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Warum haben Depressive oft den Wunsch, zu sterben?

R7otxfee hat die Diskussion gestartet


Hallo,

mich beschäftigt leider ein o.a. Thema, warum depressiv erkrankte Menschen oft den Wunsch haben zu sterben, da es hier in letzter Zeit einige Suizide am Ort gegeben hat, wo gesagt wurde, sie waren depressiv.

Außerdem waren auch 2 Freundinnen von mir daran erkrankt, bei einer ist das immer noch nicht 100 %tig therapiert,ich wollte sie diesbezüglich aber natürlich nicht nach Suizidgedanken fragen. Die Angst war aber auch da vorhanden, bei mir als Freundin.

Kann mir das jemand erklären, denn ich hatte noch nie Depressionen, würde das aber gerne verstehen, ob es z.B. nur der Wunsch ist, absolute Ruhe zu haben oder sonst was.

Habe gerade den Film gesehen: "der letzte schöne Tag", da war das auch Thema, aber auch da fehlte eigentlich das Wissen, warum es zur Tag kam ihrerseits, es wurde nur gesagt von ihr: "ich kann nicht mehr", aber was genau kann sie nicht mehr?.

Danke.

Rotfee

Antworten
b=e*llaBgxia


Meine Erklärung:

Das Leben wird als anstrengend empfunden, als ständiger Kampf.

Der Tod erscheint wie endlich zur Ruhe kommen dürfen, aufhören zu kämpfen, schlafen.

A:USwaEnder/in8x3


Ich selbst bin schon lange depressiv - mal mehr, mal weniger. Bin seit 2,5 Jahren in Therapie, mein Gefühlszustand war mal zwischendrin mal etwas besser, seit ich vor einem halben Jahr freiwillig den Job gewechselt habe, geht es immer weiter bergab.

Am Anfang der Therapie hab ich mich wirklich in so einem Zustand "zwischen Leben und Tod" befunden. Da war eine starke Todes-Sehnsucht bzw. eine "Nicht-mehr-da-sein-Sehnsucht". Obwohl ich noch nichts konkretes geplant hatte und ich es vermutlich sowieso nicht gemacht hätte. Da gab es auch mehrere Phasen von "warum kann mich nicht ein Auto überfahren" (also passives Sterben) bis hin zu "vll. spring ich doch von wo runter" (aktives Sterben).

Dank Antidepressiva (Citalopram, später Venlafaxin) und Therapie wurde diese Sehnsucht langsam immer weniger.

Jetzt, durch den neuen Job der mich gefühlt total überfordert, bin ich schon wieder in einen Zustand der totalen Hoffnungslosigkeit reingekommen.

Ich hatte jetzt eine Woche Urlaub. Was hab ich gemacht? Nichts, gar nichts. (Okay, Nase auch noch gebrochen, aber ich glaub auch ohne dem hätte ich nix zustande gebracht.)

Ich habe keine Kraft mehr irgendwas zu machen. Noch nichtmal die Kraft eine Urlaubsplanung in Angriff zu nehmen, könnte eh keiner mitkommen. Einfach nur schlafen, kein Nachdenken, keine Angst - das wär schon was.

Das Leben fühlt sich momentan einfach nur hoffnungslos an (in allem Bereichen), viiiiel zu anstrengend als dass ich das jemals alleine gebacken krieg und das mit der Liebe hab ich schon abgeschrieben.

Momentan bin ich wieder in so ner Phase, wo ich über die Straße geh und mir denk "ja dann überfahr mich halt doch du doofes Auto" - wütend und enttäuscht vom Leben.

Antidepressiva hab ich vor 3 Monaten oder so eigenmächtig ausgeschlichen (hatte Verdacht auf Nebenwirkungen) und die Therapie sollte nun auch auslaufen. Hab um Verlängerung gebettelt, welche jetzt beantragt - aber noch nicht genehmigt wurde.

Während der gesamten Zeit war ich nie aus psychischen Gründen krankgeschrieben, immer schön in die Arbeit gerannt, aus Angst als Simulant zu gelten, vor blöden Kommentaren auf Arbeit und Konsequenzen. Auch wenn ich dort schön öfter unbemerkt Heulkrämpfe bekam.

Tja...das war jetzt so meine Geschichte, vielleicht konnte ich dir etwas Einblick in die "Gefühlswelt eines Depressiven" gewähren.

ROich}ard6x1


@ rotfee

die Gefühlswelt eines Depressiven im schwersten Stadium ist einem "Gesunden" nicht zu erklären. Das ist in etwa so wenn einer mit schwersten Brandwunden jemandem der diese Schmerzen noch nie gehabt hat, seine unvorstellbaren erlittenen Schmerzen erklären will.

Man kann es versuchen über den Schmerz der einem bei z.B. Liebeskummer befällt zu erklären, die Gefühlswelt ist ähnlich nur in 10 facher Potenz.

