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Monatelange Angst schwul zu sein (m/25)

S_unfloYwer_x73


Klar MUSS es niemand erzählen. Aber ständig gezielt zu LÜGEN, was die Begleitung bei Urlaubsreisen etc. angeht, ist dann die Kehrseite. Es geht ja auch nicht um Sexpraktiken im Detail, aber einen vorhandenen PARTNER wird doch jeder mal erwähnt haben. Diese Selbstverständlichkeit sollte möglich sein.

Ich habe einen schwulen Bekannten, der mit einem Kinderarzt (!) zusammen ist. Da ist irgendwann mal beiläufig gesagt worden, dass es sein Partner ist, und basta. Machen beide im beruflichen Umfeld auch. Aber kurz und knapp und mit seiner selbstbewussten Selbstverständlichkeit. Und wenn es um Urlaubsplanungen etc. geht, fragt man ganz normal, wo die BEIDEN denn hinfahren. Das hat für mich nix mit Sexpraktik zu tun, sondern mit einer banalen Anteilnahme am Leben eines anderen Menschen auf zimelich alltäglichem Niveau. Daran finde ich nichts unprofessionell. Hetero-Menschen reden ja auch über die geplante Hochzeit oder oder oder.

BVenenni@ce


Aber er braucht Selbstbewusstsein um sich seiner persönlichen Meinung zum Thema Homosexualität sicher zu sein.

Ich glaube schon, dass sich viele mit Meinungsäußerungen zum Thema Homosexualität zurückhalten, weil man wegen jeder Kleinigkeit in die Diskriminierungsschublade gesteckt wird.

Aber Angst?

Es geht nicht um Angst vorm Outing. Es geht um Angst davor, schwul zu werden. Wenn man nicht schwul werden möchte, muss man sich dem medial vermittelten Trend widersetzen.

Ach, SO hast du das gemeint!? Das ist jetzt eine völlig andere Sicht der Dinge, die mich überrascht.

Du meinst, es gibt also eine Angst davor, NICHT schwul werden zu wollen? ":/ Aber hat der TE das wirklich so gemeint?

mqondJ+sternxe


@ Sunflower_73

Klar MUSS es niemand erzählen. Aber ständig gezielt zu LÜGEN, was die Begleitung bei Urlaubsreisen etc. angeht, ist dann die Kehrseite. Es geht ja auch nicht um Sexpraktiken im Detail, aber einen vorhandenen PARTNER wird doch jeder mal erwähnt haben.

Es muss doch niemand lügen.

Wenn ein Mann mit seinem Freund in den Urlaub fährt, dann fährt er halt mit seinem Freund in Urlaub. Es ist doch ganz egal, was für eine Art Freundschaft das ist. Wer prüft das überhaupt, ab wann eine Männerfreundschaft homosexuell ist? Von mir aus braucht das niemand zu prüfen. Ich brauche keine Stempel und ich finde es auch nicht gut, Menschen in Schubladen zu stecken.

Diese Selbstverständlichkeit sollte möglich sein.

Was heißt es sollte möglich sein? Es ist möglich. Es sind auch noch ganz andere Sachen möglich.

Jeder kann sich jederzeit outen, wann und wo er will. Ob ich das gut finde, ist das eine. Aber möglich ist es. Das ist das andere. Und falls es irgendwann einmal auch nur einen Ansatz einer Disussion darüber gegeben haben sollte, habe ich sie verpasst.

@ Benenice

Du meinst, es gibt also eine Angst davor, NICHT schwul werden zu wollen? ":/

:-/ ":/

Es gibt eine Angst davor, schwul zu werden. Das schlimme daran ist, dass man sich dann von der Möglichkeit, Kinder von seinem Partner zu bekommen, verabschieden muss.

Angst vorm Outing ist ganz etwas anderes. Dort geht es um eine eventuell negative Reaktion des Umfelds. Das sollte heute eigentlich vermeidbar sein.

Und ja, ich habe den TE so verstanden, dass es um seine Angst vor dem schwul werden geht und nicht um seine Angst vor negativen Reaktionen seines sozialen Umfelds, wenn er sich outen würde.

Firom!Helxl


@ mond+sterne:

Und ja, ich habe den TE so verstanden, dass es um seine Angst vor dem schwul werden geht und nicht um seine Angst vor negativen Reaktionen seines sozialen Umfelds, wenn er sich outen würde.

