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Monatelange Angst schwul zu sein (m/25)

MIL2X1


@ FromHell

@ Gegen_Die_Zeit

@ Gurkennase

Das ist ganz wichtig zu verstehen, und das habe ich schon oft versucht zu erklären...bevor wir (denn ich gehör auch zu den leuten die solche gedanken haben) uns fragen worauf wir stehen, sollten wir mal wieder psychisch mit uns selber klar kommen. Ja FromHell, du hast auch ne schraube locker, und ich auch. Und in diesem Zustand ist es klar, dass wir uns die Frage nach unserer Homosexualität mit einem "Ja" beantworten. Unser Gehirn ist ja inzwischen darauf trainiert so zu denken.

Es geht hier nicht vorrangig um unsere Sexualität, sondern um unsere Psyche.

Gurkennase, dich habe ich markiert weil du das mit der "Schraube locker" erwähnt hast.

Und ich spreche hier glaube ich im Namen jeder Person der es genau so geht: WIR SIND UNS IM KLAREN, DASS HOMOSEXUELLE NICHT ZURÜCKGEBLIEBEN, NICHT EIN TRENDPHÄNOMEN, NICHT VERWIRRT SIND UND AUCH NICHT BEHANDELT GEHÖREN!!! Und wenn ich niemals ne frau geil gefunden hätte, und niemals nen ständer bekommen hätte, nachdem mich eine frau einfach mal gefragt hat ob wir was trinken gehen wollen, und niemals zu nackten frauen abgegangen wäre und niemals sex mit frauen genossen hätte...stattdessen aber immer von männern geträumt hätte, ihnen hinterhergeschaut hätte, ständig nackte männer angeschaut hätte und herzklopfen bei (keine Ahnung) Brad Pitt gehabt hätte dann wär ich schon längst glücklich schwul und offen diesbezüglich...Aber mein leben bis zu dem moment der verzweiflung bestand nunmal aus genau dem Gegenteil, und ich habe mich niemals gefühlt, als hätte ich mich dabei verstellt.

M@L2t1


und nochmals @Gurkennase

genau diese spontanität einfach aus der situation zu sagen:"Nö danke Herr gutaussehender Schwuler Barkeeper, du hast schon was an dir, aber nicht genug um mich mit nachhause zu nehmen" fehlt leuten wie FromHell, GegenDieZeit und mir.

Wir versuchen uns das Szenario 100 mal im Kopf durchzudenken und fühlen uns meistens von dem Gedanken "unangenehm" erregt, oder eher erschrocken, und dann müssen wir das szenario nochmals 100 mal im Kopf durchgehen bis nicht diese eine Vorstellung kommt in der man sagt"Nö danke".

Dann haben wir unsere Ruhe für 2 sekunden...dann stellen wir uns aber die Frage "Wieso habe ich dem Barkeeper 200 mal zugesagt und nur 1 mal abgesagt? Ich muss schwul sein!" Und dann geht das ganze sozusagen wieder los.

Das lustige ist aber eben, dass ich schon des öfteren in der Situation war, mit einem Mann intim werden zu können. Und da erlebt man dann die realität. Da hat es mir dann gegraust. Der unterschied ist eben, dass die Realität dann deine Gedanken überrascht und dein Reflex reagiert bevor du denken kannst (würde ich mir so erklären). In Zwangsgedanken ist spielt es sich genau andersrum ab, die Gedanken überraschen dich in der Realität (während du einkaufen gehst, am Klo bist, in der Schule...) und du kriegst nen Schock in den du dich reinsteigerst.

Ich leide seit recht langer Zeit daran (bitte nicht erschrecken...4 Jahre sind es ca.). Ich möchte recht bald versuchen eine Therapiemöglichkeit wahrzunehmen. Mein Traum ist es klarheit zu haben und irgendwann an der tür meiner ex-freundin anzuklopfen und sie in die arme zu nehmen...ich habe sie wegen diesen Gedanken verlassen, wäre aber für sie gestorben und durch die hölle gegangen, ich liebe sie noch immer...sie wusste aber nichts von dem ganzen.

Liebe leser dieses Threads, wir, die solche gedanken haben, meinen es ernst...es ist eine sehr große belastung, das ist noch untertrieben

MZL\2x1


hab ich vergessen, sobald man dann in der realität solch ein szenario erlebt hat und ein angebot abgelehnt hat, kommen kurz dannach gedanken wie "du wolltest es eigentlich, hast dich nur nicht getraut" oder "du hast nein gesagt um dir selber etwas zu beweisen, hat aber nicht geklappt"...

diese gedanken sind wie der kleine fiese junge in kinderkomödien, der immer versucht das gegenteil zu tun, was du willst und der versucht jeden deiner erfolge zu sabotieren. Er will dich am boden sehen, und wenn du am boden bist, gibt er kurz ruhe...er gibt dir kurz die zeit wieder aufzustehen, nur damit er den nächsten gemeinen plan austüfteln kann um dich wieder in die knie zu zwingen.

@ FromHell und Gegen_Die_Zeit

hattet ihr den zwänge oder zwangsgedanken vor denen die ihr jetzt habt?

mNonMd+ste^rne


Liebe leser dieses Threads, wir, die solche gedanken haben, meinen es ernst...es ist eine sehr große belastung, das ist noch untertrieben

Ja, ich weiß. @:)

Ihr seid jetzt schon zu dritt. Vielleicht, hoffentlich schafft ihr es zusammen. :)* :)^

F%ro_mVHelxl


@ M21 und @ Gegen_die_Zeit:

M21, du sprichst mir direkt aus der Seele. Genau so geht es mir auch. Heute z. B. waren Putzleute bei uns im Büro, zwei der drei Männer waren 20-30 Jahre alt, also genau in meinem Alter. Da ging es natürlich in meinem Gehirn wieder mächtig zu und her. Und es sind genau diese fiesen und gemeinen Gedankengänge wie "ach komm', gib dir einen Ruck, du willst es doch auch" oder "du schaust nur weg, weil du in Wirklichkeit schwul bist und drauf stehst, du gestehst es dir nur nicht ein". Oder "schau doch nochmal hin, der sieht doch gut aus, du möchtest doch was von/mit ihm, gibs doch endlich zu".

