch Warnungen vor Gefahren und es gab auch reale Gefahren. Und und und.

GTeerdCetxer


Abgesehen von den zum Teil erbärmlichen Löhnen (nach Hochschulstudium mit allem drum und dran)

Bitte??

Also, wenn Akademiker übers Geld jammern, dann kommt mir die Galle hoch.

wTillZge?sundhseLixn


"Akademiker" heißt weder "überdurchschnittliches Einkommen" noch "ich bin "unfairer Weise arbeitslos", es gibt so viele verschiedene Menschen...

Man könnte sagen, dass Menschen, die es sich leisten können, in Deutschland zu leben und ab und zu nen freien Tag haben, sich nicht beschweren können, weil es ca. 4 Milliarden Menschen schlechter geht...

S@unflowXer_x73


@ Geerdeter:

Ich habe 2012, 6 Jahre nach Studienabschluss, für 800€ brutto gearbeitet. 30-Stunden-Stelle. Klar, die reichen Akademiker. ;-)

N]urari"hyxon


Der Exfreund meiner Mutter ist Ingenieur, bekam aber irgendwann nach dem Studium keine Stelle, weswegen er bei der Post zu arbeiten begann. Mittlerweile ist er so lange dort, dass er praktisch unkündbar ist und bekommt ein mehr als ordentliches Gehalt.

wuillgesyunds4eixn


Meine Mutter ist Diplom-Theologin, hält sich jetzt aber mir vielen kleinen Projekten und Job-Center-Unterstützung über Wasser. Mein Vater hat kein Abitur, aber ein Instrument studiert, ist Solist mit fester Anstellung und gutem Gehalt..

Mein Cousin macht in Harvard seinen Doktor in Wirtschaft, wird mal stinkereich!

Ich studiere ein musikalisches Fach und hab keine Ahnung, was ich damit machen soll und betrachte meine Arbeitsperspektive eher skeptisch...

So viel zu Stereotypen... Das hat vielleicht vor 20 Jahren noch guzt zugetroffen, aber heutzutage nicht mehr glaube ich!

m>on-d+s6terxne


@ Alouette

Eine mögliche und völlig laienhafte Erklärung (wenn es denn so ist) wäre für mich, dass es uns heute im Allgemeinen (trotz Arbeitslosigkeit, Harz4 etc.) so gut geht, dass wir uns psychische Krankheiten sozusagen "erlauben" können. Damit will ich sagen, dass in Kriegszeiten, in wirklich großer, existenzieller Armut usw. Körper und Geist sich ausschließlich darauf konzentrieren zu überleben, und dass wir heute, nachdem diese "Grundbedürfnisse" bei den meisten befriedigt sind, an der Nichterfüllung anderer Bedürfnisse (sicheres soziales Netzwerk, Anerkennung im Beruf,...) leiden.

:)^

Dieser Gedanke ist mir neu, von daher etwas schwer zu verstehen und gewöhnungsbedürftig – sicherlich auch noch ausbaufähig. Aber meiner Meinung nach ist dieser Gedanke im Grunde genommen die Antwort auf die Frage dieses Fadens.

cuhe~rrxy07


Dieser Gedanke ist mir neu, von daher etwas schwer zu verstehen und gewöhnungsbedürftig – sicherlich auch noch ausbaufähig. Aber meiner Meinung nach ist dieser Gedanke im Grunde genommen die Antwort auf die Frage dieses Fadens.

sehe ich genau so. ich gehöre wohl zur angesprochenen "zielgruppe" dieses fadens: mitte 20, abgeschlossenes studium, guten, wenn auch auch befristeten job in aussicht und eigentlich nichts, über das man sich beklagen könnte. dennoch habe ich eine essstörung, was mir selbst als das auf einer seite als das dümmste luxusproblem vorkommt, das ein mensch haben kann. ich überlege mir so oft, dass es so viele menschen auf der welt gibt, die hunger leiden, und ich kriege es bei allem überfluss und wohlstand nicht hin, normal zu essen. das überangebot ermöglicht die krankheit.

SS.h w~alli3sixi


probiert es halt einfach aus^^ ich glaub es irgendwie eher nicht dass z.B. ne Essstörung verschwindet wenn's nur "existenziell" genug wird. Eine mittelgradige Depression schon eher, eine schwere wiederrum wohl nicht, da wird's dann vermutlich richtig übel bis zur Lebensbedrohlichkeit ... und bzgl "trotz Arbeitslosigkeit, Harz4 etc." .. glaubt ihr denn wirklich allen Ernstes dass Arbeitslosigkeit und Hartz 4 zu beziehen für alle menschlichen Psychen schadlos ist?!? Ich finds ja ehrlich gesagt gut wenn nicht, aber ich glaube nicht im geringsten dass das einen allzugroßen Anteil ausmacht.

Sv. wagllifsixi


ähm, falsch rum formuliert^^, ich meinte ich find's gut wenn's für die Psyche eben nicht schädlich ist.

m!ond+sbteUrxne


@ S. wallisii

probiert es halt einfach aus

So war das nicht gemeint. Du hast zumindest mich da wohl etwas missverstanden.