Das ist korrekt. Es geht hier um ein absolut zwanghaftes Gedankenkarussell, das sich dreht und dreht und dreht.

B>enqenice


Aha. Nun ist es auch mir klar geworden ….. ;-D

GSegeHn_pdie_Zexit


Lieber FromHell

Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst. Seit dem 6. Januar 2013 leide ich ebenfalls unter demselben Problem: Zwangsgedanken, schwul zu sein. Leider ist dieses Phänomen einer Zwangsstörung bislang nur wenig bekannt. Unter dem Begriff "Homosexual OCD" findest du auf englisch aber viel zu disem Thema.

Es fing bei mir ebenfalls schlagartig an, als ich auf einer Party einen Kollegen musterte und darüber nachdachte, warum er keine Freundin hatte, obwohl er mir als attraktiver und sympathischer Mann erschien. Zack, plötzlich war dieser Gedanken in meinem Kopf: "Bin ich schwul??" und begleitet mich seitdem jeden Tag...Bei jedem Mann, den ich kennenlerne oder einfach nur auf der Strasse begegne, frage ich mich "Finde ich ihn sexuell attraktiv?", "bin ich dabei, mich in ihn zu verlieben?"

Es ist schwer, dies einem anderen Menschen zu erklären. Mir wurde von einem auf Zwangserkrankungen spezialisierten Psychiater bestägit, dass es sich um eine Zwangsstörung handelt. Leider hilft mir diese Info immer nur zeitweise, bevor wieder die bohrenden Zweifel kommen.

Gruss

Fcrom7HRexll


@ Gegen_die_Zeit:

Schön zu lesen, dass man nicht alleine damit ist! Hat es bei dir einfach von 0 auf 100 angefangen wie bei mir? Wie gehst du mittlerweile damit um?

Gruss

G{egen_ndie_Ze/it


Hallo FromHell

Ja schlagartig, innerhalb eines einzigen Augenblicks an dieser Party.

Dann erinnerte ich mich allerdings, dass ich in den vergangenen zwei Jahren schon mehrmals ein ähnliches Gefühl gehabt hatte. Ich bekam beispielsweise einen neuen Arbeitskollegen, redete mit ihm und plötzlich dachte ich: "Er ist gutaussehend, attraktiv, nett...hoppla, finde ich ihn etwa toll? Bin ich verliebt in ihn? Bin ich schwul?"

Dieser Gedanke versetzte mich in Sorge und Angst, verschwand allerdings nach einigen Stunden wieder. Das erlebte ich in den letzten zwei Jahren einige Male, ohne gross darüber nachzudenken. Im Nachhinein könnte es sein, dass sich diese "Schwul-Angst" (wie ich persönlich es nenne) langsam aufgebaut hat, bevor sie dann am 6. Januar 2013 plötzlich explodierte.

Ich war seit der Grundschule immer nur in Mädchen verliebt, teilweise sogar sehr heftig. Nie in einen Jungen. Ich hatte auch nie sexuelle Phantasien, mit einem Mann Sex zu haben, höchstens zwei oder dreimal in der Pubertät im Traum. Ansonsten kein einziges Mal. Ich stellte mir allerdings gelegentlich in meinen Phantasien vor, wie es als attraktive Frau wäre, mit einem Mann Sex zu haben.

Seitdem diese Zwangsgedanken aufgetreten sind, kontrollieren und erschweren sie mein Leben: Bei jedem Mann, dem ich irgendwie begegne, kontrolliere ich meine Gedanken und Gefühle: Finde ich ihn anziehend? Könnte ich mich in ihn verknallen? Bin ich etwa schon heimlich in ihn verliebt und will es nur nicht wahrhaben?

War ich mein ganzes Leben lang schwul und habe es immer verleugnet? Werde ich bald mein Coming-Out haben? Mich nie wieder in eine süsse Frau verlieben, sie im Arm haben? Nie wieder Sex mit einer Frau? Keine Familie gründen können mit einer lieben Frau und netten Kindern, wie es immer mein grösster Wunsch war?