Das Schlimme daran ist nicht schwul zu sein, sondern der Umstand, dass das ganze bisherige Leben eine Lüge gewesen sein soll. DAS ist es, was uns so aus dem Konzept geworfen hat. Unser Geist versucht uns von etwas zu überzeugen, was offensichtlich NICHT in uns liegt. Dennoch können wir dies aber NICHT als "Beweis" für unsere Heterosexualität annehmen. Wir drehen uns in schwindelerregendem Tempo im ewiggleichen Gedankenkreis und je mehr wir darüber nachdenken, desto weniger sind wir unserer Sexualität sicher. Diese Unsicherheit richtet sich durch unser Gehirn dann gleich gegen uns und suggeriert uns, dass wir wohl schwul sein müssen, wenn wir uns immer weiter von unserem wahren Ich entfernen. DAS ist hier das Problem, und nicht eine gegebene Homosexualität.

Wüsste ich es, wüsste ich, dass ich schwul wäre, so wäre das für mich ein weitaus kleineres Problem, denn ich wüsste zumindest, wer oder was ich bin!

G0egenW_diTe__Zpexit


@ ML21

Ja, retrospektiv leide ich seit dem 13 Lebensjahr unter Zwängen. In den vergangenen Jahren unter zwanghaftem Essverhalten, diversen hypochondrischen Befürchtungen usw.

Und du?

M L21


Ja, es könnte gut sein, dass dieser Gedankenzwang schwul zu sein nur ein weiterer Zwang ist.

Er könnte dich deshalb so stark gefangen haben, weil das Thema Homosexualität bzw. Sexualität im Allgemeinen ein inzwischen weitgehend toleriertes Thema ist und einem klar ist dass man durchaus schwul sein kann. Hingegen sieht ein zwanghaft Essgestörter ganz klar dass sein Verhalten offensichtlich nicht der Norm entspricht, genauso bei hypochondrischer Angst. Des weiteren vielleicht auch, weil die Homosexualität angeboren ist und man dadurch eigentlich keinen Bezugspunkt hat für den man behaupten kann "Hier hat die Störung (Nicht homosexualität sondern der Gedankenzwang) es angefangen". Stattdessen sagt man sich "Hier habe ich realitisiert dass ich eigentlich seit meiner Geburt schwul bin".

Im Gegenteil dazu deine frühere Essstörung...du sagst "Hier wurde mein Essverhalten gestört" und nicht "Hier habe ich realisiert dass ich essgestört geboren wurde"

@ FromHell

Was dir auch auffallen sollte ist folgendes in deinem Text:

ich zitiere:

"ach komm', gib dir einen Ruck, du willst es doch auch" oder "du schaust nur weg, weil du in Wirklichkeit schwul bist und drauf stehst, du gestehst es dir nur nicht ein". Oder "schau doch nochmal hin, der sieht doch gut aus, du möchtest doch was von/mit ihm, gibs doch endlich zu".

...deine quälenden Gedanken sprechen dich nicht in der 1. Person an, sondern in der 2. Sie bezeichnen dich nicht als "ich" sondern als "du". Und das tun sie immer wenn sie auftauchen, das weißt du auch genau. Zum dem Thema habe ich einmal ein unglaublich interessantes Zitat gelesen, welches ich jetzt nur in eigenen Worten verkürzt wiedergeben kann, nämlich: "Bist du der Zuhörer oder der Sprecher? Wenn du nur der Zuhörer bist, dann handelst nicht DU sondern dir wird befohlen etwas zu tun. Wenn du der Sprecher bist, befiehlst du dir nicht etwas sondern handelst aus eigenem Interesse."

Und die ungewollten Gedanken sind die Befehle, welche du von deiner Krankheit empfängst. D.h. dass du das letztendlich garnicht sagst. Und wenn du über den ganzen Verlauf der "Krankheit" nachdenkst, merkst du dass es wirklich einen großen Unterschied gibt zwischen den Gedanken die du als "ich" wahrnimmst und diesen welche du als "du (also Befehl)" wahrnimmst. Stimmts?

G<urkaennasxe


Bezogen auf dieses "war mein ganzes Leben eine Lüge?" kann ich nur etwas sagen, was ich mir nach jedem Scheiss denke, der mir entweder widerfahren ist, oder den ich selber verzapft habe: "Es hat keinen Zweck, über verschüttete Milch zu klagen."

Selbst wenn es stimmen würde, dass man in der Vergangenheit irgendeinen Murks gebaut hat: Scheiss drauf! Die Vergangenheit ist Vergangenheit – und die Zukunft ist noch nicht da.

In dem Punkt folge ich ganz meiner buddhistisch-daoistischen Philosophie, dass Zeit eine Illusion ist. Die Vergangenheit existiert nicht mehr. Es gibt nur die Gegenwart. Nur ein Jetzt! Es gibt kein Land und keinen Ort, den man Vergangenheit nennen würde. Die Vergangenheit ist das HEUTE von gestern, von dem wir lediglich das Echo hören.

Genauso wie die Zukunft, die nur eine Luftspiegelung vor uns ist. Beide existieren nicht wirklich, sondern sind lediglich Konzepte. Kein Grund, sich wegen eines vermeintlichen Gestern oder Morgen verrückt zu machen. Im Zweifelsfall einfach nur genau JETZT entspannen, sich beruhigen und auf den eigenen Atem konzentrieren.

Auch die Fähigkeit zur Entspannung ist trainierbar. Genau hier und jetzt! Gehen die zwanghaften Pferde mit einem durch, dann passiert das auch hier und jetzt. Man tut sowas in der Gegenwart. Also heisst es entspannen und im Hier und Jetzt loslassen zu lernen.

Was in der Vergangenheit angeblich war und der Zukunft vermeintlich passieren könnte sind alles nur Illusionen. Hirnfick! Einfach nur lernen, im Hier und Jetzt loszulassen.

Helfen kann autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Atemübungen etc.

Natürlich klingen solche Zwangsgeschichten gerade für einen Schwulen absurd. Man möge sich vorstellen, ich hätte solche Ängste vor der Heterosexualität usw. usf.

Es wurde das Medikament "Seroquel" erwähnt. Ich würde auf die Nebenwirkungen pfeiffen und dieses Mittel auszuprobieren. Solche Mittel können eine gute Hilfe sein, um solche Gedanken abschütteln zu können.