Sv. :walli,sii


hmm... vielleicht steh ich grad aufm Schlauch aber ich verstehe in dem Zusammenhang "so war das nicht gemeint" irgendwie nicht.

m+ond!+s_texrne


@ S. wallisii

Ich versuch noch mal, es zu erklären. In Kriegszeiten geht es den Menschen nur um's nackte überleben. Da hatten die Leute ganz andere Probleme, als wir in unserer friedlichen Wohlstandsgesellschaft. Heute geht es uns materiell relativ gut. Die Grundbedürfnisse werden so im Großen und Ganzen abgedeckt. Jetzt stehen wir vor der nächsten Aufgabe: Wie soll sich unsere Kultur weiterentwickeln? Leider hakt es etwas bei der Beantwortung dieser Frage. Wenn intelligente Menschen, die gerne etwas machen würden, dann in ein Gefühl von Sinnlosigkeit und Depression verfallen, erscheint mir das plausibel.

Ob man damit jetzt auch Essstörungen erklären kann, weiß ich nicht so recht.

Sk. wa-llixsii


das hab ich schon verstanden, ich glaub allerdings erstens nicht dass da in entscheidendem Maße was dran ist und zweitens gefällt mir nicht was "uns geht's zu gut/damals hatte man richtige Probleme" etc. transportiert, nämlich dass eine Depression oder andere psychische Probleme nicht so wirklich tragisch oder ernstzunehmen sind. Bevor's Rechtfertigungen hagelt, ich nehm nicht an (oder hoffe) dass das hier in diesem Faden jemand so meinte, aber mittransportiert werden solche Ansichten, mindestens unterschwellig, trotzdem. Und veraltet oder selten sind derlei Ansichten ja leider nun mal nicht.

Beispiel-Zitat aus einem anderen Faden:

Das Jobcenter rät mir meine Behinderung zu verschweigen (und damit auf meine Rechte zu verzichten)- schließlich sieht man mir meine Behinderung nicht an. Ich solle mich nicht so anstellen. Heutzutage hätte doch jeder Depressionen.

Aber zum Thema zurück, ich weiß nicht wie man zu der Schlussfolgerung kommen kann, weil's uns heute materiell gut geht und "damals" nicht, muss darin der Grund für psychische Erkrankungen zu finden sein. Man weiß es doch noch nicht mal dass dem (weniger psychische Krankheiten) wirklich so war, damals waren solche Dinge ja noch dramatisch unakzeptierter so dass mich nicht im mindesten wundern würde dass sich das Betroffene nicht mal selbst eingestehen konnten.

Für mein Empfinden gäb's jedenfalls Gründe die erheblich plausibler klingen als diese Erklärung.

Leistungsdrücke z.B. oder durch Werbung massiv unterstützte Überzeugungen dass dieser und jener Konsum nachhaltig glücklich machen würde. (Ist ja nichts schlechtes am Konsum und meist macht er kurzfristig ja tatsächlich glücklich, die Fixiertheit darauf und der Sog, anstatt nach zusätzlichen, nachhaltigeren Glücksquellen zu suchen, immer kompensierender zu konsumieren ist halt übel)

Jetzt stehen wir vor der nächsten Aufgabe: Wie soll sich unsere Kultur weiterentwickeln?

ja, ich bin zwar pessimistisch dass ich da noch irgendwas von irgendwelchen Umschwüngen miterleben werde aber optimistisch dass sie wirklich irgendwann stattfinden werden. Wundern würde mich allerdings nicht wenn dem vorrausgehen müsste dass die Anzahl psychischer Krankheiten wirklich ganz extrem steigt.

l7uoma=rxen


Ich hatte in den letzten Tagen zwei interessante Filme gesehen. The Human Scale handelt vom Einfluß der Stadtplanung auf das Zusammenleben der Menschen. alphabet befasst sich mit den Effekten von Leistungsdenken bei Kindern.

Die These von The Human Scale war, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, das sich gerne auf Plätzen oder an anderen geeigneten Orten trifft. Für diese Art von Sozialisation bilden Dörfer die passenden Strukturen, weil man sich dort kennt und auch spontan treffen kann. Das Schlimmste, was der Spezies Mensch passieren konnte, war die Stadtplanung der 60ziger Jahre, bei der Arbeit (im Stadtzentrum) und Wohnen (in den Vororten) getrennt worden ist. Wenn der Weg zur Arbeit noch mit dem Auto zurückgelegt wird, dann führt dieses Konzept zu einer gesellschaftlichen Isolation, weil nirgends Möglichkeiten zur spontanen Interaktion mit anderen Menschen bestehen. Denn dazu sind sowohl die Stadtzentren als auch die Vororten zu steril gestaltet. Artgerechte Haltung sieht anders aus. %-|

alphabet vertritt folgende These: Staunen und Lernenwollen sind grundlegende Eigenschaften menschlicher Wesen. Wenn man zu früh auf Wettbewerb in der Erziehung setzt, wird der Unterricht zur Gleichrichtung der Gedanken. Im Extremfall ist jede Kreativität ausgetrieben worden und das Wissen besteht nur aus auswendiggelernten Fakten. Die Erfolgsgeschichte der Menschheit besteht jedoch aus kontinuierlicher Innovation. Damit untergräbt das Wettbewerbsdenken unsere Kultur und macht uns zu unselbständigen und unkritischen Konsumenten.

Ich würde daraus eher die These basteln, dass es früher durchaus Probleme gegeben hat. Das soziale Netz war aber anders gebaut (Familie, Kirche und Freunde), während heute dann eher der Psychologe als Ersatz für diese Art von Unterstützung herhalten muss. Vielleicht habe ich etwas Schwarz-Weiß gepinselt, aber das sind die Sachen, die mir zu dem Thema einfallen.

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