Ich hatte bisher erst zwei Beziehungen mit Frauen, auch erst als ich die 20 schon deutlich überschritten hatte. Weil ich so schüchtern und introvertiert bin, dachte ich immer. Oder etwa weil ich eigentlich gar nicht auf Frauen stehte? Bei meiner letzten Freundin hatte ich anfangs auch Potenzschwierigekeiten, als junger, gesunder Mann mit 29 Jahren...die Nervosität und die Verliebheit, dachte ich damals. Oder war es etwa, weil ich schwul bin?

Alles dreht sich seit knapp einem Jahr nur um dieses Thema: Bin ich schwul? Oder nicht? Nur Zwangsgedanken? Oder doch schwul und zusätzlich ZWangsgedanken?

Wer das nicht selbst erlebt hat, wird es sich nur schwer vorstellen können...

m3ond+}stexrne


@ Sunflower_73

@ Benenice

Sollte uns das nicht zu denken geben? Eigentlich kann sich doch jeder selbst überlegen, was für einen jungen Mann so schlimm daran ist, schwul zu werden.

Keine Familie gründen können mit einer lieben Frau und netten Kindern, wie es immer mein grösster Wunsch war?

Aber es hat echt lange gedauert, bis mir das klar war. Wie geht es Euch? Gibt es Euch auch zu denken?

Geur kGen8naxse


Mal davon abgesehen, dass die wenigsten Menschen zu 100% heterosexuell sind, sehe ich hier eher eine Zwangserkrankung und keine Homosexualität.

Wenn man mal den einen oder anderen homosexuellen Gedanken hat, macht einen das nicht gleich schwul. Das Spektrum von reiner Homo- zu reiner Heterosexualität enthält sehr viele Abstufungen. Menschen werden von Menschen angezogen – manchmal auch gleichgeschlechtlich.

Ich "diagnostiziere" wirklich sehr vielen angeblich Bisexuellen eine Homosexualität, die sich die Betreffenden nicht eingestehen wollen.

In diesem Fall tue ich das nicht.

Aber: Homosexualität ist nicht krankhaft; eine Zwangsstörung aber schon. Durch den Leidensdruck ist diese Zwangsstörung mit Sicherheit tausendmal schlimmer als eine Homosexualität.

Ich bin nämlich tatsächlich homosexuell und lebe ganz normal mein Leben, gehe zur Arbeit, habe Freunde und Familie – und eben auch ein Sexualleben, mit dem ich keineswegs unzufrieden bin.

Isst ein Mensch gerne Erdbeeren und hasst Himbeeren, wird er halt dazu neigen, Erdbeeren zu essen und Himbeeren zu neigen.

Solche sexuellen Präferenzen sind letztendlich auch nur tiefverwurzelte Geschmäcker.

Der Erdbeerfan wäre völlig gestört, wenn er dennoch andauernd Himbeeren isst, obwohl er sich davor ekelt – nur, weil alle anderen auch Himbeeren essen.

Nicht die Homosexuellen haben ein Problem, sondern die Menschen, welche damit nicht klarkommen.

Da nunmal Männer meinem Geschmack entsprechen, Frauen aber nicht, habe ich halt Sex mit Männern. Aus dem Grund esse ich auch gerne Pizza, Schweinebraten oder chinesisches Essen: weil ich das mag und sozusagen drauf stehe.

Damit tue ich das gleiche wie jeder heterosexuelle Mann, der Frauen aufreisst. Ich folge einfach dem, was mich anzieht. In diesem Fall eben Männer.

Es haben nunmal nicht alle Menschen den gleichen Geschmack. Manche Leute essen sogar Heuschrecken. So gibt es auch Menschen mit seltenen Hobbies.

Im Fall der Sexualität folgt man einfach seinem Trieb – ob er einem zu diesem oder jenem Geschlecht führt.

Homosexualität definiert sich übrigens durch das völlige Fehlen von Heterosexualität. Ansonst wäre man bisexuell, was ja auch sehr viele Menschen sind. Wer Frauen erotisch anziehend findet, ist nicht schwul.

Allerdings ist diese Angst für mich fast so absurd, als ob jemand Panik davor hätte, lieber Himbeeren als Erdbeeren zu essen – obwohl man doch lieber Erdbeeren hätte...

Das Verrückte darin ist, dass man sich mit solch einer Angst vor Dingen verückt macht, die völlig normal sind. Scheissegal, ob man schwul oder hetero ist. Das einzige Problem hier ist die Zwangsstörung.