Der Psychoterror ist tausendmal schlimmer als Nebenwirkungen – zumal solche Zwänge zum Selbstläufer werden können und dazu neigen, sich immer weiter zu verstärken. Die Prognose wird mit der Zeit nicht besser, weil sich sowas immer weiter einschleicht. Irgendwann weiss man gar nicht mehr, wie man ohne solche Zwänge tickt.

Nebenwirkungen haben Medikamente meistens verstärkt in der Anfangszeit der Einnahme. Mit der Zeit verschwinden diese Nebenwirkungen zunehmend.

Ich nehme selber ein Antidepressivum, welches teilweise auch gegen Sozialphobien hilft. Das war im ersten Monat etwas unangenehm.

Irgendwann schlug das aber um. Schlimmer als diese durchgeknallten Gedanken sind solche Nebenwirkungen auf gar keinen Fall.

Patienten quälen sich gerne unnötig weiter, weil sie ANGST vor dem Medikament haben. Wieder Angst. Ängste sind oft ein schlechter Ratgeber.

Seroquel macht wohl in der Anfangszeit ein wenig müde. Ich weiss aber von Fällen, in denen es durchaus gut bei Zwängen geholfen hat.

Ich würde auf das Angebot des Arztes definitiv eingehen. Und unabhängig davon: während der Zwangsgedanken abschalten und entspannen lernen! Ruhe! Entspannung – NUR JETZT!

MAL21


Lieber Gurkennase...

ich wüsste gerne von dir ob du auch im Prozess des Kennenlernens deiner eigenen Person und Sexualität solche Gedankengänge hattest, und ob es eine Qual war deine Sexualität anzunehmen.

Eine wichtige Frage wäre für mich: Hast du dich bei homosexuellen Gedanken befreit oder eingeengt gefühlt in der Anfangsphase deines Kennenlernens?

Ich hoffe die Frage ist nicht zu persönlich

G0ege,n_{diei_Zxeit


@ Gurkennase:

"Natürlich klingen solche Zwangsgeschichten gerade für einen Schwulen absurd. Man möge sich vorstellen, ich hätte solche Ängste vor der Heterosexualität usw. usf."

Du wirst vielleicht lachen, aber auch so etwas ist bekannt, im englischen unter dem Begriff "Heterosexual OCD". Es gibt also durchaus Homosexuelle, die plötzlich ständig darüber nachdenken, ob sie eigentlich nicht heterosexuell sind und darunter leiden...

Merkwürdig ist, dass sich meine Ungewissheit seit dem Beginn vor beinahe einem Jahr nicht im geringsten verändert hat. Ich genauso unsicher wie am ersten Tag, ob ich mir das nur einbilde oder die Realität verleugne.

Hinzu kommt, dass ich bei Frauen im meinem Leben leider wenig Erfolge hatte. Ich war zwar ständig in Frauen verliebt, aber hatte erst zwei kurze Beziehungen zu Frauen. Diese Beziehungen waren zwar sehr schön und leidenschaftlich für mich, aber nach kurzer Zeit wieder vorbei (einmal von mir, einmal von ihr beendet). Unter den Trennungsschmerzen nach der letzten Beziehung habe ich massiv gelitten, wusste gar nicht, wie ich überhaupt weiterleben sollte. Der Schmerz dauert bis jetzt an. Die Angst, schwul zu sein, begann einige Monate danach, da liegt es auf der Hand, da einen Zusammenhang zu sehen.

Ich erinnere mich auch an einen Mitschüler im Gymnasium: Er war sehr gutaussehend, richtig hübsch sogar. Er war und ist ein faszinierender Mensch mit einem unglaublichen Charisma und Ausstrahlung. Immer wieder sind wir damals zusammen ausgegangen, haben Zeit miteinander verbracht, er hat mir sogar gelegentlich kleine Geschenke gemacht. Ich fühlte immer ein besonderes Vertrauen und eine grosse Zuneigung zu ihm.

Nach dem Schulabschluss hat er sich dann als schwul geoutet. Nach einigen Jahren traf ihn wieder, und er erzählte, er sei die ganze Schulzeit unglücklich in mich verliebt gewesen. Ich fand das irgendwie skurril, da ich damals nie in diese Richtung gedacht hätte. Er war ein guter Kollege von mir, den ich sehr mochte, aber richtig verliebt war ich halt ständig in Frauen...

Und nun denke ich auch daran: Warum habe ich es nicht bemerkt? Wollte ich es nicht wahrhaben? Usw...

GburEkeennaxse


Lieber Gurkennase...

ich wüsste gerne von dir ob du auch im Prozess des Kennenlernens deiner eigenen Person und Sexualität solche Gedankengänge hattest, und ob es eine Qual war deine Sexualität anzunehmen.

Eine wichtige Frage wäre für mich: Hast du dich bei homosexuellen Gedanken befreit oder eingeengt gefühlt in der Anfangsphase deines Kennenlernens?

Ich hoffe die Frage ist nicht zu persönlich

Nein, ich wüsste nicht, welche Frage hier im Forum – gerade zu diesem Thema – zu persönlich sein sollte. Sind doch alles Intimitäten. Am Ende sind wir hier alle anonym. Viel anonymer, als es manchmal gut ist. Man kann wochenlang in Foren rumwurschteln; schaltet man aber den PC aus, existiert man bereits für die anderen nicht mehr – und umgekehrt.

Ich hatte niemals ein Problem mit meiner Homosexualität.

In der Pubertät dachte ich ganz am Anfang, dass ich nur selber körperlich so reif sein wollte, wie meine Kumpels, die in meiner Anwesenheit ein Feuer ausgepinkelt hatten.

Ich kam gerade in die Pubertät und war völlig erschrocken, als ich deren Geschlechtsteile sah. Die waren wie bei Erwachsenen, während sich bei mir noch gar nichts getan hat.

Als ich das sah, war ich froh, dass ich mich nicht an der Löschaktion beteiligt habe. Es wäre mir peinlich gewesen.

Seit dem Tag gingen mir deren "Lümmel" nicht mehr aus dem Kopf. Ständig dachte ich daran, wann es endlich bei mir losgeht.

Ich hatte bereits im Alter von acht oder neun Jahren einmal Doktorspiele mit einem Mitschüler gespielt. Das haben wir für ein Weilchen fast regelmäßig getan.

Wir haben halt an uns rumgespielt und "ihn" auch mal in den Mund genommen. Wenn wir in dem Alter darüber gesprochen haben, war von "versauten Spielen" die Rede.