Die Welt des Depressiven ist schwarz weiss es gibt keine Farben, er empfindet weder Liebe noch Freude, die Gefühlswelt gleicht einem Eisblock alles ist erstarrt. Am Ende kann er weder essen noch schlafen er verkriecht sich jede freie Minute unter seiner Bettdecke. Am Schluss ist man mit seiner Psyche und die Qualen die diese einem verursacht so weit, daß man als einzigen Ausweg den Tod sieht. Der Tod ist sein freund und der Retter aus all dieser Seelenpein, er schöpft Mut und hat soviel Antrieb aus dieser Erkenntnis; daß er es in einem blitzschnellen Akt dann oft auch durchführt.

Dieses Stadium hatte ich erreicht und nur durch meine Frau ging ich in professionelle Behandlung, wo ich mit ADs und Tranquilizer gerettet wurde.

nNeve&rth2elesPs


Hallo,

bei mir ist es ähnlich wie bei Auswanderin83. Ich bin nun auch wieder seit einigen Monaten in Therapie – nehme ebenfalls Antidepressiva.

Das Problem ist, dass man nicht mehr die schönen Dinge im Leben sieht und sich "gefühlsarm" fühlt. Man empfindet immer weniger, dementsprechend auch immer weniger Freude. Nichts macht mehr so richtig Spaß, selbst die einst schönen Dinge sind ein regelrechter Kraftakt, der an dem Körper und den Nerven zerrt. Daher haben viele psychisch Kranke auch psychosomatische Beschwerden. Die ständige Müdigkeit nimmt einem dann noch die letzte Kraft.

Das Leben ist einfach anstrengend und man zieht es immer weiter vor, lieber allein zu sein. Man geht weniger raus, vernachlässigt soziale Kontakte und dann fühlt man sich doch irgendwie allein gelassen und total überfordert.

Man weiß zwar, dass es irgendwie weitergehen muss und dass es wieder besser werden kann, aber es fehlen einfach Kraft und Motivation. Der Weg des geringsten Widerstands ist dann oft einfach viel präsenter als der ewige Akt zu Kämpfen.

Bei mir kommt dann noch meine autoaggressiven Züge hinzu – der Hass auf die Welt und auf mich selbst als "Sündenbock" für mein Leben und das Bestrafen meiner eigenen Person. Was gibt es für eine schlimmere Bestrafung, als sich selbst mit dem Nehmen des einzigen, was bleibt, zu drohen. Und das ist dann das Leben.

Man sieht das Gute nicht mehr und daher auch keine Hoffnung.

Ja. Und aus diesem Teufelskreis herauszufinden ist nicht einfach und ich denke, dass es meist gar nicht ohne Therapie und Medikamente geht. In vielen Fällen spielen traumatische Ereignisse und schlimme Erfahrungen/Erinnerungen noch eine entscheidene Rolle. Wenn man ständig damit konfrontiert wird und es einfach nicht verarbeiten kann ...

Auch ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick geben.

LG,

nevertheless

gbala}xyxs


Das ist eine Frage, die würde jemand, der selber Depressionen hat nie stellen...weil sicher jeder Depressive dieses Gefühl kennt, sich aber Gott sei Dank nicht alle umbringen. Für Außenstehende ist das halt schwer zu erklären...vielleicht hörst du deiner Freundin mal zu, wenn sie gerade eine sehr schlechte Phase hat, wie es ihr geht, was in ihr vorgeht...und dann erübrigt sich die Frage eigentlich. Es ist einfach...dieser Zustand. Man selbst kann nichts dagegen machen, es wird eigentlich nur schlimmer, man ist traurig, hat Angst, sieht keine Auswege oder Zukunftsperspektiven. Man hat das Gefühl, dass es einfach nicht besser werden kann...dass es einem immer so schlecht gehen wird. Wenn du wochen- oder monatelang nichts positives im Leben siehst, ständig diesen Schmerz, die negativen Gefühle usw hast...wie würde es dir damit gehen? Du würdest dir sicher auch denken: wenn mich jetzt jemand auf der Straße niederschießt oder mich ein Auto überfährt, so schlimm wäre das nicht. Oder du hättest den Wunsch einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen oder erst aufzuwachen, wenn diese Phase vorbei ist. Und manche wünschen es sich nicht nur irgendwie, dass es passiert, manche nehmen es dann halt auch selber in die Hand.

Rbichaxrd61


Es gibt ein Buch, das ein Depressiver für die Familie ,Angehörige, Freunde für sich und Betroffene und deren Angehörige geschrieben hat, relativ kurz mit vielen Bildern wird sehr anschaulich versucht die Krankheit zu erklären.

Unten der Link zum Buch "Mein schwarzer Hund"

Mein-schwarzer-Hund-meine-Depression

MbolliBenchen


Der Wunsch zu sterben entspringt der puren Hoffnungslosigkeit. Das Leben wird als vollkommen scheiße und als pure Belastung empfunden. Eine Möglichkeit, dass sich das Leben so ändern könnte (oder man es selbst so ändern könnte), dass es schön ist, wird nicht gesehen. Also scheint der einzige Weg, dem Leid zu entkommen, zu sterben.