G'urk,ennaxse


Ach, den Link hatte ich vergessen:

[[http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/sexualtherapie/zwangsgedanken_homosexualitaet.phtml]]

B}eneMngiZce


Scheissegal, ob man schwul oder hetero ist. Das einzige Problem hier ist die Zwangsstörung.

Gurkennase

:)^

GZegsen_hd{iej_+Zeixt


@ Gurkenase:

Sehr guter Beitrag!

Ich bin ja genau wie FromHell davon betroffen. Es mag sich schockierend anhöre, wenn jemand, der sich für heterosexuell hielt, plötzlich mit solchen Zwangsgedanken konfrontiert ist. Ich habe selbst einige Kollegen, die schwul sind und hatte die nie geringsten Probleme damit. Es hat mich auch nie so stark interessiert. Natürlich habe ich meine homosexuellen Freunde gelegentlich gefragt, wie das bei ihnen so abläuft. Ich denke, es ist dasselbe wie bei Heteros, nur dass sich schwule Männer halt in Männer verknalle, romantische Gedanken an sie haben, sich eine Beziehung mit ihnen Wünschen und auch Sex- und das dann auch alles real erleben.

Trotzdem wurde mir erst durch die Zwangsgedanken klar, wie wieviel Mut ein Coming out erfordert. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob ich da so klar hinstehen könnte und das meinem Umfeld mitteilen. Meine Freunde und Familie hätten kein Problem damit, das weiss ich, aber wie das im erweiterte Bekanntenkreis und am Arbeitsplatz ankommt, davor hätte ich doch grosse Befürchtungen. Geschweige denn, wie der Wunsch nach eigenen Kindern dann aussieht.

Das merkwürdige ist, solche Gedanken zu haben, und gleichzeitig auf ein Leben zurückzuschauen, dass seit früher Jugend voll von Schwärmereien und Verliebtheiten für Frauen war – und nie für einen Mann. Immer erotische Phantasien mit Frauen gehabt zu haben (in meinem Fall u. a. auch, sich gelegentlich den Sex aus Sicht der Frau vorzustellen und dies erregend zu finden), aber sich nie körperlich von einem Mann oder dem männlichen Körper angezogen gefühlt zu haben. Und wenn man tatsächlich auch schon mit Frauen geschlafen hat, und diese Momente so unvergleichlich intim, schön und lustvoll in Erinnerung hat, dann fragt man sich erst recht: War ich immer schwul und wollte es nicht wahrhaben? Der Gipfel der Verleugnung der eigenen sexuellen Identität?

Ich glaube übrigens auch, dass praktisch alle Menschen, egal ob hetero oder homo, durchaus auch Sex mit dem eigenen wie auch mit dem anderen Geschlecht haben könnten. Wenn die meisten Männer dass strikt verneinen, dann nehme ich ihnen das nicht ab – das sage ich als Mann, der sich immer als hetero betrachtet hat.

Nur ist dann je nachdem vielleicht die Lust und die emotionale Intensität viel geringer, wenn es nicht der hauptsächlichen Identität entspricht.

Ich frage mich oft, wie Schwule Frauen empfinden. Nur freundschaftlich und nett, ohne jeden Anflug von Verknalltsein und körperlicher Anziehung?

GcurkenTnase


Sicher könnten die meisten Menschen Sex mit dem nicht favorisierten Geschlecht haben.

Die Frage ist nur, wie man sich dabei fühlt.

Irgendwer sagte mal, dass Geschlechtsteile eigentlich nicht sonderlich ästhetisch sind und eher an ausserirdisches Gemüse erinnern.

Dass man sich dennoch so stark davon angezogen fühlt, liegt halt am Trieb und unseren Hormonen.

Da mein Trieb mich jedoch nicht zu Frauen hinzieht, sehe ich deren Geschlechtsteile ohne die erotische Verklärung. Im Gegensatz zum Mann handelt es sich ja auch noch um teilweise innen liegende Teile, die dann auch noch feucht sind...

Es ist einfach nicht meins. Übrigens sehe ich noch einen Unterschied zwischen schwulem Sex und das Hineinversetzen in die Frau beim heterosexuellen Sex.

In diversen muslimischen Ländern (der Iran ist da ja besonders schlimm) kann männliche Homosexualität ja überhaupt nicht legal ausgelebt werden, weil sofort die Todesstrafe droht.