Eine ganze Weile unternahm ich dann was mit anderen Mitschülern. Als ich mich mit diesem Jungen vielleicht ein Jahr später wieder einmal traf – immer noch in der Grundschule, spielten wir erst irgendwas anderes. Dann erwähnte mein Kumpel wieder die zurückliegenden "versauten Spiele".

»War ja ganz schön versaut damals...«, meinte er. »Obwohl – hat schon irgendwie Spaß gemacht.«

Keine fünf Minuten später waren wir wieder bei der Sache.

Das war lange vor der Pubertät. In meiner Wahrnehmung war das halt was "Versautes" und Verbotenes, was die Eltern nicht wissen dürften. Überhaupt war das elterliche Umfeld dort in diesem Kaff schon ziemlich spießig – meine Eltern ausgenommen. Gott sei Dank!

Hätten uns seine Eltern erwischt, hätten sie ihrem Sohn den Umgang mit mir verboten, weil ich einen schlechten Einfluss hätte. Obwohl beide Male er die treibende Kraft hinter diesen Spielchen war.

Durch diesen Charakter des Verbotenen entging mir völlig, dass es eher die Erwachsenen sind, die solche Spielchen spielen. Zumindest mehrheitlich.

Zu diesem Zeitpunkt war ich ca. 9 Jahre alt.

Einige Jahre später war ich mit dem Jungen, Michael war sein Name, nicht mehr in einer Klasse und besuchte ein großes Schulzentrum im Nachbarort, wo ich mittlerweile völlig neue Freunde gefunden hatte.

Zwischendurch dachte ich wohl mal daran, wähnte das aber als frühkindliches Spiel lange hinter mir.

Nun kam ich in die Pubertät, war 12 oder 13 Jahre alt und war völlig auf Geschlechtsreife fixiert. Allmählich merkte ich, dass mich nicht nur mein eigenes Wachstum da unten reizte, sondern auch das der anderen Jungs.

Beim Zelten mit einem Nachbarsjungen war ich dann die Triebfeder für ein weiteres Erkunden des männlichen Körpers. Neben nächtlichen Ausflügen durch die Siedlung (ich erinnere mich noch an das Gefühl von Nacht in der Kindheit – selbst im Fernsehen lief kein Programm mehr) lagen wir halt nachts im Zelt und spielten uns dort gegenseitig an der Nudel rum.

Ich dachte noch darüber nach, dass ich niemals erwartet hätte, sowas je zu wiederholen.

Von diesem Zeitpunkt an nutzte ich die Eigenart der Pubertät, offen für gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu sein. So war es nicht schwer, mit diversen Kumpels zur Sache zu kommen.

Es dauerte allerdings nicht so lange, bis bei meinen Freunden das Interesse an Mädels immer stärker wurde, während ich davon überhaupt nichts spürte.

Ich befürchtete lediglich, dass es immer schwerer wird, mit Kumpels wichsen zu können.

Man konnte spüren, dass einige mittlerweile weniger experimentierfreudig waren und stattdessen händchenhaltend mit der Freundin rumhingen.

Ich zeigte dieses offene Interesse an meinen Kumpels nicht direkt und verschleierte es. Das allerdings aus recht pragmatischen Gründen. Keine Risiken eingehen, dass es dumme Sprüche gibt u. die Runde macht – und Risiken meiden, da es sich sonst ausgewichst hat.

Ich hatte diesbezüglich mit mir selber kein Problem. Mein Kopf ratterte höchstens, wenn es darum ging herauszufinden, was ich einem Freund erzähle, damit er mit mir rumfummelt.

Natürlich habe ich sowas nicht ständig gemacht. Aber es war halt da und ein von mir gehütetes Geheimnis.

Mit 15 zog ich in eine etwas größere Stadt und war dort eine ganze Weile ziemlich isoliert. Meine Schulklasse bestand aus mobbenden Idioten und teilweise üblen Aggroproleten.

An den Wochenenden fuhr ich in meine alte Heimat zurück und traf mich dort mit alten Kumpels. Fast jedes WE war ich dort.

Irgendwann – werktags – sah ich einen schwulen Independant-Film in der Glotze. Dort konnte ich massig junge gutaussehende Schwule sehen, die völlig offen und selbstverständlich zu sich standen, flirteten und sich verliebten.

Insbesondere einer hatte es mir besonders angetan.

Diese Filmfigur fragte einen anderen, ob dessen Kumpel einen Partner hätte oder noch Single sei. Er hatte offenkundig Interesse an diesem anderen Typen.

Diese Selbstverständlichkeit ließ irgendwas in mir überschäumen. Nachdem der Film vorüber war, sagte ich laut zu mir: »Ich bin schwul!«

Das hatte etwas unglaublich Befreiendes, klang aber auch sehr fremd und ungewohnt.

Ich merkte plötzlich, dass da draussen in der Welt noch unzählige andere sind, die wie ich waren und ganz normal flirteten, sich kennenlernten und auch Sex miteinander hatten.

Ich war mit meinem Geheimnis immer ein wenig aussen vor gewesen und konnte am normalen heterosexuellen Leben meiner Altersgenossen nie teilhaben.

Jetzt drängte es mich nur noch, endlich meinesgleichen zu finden.

Ich suchte mir eine schwule Gruppe in meiner Stadt raus und nahm erstmal telefonischen Kontakt auf.

Der Verein hieß "Na Und! – Verein für homosexuelle Männer und Frauen"

Zum allerersten Mal telefonierte ich mit einem echten, lebenden Schwulen. Meine Mutter hatte das Telefon abgeschlossen, weil ich immer extrem hohe Rechnungen verursacht hatte.

Nun hebelte ich dieses Schloss mit einem Trick aus, und telefonierte in Abwesenheit mit meiner Mutter – die Finger schweissnass vor Aufregung – mit einem anderen Schwulen, der mich aufforderte, doch einfach mal vorbeizukommen.

Ich hatte mich ein oder zwei Jahre älter gemacht und fühlte mich durch den Vereinsnamen (Männer und Frauen) irgendwie zu jung. Keine Ahnung, was mich dort erwartete. Ich beschloss, bis zu meiner Volljähigkeit zu warten. Tatsächlich hielt ich es noch acht oder zehn Monate aus. Dann rief ich wieder an und tauchte schlussendlich auch dort auf.