Seelischer Schmerz ist ja auch Schmerz. Jemand, der chronisch heftigste körperliche Schmerzen erleiden muss und weiß, dass sich das nie geben wird, hegt vielleicht auch mal den Gedanken, das Ganze durch Freitod zu beenden. Das ist mit seelischem Schmerz nicht anders.

"Ich kann nicht mehr" heißt "ich halte das nicht mehr aus". "Ich komme da sowieso nicht mehr raus."

Und wie hier auch geschrieben wurde, dazu kommt noch Selbsthass, Hass auf die eigene Schwäche und sich zusätzlich noch als Belastung für andere zu fühlen, was den Wunsch, nicht nur sich selbst von seinem Leid zu befreien, sondern auch alle anderen, die einen ertragen müssen, noch verstärkt.

Ich hatte selbst nie den ernsthaften Wunsch, mich umzubringen, aber der Gedanke "wenn es jetzt zu Ende wäre, wäre es okay" oder "es ist schon ganz gut, dass man nicht ewig lebt" ist mir nicht fremd.

Nxannix77


Ganz platt gesagt, man hat keinen Bock mehr auf den Scheiss, man will das es einfach aufhört.

Das aber genau zu erklären das es ein Nichtdepressiver versteht, kann ich nicht.

Stinne[stätexr


würde das aber gerne verstehen

Stell dir dein Leben vor, und subtrahiere Freude, Begeisterungsfähigkeit, Interesse, Liebe, Kreativität, Empfindungsfähigkeit, Lust, Wohlfühlen und Energie.

Dann stell dir vor, daß alles was du tust um ein Vielfaches schwieriger, anstrengender, auslaugender ist – ohne daß dafür am Ende die Belohnung eines der oben Genannten auf dich wartet.

Wenn du es schaffst, dir das vorzustellen, dann fragst du nicht mehr, warum jemand sterben will, sondern warum er leben will :-D

Rrotfxee


Hallo,

vielen Dank für eure Erklärungen, sie haben mich sehr berührt, hoffentlich findet ihr alle noch einen Lichtblick, Medikamente und Therapien, die euch wieder ein halbwegs normales Leben ermöglichen.

Und ja, ihr habt recht, wenn man nicht depressiv ist, war, kann man das sehr schlecht nachempfindenden.

Klar, traurige Stimmungen hatte ich auch schon im Leben, Liebeskummer etc, aber bei mir ist das halt wieder vergangen nach einer Zeit des Trauerns, aus etwas Negativem ist bei mir immer was Positives geworden, aber das waren halt nur normale Lebenskrisen. Suizid wäre für mich persönlich grundsätzlich nie eine Option, dafür hänge ich viel zu sehr am Leben, aber ich kann es ein nun wenig nun verstehen, wenn manche den Tod herbeisehnen, wünsche mir aber trotzdem , das auch diese Menschen wieder Freude empfinden am Leben.

Werft dieses eine Leben, das ihr habt, nicht weg, bitte!!!

LG Rotfee

Reich.arvdx61


Ein sehr großer Beitrag den Gesunde gegenüber Depressiven leisten könnten, wäre bevor man den Mund aufmacht und irgend etwas wie" Reiss dich doch zusammen" oder ähnliches von sich gibt. Einfach Klappe halten - sich informieren und dann den Mund aufmachen.

gHal#axyxs


Ein sehr großer Beitrag den Gesunde gegenüber Depressiven leisten könnten, wäre bevor man den Mund aufmacht und irgend etwas wie" Reiss dich doch zusammen" oder ähnliches von sich gibt. Einfach Klappe halten – sich informieren und dann den Mund aufmachen.

Das kann ich unterschreiben. Mich kotzt es auch immer an, wenn alle denken, dass es so einfach ist und mit bisschen Optimismus alles besser wird. Die wenigsten sehen es als Krankheit, viele sind der Meinung man ist selber schuld oder einfach nur gestört oder übertrieben emotional und schwach. Daher wissen es in meinem Umfeld auch nur sehr wenige Personen, weil man sonst sofort verurteilt wird oder in Schubladen gesteckt. Keiner würde einem mit Parkinson oder MS oder ähnlichen chronischen Erkrankungen vorwerfen, er wäre selber Schuld und es wäre eh so einfach, wenn man etwas optimistischer wäre. Aber das ist off topic und wieder ein ganz anderes Problem, wofür die Leute ein Bewusstsein entwickeln müssten.

HOirseabrexi


Ich möchte an dieser Stelle nur mal anmerken, dass Depression nicht gleich Depression ist.

Nicht jeder Mensch der unter einer diagnostizierten Depression leidet will sterben.

Deshalb:

@ rotfee

"Außerdem waren auch 2 Freundinnen von mir daran erkrankt, bei einer ist das immer noch nicht 100 %tig therapiert,ich wollte sie diesbezüglich aber natürlich nicht nach Suizidgedanken fragen."

Sie muß auch nicht zwangsläufig welche haben.

gCalax;ys


Natürlich hat nicht jeder Selbstmordgedanken, aber sehr viele. Und auch, wenn keine Gedanken in die Richtung da sind, wäre es aber trotzdem wichtig, dass man als Außenstehender annähernd versteht, was derjenige durchmacht.

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