Ich bewerte Religionen immer danach, wie sie mit den tatsächlich oder vermeintlich schwächsten Gliedern der Gesellschaft umgeht.

Die einzige Möglichkeit für schwule Männer mit Männern Sex zu haben, ist dort eine Geschlechtsangleichung, wie man sie bei Transsexuellen durchführt. Damit stürzt man die Betroffenen von einem Leid in das nächste.

Schwule sind ja Männer und fühlen sich als Männer. Ich will ALS MANN Sex mit Männern haben, nicht als Frau. In meinem Bett haben nur Männer etwas zu suchen.

Ich mag schon den Gedanken an zwei Männer. Um nichts in der Welt wollte ich eine Frau sein. Wäre ich eine biologische Frau, würde ich das ändern...

Was übrigens den Mut beim Coming Out angeht, so stimmt das sicherlich. Das kostet viel Mut. Aber irgendwann nimmt man sich einfach das Recht, genauso frei zu leben, wie es Heteros auch tun. Natürlich kann man Ängste kultivieren. Vor dem Coming Out wird immer nur auf das geguckt, was man verlieren könnte. Aber zum einen passiert das so gut wie nie, zum anderen hat man nie auf dem Schirm, dass man sehr viel gewinnt und diese Gewinne jedes Risiko aufwiegen. Selbst wenn man wirklich Leute verlieren würde, so gewinnt man dadurch auf jeden Fall mehr Leute als man verloren hat.

Geht eine Tür zu, geht die andere auf. Das ist bei manchen Dingen wie ein Naturgesetz.

Ein offen schwules Leben besteht ja nicht nur darin, der bunte Hund oder eine Art Alien allein unter Heteros zu sein. Man geht ja auch dorthin, wo andere Schwule sind. Auf die Weise findet man sehr schnell etwas, was einem als Schwuler gefehlt hat. Man findet andere, die ähnlich ticken und wo man sich zugehörig fühlt.

Ich hatte auch Angst vor dem Verlust von Freunden. Tatsächlich war ich es schlussendlich aber, der sich von bestimmten Leuten gelöst hat, weil ich plötzlich von Leuten umringt war, denen ich mich einfach näher fühlte.

Diesen Faktor übersehen die meisten Leute in ihrer Coming-Out-Paranoia. Genau das ist es aber, was einen zu einem Gefühl von Normalität führt: Die Erkenntnis, dass es überall Schwule gibt, und dass man irgendwo auch zu etwas gehört u. sowas wie eine eigene Community hat.

Was den Arbeitsplatz und irgendwelche Bekannten angeht: Ich akzeptiere die Heterosexualität der Heteros und fordere einfach ein, genauso akzeptiert zu werden. Ich bin so, wie ich bin. Da gibt es überhaupt kein Palaver. Ich laufe nicht geduckt durch die Gegend und bettel um gnädiges Verständnis für mein Schwulsein.

Ich trete damit selbstbewusst auf und habe am Arbeitsplatz oder sonstwo in meinem Leben in 22 offen schwulen Jahren keine einzige negative Erfahrung gemacht.

Ich weiss aber, dass ängstliche und versteckt lebende Schwule, die nicht wirklich zu sich stehen, öfter schlechte Erfahrungen machen als selbstbewusst auftretende.

Aber ernsthaft: Ich habe wirklich kein Problem mit Worten wie schwul, hetero- oder bisexuell. Manche Leute reden immer von Schubladen und problematisieren alles unnötig.

Diese Wörter sind aber genauso Schubladen wie jedes Wort. Ein Wort ist eine Art genormtes Avatar, mit dem wir Bedeutungen mitteilbar machen wollen. Dazu ist es wichtig, sich auf die jeweilige Bedeutung der Begriffe zu einigen.

Wenn aber einige Leute solch ein großes Problem allein mit dem Begriff "schwul" haben und sich ständig fragen, wie sie sich selber definieren sollen, empfehle ich einfach mal die Definitionen wegzulassen. Zumindest testweise vorübergehend.

Wir leben für uns selber. Unser Leben gehört uns und wir sind für unser Glück selbst verantwortlich.

Die Chancen stehen auch nicht schlecht, dass nach diesem Leben nichts mehr kommt.

Das ist umso mehr ein Grund, sich selber zu verwirklichen und den Weg zu gehen, zu dem es einen hinzieht.