Mit klopfendem Herzen scharwenzelte ich um dieses Haus herum und hatte einen so trockenen Mund, dass ich kaum sprechen konnte. Nachdem ich drin war, fiel diese Beklemmung sehr schnell von mir ab.

Was dann folgte, war sicher die aufregendste und glücklichste Zeit meines ganzen Lebens. All die Anspannung durch die Geheimniskrämerei fiel von mir ab.

Ich erfuhr, dass es dort auch eine Jugendgruppe für Schwule und Lesben gab. Dieser schloss ich mich sehr schnell an und verliebte mich fast augenblicklich in einen sehr gutaussehenden Brasilianer.

Es hat sich eine fremde Welt aufgetan, in der es fortwährend etwas Aufregendes zu entdecken gab. Sei es die erste Disco mit Darkroom, Cruising im Park, Städtereisen mit Gayguide im Rucksack, Kennenlernen der Leder- und Fetischszene...

Ich habe extrem viele tolle und bunte Leute kennengelernt und habe sehr oft gedacht, dass mir als Hetero so viel Spannendes entgangen wäre.

Ich verließ zum Halbjahr die Schulklasse mit den Idioten und wechselte die Schule, weil ich dort nur Mobbing zu erwarten hatte.

In der nächsten Schule besuchte ich die 10.Klasse ab Januar oder Februar und musste sie deshalb nach den Sommerferien nochmal vollständig wiederholen. Immerhin hatte ich einiges verpasst.

In dieser neuen Schulklasse fühlte ich mich wohl und outete mich sofort beim Kennenlernen meiner neuen Mitschüler. Ich wollte damit vor allem jedem dummen Spruch oder Gerücht den Wind aus den Segeln nehmen. Ich trat selbstbewusst schwul auf und war dort voll akzeptiert. Es gab nicht ein einziges Problem mit meiner Homosexualität. Meine Mitschüler standen genauso wie meine Lehrer geschlossen hinter mir.

GVurkzennaxse


Unter den Trennungsschmerzen nach der letzten Beziehung habe ich massiv gelitten, wusste gar nicht, wie ich überhaupt weiterleben sollte. Der Schmerz dauert bis jetzt an. Die Angst, schwul zu sein, begann einige Monate danach, da liegt es auf der Hand, da einen Zusammenhang zu sehen.

Ich erinnere mich auch an einen Mitschüler im Gymnasium: Er war sehr gutaussehend, richtig hübsch sogar. Er war und ist ein faszinierender Mensch mit einem unglaublichen Charisma und Ausstrahlung. Immer wieder sind wir damals zusammen ausgegangen, haben Zeit miteinander verbracht, er hat mir sogar gelegentlich kleine Geschenke gemacht. Ich fühlte immer ein besonderes Vertrauen und eine grosse Zuneigung zu ihm.

Nach dem Schulabschluss hat er sich dann als schwul geoutet. Nach einigen Jahren traf ihn wieder, und er erzählte, er sei die ganze Schulzeit unglücklich in mich verliebt gewesen. Ich fand das irgendwie skurril, da ich damals nie in diese Richtung gedacht hätte. Er war ein guter Kollege von mir, den ich sehr mochte, aber richtig verliebt war ich halt ständig in Frauen...

Und nun denke ich auch daran: Warum habe ich es nicht bemerkt? Wollte ich es nicht wahrhaben? Usw...

Zum ersten Absatz: gerade der große Trennungsschmerz nach einer heterosexuellen Beziehung ist nun gar kein Indiz für Homosexualität.

Auch das Nichterkennen der Homosexualität eines Freundes ist ein gutes Indiz für die eigene Heterosexualität. Als Hetero fällt einem sowas oftmals überhaupt nicht auf.

Fast jeder Mensch hat irgendwo homosexuelle Anteile. Schwul ist man aber erst, wenn diese Anteile praktisch das ganze Spektrum ausmachen.

Frauen sind und bleiben dann in den eigenen Augen ein sexuelles Neutrum. In Sachen Erotik völlig langweilig, belanglos und höchstens so schön wie eine Pflanze. Zumindest vom erotischen Standpunkt aus. Diese völlige erotische Reizlosigkeit ist Vorraussetzung fürs Schwulsein.

Nebenbei haben richtig tiefe Freundschaften – auch unter Männern – nicht selten etwas von Verliebtsein. Eine richtig enge Freundschaft geht nicht selten mit Liebe einher – und die Menschen bewegen sich größtenteils auf einem bi-Spektrum – irgendwo zwischen ganz schwul oder völlig hetero.

Nähe und Zuneigung – sogar ein erotischer Reiz ist überhaupt kein Zeichen fürs Schwulsein. Obwohl ich ein Freund von klaren Begriffen bin, muss ich hier ausnahmsweise mal denjenigen beipflichten, die sich immer kritisch über Schubladen äußern.

Worte sind grundsätzlich Schubladen. Wir brauchen sie, um uns verständlich machen zu können. Ein Wort ist ein Avatar, bei dem man sich innerhalb einer Sprachgemeinschaft auf eine Bedeutung geeinigt hat. Bei Gegenständen oder Tätigkeiten ist diese Benennung oft einfach.

Aber Gefühle sind abstrakter und nicht genormt. Ich finde die Schublade "schwul" insofern schon gut, weil es eben Homosexualität gibt. Ich kann damit sagen: Genauso bin ich. Das ist etwas anderes als Bisexualität oder Heterosexualität.

Diese Begriffe können helfen, sich mitzuteilen und manche Dinge im Verständnis der Welt zu vereinfachen.

Man kann Worte aber auch überbewerten. Es gibt kein Produkt namens "Schwulsein", welches von einem anderen Fließband läuft als Heterosexualität. Es gibt in der Psyche keine gezogenen Grenzen, die Gefühle voneinander trennen wie eine Wasseroberfläche von der Luft über ihr.

Eindeutige Gefühle können wir benennen – aber im Grunde ist es für die Gefühle nicht wichtig, welches Namensetikett wir draufkleben.

Sicher steckt irgendwo auch in mir eine bisexuelle Ader. In vielen sogenannten Heteros findet man vielleicht mehr davon als in den bekennenden Schwulen – eben weil sich Menschen erst dann als schwul bezeichnen, wenn sie nach einem oft jahrelangen Selbsterkennungsprozess mit Sicherheit sagen können, dass sie nichts Heterosexuelles in sich finden.