Wenn man also eine Frau irgendwo sexy findet – oder einen Mann. Wenn man beim Solo-Sex gegen- oder gleichgeschlechtliche Gedanken hat, so sollte man das umsetzen, was einen reizt. Dazu muss man keine großen Fragen stellen. Habe ich Appetit auf Grünkohl oder nur einen Salat, dann werde ich diesen Appetit nicht zerdenken bis ich verhungert bin.

Ich rede mir auch kein Essen ein, was ich im Grunde überhaupt nicht mag. Ich höre sozusagen auf mein Bauchgefühl und handle danach.

Und das tue ich auch ohne Schuldgefühle.

Warum auch? Solange ich niemandem schade und alles einvernehmlich geschieht, ist mein Leben auch mein Spielplatz, auf dem ich mich nach meinen Wünschen verwirklichen kann.

Unverzeihlich ist nämlich nur eins: am Ende des Lebens festzustellen, dass man aus Angst nichts von dem getan hat, wonach es uns dürstete und bei jedem Verlangen immer nur angstvoll auf die anderen zu schauen.

Natürlich hat es einen Wert, eine schwule Identität zu haben – oder auch nicht. Aber grundsätzlich ist es völlig egal. Hauptsache, man schmeisst sein Leben nicht weg.

M/L2x1


Hallo "FromHell",

ich hab mir deinen post durchgelesen und mache im moment genau das selbe durch. Seit recht langer zeit.

Ich würde dir empfehlen dich über sogenanntes "HOCD" zu informieren, am besten auf amerikanischen seiten, weil sich die gesellschaft dort viel mehr mit der Thematik befasst.

Grundsätzlich steht HOCD für Homosexual Obsessive Compulsive Disorder...der Zwangsgedanke schwul zu sein.

Dies scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein welches nicht mit der sexualität, sondern mit angststörungen zu tun hat.

Was bei dir der fall sein könnte ist folgendes...

kennst du dieses gefühl wenn du von etwas sehr erschreckt wirst...starkes herzklopfen, tiefes atmen, schwindel...eone hohe ausschüttung von adrenalin.

Die prozesse im körper eines menschen sind bei angst sehr ähnlich wie bei sexueller erregung. Es kommt sogar zu eine erregung der geschlechtsorgane bei angst, weil blut durch den körper gepumpt wird und dadurch auch ins geschlechtsorgan.

Was nun passiert sein könnte ist, dass die angst die du tatsächlich empfindest als sexuelle erregung wahrgenommen wird. Und hier fängt die spirale an.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dir genau erklären kann was in dir vorging als das ganze angefangen hat.

Eine "Erkenntnis"...die alten Erinnerungen über normale homosexuelle interessen in der pubertät, das abenteuer mit dem kumpel, das wahrgenommene interesse am gleichen geschlecht (auch wenn es nur minimalst damals auftrat)...und die angst hat dann eingesetzt. Eine art schock mit den symptomen welche man hat, wenn man sich sehr erschreckt. Dadurch dass dieser schock auftrat als du über homosexualität nachgedacht hast, hast du angefangen die angst mit sexualität zu assoziieren. Diese beiden aspekte verschmolzen miteinander und von dem moment an, hast du angefangen von männern erregt zu werden, nicht weil du auf sie stehst, sondern weil sie die personifizierung deiner angst wurden.

Der grund wieso du dann plötzlich angefangen hast zu schwulenpornos abzugehen war, weil du eine angst verspürst, welche sich als sexuelle erregung niederschlägt. Und dadurch dass du angst davor hast, denkst du dir dass du angst hast weil du auf schwulenpornos abgehst und deswegen schwul sein musst.

Also...Angst wurde zu sexueller Erregung, und sexuelle Erregung zu Angst, verstehst du?

Und sobald du eines von beiden verspürst, dreht sich die Spirale und wird immer schneller und schneller bis du dann einmal am boden ankommst (So wie jetzt)

Von deinem Text kann ich herauslesen, dass du nicht homophob oder schwulenfeindlich bist, und dass dein Umfeld diesen fall problemlos akzeptieren würde. Das ist sehr gut.

Was könnte nun das Hauptproblem sein?