Wenn in mir also eine Heteroader liegt, dann sicherlich ziemlich tief und verschüttet.

Im Gegensatz zu geouteten Schwulen gilt als Hetero grundsätzlich erstmal jeder, der keinen Coming-Out-Prozess erlebt hat.

Tatsächlich ist aber das größte Spektrum eher Bi- als Heterosexuell.

(Spürbar) homosexuelle Anteile sind somit in der Gesellschaft etwas völlig Normales und Alltägliches – wenn auch gerne ein wenig Totgeschwiegenes.

Es gibt nicht nur die Extreme "schwul" und "hetero". Die Mehrheit liegt dazwischen. Von daher braucht man sich auch über dann und wann mal auftauchende homosexuelle Gedanken nicht zu wundern. Das geht wohl einem Großteil der Menschen so. Kein Grund, ein Gewese darum zu machen.

Ich weiss, dass Betroffene bei diversen psychischen Störungen jeden Ratschlag mit »Ja aber...« quittieren. Es kommt dann immer der Einwand, warum die Störung keinen Ausweg zulässt, oder dass man solche Gedanken eben nicht ablegen kann.

Man kann es aber durchaus. Es überwinden ja auch immer wieder Menschen schwere Zwangsstörungen. Kein Grund also, verzweifelt zu resignieren.

Den Tipp mit dem Medikament hatte ich ja schon gegeben. Ich würde alles tun, was Hilfe verspricht. Das schließt in solche Härtefällen auch Medikamente ein. Die machen im Kopf nichts kaputt. Eine solche Störung allerdings schleift sich tief in die Hirnstruktur ein, wenn man sie nicht angeht.

Und deshalb nochmal: Es gibt keine Vergangenheit, wegen der man sich Sorgen über vergangene Fehler machen müsste. Die Vergangenheit ist vergangen. Nur ein Echo.

Die Zukunft gibt es auch nicht. Das ist nichts als ein Hologramm, eine Fata Morgana, die noch überhaupt keinen Bestand hat.

Es gibt nur ein Jetzt! Und wenn eine Gedankenattacke kommt, dann kommt diese Attacke im Jetzt. Dann heisst es beruhigen und runterkommen. Atmen, entspannen und Entspannung lernen. Nur im Hier und Jetzt. Alle Zukunftsängste etc. finden nicht in der Zukunft statt. Sie finden im Jetzt statt. Das ist nur ein einziger Punkt. Wir befinden uns nur in der einen Sekunde, die uns jetzt umgibt. Wir müssen nichts weiter tun, als in dieser Sekunde loszulassen.

Damit man es besser und besser schafft, empfiehlen sich wirklich Entspannungsübungen oder Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.

Das ist etwas Handfestes, was man wirklich umgehend beginnen kann. Und es ist erfolgversprechend – und viel erfolgversprechender als Nichtstun sowieso.

MbL2x1


wow, vielen dank Gurkennase für die 2 tollen und aufschlussreichen Beiträge.

Ich hoffe, dass sich einige personen eben diese Seite anschauen und es ihnen hilft mit sich besser ins reine zu kommen.

Also mir hast du geholfen. Ich bin mir natürlich auch im klaren, dass nicht jeder Homosexuelle seine Sexualität genauso entdeckt wie du, aber dein Text hilft mir zu sehen ob ich Parallelen zu meinem Leben finden kann.

Ich bin ganz ehrlich, ich hatte im Laufe meiner jüngeren Jahre sowohl als auch Fantasien und Gedanken. Jedoch viel mehr Interesse an Frauen. Hin und wieder hat sich ab 13,14 ein Schwulenporno oder ein Gedanke eingeschlichen. Meistens eine Fantasie mit einem "Mann ohne Gesicht" sozusagen. Kein Brad Pitt, George Clooney usw :) sondern eher eine fiktive Person die nicht in meiner Fantasie war um mich zu streicheln küssen oder sonstiges, sondern um mich zu unterdrücken. Meine homosexuellen Fantasien hatten und haben eher etwas masochistisches als romantisches an sich.

Ich weiß nicht wieso das bei mir so war oder ist. Ich finde Männer nicht sexuell attraktiv, oder ihr Aussehen erregend, ich finde nicht mal die Vorstellung intim zu werden schön...ich finde sie erniedrigend (und mir ist klar, dass homosexueller Sex keines wegs erniedrigend ist), aber das ist die Vorstellung die mich irgendwie reizt. Und genauso wie mich meine Fantasie erniedrigt tut es auch meine Angst. Die Vorstellung tut mir nicht gut um es so auszudrücken, ich fühle dabei nicht die Sehnsucht nach Liebe oder einem schönen Gefühl, sondern die Sehnsucht nach Erniedrigung, ein äußerst unbehagliches und deprimierendes Gefühl, welches mich auf masochistische Art und Weise erregt. (Diese Zeilen machen mir selber Angst und iich finde sie auch erschreckend)

Hingegen weiß ich noch, wie ich mit ca. 9 Jahren einer Klassenkameradin ein Herz basteln wollte, sie war die hübscheste in der Klasse und ich wusste, dass ihr viele Kerle ein Herz basteln würden (es war wohl offiziell Valentinstag). Ich wollte ds schönste basteln, als mit ihr dann nix wurde verspürte ich eine starke körperliche Anziehung zu einem anderen Mädchen in der Klasse (ich kenne sogar noch ihrer beider Namen). Dann als ich sexuelles Empfinden entwickelt habe, einmal mit 14 oder so diese bombastisch geile, braungebrannte, knackarschige und asiatische Frau mit wunderschönen langen schwarzen Locken in der Tageszeitung auf seite 2 gesehen habe.

Ich kann mich sogar noch an das Foto erinnern. Sie saß am Rande eines Swimming-Pools, ihr Rücken zur Kamera gedreht schön gestreckt und fest, das Gesicht in Richtung Kamera mit einem "schmutzigen" Lächeln und dieser Hintern am Pool-Rand, so schön rund und fest und boooaoaahhh!!! Ich hab mir glaub ich damals 4 mal täglich zu diesem Foto einen von der Palme gewedelt und hatte noch immer nicht genug :)

In der Realität habe ich nur für Frauenärsche Interesse gezeigt um es so auszudrücken :)

Nur ihr Parfum, das Geräusch ihrer Stöckelschuhe, ihre langen wohlriechenden Haare und dieser geschmeidige Gang...ich wär fast explodiert. So gings mir bis vor 4 Jahren...und dann kam die Angst.

Meine Libido ist meist am Boden, niedergedrückt von 1000 Fragen gleichzeitig. Wenn ich mit einer Frau im Bett lande, wenn es sich eben zufällig ergibt....dann verschwinden all meine Ängste, alle Zweifel, alle Sorgen (wirklich alle) und ich lasse los für diese Zeit. Ein sehr schönes Gefühl, doch er kommt wieder, dieser Gedanke, und er kommt immer mit der Frage "Hast du dir das sicher nicht alles eingeredet" :S

Ich wurde schon oft von Männern angemacht, was mir ziemlich unangenehm war. Da waren Sachen dabei...offensichtliche Flirts, schmutzige Gesten (z.B. die "Blasen"-Handbewegung, ihr wisst schon, Hand vor den Mund und Zunge gegen die Mundwand), billige Anmachen, Arschkneifer (aber kein freundschaftlicher :S hehe), Facebook-Privatnachricht-Anmachen (zahlreiche), mit nem Kumpel allein zuhause und er streift mir "zufällig" über die Beine und meint scherzhalber "du könntest mich schon ficken". Letzteres von meinem besten Freund, ich ahne schon seit längerem, dass eine Bi-Ader oder Homosexualität bei ihm besteht...könnte ihm aber um Gottes Willen niemals böse sein, ein toller Mensch und sehr klug. Habe mich niemals zu etwas hinreißen lassen. Wieso? Keine Ahnung, vllt einfach kein Bock? War immer erleichtert der Situation zu entkommen.

Und als ich den Anmachen ausweichen konnte dann wieder diese Fragen kurz dannach "Sicher, dass du es doch nicht wolltest?" "Vielleicht willst dus ja, hast nur zu viel Angst?" und es geht wieder los.

So, ein großer Teil meiner Geschichte.

Den unglaublichsten Menschen der Weltgeschichte, meine Ex-Freundin, ein Engel auf Erden, lasse ich jetzt mal weg weils sonst viel zu lang wird.

F4romxHell


@ Gurkennase:

Vielen herzlichen Dank für deine offenen und aufschlussreichen Zeilen! Much appreciated! :)z Ich versuche übrigens nun das Seroquel (vorderhand 50 mg Retard) konsequent einzunehmen, auch wenn es mich so unglaublich müde macht. Glaubst du die Räubergeschichten von wegen "Neuroleptika schäden das Gehirn nachhaltig und lassen es binnen Tagen um 10 % schrumpfen" nicht?? ??? Was hältst du von Venlafaxin? Wäre das ein Versuch wert? Ich hatte nur Cymbalta (Duloxetin) von den SNRI's bislang...

@ M21:

Schön geschrieben! Es geht mir in gewisser Weise ähnlich, wohl aber kann ich NIE abschalten, also nicht mal beim Sex mit einer Frau. Daher auch die meist massiven Beeinträchtigungen wie mangelnde Erektion oder viel zu wenig Härte usw... Das füttert die Zwangsgedanken natürlich jedes Mal aufs Neue, das haben wir in diesem Faden aufs Detaillierteste erörtert.

Ich liebe den Duft der Frauen, ihre Parfums, ihre Haare, etc. x:) Das ist meiner Meinung nach weder eingebildet, noch anerzogen.

Ich erinnere mich an eine Situation in der Oberstufe (da war ich 15, die Pubertät kam gerade so zum Vorschein, Stimmbruch hatte ich noch nicht), ich sass neben einer Mitschülerin und statt auf den Unterricht konzentrierte ich mich auf meine sexuelle Erregung. Ich hatte einen richtig harten Steifen, weil ich mir vorstellte, wie ich mit ihr nackt auf einer Bank läge und kuschelte... ]:D

GVurke)nnase


Seht ihr?!

Und ich bin tatsächlich schwul und habe keine einzige der hier geschilderten Empfindungen gegenüber Frauen.

Hingegen weiß ich noch, wie ich mit ca. 9 Jahren einer Klassenkameradin ein Herz basteln wollte, sie war die hübscheste in der Klasse und ich wusste, dass ihr viele Kerle ein Herz basteln würden (es war wohl offiziell Valentinstag). Ich wollte ds schönste basteln, als mit ihr dann nix wurde verspürte ich eine starke körperliche Anziehung zu einem anderen Mädchen in der Klasse (ich kenne sogar noch ihrer beider Namen). Dann als ich sexuelles Empfinden entwickelt habe, einmal mit 14 oder so diese bombastisch geile, braungebrannte, knackarschige und asiatische Frau mit wunderschönen langen schwarzen Locken in der Tageszeitung auf seite 2 gesehen habe.

Ich kann mich sogar noch an das Foto erinnern. Sie saß am Rande eines Swimming-Pools, ihr Rücken zur Kamera gedreht schön gestreckt und fest, das Gesicht in Richtung Kamera mit einem "schmutzigen" Lächeln und dieser Hintern am Pool-Rand, so schön rund und fest und boooaoaahhh!!! Ich hab mir glaub ich damals 4 mal täglich zu diesem Foto einen von der Palme gewedelt und hatte noch immer nicht genug :)

In der Realität habe ich nur für Frauenärsche Interesse gezeigt um es so auszudrücken :)

Nur ihr Parfum, das Geräusch ihrer Stöckelschuhe, ihre langen wohlriechenden Haare und dieser geschmeidige Gang...ich wär fast explodiert. So gings mir bis vor 4 Jahren...und dann kam die Angst.

UND

Ich liebe den Duft der Frauen, ihre Parfums, ihre Haare, etc. x:) Das ist meiner Meinung nach weder eingebildet, noch anerzogen.

Ich erinnere mich an eine Situation in der Oberstufe (da war ich 15, die Pubertät kam gerade so zum Vorschein, Stimmbruch hatte ich noch nicht), ich sass neben einer Mitschülerin und statt auf den Unterricht konzentrierte ich mich auf meine sexuelle Erregung. Ich hatte einen richtig harten Steifen, weil ich mir vorstellte, wie ich mit ihr nackt auf einer Bank läge und kuschelte...

Frauenärsche finde ich extrem ungeil. Ich fühle mich von Frauen genausowenig angezogen wie von einem Alien; einer anderen Spezies.