Naja, dadurch dass du Angst vor homosexueller Erregung hast, willst du nicht an sie denken...weil du nicht an sie denken willst, merkst du dass du angst davor hast daran zu denken...und weil du merkst dass du angst davor hast daran zu denken, schließt du daraus, dass du versuchst etwas zu unterdrücken was in dir ist, nämlich die homosexualität (dem ist aber meiner meinung nach nicht so)

Ein weiteres problem ist, dass sich deine gedanken so sehr damit beschäftigen die möglichkeit homosexuell zu sein zu bekämpfen, dass diese gedanken deinen alltag einnehmen. Und naja, wenn die frage ob man schwul ist 24h am tag besteht schließt man daraus dass man schwul sein muss...man denkt ja ständig dran.

Ein weiterer aspekt ist, dass du so sehr angst vor diesen gedanken hast, dass du denkst dass es der untergang wäre sie einfach mal gewinnen zu lassen. Jap, du hast mich richtig verstanden...die homosexuellen gedanken gewinnen zu lassen. Wieso macht dir das angst? Dadurch dass der gedanke alltäglich und ganztäglich so eine große bedrohung darstellt, geht man davon aus, dass man verloren ist, sobald man sich einmal ihnen gegenüber öffnet. Dadurch dass du sie aber niemals gewinnen lässt bzw. dagegen ankämpfst, führst du eigentlich einen kampf in einer gedankenwelt, die letztendlich nichts mit der realität zu tun hat...und wenn ein gedanke nie den boden der realität berührt, wirst du auch nie wissen ob er zur realität gehört. Letztendlich kämpfst du ständig gegen etwas, wovon du garnicht weißt ob es da ist, du glaubst lediglich dass es da sein könnte.

Ich habe die erfahrung gemacht, dass wenn ich komplett am boden zerstört bin (ich leide an dem selben problem wie du) und ich nicht mehr kämpfen kann, ich den gedanken in die realität lasse. Ich sage mir dann "Los gedanke, jetzt gib mir die volle ladung und verdonnere mich zu meinem fluch schwul zu sein". Und genau in dem moment denke ich nichts mehr, der gedanke schwul zu sein ist weg. Wieso passiert das? nun, meine annahme...für mich gilt wohl folgendes:

Schwul=angst, angst=schwul und ohne angst gibts kein schwul mehr.

Möglicherweise haben wir angst vor etwas was es garnicht gibt, und sobald wir die angst ablassen und uns den angriffen des "schwul-seins" opfern, greift uns garnichts an, weil es da nichts gibt.

Deine erregung an männern bzw sex mit männern resultiert wohl aus einer komplizierten ankettung von emotionen, welche im moment der angst vor homosexualität in dich reinschießen. Diese emotionen verspürst du weil du im laufe deiner 3 Monate bezogen auf das Thema Homosexualität eben alle emotionalen phasen durchgegangen bist die ein mensch nur haben kann. Und weil in unserem fall möglicherweise Schwul=Angst bedeutet, haben wir wohl diese ankettung an emotionen an die angst gekoppelt, wodurch das Gefühl der angst einer sexuellen erregung ähnelt...und hier fängt die spirale dann wieder von vorne an :)

ich weiß der text ist lang, wie gesagt, mir gehts im moment genauso wie dir.

Nur was ich glaube festgestellt zu haben ist, dass die depressivsten phasen tatsächlich eine hilfe sind. Sie bringen unsere ängste nämlich immer näher und näher an die realität ran, bis sie einmal in der realität fuß fassen und wir merken dass die "ängste" nur eine leere verpackung sind ohne inhalt. An diesen momenten (so geht es mir zumindest) habe ich für den bruchteil einer sekunde den vollen durchblick, in welchem ich mich frei fühle und das "verlangen" nach sex mit männern verschwindet. Tatsächlich ist dieses "verlangen" wohl auch kein verlangen nach männern, sondern das verlangen nach angst. Wir brauchen diese angst, weil wir ohne angst, angst hätten der homosesualität zu verfallen.

Vergleichbar mit: 3h früh, dunkle gasse, komische geräusche in einer dunklen ecke...wir setzen unseren fokus auf die bedrohlichsten sachen, denn wenn wir uns nicht darauf fokussieren, haben wir angst dass uns plötzlich etwas anspringt...dabei wissen wir doch garnicht ob da etwas ist, sehr wahrscheinlich ist da auch nichts.

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