"Lange, wohlriechende Haare" bei Frauen, ein weiblicher "geschmeidiger Gang" und überhaupt alles, was als "typisch weiblich" gilt, sind für mich die totalen Abturner.

Hin und wieder sehe ich wirklich gutaussehende Typen mit ihren jeweiligen Freundinnen – z.B. im Bus.

Manchmal denke ich dann schon instinktiv: »Das die immer so eine Uschi dabei haben müssen...« Es geht mir nicht in den Kopf hinein, wie man überhaupt auf diese weiblichen Attribute abfahren kann.

Natürlich weiss ich natürlich, wie der Trieb funktioniert. Ich weiss auch, dass bei den heterosexuellen Männern das gleiche abläuft, wie bei mir; lediglich bezogen auf Frauen.

Es ist also nicht so, dass ich das Wesen der Heterosexualität nicht verstehe. Aber sexuelle Anziehung ist eben keine Kopfsache und kann mit dem Verstand nicht geknackt werden.

So schön sehen z.B. Geschlechtsteile nicht aus, dass wir ein riesengroßes Interesse daran hätte, wenn unser Trieb nicht wäre.

Gäbe es diesen Trieb nicht – und gäbe es keine zwingende Veranlassung, sich auf diese Weise fortzupflanzen, so wären die Menschen wohl bei der Vorstellung angeekelt, sich gegenseitig an den unteren Körperöffnungen rumzumachen. Das wäre dann "Pfui".

Zu Frauen zieht mit sexuell, erotisch und in Liebesdingen nullkommagarnichts hin. Sehe ich, wie so mancher Mann wegen einer Frau wie ein geiler Rüde total abgeht, dann geht es mir wie diesem hypothetischen nicht-sexuellen Menschen, der das einfach überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Na klar, ich bin Heterosexualität seit meiner Kindheit gewohnt und verstehe, dass Männer Frauen eben durch eine Brille sehen, die mir in diesem Fall schlichtweg fehlt.

Ich kann die Faszination für weibliche Brüste nicht verstehen, mag schon solche großen Brustwarzen nicht und kann mich für diese weichen Formen nicht erwärmen.

Weibliche Genitalien sind für mich wie innere Organe mit Haaren drauf.

Normalerweise werde ich diesbezüglich nicht so direkt. Es geht nicht darum, dass ich irgendwelche Frauen beleidigen oder von oben herab betrachten würde. Mir geht es hier nur um meine innere und äussere Reaktion auf den weiblichen Körper.

Somit stelle ich einmal ganz deutlich klar, dass es zwischen uns aufgrund unserer sexuellen Präferenz fundamentale Unterschiede gibt. Schwul zu sein bedeutet nicht nur die extreme Hingezogenheit zu Männern und dem männlichen Körper. Es bedeutet auch ein starkes abgestoßen werden vom weiblichen Körper. Das ist wie zwei Magneten, die mit den gleichen Polen aufeinandergelegt werden sollen. Das funktioniert absolut nicht.

Ich kann auch beurteilen, ob eine Frau gemeinhin als hübsch oder gutaussehend gilt. Ich kann Frauen auch sehr gerne haben. Das Interesse wird aber niemals körperlicher sein, als gegenüber meiner Schwester oder meiner Mutter.

Aber nochmal zur Wiederholung: Es gibt ein sehr weites Spektrum zwischen absolut hetero- und absolut homosexuell.

Als Schwul bezeichnen sich in der Regel diejenigen, die in einem langen Prozess herausgefunden haben, dass sie in sich überhaupt keine heterosexuellen Anteile spüren.

Das ist – an der Gesamtheit der Männer gesehen – eine verhältnismäßig kleine Gruppe. Die bekennenden (!) Schwulen sind bereits durch einen Selbsterkennungsprozess durchgewandert. Unten aus der "Maschine" kommen dann so ziemlich "reine Schwule" heraus. Wer in sich eine heterosexuelle Ader spürt, nennt sich nicht schwul.

Das sind die bekennenden Schwulen.

Die "reinen Heteros" sind das andere äussere Extrem.

Hier gibt es jedoch einen fundamentalen Unterschied. Durch den fehlenden Coming-Out-Prozess ist diese Gruppe sozusagen noch nicht gefiltert worden. Tatsächlich bezeichnen sich ja so ziemlich fast alle Männer als "heterosexuell" – obwohl in der Gruppe auch allle Schattierungen von Bisexualität existiert.

Unendlich viele Männer – dem eigenen Selbstverständnis nach "heterosexuell" hat eben zusätzlich auch einen homosexuellen Anteil.

Das könnte 1% der Sexualität ausmachen, dass kann aber auch 99,9% ausmachen.

Diese Anteile sind oftmals zu vernachlässigen und spielen eine so untergeordnete Rolle, dass man getrost von Heterosexualität sprechen kann. Wenn dann mal vereinzelt ein anderer Mann attraktiv wirkt – oder sich im Extremfall sogar mal in eine Wichsfantasie einbaut, macht das aber noch keinen Schwulen.

Glaubt man diversen seriösen Studien, dann geht das nämlich wirklich vielen Männern so.

Auf der Wikipedia-Seite zum Thema "Homophobie" wird auf diese faszinierende amerikanische Untersuchung hingewiesen, bei denen man ausschließlich "heterosexuellen" Männern schwule Pornos zeigt.

Der Körper wurde währenddessen überwacht und entstehende Errektionen mittels Phallographie gemessen.

Nicht wenige Männer wurden eindeutig (!) erregt. Unter den homophoben Heteros war die Anzahl der eindeutig erregten Männern nochmal viel höher.

(Infos dazu stehen hier in diesem Absatz – Tabelle rechts beachten):

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Homophobie#Wissenschaftliche_Untersuchungen]]

Männer mögen da vielleicht wenig drüber sprechen – aber homosexuelle Gedanken kommen auch bei Heteros dann und wann mal vor – weil die meisten Menschen eine gewisse Bisexualität besitzt.

Bei diesem Experiment kann übrigens davon ausgegangen werden, dass auch diejenigen ohne Errektion in gewissen Lebenslagen mal einen homosexuellen Gedanken haben.

Was schwul zu sein jedoch bedeutet, habe ich ja am Anfang genauer beschrieben. Das ist einfach etwas anderes.

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